Bauerschaft (Siedlungsform)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Bauernschaft (Organisationsform) und Bauerschaft (Siedlungsform) überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. morty 12:17, 12. Sep. 2009 (CEST)

Eine Bauerschaft (ndd. buerschap; nicht zu verwechseln mit dem in diesem Zusammenhang auch fälschlich verwendeten Begriff Bauernschaft) ist im niedersächsisch-westfälischen Sprachraum eine ländliche Siedlungsform, die häufig nur aus wenigen, verstreut gelegenen Bauernhöfen besteht; es gibt Ähnlichkeiten mit der Siedlungsform eines Weilers.

Begriffsverwendung[Bearbeiten]

Die Verwendung von Bauerschaft im Sinne einer Ansiedlung geht zurück auf die Bezeichnung Bauer-Schaft (ohne „n“): Das niederdeutsche burschap oder buerschap und die latinisierte Form burscapium sind abgeleitet von bur = Haus und bedeuteten im Mittelalter ursprünglich etwa „Höfeverband“ oder kleiner Siedlungskomplex. Es ist nicht möglich, die Siedlungsform einer Bauerschaft in den Ländern des deutschen Sprachraums einheitlich zu beschreiben. Vielmehr verstand sich diese als Siedlungsgemeinschaft einiger mehr oder weniger nahe gelegener Höfe.

Neuzeit[Bearbeiten]

Gedenkstein für die Bauerschaft Rodde, heute ein Stadtteil von Rheine.

Bis in die 1970er Jahre waren einzelne Bauerschaften in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch eigenständige Gemeinden. Häufiger allerdings waren mehrere Bauerschaften zu einer Gemeinde (z. B. unter der Bezeichnung Kirchspiel, wie in Dülmen), zusammengefasst. Der große Teil der Bauerschaften war politisch nie selbständig, sondern immer Teil einer Gemeinde. Seit den Kommunalreformen der 1960er und 1970er Jahre gibt es keine Bauerschaften als eigenständige Gemeinden mehr.

Vor allem in Nordwestdeutschland findet der Begriff häufig noch offizielle Verwendung, obwohl diese Siedlungen längst über ein paar Höfe hinaus angewachsen sind (siehe beispielsweise Isernhagen). Im Münsterland haben sich die Bauerschaften als Straßennamen erhalten. Ein verzweigtes Netz kleinster Straßen trägt dann einen Bauerschaftsnamen, manchmal beidseits einer anders benannten Hauptstraße, wie beispielsweise in den äußeren Bereichen der Stadt Warendorf.

In manchen Gegenden lässt sich der Umfang einer (ehemaligen) Bauerschaft nur an Lage und Namen der einzelnen Höfe und ihrer Ländereien sowie unter Berücksichtigung der Flurformen und Flurnamen im Urkataster genau erschließen.

Wohnplatznamen mit -bauerschaft[Bearbeiten]

Die preußischen Gemeindelexika der einzelnen Provinzen im Jahr 1895 dokumentieren mit -bauerschaft zusammengesetzte Wohnplatznamen.

  • Provinz Westfalen[1]: Aabauerschaft im Kreis Coesfeld; Braubauerschaft im Landkreis Gelsenkirchen (1900 in Bismarck umbenannt und 1903 nach Gelsenkirchen eingemeindet, heute aber noch Straßenname dort); Dorfbauerschaft im Kreis Warendorf; Dorfbauerschaft 3 mal im Landkreis Münster; Dorfbauerschaft, Kreuzbauerschaft, Nordbauerschaft, Oberbauerschaft (3 mal), Osterbauerschaft (2 x) und Westerbaurschaft im Kreis Lüdinghausen; Dorfbauerschaft im Kreis Paderborn; Feldbauerschaft, Kirchbauerschaft und Westerbauerschaft im Kreis Steinfurt; Klosterbauerschaft im Kreis Herford.
  • Provinz Hannover[1]: Mittlere Bauerschaft Rodewald, Obere Bauerschaft Rodewald, Untere Bauerschaft Rodewald im Kreis Neustadt am Rübenberge; Sandbauerschaft im Kreis Norden.
  • Provinz Rheinland[1]: Unterbauerschaft im Kreis Rees; Bauerschaft Neviges im Kreis Elberfeld.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Gemeinde-Lexikon Preußen, Bd. X (Prov. Westfalen), Volkszähl. 2. Dez. 1895, Verlag der Königl. Statist. Bureaus, Berlin (1897)
  2. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1888.

Siehe auch[Bearbeiten]