Bauma

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde im Kanton Zürich. Weitere Bedeutungen siehe Bauma (Begriffsklärung).
Bauma
Wappen von Bauma
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich ZH
Bezirk: Pfäffikonw
BFS-Nr.: 0297i1f3f4
Postleitzahl: 8493 (Saland)
8494 (Bauma)
8499 (Sternenberg)
UN/LOCODE: CH QBA
Koordinaten: 708720 / 247385Koordinaten: 47° 22′ 6″ N, 8° 52′ 41″ O; CH1903: 708720 / 247385
Höhe: 639 m ü. M.
Fläche: 29,66 km²
Einwohner: 4837 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 163 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
15,7 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.bauma.ch/de/
Gasthaus Tanne in Bauma

Gasthaus Tanne in Bauma

Karte
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Bauma ist eine politische Gemeinde im Bezirk Pfäffikon des Kantons Zürich in der Schweiz. Per 1. Januar 2015 fusionierte Bauma mit der Gemeinde Sternenberg zur Gemeinde Bauma.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung:

In Silber auf grünem Boden eine grüne Tanne mit rotem Stamm

Es gibt verschiedene Theorien, wie das Wappen der Gemeinde Bauma entstanden ist. Die eine nimmt Bezug auf das Jahr 1740, als erstmals ein Wappen erwähnt wird.[3] So wurde wohl die ursprüngliche Abbildung, welche einen grünen Laubbaum mit rotbraunem Stamm auf grünem Boden zeigt, in der Zeit der Helvetik angepasst und der Laubbaum durch die Tanne ersetzt. Die Tanne war 1798 als Freiheitsbaum auf dem Dorfplatz gepflanzt worden, um die Franzosen als Boten der Freiheit zu empfangen.

Das Wappen wurde offiziell am 26. Oktober 1926 von der Kantonalen Wappenkommission Zürich begutachtet und einstimmig beschlossen. Der Gemeinderat von Bauma stimmte dem am 3. März 1927 zu, wünschte aber weitere Nachbesserungen. Nach einer aktualisierten Herausgabe am 13. Oktober 1970 durch die Antiquarische Gesellschaft des Kantons Zürich war der Gemeinderat grundsätzlich einverstanden und befand es als sehr ansprechend.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauma liegt im voralpinen Teil des Tösstales im Zürcher Oberland auf 639 m ü. M. an der Bahnlinie WinterthurRüti ZH. Die Stadt Winterthur liegt 19 km und die Stadt Zürich 25 km Luftlinie entfernt. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich beim Chlihörnli auf 1'073 m ü. M., der tiefste an der Töss bei Saland auf 595 m ü. M.

Die Gesamtfläche von 2'076 ha unterteilt sich in:

  • 50 % Wald
  • 34 % Landwirtschaft
  • 16 % Siedlungen

Zum Gemeindegebiet gehören neben dem Dorf Bauma die Ortschaften und Weiler Saland, Laubberg, Blitterswil, Juckern, Dillhaus, Undalen, Altlandenberg, Bliggenswil, Wolfensberg, Hörnen, Schindlet, Wellenau und Lipperschwendi.

Die Nachbargemeinden von Bauma sind im Uhrzeigersinn Fischingen TG, Fischenthal, Bäretswil, Hittnau, Pfäffikon, Wildberg ZH und Wila.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgruine Altlandenberg
Töss mit Bahnstrecke Winterthur – Rüti
Flarz in Bauma

Die Besiedelung durch den Einzug der Alemannen[4] erfolgte im 7. bis 10. Jahrhundert in den höheren Geländeterrassen, namentlich Allenwil, Bettswil, Bliggenswil, Blitterswil, Hörnen, Lipperschwendi, Undalen, Wellenau und Wilen. Im Einflussbereich des Klosters St. Gallen kam das Christentum in die Gegend und gleichzeitig die Urbanisierung.

Die Herren auf der Burg Alt-Landenberg intensivierten den Landausbau im 12. und 13. Jahrhundert. Bereits 1315 fielen die letzten Ritter der Habsburger in der Schlacht am Morgarten, und die Burg ging an die Abtei St. Gallen zurück. Über die nächsten Jahrhunderte wechselte die Burg immer wieder den Besitzer und verfiel zunehmend.

1549 ging das Niedergericht durch Kauf an Zürich über. Die eigentliche Geburtsstunde der Gemeinde Bauma war erst mit dem Bau der reformierten Kirche 1651 und der damit einhergehenden Unterstellung der umliegenden Siedlungen in den Verwaltungsbereich der Kirche. In diesem Jahr bestand das Dorf lediglich aus vier Häusern. Der örtliche Pfarrer war zu dieser Zeit gemeinsam mit seiner Stillstand für die Religion, die Schulen, die Fürsorge, für Recht und Ordnung und auch für das Strassenwesen zuständig.[5] Die Gemeinde erhielt 1661 das Markt- und Zollrecht,[6] und von da ab entwickelte sich Bauma zum Zentrum des oberen Tösstales. Die im Jahre 1651 erstellte Kirche wurde 1771 abgebrochen und an gleicher Stelle durch einen neueren, grösseren Bau ersetzt.

Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu schweren Rückschlägen in der Entwicklung der Gemeinde. 1786 brannte ein grosser Teil des Dorfes, und der Brand konnte aufgrund der Holzbauten nur schwer kontrolliert werden.[7] Immer wieder gab es Hungersnöte, so auch 1816 im Jahr ohne Sommer als 156 Einwohner an Schwäche starben.

Unter Napoleon und der von ihm initiierten Helvetik entstand die politische Gemeinde Bauma und gehörte zwischen 1798 und 1803 dem helvetischen Distrikt Fehraltorf an. Dies wechselte über die nächsten Jahre mehrmals, ab 1803 bis 1814 gehörte die Gemeinde zum Mediationsbezirk Uster, dann bis 1831 zum Grafschaft Kyburg, seit 1831 dem Bezirk Pfäffikon an.

Die Gemeinde Bauma war bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts verkehrstechnisch wie viele umliegenden Gemeinden nicht gut erschlossen. So gab es die erste Brücke über die Töss zwischen Winterthur und Bauma erst 1820. Zwischen 1836 und 1839 erfolgte der Bau der Strasse nach Wetzikon und Oetwil am See. 1835 wurde der Postkutschenverkehr nach Winterthur in Betrieb genommen. Die Tösstalbahn entstand 1875 von Winterthur nach Bauma. Sie wurde ein Jahr später bis nach Wald verlängert, und der gesamte Streckenabschnitt wird auch heute noch aktiv von der S-Bahn Zürich genutzt. Die 1901 eröffnete Uerikon-Bauma-Bahn war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Betrieb, wurde aber nach und nach durch den Busbetrieb Bauma–Wetzikon ersetzt.[8]

Da die Töss, der Fluss, der durch Bauma fliesst, erst im 20. Jahrhundert korrigiert wurde, kam es immer wieder zu Überschwemmungen. Im Jahr 1876 stand das gesamte Dorf unter Wasser, mehrere Gebäude stürzten ein, und die neu gebaute Tösstalbahn wurde auf weiten Strecken schwer beschädigt.[7]

Die Erschliessung Baumas war wichtig für die weitere wirtschaftliche Entwicklung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Wurde die Baumwolle zunächst noch von Frauen und Kindern in häuslicher Heimarbeit verarbeitet, kam es durch die Industrialisierung zur Bildung von Fabriken entlang des Flusses. Um 1900 arbeiteten rund 600 Arbeitskräfte in den drei Baumwollspinnereien und -webereien sowie den zwei Seidenwebereien. Seit 1989 sind alle ehemaligen Textilbetriebe stillgelegt.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfzentrum
Entwicklung
Jahr Einwohner
1634 455
1691 1'082
1772 2'530
1836 3'217
1850 2'993
1900 2'768
1950 2'989
1970 3'171
1990 3'795
2000 4'259
2010 4'160

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2011 gehörten 51,6 % der Bevölkerung zur evangelisch-reformierten Kirche und 19,4 % zur römisch-katholischen Kirche.[11] Die Reformierte Kirche Bauma entstand in den Jahren 1769–1770 als Querkirche und ersetzte den Vorgängerbau aus dem Mittelalter. Es handelt sich um einen typischen Sakralbau der reformierten Kirche des 18. Jahrhunderts im Kanton Zürich. Die katholische Kirche von Bauma ist die St. Antonius-Kirche. Entstanden ist sie in den Jahren 1902–1903 als typischer Bau einer Diaspora-Kirche im Kanton Zürich. 1954 wurde die Kirche verlängert und der ursprüngliche Dachreiter durch den heutigen Kirchturm ersetzt.

Zur Regional-Sektion Bauma–Fischenthal[12] der Evangelischen Allianz gehören die Evangelisch-reformierte Kirchen von Bauma[13] und Fischenthal, sowie die RegiChile Bauma.

In Bauma sind von den evangelischen Freikirchen die Chrischona-Gemeinde RegiChile[14] und die Gemeinde für Christus[15] vertreten. Es gibt zudem eine Neuapostolische Kirche.[16]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindepräsidentin ist Marianne Heimgartner (EVP). Die stärksten Parteien waren bei der letzten Kantonsratswahlen 2011 die SVP mit 40,2 %, gefolgt von der EVP mit 16,7 % und der SP mit 12,9 %.[17]

Kantonsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kantonsrat des Kantons Zürich war die Gemeinde Bauma von 2007 bis 2015 durch Walter Schoch (EVP) vertreten.

