Bausparkasse

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DEATlastige Artikel Dieser Artikel stellt überwiegend die Situation in Deutschland und Österreich dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Bei den Bausparkassen handelt es sich um spezielle Kreditinstitute, die aufgrund der z. B. im deutschen Bausparkassengesetz geregelten Geschäftskreisbeschränkung im Wesentlichen nur die Wohnungsbaufinanzierung über Bausparverträge betreiben.

Grundidee[Bearbeiten]

Bausparvertrag

Die Grundidee des Bausparens kann man an folgendem Beispiel verdeutlichen:

Zehn Bauwillige ohne Eigenkapital sparen mit dem Ziel, Wohneigentum zu erwerben. Wenn jeder in der Lage ist, ein Zehntel der Erwerbskosten pro Jahr zu sparen, so hätte jeder nach zehn Jahren das nötige Kapital angesammelt. Bringen die zehn Bauwilligen ihr Erspartes in einen gemeinsamen „Spartopf“ ein, so kann hieraus die benötigte Summe dem ersten von ihnen bereits nach einem Jahr ausgezahlt (Zuteilung) werden (ein Zehntel als Rückzahlung der erbrachten Sparleistung und neun Zehntel als Bauspardarlehen). Wenn jetzt unterstellt wird, dass der zugeteilte Bausparer jedes Jahr ein Zehntel der erhaltenen Bausparsumme als Tilgung des Bauspardarlehens in den gemeinsamen „Zuteilungstopf“ zurückzahlt, so kann der zweite Bausparer seine Baumaßnahme bereits im zweiten Jahr verwirklichen. Im dritten Jahr sind, unter gleichen Voraussetzungen, acht Spar- und zwei Tilgungsleistungen im „Zuteilungstopf“, so dass auch der dritte Bausparvertrag zugeteilt werden kann.

Die Bausparwirklichkeit ist allerdings etwas komplizierter, da es keine geschlossene Bauspargruppe gibt. Gleichwohl basiert das heutige Bausparsystem auf der dargestellten Grundidee des kollektiven Bausparens.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste bis heute erhalten gebliebene schriftliche Dokumentation des dem Bausparsystem zugrundeliegenden kollektiven Spargedankens geht auf das 3. vorchristliche Jahrhundert in China zurück. Während der Han-Dynastie wurden gemeinnützige Spargesellschaften auf Gegenseitigkeit gegründet.

Mit der Gründung von Ketley's Building Society 1775 in Birmingham begann die Geschichte der Bausparkassen in der Neuzeit. Das Konzept der Building Society verbreitet sich rasch in England und den britischen Kolonien, aber auch in den USA (1831) sowie in Brasilien (1834). Diese Vorläufer der modernen Bausparkassen waren sogenannte „Terminating Building Societies“, da sie aufgelöst wurden, wenn das letzte Mitglied des Systems in den Besitz eines Eigenheims gelangt war.[1]

Im Gegensatz dazu waren deutsche Bausparkassen von Anfang an als permanente Organisationen installiert. 1885 wurde durch Pastor von Bodelschwingh in Bielefeld die erste deutsche Bausparkasse, die Bausparkasse für Jedermann, gegründet.

Endgültig durchsetzen konnte sich das Bausparsystem in Deutschland erst in den Jahren 1921 bis 1929 aufgrund des hohen Finanzmittelbedarfes zur Lösung des Wohnungsproblems nach dem Ersten Weltkrieg. Bis dahin gab es deutschlandweit für bauwillige Siedler eine Vielzahl kleinerer, teils regional begrenzter und meist mit beschränkter Haftung gegründeter "Bau- und Sparvereine gGmbH", die nach ähnlichen Prinzipien funktionierten (siehe auch Wohnungsbaugenossenschaften).

Ende der 1930er Jahre gab es die erste grundlegende Änderung im deutschen Bausparsystem. Das bis dahin gebräuchliche „Lossystem“ wurde durch ein Bewertungsverfahren, das gerechter war, ersetzt. Es machte den Zuteilungstermin des einzelnen Bausparers von der Art und Weise seiner Sparkapitalbildung abhängig.

Nach der Währungsreform 1948 begann mit dem Wirtschaftswunder der Aufschwung der deutschen Bausparkassen.

1973 traten in Deutschland das Bausparkassengesetz und die Bausparkassenverordnung in Kraft. Damit wurde für die Geschäftstätigkeit der privaten und öffentlichen Bausparkassen eine einheitliche gesetzliche Grundlage geschaffen.

Durch die Novellierung des Bausparkassengesetzes 1991 wurde den Bausparkassen der Weg in den Europäischen Binnenmarkt eröffnet. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit von Blankodarlehen für Kleinstdarlehen und ein umfangreiches Paket bauspartechnischer Sicherungsmaßnahmen geschaffen.

Bausparen in Deutschland[Bearbeiten]

Rechtsformen in Deutschland[Bearbeiten]

Die Bausparkassen unterscheiden sich untereinander in ihren Rechtsformen.

