Bauwerke in Bockenheim

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Bauwerke im Frankfurter Stadtteil Bockenheim

Religiöse Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Elisabeth-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche in neugotischem Stil, erbaut 1868 in Ziegelmauerwerk mit einem monumentalen Frontturm, bekrönt von einem Spitzhelm als Randbebauung am Kurfürstenplatz. Der Kirchenbau wurde 1944 zerstört. Am 30. April 1950 war ihr Wiederaufbau bereits beendet.

Frauenfriedenskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeppelinallee 99–103, errichtet 1927 bis 1929 von Hans Herkommer Sie entstand auf Initiative von Hedwig Dransfeld, der Vorsitzenden des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Die monumentale, architektonisch bedeutende und künstlerisch reich ausgestattete Kirche ist eine Stätte des Gedenkens an die Opfer der Kriege und des Gebets für den Frieden.

St.-Jakobs-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jakobskirche (Am Kirchplatz 9) ist die älteste Kirche Bockenheims. Die Hallenkirche stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, wurde 1944 zerstört und 1954 bis 1957 wiederhergestellt. Wichtigster Schmuck des Kirchenraums sind die Glasfenster von Charles Crodel. Seit der Zusammenlegung der Kirchengemeinde St. Jakob mit der Markusgemeinde 1997 ist die Jakobskirche Gemeindekirche der Evangelischen Gemeinde Bockenheim. 2003 bis 2005 wurden die Kirche und die Außenanlagen umfassend renoviert.

Ehemalige Markuskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Markuskirche in der Markgrafenstraße wurde 1909 bis 1912 errichtet, teilweise im Jugendstil. 1944 zerstört, wurde sie 1953 wieder aufgebaut. Nach der Zusammenlegung der beiden evangelischen Gemeinden Bockenheims erfolgte 2005 der Umbau zum Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Evangelische Dreifaltigkeitskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Dreifaltigkeitskirche gehört zur Dreifaltigkeitsgemeinde im westlichen Teil von Bockenheim. Sie wurde von dem Frankfurter Architekten Werner W. Neumann geplant und 1965 eingeweiht. Der Kirchenraum ist in Naturstein gehalten.

St. Pius Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Pius-Pfarrkirche ist die römisch-katholische Kirche der Kuhwaldsiedlung. Sie wurde 1957 geweiht. Seit 1997 ist hier auch die slowakische römisch-katholische Gemeinde St. Gorasz sowie seit 2011 die äthiopisch-orthodoxe Exilgemeinde ansässig.

Kirchen anderer Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuapostolische Kirche
  • Kirche der griechisch-orthodoxen Gemeinde in der Solmsstraße 1, Archimandrit Athenagoras Ziliaskopoulos und Priester Martin Petzolt. Die Gemeinde untersteht der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Bonn des Ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel und ist dem Heiligen Propheten Elias geweiht.
  • St. Markus Koptisch-Orthodoxe Kirche Frankfurt, 1998 im ehemaligen Bürgertreff Käthe-Kollwitz-Haus des Wohnviertels Industriehof, Lötzener Straße 33, eingerichtet. Die Kirchengemeinde St. Markus ist die größte koptische Gemeinde in Deutschland.
  • Imposantes Kirchengebäude der neuapostolischen Gemeinde in der Sophienstraße 50
  • Kirche der ungarisch-katholischen Christengemeinde in der Ludwig-Landmann-Straße 365
  • Neuzeitliche Sophia-Kirche der Christengemeinschaft in der Frauenlobstraße 2
  • Die Kirche der Altkatholischen Gemeinde in der Basaltstraße 32. Hier befindet sich das Gemeinde- und Pfarramt und das Bildungswerk. Im ehemaligen Café wurde eine Kapelle eingerichtet.
  • Gemeinde Treffpunkt Leben in der Kurfürstenstraße 14. Treffpunkt Leben für Frankfurt ist Mitglied im Freikirchlichen Evangelischen Gemeindewerk e. V.
  • Freireligiöse Evangelische Brüdergemeine (Evangelische Brüder-Unität der Herrnhuter) im Rhein-Main-Gebiet, auch Moravian Church genannt, die mit den Predigten des Jan Hus ihren Anfang nahmen, sind in Frankfurt, Mulanskystraße 21 vertreten.
  • Bockenheimer-Weinstock-Gemeinde, Kurfürstenplatz 34, mit ihrem koreanischen Hintergrund, wurde 2017 wieder geschlossen. Die Mietsache zurückgegeben.

Grempstraße 23, ehemaliger evangelisch reformierter Gemeindebau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger evangelisch reformierter Gemeindebau

Die ehemalige reformierte Kirche und Schule (von 1732 bis 1789) liegt in der heutigen Grempstraße 23. Frankfurt war lange Zeit eine fast ausschließlich lutherische Stadt. Doch gab es durch Zuwanderung auch reformierte Einwohner, denen aber nach einer kurzen Zeit der Duldung, die Feier ihrer Gottesdienste innerhalb Frankfurts untersagt wurde. Die nahen nördlichen heutigen Stadtteile des damals lutherischen Frankfurt, unter ihnen das Dorf Bockenheim, gehörten aber zur reformierten Grafschaft Hanau-Münzenberg. Die reformierten Frankfurter feierten deshalb über 200 Jahre lang ihre Gottesdienste in Bockenheim. Am heute noch bestehende Gebäude zeigt ein massives Untergeschoss, wo Schule und Lehrerwohnung Platz fanden. Im Obergeschoss, in Fachwerk errichtet, befand sich der Betsaal mit Orgel. Im historischen Dachgebälk ist noch ein Rest des ehemaligen Glockentürmchens nachweisbar. Nach der Renovierung ist es nun ein Familienhaus. Die frühere Küferei im Hinterhof beherbergt nun ein Café für Eltern und Kinder, das Zebuloncafé.

Islamische Glaubenszentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiitische Glaubensrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 hat, begleitet vom sogenannten „Hausener Moscheenstreit“, die Planung zum Bau einer Moschee am Rande des Industriehofs begonnen.[1] Im darauffolgenden Jahr wurde die Baugenehmigung erteilt, die Grundsteinlegung erfolgte im Juni 2009. Die Moschee soll Fatima Zahra Moschee heißen und wird von türkisch-pakistanischen schiitischen Muslimen betrieben. Die Architektur ist modern gehalten und hat nur wenige dezent orientalisierende Elemente. Das Gemeindehaus hat einen Kuppelaufbau und zwei Minarette, die mit 16 Meter Höhe den vier- bis fünfstöckigen Gebäudekomplex geringfügig überragen. Neben Gebetsräumen soll das Gebäude über mehrere Läden, ein Bistro sowie Mehrzweckräume für Gemeinde- und Jugendarbeit verfügen. Durch den Bau eines angrenzenden Wohnhauses soll das Projekt finanziert werden. Das Mehrfamilienhaus wurde 2013 fertiggestellt, die Bodenplatte der zukünftigen Moschee 2013 gelegt.[2] Trotz Baubeginns im Jahr 2009 ist die Moschee im Jahr 2021 noch immer im Rohbau.[3] 2010 war die Moschee wegen radikaler Äußerungen ihres damaligen Imams bundesweit im Gespräch.[4]

Sunnitische Glaubensrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Sunnitisches Glaubenszentrum findet sich im benachbarten Frankfurt-Hausen.

Ehemalige „neue“ Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Grundstück Schloßstraße 3–5 wurden 1874, kurz nach der sog. Reichsgründung von 1871, eine „neue“ Synagoge und ein kleines Gemeindehaus von der jüdischen Gemeinde Bockenheim noch vor der Eingemeindung Bockenheims 1895 errichtet. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch dieses Gebäude vorsätzlich in Brand gesetzt. So wie über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte und Wohnungen im Deutschen Reich, wurden auch in Bockenheim in dieser Nacht nicht nur diese Synagoge, sondern auch Geschäfte und Wohnungen von Bockenheimer Bürgern beschädigt oder zerstört. Zeitgleich wurden zahlreiche jüdische Mitbürger verhaftet und misshandelt. So verstarb z. B. der 60-jährige Arzt Dr. Otto Loewe am 12. November 1938 an den Folgen seiner Misshandlung in der Festhalle. Die Synagoge wurde später abgerissen.[5] Sechs Jahre später wurden durch Bombenangriffe die Gebäude der Nachbarschaft großflächig zerstört. Heute will eine Bodenplatte des Künstlers Willi Schmidt an die Brandschatzung dieser Synagoge und ihre unmittelbaren Folgen erinnern.

Buddhistisches Glaubenszentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg-Voigt-Straße 4

Seit 2005 befand sich in Bockenheim das Tibethaus Deutschland Chödzong e. V. in der Kaufunger Straße 4, das Haus der Buddhistischen Gemeinschaft. Es stand unter der Schirmherrschaft des 14. Dalai Lama. Hier wurde über den tibetischen Buddhismus hinaus die gesamte tibetische Kultur und Medizin in Form von Vorträgen, Seminaren und gemeinsamen Festen vermittelt. Angeschlossen war dies Tibethaus dem 1955 gegründeten buddhistischen Dachverband Deutschlands, die Deutsche Buddhistische Union (DBU) in Frankfurt. Ende 2017 zog das Tibethaus in eine ehemalige Professoren-Villa in der Georg-Voigt-Straße 4 um. Hier steht mehr Raum zur Verfügung. Die Altimmobilie wurde verkauft, ursprünglich eine ehemalige Brotfabrik und ein altes Bauernhaus, und soll einem Neubau mit mehreren Eigentumswohnungen weichen.

Hinduistisches Glaubenszentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sri Nagapooshani Amman Thevasthaanam Hinduistischer Kulturverein Inthumantram Frankfurt am Main e.v, Adalbertstr. 61, 60487 Frankfurt am Main (www.ammankovil.de)

Profane Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höchste Gebäude Bockenheims
1. Europaturm (Ginnheimer Spargel) 331 Meter
2. Messe Torhaus

Ludwig-Erhard-Anlage 1
Baujahr 1984/Architekt Oswald Mathias Ungers
Nutzer Frankfurter Messe

117 Meter
3. IBC

Theodor-Heuss-Allee 70
Baujahr 2003/Architekt Köhler Architekten
Nutzer unter anderem Deutsche Bank

112 Meter
4. Radisson SAS Hotel

Franklinstraße 81–83
Baujahr 2005/Architekten John Seifert Architects
Nutzer Hotel Radisson SAS

87 Meter
5. American Express-Hochhaus

Theodor-Heuss-Allee 112
Baujahr 1991–1993/Architekt Novotny, Mähner & Assoziierte
Hauptmieter ist American Express

75 Meter
5. Theodor-Heuss-Allee 80

Goldenes Haus-Bürocenter an der Messe
Baujahr 1984/
Hauptmieter vormals GZS, zurzeit The Royal Bank of Scotland

75 Meter
6. Scala – Solmsstraße 91
Baujahr 2001/Architekt Christoph Mäckler& Assoziierte
73 Meter
7. Theodor-Heuss-Allee 110
Baujahr 1982/Architekt Richard Heil
Nutzer vormals Wayss & Freitag Bauunternehmen
72 Meter
8. Cielo – Theodor-Heuss-Allee 100
Baujahr 2003/Architekt Gewers, Kühn & Kühn
vormals Nutzer u. a. Dresdner Bank, z. Z. noch DiBa
70 Meter
8. Finanz Informatik/Drehscheibe Frankfurt

Theodor-Heuss-Allee 90–98
Baujahr 2003/MOW Architekten
Sparkassen Informatik

70 Meter
8. St Martin Tower/am ehemaligen Opel-Kreisel

Theodor-Heuss-Allee 116
Baujahr 2013–2015/msm meyer schmitz-morkramer
Vermieter Hansa AG für Georg von Opel GmbH

70 Meter
9. Zentrale der Deutschen Bundesbank

Wilhelm-Epstein-Straße 14
Baujahr 1962/ABB Architekten

54 Meter

Bockenheimer Warte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bockenheimer Warte um 1800

Dieses Wahrzeichen Bockenheims steht gar nicht auf Bockenheimer Gebiet, sondern gehört noch zum Westend. Es entstand 1434 bis 1435 im Zuge des Baus der Frankfurter Landwehr, ist also der äußere westliche Vorposten des der Stadt Frankfurt vorgelagerten Verteidigungssystems, nicht etwa der östlichste Bockenheims.

Bockenheimer Depot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bockenheimer Depot ist ein ehemaliger Betriebshof und die ehemalige Hauptwerkstatt der Straßenbahn in Frankfurt am Main. Das Gebäude an der Bockenheimer Warte aus dem Jahr 1900 wird heute als Spielstätte der Städtischen Bühnen genutzt und ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Campus Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Campus Bockenheim ist der Traditionsstandort der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Er gehört allerdings zum größten Teil nicht zu Bockenheim, sondern liegt überwiegend im Stadtteil Westend. Bedeutende Bauwerke sind das Jügelhaus sowie die hauptsächlich von Ferdinand Kramer geprägten Nachkriegsgebäude. Der Campus soll bis 2020 aufgelöst und seine Gebäude größtenteils abgebrochen werden.

Auch die historistischen Bauten des Senckenberg-Museums und des Physikalischen Vereins liegen im Bereich des Campus Bockenheim, aber nicht in Bockenheim.

Sportcampus Ginnheim (Ginnheimer Landstraße 39)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportcampus Ginnheim ist der zweite Campus der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Bockenheim. Er gehört im Gegensatz zum Campus Bockenheim komplett zu Bockenheim.

Europaturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 337 Meter hohe Fernmeldeturm wird im Volksmund auch Ginnheimer Spargel genannt, obwohl er nicht in der Gemarkung Ginnheim liegt, sondern in Bockenheim. Er ist das höchste Bauwerk der Stadt mit einem auf 222 Metern Höhe gelegenen ehemaligen Dreh-Restaurant, das höchstgelegene in Deutschland und der EU. 1979 eingeweiht, wurde es bereits zwanzig Jahre später ab 1999 für die Öffentlichkeit wegen fehlender Brandfluchtwege geschlossen.

Ginnheimer Landstraße 40/42, Studierendenwohnheime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studentenwohnheime in der Ginnheimer Landstraße 40 und 42

Das Studierendenwohnhaus, Ginnheimer Landstraße 40, Baujahr 1972 (saniert 1998) mit 286 Wohnhausplätzen und das benachbarte Studierendenwohnhaus, Ginnheimer Landstraße 42, Baujahr 1974 mit 445 Wohnhausplätzen bilden das größte Studentenheim des Studentenwerks Frankfurt am Main. Die Gebäude wurden auf einer Liegenschaft genannt Perlenfabrik errichtet.[6] 1846 betrieb hier die spätere Degussa ein chemisches Unternehmen (Herstellung von Kunstdünger), wo seit 1857 Gold- und Stahlperlen fabriziert wurden. Einer der letzten Direktoren war Franz Rücker (1843–1908), Namensgeber der nahe gelegenen Franz-Rücker-Allee. Er hinterließ per Testament Gelder für eine Armenstiftung. 1903 endete das Unternehmen im Konkurs. Die Immobilie wurde von der Stadt Frankfurt übernommen, die es zunächst als Armenhaus, dann als Erziehungs- bzw. Fürsorgeheim für Jugendliche unter dem Namen „Westendheim“ nutzte. 1933 errichtete hier das NS-Regime zunächst unter der Herrschaft der SA eines der ersten Lager zum Weitertransport von Regimegegnern nach Osthofen, Dachau und Buchenwald. Eine Bronzetafel von Wolf Spemann am Studierendenwohnhaus, Ginnheimer Landstraße 42 sollte an diese Vorgänge mahnend erinnern. Seit erneuter Sanierung 2012 wieder entfernt und 2015 durch zwei Schilder in deutscher und englischer Sprache ersetzt.[7]

Ludwig-Landmann-Straße 343, „LuLa“ Studierendenwohnheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studierendenwohnheim „LuLa“ Ludwig-Landmann-Straße 343

Wohnheim „LuLa“,bestehend aus 4 Häusern mit 295 Wohnheimplätzen, Ludwig-Landmann-Straße 343, Studentenwerk Frankfurt am Main, Baujahr 1964, Sanierung 2017–2020

Delkeskampsches Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Delkeskampsche Haus am Anfang der Leipziger Straße

Das Haus Leipziger Straße 9, ein spätklassizistisches Gebäude mit markantem fünfeckigen Grundriss, wurde 1826 von dem Architekten und späteren Bürgermeister Johann Philipp Brandt erbaut. Hier wohnte ab 1832 der am Frankfurter Theater tätige Kapellmeister, Musiker und Theaterunternehmer Carl Wilhelm Ferdinand Guhr bis zu seinem Tode 1848. Den Namen verdankt das Haus Clemens Delkeskamp und seinen Nachkommen. Clemens war der Sohn des bekannten Frankfurter Malers und Kupferstechers Friedrich Wilhelm Delkeskamp, der seine letzten Lebensjahre in Bockenheim verbrachte und 1872 auf dem Bockenheimer Friedhof in der späteren Solmsstraße beigesetzt wurde.[8] Clemens Delkeskamp verlegte 1899 die Delkeskamp & Schöneberg Holzschneiderei, Nutzholz-, Brennholz- und Kohlenhandlung von der Oberen Königstraße 14 (heute: Gräfstraße) in die seinerzeitige Frankfurter Straße 11, das „Delkeskamp-Haus“. Nach seinem Tod 1910 führte zunächst seine Frau und dann bis 1957 sein Sohn Wilhelm („Willy“) den Kohlenhandel fort. 1980/1981 wurde das Gebäude von der Stadt Frankfurt hergerichtet und das Sanierungsbüro Bockenheim zog ein. 1995 zog das Büro aus und eine Ärztin betrieb hier ihre Praxis. Derzeit steht das in der Hessischen Denkmalliste verzeichnete Gebäude leer. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der einzige große Laubbaum der Leipziger Straße.[9]

Passivhaus-Komplex SophienHof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passivhaus-Komplex SophienHof

Im Geviert Ginnheimer Landstraße, Sophienstraße, Konrad-Broßwitz-Straße (damals Werder-Straße) entstand von 1877 bis 1879 ein Militärlazarett für 109 Kranke, später wurde es von der Polizei, bzw. Bereitschaftspolizei, benutzt. Auf der Seite der Konrad-Broßwitz-Straße wurde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ein Luftschutzbunker errichtet, der nach dem Krieg teilweise als Wohnheim benutzt wurde. Von 2005 bis 2006 wurde an dieser Stelle der aktuell größte Passivhaus-Komplex in Europa, der sogenannte SophienHof errichtet.[10][11]

„Wohnen bei St. Jakob“ Wohnanlage im Passivhausstandard, Grempstraße 45[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passiv-Mehrfamilienhaus in der Grempstraße 45

Unter der Bezeichnung „Wohnen bei St. Jakob“ bzw. „Energieprojekt: Grempstr PH“ wurde das erste Passiv-Mehrfamilienhaus für neunzehn Parteien in Frankfurt als Geschosswohnungsbau errichtet. Diese Wohnanlage wurde 2009 von einer Fachjury des Dezernats Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main im Rahmen des neuen der Architekturpreises „Green Building Frankfurt“ für Vorreiter nachhaltiges Bauen zur Nominierung vorgeschlagen.[12]

Schönhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schönhof ist eine ehemalige Wasserburg und später das ehemals größte Hofgut im Westen Bockenheims. Seine neueren Bauten aus den Jahren 1810 bis 1820 stammen von den Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort und Friedrich Rumpf. 1944 im Krieg fast völlig zerstört, wurde danach nur das Herrenhaus wieder aufgebaut. Das Herrenhaus wurde zuletzt 1981 durch die Stadt saniert. Heute werden der Schönhof als Wohngebäude und Restaurant mit großem Biergarten, der westliche Neubau als Musikübungszentrum genutzt.

Liegenschaft Adalbertstraße 44–48[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolben Seeger

Das Grundstück wurde während der Industrialisierung Bockenheims vor und nach dem Ersten Weltkrieg bis 1939 gewerblich genutzt. Es lag verkehrsgünstig nahe dem Westbahnhof, zu dem damals noch ein Stichgleis von der Bockenheimer Warte aus führte. Ehemals war es Firmensitz der Frankfurter Strohhutfabrik AG, Adalbertstraße 44, deren Geschäftsführer und Aktionär Paul Gross (1883 Beindersheim – 1942 deportiert und ermordet in Lodz)[13] war. Er, seine Ehefrau Elsa Gross, geb. Mayer (1895–1942), sowie deren Eltern und Schwester wurden ebenfalls deportiert und in Lodz ermordet. Nach 1939 produzierten auf dem Gelände Adalbertstraße 44–48 die Präzisionswerkstätten Seeger & Co. (Kolben-Seeger),[14] die 1970–1972 ihre Firmenzentrale nach Eschborn und 2003 nach Steinbach am Taunus verlegten.

Im Zweiten Weltkrieg wohl vollständig zerstört, wurde auf dem Grundstück nach 1949 ein Verwaltungsgebäude errichtet, das in den vergangenen Jahrzehnten u. a. das Verwaltungsgericht Frankfurt und Büroräume verschiedener Firmen beherbergte. Nach dem Umzug des Verwaltungsgerichts in die Adalbertstraße und einem Leerstand wurde der, auch als „blaues Gebäude“ bekannte, Komplex an einen privaten Investor verkauft. Dieser baute es bis 2012 zu einem privaten Studentenwohnheim mit gehobenem Standard um und betrieb es unter der Bezeichnung Headquarters. Nach weiterem Verkauf an den Investor Uninest Student Residences Deutschland im Jahr 2017 wurde das Gebäude in Alvarium umbenannt.[15]

Liegenschaft Adalbertstraße 10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick um 1906 auf die Bebauung der Adalbertstraße 10-16, Nordseite. Links sieht man einen Teil des Hotels und Restaurants „Zum Rheingauer Hof“, dann die Restauration „Zur schönen Aussicht“ und rechts eine Fahrradhandlung. Das Gebäudeensemble einschließlich der Hinterhofbebauung wurde 1944 durch Fliegerbomben stark zerstört. Im Hinterhof dieser Liegenschaft, etwa auf Höhe der gegenüber befindlichen Kiesstraße, lag die sogenannte Fabrik. Dieses mehrstöckige Gebäude wurde nur notdürftig nach Bombenschäden repariert. Die bekannte US-amerikanische Bürgerrechtlerin und Schriftstellerin Angela Davis (* 1944) beschrieb in ihrem Buch Mein Herz wollte Freiheit. Eine Autobiographie, Hanser Verlag 1975, später ihre erbärmliche Unterkunft. Sie studierte 1965–1967 Soziologie und Philosophie auf Empfehlung Professor Herbert Marcuses am wiedereröffneten Institut für Sozialforschung der nahen Goethe-Universität.[16] Auch der deutsche Bildhauer Eberhard Fiebig (* 1930) hatte hier zu dieser Zeit ein Atelier, ebenso wie der jetzt in Köln lebende Autor und Filmemacher David Wittenberg (* 1940). Wittenberg und Edith Schmidt drehten 1974/75 den Film Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf über den Streik gegen Lohndiskriminierung in der westdeutschen Autozulieferungsfirma Solex-Alfred Pierburg, Neuss, heute Rheinmetall Automotive. Die Liegenschaft wurde 1983 mit Nachbarimmobilien komplett niedergelegt und 1984 auf ca. 17.000 m² ein großes Wohn- und Geschäftszentrum mit der Ladengalerie Bockenheimer Warte und Tiefgarage erbaut, das von der Bilfinger Real Estate Frankfurt verwaltet wird. Die einst hohen Erwartungen an die Ladengalerie haben sich auch hier, zum großen Teil wegen der hohen Ladenmieten, nicht erfüllt.