Fusion Bauma-Sternenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Sternenberg lud den Gemeinderat Bauma im November 2012 zu Fusionsverhandlungen ein. Das neue Finanzausgleichsgesetz gewährte der Gemeinde Sternenberg noch bis Ende 2017 jährliche Ausgleichszahlungen. Die finanzielle Lage der kleinen Gemeinde mit 359 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2014) wurde dadurch weiter verschlechtert und es gab zudem Schwierigkeiten dabei, geeignete Stimmbürger für öffentliche Ämter zu finden. Die Stimmbürger von Sternenberg hatten im März 2013 an der Urne der Aufnahme von Verhandlungen über eine Fusion der beiden Gemeinden deutlich zugestimmt.[18] Im Falle einer Fusion sicherte der Regierungsrat des Kantons Zürich mit Beschluss vom 10. Juli 2013 den politischen Gemeinden Bauma und Sternenberg Fr. 3'500'000 zu. In der Volksabstimmung vom 24. November 2013 wurde die Fusion per 1. Januar 2015 in beiden Gemeinden deutlich angenommen. Die neue Gemeinde heisst weiterhin Bauma, das bestehende Gemeindewappen der alten Gemeinde Bauma wird beibehalten.[19]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1821 begann die Industrialisierung im Tösstal, indem die Wasserkraft für die Textilindustrie genutzt wurde.

Die Fabriken der einst blühenden Baumwollspinnerei und -weberei sind seit 1989 stillgelegt. Da in der Landwirtschaft heute weniger als 5 % der Bevölkerung beschäftigt sind, ist der Dienstleistungssektor und die auswärtige Arbeitsstelle das Haupterwerbsgebiet. Viele Einwohner pendeln nach Zürich oder Winterthur.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waggon im Bahnhof Bauma

Bis 1835 benutzten Fuhrwerke das oft nicht ungefährliche Flussbett der Töss als Strasse, um nach Bauma zu gelangen. Erst mit dem Bau der Talstrasse von Winterthur nach Bauma und kurz darauf mit der Verbindung nach Wetzikon–Oetwil am See fand Bauma Anschluss an die Welt.

1875 nahm die Tösstalbahn zwischen Winterthur und Bauma und ein Jahr später die Verlängerung nach Wald ihren Betrieb auf. 1901 folgte die Eröffnung der durch den Einheimischen Adolf Guyer-Zeller erbauten Uerikon-Bauma-Bahn. Ab 1969 wurde diese teilweise durch den Busbetrieb Bauma–Wetzikon ersetzt. Heute bedienen die Schweizerischen Bundesbahnen die Station Bauma im Halbstundentakt mit der Linie S 26 WinterthurBaumaRüti ZH der S-Bahn Zürich (bis 1918 Tösstalbahn). Der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland befährt an einigen Wochenenden im Sommer die Museumsbahn Bauma–Hinwil.

Es existieren folgende Buslinien, die durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient werden:

Daneben existieren folgende Buslinien, die durch die Postauto AG bedient werden:

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bauma besitzt ein eigenes Hallenbad mit 25-Meter-Becken.[20] Auf dem Gemeindegebiet gibt es vier Kindergärten, drei Primarschulhäuser und ein Sekundarschulhaus.[21]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Martin Gubler, Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich Band 3: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1978 (Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 66). ISBN 3-7643-0991-1, S. 202–309.
  • Walter Sprenger u.a.: Geschichte der Gemeinde Bauma. Herausgegeben von der politischen Gemeinde Bauma, Bauma 1994, ISBN 3-85981-173-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bauma ZH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  3. Das Wappen der Gemeinde Bauma. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  4. Besiedelung. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  5. Gemeindebildung. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  6. Zentrum des oberen Tösstals. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  7. a b Notzeiten. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  8. Verkehr. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  9. Wirtschaftliche Entwicklung. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  10. web.statistik.zh.ch (abgerufen am 18. März 2016)
  11. Provisorische Bevölkerungsdaten per Ende 2011. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  12. EA Bauma-Fischenthal. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  13. Die reformierte Kirchgemeinde Bauma-Sternenberg. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  14. Willkommen auf der Website der RegiChile. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  15. Gemeinde für Christus – Bauma. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  16. Kirchen. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  17. Gemeindeportrait Bauma. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  18. Zusammenschluss Bauma-Sternenberg. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  19. Grünes Licht für Gemeindefusion. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  20. Halli Bauma - alles auf einen Blick. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  21. Schule Bauma. Abgerufen am 18. Mai 2016.