Die im Verband der zwölf privaten Bausparkassen zusammengeschlossenen Bausparkassen[2] werden in der Rechtsform von Aktiengesellschaften betrieben und befinden sich überwiegend im Eigentum oder Einflussbereich von Versicherungsgesellschaften oder Banken. Aufgrund des Bausparkassengesetzes müssen Bausparkassen eigenständige Gebilde sein, weshalb Banken das Bauspargeschäft nicht direkt, sondern nur über Tochtergesellschaften durchführen können.

Anders als im Bankensektor gibt es hier keine Trennung zwischen privaten und genossenschaftlichen Instituten. Eine Sonderform ist somit die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die der DZ Bank (Eigentümer: Volks- und Raiffeisenbanken) mehrheitlich gehört. Über eine Sonderrolle im Lager der privaten Bausparkassen verfügte auch das BHW, das zwar eine private Gesellschaft war, bis 2005 jedoch vom Deutschen Beamtenbund und dem Deutschen Gewerkschaftsbund getragen wurde. Am 2. Januar 2006 wurde BHW von der Postbank übernommen.

Die zweite Bausparkassengruppe, derzeit neun Landesbausparkassen, besteht aus Instituten, die überwiegend in der Trägerschaft eines oder mehreren Bundesländer und/oder der jeweiligen Sparkassenorganisation stehen. Die Landesbausparkassen sind Mitglieder im Deutschen Sparkassen- und Giroverband und werden von dort durch die Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen betreut.

Vier Landesbausparkassen sind unselbständige Abteilungen/Geschäftsbereiche einer Landesbank oder Sparkasse. Sie gelten dennoch, gemäß dem Bausparkassengesetz, als selbständige Bausparkassen.

Drei Landesbausparkassen sind rechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechtes.

Auf Grund der regionalen Gebietsaufteilung auf einzelne oder eine Gruppe von Bundesländern, stehen die Landesbausparkassen, im Gegensatz zu den bundesweit tätigen, privaten Bausparkassen, untereinander nicht im Wettbewerb.

Bausparförderung in Deutschland[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland wird das Bausparen durch die Gewährung von Wohnungsbauprämien für Sparleistungen auf Bausparkonten und die Zahlung von Arbeitnehmersparzulagen für die vermögenswirksamen Leistungen gefördert. Am 4. Juli 2008 wurde im Bundesrat das Eigenheimrentengesetz, auch Wohn-Riester genannt, eingeführt. Dieses sieht ab 1. November 2008 eine zusätzliche Förderung des Bausparens vor.

Bausparkassen in Deutschland[Bearbeiten]

Der Bausparmarkt in Deutschland wird zu etwa zwei Drittel durch zwölf private Bausparkassen und zu etwa einem Drittel durch neun Landesbausparkassen abgedeckt.

Bausparen in Österreich[Bearbeiten]

Bausparförderung in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wird Bausparen durch die staatliche Bausparprämie gefördert. Die Höhe der Prämie wird jährlich neu festgelegt und richtet sich nach dem allgemeinen Zinsniveau. Sie beträgt mindestens 1,5 Prozent und maximal 4,0 Prozent. Gefördert werden pro Person und Jahr Einzahlungen von maximal 1.000,00 Euro (2008) - ab 2009 maximal 1.200,00 Euro. Die steuerliche Bindungsfrist beträgt sechs Jahre. Bei Kündigung des Bausparvertrages vor dieser Frist muss die Prämie zurückgezahlt werden. Wenn das angesparte Guthaben nachweislich für bestimmte wohnwirtschaftliche Maßnahmen wie Hausbau oder Sanierung verwendet wird, bleibt die Bausparprämie erhalten.

Die Entwicklung der Bausparprämie in den letzten Jahren:

  • 2003 – 4,0 Prozent
  • 2004 – 3,5 Prozent
  • 2005 – 3,5 Prozent
  • 2006 – 3,0 Prozent
  • 2007 – 3,5 Prozent
  • 2008 – 4,0 Prozent
  • 2009 – 4,0 Prozent
  • 2010 – 3,5 Prozent
  • 2011 – 3,0 Prozent
  • 2012 – 1,875 Prozent
  • 2013 – 1,5 Prozent
  • 2014 – 1,5 Prozent

Bausparkassen in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es vier Bausparkassen:

In anderen Ländern[Bearbeiten]

Der britische Begriff der building society wird oftmals als "Bausparkasse" übersetzt. Britische building societies sind genossenschaftlich organisiert und bieten ihren Mitgliedern und Kunden eine Vielzahl an Produkten des standardisierten Privatkundengeschäfts an, unter anderem Girokonten, Sparkonten und Kreditkarten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Scholten: Die Förderung von Wohneigentum, Tübingen 1999, Seite 105 [1]
  2. Verband der Privaten Bausparkassen: Der Verband im Profil (PDF; 1,5 MB), abgerufen am 22. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]


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