Immobilie Adalbertstraße 9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adalbertstraße 9 (1906)

Im ehemaligen Gewerbegebiet um die Bockenheimer Warte entwickelte sich bereits in der Gründerzeit und verstärkt nach der Eingemeindung der selbständigen Stadt Bockenheim 1895 aus der Straße Schöne Aussicht die mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern bebaute Adalbertstraße. Der Namenspatron dieser Straße wurde Adalbert Hengsberger (1853–1923), letzter Bockenheimer Bürgermeister bis zur Eingemeindung 1895, danach Erster Stadtrat der Stadt Frankfurt am Main. Das 1846/47 erbaute fassadenschlichte, eingeschossige, dreiachsige Wohn- und Geschäftshaus Adalbertstraße 9 wurde von Dr. med Fr. Leßdorf erbaut und 1882 an Tierarzt Dr. F. Jelkmann verkauft. Ab 1904 betrieb A. Gerlich im Hinterhof eine Kohlenhandlung, die ab 1927 von der Kohlenhandlung Noll & Co. abgelöst wurde.[17][18] Der Bombenangriff auf Bockenheim 1944 zerstörte auch diese Liegenschaft, während die mehrgeschossigen Nachbarhäuser rechts und links in ihrer Substanz überdauerten. Einzig das linke untere Fenster dieses Hauses Adalbertstraße 9 hat noch seinen historischen Baubezug mit der Rundung des Oberlichts erhalten. Der vormalige Hinterhofzugang wurde vollständig überbaut, die Geschosszahl verdoppelt. Heute wird die Liegenschaft ausschließlich als Wohnhaus genutzt. Ein Ladengeschäft wurde im Gegensatz zu den Nachbarhäusern nicht eingebaut.

Ökohaus Arche, Kasseler Straße 1a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökohaus Frankfurt

Nördlich des Westbahnhofs und in unmittelbarer Nähe des Bernusparks steht in der Salvador-Allende-Straße (früher Kasseler Straße) das 1992 fertiggestellte Ökohaus Arche. Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro Joachim Eble[19] wollte in dem Bau sowohl Ökologie und Baubiologie als auch Ökonomie und Alltagstauglichkeit verwirklichen. Das Objekt wurde von verschiedenen Banken, insbesondere der Commerzbank AG und durch einen Grundstückstausch des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) mit der Mainzer Landstraße 147 im Stadtteil Gallus finanziert.[20] Das auch außerhalb Frankfurts bekannte Haus ist innen und außen begrünt und bewässert. Auf den Dächern wachsen inzwischen Bäume. Mieter sind etwa 30 verschiedene Gewerbe, selbstverwaltete Betriebe, darunter Verlage und Redaktionen, Ärzte, eine Einrichtung zur Erwachsenenbildung, ein Restaurant sowie ein Veranstaltungszentrum mit Seminarräumen. Nach 25 Jahren steht jetzt eine Sanierung des Hauses an, aber zunächst müssen hierzu diverse Ämter des unter Denkmalschutz stehenden Hauses zustimmen.[21]

Taubenhaus am Westbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG wurde 2007 das erste Taubenhaus am Westbahnhof für 200 Tauben errichtet.[22] Die Bahn stellt kostenfrei den Raum, die Mitarbeiter des Stadttaubenprojektes arbeiten ehrenamtlich. Nach erfolgreichem Debüt wurden bereits drei weitere Frankfurter Taubenhäuser an der Hauptwache, an der Messe und im Gallusviertel eröffnet. Nach dem sog. „Augsburger Modell“ werden die Tiere in diesen betreuten Taubenhäusern angesiedelt, dort artgerecht gefüttert und ihre Eier durch Kunststoffattrappen ersetzt. Durch die Fütterung im Schlag wird gewährleistet, dass die Tiere nicht mehr gezwungen sind, sich ihr Futter in Fußgängerzonen oder bei der Freiluftgastronomie zu suchen. Nicht nur die Verkotung der Umgebung durch Tauben ging merklich zurück, sondern der Eieraustausch reduziert auch die Bestände. Das Stadttaubenprojekt Frankfurt e. V. wurde 2007 mit dem Hessischen Tierschutzpreis ausgezeichnet.

Rohmerstraße 8, Mehrfamilienwohnhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der um 1912 angelegten Rohmerstraße wurde in den 1920er Jahren ein an Florentiner Palazzi erinnerndes Mehrfamilienhaus errichtet. Das Erdgeschoss dieses 100-jährigen Eckgebäudes in der Rohmerstraße 8/Ecke Greifstraße wurde mit dem damals modischen, in der Antike üblichen, Bossenwerk versehen, das die Renaissance wieder neu belebt hatte. Hierbei wurden grob behauene Steinquader mit imitierendem Verputz versehen. Im Historismus bezeichnete man in der Weise hergestelltes Mauerwerk als Rustika.[23] Es soll optisch eine scheinbare Wehrhaftigkeit bezeugen.

Kurfürstenstraße 4, Wohnhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurfürstenstraße 4 bis 22 (1905)

Das mehrstöckige Wohnhaus Kurfürstenstraße 4 mit ausgestalteten markanten Fassadenteilen, wie Loggien, Fenstergiebel und Fenstergewändern, wurde bereits vor 1900 im Verlauf der Bebauung der rechten Straßenseite errichtet, die zur Großen Seestraße am Kurfürstenplatz führt. Neben dieser Liegenschaft stand seit 1837 ein 1944 zerstörtes fünfachsiges kurhessisches Amtshaus mit Mittelrisalit, Frontispiz, Eckbossen, Türportal mit Wappenschild, das dann 1866 nach Annexion Kurhessens durch Preußen Sitz des preußischen Justizfiskus, bzw. später Sitz des Bockenheimer Polizeirevier Nr. X wurde.[24] Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde hier ebenfalls ein mehrstöckiges Wohnhaus erbaut. Auf der linken Straßenseite der Kurfürstenstraße befand sich bis 1925 der Park der Rohmerschen Liegenschaft. Danach entstanden hier Wohnhäuser des Beamten-Wohnungsvereins[25] und die Greifstraße, benannt nach dem 1884 verstorbenen Bockenheimer Stadtrat Philipp Greif.[26]

Wohnanlage am Kurfürstenplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der ältesten Genossenschaften in Frankfurt am Main gründete sich am 18. März 1899 als Selbsthilfeeinrichtung der Frankfurter Beamtenschaft[27] und hat noch heute 1368 Wohnungen im Bestand. 1912, nach Verkauf der Liegenschaft der Familie Rohmer samt großem Park an die Stadt Frankfurt, errichtete diese Genossenschaft 1913 u. a. auf dem Grundstücksbereich Kurfürstenstraße 13–25, Große Seestraße 33–39 und Rohmerstraße 22–30 eine mehrgeschossige Wohnanlage als Blockrandbebauung, die sich auch nach 100 Jahren noch heute in ihrem Bestand befindet und von ihr gepflegt wird. Bis ungefähr 1910 Jahren herrschte bei Stadterweiterungen in Europa ein Konsens: Man baute Blockränder – um einen halb privaten Innenhof geordnete, vier- bis sechsstöckige Häuser, die gegen außen direkt an die Straße grenzen und so klare Räume schaffen.[28]

Häusergasse 10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häusergasse Nr. 10 (1914)

Die Häusergasse hat ihren Namen vom Weg bzw. Gasse nach dem benachbarten Dorf Hausen. Sie liegt nahe dem Kirchplatz, dem historischen Zentrum des ehemaligen Dorfes Bockenheim. Die Gasse bildete die Verlängerung der Schloßstraße und wurde historisch in ihrem linken Bereich von der Außenmauer des Parkgeländes des Gutshofs Schönhof begrenzt. Die Häusergasse führte über die Häuserwiesen und dem Ochsengraben zum benachbarten Dorf Hausen. Heute verläuft der Ochsenabend jedoch meist unterirdisch, nur zwischen der Häusergasse bis zum St. Elisabethen-Krankenhaus ist der Ochsengraben als offener Graben begehbar. Auf den Häuserwiesen wurde früher die Wäsche getrocknet. Nach der Begradigung der Nidda und mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft veränderte sich die Landschaft, auch die Häuserwiesen jedoch weitgehend. Die Wiesen wurden in Äcker umgewandelt, später in Kleingärten. Der heutige Wooggraben und auch der Ochsengraben werden überwiegend aus der Einleitung von Niederschlagswasser aus den Ortsteilen Ginnheim, Eschersheim und Bockenheim gespeist. Heute haben die Gewässer eine Gesamtlänge von 3,4 km um dann in Bockenheim in die Nidda zu münden.[29] Einschneidend für die Häusergasse war der Bau der Main-Weser-Bahn, bzw. 1914 der Bau der die Gleiskörper überbrückenden Breitenbachbrücke. Ihrem Grundstücksbedarf fiel der Grund und Boden der linken Seite der Häusergasse zum Opfer. Dies wiederholte sich nochmals 1966 beim Neubau der Breitenbachbrücke und der Schließung, bzw. der Beseitigung des Häuser-Gassen-Bahnübergangs. Seitdem wird die Häusergasse links durch die Betonwände der Auffahrt der neuen Breitenbachbrücke samt Teilstrecke der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Straße und Straßenbahngleisen begrenzt. Die Häusergasse selbst endet heute am eingezäunten Gleiskörper der Eisenbahnstrecke und wird links von der Straße „An den Bangerten“ und rechts von dem „Knöterichweg“, bzw. anschließend dem Bockenheimer Wiesenweg zu den Sportplätzen weitergeführt. Unterirdisch wird die Häusergasse von der U-Bahn-Strecke vom Kirchplatz ausgehend untertunnelt. Das dreigeschossige Haus Häusergasse 10 mit ausgebautem markantem Dach, siehe Foto von 1914,[30] ist über 100 Jahre alt und hat, wenn auch beschädigt, die Bombardierung Bockenheims von 1944 überdauert. Das Haus Nr. 10 in der Häusergasse Ecke Fritzlarer Straße hat seine beiden Erker der Hausfassade ebenso erhalten wie seine Zieranker. Die neueingebauten Fenster und die farbige Hausfassade verjüngen die Optik des Gebäudes, das heute als Apartmenthaus vermietet wird. Rechts führt die Fritzlarer Straße zum Kirchplatz.

Linke Seite der Häusergasse, vormaliger Standort des 1914 abgetragenen HANAUER HOFES[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bockenheim-Hanauer Hof vor 1914

Das rechte Bild von 1914 dokumentiert die Abrissarbeiten in der Häusergasse Richtung des Dorfes Hausen für den Bau der Breitenbach-Brücke über die Gleise der Main-Weser-Bahn. Die Bauarbeiten der Breitenbach-Brücke (benannt nach dem Preußischen Minister für öffentliche Arbeiten, Paul von Breitenbach, 1850–1930) dauerten von 1914/16 noch während der ersten Kriegsjahre.

Dieser Baumaßnahme fiel auch schon ein Teil des Parks des nahe gelegenen Schönhofes zum Opfer. Bei der rechten im Vordergrund im Abriss befindlichen Liegenschaft handelt es sich um den ehemaligen HANAUER HOF mit Kelterei des Jean Stein in der Häusergasse nebst Nebengebäude, wie Kegelbahn und Gartenwirtschaft.

Der Erbauer des HANAUER HOFES war Daniel Ludwig, der bis 1830 die nahegelegene Wirtschaft ZUM SCHWAN am Kirchplatz 5 führte. Bockenheimer Bürger war das Gebäude am Kirchplatz 5 als Storchennesthaus bekannt, wählten doch langezeit Storchenpaare den Schornstein des Gebäudes als Nistplatz erwählten, wohl auch wegen der nahen feuchten Niddawiesen.

1964 führte der nochmalige Neubau der Breitenbach-Brücke mit vier Autostraßen und zwei Straßenbahnspuren zum vollständigen Verlust des Parkrestes des Schönhofes nebst Gartentempel. Diesen oktogonalen klassizistischen Gartentempel, sog. Schönhof-Pavillon, erbaute 1820 der Frankfurter Architekten Friedrich Rumpf für den hessen-darmstädtische Minister a. D. Carl Ludwig Freiherr von Barckhaus gen. Wiesenhütten, der 1819 den im Vorjahr abgebrannten Gutshof Schönhof erwarb. 1964 erfolgte die Umsiedlung dieses Bockenheimer Gartentempels in den Grüneburgpark im Frankfurter Westend. Dort dient dies 200 Jahre alte Bockenheimer Bauwerk seitdem als Park-Café.[31]

Wohnanlage von 1906 am Kirchplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1906 wurde im Bereich Rödelheimer Landstraße-Kirchplatz-Fritzlarer Straße eine große Wohnanlage des Straßenbahner-Bau- und -Sparvereins[32] errichtet, die seitdem den Platz dominiert. Dafür wurde ein Doppelhaus von 1754 niedergelegt, dessen linke Hälfte als Rathaus von Bockenheim und dessen rechte Hälfte als Schule genutzt worden war. 1869/71 zog dann das Rathaus in den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Neubau am Kurfürstenplatz um und in die rechten Schulräume zog bis zum Abriss des alten Doppelhauses der Pfarrer, nachdem 1888 auf dem benachbarten Hofgut der Familie Passavant in der Ginnheimer Straße 3–5 die neue Franckeschule erbaut worden war. Deren Gebäude gehört seit 1945 dem katholischen St. Elisabethen-Krankenhaus.[33]

Leipziger Straße 71, Bock-Apotheke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bock-Apotheke

Am 26. November 1819 bewarb sich der Apotheker Friedrich Georg Wörner um die Errichtung einer Apotheke in Bockenheim. Nach drei Jahren, am 13. November 1822, erhielt er die Konzession von Kurfürst Wilhelm II. und eröffnet unter dem Namen „Löwen Apotheke“ die erste Apotheke in Bockenheim in der Frankfurter Straße (heute: Leipziger Straße 71). Fünfmal wechseln die Eigentümer, bevor 1907 Bruno Bock die Apotheke übernahm und sie sogleich in „Bock Apotheke“ umbenannte. Aufsehen erweckte er mit seinem Marketing-Gag Medikamente mit einem kleinen Leiterwagen, gezogen von einer Ziege, auszufahren und manches Mal Kinder auszufahren. Dennoch wurde bereits nach sechs Jahren die „Bock Apotheke“ weiterverkauft. 1938 wurde im der Liegenschaft angeschlossenen sogenannten „Apothekergarten“ der erste Luftschutzbunker gebaut, den 1944 eine Luftmine traf. 180 Menschen starben im Bunker, der Apotheker blieb im Bunker unverletzt, die Apotheke wurde nur leicht beschädigt. 1988 wurde das Haus umfassend saniert, das Fachwerkhaus entkernt und das alte Pagodendach rekonstruiert.[34]

Luftpumpenstation für Fahrräder im Kreuzungsbereich Leipziger-, Markgrafenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ergebnis des vom Verkehrsdezernat des Magistrats der Stadt Frankfurt veranstalteten „Stadtradelns Frankfurt am Main vom 6. – 26. September 2014“ wurde als Anerkennung für die siegreiche Teilnahme eine Luftpumpstation für Fahrräder im Kreuzungsbereich Leipziger und Markgrafenstraße errichtet. Drei Wochen lang hatten Bockenheimer Bürgerinnen und Bürger im Vergleich mit anderen Stadtteilen so viele CO2-freie Kilometer wie möglich erradelt und wurden daher vom Klima-Bündnis prämiert. Die Auszeichnung der Stadt galt dem radaktivsten Stadtteil und dem Team mit den meisten Kilometern je Teilnehmer.[35]

Offener Bücherschrank, Leipziger Straße 54 / 56[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee dieser kostenlosen Bibliotheken entwickelte sich bereits in den 1990er Jahren. Die ersten Bücherschränke standen Ende der 1990er Jahre in Darmstadt und Hannover. Heute stehen sie in zahlreichen Städten Deutschlands wie Bonn, Saarbrücken, Erfurt oder Karlsruhe.[36] Auch in Frankfurt finden sich Bücherschränke beispielsweise im Oeder Weg, in der Berger Straße, im Brentanobad und wie hier in der Leipziger Straße 54/56.[37] Hier ist das städtische Amt für Straßenbau und Erschließung, insbesondere dessen Projektgruppe Nahmobilität, dafür zuständig. Leider sind sie auch oft Ziel von Vandalismus und Zerstörungswut.[38]

Offener Bücherschrank, Kirchplatz, Rödelheimer Straße 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Kirchplatz, Rödelheimer Straße 2, wurde am 23. März 2017 ein zweiter Offener Bücherschrank im Stadtteil Bockenheim eingeweiht.

Leipziger Straße 12[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der wilhelminischen Gründerzeit wurden viele ältere Häuser und Gewerbebetriebe abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Aus der Frankfurter Straße wurde 1895 nach der Eingemeindung Bockenheims die Leipziger Straße, die sich dann zur Hauptgeschäftsstraße Bockenheims entwickelte. Besonders Lebensmittelgeschäfte siedelten sich an um die Versorgung des rasch wachsenden Stadtteil Bockenheims zu sicher. So betrieb in diesem Haus Leipziger 12 zeitweise ein Ludwig Brenner als Mieter eine Filiale seines Fischhauses nebst z. B. Angeboten für Butter, Eier und Käse. Das Hauptgeschäft wird heute noch im Frankfurter Nordend in der Spohrstraße betrieben. Das nur zweiachsige Haus zeichnet sich durch seinen markanten Fassadenschmuck aus. Auffällig sind die zwei Zwerchhäuser, eines mit Volutenornamenten in Muschelform, ein ausgearbeitetes Gesimsband als Konsolenfriese ist ein dekoratives Element der Fassadengestaltung, sowie markante Fensterstürze und die zwei Wappen der bis 1895 selbständigen Stadt Bockenheim als Fassadenschmuck. Diese zweifachen steinernen Stadtwappen der Stadt Bockenheim machen es zu einem Unikat dieses Stadtteils.[39] Die Wappen zeigen einen Bienenkorb mit fliegenden Bienen als Sinnbild des Gewerbefleißes dar, das 1819 Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel anlässlich der Erhebung zur Stadt verliehen hatte. Dieses Stadtwappen wurde auch als Logo der Polytechnischen Gesellschaft von 1822, ein heute noch gemeinnütziges Institut geschaffen zum Wohle der Mitbürger, adaptiert.[40] Das linke und auch das rechte Nachbarhaus fielen den Bomben von 1944 zum Opfer und wurden in der Nachkriegszeit in zeitentsprechendem Stil neu errichtet. Das Haus Leipziger Straße 12 blieb fast unzerstört, wurde saniert und zählt heute zu den auffälligen architektonischen Perlen des Stadtteils.

Torbogen Industriehof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torbogen und Kaserneneingang (1938)

Ehemaliger Torbogen zum Eingang in die vormals größte Flak-Kaserne des Deutschen Reiches (jetzt Eingang Industriehof). Ende 1938 wurde das 30.000 Quadratmeter große Gelände, von einer teilweise heute noch sichtbaren Steinmauer vollständig umgeben, vom Flak-Regiment 29 in Betrieb genommen.[41] 1944 und 1945 war das Gelände oftmals Bombenziel der alliierten Luftstreitkräfte. Nach dem Krieg wurde es teilweise von neu gegründeten Industriefirmen genutzt. 1956 eröffnete der Autohof West, später war hier ein neuer Standort für Dienstleister, aber auch des U.S. Army Equipment Maintenance Centers der amerikanischen Streitkräfte, das dort Anfang der 1980er Jahre im Geheimen Pershing-II-Raketen montierte und nach Bekanntwerden öffentlichem Protest und Demonstrationen ausgesetzt war. Auf dem ehemaligen Gelände der US-Armee wurde im Jahr 2000 der neue Sitz der Neuen Börse fertiggestellt, die 2010 nach Eschborn umzog.

Sonstige geschichtsträchtige Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bockenheimer Schlösschen, Schloßstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges kurhessisches Postamt der Stadt Bockenheim, Hasengasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1816 überließ gegen eine jährliche Pacht von 42000 Talern Kurfürst Wilhelm I. das hessische Postwesen den Fürsten Thurn und Taxis. In Kassel wurde eine Generalpostinspektion eingerichtet. Nach dem Sieg im preußisch-österreichischen Krieg 1866 besetzte Preußen Kurhessen und die Freie Stadt Frankfurt und zwang die Thurn-und-Taxis-Zentrale zu einem Abtretungsvertrag: Gegen eine Abfindung musste man die Posteinrichtung dem preußischen Staat überlassen. Ratifizierung und Übergabe erfolgte 1867. Im Taschenplan von 1880 des Ludwig Ravenstein (1838–1915) ist ein Ausschnitt mit Lagevermerk das damalige kurhessische Postamt der vormalig selbständigen Stadt Bockenheim in der Hasengasse, der späteren Landgrafenstraße 20 verzeichnet. Nach Gründung des deutschen Kaiserreiches lag hier das Postamt bis zum Umzug 1887 in den Neubau des kaiserlichen Postamtes in die Bahnhofstraße, der späteren Kurfürstenstraße. Das kurhessische Postamt befand sich oberhalb der Straße „Schöne Aussicht“, der späteren Adalbertstraße. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch dieser Bau zerstört. In der Nachkriegszeit erfolgte die heutige Neubebauung. Heutige Nutzung teilweise durch Kindergarten der Evangelischen Markusgemeinde.

Ehemaliges kaiserliches Postamt in der unteren Kurfürstenstr. 49, frühere Bahnhofstr.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Gebäude der Kaiserlichen Post in Frankfurt-Bockenheim, früher in der Bahnhofstraße, jetzt untere Kurfürstenstraße 49, wurde 1887 als Kaiserliches Postamt noch für die selbständige Stadt Bockenheim im 1866 durch das Königreich Preußen okkupierten Kurhessen erbaut und 1888 bezogen. Mit der Eröffnung tauschte das Hauptpostamt auf der Zeil bereits mehrfach täglich mittels der Poststraßenbahn Frankfurt am Main Briefbeutel mit diesem Postamt aus.[42] Es wurde über das Ende des Ersten Weltkriegs bis 1920 benutzt. Die rasante Entwicklung des Postwesens machte dann einen Umzug in einen Neubau am Rohmerplatz notwendig. Das alte Gebäude wurde fortan als Katasteramt genutzt. Durch den Bombenangriff 1944 wurde es teilweise zerstört. Nach Kriegsende wurde es mit zeitkonformer vereinfachter Fassade wiederaufgebaut, wobei die alte Eingangstürfassade rekonstruiert wurde. Später wurde es mit geändertem Dachausbau aufgestockt. Heute wird die Liegenschaft als Bürogebäude eines Verlages genutzt.

Ehemaliges Bockenheimer Postamt, frühere Deutsche Reichspost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sogenannte neue Postamt 13 in der Rohmerstraße wurde nach dem Ersten Weltkrieg von der Deutschen Reichspost erbaut und 1920[43] eröffnet. Hier, bei der Deutschen Reichspost in Bockenheim, war von 1912 bis 1932 – nur unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg – Jakob Sprenger (1884–1945) in der Hauptkasse als Oberpostinspektor tätig. Das Postamt erhielt 1943 einen Bombentreffer im Zentralbau, wurde aber nach dem Krieg wieder aufgebaut. Im Jahre 2000 wurde die Liegenschaft von der Post an einen Immobilienfonds verkauft, der das Gebäude totalsanierte. Die Deutsche Post AG und die Postbank AG sind heute Mieter.[44]

Ehemalige Militär-Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Militär-Lehrschmiede
Historische Militär-Lehrschmiede von 1891

Drei Jahre nach der Annexion Kurhessens durch Preußen, wurde 1869–1873 in der damaligen Rödelheimer Chaussee, der jetzigen Rödelheimer Landstraße, die im Zweiten Weltkrieg (1943) zerstörte und danach nur teilweise wieder aufgebaute Kaserne einschließlich eigenem Gleisanschluss errichtet. Neben dem eigentlichen Kasernengebäude entstanden 1876–1879 die Proviantgebäude. Am 13. Oktober 1873 bezogen drei Schwadronen des Rheinischen Dragoner-Regiments Nr. 5 die Kaserne. Im Herbst folgten drei Schwadronen des Husaren-Regiments (1. Kurhessisches) Nr. 13. Diesem Regiment wurde später feierlich der Namenszusatz „König Humbert von Italien“ verliehen. Regimentskommandeur war zuletzt Georg von dem Bussche-Haddenhausen (11. Mai 1869 bis 23. März 1923), der Großvater von Claus von Amsberg, verstorbener Prinz der Niederlande. Aufstellungsort, bzw. Garnison bei Beginn des Ersten Weltkriegs war für dieses Regiment Diedenhofen (heute: Thionville) im damaligen Reichsland Elsaß-Lothringen. Auch diente in diesem Regiment unter anderem Adolph von Holzhausen im Rang eines Rittmeisters, der als letzter Spross einer alten Frankfurter Familie der Stadt Frankfurt sein gesamtes Vermögen vermachte. Bis auf das Holzhausenschlösschen sind die umfangreichen Vermögenswerte untergegangen. Der verbliebene Rest der Kaserne gehört der Spedition H.C. Fermont, die Teile der Liegenschaft untervermietet hat. Das umliegende Gelände gehört zum Immobilienbesitz der Firma Siemens, die hier Gebäude für eine Niederlassung errichtete. Zeitweise wurde von ihr auch eine zusätzlich umfangreiche Bebauung der vorhandenen Brache namens SIEMENSSTADT erwogen, diese Pläne wurden aber hinfällig. Das Siemens-Areal und auch die Gelände der Traditionsbetriebe Burka Kosmos und Fermont, deren Erhalt erst 2009 durch eine Bestandsschutzgarantie gesichert schien, wurden seitdem an den börsennotierten Projektentwickler Instone Real Estate und die Nassauische Heimstätte verkauft.[45] Ein neues Wohnquartier für 2.000 Bewohner im Sinne der städtischen Verdichtung ist gewünscht und geplant. Der neue Bebauungsplan 834 wurde erstellt und soll baldigst verabschiedet werden.[46][47] An den früheren militärischen Verwendungszweck dieses Geländes erinnert heute nur noch die Kasernenstraße und die gleichnamige Bushaltestelle in der Rödelheimer Landstraße.

