Bauentwurfslehre

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Das Buch Bauentwurfslehre von Ernst Neufert ist ein Standardwerk, das sich mit Normung und Bauplanung in der Entwurfsphase auseinandersetzt. Anhand von detaillierten Beispielzeichnungen, die von der Ergonomie des menschlichen Umfelds, über spezifische Anforderungen diverser Bauaufgaben, bis hin zu bautypologischen Betrachtungen allgemeiner Art reichen, wird diese Sammlung von Normen, Maßen und Abstandsflächen veranschaulicht. Konzipiert wurde das Buch als Hilfsmittel für Studenten und Architekten und als Leitfaden für Bauherren und Planer.

1936 wurde das Buch zum ersten Mal beim Ullstein Verlag unter dessen Imprint Bauwelt-Verlag in Berlin verlegt und später mehrfach aktualisiert und überarbeitet. 2016 erschien die 41. Auflage. Bis 1986 leitete Ernst Neufert selbst die Redaktion, die später sein Sohn Peter innerhalb der Planungs AG Neufert Mittmann Graf Partner weiterführte. Die Bauentwurfslehre wurde in 18 Sprachen übersetzt und erscheint heute nahezu weltweit.

Die Bauentwurfslehre hat eine Auflage von über 300.000 Exemplaren in Deutschland und über 500.000 Exemplaren in der übrigen Welt und ist damit eines der erfolgreichsten Architekturbücher des 20. Jahrhunderts.

Hinzuweisen ist hier auf die ab 1943 erschienene "Bauordnungslehre" von Ernst Neufert. Seine dort behandelte Maßordnung stellt eine detaillierte Erweiterung der "Bauentwurfslehre" dar und bildet die Grundvoraussetzung für DIN 4172 (Maßordnung im Hochbau). Das im Untertitel der Bauordnungslehre angeführte "geregelte Maß" ist nichts anderes, als das von Vitruv in seinem Traktat "De architecctura libri decem" zur Grundlage des architektojischen Entwerfens dargestellte Grundmaß/Modul. Ernst Neufert nimmt bereits in den Titelvignetten seines Werks auf den von Vitruv vorgestellten "homo bene figuratus", Proportionsfigur des wohlgeformten Menschen, bezug (Homo quadratus und Homo circularis); der Mensch ist demnach das Maß aller Dinge. Sämtliche Maßordnungen in den Alten Hochkulturen, der Antike, des Mittelalters, der Renaissance, bis auf die Gegenwart beruhen auf anthropometrischen Maßreihen (Fuß, Elle ... Meter = 3 Fuß).

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum Teil etwas übertrieben wirkendende Genauigkeit, mit der Neufert die Maße sogar von Tieren wie dem „belgischen Riesen bei aufgestelltem Ohr“ beschreibt, trug in Fachkreisen häufig zur Belustigung bei. Gleichwohl ist die Bauentwurfslehre, auch „der Neufert“ genannt, seit über 70 Jahren ein grundlegendes Instrument des ingenieurtechnischen und architektonischen Alltagsschaffens.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Neufert: Bauordnungslehre. Handbuch für rationelles Bauen, nach geregeltem Maß, 3. Auflage, Frankfurt - Berlin 1961
  • Ernst Neufert, Johannes Kister: Bauentwurfslehre. Grundlagen, Normen, Vorschriften über Anlage, Bau, Gestaltung, Raumbedarf, Raumbeziehungen, Maße für Gebäude, Räume, Einrichtungen, Geräte mit dem Menschen als Maß und Ziel; Handbuch für den Baufachmann, Bauherrn, Lehrenden und Lernenden; mit Tabellen. 41., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-09938-1

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Prigge (Hrsg.): Ernst Neufert. Normierte Baukultur im 20. Jahrhundert. Edition Bauhaus Dessau. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36256-2

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]