Baureihenschema der DB

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Elektrolokomotive der Baureihe 110 – Nummer 110 494-2

Das Baureihenschema der Deutschen Bundesbahn entsprach bis 1968 weitgehend dem Baureihenschema der Deutschen Reichsbahn. Für Akkumulator- und Verbrennungstriebwagen wurde 1948 ein neues Schema eingeführt, da für diese Fahrzeuge noch kein praktikables System vorlag.

Am 1. Januar 1968 wurde im Rahmen des Übergangs der UIC-Bahnen auf computerlesbare Fahrzeugnummern ein neues Baureihenschema eingeführt.

Bis 1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Dampflokomotiven, Elektrolokomotiven, Elektrotriebwagen und Diesellokomotiven wurde das vorhandene Baureihenschema der Deutschen Reichsbahn ohne Änderung weitergeführt. Für Triebwagen mit Verbrennungsmotoren und Akkumulatortriebwagen ergab sich die Problematik, dass noch kein adäquates System vorhanden war. Das RZA München entwickelte deshalb für diese Fahrzeuge ein analoges System, welches ab 1948 eingeführt wurde.

Akkumulatortriebwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das für die Akkumulatortriebwagen mit Wirkung vom 15. September 1948 eingeführte System war durch das RZA München bereits 1940 entwickelt worden.

Es bestand wie bei den übrigen Fahrzeugen aus der Kombination Kennbuchstabe + Stammnummer + Ordnungsnummer.

Kennbuchstaben:

  • ETA - Triebwagen
  • EBA - Beiwagen
  • ESA - Steuerwagen

Da es sich bei allen Fahrzeugen um Gleichstrom-Fahrzeuge handelte, erhielten sie analog den übrigen Elektrotriebwagen eine führende „1“ bei der dreistelligen Stammnummer. Aufgrund der wenigen Triebwagenbauarten wurden nur wenige Gruppen entsprechend ihrem Verwendungszweck gebildet.

ETA 140 - 159: Eiltriebwagen ETA 160 - 179: Nahverkehrstriebwagen ETA 180 - 189: Nebenbahntriebwagen

Bei der Ordnungsnummer erhielten Fahrzeuge mit der 2. und 3. Wagenklasse den Nummernraum ab 001 und Fahrzeuge mit der 3. Wagenklasse den Nummernraum ab 101.

Vordere und hintere Wagenteile wurden bei zweiteiligen Fahrzeugen mit „a“ oder „b“ bezeichnet.

Triebwagen mit Verbrennungsmotoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1948 eingeführte System ist analog den schon angewandten Systemen für die anderen Fahrzeuge aufgebaut. Es besteht aus der Kombination von Kennbuchstabe + Stammnummer + Ordnungsnummer.

Als Kennbuchstaben wurden die schon inoffiziellen verwendeten Kombinationen VT für Triebwagen, VS für Steuerwagen, VM für Mittelwagen und VB für Beiwagen verwandt.

Für die Stammnummer wurde folgende Systematik gewählt:

  • VT 01 - VT 19: Triebwagen mit Drehgestellen für 120 km/h und mehr
  • VT 20 - VT 39: Triebwagen mit Drehgestellen für 100 km/h bis 119 km/h
  • VT 40 - VT 59: Triebwagen mit Drehgestellen für 85 km/h bis 99 km/h
  • VT 60 - VT 69: Triebwagen mit Drehgestellen für 65 km/h bis 84 km/h
  • VT 70 - VT 79: Triebwagen mit Lenkachsen für 65 km/h bis 85 km/h
  • VT 80 - VT 89: Triebwagen mit Lenkachsen für weniger als 65 km/h
  • VT 90 - VT 99: Schienenbusse, Leichttriebwagen, Schmalspurtriebwagen, Sondertriebwagen

Die erste Stelle der Ordnungsnummer (drei- oder vierstellig) gab die Art der Kraftübertragung an.