Kaserne der 13er Husaren in der Rödelheimer Chaussee (um 1900)

Zwanzig Jahre später wurden in der Kaiserzeit zwei weitere Militärbauten in Bockenheim errichtet. 1891 wurde im Bereich Kies-/Gräfstraße In Bockenheim eine von acht kaiserlichen Militär-Lehrschmieden des Reiches, ähnlich wie die in Berlin, Breslau, Königsberg, Gottesaue, Hannover, Dresden und München eröffnet.[48] Von der umfangreichen Bebauung einschließlich drei großer markanten Schornsteinen, zeugt nach Ende des Zweiten Weltkriegs nur noch ein solitärer 1881 gebauter klassizistischer mehrstöckiger Klinkerbau mit Kranzgesims im Zierverbund ohne erkennbare damalige Funktionshinweise in der Kiesstraße 4, der heute als Wohnhaus genutzt wird. Spurenlos verschwunden ist auch die Bebauung des ehemaligen Militär-Lazarettes längs der Sophien-/Ginnheimer Straße. Hier befindet sich heute der Passivhaus-Komplex Sophienhof, eine neuzeitliche Wohnanlage.

Ehemalige Öl- und Gewürzfabrik Josef Georg Mohr & Co., Adalbertstr.7 und Kiesstr. 41-45[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor den Stadtmauern der Reichsstadt wurden Landwehrtürme errichtet, wie u. a. die Bockenheimer Warte und mit Schlagbäumen ausgerüstet, auch um Ein- und Ausgänge unliebsamer Menschen zu regelemtieren. Das damalige Dorf Bockenheim gehörte vor Napoleon zur Grafschaft Hanau mit dem Dorfzentrum um die St.-Jakobskirche. Den unbebauten Weg nach der Stadt Frankfurt nannte man „Schöne Aussicht“. Nach der Niederlage Napoleons und der Errichtung des Herzogtums Nassau nannte man den Weg dann „Nassauer Straße“. Ab 1841 begannen die Verhandlungen über einen Bau der Main-Weser-Bahn als Voraussetzungen für die rasante wirtschaftliche Entwicklung Bockenheims. Lange wehrte die Bürgerschaft Frankfurts die Ansiedlung arbeitsreicher Betriebe ab, während Bockenheim sogar ein eigenes Stichgleis vom Westbahnhof bis an die Bockenheimer Warte legen ließ. 1866 erfolgte die Okkupation Nassaus, Hessen-Kassel und der freien Reichsstadt Frankfurt durch das Königreich Preußen, 1871 die Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs. Kriegsgewinne, verbunden mit dem technischen Fortschritt, boten sich entlang der Nassauer- sowie der Solmsstraße enorme wirtschaftliche Chancen, die durch die 1895 erfolgte Eingemeindung Bockenheims in die Stadt Frankfurt kulmunierten. Die Nassauer Straße wurde in Adalbertstraße umbenannt zu Ehren von Dr. Adalbert Hengsberger (1853–1923), dem letzten Bürgermeister der selbständigen Stadt Bockenheims.

Ab 1862 wurde Zimmermannsmeister Georg Hermann Löhnholdt (1840–1910), Gründer der Bauunternehmung Julius Lönholdt & Co. in Frankfurt Eigentümer der Parzellen entlang der Adalbertstraße 7 und Kiesstraße 41-45. Auch Johann Georg Mohr ergriff seine Chance und gründete um 1882 auf den Grundstücken entlang der Adalbertstraße 7 und Kiesstraße 41-45 eine Öl- und Gewürzfabrik mit Stallungen, die er ab 1894 mit seinen Söhnen als Jos. Gg. Mohr & Co. betrieb. Das ISG Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main dokumentiert am 21. April 1897 einen Großband auf dem Betriebsgelände und den Stallungen der Öl- und Gewürzfabrik Jos. Gg. Mohr & Co. Statt Wiederaufbau beschloss Mohr eine Betriebsverlagerung nach Oberursel. Das niedergebrannte Betriebsgelände wurde intensiv mit mehrstockigen Wohnhäusern bebaut. 1906 produzierte man als Ölmühle und Gewürzmahlerei in Oberursel Kupferhammer. Dies führte aber zu keinem wirtschaftlichen Erfolg. 1911 stellte Mohr den Betrieb auf die Produktion von Holzwolle erfolglos um. Im zweiten Kriegsjahr wurde 1915 das vormalige abgebrannte Bockenheimer Unternehmen Josef Georg Mohr & Co. vom neuen Eigentümer dem Frankfurter Bankhaus D. & J. de Neufville vorort als Holzwollefabrik Taunus GmbH erfolglos weitergeführt.[49] Für 1927 und 1935 belegte der Bockenheimer Chronist Hermann Ludwig den Wohnsitz des Privatmanns Gg. Mohr in Bockenheim, Adalbertstraße 7.

Ehemalige Frankfurter Präzisions-Werkzeug-Fabrik Günther & Kleinmond GmbH, Adalbertstr. 11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ILIX-EXTRA Hochleistungsbohrer

In der Adalbertstraße 11 wurde 1895, im Jahr der Eingemeindung Bockenheims, die Frankfurter Präzisions-Werkzeug-Fabrik „Günther & Kleinmond GmbH“ gegründet.

Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt bewahrt Geschäftsunterlagen dieser Firma von 1917 mit einem damaligen Geschäftssitz in der Mainzer Straße 193 auf.

Nach zahlreichen Übernahmen durch diverse Investoren, einschließlich mehrfacher Verlagerung des Produktionsstandortes, existiert derzeit noch die Firma ILIX Präzisionswerkzeuge-GmbH in Kriftel (Taunus), die noch Bohrwerkzeuge in patentierter Ilix-Qualität produziert und auch noch Namensrechte innehält.[50]

Ehemaliges Bürstenhaus Carl Topp, Adalbertstr. 11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1902 ist im Frankfurter Adressbuch die Bürstenhandlung Carl Ernst Topp mit Ladengeschäft in der Adalbertstraße 11 verzeichnet, seit 1927 firmiert das Geschäft unter dem Namen Carl Topp. 1960 übernahm die Familie Graf, die aus der DDR emigriert war, das Ladengeschäft und betrieb es unter dem Namen Carl Topp bis zur Aufgabe und dem Warenabverkauf 2021 weiter. In dem nun leerstehenden Geschäft, über das auch in Julia Söhngens Buch „Zeitkonserven. Frankfurter Traditionsgeschäfte“ von 2009 geschrieben wurde, ist noch die 1928 verbaute Einrichtung vorhanden.[51]

Ehemalige Adalbert Drogerie Walter Englert, Adalbertstraße 21[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adalbert Drogerie Walter Englert, Adalbertstraße 21

Walter Englert[52] (16. März 1924 bis 29. Mai 2011) 87 Jahre, war ein Okkultist und betrieb gemeinsam mit seiner Frau Uta in Frankfurt, Adalbertstraße 21, das Buch- und Kräuterhaus Occulta mit Drogereibereich nebst Kiosk. In den 1960er Jahren Frankfurt operierte Walter Englert in der Loge „Freiherr Adolf von Knigge (1752–1796)“ des Schweizer O.T.O.Illuminaten-Ordens,[53] einem Mitglied der Fraternitas Saturni, der Fraternitas Rosicruciana Antiqua (F.R.A.) und der Gnostisch Katholischer Kirche. Besonders der O.T.O. war dank seiner sexualmagischen Ausrichtung und seinem Rückgriff auf angebliche Traditionen des im Hochmittelalter zerschlagenen Templerordens zum populärsten Okkultorden des 20. Jahrhunderts. Sie fungierten auch unter dem Namen Weltbund der Illuminaten. Englert machte sich selbständig und sah sich seit den 1970er Jahren als weltweites Oberhaupt des (Ordo Templi Orientis) O.T.O.-Ordens, eines verschachtelten Ordens-Sammelsuriums wie der O.T.O.-Orden des Schweizers Hermann Joseph Metzger (1919–1990). Die damalige Mitgliederzahl dürfte äußerst gering gewesen sein. Die Buchhandlung mit Kiosk in Frankfurt wurde weiter geführt.

Schon vor dem Tod von Walter Englert im Jahr 2011 galt sein Geschäftsziel in Bockenheim mehr als unverständlich, zeigten doch auch die verstaubten Auslagen seiner Buchhandlung kaum Bewegungen. Vor längerer Zeit wurde die Buchhandlung vollständig geräumt. Verstaubte Glasscheiben und eine teilweise zerstörte Leuchtreklame bezeugen heute die ehemalige Wirkungsstätte des Bockenheimer Okkultisten Walter Englert und seiner Frau Uta in der Adalbertstraße 21.

Ehemaliges Kino Germania-Theater, Eckgrundstück Adalbertstraße 23 Homburger Straße 34[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kino Germania-Theater wurde um 1910 eröffnet. Es hatte 131 Sitzplätze und befand sich auf dem Eckgrundstück Adalbertstraße 23 / Homburger Straße 34 von Bockenheim. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zur Schließung des Kino Germania-Theaters.

Der mehrstöckige Vorkriegsbau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach zunächst nur provisorisch einstöckig wieder aufgebaut. Hier wurde die legendäre Gaststätte Zum Trompeter Karl betrieben.[54] In den 1980er Jahren kaufte die Griechische Gemeinde Frankfurt am Main – Hessen e. V. das Eckgrundstück Adalbertstraße 23, Homburger Straße 34 und errichtete hier ein neues, mehrstöckiges Geschäftshaus, in dem sie ein griechisches Kulturzentrum, einen Kindergarten und Räume für ihre Volkstanzgruppe unterhält.

Das angrenzende neobarocke Mietshaus von 1904 in der Homburger Straße 36 mit symmetrischer Putz- und Sandstein­fassade und reicher Bauplastik hat den Zweiten Weltkrieg wenig zerstört überstanden und steht jetzt saniert unter Denkmalschutz.

Der mehrstöckige Vorkriegsbau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach zunächst nur provisorisch einstöckig wieder aufgebaut. Hier wurde die legendäre Gaststätte Zum Trompeter Karl betrieben.[54] In den 1980er Jahren kaufte die Griechische Gemeinde Frankfurt am Main – Hessen e. V. das Eckgrundstück Adalbertstraße 23, Homburger Straße und errichtete hier ein neues, mehrstöckiges Geschäftshaus, in dem sie ein griechisches Kulturzentrum, einen Kindergarten und Räume für ihre Volkstanzgruppe unterhält. Das angrenzende neobarocke Mietshaus mit symmetrischer Putz- und Sandstein­fassade und reicher Bauplastik von 1904 in der Homburger Straße 36 hat den Zweiten Weltkrieg fast unzerstört überstanden und steht jetzt saniert unter Denkmalschutz.

Ehemaliges Gasthaus Restauration „Zum goldenen Löwen“ Inhaber Josef Köhler, Ecke Adalbertstr. Große Seestr. 55[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort Adalbertstraße wurde vormals Nassauer Straße genannt. Das Wappentier des 1866 durch das Königreich Preußen okkupierten und untergegangenen Herzogtum Nassau war der nassauische goldener Löwe, der heute noch z. B. den Marktbrunnen in Wiesbaden ziert. Mit der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen wurde das Gebiet zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau. Auch im Wappen der preußischen Provinz Hessen-Nassau von 1868–1944 blieb der goldene Löwe erhalten.

Noch heute ist der Nassauischer Hausorden vom Goldenen Löwen als (Ordre du Lion d'Or de la Maison de Nassau) der höchstré Orden Luxemburgs und seit 1905 der höchste Hausorden der Niederlande und wird bis heute verliehen.

Oftmals schmückten sich nunmehr Gasthäuser mit dem Namen „Goldener Löwe“ im Stadtgebiet und im Umland. So verzierte auch dieses Wappen u. a. eine im Handel befindliche historische Werbepostkarte der Restauration „Zum goldenen Löwen“ Inhaber Josef Köhler, Ecke Adalbertstraße Große Seestraße 55, Frankfurt-Bockenheim.

Fliegerbomben zerstörten 1944 auch die Gebäude auf diesem Eckgrundstück. Als Nachkriegsbebauung wurde ein heute noch bestehendes mehrstöckiges Wohngebäude errichtet, in dessen Erdgeschoss Ladenschäfte eingerichtet wurden.

Ehemaliger Feuerwehrausrüster Conrad F. Heitefuss, Adalbertstraße 42[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbeanzeige des Bockenheimer Feuerwehrausrüsters Conrad F.Heitefuß für Feuerwehr- und Sanitäts-Mannschaftsausrüstungen – Vertreter von Carl Henkel, Bielefeld, seit 1871 Ausrüster von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen. Quelle: www.carl-henkel.de. Fabrik sämtlicher Ausrüstungs-Gegenstände für Feuerwehren, Sanitäts- und Samariiter-Kolonnen, im Besonderen: Uniformen und Kleidungen. Anzeige in Museums-Depeche – Informationsschrift des Feuerwehr-, Geschichts- und Museumsvereins Frankfurt am Main e. V., Der Brandschutz in Bockenheim, Ausgabe Nr. 30, Dezember 2018.

Ehemalige Turngeräthe-Fabrik Heinrich Helwig, Adalbertstraße 38-40[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung 1897

Während der ausklingenden Gründerzeit schaltete 1897 Heinrich Helwig für seine Bockenheimer Turngeräthe-Fabrik diese Werbeanzeige. Im ISG Institut für Stadtgeschichte Ffm haben sich vom Sport- und Badeamt unter Signatur 50 Az:449G noch Dokumente wie Sonderpreislisten über Turn- und Spielgeräte der Firma Heinrich Helwig, der Ersten Frankfurter Turn- und Spielgeräte-Fabrik aus Bockenheim, erhalten. Ebenso werden hier aus 1917 Briefkopf, Rechnung vom 6. März 1917 und Abbildung der Fabrik feiner Lacke, Polituren, Holzbeizen, Mattpräparate G.Helwig, Inh. Ernst Engelhard-Mannes, gegründet 1884, in der Adalbertstraße 38-40 aufbewahrt, wie auch Teile des Geschäftsverkehrs mit der Firma Statorwerk G. Helwig und Co. und/oder GmbH, Turn- und Spielgeräte, aus 1943, aufbewahrt. Laut Wikipedia bezeichnet man als Stator den feststehenden, unbeweglichen Teil eines Gerätes, insbesondere wenn es auch einen Rotor gibt. Zum Beispiel in einem Elektromotor, Generator, Hydromotor oder einer Pumpe – im Gegensatz zum beweglichen Teil, dem Rotor.

Ein Bombenangriff zerstörte 1944 großflächig u. a. die Bebauung in Geviert Große Seestraße, Adalbertstraße und Schlossstraße, die in der Nachkriegszeit mit mehrstöckigen Mietwohnanlagen wiederaufgebaut wurde. Im Innenbereich diese Bebauung der Adalbertstraße wird in einem Hinterhaus ein Bar/Restaurant betrieben. Spuren der ehemalige Turngeräthe-Fabrik Heinrich Helwig, bzw. der Firma Statorwerk G. Helwig und Co. sind nicht mehr vorhanden.

Ehemaliges Dampfschmirgelwerk J. Schönberg & Co., Adalbertstraße 61[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmenprospekt

Fünfzehn Jahre nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde 1886 das Dampfschmirgelwerk als Raffinerie, Schmelzerei und Metallhandlung J. Schönberg & Co. in der Adalbertstraße 61 gegründet.[55] Schönberg betrieb hier in der Nähe bereits das Dampfsägewerk Delkeskamp & Schönberg. Bald verbesserte sich auch für dies Unternehmen die Infrastruktur entscheidend. 1888 wurde der Frankfurter Hauptbahnhof als damals größter Bahnhof Europas eröffnet und der naheliegende Bahnhof Bockenheim angebunden. 1891 beantragte J. Schönberg aus Bockenheim bei Frankfurt für seine Schärfmaschine ein Reichspatent.[56] 1892, sechs Jahre nach Gründung, zählte das Unternehmen, nach der Umstellung auf Schmirgelprodukte, bereits sechzig Arbeiter und zehn Angestellte einschließlich vier technischer Leiter. Damit gehörte es damals zu den größten Arbeitgebern Bockenheims.

1944 wurde die Liegenschaft, wie auch viele Nachbargrundstücke, bei einem Bombenangriff großflächig zerstört. Wiederaufgebaut wurde sie, den neuen Bedürfnissen entsprechend, als Mehrfamilienhaus mit schmuckloser Fassade. Zurzeit betreibt in einem einfachen Gebäudeteil der umfangreichen Hinterhofbebauung aus der Nachkriegszeit dieser Liegenschaft der tamilische Kulturverein Sri Nagapoosani Ambal,[57] einer von derzeit vier hinduistischen Gemeinden in Frankfurt, seinen Treffpunkt bzw. seinen Tempel. Der Name entstammt dem Sanskrit und lässt sich in zwei deutsche Begriffe aufteile: Nagam bedeutet Schlange und Pooshan bedeutet Juwel.

Im Erdgeschoss des Vorderhauses betreibt ein deutschlandweiter Anbieter von Glücksspielen unter dem Namen Big Cash Casino GmbH eine seiner zahlreichen Frankfurter Filialen.

Spuren der historischen Bebauung des ehemaligen Dampfschmirgelwerkes J. Schönberg & Co. sind nicht mehr vorhanden.

Ehemalige Frankfurter Fischkonservenfabrik Willi Klös KG, Nauheimer Straße 10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nauheimer Straße 10, Hausfassade

Unter der Nauheimer Straße in Frankfurt-Bockenheim liegt einer der letzten Basalt-Ausläufer des vulkanreichen Vogelsbergs.[58] Deutlich sichtbar ist das Straßengefälle der kurzen Nauheimer Straße von der Kreuzung Adalbertstraße / Schloßstraße zur Hamburger Allee / Voltastraße. In der Nauheimer Straße 10 betrieb Leopold Eisemann vor dem Ersten Weltkrieg seine Frankfurter Fischkonservenfabrik. Das historische Produktionsgebäude hat sich als Teil der umfangreichen Hinterhofbebauung bis heute erhalten. Der heutige Hauseingang Nauheimer Straße 10 mit seiner steinplattenmäßigen Erdgeschossverkleidung der heute als Gastwirtschaft benutzen Gewerbefläche lässt das historische Geschehen nicht mehr erkennen. Fand hier doch eine der seltenen Fälle sogenannter freundlicher Geschäftsübernahme anlässlich der meist brutalen Gewaltaktionen während der Arisierung jüdischer Unternehmen statt, die Benno Nietzel in seiner Dissertation Handeln und Überleben: Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1924–1964 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 204, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-37024-7) erforschte und veröffentlichte. Er erforschte die Übernahme der Frankfurter Fischkonservenfabrik in Frankfurt-Bockenheim, Nauheimer Straße 10. Der jüdische Inhaber Leopold Eisemann verkauft gegen einen geringen Kaufpreis seinen Geschäftsbetrieb im Mai 1938 an seinen langjährigen nicht-jüdischen Prokuristen Willi Klös, der als Lehrling in seinem Betrieb angefangen hatte. Forthan wurde das Unternehmen als Frankfurter Fischkonservenfabrik-Willi Klös KG-weitergeführt.[59] Den Grundbesitz des Unternehmens überschrieb Eisemann einer Immobilien-Verwaltungs-GmbH, die seiner inzwischen von ihm geschiedenen Ehefrau gehörte. Diese später vielfache eingeübte Betriebsaufspaltung überstand die NS-Zeit.[60] Leopold Eisemann flüchtete über die Schweiz nach Marokko und trat dort in die französische Fremdenlegion ein. Nach dem Krieg kehrte Leopold Eisemann wieder nach Deutschland zurück und trat wieder in das Unternehmen ein. Der Produktionsort von Fischkonserven war aber bald hier nicht mehr erfolgreich. Der Betrieb wurde eingestellt und die Liegenschaft vermietet.

Ehemaliger Schuhmaschinenhersteller Merko Karl Merkelbach, Robert-Mayer-Straße 52[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzeige von 1925

In dieser Liegenschaft betrieb Karl Merkelbach vor dem Ersten bis nach dem Zweiten Weltkrieg seine Schuhmaschinenherstellerfirma Merko Karl Merkelbach. Spezialisiert hatte sich das seit 1843[61] bestehendes Maschinenbau-Unternehmen auf Schuster-Nagelmaschinen, die auch mit Patenten gesichert wurden. Antiquarisch werden immer noch spezielle Schuster-Nagelmaschinen angeboten, die Nägel durch mechanischen Druck im Schuhe einbrachten.[62][63] Karl Merkelbach stammte aus einer Westerwälder Steinzeug-Keramik-Manufaktur-Dynastie, die zurückgeht auf das Jahr 1661 in Merkelbach im Westerwaldkreis.[64]

Karl Merkelbach war verheiratet mit der deutsch-lothringischen Regionalschriftstellerin und Volkskundlerin Angelika Merkelbach-Pinck (1885–1972). Er finanzierte als Mäzen u. a. Verwandte und Bekannte seiner Ehefrau, wie die Illustrationen ihres Bruders des Pfarrers Louis Pinck (1873–1940) in dessen Liedersammlungen Verklingende Weisen mit Zeichnungen des lothringischen Künstlers Henri Bacher (1890–1934). Das Ehepaar hatte mit Norbert und Lothar zwei Kinder, wobei Norbert als Soldat im Zweiten Weltkrieg fiel. Sohn Lothar war als Dr. phil. 27 Jahre lang bis 1988 Leiter der Tübinger Dienststelle des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg.

Das 1903 erbaute Haus in der Robert-Mayer-Straße 52 wurde durch Bomben stark beschädigt und nach Kriegsende mit vereinfachter Fassade wieder aufgebaut. 2012 erfolgte eine aufwendige Sanierung mit energieverträglicher Dämmung. Die Fenster wurden wegen der nach Kriegsende erfolgten Aufstockung nach oben gehend kleiner. Auch deshalb wurden oberhalb der Fenster Stuck-Sprossen angebracht, um sie optisch zu vergrößern. Um den Sandstein im Hochparterre zu erhalten, wurden dort eine Innendämmung vorgenommen.[65]

Ehemalige Farbfabrik des Franz Julius Brönner (1823–1889) in den Kettenhöfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fortführung der heutigen Robert-Mayer-Straße Richtung Frankfurt-Westend nennt sich heute Kettenhofweg. Früher eine unbebaute Ackerfläche der freien Reichsstadt Frankfurt am Main in Blickweite der selbständigen kurhessischen Stadt Bockenheim, in Nachbarschaft der damaligen „Hydraulischen Wachstuch und Wachspapierfabrik“ des Herrn Pitzlewitz aus Pilliz/Dänemark, gründete 1846 Franz Julius Brönner (1823–1889), nach der Trennung von der Druckerei seines Vaters Heinrich Carl Remigius Brönner, eine chemische Fabrik für Buchdruckfarben. Später wurde auch die Produktion von Teerdestillaten und das bekannte Brönnersche Fleckenwasser[66] hier hergestellt. Franz Julius Brönner verkaufte 1886 sein Patent und seine Farbfabrik an die „Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin-Treptow“, die bereits 1888 die Farbfabrik vormals Brönner liquidierte und das frei gewordenen Gelände zwecks nobler Wohnbebauung verkaufte. Quelle: Hanseatisches Sammlerkontor für historische Wertpapiere. Erhalten hat sich ein historischer Aktienmantel von 1887 der Farbfabrik vormals Brönner Frankfurt am Main von 1887. Laut Staats- und Adressbuch der Stadt Frankfurt am Main von 1852 (Band 114) wohnte Franz Julius Brönner, Eigentümer der J.Brönner‘s Fabrik, bzw. der Fabrik und Handlung von Buchdruckerfarbe, Commision und Spedition, im Kettenhofweg in Frankfurt, in der Nähe in der Bockenheimer Landstraße 56, bzw. in der Bockenheimer Landstr. 138 (2. Etage).

