Baumhauerit

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Baumhauerit
Baumhauerite-177525.jpg
Baumhauerit, Fundort: Binntal
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1988-061

Chemische Formel
  • Pb3As4S9[1]
  • Oxidformel: 3 PbS · 2 As2S3[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.HC.05 (8. Auflage: II/E.24)
03.06.13.01
Ähnliche Minerale Baumhauerit-2a
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[3]
Raumgruppe (Nr.) P1[3] (Nr. 2)
Gitterparameter a = 22,80 Å; b = 8,36 Å; c = 7,89 Å
α = 90°; β = 97,3°; γ = 89,9°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung sehr häufig Zwillingslamellen parallel (100)[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,33 bis 5,44; berechnet: [5,42][5]
Spaltbarkeit vollkommen nach der dominierenden Fläche (100)
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe bleigrau bis stahlgrau
Strichfarbe schokoladenbraun
Transparenz undurchsichtig
Glanz frische Kristalle: starker Metallglanz
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale häufig abgerundete Kanten

Baumhauerit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb3As4S9, ist also chemisch gesehen ein komplexes Blei-Arsen-Sulfid, das zu den Sulfosalzen gerechnet wird.

Baumhauerit ist in jeder Form undurchsichtig und entwickelt meist nur kleine, prismatische bis tafelige und gestreifte Kristalle, aber auch körnige Mineral-Aggregate von blei- bis stahlgrauer Farbe bei schokoladenbrauner Strichfarbe. Frische Proben weisen einen starken Metallglanz auf. Ungeschützt laufen die Kristallflächen allerdings nach einiger Zeit buntfarbig irisierend an.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde das Baumhauerit in der Grube Lengenbach/Binntal im Schweizer Kanton Wallis und beschrieben 1902 durch R. H. Solly, der das Mineral nach dem Professor der Mineralogie an der Universität Freiburg (Schweiz) Heinrich Adolph Baumhauer (1848–1926) benannte.

Das Naturhistorische Museum Wien kaufte 1903 ein Stück von verwachsenen Baumhaueritkristallen, die 6x2,5x2,3 cm messen. Heutzutage sind selbst Kristalle von einem cm Größe bereits ordentliche Funde.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Baumhauerit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfosalze“, wo er zusammen mit Baumhauerit-2a und Robinsonit die unbenannte Gruppe II/E.24 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Baumhauerit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die neu definierte Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metalle, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden ist, wo es zusammen mit Baumhauerit-2a und Baumhauerit II (mit bisher noch fraglichem Status) die „Baumhauerit-Gruppe“ mit der System-Nr. 2.HC.05b bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Baumhauerit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfosalze“ ein. Hier ist er zusammen mit Baumhauerit-2a in der unbenannten Gruppe 03.06.13 innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,0 < z/y < 2,49 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumhauerit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1[3] (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 22,80 Å; b = 8,36 Å; c = 7,89 Å; α = 90°; β = 97,3° und γ = 89,9° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumhauerit in Dolomit eingebettet aus der Typlokalität Lengenbach, Binntal, Schweiz (Gesamtgröße der Probe: 8,0 × 4,0 × 4,5 cm)

Baumhauerit bildet sich hydrothermal in Dolomitgestein. Als Begleitminerale treten neben Dolomit und Baumhauerite-2a unter anderem noch verschiedene Blei-Sulfarsenide, Pyrit und Realgar auf.[5]

Als seltene Mineralbildung konnte Baumhauerit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden. Als bekannt gelten etwa 15 Fundorte[6], wobei die Typlokalität Grube Lengenbach im Binntal der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist. Allerdings ist dieser Fundort auch bekannt für seine reichhaltigen Funde von gut ausgebildeten Kristallen von bis zu 2,5 cm Durchmesser.[7][8]

In Österreich trat das Mineral bisher in der Gipsgrube bei Moosegg/Lauperswil (Salzburg) und möglicherweise auch am Haringgraben in der Gemeinde Oberort-Tragöß (Steiermark) auf.[9]

Weitere Fundorte sind unter anderem die „Beltana Mine“ bei Puttapa in dem als Flinderskette bekannten australischen Gebirgszug, Huntingdon und Marathon in der kanadischen Provinz Ontario, die „Zareh Shuran Mine“ in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, die „Okoppe Mine“ auf der japanischen Halbinsel Shimokita, die Antimon-Quecksilber-Lagerstätte Khaidarkan (Chaidarkan) im Ferghanatal in Kirgisistan sowie in der „Perseverance Mine“ im Yukon-Koyukuk Census Area (Alaska), der „Zuni Mine“ (Zuñi Mine) am Anvil Mountain (Colorado), bei Sterling Hill (New Jersey) und der „Keystone Mine“ bei Birmingham (Pennsylvania).[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baumhauerite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 134.
  2. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 299.
  3. a b c Webmineral - Baumhauerite
  4. Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 352.
  5. a b John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Baumhauerite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64 kB)
  6. Mindat - Anzahl der bekannten Fundorte für Baumhauerit
  7. Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 59 (Dörfler Natur).
  8. Mindat - Bildbeispiele von Baumhaueritfunden aus der Grube Lengenbach
  9. a b Mindat - Baumhauerite