  • 0 bis 4: elektrische Kraftübertragung
  • 5 bis 8: hydraulische Kraftübertragung
  • 9: mechanische Kraftübertragung

Ab 1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlegendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schema der computerlesbaren Fahrzeugnummern beruht auf einer siebenstelligen Nummer, mit der alle Fahrzeuge bezeichnet werden. Sie besteht aus einer drei- oder vierstelligen Baureihennummer, einer dreistelligen Ordnungsnummer und einer durch einen Bindestrich abgesetzten Prüfziffer.

Die Prüfziffer wird aus den ersten sechs bzw. sieben Stellen nach dem Luhn-Algorithmus berechnet. Dazu wird die Quersumme der Ziffernfolge gebildet, die sich ergibt, wenn man die sechs Ziffern abwechselnd mit 1 und 2 multipliziert (erste Stelle mit 1, zweite mit 2, dritte wieder mit 1 usw.), bei einer vierstelligen Baureihennummer wird zuerst mit 2 und dann mit 1 multipliziert usw.

Ergibt das Verdoppeln einer Ziffer eine zweistellige Zahl, so wird das Stellenergebnis der Verdopplung für die nachfolgende Quersummenbildung zunächst ebenso ziffernzerlegt. Beispiel: Zweite Ziffer einer dreistelligen Baureihe "6" → 6 × 2 → 12 → "1" + "2" → 3.

Aus allen Stellen wird die Quersumme gebildet. Die Differenz dieser Quersumme zum nächsten Vielfachen von Zehn bildet die Prüfziffer. Anhand dieser kann in eingeschränktem Maße erkannt werden, ob zum Beispiel beim Notieren einer Fahrzeugnummer oder bei der Eingabe in den Computer ein Fehler passiert ist. Der verwendete Algorithmus erkennt stets, wenn eine einzelne Ziffer falsch ist. Auch Vertauschungen von zwei nebeneinander stehenden Ziffern führen in den meisten Fällen zu einer nicht passenden Prüfziffer (jedoch nicht, wenn 0 und 9 vertauscht werden).

Baureihen, von denen mehr als 1.000 Fahrzeuge vorhanden waren, wurden in aufeinanderfolgende Baureihennummern eingruppiert.

Die erste Ziffer der dreistelligen bzw. die zweite Ziffer der vierstelligen Baureihennummer gibt die Art des Fahrzeuges an. Diese Bezeichnungsart löst die Konvention des bisherigen Schemas ab, durch Kennbuchstaben die Fahrzeugarten zu ordnen.

Nummer Kennbuchstabe(n) Fahrzeugtyp
0   Dampflokomotiven
1 E Elektrische Lokomotiven
2 V Brennkraftlokomotiven
3 K Kleinlokomotiven
4 ET elektrische Triebwagen ohne Akkumulatortriebwagen
5 ETA Akkumulatortriebwagen
6 VT Brennkrafttriebwagen
7   Schienenbusse und Bahndienstfahrzeuge
8 ES, ESA, EB Steuer- und Bei- und Mittelwagen zu elektrischen Triebwagen
9 VS, VB, VM Steuer- und Bei- und Mittelwagen zu Brennkrafttriebwagen und Schienenbussen

Die Kennbuchstaben des früheren Schemas wurden zwar in die erste Ziffer der dreistelligen Baureihennummer übertragen, dennoch wurden die Kennbuchstaben im Schriftverkehr und in Veröffentlichungen häufig falsch weiterverwendet. Wird von einer E 110 gesprochen, ist also vermutlich eine E 10 / 110 gemeint, wird von einer V 216 gesprochen, ist also vermutlich eine V 160 / 216 gemeint.

Dampfloktender erhielten keine eigene Fahrzeugnummer, sondern trugen die Nummer des Zugfahrzeuges, mit dem sie gekuppelt sind.

Steuer- und Beiwagen erhalten soweit möglich jeweils die Baureihenkennziffern der zugehörigen Triebwagen (Beispiel: VT 11.5 wird Baureihe 601 mit Mittelwagen 901). Varianten eines Fahrzeuges erhalten nach Möglichkeit die folgende Baureihennummer (Beispiel: Baureihe 601 wird durch Einbau einer Gasturbine zu Baureihe 602).