Die Unternehmen seines Vaters Heinrich Carl Remigius Brönner (1702–1769) waren weitaus erfolgreicher und gingen erst 2003 in Insolvenz[67]. Einen großen wirtschaftlichen Erfolg erreichte die Druckerei seines Vaters Heinrich Carl Remigius Brönner mit dem Druck von Bibeln und Landkarten.

Ehemalige Frankfurter Verbandstoff-Fabrik C. Degen & Cie., Rödelheimer Landstraße 21[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurter Verbandstoff-Fabrik C. Degen & Cie., Anzeige 1911
C. Degen & Cie., Anzeige 1911
1902, Kunstplakat des Fernand Schultz-Wettel (1872 Mulhouse-1957 Obernai)

Nach Information der Apotheker-Zeitung 1901, Nr. 70, S. 616 wurde 1901 von dem Apothekern C. Degen und dem Chemiker Dr. Arthur Adler in Frankfurt-Bockenheim, Rödelheimer Landstraße 21, die Frankfurter Verbandsstoff-Fabrik C. Degen & Cie. als Fabrik pharmazeutischer Präparate und Labor, Rödelheimer Landstraße 21 gegründet. Der Unternehmenssitz lag in der damaligen Rödelheimer Chaussee (heutigen Rödelheimer Landstraße 21) in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bockenheimer Artillerie-Kaserne des Regiments Nr. 63 mit Magazindepot und eigenem Gleisanschluss.

Die Geschäftsidee stammte von dem Familienmitglied und Apotheker Dr. Franz-Josef Hubert Degen, der zum 1. Oktober 1887 die Löwen-Apotheke in Düren kaufte und bereits 1890 die Fabrik medizinischer Verbandstoffe und pharmazeutischer Präparate von Dr. Degen und Piro, später Watte- und Verbandstoff-Fabrik Dr. Josef Degen & Peter Kuth gründete. Die Firma Dr. Degen & Kuth nannte sich dann DUKA und war an drei verschiedenen Standorten in Düren tätig. Im Jahre 1973 fusionierte die Firma mit dem Heidenheimer Verbandstoff-Hersteller Paul Hartmann AG. Quelle Stadtteilinfo Birkesdorf der Stadt Düren. Siehe auch „Der Verbandstoff in der Geschichte der Medizin : Ein kulturhistorischer Überblick“. Jubiläumsschrift zum 75jähr. Bestehen der Firma Dr. Degen und Kuth; Autor Prof. Dr. med. et phil. J Steudel.

Die Frankfurter Firma C. Degen & Cie. wurde bereits nach 10 Jahren Betriebsdauer verkauft. Eine Anzeige von 1911 benennt einen Philipp Müller als Eigentümer. Im Zweiten Weltkrieg wurde 1943 das Unternehmen durch Fliegerbomben teilweise zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Die SIEMENS AG kaufte die gesamte, bebaute eine Teilfläche und plante eine umfangreiche Bebauung der Restfläche mit Namen SIEMENSSTADT. Die Konzernstrategie der SIEMENS AG änderte sich. Sie stieg aus der Investmentplanung vollständig aus. Der Stadt Frankfurt erstellte zwischenzeitlich einen neuen Bebauungsplan Nr. 834, der ein neues Wohnquartier für 2.000 zukünftige Bewohner vorsieht und auch das ehemalige Firmengelände der Frankfurter-Verbandstoff-Fabrik C. Degen & Cie. mit einbezog. Die Frankfurter Verbandstoff-Fabrik C. Degen & Cie. verschwand vollständig. Markantes Erinnerungsstück der Firmentätigkeit der Frankfurter Verbandsstoff-Fabrik C. Degen & Cie. bleibt ein herausragendes Kunstplakat von 1902 des französischen Malers und Grafikers Ferdinand Schultz-Wettel (1872 Mulhouse-1957 Obernai), heute in der William H. Helfand Collection (The Picture of Health: Images of Medicine and Pharmacy) des Philadelphia Museum of Art, Philadelphia, PA, USA. Dieses Plakat komponierte der Künstler im Stil eines religiösen Gemäldes, was bedeuten sollte, dass die Produkte der Firma C. Degen & Cie. mehr als nur kommerzielle Zwecke erfüllten.

Ehemalige Kleiderfabrik ECC Erna Nilges GmbH, Rödelheimer Landstraße 19 – 21[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige ECC Erna Nilges Herrenkleiderfabrik

Nach Kriegsende siedelten sich auf dem aufgegebenen Gelände der Frankfurter Verbandstoff-Fabrik C. Degen & Cie. neue Unternehmen an. In dem kriegsversehrten Gebäude an der Rödelheimer Landstraße produzierte die Kleiderfabrik ECC Erna Nilges GmbH Herrenbekleidung. Das Unternehmen firmierte bis 1974; anschließend bezog die Siemens AG den Bau und betrieb dort zeitweilig ihr DV-Schulungszentrum. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das alte Firmengebäude abgebrochen.

Ehemalige Pharmazeutische Fabrik am Birkenweg, Rödelheimer Landstraße 21 – 27[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pharmazeutische Fabrik am Birkenweg, die sich die Hausnummer 21 mit der Herrenkleiderfabrik ECC Erna Nilges GmbH teilte, produzierte an der Rödelheimer Landstraße und entlang des Birkenwegs nach Kriegsende und bis in die siebziger Jahre Arzneigrundstoffe und Extrakte. Die Gebäude wurden von der Siemens AG aufgekauft und das Gros in den achtziger Jahren niedergelegt. Das noch verbliebene Eckhaus 21 wurde zwischen 2002 und 2003 abgerissen.

Ehemaliger Stammsitz der Internationalen Spedition H. &. C. Fermont, Rödelheimer Landstraße 11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1883 von den Hugenotten Hermann und Carl Fermont in Frankfurt gegründete Logistikunternehmen hatte seinen Sitz zunächst in der Schäfergasse 33 in der Frankfurter Innenstadt. Nach dem Tod von Hermann führte Carl das Unternehmen alleine weiter, bis 1918 der Frankfurter Bernhard Bär Teilhaber wurde und die Spedition 1926 übernahm. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude, Lager und Transportfahrzeuge der Spedition völlig zerstört; Bär kaufte eine andere Spedition auf, deren Fahrzeuge verschont geblieben waren, und pachtete 1945 die verbliebenen Gebäude der ehemaligen Husarenkaserne an der Rödelheimer Landstraße von der Bundesvermögensverwaltung, wobei die frühere Reithalle als Lagerhalle genutzt wurde. 1961 kaufte H. &. C. Fermont das Gelände und siedelte die zuletzt in der Schillerstraße ansässige Verwaltung in den ehemaligen Stallungen an; die Reithalle wurde später an die Oper Frankfurt untervermietet, die dort bis 2021 ihre Probebühne betrieb. Nachdem im 21. Jahrhundert der Druck der Stadt auf die Inhaberfamilie Bär immer größer geworden war, das Grundstück und die Gebäude zu räumen – die Stadt hatte im Bebauungsplan Nr. 834 für das sogenannte Schönhof Viertel (Name und Schreibweise der Projektentwickler) den Erhalt der ansässigen Industriebetriebe ausdrücklich nicht vorgesehen – wurden Gebäude und Grundstück an Investoren veräußert.[68] Da die Stadt der Spedition H. & C. Fermont auch keine Ausgleichsflächen anbot, beendete das Logistikunternehmen im Dezember 2021 den eigenen Umzug nach Hattersheim und verließ damit Bockenheim nach fast 80 und Frankfurt nach fast 130 Jahren. Die 1869–1873 errichteten Kasernengebäude wurden 2022 niedergelegt.

Ehemalige Bauersche Gießerei, Hamburger Allee 45[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hamburger Allee 45 (2011)

In der heutigen Hamburger Allee 45, der früheren Moltke-Allee, wurde 1904 von Georg Hartmann ein neues Fabrikgebäude errichtet. Es gilt als exemplarisch für die Bockenheimer Industriearchitektur der Architekten Josef Rindsfüßer & Martin Kühn in Formen des Industriejugendstils. Die damals modernsten Maschinen wurden hier aufgestellt. Zusammen mit den künstlerischen Anstrengungen wurde hier ein international bekanntes Unternehmen geschaffen. 1914 hatte man 400 Arbeiter und 100 Maschinen. Die Bauersche Gießerei wuchs auch durch zahlreiche Übernahmen, etwa im Jahre 1916 die der Frankfurter Schriftgießerei Flinsch, die selbst ein weltweit agierendes Unternehmen war. 1927 wurde ein Büro in New York eröffnet. Durch Bombenangriffe wurde die Liegenschaft stark zerstört, nach Kriegsende aber bald wieder aufgebaut. 1972 wurden die Aktivitäten am Stammsitz Frankfurt, Hamburger Allee 45, eingestellt und auf die ehemalige Tochtergesellschaft Fundición Tipográfica Neufville in Barcelona übertragen. Fortan wurden die Räumlichkeiten vermietet. Heute gilt es als ein Medienzentrum Frankfurts. Werbe- und andere Mediengesellschaften, so das private Galli-Theater, das Kino-Restaurant Orfeo’s Erben und das Institut für sozial-ökologische Forschung sowie die european school of design, gehören zu den zahlreichen Mietern.

Ehemalige Caro Druck GmbH, Kasseler Straße 1a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) unterhielt damals eine eigene Druckerei. 1973 ging die Studentendruckerei „als Mitgift“ auf den frisch gegründeten KBW über, druckte Flugblätter, Broschüren, das Parteiorgan Kommunistische Volkszeitung – und nahm früh auch Fremdaufträge an. Nach Auflösung des KBW im Jahre 1985 ging das Vermögen an den Verein Assoziation, der wiederum die Aufsicht über die Kühl KG führte, als deren Tochterunternehmen die Caro Druck GmbH bis zur Auflösung fungierte.

Über 30 Jahre wurde die westdeutsche Auflage der taz bei „Caro Druck“ in Frankfurt im Bereich des ÖKÖ-Hauses gedruckt. Am 30. Dezember 2012 lief die letzte taz dort aus der Maschine. Per 31. Dezember 2012 wurde die Firma aufgelöst. Mit Caro-Druck in Frankfurt am Main endet allerdings kein klassischer Familienbetrieb, sondern eine linke Institution. Hier entstanden seit drei Jahrzehnten verschiedenste Publikationen der linksalternativen Szene.[69][70][71]

Gewichtigstes Produktionsmittel war die Rollenoffsetdruckmaschine Solna Distributor D 380, made in Schweden, im Souterrain des Ökohauses in der Kasseler Straße 1a. Sie wog 92 Tonnen und war 30 Meter lang. Angeschafft wurde sie 2007. Nach Betriebsauflösung wurde sie nach Gießen verkauft. Heute werden die neuen Druckmaschinen „Solna D380“ u. a. in China hergestellt.

Ehemalige Werkstatt und Lagerschuppen des Otto Lindheimer, Querstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vielseitige Frankfurter Bauunternehmer, Architekt und Künstler Otto Lindheimer (1842–1894)[72] unterhielt u. a. in Frankfurt-Bockenheim, Querstraße, eine Werkstatt mit Lagerschuppen, die am 21. November 1893, laut Bericht der Freiwilligen Feuerwehr Bockenheims, abbrannten.[73] Die Baufirma wurde nach Otto Lindheimers frühem Tod am 21. Juni 1894 in Frankfurt am Main, sieben Monate nach dem Brand, vom Architekten Anton Beiler (1850–1925) übernommen. Er baute z. B. 1899 ein neobarockes Einfamilienhaus mit reich gegliederter Fassade in der Arndtstraße 14.

Ehemaliges katholisches Sankt Elisabethen-Krankenhaus, Ederstraße 12[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ederstraße 12 (1900)
Ginnheimer Straße 3 (2012)

Bereits 1872, kurz nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches, kamen in dem wilden und prosperierenden Industriestandort der Stadt Bockenheim die 1862 als „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, den späteren „Dernbacher Schwestern“ noch im Herzogtum Nassau gegründeten Schwestern zur Krankenpflege. Nachdem sie zunächst 1882 in der Weserstraße ein kleines privates Krankenhaus errichteten, ließen sie um 1888 in der Ederstraße nahe dem Westbahnhof in der noch selbständigen Stadt Bockenheim das katholische Sankt Elisabethen-Krankenhaus erbauen. Dieses Gebäude wurde am 12. September 1944 durch Fliegerbomben der Amerikaner vollständig zerstört.

Nach Kriegsende spendeten die Amerikaner zwei Baracken, die zwischen den Trümmerbergen nahe der Passavant'schen Villa aufgestellt wurden. Der Park wurde zum Bauernhof für die Versorgung der Patienten und gekocht wurde in einem Trümmerhaus. Als Notquartier wurde dann 1945 das Gebäude der ehemaligen Knaben-Volksschule nahe dem Kirchplatz in der Ginnheimer Straße 3 genutzt und zum katholischen St. Elisabethen-Krankenhaus, immer noch in Trägerschaft der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper. Mehrfach wurde dann der ursprüngliche Mittelbau erweitert und ausgebaut. 2017 wurde zusätzlich ein Erweiterungsbau fertiggestellt, der die Einrichtungen des aufgegebenen Marienkrankenhauses aus dem Nordend übernahm.

Das bombenzerstörte niedergelegte Gebäude in der Ederstraße 12 kauften die Protestanten auf und erbauten hierauf in der Nachkriegszeit ein Bürogebäude für ihre Landesgeschäftsstelle der Diakonie Hessen – Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e. V.

Ehemalige Pokorny & Wittekind AG, dann FMA Frankfurter Maschinenbau-AG, dann DEMAG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lkw DONAR der FMA
Briefkopf von 1958 der FMA Pokorny Frankfurter Maschinenbau AG vorm. Pokorny & Wittekiind, Frankfurt-Bockenheim, Solmsstraße 2-26.jpg

Die Maschinenfabrik zwischen dem Westbahnhof und dem Gaswerk West wurde 1872 als offene Handelsgesellschaft (OHG) unter der Firma Gendebien & Naumann gegründet. Nach der Übernahme durch Ludwig Pokorny und Carl Wittekind firmierte das Unternehmen seit 1. Januar 1900 als Pokorny & Wittekind AG; es stellte Dampfmaschinen und Dampfturbinen her.[74] 1913 änderte sich die Firma in Frankfurter Maschinenbau AG (FMA) vormals Pokorny & Wittekind[75] und begann 1918 mit der Produktion seiner ersten Lastwagen, die zunächst als Modell Frankfurter von der FMA angeboten wurden. 1919 bis 1927 wurde das baugleiche Modell als Donar mit 4,5 Tonnen Nutzlast als Kipper, Tank- und Langholz- und Schienenlastwagen sowie als 28-sitziger Omnibus angeboten. Dem Donar folgte 1929 ein 2.1-Tonnen-Modell vom Typ Express, der ebenfalls als 20-sitziger Omnibus erhältlich war. Nach 1929 stellte die FMA ihren Fahrzeugbau ein und widmete sich der Presslufttechnik. Schwerpunkt wurde die Herstellung von Kompressoren und Pressluftwerkzeugen. Das Unternehmen stieg zum Weltmarktführer auf. 1955 erwarb die bereits beteiligte Demag die Aktienmehrheit. 1973 übernahm der Mannesmann-Konzern die Demag. Er verlagerte 1982 die Produktion mit 630 Arbeitsplätzen von Frankfurt-Bockenheim nach Simmern/Hunsrück.

Das ehemalige Betriebsgelände, das in Bockenheim noch immer als Pokorny & Wittekind oder Demag-Gelände bekannt ist, wurde revitalisiert und gehört heute einer Immobiliengesellschaft, die an unterschiedliche Dienstleister Gewerberäume vermietet.

Ehemalige Frankfurter Dampf-Kork Fabrik Gebrüder Baunach, Hinter dem Bahnhof 21[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firma Gebrüder Baunach, Hinter dem Bahnhof 21,links unten

Die Dampfkorkfabrik befand sich in Frankfurt-Bockenheim, Hinter dem Bahnhof 21 (Frankfurt-West), der späteren Solmsstraße. Eine Originalrechnung der Gebrüder Baunach Kork-Fabrik, Hinter dem Bahnhof 21, mit Abbildung der Fabrik vor den Taunusausläufern von 1897 wird antiquarisch angeboten.[76]

In deren unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Grundstück „Hinter dem Bahnhof 19“, betrieb, ein Jahr nach Gründung des Deutschen Kaiserreichs, von 1872 bis 1887 die Firma „Gendebien & Neumann“ ihre Fabrik.[77] Die firmierte ab 1900 als „Pokorny & Wittekind, Maschinenbau AG“ und ab 1913: „Frankfurter Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Pokorny & Wittekind“, deren Spezialität um 1892 die Produktion von Dynamomaschinen, Dampfdynamos, Bogenlampen und Dampfmaschinen war. Deren Firmenerfolg führte zur Übernahme bzw. zum Untergang der Frankfurter Dampf-Kork Fabrik Gebrüder Baunach.

Spuren der Familie Baunach dokumentiert das ISG Frankfurt bereits für 1619, bzw. 1654, wonach ein Lorenz Baunach, bzw. später ein Hans Georg Baunach Gesuche um Aufnahme in die Bürgerschaft der Freien Reichsstadt stellten. Auch wurde 1888 ein Immobilienbesitz von Robert Baunach in der Eschersheimer Landstraße 50 festgehalten. Die Immobilie wurde jüngst verkauft und mit einem Bürohaus intensiv bebaut.[78]

Ehemalige Nähmaschinen- und Schraubenfabrik Gustav Colshorn AG, Adalbert-, Solms- und Kreuznacher Straße 30[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Colshorn AG, Näh- maschinen- und Schraubenfabrik

Laut FITG-Journal der Zeitschrift des Förderkreises Industrie- und Technikgeschichte, Herbst 2013, war die Region Frankfurt/RheinMain u. a. ein Schwerpunkt der Nähmaschinenproduktion im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Seit dem 17. November 1867 betrieb Wilhelm Colshorn eine Nähmaschinenfabrik und -handlung, anfangs in Bornheim, Bergweg 13, danach ab 1869/70 in der ehemaligen Fabrik von „Bourguignon & Lindheimer“ in Bornheim, Sandweg 21 und schließlich von 1871 bis 1873 in Bockenheim in der „Schönen Aussicht 46“, die später in Adalbertstraße umbenannt wurde, sowie mit einer zweiten Werkstatt im Rödelheimer Sandweg, der späteren Solmsstraße.

Nach dem Eintritt von Theodor Heinrich Mencke aus Hamburg als Teilhaber, nannte sich die Firma von 1874 bis 1876 UNION Nähmaschinen Fabrik Th. H. Menke, bis zur Übernahme durch Gustav Colshorn. 1880 begann Gustav Colshorn (1847–1892) mit der Schraubenfertigung, ohne jedoch sofort die Nähmaschinenproduktion vollständig aufzugeben. Ab 1882 nannte sich die Firma nun Gustav Colshorn, Schrauben-, Muttern- Nietenfabrik. Lukrative Aufträge in Verbindung mit dem Bau des Frankfurter Hauptbahnhofes, verhalfen dem Unternehmen zu einem schnellen geschäftlichen Aufschwung.

Nach dem Eintritt des Johann Georg Hugo Brönner (1852–1907), Abkömmling des erfolgreichen Druckerei und Verlegers Heinrich Carl Remigius Brönner (1702–1769), als Teilhaber, unterhielt die Firma Gustav Colshorn von 1886 bis 1889 ein Zweigwerk in der „Schönen Aussicht 25“, der späteren Adalbertstraße. 1889 übersiedelte die Schraubenfabrik des Gustav Colshorn in einen Fabrikneubau in der Straße „Hinter dem Bahnhof“, ab 1897 in „Kreuznacher Straße“ umbenannt. Im gleichen Jahr übernahm Firma „Bückling & Baum“ das alte Fabrikgebäude des Gustav Colshorn im Rödelheimer Sandweg, der späteren Solmsstraße.

Nach 1892, dem Todesjahr von Gustav Colshorn, erweiterte sich die Firma Gustav Colshorn AG durch den Ankauf der bereits seit längerer Zeit in Sachsenhausen bestehenden Schraubenfabrik von „Kerber & Schätzle“. Quelle: Industrie, Handel und Gewerbe, VI. Lieferung, 1912 AB Ffm 1860–1914.

Ehemalige Ventilatorenfabrik Chr. Hoppe, Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Mai 1878 ließ sich Chr. Hoppe das D.R.P. Nr. 3929 für den von ihm entwickelten Schmierapparat für Dampfzylinder eintragen (Die Chemische Industrie siehe S. 283 ISBN 978-1-158-78709-8). Seine Firma wurde 1886 in Bockenheim gegründet und investierte auch damals bereits in das Produktionsmittel Dampfmaschine für seine 10 Arbeiter. Mit ihren ähnlichen Angebotsprodukten, wie Ventilatoren und Exhaustoren, war sie aber bereits in Bockenheim u. a. ihrem Mitbewerber, wie der schon 1867 gegründeten Bockenheimer Maschinenfabrik G.Schiele & Cie. und deren 100 Arbeitern am Markt unterlegen und musste dann auch wieder schließen. (Quelle: Frankfurt am Main und seine Bauten; S. 596 ff.; ISBN 978-3-95564-819-0)

Ehemalige G. Schiele & Co. GmbH Bockenheim, Solmsstraße 26, nachmalig Eschborn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

G.Schiele & Co., 1905

1875 wurde im rasant wachsenden Industriegebiet in der Solmsstraße 26 der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim vor den Toren Frankfurts die Produktionsstätte der Firma G. Schiele & Co. bezogen.[79] Das Unternehmen war die erste Ventilatorenfabrik Deutschlands, die Ventilatoren, Exhaustoren und Zentrifugalpumpen zur Luftversorgung herstellte. Gegründet wurde sie bereits ca. zwanzig Jahre zuvor 1851 von dem Ingenieur Christin Schiele, Sohn des Unternehmers Johann Georg Schiele, der erfolglos kurzzeitig die erste Frankfurter Gasanstalt gebaut hatte. Der Gründer Christian übergab nach 15 Jahren den Betrieb seinem Vetter Remigius Schiele, der sich seinerseits nach 9 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückzog und seinen früheren Mitarbeitern Michel und Emmerich die Firma übergab. Die Familie Michel samt Schwiegersohn Alfred Luce führte das Unternehmen zu neuem Wachstum. Basis der Produktion blieb die Herstellung von Gebläsemaschinen; allerdings wurde das Produktionsprogramm durch technische Verbesserungen bestehender Apparate und durch Neukonstruktionen wie z. B. Ventilatoren zur Gasförderung und -reinigung, Hochdruck-Zentrifugalpumpen sowie Transport-, Entlüftungs- und Rauchabsauganlagen, z. B. für den Einsatz im Bergwerken, erheblich erweitert.

Eingeengt zwischen dem Bockenheimer Gaswerk und der Firma Pokorny & Wittekind, war selbst das weitläufige Fabrikgelände in der Solmsstraße in Bockenheim für die wachsende Produktion nicht mehr ausreichend. Da es in Bockenheim keine Erweiterungsflächen gab, erwarb die Gesellschaft 1908 im benachbarten Eschborn, unmittelbar an der Bahnlinie Frankfurt–Kronberg, ein rund 50.000 m² großes Grundstück, um dort eine neue Gießerei zu errichten. 1910 beschäftigte die G. Schiele GmbH an beiden Standorten 25 Angestellte, 6 Werkmeister und durchschnittlich 250 Arbeiter. Von diesem Zeitpunkt an wurden immer mehr Produktionsteile nach Eschborn verlagert, bis 1925 der Standort Frankfurt-Bockenheim nach 50 Jahren aufgegeben und die dort Fabrikhallen verpachtet wurden.

Am 1935 wurde die G. Schiele GmbH in eine offene Handelsgesellschaft unter der Firma G. Schiele & Co. umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg[80] übernahm für 8 Jahre der Sohn Dr.-Ing. Alfred Luce die alleinige Geschäftsführung. Nach dessen unerwartetem Tod 1954 übernahm ein Familienfremder, der bisherige kaufmännische Leiter und Vertraute Luces, Walter Geisel, als persönlich haftender Gesellschafter in das Unternehmen ein und wurde zum Geschäftsführer bestellt.

Nach 17 Jahren wurde Schiele & Co. 1981 von der Ernst Hürner GmbH & Co, ein Kunststoff verarbeitendes Unternehmen mit Sitz in Frankfurt-Rödelheim, die ihrerseits zur Cremer-Gruppe gehörte, erworben. Nach weiteren 17 Jahren erfolgte 1998 die Verschmelzung der Schiele GmbH auf die Pumpen- und Gebläsewerk Leipzig GmbH in Leipzig. Mit dem gleichzeitigen Umzug nach Frankfurt-Rödelheim in das Gebäude der nunmehrigen Muttergesellschaft, der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG wandelte sich Schiele in ein reines Vertriebsunternehmen. Am 22. April 2002 übernahm die neu gegründete Schiele PGW Turbomaschinen GmbH mit Sitz in Leipzig das Werk als unselbständige Zweigniederlassung.

Anfang 2003 wurden die deutschen Standorte der Turbo-Lufttechnik GmbH von der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG, Frechen, einschließlich ihrer Beteiligung an der Schiele PGW Turbomaschinen GmbH, Leipzig, an den Frankenthaler Maschinenbaukonzern Kühnle, Kopp & Kausch,[81] Tochtergesellschaft von Daimler-Benz AG, verkauft. Sie firmieren danach als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen TLT-Turbo GmbH.

Zu Kühnle, Kopp & Kausch gehörten neben der TLT-Turbo auch das nach Frankenthal verlagerte Unternehmen Schiele, die HV-Turbo (Dänemark) sowie die PGW-Turbo (Leipzig). TLT-Turbo beschäftigte an den Standorten in Zweibrücken, Bad Hersfeld, Oberhausen und Frankenthal insgesamt rund 400 Mitarbeiter. Drei Jahre später wurde im November 2006 die Tochtergesellschaft von Daimler-Benz, die Kühnle, Kopp und Kausch AG (KK&K) selbst mit der TLT-Turbo GmbH durch die Siemens AG[82] übernommen und in das Geschäftsgebiet Siemens Power Generation Oil & Gas and Industrial Applications (PG I) eingegliedert. TLT-Turbo beschäftigt jetzt an den Standorten in Zweibrücken, Frankenthal, Bad Hersfeld und Oberhausen insgesamt rund 488 Mitarbeiter.

Im Oktober 2012 wird der Geschäftsbereich Gebäudeventilatoren mit Sitz in Bad Hersfeld von der Trox GmbH in Neunkirchen-Vluyn übernommen. Dieser Bereich firmiert künftig als 100%ige Tochter der Trox GmbH unter dem Namen Trox-TLT GmbH. Die TLT-Turbo GmbH, nunmehr mit Sitz in Zweibrücken, ist weiterhin in der Siemens AG im Energie-Sektor integriert, jetzt Siemens Turbomachinery Equipment GmbH (STE), beheimatet in der Oil & Gas Division und beschäftigt rund 345 Mitarbeiter.

Ehemalige Niederlassung der Mannesmann-Mulag AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschützter Verwaltungsbau der Mannesmann-MULAG AG (2007)

Ein bemerkenswertes Bauwerk auf parabolisch überhöhten und nicht halbkreis-förmigen Grundriss von 1922 bis 1924 in der Hersfelder Straße 21–23 in Frankfurt-Bockenheim. Auch wegen des seltenen Grundrisses mit seiner Garagenanordnung, steht die Anlage heute unter Denkmalschutz. Die Garagen und das Verwaltungsgebäude wurden nach einem Entwurf der Frankfurter Architekten der Moderne Ernst Balser (1893–1964) und Franz Heberer (1883–1955) mit einer Backsteinmauerwerks-Fassade für die Frankfurter Niederlassung der nur von 1913 bis 1928 existierende Mannesmann-MULAG AG, Aachen gebaut. Detaillierte Darstellungen finden sich unter Wikimedia Commons. Die Mannesmann Familie verkaufte es bereits 1928 an Büssing, die 1971 vom MAN-Konzern aufgenommen wurden. Die Immobilie ist z. Zt. vermietet.

Ehemalige Elektrizitäts-AG, vorm. Lahmeyer & Co.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Bockenheimer E-Werk, Ansicht Ohmstraße

Wilhelm Lahmeyer (1859–1907) gründete 1890 in Frankfurt die Wilhelm Lahmeyer & Co. KG, die später große Elektromaschinen und Kraftwerke baute. 1891 präsentierte er auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt ein Gleichstromsystem mit einer Übertragung des Stroms über zehn Kilometer von Offenbach zur Ausstellungshalle. Die Firma Lahmeyer machte dann schon vor mehr als 100 Jahren das, was heutzutage als ganz modern verkauft wird: Im Jahr 1893 baute die damalige Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft Lahmeyer das Bockenheimer Elektrizitätswerk, um mit ihren Generatoren[83] preisgünstig den rasant anwachsenden Energiebedarf der rasch wachsenden Industrie von Bockenheim, speziell an der Solmsstraße zu decken, und sie betrieb es auch. Die ansässige Industrie baute ihre eigenen energieerzeugenden Blockwerke ab und wurde Kunde von Lahmeyer. Erst sieben Jahre später kaufte die Stadt Frankfurt die Anlage und war von da an selbst dafür verantwortlich, dass sie ausreichend Strom auch für die Bevölkerung produzierte.

Das E-Werk mit seinem gelben Klinkerbau mit roten Lisenen und abgesetzten Blendbögen befindet sich hinter einer symmetrischen Giebelfassade an der Kuhwaldstraße, während das ehemalige Verwaltungsgebäude und die Kondensationsanlage mit ihrer turmartigen Ausführung an der Ohmstraße liegt. Der Kamin wurde auf einem kunstvoll gemauerten Sockel errichtet. Das Gebäudeensemble selbst steht heute unter Denkmalschutz.

Älteren Bockenheimer Bürgern ist die Immobilie noch als „Bosch-Fabrik“ bekannt, war sie doch lange eine Niederlassung des hessenweit bekannten Bosch-Händlers „Bosch-Dipl.-Ing. Schmitt“, der sich auf Kfz-Elektronik fokussiert hatte und die heute der Würth-Gruppe gehört.[84][85] Dann stand die Immobilie länger leer. Eigner ist seit 1989 der kulturaffine Frankfurter Immobilienunternehmer Bernd F. Lunkewitz;[86] er ließ von seinen Architekten mehrere Umbauentwürfen vorlegen, die aber alle keine Zustimmung fanden.[87] Zeitweise wurde das Gebäude für Veranstaltungen angeboten. Zeitgleich bestand die Tendenz, hier ein Filmhaus als Konkurrenz zu München und Hamburg zu etablieren. Das Mandat des zustimmenden Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann endete allerdings vor einer offiziellen Entscheidung der Stadt; die 1990 neu ernannte Kulturdezernentin Linda Reich setzte andere Schwerpunkte und verfolgte das Thema Filmhaus nicht mehr so nachdrücklich, auch musste Frankfurt jetzt sparen.[88] Der Eigentümer wartete ab, bis die Bodenpreise wieder extrem stiegen und neuer Wohnraum wieder stark nachgefragt wurde. Er teilte das Grundstück und verkaufte den von Denkmalschutz unbelasteten Teil an den Immobilienfonds einer Bank. Unter dem Projektnamen „Das Edison“ ließ seit 2014 eine Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg im Straßeneck Ohm-, Pfingsbrunnen- und Voltastraße eine Wohnanlage mit 54 Eigentumswohnungen bauen mit dem Jahr 2017 als geplantem Fertigstellungstermin. Das vormalige Bauhindernis, ein ehemaliges Gleichrichterwerk der Mainova, wurde vorab fachgerecht demontiert.[89]

Für den Restbereich des denkmalgeschützten ehemaligen Bockenheimer Elektrizitätswerks hatte der Grundstückseigner immer noch eigenes Bauinteresse. Bis dato stand das Gebäude weiterhin leer.[90][91] 2017 wurde die Baugenehmigung für 34 Mietwohnungen in zwei neuen Türmen sowie ein 1350 Quadratmeter großer Supermarkt im Erdgeschoss der ehemaligen Maschinenhalle erteilt, nebst einem neuen 800 Quadratmeter großen öffentlichen Voltapark.[92] Seit 2018 beherrschen vorab die Abrissunternehmer das Objekt.

Ehemalige J. D. Philipps & Söhne AG Frankfurter Musikwerke-Fabrik, Ohmstraße 48[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige GESWA Versandhaus GmbH, Ohmstraße 48[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geswa Versandhandel GmbH, Frankfurt-Bockenheim, Ohmstraße 48
Gründerbau der Firma J. D. Philipps
Frankfurt-Bockenheim, Solms-Haus

Die GESWA Versandhaus GmbH war ein bereits vor dem Zweiten Weltkrieg bestehendes Unternehmen für den Vertrieb von Haushaltswaren, Kurz- und Galanteriewaren in Frankfurt-Bockenheim, vormals Frankfurt am Main West 13, Ohmstraße 48. Der Geschäftssitz war ein Eckgebäude in der Ohmstraße 46-48, Philipp-Reis-Straße, heute Galvanistraße. Der Architekt Stoessel, G.A. errichtete das imposante Firmengebäude ursprünglich für die Frankfurter Musikwerke Philipps & Söhne AG.

Mieter der Liegenschaft in der Galvanistraße 23 (ehemals Philipp-Reis-Straße), hier Seiteneingang Ohmstraße 48, ist u. a. das Umweltamt Stadt Frankfurt am Main im sanierten Altbau, im heutigen sogenanntem Solmshaus nach ihrem jetzigen Eigner, der GS Real Estate des Grafenhauses zu Solms-Laubach. Bei Kriegsende durch Bombentreffer ausgebrannt, dann instand gesetzt, war die Immobilie von 1947 bis 1957 auch Geschäftssitz und Produktionsort der Schuhfabrik Angulus-Patos Otto Müller KG, Ohmstraße 48, bis diese als heute noch bestehende Diamant Schuhfabrik Otto Müller KG ins nahe Bad Soden im Taunus umzog.

Spärlich sind die heute noch vorhandenen Spuren über die untergegangene wirtschaftliche Existenz der GESWA. Erhalten hat sich ein im Schweizer Internet am 16. September 2016 angebotener Katalog mit der Preisliste Nr. 108, gültig ab September 1938, auf dessen Deckblatt sich das Versandhaus als rein arisches Unternehmen empfiehlt. Von April 1940 stammt der hier dargestellte 16-seitige Katalog mit der Preisliste Nr. 116, gültig ab April 1940. Der Journalist Jörg Bohn, 47495 Rheinberg, hat im Internet unter www.wirtschaftswundermuseum.de u. a. die „Weihnachtspreisliste Nr.222“ von 1955 der Geswa – „Das Spezialversandhaus für Haushaltsbedarf Frankfurt a/M“ veröffentlicht. Auch wird antiquarisch eine Firmenpostkarte der Geswa, datiert vom 20. März 1957, angeboten.

Ehemalige Optische Fabrik Böhler & Co. GmbH, später Arthur-von-Weinberg-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Arthur-von-Weinberg[93] -Haus, Kuhwaldstr. 55, Ecke Voltastraße gehörte zur ehemaligen Brillenfabrik Böhler. Die Familie Böhler war eine alteingesessene Färber-Dynastie in Frankfurt am Main, u. a. mit markantem Ladengeschäft im Palais Böhler auf der historischen Zeil der vornapoleonischen Zeit. Vier Gebrüder Böhler[94] eines Familienzweigs aus Frankfurt gründeten in Österreich das weltweite Industrieimperium Böhlerstahl.[95] Auch stammt der berühmte Methodist Peter Böhler (1712–1786) aus dieser Frankfurter Familie. 1982 wurde diese ehemalige optische Fabrik in Frankfurt-Bockenheim vom Senckenberg Forschungsinstitut für deren geologisch-paläontologische und botanische Sammlung hergerichtet. Der Umzug erfolgte 1984.[96] Ein an einer Gebäudewand angebrachtes großes Fassadenkunstwerk eines Sauriers (Entwurf: Wilhelm Schäfer) aus Metall soll auf den Gebäudezweck hinweisen. Ein Umzug in das von der Universität Frankfurt aufgegebene Jügel-Haus auf dem Campus Bockenheim nahe dem Senckenberg-Museum erfolgte 2018. Das Gebäude und umliegende Bauten in der Kuhwaldstr. 55/ Ecke Voltastr. wurden 2019 abgerissen. Seit 2020 wird das Wohnbauprojekt „Kuhlio“ in der Voltastraße 3-5 und Kuhwaldstraße 55 errichtet.

Ehemalige Pfingstweide und Kuhwald von Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfingstweide von Bockenheim
Kirmes im Kuhwald

Gemäß der bäuerlichen Erfahrung und Tradition trieben beim Pfingstfest die Bauern ihr Vieh aus den engen Ställen ins Freie auf eine gemeinsam bewirtschaftete Weide, deren Boden damals wenig landwirtschaftliche Bewirtschaftung ermöglichte. Solche Pfingstweiden lassen sich heute noch am oft verbreiteten nicht nur hessischen Flurnamen nachweisen.[97] Auch die Bauern des Dorfes Bockenheim trieben ihr Vieh auf die westlich gelegene Pfingstweide. Der Pfingsbrunnen war die notwendige Wasserquelle auf dieser Weide. Gerne nutzte das Vieh die nahgelegenen Bäume des sogenannten Kuhwaldes als Schattenspender. Der Viehaustrieb wurde bald zu einem Volksfest mit dem christlichen Hintergrund des Pfingstfestes. Es fanden dort bald die ersten Volksfeste statt, später gab es Schießstände und einen Schindanger. Da der dörfliche Friedhof um das Kirchengebäude zu klein wurde, entschloss man sich 1825, nachdem man sechs Jahre zuvor 1819 die Stadtrechte vom Kasseler Kurfürsten verliehen bekommen hatte, zur Neuanlage eines Friedhofs außerhalb der Dorfgrenze von Bockenheim nahe der Pfingstweide. Diesen Friedhof Bockenheim umgab man üblicherweise mit einer Mauer. Analog verfuhr man 1828 bei der Anlage des Frankfurter Hauptfriedhofs, einem der größten Friedhöfe Deutschlands.

Der Stahlstich von 1860 lässt links das Mauerwerk des Friedhofs Bockenheim erkennen. Blick Mitte rechts wurde der 1848 errichtete noch kurhessische Bahnhof Bockenheim eingezeichnet.

Es folgte eine ungestüme Industrialisierungwelle, die auch die Pfingstweide und die Kuhwaldstraße stark veränderten und mit deren großflächiger Zerstörung durch Bombardierung 1944 endete. Auch entstand die Kuhwaldsiedlung als eine Wohnsiedlung in Bockenheim, die nach dem ehemals dort befindlichen Wald benannt wurde. Ende des Jahrhunderts erfolgte die nächste Häutung des Geländes mit ihrer fast abgeschlossenen Bebauung mit mehrstöckigen Wohn- und Bürobauten unter dem Planungsnamen City West (Frankfurt am Main)

Ehemalige Maschinenfabrik Fontaine & Co., Kuhwaldstraße 49–51[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmenzeichen Fontaine & Co.

Ende 2014 wurden die baulichen Reste der Bockenheimer Naxos-Schmirgel-Schleifräder- und Maschinenfabrik Fontaine & Co. GmbH im vormaligen Industriegebiet in Bockenheim, Kuhwaldstraße 49–51 / Lise-Meitner-Straße beseitigt.[98] Der niederländische Investor Bouwfonds errichtet hier eine Wohnanlage namens PATIO mit 287 Eigentumswohnungen und begrünten Innenhöfen[99][100] Bouwfonds ist eine von mehreren Töchtern der weltweit tätigen niederländischen Rabobank-Gruppe.[101] und hat sich zu einer einem der größten Bauträger mit Schwerpunkt Aktivitäten in Europa entwickelt. Die Deutschlandzentrale dieser Rabobank liegt denn auch in steinwurfhafter Nähe zur Kuhwaldstraße in der Solmsstraße am Westbahnhof in Frankfurt-Bockenheim.

1879 meldete der aus Spa stammende Belgier Firmin Fontaine seine Fontaine & Co. GmbH – Bockenheimer Naxos-Schmirgel-, Schleifräder u. Maschinenfabrik im Handelsregister an. Fontaine eiferte dem großen wirtschaftlichen Erfolg von Julius Pfungst (1834–1899) nach. Der gebürtige Mainzer Pfungst, ursprünglich Archäologe, hatte sich durch gute Kontakte zur griechischen Regierung (Georg I. (Griechenland)) und zu lokalen Behörden und Unternehmen das Recht auf den weltweiten Vertrieb von Naxos-Schmirgel sichern können und um 1870 im Frankfurter Osten die Naxos-Union Schleifmittel- und Schleifmaschinen-Fabrik für die Herstellung von Schleifmitteln, Schleifmaschinen und Maschinenteilen, wie Kurbelwellen für die aufkommende Maschinenindustrie gegründet. Im Jahr 1880 verarbeitete das Frankfurter Werk des Julius Pfungst[102][103] wöchentlich etwa acht Tonnen Rohschmirgel. Diese Geschäftsidee wollte auch Firmin Fontaine im Gründerzeitboom der neuen Kaiserzeit nutzen. So gründete Fontaine außerhalb der Stadt Frankfurt im damals selbständigen Bockenheim in der Frankfurter Straße (heute Leipziger Straße) seine Fontaine & Co. GmbH – Bockenheimer Naxos-Schmirgel-, Schleifräder u. Maschinenfabrik. 14 Jahre nach seiner Unternehmensgründung, nach ökonomischen Krisen bedingt durch den sog. Gründerkrach, verkaufte er 1893 seine Fabrik an seinen Prokuristen H. Endres, zog nach Aachen und fokussierte sich dort auf die Weiterentwicklung des Aachener Siebblechwerkes Fontaine & Co.[104][105]

1895 wurde Bockenheim von Frankfurt eingemeindet und die Firma Fontaine & Co. zog auf den günstigen, heutigen Standort Kuhwalstraße auf die grüne Wiese zunächst ohne Nachbarn und Infrastruktur. Erst später wurde die Optische Fabrik Böhler & Co. GmbH der unmittelbare Nachbar. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg lag die Firma Maschinenfabrik Fontaine & Co. dann mitten im neu entstandenen Bockenheimer Industriegebiet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Maschinenfabrik Fontaine & Co. stark zerstört, danach aber wieder aufgebaut und auch die Produktion wieder aufgenommen, wie eine noch 1954 erschienene Festschrift anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums beweist. Die anfangs genannten, jetzt abgeräumten Gebäudereste entstammten dieser Zeit. Spuren dieser Maschinenfabrik Fontaine & Co. finden sich nur noch im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte.[106]

Ehemalige Brillenfabrik Böhler, dann Arthur von Weinberg-Haus (Kuhwaldstr. 55)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Arthur-von-Weinberg-Haus, Kuhwaldstr. 55, Ecke Voltastraße gehörte zur ehemaligen Brillenfabrik Böhler. 1982 wurde diese Liegenschaft vom Forschungsinstitut Senckenberg für dessen geologisch-paläontologische und botanische Sammlung hergerichtet. Der Umzug erfolgte 1984. Nach abermaligem Umzug der Sammlungen in das nunmehr erweiterte Forschungsinstitut wurde die ehemalige Brillenfabrik 2019 abgerissen.

Ehemalige Frankfurter Glimmer- und Isolationsmaterialienfabrik Landsberg & Ollendorff AG, Kuhwaldstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Siegelmarke

Im vormals neuerschlossenen Industriegebiet der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim, Kuhwaldstraße, lag die heute längst aufgelöste Frankfurter Glimmer- und Isolationsmaterialienfabrik Landsberg & Ollendorff AG. In einem historischen Briefkopf der Firma von 1904, aufbewahrt vom Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, weist das Unternehmen auf seine Filialen in Paris und London hin. Nach Ende des Ersten Weltkriegs verursachte am 14. Mai 1919 ein Großbrand einen beträchtlichen Schaden auf dem Betriebsgelände der Landsberg & Ollendorff AG.[107]

An Glimmer- und Glimmerwaren wurden u. a. Mica-, Marienglas, Tale, roh geschnittenes Gespaltenes für Öfen, Deckgläser, Laternen für elektrotechnische Zwecke, Megotalc-Isolationen, Glimmerleitetungsartikel, Cylinder, lilaker, Schirme etc. produziert.[108]

Während der deutschen Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkriegs wurde die Rohstoffbeschaffung von Glimmer aus Indien und Sibirien unterbrochen. Als Ersatz für Glimmer wurde von der Firma der Ersatzstoff Landol entwickelt und hergestellt. Megotali und für Micanit[109] das Peralit. So wurden z. B. die für die Zubereitung der Telegraphenstangen bisher benutzten Chemikalien: Kupfervitriol, Zinkchlorid, Quecksilbersublimat und kreosolhaltiges Teeröl knapp, sodass zuletzt nur noch eine Zubereitung mit Dinitrophenol- oder Formaldehyd- oder kreosolhaltigen Salzgemischen möglich war.[110] Durch Bombenangriffe der Alliierten Luftwaffe wurde auch das Betriebsgelände dieser Firma stark beschädigt. In der Nachkriegszeit verschwand das Unternehmen Landsberg & Ollendorff Frankfurter Glimmer- und Isolationsmaterialienfabrik AG völlig vom Markt. Spuren sind nicht mehr vorhanden. Einzig ein alter, beschriebener Firmenbriefbogen sowie eine Siegelmarke[111] werden heute antiquarisch angeboten.

Ehemalige Gießerei und Apparatebau Carl Taufkirch, Solmsstraße 11 und 11a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bockenheimer Unternehmer und Erfinder eines Schmierapparat für Dampfzylinder Carl Taufkirch (2. Januar 1847 bis 19. Februar 1911) gründete als 40-jähriger 1886 in Bockenheim, Solmsstraße 11 und 11a, eine Gießerei und einen Apparatebau für Maschinen- und Kesselarmaturen. Dokumentationen des von C. Taufkirch erfundenen Schmierapparates für Dampfcylinder und Schieber mit Abbildung (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 13149 vom 18. Juli 1880) haben sich erhalten.[112]

Das Adressbuch der Stadt Frankfurt von 1877 verzeichnet den Wohnsitz eines Carl Taufkirch in der Schloßstrasse 45 in Frankfurt-Bockenheim.

Die Familiengrabstätte C. Taufkirch hat sich auf dem Neuen Friedhof Bockenheim Grab 9 – 7-8 erhalten.

Ehemalige UNION Nähmaschinen Fabrik Th. H. Menke, Solmsstraße, vormals Rödelheimer Sandweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UNION Nähmaschinen-Fabrik Theodor Heinrich Menke

In der deutschsprachigen politisch-satirischen Zeitschrift Kladderadatsch, die von 1848 bis 1944 regelmäßig wöchentlich herausgegeben wurde, erschien am 26-01.1873 eine Anzeige für die Auszeichnung eines ersten Preises mit der Verdienst-Medaille der Wiener Ausstellung für die patentierte Maschine des Modells HOWE C der UNION-Nähmaschinen-Th. H. Menke, Hamburg-Hammerbroock, Spalding Straße. Die Deutsche Digitale Bibliothek – Kultur und Wissen online – informiert, dass im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg wird unter der Archivaliensignatur:Staatsarchiv Hamburg, 231-3_B 10368 Handelsregisterakten der Jahre 1872 bis 1874 der Firma Union Nähmaschinen-Fabrik von Theodor Heinrich Menke aufbewahrt.[113] Auch wird dort das Patent des Th. Heinrich Menke in Hamburg auf eine eigentümliche neue Konstruktion von Nähmaschinen aufbewahrt. Die 1872/73 mit Theodor Menke aus Hamburg mitgegründete Union-Nähmaschinen Fabrik, Bockenheim, Solmsstraße bestand bis 1873, zwei Jahre nach Ende des deutsch-französischen Kriegs, bzw. der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs. Das deutsche Nähmaschinen-Museum des Raphael Wilhelm in Augsburg bewahrt ein Ausstelllungsexemplar einer UNION-Nähmaschine der Firma Menke von 1874 auf.