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung von 110 494-2
Elektrolokomotive der Baureihe 110 – Nummer 110 494-2
110 Baureihennummer
→ erste Ziffer (1) steht für Elektrolokomotive
494 Ordnungsnummer
2 Prüfziffer

110 494-2:

Nummer:        1  1  0   4  9  4
Multiplikator: 1  2  1   2  1  2
Ergebnis:      1  2  0   8  9  8
Quersumme:     1+ 2+ 0+  8+ 9+ 8 = 28
Differenz zum nächsthöheren Vielfachen von 10: (30-28=) 2
2 = Prüfziffer

101 108-9:

Nummer:        1  0  1   1  0  8
Multiplikator: 1  2  1   2  1  2
Ergebnis:      1  0  1   2  0 16
Quersumme:     1+ 0+ 1+  2+ 0+1+6 = 11
Differenz zum nächsthöheren Vielfachen von 10: (20-11=) 9
9 = Prüfziffer

Dampflokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflokomotiven wurde als auslaufende Gattung die Null zugeordnet. Die zuvor bereits nach dem Verwendungszweck praktizierte Einteilung der Dampflokbaureihen wurde weitergeführt. Innerhalb des DB-Schemas gab es also folgende Gruppen:

Nummer Fahrzeugtyp
001–019 Schnellzug-Lokomotiven
020–039 Personenzug-Lokomotiven
040–059 Güterzug-Lokomotiven
060–079 Personen- und Schnellzug-Tenderlokomotiven
080–096 Güterzugtenderloks
097–098 Zahnrad- und Lokalbahn-Lokomotiven
099 Schmalspur-Lokomotiven

Die Umzeichnung der Dampflokbaureihen erfolgte in der Regel durch Voranstellen einer Null. Beispiele: Dampflok Baureihe 23 wurde Baureihe 023. Falls zuvor in einer Baureihe verschiedener Einheitstypen zusammengefasst und durch abgegrenzte Ordnungsnummernbereiche voneinander abgegrenzt waren, wurden im neuen Schema jeweils eigene Baureihennummern vergeben (Beispiele: Dampflok Baureihe 01 wurde Baureihe 001, Baureihe 01.10 wurde Baureihe 011 (kohlegefeuert) und 012 (ölgefeuert)). Die Baureihe 41 wurde eingeteilt in die Nummern 041 (kohlegefeuert) und 042 (ölgefeuert). Die Baureihe 44 bekam die Nummern 044 (kohlegefeuert) und 043 (ölgefeuert). Die Baureihe 50 wurde eingeteilt in die Ordnungsnummern 050 bis 053. Die Tausenderstellen wurden entsprechend in die Ordnungsnummern aufgerechnet. Bei Länderbahnbauarten wurden die Baureihennummern auch in solchen Fällen direkt übertragen. Bei allen Baureihen entfielen die Tausenderstellen in den Ordnungsnummern. Aus einer Baureihe 38.40 wurde eine Baureihe 038. Im Allgemeinen wurde im Sprachgebrauch die erste Null nicht mitgesprochen. Die Baureihen 011 und 012 stellen allerdings Ausnahmen dar.

Elektrolokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektrolokomotiven wurden als wichtigste Traktionsart eingeschätzt, daher wurde ihnen die Eins zugeordnet. Elektrolokomotiven wurden in der Regel überführt, indem statt des bisherigen Kennbuchstabens „E“ eine 1 vorangestellt wurde. Beispielsweise wurden Einheits-Elektrolokomotiven der Baureihe E 40 in 140, der Baureihe E 10 in 110 und der Baureihe E 10.12 in 112 umgezeichnet. Innerhalb des DB-Schemas gab es folgende grobe Gruppeneinteilung:

Nummer Fahrzeugtyp
101–119 Schnellzug-Lokomotiven
120–149 Mehrzweck-Lokomotiven
150–159 Güterzug-Lokomotiven
160–169 Rangier-Lokomotiven
170–179 Mehrzweck-Lokomotiven
180–189 Mehrsystem-Lokomotiven
190-199 Güterzug-Lokomotiven

Diesellokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Dieselfahrzeugen war im alten Schema die Baureihennummer proportional zur projektierten Motorleistung, so dass zwei- und dreistellige Baureihennummern vorlagen. Die zweistelligen Nummern wurden wiederum direkt überführt (Beispiele: Baureihe V 60 wurde Baureihe 260, Baureihe V80 wurde Baureihe 280), bei den dreistelligen wurde bei der Umzeichnung die letzte Ziffer der Baureihennummer gestrichen (Beispiel: Baureihe V 160 wurde Baureihe 216). Auch hier wurden Varianten in aufeinanderfolgende Baureihennummern eingruppiert (Beispiele: Baureihe V 200.0 wurde Baureihe 220, Baureihe V200.1 wurde Baureihe 221; die V 160-Familie, bestehend aus V 160, V 160 lang/V 160.3/V 168, V 162, V 164 und V 169 wurde in die Nummern 216, 215, 217, 218/210 und 219 eingeteilt.)

Kleinlokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinlokomotiven erhielten im neuen Nummernplan die Kennziffer „3“. Die zweite Ziffer kennzeichnet die Leistungsklasse (nach dem Stand von 1955). Die dritte Ziffer unterscheidet nach Höchstgeschwindigkeit, Bremsbauart und Antriebsart (Ketten- oder Gelenkwellenantrieb). Kleinlokomotiven der vormaligen Gattung Ka erhielten die neue Baureihenbezeichnung 381 (Vorkriegsbauarten) und 382 (neuere Bauarten). Die vorhandenen Schmalspur-Kleinlokomotiven der Inselbahn Wangerooge wurden zur Baureihe 329. 1987 wurden auch die Diesellokomotiven der DB-Baureihe 260/261 den Kleinlokomotiven zugeordnet und erhielten die Baureihenbezeichnung 360/361.

Änderungen ab 1. Januar 1992 (Gemeinsames Baureihenschema DR und DB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Vereinigung der beiden deutschen Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn war es erforderlich, ein einheitliches System zu schaffen.

Aufgrund der Anzahl der umzuzeichnenden Fahrzeuge und der besseren Systematik des DB-Systems wurde entschieden, das Bezeichnungsschema der DB weiterzuführen.

Im Rahmen des Umstellungsprozesses kam es zu einigen geringfügigen Anpassungen des Schemas.

Schmalspurige Diesel- und Kleinlokomotiven wurden in die Baureihe 299 bzw. 399 neu eingeordnet.

Bei- und Mittelwagen erhalten die Ordnungsnummern 001 bis 599 und Steuerwagen die Ordnungsnummern 601 bis 999.

Museumsfahrzeuge erhielten eine von der traditionellen Betriebsnummer abweichende Baureihenkennzeichnung, die jedoch nur im Führerhaus und in der EDV-Abrechnung benutzt wurde. Dabei entsprach die erste Ziffer der Baureihe der Traktionsart, als zweite und dritte Ziffer erhielten die Fahrzeuge die 88. Museumsdampfloks erhielten somit die EDV-Baureihe 088 und Museums-Elektroloks die 188. Bei der Ordnungsnummer wurde versucht, diese an die bisherige Baureihe anzupassen.

Schmalspurlokomotiven erhielten neue Betriebsnummern, die keinen Rückschluss auf die bisherige Betriebsnummer zuließen. Die erste Ziffer der Ordnungsnummer dient der Unterscheidung der Spurweite.

  • 1: 1000 mm
  • 6: 600 mm
  • 7: 750 mm
  • 9: 900 mm

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Valtin: Deutsches Lok-Archiv: Verzeichnis aller Lokomotiven und Triebwagen Bd. 1 transpress, Berlin 1992
  • modelleisenbahner 11/91 + 12/91: Umzeichnungsplan DR → DB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]