Die UNION Nähmaschinen Fabrik Th. H. Menke bestand nur wenige Jahre. Das Betriebsgelände wurde dann von der Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt Bückling & Baum, Solmsstraße 17 übernommen, die zuvor in Gebäuden der Nähmaschinen- und Schraubenfabrik Gustav Colshorn tätig waren.

Ehemalige Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt Bückling & Baum, Solmsstraße 17[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bückling & Baum, 1905

Diese Firma entstand im damalig sich rasant entwickelnden Industriequartier in Frankfurt-Bockenheim, Solmsstraße 17, in unmittelbarer Nähe des neu errichteten Bahnhofs Bockenheim, nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. 50 Jahre später musste wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und seiner unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen das Unternehmen geschlossen werden. Alleiniger Inhaber der Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt Bückling & Baum war zuletzt Hermann Bückling (1853–1938). Laut Handelsregister-Nachrichten vom 4. März 1885, veröffentlicht in der Chemiker-Zeitung – Central-Organ, Cöthen 4. März 1885, Jahrgang IX, Nummer 19, Seite 345, wurde er zunächst als Teilhaber der Firma S.Hansen & Baum, Müllerei Maschinen zu Frankfurt am Main, vom damaligen Alleininhaber Jacob Baum aufgenommen. Die Beiden führten zunächst das Geschäft unter der Firma Bückling & Baum in Gebäuden der Nähmaschinen- und Schraubenfabrik Gustav Colshorn weiter. Später wurde Hermann Bückling dann der alleinige Inhaber.[114][115]

Das ehemalige Firmengebäude der Firma Bückling & Baum in der Solmsstraße 17 wurde dann während des Zweiten Weltkriegs als Zivilarbeitslager für ausländische Zwangsarbeiter zwangsrequiriert[116] 1944 wurde diese Immobilie durch Fliegerbomben komplett zerstört. Bauliche Spuren sind nicht mehr vorhanden. Heute befinden sich auf dem neu bebauten Grundstück Dienstleistungsbetriebe, so z. B. ein Unternehmen im Bereich Medienbeobachtung und Medienanalyse in Mitteleuropa.[117] Das Grab des letzten Inhabers Hermann Bückling hat sich trotz zweier Weltkriege auf dem Neuen Friedhof Bockheim erhalten.

Ehemalige FTF Frankfurter Transformatorenfabrik M. Topp & Co., Solmsstraße 19[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FTF Frankfurter Transformatoren-Fabrik M. Topp & Co., Frankfurt-Bockenheim, Solmsstraße 19

Das Unternehmen war als Bockenheimer Industrieunternehmen zwischen den beiden Weltkriegen erfolgreich tätig. Noch 2014 wurde eines ihrer Erzeugnisse, ein gebrauchter Außentransformator DO, Nr. 5018615, 160kVa, Primärspannung 15600V, Sekundärspannung 400-213V, GG 1020 kg, Ölgewicht 250 kg von einem Industrieverwerter zum Kauf angeboten (Seite 18 von 41).[118] Als weiteres Zeichen hat sich u. a. eine Werbeanzeige in der renommierten ETZ Elektrotechnische Zeitschrift Verlag Julius Springer, Berlin, 48. Jahrgang, 1927 Heft 13 vom 31. März 1927 Anzeige Seite 77 von 84, erhalten.[119] Das Unternehmen lag in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt Bückling & Baum, Solmsstraße 17, Frankfurt-Bockenheim des Hermann Bückling. Die Kriegswirtschaft und die zerstörerischen Bombenangriffe der Alliierten während des Zweiten Weltkrieges bedeuteten auch hier das Produktionsende und die Zerstörung der Firmengebäude. Die Nachkriegsbebauung wird 2016/2017 einer neuen großen Wohnanlage weichen.[120]

Ehemalige Maschinenfabrik Moenus AG, Voltastraße 74-80[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Miller, gründete die spätere Maschinenfabrik Moenus AG, die sich zu einem der dominanten Arbeitgeber Bockenheims entwickelte. Nach zwei Weltkriegen und vielen Verwerfungen wurde das Unternehmen in den 1970er aufgelöst. Die Stadt Frankfurt projektierte die City West (Frankfurt am Main) mit neuem Bebauungsplan und legte nunmehr eine Wohnbebauung für dieses Gelände und ihre Nachbarschaft fest. Analog dem seit 1999 eingetragenen Markennamen Athlon des erfolgreichen Mikroprozessorherstellers AMD, der unter Athlon eine Prozessorfamilie sehr erfolgreich verkaufte, benannte der Investor, damals die Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG (HVB), sein mehrteiliges Bauobjekt Wohn- und Gewerbepark Athlon Place.[121] Nach der Bankübernahme gehört der damalige Investor jetzt der Unicredit.

Ehemalige MAN-Niederlassung Frankfurt, Ecke Voltastraße / An der Dammheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem westlichen Teil der liquidierten Maschinenfabrik Moenus wurde in den 1960–1970 Jahren eine flächenmäßig umfangreiche MAN-Niederlassung errichtet. Übernahmen, Fusionen und Kaptitalverschiebungen kennzeichnen LKW-Herstellermacht schon damals. Ab 2000 wurde u. a. auch wegen neuer Bebauungspläne der Stadt Frankfurt die Firma „MAN Truck & Bus Service und Verkauf Vertriebsregion West“ in die Heinrich-Hopf-Str. 20, Ffm-Sossenheim verlegt. Heute ist diese Niederlassung über die Traton-Group ein Teil des Volkswagen-Konzerns.

Auf einem Teil des vollständig geräumten Geländes im Bereich An der Dammheide 10, Solmsstraße 41, wurde 2003 ein 26 m hohes Miet-Bürohaus mit sieben Etagen noch vor Fertigstellung an das Versorgungswerk der niedersächsischen Ärzte in Hannover, Palais Gutenberg, verkauft, die ihren Neubau in Frankfurt dann auch Palais Gutenberg nannten. Auch der Bereich Voltastrasse 82, An der Dammheide 6-8, Ohmstrasse 65-67, wurde von einem anderen Investor mit einem Büro/Wohnhaus mit acht Etagen bebaut.

Ehemalige Music-Hall, Voltastraße 74-80[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980 entstand hier das Projekt eine leerstehende Fabrikhalle der untergegangenen Maschinenfabrik Moenus AG in eine Musikhalle anfänglich als reiner Konzert- und Live Club zu entwickeln. Sie wurde zu dieser Zeit Europas größte Diskothek. Heute noch legendär und bekannt als absolute „Highlights“ waren die dort eingemauerten Bässe unter der Bühne und die Laseranlage. Die Öffnung währte aber nur 9 Jahre von 1985 bis 1994. Die Pächter, die Stadt Frankfurt, hatte zwischenzeitig den Bebauungsplan für die City West verändert. Die Pachtsache musste zurückgegeben werden, wurde niedergelegt und Teil einer großen Wohnbebauung namens Athlon Place.[122]

Ehemalige VW-Vertragswerkstatt Autohaus Otto Glöckler, Niederlassung Voltastraße 74-76[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Otto Glöckler war seit dem Ersten Weltkrieg als Motorrad- und Automobilhändler in Frankfurt am Main tätig. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war Sohn Walter Glöckler (1908–1988) Inhaber des Betriebes und wurde zu einem der ersten Generalvertreter für Volkswagen. 1950 übernahm er auch die Frankfurter Generalvertretung für Porsche.[123] Die Nachkriegszeit und die begleitende Motorisierung führten zu einem starken Wachstum, der zur Gründung zahlreicher Filialen im Rhein-Main-Gebiet führte. Glöckler wurde nach eigenen Angaben mit rund 700 Mitarbeitern zu dem größten Volkswagen- und Audi-Händler in Deutschland mit über 14 Betrieben an Standorten in Frankfurt, Hanau, Langen, Oberursel, Hattersheim und Neu-Isenburg. So wurde auch auf einem Teil der liquidierten Maschinenfabrik Moenus in der Voltastraße 74–76 vom Autohaus Otto Glöckler eine zusätzliche VW-Vertragswerkstatt mit großer Kfz-Werkstatt, eine große Lagerhalle für Ersatzteile und Gebäude für Kundenannahme und Sozialräume errichtet. Der Konjunktureinbruch in den 1970–1980, der Tod des Generalvertreters Walter Glöckler sowie besonders die Neuausrichtung der VW-Vertriebspolitik mit neuen hohen Standards, die von VW und Audi nach den neuen Händlerverträgen verlangt wurden[124] machten eine Schließung nicht nur dieser Niederlassung des Autohauses Otto Glöckler zwingend. 2006 wurde das Autohaus Otto Glöckler an die Volkswagen AG verkauft. Heute besteht das vormalige Autohaus Otto Glöckler an einem anderen Ort als Porsche Zentrum Frankfurt Otto Glöckler Sportwagen GmbH weiter.[125] Die Bebauung in der Voltastraße wurde vollständig niedergelegt. Dafür entstanden ab 1995 ein Gebäudekomplex aus mehreren Büro- und Wohnbauten namens Athlon Place.

Ehemalige Thyssen Edelstahl Vertriebs- und Service GmbH, Voltastraße 64[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem 3.000 qm Grundstück im Straßenwinkel Voltastraße Galvanistraße, ehemals Philipp-Reis-Straße, errichtete die Thyssen Edelstahl auf einem Teil der liquidierten Maschinenfabrik Moenus ein Bürogebäude und eine große Lagerhalle für seine Edelstahlsparte und nutzte diese selbst für ihren Frankfurter Standort bis Ende der Neunziger Jahre. Der stark bewegte Markt führte nicht nur bei dem Mutterkonzern Thyssenkrupp, sondern auch bei deren Werkstofftochter Thyssenkrupp Schulte mit 40 Standorten, zu ständiger Marktanpassung. So wurde auch der bisherige Frankfurter Standort Voltastr. 64 aufgegeben und dafür der Standort Frankfurt Osthafen ausgebaut.[126] Nach dem Abriss musste Thyssen Edelstahl wegen schwacher Konjunktur einige Jahre nach einem Käufer suchen, bis ein Investor das Grundstück Galvanistraße, Voltastrasse 70-72, Ohmstrasse 53 erwarb und hier die Wohnanlage „Living Galvani“ mit 124 Mietwohnungen errichtete, die sie 2009 an die AXA Investment Managers Deutschland GmbH Colonia (Versicherung) veräußerte.[127]

Ehemalige Präzisions-Werkzeugfabrik Günther & Co., Voltastraße 42[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1890 gegründete Präzisions-Werkzeugfabrik Günther & Co. hatte lange ihren Geschäftssitz in der Voltastraße 41, sowie Produktionsstätten in der nahgelegenen Pfingsbrunnen- und Ohmstraße.

Heute existiert das Unternehmen als Günther & Co., Zweigniederlassung der Sandvik Tooling Deutschland GmbH in Rödelheim weiter und gehört zum schwedischen Sandvik-Konzern. Das Gebäude ihrer einstigen Hauptverwaltung in der Voltastraße zählt heute zum Besitzstand eines Deutschen Immobilienfonds der Sparkassen und wird von diesem vermietet.

Ehemalige Arbeitersiedlung von 1910 der ABG Frankfurt Holding, Volta-, Galvani- und Ohmstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Widerstand zahlreicher damaliger Mieter in der 1910 errichteten sogenannten Arbeitersiedlung des städtischen Wohnungsbaukonzerns „ABG Frankfurt Holding“ in der Volta-, Galvani- und Ohmstraße entbrannte ein durch den Filmemacher Martin Keßler auch filmisch dokumentierter Häuserkampf in Bockenheim-Süd. Im April 2002 wurde der erste Häuserblock niedergelegt, bald darauf die gesamte Arbeitersiedlung abgerissen.[128][129] Unter Leitung des Architekten Stefan Forster wurde eine Flachbau-Wohnanlage an der Voltastraße errichtet, die laut Architekturbüro an die Tradition der großen Wiener Wohnhöfe erinnern wollte.[130] Die Bebauung folgte hinsichtlich der Fläche grob dem Grundriss der alten Arbeitersiedlung, jedoch mit Verschluss des Zugangs zum einstmals großen und mit alten Bäumen bestückten Innenhof zwischen den Wohnhäusern und bei einer Verkleinerung der begrünten Fläche.

Ehemaliges Nixdorf-Schulungscenter, Voltastraße 1a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Nixdorf Computer AG.svg
gemietetes Schulgebäude der NGO Frankfurt, 2018

Die bei der Konzeption noch selbständige Paderborner EDV-Firma Nixdorf Computer plante den Betrieb eines bankenorientierten Schulungszentrums in der Bankenstadt Frankfurt am Main, Voltastraße 1a. Die rasante DV-Entwicklung vom Großrechner zur Micronisierung führte über die Übernahme von Nixdorf durch Siemens 1990 zur Gründung der Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). Die Geschäftsidee Schulungszentrum in der Voltastraße 1a wurde später aufgegeben. Die SRH Holding wurde zum Nachmieter für ihre SRH Schulen GmbH Mundanis Frankfurter Stadtschule. Auch deren Geschäftsidee war nicht tragend, und so verkaufte die SRH-Holding den Schulträger Mundanis an den Arbeiter-Samariter-Bund.[131] Der ASB benannte die Mundanis-Schule um in Erasmus Frankfurter Stadtschule. Auch wechselte er den Schulstandort und zog auf den Campus Sonnemannstraße der in einen Neubau selbst umgezogenen privaten Frankfurt School of Finance & Management. Die freien Räume in der Voltastraße 1a mietete 2018 der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main. Er beschloss den Umzug der „Neuen Gymnasialen Oberstufe“ (NGO), die derzeit noch in einer Containeranlage auf dem Riedberg untergebracht ist, nach Bockenheim in die Voltastraße 1a.

Ehemalige Niederlassung der CompuNet, Kreuznacher Straße 30, Voltastraße 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäudekomplex Kreuznacher Straße 30, Voltastraße 1 der Firma CompuNet NL Ffm

Die CompuNet Computer Vertriebs-GmbH wurde 1984 durch Jost Stollmann gegründet, der 1998 zeitweise Schattenwirtschaftsminister der SPD unter Gerhard Schröder war.[132] Noch unter Stollmann plante die Firma CompuNet Computer AG & Co. OHG, Kerpen, für ihre Frankfurter Niederlassung in Bockenheim im Carré Volta-, Kreuznacher- und Lise-Meitner-Straße, nahe dem sogenannten Bahn­viadukt ein siebenstöckiges Bürohaus mit Vorhängefassade, das CompuNet-Haus. 1997 war der Bau vollendet. Bereits 1996 kaufte der größte amerikanische Elektrokonzern General Electric das Unternehmen; es trug fortan den Namen GE CompuNet.[133] Ende 2002 wurde das Unternehmen an die britische Firma Computacenter verkauft. Nach einer kurzen Übergangsphase unter dem Namen CC CompuNet wurde der Name Computacenter auch in Deutschland eingeführt. Längst ist die Firma Computacenter hier wieder aus und in die Mainzer Landstraße 209-211 umgezogen. Die Büroimmobilie wird seitdem von unterschiedlichen Mietern genutzt; zeitweise werden einzelne leere Etagen als Mietsache am Immobilienmarkt angeboten.

Ehemalige Maschinenfabrik Fellner & Ziegler, Kreuznacher Str. 29[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Firmenlogo der F & Z Fellner & Ziegler, Frankfurt-Bockenheim
Reklame für eine Zerkleinerungs-Maschine von 1933 der F & Z Fellner & Ziegler, Frankfurt-Bockenheim

Gründer der Maschinenfabrik (Wärmetechnik) Fellner & Ziegler war der Ingenieur und Erfinder Johann Christian Fellner (1851–1902), ein Enkel des legendären letzten Bürgermeisters der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main Karl Konstanz Viktor Fellner (1807–1866). In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Maschinenfabrik Fellner & Ziegler, Bockenheim bei Frankfurt am Main, Kreuznacher Straße 29 (heute Frankfurt-Bockenheim City-West) im Jahre 1882, lag der Produktionsschwerpunkt auf dem Gebiet des Heizungsbaus, besonders bei der Einrichtung von zentralen Luft- und Dampfheizungen für öffentliche Wohn- und Fabrikgebäude. Hieraus erfolgte eine Spezialisierung in Trocknerei-Einrichtungen für die Holz-, Pappen-, Fell-, Filz- und Ziegeltrocknung. Um die Jahrhundertwende kam aus Amerika die Produktionsidee des Drehrohrofens zur Herstellung von Zement. Ab 1893 begann die Zusammenarbeit der Mühlenbauanstalt, Maschinenfabrik, Eisengiesserei Amme, Giesecke & Konegen Aktiengesellschaft Braunschweig, der späteren MIAG Mühlenbau und Industrie Aktiengesellschaft, sowie der Polysius AG Dessau und der Maschinenfabrik Fellner & Ziegler, Bockenheim bei Frankfurt am Main durch Gründung der Brennofenanstalt Hamburg, deren führender Gesellschafter Fellner & Ziegler war. Elf Jahre später übernahm die Polysius AG Dessau unter Otto Polysius allein die Brennofenanstalt Hamburg. Fellner & Ziegler entwickelten den Drehofen weiter und stellten bald Drehöfen mit 3 Meter Durchmesser und 50–100 Meter Länge her. Dadurch konnte deren Tagesleistung von 40 Tonnen auf 300 Tonnen Zement gesteigert werden. Zunehmend erstellte Fellner & Ziegler komplette Zementfabriken. Daneben produzierte sie Maschinenteile für die keramische, chemische und Hüttenindustrie eigene Apparate und Maschinen in ihrem Werk in Frankfurt-Bockenheim, später auch im nahen unterfränkischem Eisenwerk Weilbach. 1960 verkaufte sie das Eisenwerk Weilbach zunächst an die Linde-Tochter Matra-Werke Frankfurt, die dann 1974 in die Linde Material Handling, später in der Linde-Tochter Kion Group aufging und heute der chinesischen Firma Weichai Power gehört.

1954 wurde Fellner & Ziegler, Frankfurt, spezialisiert u. a. auf Zementwerke-Bau, an die Kölsch-Fölzer-Werke AG, Siegen, verkauft, die sie zehn Jahre später 1964 wieder verkauften.[134] Geschäftsunterlagen der Jahre 1949 bis 1961 finden sich in: Deutsche Wirtschafts-Archive, Bd. 1.-3; Franz Steiner Verlag; 1994; ISBN 3-515-06211-4. Ebenso hat sich antiquarisch das Buch Fellner & Ziegler Frankfurt/Main 1882–1957 anlässlich des 75 Jubiläums erhalten.[135] Auch finden sich heute noch Verkaufsangebote gebrauchter Maschinen der Firma Fellner & Ziegler.[136] Die Firma Fellner & Ziegler verlor ihre Selbständigkeit mit ihrem Aufkauf durch die Buderus Wetzlar, die dann 2003 selbst von der Robert Bosch GmbH übernommen wurde. Diese wiederum verkaufte 2005 dann Teile der ehemaligen Buderus als Buderus Edelstahl GmbH an die österreichische Böhler-Uddeholm AG, deren Gründer Frankfurter Bürger waren. Die Böhler-Uddeholm AG wurde dann später in die österreichische Voestalpine AG eingegliedert. Auf dem ehemaligen Betriebsgrundstück der Fellner & Ziegler AG in Frankfurt-Bockenheim, Kreuznacher Straße 29, wurde 1997 von der Firma CompuNet Computer AG & Co. OHG, Kerpen, ein siebenstöckiges Bürohaus für ihre Zweigniederlassung, das CompuNet Haus, errichtet. Immer noch werden gebrauchte gebrauchsfähige Zerkleinerungsmühlen der Firma Fellner & Ziegler angeboten. Spuren der ehemaligen Fellner & Ziegler AG sind nicht mehr vor Ort, sondern nur noch im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt vorhanden.[137]

Ehemalige Gießerei Pilger & Neidhardt, Solmsstraße 83[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkstatthalle

Das markante Gebäude der untergegangenen Gießerei Pilger & Neidhardt an Ende der Solmsstraße übernahm 1912, nur 14 Jahre nach ihrer Errichtung, die durch ihren Bau- und Kunstguss im damaligen Kaiserreich bekannte Bockenheimer Firma Julius Wurmbach (1831–1901), Eisengiesserei, Maschinen-, Ofen- und Herdfabrik deren Werkstatthalle von 1898 mit ihren antikhaften Thermenfenster und entsprechendem Giebel die damalige Fabrikarchitektur dominierte. Diese Thermen- bzw. Rundbogenfenster in Form eines über dem Durchmesser errichteten Halbkreises, waren durch zwei senkrechte Stege in drei etwa gleich breite Bahnen geteilt. Das Thermenfenster erhielt seinen Namen wegen seines Vorkommens an den Diokletiansthermen in Rom und wurde auch von der Fabrikarchitektur in der Kaiserzeit gerne zitiert[138]. Die Firma Julius Wurmbach überstand die Wirren nach dem Ersten Weltkrieg nicht, diese Werkstatthalle aber sogar die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges. Ihr Grund wurde aber für den 2001 erbaut Bau der 18-geschossige Büroimmobilie Scala west benötigt und ist mit rund 20.100 Quadratmeter vermietbarer Fläche im Besitz der Deka Immobilien. Quelle: ISBN 3-7973-0410-2 Rödel, Volker, Ingenieurbaukunst in Frankfurt am Main 1806–1914.

Ehemalige Eisengießerei, Ofen- und Herdfabrik Julius Wurmbach, Solmsstraße 83[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firma Julius Wurmbach (um 1903)

Julius Wurmbach gründete 1872 seine eigene Eisengießerei, Ofen- und Herdfabrik Julius Wurmbach in Bockenheim. Im Adressbuch der Stadt Frankfurt von 1877 wird er mit Sitz im Rödelheimer Sandweg, dem Vorgänger der heutigen Solmsstraße dokumentiert.[139] Julius entstammte einer von Landwirtschaft und Hüttenwesen geprägten Familie. Sein Großvater Johann Georg (1739–1811) war Landwirt und Bergschöffe,[140] sein Vater Johann Wurmbach (* 1. April 1796 in Müsen; † 21. Dezember 1875 in Siegen; vollständiger Name: Johann Heinrich Wurmbach) war ein deutscher Bergingenieur und wirkte als Grubenverwalter in Ramsbeck.[141] Wurmbach war verheiratet mit Charlotte Meinhard (* 3. Januar 1839 in Siegen † 1. Mai 1878 in Bockenheim). Ihr Sohn und späterer Firmenerbe war Julius Wurmbach jr. Auch er war ein deutscher Fabrikant und Kommunalpolitiker in Frankfurt am Main. Julius Wurmbach war bereits ab seinem 30. Lebensjahr zehn Jahre von 1861 bis 1871 an der Nieverner Hütte, einer ehemaligen, heute unter Denkmalschutz stehenden Eisenhütte bei Fachbach an der Lahn, nahe Bad Ems, mit großem Eigenkapital beteiligt und auch dort im Management mit tätig. 1871 verkaufte er seine Beteiligung an der Nieverner Hütte. Nach Ausrufung des wilhelminischen Kaiserreiches in der Gründerzeit schuf er 1872 seine eigene Eisengießerei, Ofen- und Herdfabrik Julius Wurmbach in Bockenheim, ab 1895 eingemeindet und damit Stadtteil von Frankfurt am Main. Zuvor war 1864 in Frankfurt die Zunftordnung aufgehoben worden und eine erste industrielle Entwicklung brach an. 1866 okkupierte das Königreich Preußen das kurhessische Bockenheim mit ganz Kurhessen. Julius Wurmbach fokussierte sich am Anfang auf den steigenden Bedarf der chemischen Industrie an großen Gussstücken und Lehmgusskesseln, deren porenfreie Beschaffenheit besonders nachgefragt wurde. Daneben produzierte er auch Maschinen- und Baugussteile, sowie besonders verzierte Säulen und Kandelaber. Auch nahm er die Herstellung gusseiserner Öfen und Herde auf.

Die Ofen- und Herdfabrik Julius Wurmbach produzierte Ende des 19. Jahrhunderts mit ca. 35 Wettbewerbern im Deutschen Kaiserreich u. a. erfolgreich verschiedene Modelle von Gussöfen mit reichhaltigen Verzierungen, Emaillierungen und Bemalungen in nennenswerter Stückzahl. Es wurden zeitgemäße wahre gusseiserne Ungetümer mit ausgefeilter Luftführung und -regulierung hergestellt. Der Sammler und Restaurator Ronald Koch aus Günserode in Thüringen urteilte: „War jemand reich, kam ein ‚Wurmbach‘ ins Haus, war er noch reicher, musste es ein bunter ‚Wurmbach‘ sein. Und wenn jemand etwas ganz Besonderes wollte, dann schaffte er sich gar ein weißes Exemplar an.“ Nicht nur seiner Einschätzung nach waren die Wurmbach-Öfen anerkannte Gebrauchskunst. Seine damals produzierten Stubenöfen werden heute antiquarisch gehandelt. Die mit der Gießerei verbundenen Bearbeitungswerkstätte entwickelte sich zu einer Maschinenfabrik, die u. a. Reinigungs- und Filtrieranlagen produzierte. Auch schwere Pfannen und Kessel für chemische Fabriken wurden hergestellt. Um die Jahrhundertwende zählte das Unternehmen mit 140 Arbeitern und u. a. mit einer 25 PS starken Dampfmaschine zu den größten Arbeitgebern Frankfurt-Bockenheims.

Der technische Fortschritt, besonders die Verdrängung von Gusseisen durch säurerestistente Stahl- und Aluminiumprodukte, die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 beeinträchtigten Absatz, Umsatz und Beschäftigung.

Nach dem unerwarteten Herztod des Firmengründers 1901 und schon vor dem Suizid des Sohns und Firmenerben Julius Heinrich Friedrich Wurmbach jr. (1860–1926) in Berlin[142] kam das Unternehmen in den Besitz des Frankfurter Bankiers Clemens Harlacher, Frankfurt, Hohenzollernplatz 14, der später im Verlauf der Arisierung seines Vermögens beraubt wurde. Das Unternehmen nannte sich jetzt Bockenheimer Eisengießerei und Maschinenfabrik GmbH, Frankfurt-Bockenheim, Solmsstraße 83, taumelte durch Wirtschaftskrisen, den Zweiten Weltkrieg und Kriegszerstörungen in Folge von Bombentreffern durch die Zeit. Nach Kriegsende wurde es 1947 von der benachbarten Firma Fritz Voltz Sohn, Frankfurt, Solmsstraße 62–68 durch den Unternehmer Fritz Voltz gekauft und später fusioniert.

Auf Teilen des ehemals großen Firmengeländes, das von der Solmsstraße bis zum Kreisel reichte, wurde u. a. 2001 das 73 m hohe, 17-stöckige SCALA-Hochhaus errichtet.[143] Der maßgebliche Architekten war Christoph Mäckler. Vor ihrem Absturz war hier die AIG Versicherung Deutschland Ankermieter. 2008 meldete der Eigentümer, die Immobiliengesellschaft DEKA der Sparkasse,[144] dass als neuer Ankermieter das Finanzdienstleistungsunternehmen und Depotbank State Street aus Boston unterschrieben hätte. Vom ehemals produzierenden Gewerbe finden sich hier keine Spuren mehr.[145]

Ehemalige Isolatorenfabrik Pulvolit GmbH, Bockenheim, Am Rödelheimer Sandweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Isolatorenfabrik Pulvolit GmbH, Frankfurt-Bockenheim, Am Rödelheimer Sandweg, der späteren Solmsstraße, wurde am 14. August 1903 unter Patentschriftnummer 185524 vom Kaiserlichen Patentamt ein befristeter Rechtsschutz für ein Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen erteilt. Pulverisierte Stoffe unter Benutzung von Öfen, Fetten und dergleichen als Bindemittel, welche die Eigenschaften hatten in dünnen Schichten an der Luft bei gewöhnlicher oder erhöhter Temperatur zu erhärten, um in kürzester Zeit künstliche Steine herzustellen. In Österreich ist dies Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen der Isolatorenfabrik „Pulvolit“ in der digitalen Landesbibliothek Oberösterreich, XIII. Jahrgang, 1908 (XIII. JG., 1908) dokumentiert.

Die Isolatorenfabrik Pulvolit fabrizierte hauptsächliche Produkte zur Herstellung von Schalter-, Sicherungsklappen, Sockeln. Das verwendete Preßmaterial war von schwarzer Farbe, faserigen Bruch und hatte eine hohe Temperaturbeständigkeit.[146] Zusätzlich produzierte die Kunststeinfabrik Pulvolit GmbH auch Wandverkleidungen, Böden, Treppen, Säulen und Möbelplatten.

Industrieller Nachbarn des ehemaligen Rödelheimer Sandweg war u. a. die Fabrik des Kommerzienrats Julius Wurmbach, Rödelheimer Sandweg 28, dessen Spezialität 1886 der Lehmguß bis zu den schwersten Stücken für chemische Fabriken, Bau- und Maschinenguß war, sowie Lieferant von Öfen, Herde und Riemscheiben. Heute steht hier das SCALA Bürohochhaus der City-West.

Ehemalige Firma FVS Fritz Voltz Sohn Apparatebau, Solmsstraße 58–68[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FVS Fritz Voltz Sohn, Betriebsgebäude
FVS Anzeige 1941, Remanit

Im 16. Jahrhundert begann bereits die Flucht französischsprachiger reformierter Christen zunächst Wallonen aus den Niederlanden, die dem Druck Herzog Albas und der spanischen Besatzer entwichen waren und vor allem entlang des Rheins in Wesel, Köln, Frankfurt, Hanau, in der Pfalz und in Straßburg eine neue Heimat fanden. Die Wallonen, wie auch später die Hugenotten, waren keine Wirtschaftsflüchtlinge, die in anderen Ländern günstigere Lebensbedingungen suchten. Sie verließen in der Regel gesicherte finanzielle Verhältnisse und wussten nicht, was sie im Refuge erwartete. Der einzige Grund für sie, das Land zu verlassen, war der Wunsch, als reformierte Christen ohne Verfolgungen und Einschränkungen in ihrem Glauben und ihrer Überzeugung leben zu können. Sie waren Glaubensflüchtlinge.[147] So auch der am 16. August 1673 in Hanau als Hufschmied verstorbene August Voltz. Er war der Vater des am 30. August 1663 geborenen Johann Georg Voltz, Bürger und Hufschmied in der Hanauer Neustadt. Am 8. August 1833 wurde Fritz Voltz (1833–N.N.) geboren. Er nannte sich noch Frédéric Charles Voltz, stolz auf seine wallonische Herkunft und seinen reformierten Glauben dank der Hanauer Landgrafen. Er war Sohn eines Schmieds, Firmengründer und hatte sieben Kinder. Sein Unternehmen, eine Kupferschmiede in Hanau, erhielt er 1858 als Dank für seinen beruflichen Einsatz durch seinen damaligen Dienstherrn Meister Jacob Theodor Petsch. Nach dem Tod der Ehefrau übernahm 1895 Sohn Ludwig Voltz (1869–1945) übernahm die väterliche Firma. Mitgesellschafter der OHG wurden die langjährigen Mitarbeiter Otto Velte (N.N.–1956) und Edmund Küchler. Dipl.-Ing. Fritz Voltz trat am 1. Januar 1940 in das Unternehmen ein und wurde später Firmenleiter. Auch war er später Vorsitzender der Landesvertretung Hessen im Bundesverband der Deutschen Industrie und Stellvertretender Vereinspräsident der „VHI Vereinigung hessischer Industrieller e. V“. Laut Dokumenten des Firmenarchiv erhalten im ISG Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, erwarb Fritz Voltz und dessen Ehefrau Elisabeth Toska geb. Brust, 1941 das unbebautes Grundstück, Solmsstr. 58–68, in der Gemarkung Frankfurt-Bockenheim, Kartenblatt O, Parzelle 636/50 des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild. Auch wurde der Schwiegersohn des Mitgesellschafters Otto Velte (N.N.-1956) Gerhard Türk Mitgesellschafter, später alleiniger Geschäftsführer. Das Aufkommen säurefester Edelstähle, wie sie von Krupp 1912 entwickelt wurden, begünstigten den wirtschaftlichen Aufschwung des Unternehmens, zumal das bisherige Kupfer und dessen Legierungen nicht mehr den Ansprüchen der verarbeitenden Industriekundschaft genügten. Somit spaltete sich das Fabrikationsprogramm der FVS in den chemischen Apparatebau, die Armaturenfabrikation und den Bereich Gießereierzeugnisse. Bald nach Kriegsende integrierte und fusionierte man die benachbarte Bockenheimer Eisengießerei und Maschinenfabrik GmbH, Frankfurt-Bockenheim, Solmsstraße 83. 1966 schenkte man als bekanntes Apparatebauunternehmen FVS Fritz Voltz Sohn der Forschungsstelle Papiergeschichte in Mainz das Modell eines Sulfitzellstoffkochers.[148] 1989 entwickelten der Zweckverband Sondermüll-Entsorgung Mittelfranken (ZVSMM) und die Firma Fritz Voltz Sohn, Frankfurt, ein Verfahrenskonzept zur Eindampfung von Sickerwasser. Es wurde eine Eindampfungsanlage mit einer Verdampfungsleistung von 3,6 t/h Sickerwasser erstellt. Da mit derartigen großtechnischen Anlagenkonzeptionen noch keinerlei Erfahrungen vorlagen, sollte ein begleitendes Forschungsprogramm durchgeführt werden mit dem Ziel, die Eindampfung zu einem die Umwelt nur gering belastenden, dem Stand der Technik entsprechenden Verfahren zu entwickeln.[149]

Auf dem damaligen Betriebsgrundstück der Firma FVS Fritz Voltz Sohn Apparatebau, Solmsstraße 58–68, wurden zwischenzeitlich mehrere mehrstöckigen Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet. Das Unternehmen Fritz Voltz Sohn GmbH mit Geschäftssitz Bad Vilbel vertreibt heute noch Valves (Ventile) in alle Welt.

Ehemalige Fittingsfabrik Wilhelm Hage, Solmsstraße 36[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast 60 Jahre, von 1923 bis 1980, hatte die bedeutende Bockenheimer Fittingsfabrik Wilhelm Hage Ende der Solmsstraße 70–74 ihren Geschäfts- und Produktionssitz, den 1890 der Wagen- und Hufschmied Wilhelm Hage[150] in Schussenried gegründet hatte und 1923 während der Weltwirtschaftskrise nach Frankfurt-Bockenheim verlegt hatte. Die Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg zerstörten viele Unternehmensteile, jedoch wurde die Produktion nur kurzzeitig unterbrochen. Bald konnte die Herstellung u. a. von nahtlosen Stahlrohr-Schweißbögen, Kupferlötfittings sowie Edelstahl-Schweißbogen und Gewindefittings wieder aufgenommen werden. Absatz und Umsatz stiegen über das Vorkriegsniveau. Nach ca. 60 Jahren musste die Verlagerung des gesamten Betriebs von Frankfurt-Bockenheim nach Rodgau-Dudenhofen, ca. 20 km südöstlich von Frankfurt am Main, vollzogen werden. Heute betreibt weiterhin die Familie Hage (in der 4. Generation) das Unternehmen. Die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten, ehemaligen Firmengebäude werden von einem Dienstleistungsunternehmen genutzt.

Ehemaliger Wasserturm des ehemaligen Gaswerks Bockenheim, Solmsstraße 38[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer, denkmalgeschützter Wasserturm der ursprünglich 1869 von der englischen Imperial Continental Gas Association (ICGA) beim Erbau des Gaswerks Bockenheim in der Solmsstraße 38 errichtet wurde (heute: Werksgelände Solmsstraße der Mainova AG). Es handelte sich ursprünglich um einen 1896 errichteten zylindrischen Schacht aus Eisenfachwerk mit zweifarbiger Ziegelausmauerung unter oktogonalem Zeltdach.

1989 wurde der Wasserturm unter Denkmalschutz gestellt, wiewohl die gemauerte Außenfassade schon damals baufällig war.

1995 wurde die Fassade schließlich abgebrochen unter Erhaltung des früher unter Fassade verborgenen Stahlgerüsts auf seinem Klinkersockel.

Im Jahr 2000 wurde das Turmskelett zugunsten eines Neubaus demontiert, konserviert und im Jahr 2007 nur wenig von seinem ursprünglichen Standort entfernt wieder aufgestellt und um seinen Fuß herum ein kleiner Teich angelegt. Der Wasserbehälter ist befüllt, bei geeigneter Witterung sprühen aus ringsum angebrachten Düsen Wasserfontänen, die bei Dämmerung mit farbigen LEDs hervorgehoben werden.[151]

Ehemalige Andreae-Noris Zahn AG, dann Alliance Healthcare Deutschland, Solmsstraße 39[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alliance Healthcare Deutschland (vormals Andreae-Noris Zahn AG, ANZAG), mit Sitz in Frankfurt am Main, Solmsstraße 25.[152] ist der drittgrößte Pharmagroßhändler in Deutschland und verfügt mit zahlreichen Niederlassungen über ein dichtes Auslieferungsnetz. Im August 2014 übernahm Walgreens ihren britisch-schweizerischen Konkurrenten Alliance Boots komplett´und nennt sich fortan Walgreens Boots Alliance. Ein Einsparergebnis ist der vollzogene Verkauf der bisherigen Hauptverwaltung in Frankfurt am Main, Solmsstraße 25. Das noch recht neue Bürogebäude wird abgerissen; ein anderer Investor errichtet 2016–2017 an gleicher Stelle ein bereits geplantes neues Wohngebäude namens SOPHIE. Für die Hauptverwaltung wurde an anderer Stelle in der Solmsstraße neue Büroräume angemietet.[153] Der neue aktuelle Investor projektierte ein aus fünf Wohngebäuden für 126 2020 einzugsbereite Eigentumswohnungen bestehendes Objekt namens W – Double U Frankfurt, wobei W oder VEE neuerdings auch als DOUBLE U wie beim EX-US Präsident George Double-U benannt wird, siehe auch DOUBLE U für W oder VEE wie beim SUV Kfz[154]

Ehemaliger Gebäudekomplex der Zürich Versicherung, Solmsstraße 27-37[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zürich-Versicherung, ab 2021 Behördenzentrum

Nach Aufgabe des Zürich-Hauses am Opernplatz bezog die Zürich-Versicherung 2002 den Neubau an der Solmsstraße 27 – 37. Hier blieb sie bis 2018, als sie zurück ins Westend in den Bürokomplex Pollux zog. Die Solmsstraße 27-37 mit rund 26.500 Quadratmeter Bürofläche ist beinahe 200 Meter lang und als Kammgebäude ausgestaltet. Es gibt sechs „Zinken“, die von Westen nach Osten immer länger werden. In der zweiten Hälfte des Jahres 2021 wurde zunächst das Stadtschulamt und in der ersten Hälfte des Jahres 2022 zusätzlich das Amt für Bau und Immobilien (ABI) mit rund 1.000 Mitarbeitern in das nun „Neues Behördenzentrum“ getaufte Gebäude verlegt, das von der Stadt für zunächst 20 Jahre angemietet wurde.

Ehemalige Gebr. Schmidt GmbH, Druckfarben-Fabriken, Solmsstraße 31, später Gaugrafenstraße 4-8, Rödelheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solmsstraße 31, Einfahrt zum Betriebsgelände der Mainova AG; ehemaliges Firmengelände der Gebr. Schmidt Buch- und Steindruckfarben-Fabrik

Im November 1878 gründeten die Brüder Ernst und Rudolph Schmidt in der Solmsstraße 31[155] im damals noch selbstständigen Bockenheim eine Druckfarbenfabrik.[156]

Die „Farbenbude“, wie sie anfangs etwas despektierlich die Bockenheimer nannten, entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem respektablen Unternehmen der Druckfarbenindustrie, das auf der Weltausstellung Paris 1900 mit einer Goldenen Medaille für ihre Qualität ausgezeichnet wurde. Bereits 1889 war der jüngere Bruder Rudolph nach Berlin übergesiedelt, um mit den dortigen Verlagen und Druckereien ins Geschäft zu kommen. Er erwarb<--Bitte prüfen, könnte auch gründete o.s.ä sein--> eine kleine Fabrik, in der nach den notwendigen Um- und Ausbaumaßnahmen die Gebrüder Schmidt die Massenproduktion von Zeitungs-Rotationsfarben aufnahmen. Zum 50-jährigen Betriebsjubiläum 1928, gab es Zweigwerke in zehn europäischen Ländern und die GS-Druckfarben genossen in der Branche weltweit den Ruf einer Qualitätsmarke. 1943 übernahm Gebr. Schmidt die Druckfarbenfabrik A. Haller GmbH in Frankfurt-Rödelheim. Da dieses Werk die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs vergleichsweise glimpflich überstand, wurde die Gaugrafenstraße 4-8 zum Ausgangspunkt des Wiederaufbaus, der nach der Währungsreform begann. Im In- und Ausland entstanden neue Werke, und überall wurde ausgebaut, vergrößert und modernisiert.

1970 beschäftigte die Gebr. Schmidt GmbH 1.137 Mitarbeiter und gehörte damit weltweit zu den größten Druckfarbenherstellern. 2001 beschäftigte die nach wie vor als Familienunternehmen geführte „Gebr. Schmidt GmbH“ etwa 1000 Mitarbeiter und erzielte mit der Herstellung von Farbsystemen für Offsetdruck (Zeitungen, Verpackungen, Banknoten) einen Umsatz von ca. 250 Millionen Euro pro Jahr.

Die Verschärfung des Wettbewerbs infolge der Globalisierung veranlasste die Familie Schmidt, das Unternehmen am 5. April 2002 mit der europäischen Niederlassung des 1920 gegründeten Unternehmens „Flint Ink“ aus Michigan, USA zusammenzuschließen und firmierte nun in Europa unter Flint-Schmidt. Die ehemalige Eigentümerfamilie Schmidt schied aus dem Unternehmen aus und finanzierte aus dem Familienvermögen einen Härtefallfond.

Im Juli 2005 erwarb eines der weltweit zehn größten Private-Equity-Finanzunternehmen, der Finanzinvestor CVC Capital Partners, das Joint-Venture. CVC formte so gemeinsam mit der kurz davor erworbenen Druckfarbensparte der „BASF“ und dem Farbenhersteller „ANI Printing“ einen Konzern namens FLINT-GROUP[157][158] von 2,1 Mrd. Euro Jahresumsatz. Die zur Finanzierung des Mehrfachmergers aufgenommenen Bankkredite wurden auf die fusionierten Unternehmen überschrieben. Für den Kapitaldienst wurde es notwendig, die Unternehmens-Rendite von branchenüblichen 1–2 % auf 10 % zu steigern. Dieses wurde durch umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen unter Freisetzung vieler Arbeitsplätze und Schließung großer Teile des Werkes erreicht. 2007 waren noch 280 Mitarbeiter in Frankfurt tätig, blieb aber das Zentrum für Publikationsdruckfarben (Illustrationstiefdruckfarben, Heatset bzw. Rollenoffsetfarben).

Im April 2014 verkauft die CVC den Druckfarben-Hersteller Flint Group an den US-Konzern Koch Industries und die Investment-Sparte von Goldman Sachs. Der Mischkonzern Koch Industries ist mit 115 Mrd. Dollar Umsatz eines der größten nicht börsennotierten Unternehmen der USA. Die Eigentümer Charles und David Koch gelten als große Unterstützer der konservativen „Tea Party“-Bewegung.[159]

Das historische, im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe stark zerstörte Firmengelände in der Solmsstraße 31 wurde Eigentum der Stadtwerke Frankfurt am Main, bzw. der Maingaswerke, aus der die Mainova AG entstand. Heute findet man in der Solmsstraße 31 deren Einfahrt zum Betriebsgelände.

Ehemaliges Vereinshaus des 1882 gegründeten „Turnvereins Vorwärts Bockenheim“ mit Turnhalle, Schloßstraße 125[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Dezember 1903 wurde in der Schloßstraße 125 der Grundstein für ein Vereinshaus nebst Turnhalle des 1882 gegründeten „Turnvereins Vorwärts Bockenheim“ gelegt. Diese Liegenschaft wurde im Zweiten Weltkrieg 1944 durch Fliegerbomben zerstört. 1973 schlossen sich die bis dahin selbständigen Vereine „Turngesellschaft Rödelheim“, bereits 1873 gegründet, und „Turnverein Vorwärts“ zusammen zur bis heute bestehenden „Turngesellschaft Vorwärts 1874 e. V.“ Frankfurt am Main (TGS) zusammen. Ihr neues Vereinsheim wurde im Rebstöcker Weg 17 im Stadtteil Rödelheim errichtet.[160] Als Logo führt der Verein den Bienenkorb in Anlehnung an das historische Wappen der vormals selbständigen Stadt Bockenheim in Kurhessen.[161]

1961 wurde das Grundstück mit einem siebenstöckigen Geschäftshaus bebaut, anfangs mit einer Kfz-Tankstelle und einem Kfz-Werkstattgebäude im Hinterhof. 1969 war hier u. a. die Gründungsadresse des Verlages der Autoren, der inzwischen ins Bahnhofsviertel umgezogen ist. Vielfältig sind und waren die Mieter dieser Liegenschaft, wie Gaststätten, Praxen, Fitness-Clubs. Die Immobilie wurde 2017 nochmals komplett saniert.

Ehemaliger Nachtclub Ellis Elliot Pariser Nachtleben, Varrentrappstraße Ecke Hamburger Allee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Dokument des ISG Frankfurt am Main wurde am 5. Dezember 1949 in der Nähe des Frankfurter Messegeländes die internationale Nachtbar „Elli’s Elliot“, Varrentrappstraße 55 Ecke Hamburger Allee von Madame Ellis Elliot eröffnet. Am 4. Juli 1951 berichtete „Der Spiegel“ über eine Zivilklage des Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876–1967) und des Bonner Büros von Kurt Schumacher (1895–1952) gegen die 32-jährige Chefin Waldtraud Schmidt-Elliot des Frankfurter Nachtkabaretts „bei Ellis Elliot“.[162] Die Firma Pariser Nachtleben bei Ellis Elliot, Inhaber Hans Czonstke, war einst im Handelsregister beim Amtsgericht Frankfurt am Main unter der Nummer HRA 15944 eingetragen.[163] Lange war dieser Nachtclub, zusammen mit dem BB-Club in der Adalbertstraße, der marktbeherrschende Nachtclub im Stadtteil Frankfurt-Bockenheim, bis die Diskothekenwelle diese Lokalität immer mehr ins Rotlichtmilieu abdrängte. Beschränkte Größe, veränderte Sexualmoral und sinkende Kundenzahlen führten zum Umsatzeinbruch und später zu Geschäftsaufgabe und Löschung aus dem Handelsregister. 2017 wurde das Geschäftslokal geräumt und eine Neuvermietung vorbereitet.

Ehemaliges JUZ Bockenheim, Varrentrappstraße 38[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Frankfurt richtete 1975 in diesem Teilbereich der Gutenbergschule, der ehemaligen Villa für Rektor und Schulverwaltung in der Varrentrappstraße 38, ein Jugendzentrum für Bockenheim ein.[164] Daraus entwickelte sich bald das selbstverwaltetes JUZ Bockenheim, das u. a. zu einem bundesweit bekannten Zentrum der damaligen Punk Jugendkultur wurde. Gruppen wie Böhse Onkelz und Die Toten Hosen hatten hier einige ihrer ersten, noch amateurhaften Musikauftritte. Das Haus war eines der ersten selbstverwalteten Jugendzentren in Deutschland und hatte damals einen hohen Bedeutungs- und Bekanntheitsgrad. Nachdem die ursprünglichen Nutzer durch Alterung nicht mehr im JUZ Bockenheim aktiv tätig waren und die Räumlichkeiten 2001 verlassen. Die Stadt Frankfurt eröffnete ein neues Jugendzentrum in der nahen Schloßstraße. Ohne hinreichende Gebäudeinvestitionen verfiel die Bausubstanz im Laufe der Jahre. Die Stadt investierte hohe Summen in die Sanierung des Berufsschulkomplexes Hamburger Allee 23 und baute insbesondere die Gutenbergschule[165] und die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode,[166] beide in der Hamburger Allee 23, kostenintensiv um und aus. Die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode meldete bei der Stadt Frankfurt zusätzlichen Raumbedarf u. a. für ihre Schulverwaltung an und erhielt auch einen positiven Bescheid. Am 2. August 2008 besetzte die Initiative „Faites votre jeu!“ mit einer Eröffnungsparty ehemalige JUZ Bockenheim. Das seit 7 Jahren leerstehende Haus wurde mit dem Ziel besetzt Räume für die Initiative zu schaffen.[167] Die Gruppe verweigerte einen baldigen Auszug.[168] Nach anhaltenden Protesten mit Polizeieinsatz und Einschaltung eines Vermittlers,[169] schlug die damalige zuständige Dezernentin der Stadt andere kostenfreie Räumlichkeiten für diese autonome Gruppe vor, falls sie freiwillig ihre Besetzung aufgäben. Nach langwierigen Verhandlungen stimmte letztendlich die Gruppe FAITES VOTRE JEU einem Umzug in das ehemalige Arrestgefängnis in der Klapperfeldstraße zu.[170] Die Zeit des JUZ Bockenheim in der Varrentrappstraße 38 war damit beendet.

Ehemalige Firma Gebrüder Pintsch Werk Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solmsstraße, Pintsch-Produkt

Zwischen der jetzigen Jordan-, Gräf- und Emil-Sulzbach-Straße[171] erstreckte sich von 1895 bis 1917 die Gasapparate- und Maschinenfabrik Pintsch,[172] eine von mehreren Niederlassungen der Firma Julius Pintsch in Fürstenwalde/Spree bei Berlin. Dieses Pintsch Unternehmen stellte die idealen Ergänzungsprodukte zum 1869 an der Solmsstraße in Frankfurt-Bockenheim eröffneten ICGA-Gaswerk der Imperial Continental Gas Association, das spätere Gaswerk West, dar. 1927 arbeitete auch dies Bockenheimer Werk der Pintsch AG erstmals mit der „Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG“ (Bamag-Megius AG) in Berlin und Butzbach (Hessen) zusammen, an der die Fa. Pintsch zeitweise mit 60 % beteiligt war. Das 1936 zu einer Kommanditgesellschaft umgewandelte Unternehmen blieb in Familienbesitz und baute Anlagen zur Holzverzuckerung, Vakuumtrockenapparate, Lichtanlagen für den See-, Luft- und Straßenverkehr, Müllverbrennung und Ölheizungen für Eisenbahnen. Antiquarisch hat sich von diesem Bockenheimer Unternehmen ein bebilderter kommentierter Firmenkatalog[173] mit Präsentation beispielhafter Schaufenstergestellen für Schuh-, Miederwaren-, Optiker-, Pfeifen-, Hut-, Schmuck-, Schirm-, Lebensmittelhandlungen u. a. von 1893 erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich die Pintsch-Gruppe aus Frankfurt-Bockenheim zurück. Bauliche Spuren der ehemals großen Industriefirma, die vor der Elektrifizierung mit ihren mit Leuchtgas betriebenen Produkten Licht in Stadt und Häuser brachte, sind nicht mehr vorhanden.

Ehemaliger Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch GmbH (VHD), Gräfstraße 47[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrbuch_Mathematik_Band_III

Der Wissenschaftliche Verlag Harri Deutsch GmbH wurde 1961 von Harri Deutsch gegründet. Der Schwerpunkt lag auf Lehrbüchern und Nachschlagwerken zu den Themen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Die Bücher sprachen im Allgemeinen Studenten an, es waren jedoch auch populärwissenschaftliche Werke erhältlich. Seine Geschäftsidee entsprang der Nutzung der Ost-WestTrennung Deutschlands und des wirtschaftlichen Kampfes des westdeutschen Börsenvereins gegen die DDR. So nahm z. B. der Frankfurter Börsenverein den Mauerbau zum Anlass, endlich die „Abwehr östlicher Unterwanderung durch billige Bücher“ vor allem im Lehr- und Fachbuchbereich zu verstärken. Verlage wie der Wissenschaftliche Verlag Harry Deutsch verdienten sich eine goldene Nase z. B. mit dem Fortdruck ostdeutscher Titel als Lizenzausgaben des VEB Fachbuchverlags Leipzig. Dies war dem Börsenverein ein Dorn im Auge. Solche Bücher waren nur noch durch die abweichende Verlagsangabe äußerlich als Produkt westlicher Verlage zu gekennzeichnen.[174] Zum 31. Mai 2013 beendete der Verlag sein aktives Geschäft. Die Rechte und Bestände ausgewählter Titel gingen an den Verlag Europa-Lehrmittel über,[175] Zuvor war der Bereich Buchhandlung vom Verlagsgeschäft recht abgetrennt worden und am 1. Januar 2001 als Buchhandlung Harri Deutsch GmbH an die Kölner Carl Heymanns Verlag glücklos verkauft worden. Der Käufer wurde insolvent und 2004 vom Gladenbacher Fachbuch Mediasales GmbH & Co. KG gekauft[176] die aber 2006 ebenfalls insolent wurde. Danach wurde 2007 erneut die neue Wissenschaftliche Verlagsbuchhandlung Harri Deutsch GmbH gegründet, die aber am 22. August 2013 endgültig geschlossen wurde. Seitdem werden die Räume von einer privaten zweisprachigen Kindertagesstätte nebst Kindergarten genutzt.

Ehemaliges Kino CAMERA, Gräfstraße 79[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Bockenheim, Gräfstraße 79, wurde nach zehnmonatiger Bauzeit am 18. Mai 1956 in der Nähe der Universität das Kino CAMERA des Architekten Heinz Junker mit 564 Plätzen eröffnet. Bereits 1960 musste der Spielbetrieb eingestellt werden.[177] Lange Zeit wurde das Gebäude als zusätzlicher Hörsaal und Lehrraumgebäude durch die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität als neuer Eigentümer genutzt. Ab dem Jahr 1987 wurde mit immensem personellem Aufwand einmal im Semester vom Verein „Pupille & Schöne Neue Welt“ das von der Uni genutzte ehemalige Kino Camera umgebaut, um zu einem festen Themenkomplex ein bis zwei Wochen lang Filmwochen als Film- und Diskussionsreihe zu veranstalten. Für die Programme bekamen die Veranstalter 1992 für die „hervorragende[n] Leistungen beim Abspielen von künstlerisch wertvollen Filmen“ den Frankfurter Filmpreis verliehen.[178] Der Plan, gemeinsam mit der Universität und öffentlichen Mitteln den Kinosaal der CAMERA zu Filmvorführungen für die Studenten der Theater-, Film- und Medienwissenschaft (TFM) wiederzubeleben, scheiterte, als das Hessische Wissenschaftsministerium eine Finanzierungszusage zurückzog.[179] Auch wurden hier Schulung durchgeführt. Nach Eigentümerwechsel wurden dann von einem Architekturbüro der ehemalige Kinosaal mit einer Zwischendecke geteilt, zusätzlich Fenster eingezogen und das Gebäude um eine Penthouse-Etage erhöht. Bei der Renovierung wurde bewusst einiges vom alten Kino bewahrt, so die markanten Treppenaufgänge und auch die Neonschrift CAMERA. Von außen ist daher das Gebäude als ehemaliges Kino durchaus noch erkennbar. Neuer Eigentümer dieser Liegenschaft Gräfstraße 79 wurde zuletzt die Frankfurter Geschäftsstelle des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz.[180]

Ehemalige Optische Werke Dr. R. Krügener, spätere Plaubel & Co., Königstraße 66[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurt-Bockenheim Dr.R. Krügener Camera.jpg
Frankfurt-Bockenheim, Optische Werke Plaubel-Logo.jpg

In Frankfurt-Bockenheim, Königstraße 66, die man später in Gräfstraße umbenannte, wurden vor dem Ersten Weltkrieg die Optischen Werke Dr. Rudolf Krügener gegründet. Laut Werbeanzeige war sie 1905 mit 300 Arbeitern die größte Spezialfabrik photographischer Hand-Kameras im deutschen Kaiserreich. Der das Unternehmen fortführende Schwiegersohn Hugo Schrader des Firmengründers Dr. R. Krügener nannt die Firma dann in Optische Werke Plaubel & Co. um. Der Enkel des Firmengründers Goetz Schrader verlegt nach Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg das Unternehmen nach Rödelheim, Rödelheimer Landstraße / Ecke Ludwig-Landmann-Straße. Mit der Entwicklung und Produktion der analogen Kamera, besonders mit dem Modell MAKINA, wurden die Optischen Werke Plaubel & Co. zu einer Weltmarke, besonders im Profisekmentbereich. Das Aufkommen der digitalen Fototechnik führte zum Ende des Unternehmens. Der Standort wurde in den 1980er-Jahren nach Firmenverkauf aufgegeben. Die Firmengebäude wurden niedergelegt und das ehemalige Firmengelände mit einer großen Wohnanlage neu bebaut. Eine neu in Frankfurt gegründete Plaubel GmbH, bietet bei der Ersatzteilbeschaffung und Reparaturen ehemals produzierter Plaubel-Produkte ihre Unterstützung an.

Ehemalige Uhrmacher-Werkzeug-Fabrik Lorch, Schmidt & Co. GmbH, Königstraße 40[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorch, Schmidt & Co.

Die Frankfurter Uhrmacher-Werkzeugfabrik wurde ca. 1880 von Fritz Lorch, Frankfurt, Scheffeleck, und weiteren Gesellschaftern gegründet und zunächst in der Hanauer Landstraße 135-137 angesiedelt. Später zog die Firma um nach Bockenheim in die Königstraße 40, der heutigen Gräfstraße. Die Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt bewahrt mehrere Druckwerke von und über die Firma, besonders deren Geschichte von 1885 bis 1950 auf. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, wurde auf dem ehemaligen Firmengelände der mehrstöckige sogenannte Matheturm für das Institut für Mathematik (heute Fachbereich 12) der Goethe-Universität, Robert-Mayer-Straße 5-10, Ecke Grafstraße 38, errichtet. Die traditionsreiche Firma Lorch nahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Produktion von Drehbänken in der Hanauer Landstraße 135-137 wieder auf, wobei sich das Firmengelände bis zur Ferdinand-Happ-Straße erstreckte. Ende der 60er Jahre stellte sie dort den Betrieb wegen sinkender Nachfrage ein und suchte Mieter für die Firmenimmobilie. Von 1984 bis 1989 stand die Liegenschaft leer. 1989 zogen, wie in dem EMDA-Haus der benachbarte Zahntechnikfirma Emda, Betriebe aus der Werbebranche und Künstler ein.

Der Bockenheimer Unternehmer Georg Hartmann (1870–1954) hatte die EMDA „Elektro-Medico-Dental-Apparatur“ als weiteres Unternehmen als eine Spezialfabrik für elektro-medizinische und zahnärztliche Apparate gegründet, die auch im Bereich der Feinmechanik tätig war. Nach Umzug der EMDA-Produktion von Zahnarztstühlen in die Kaiserleistraße 19 startete in deren geräumter Liegenschaft zeitweise der legendäre Musikclub Omen. Auch jetzt werden Teilbereiche des EMDA- und Lorch-Hauses zur Miete angeboten. Zahlreich finden sich auch noch Anbieter gebrauchter Drehmaschinen und Werkbänke der Firma Lorch, Schmidt & Co. GmbH auf dem Markt.

Ehemalige Pumpenfabrik J.Walter & Co., gegründet 1873 in Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurt-Bockenheim-J.WALTER & Co..jpg

Antiquarisch hat sich die Patentschrift Nr. 17675 des Kaiserlichen Patentamtes für eine Neuerung in der Befestigung von Pumpenventilen erhalten. Patentinhaber war J. Walter, Frankfurt am Main – Bockenheim. Patentiert am 31. Juli 1881

Ehemalige Firma Oel-Industrie Heinrich Rudolph, Falkstraße 82a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falkstraße 82a

Heinrich Rudolph gründete 1894 die Firma Oel-Industrie Heinrich Rudolph für Schmierstoffe aller Art. Ansicht des historischen Firmengeländes auf firmeneigenem Briefkopf vom 2. November 1909. Dieser Mineralgroßhandel mit Niederlassung in Hamburg räumte später dieses Betriebsgelände und zog nach Frankfurt-Fechenheim, Sontraer Straße. Dieser Grund und Boden wurde dann überwiegend mit Wohngebäuden entlang der Falk-, Markgrafen- und Sophienstraße bebaut. Das im Vordergrund skizzierte Wohn- und Geschäftshaus mit dem markanten Fassadenteil eines Fenstererkers als Schmuck- und Gliederungselement in der Falkstraße hat die Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs überdauert, wurde saniert und ist aktuell bewohnt. Laut beim ISG Frankfurt aufbewahrter Rechnung vom 20. Juni 1949 betrieben in diesem Haus später die Gebrüder Ruths eine Großhandlung für Wasch- und Putzmittel, Toilettenartikel und Bürstenwaren.

Im Hintergrund links auf der Zeichnung des Briefkopfes wurde der später niedergelegte Bockenheimer Wasserturm auf der Ginnheimer Höhe dargestellt. Er wurde als Überlaufbehälter von der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim zur Gewährleistung des Wasserdrucks errichtet. Schräg gegenüber auf der Falkstraße 71 wurde 1876 die Falkschule, später in Franckeschule umbenannt, erbaut.

Ehemaliges Restaurant Weinhaus Falkenberg, Falkstraße 72-74[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurant Weinhaus Falkenberg, Falkstraße 72-74
Nachkriegsbebauung Falkstraße 72-74

Philipp Gaul eröffnete das Restaurant Weinhaus Falkenberg, Falkstraße 72-74. Laut ISG Frankfurt hatte Philipp GAUL und Mina GAUL 1931–1933 auch eine Wirtschaftserlaubnis bzw. Konzession zum Kleinhandel mit Spirituosen für einen Weinkeller mit Verkaufsraum für die Seilerstraße 25/Ecke Klapperfeldstraße und eine für die Stiftstraße 30. Das Restaurant Weinhaus Falkenberg stand auf einem Teil des ehemaligen Betriebsgeländes der Firma Oel Heinrich Rudolph in unmittelbarer Nachbarschaft des den Krieg überdauerten Wohn- und Geschäftshauses Rudolphs. Der vom Geschäftsinhaber Philipp Gaul Frankfurt gewählter Lokalname Restaurant 'Weinhaus Falkenberg' war u. a. eine Hommage an die damals, besonders in der Kaiserzeit, deutschlandweit berühmte Weinabteilung im Ratskeller im Roten Rathaus in Berlin-Mitte, Inhaber Heinrich Falkenberg. 1929 wurden 60 JAHRE BERLINER RATSKELLER (1862–1929) mit einer Jubiläumsschrift gefeiert, in der seine Ursprünge und seine Geschichte dargestellt wurden. Im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Berliner Straße 150, betrieb auch um 1905 ein Eduard Falkenberg sein 'Restaurant Falkenberg'. In Frankfurt, gegenüber der Falkstraße 71, befindet sich, auch heute noch, das 1876 errichtete Gebäude der Franckeschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die durch Fliegerbomben beschädigte Immobilie des Weinhauses Falkenberg verändert als Bürogebäude wiederaufgebaut.

Ehemaliges Diakonissenheim Bockenheim, Falkstraße 35[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falkstraße 35 (um 1900)

Am 1. Februar 1876 wurde in der Stadt Bockenheim ein Verein gebildet, um Diakonissen zu berufen, die die Krankenpflege sowohl in der Gemeinde Bockenheim als auch im Krankenhaus ausüben sollten. Der Verein nannte sich Bockenheimer Diakonissenverein. 1890 wurde mit dem dreistöckigen Backsteinbau mit ausgebauten fünf Mansardenzimmern begonnen. Im ersten und zweiten Stock befand sich insgesamt Platz für 20 Krankenbetten, wobei nur die Zimmer der ersten Klaase einen eigenen Waschtisch hatten, die der zweiten Klasse teilten sich jeweils einen Waschtisch am Flurende. Für die hier pflegenden Diakonissen waren die fünf Mansardenzimmer vorgesehen. Vor der Einweihung dieses Hauses wurden das vollständige Fehlen einer Heiz- und Gasversorgung bemerkt. Der Bockenheimer Unternehmer und Mitglied des Vorstands des Bockenheimer Diakonissenverein Julius Wurmbach (1831–1901) spendete Öfen und deren Einbau. Am 5. Juli 1891 erfolgte u. a. in Anwesenheit des Bockenheimer Bürgermeisters Adalbert Hengsberger (1853–1923).

1912 wurde in der Nachbarschaft in der Markgrafenstraße, zwischen Falk- und Wurmbachstraße, die evangelische Markuskirche erstellt, deren Namensnennung auch vom Diakonissenkrankenhaus Bockenheim adaptiert wurde. So führte der Vereins seit 1928 den Namen: „St. Markus-Krankenhaus des Bockenheimer Diakonissenvereins“. Mit Hilfe der Stadt Frankfurt am Main und der im Gemeindeverband der evangelisch-lutherischen und evangelisch -unierten Kirchengemeinden in Frankfurt am Main zusammengeschlossenen Kirchengemeinden hat der Verein in den Jahren 1955 bis 1958 das St. Markus-Krankenhaus in der Wilhelm-Epstein-Straße in Frankfurt am Main errichtet. Der Verein hat angesichts der Erweiterung seines Aufgabengebiets den Namen „St. Markus-Krankenhaus Verein für Krankenpflege und Diakonie in Frankfurt am Main (Gegründet 1876 als Bockenheimer Diakonissenverein)“ eingetragen.

Entsprungen aus der historischen Quelle des Bockenheimer Diakonissenverein entstanden die beiden Klinikstandorten AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS und das AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS Teil der AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN, die mit ihren zwölf Fachbereichen, vier Instituten, mehreren Kompetenzzentren und 680 Betten zu Frankfurts wichtigsten Kliniken zählen.

Die AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN sind wiederum Teil der die AGAPLESION gemeinnützige AG (gAG), Ginnheimer Landstraße 94, einer der größten Gesundheitskonzerne in Deutschland mit inzwischen mehr als 100 Einrichtungen.[181] Die beiden größten Geschäftsbereiche der AGAPLESION gemeinnützige AG sind Krankenhäuser sowie Wohn- und Pflegeeinrichtungen. darunter 23 Krankenhausstandorte mit über 6.300 Betten, 35 Wohn- und Pflegeeinrichtungen mit mehr als 3.000 Pflegeplätzen und zusätzlich 800 Betreuten Wohnungen, vier Hospize, 34 Medizinische Versorgungszentren, 15 ambulante Pflegedienste und eine Fortbildungsakademie.

Die christliche Identität der Unternehmen soll bereits im Namen AGAPLESION zum Ausdruck kommen, der sich aus dem altgriechischen „agapéseis tòn plesíon“ (Liebe den Nächsten, Markus-Evangelium, Kapitel 12, Vers 31) herleitet.

Ehemaliger Rheingauer Hof, Adalbertstraße 16[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheingauer Hof 1906

Das ehemalige Gebäude des Gasthauses „Zum Rheingauer Hof“ in der Adalbertstraße 16 (Nordseite) entstand bereits zwischen 1823 und 1840 in der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim in Kurhessen. Entsprechend der damaligen Zeit wurde das Gebäude mit einem auffallenden Giebelschmuck versehen. Höhepunkt was das Akroterion als Architekturelement der Bekrönung des Giebelfirstes sowie zahlreiche Vasen und natürlich auffallende Voluten an den Giebelecken. Die Liegenschaft lag vormals mit ihrer Straßenfront an der Straße Schöne Aussicht. Diese wurde zu Ehren des letzten Bürgermeisters Adalbert Hengsberger (1853–1923) nach der Eingemeindung von 1895 in Adalbertstraße umbenannt. Hinter dem Gasthausgebäude gab es noch einen Gartenlokalbereich sowie ergänzende Gebäude wie Kegelbahn, Apfelwein-Kelterhaus und ein Vereinssaal für Veranstaltungen. Nach historischen Dokumenten der ISG Frankfurt am Main veranstaltete hier z. B. am 11. Februar 1893 die Bockenheimer Turngemeinde einen Maskenball. Auch fand, gemäß Auszug aus der Allgemeinen Deutschen Lehrerzeitung 1896, im Rheingauer Hof die 28. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Kurhessens statt. Nach dem Stadtchronisten Heinrich Ludwig wurde das Gasthaus 1830 erbaut, 1832 weiterverkauft an Herrn Bücking, 1839 an Jean Pierre Jansen. 1857 entstand der Saalbau als Hinterhaus. 1882 erwarb den Rheingauer Hof zeitweise der Rheinische Actien-Verein für Weinbau und Weinhandel Dilthey, Sahl & Co. als Hotel Kräusel. Zu den Gründern dieser 1867 errichteten Gesellschaft gehörte Theodor Dilthey (1865–1867)[182] aus einer der größten Rheingauer Weinhändlerfamilien und Erster Präsident der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer. In den 1880er Jahren entwickelte sich die Gesellschaft zum Hoflieferanten des Kaisers von Österreich sowie des russischen Zaren. Um 1900 kaufte den Rheingauer Hof der Hotelier Jean Zobel, daher auch der Name Hotel Zobel. 1935 war seine Tochter A. M. Zobel noch Firmeneigentümerin. Während der Arisierung wurde sie zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Zwangsarbeiter für die Hartmann & Braun AG einquartiert. Fliegerbomben zerstörten das Gebäude 1944. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht hier ein Wohn- und Geschäftshauskomplex mit Tiefgarage, dessen Einfahrt den Standort der untergegangenen Immobilie markiert. Antiquarisch werden noch historische Ansichtskarten vom Rheingauer Hof angeboten.[183]

Ehemalige Kunstglasmälerei Witthuhn & Co., Adalbertstraße 12[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Adressbuch Deutschlands der Glasindustrie von 1925, betrieb die Firma Witthuhn & Co., Adalbertstraße 12, hier eine Kunstglasmälerei, die sich auf Glasmalerei und Kunstverglasung in Blei und Messing spezialisiert hatte.

Auf dem durch Bomben zerstörtem Grund und Boden der ehemaligen Kunstglasmälerei Witthuhn & Co., Adalbertstraße 12, erbaute erst 1984 die DG Immobilien das Gebäudeensemble der „Ladengalerie Bockenheimer Warte“. Mitte 2018 wurde nach 34 Jahren Besitz die Ladengalerie von der DG Immobilien an ein Family Office eines Frankfurter Privatinvestors verkauft.

Ehemalige Apotheke AN DER BOCKENHEIMER WARTE, Adalbertstraße 6 b[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Apotheke warb damals mit den Begriffen Allopathie und Homöopathie. Nicht nur die Geschäftsräume dieser Apotheke wurde 1944 durch Fliegerbomben weitflächig zerstört und in der Nachkriegszeit nicht wieder aufgebaut. Erst 1984 errichtete die DG Immobilien hier ein großflächiges Gebäudeensemble namens Ladengalerie Bockenheimer Warte einschließlich Ladengeschäfte sowie 152 Wohnungen.

2018 wurde dieser Liegenschaft an einen Frankfurter Privatinvestor verkauft. Spuren der Apotheke AN DER BOCKENHEIMER WARTE sind nicht mehr vorhanden.[184]

Ehemaliges Café Bellevue an der Bockenheimer Warte, Frankfurter Straße 1 (später Leipziger Straße 1)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Straße 1

Der Name Café Bellevue an der Bockenheimer Warte resultierte 1895 aus der Eingemeindung der selbständigen Stadt Bockenheim in die Stadt Frankfurt am Main. Die Frankfurter Straße wurde in Leipziger Straße umbenannt, so wie aus der Straße Zur schönen Aussicht die Adalbertstraße wurde. Das vormalige Wein-Café Stadt Bockenheim wurde in Café Bellevue umbenannt. Später wechselten die Mieter; so betrieb hier u. a. die Wäscherei Röver eine Filiale, später folgte eine Filiale der „Deutschen Bank“ als Mieter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Liegenschaft 1944 durch Fliegerbomben unbewohnbar. Es folgte ein eher behelfsmäßiger Aufbau, wobei sich in der Teilruine ein Nachtlokal namens BB-Club etablierte, eine Konkurrenz zum Nachtclub Ellis Elliot in der Varrentrappstraße.[185] Zeitweise werden antiquarisch noch Programmhefte des BB-Nachtclubs angeboten. In den 1980er Jahren erwarb eine Investmentgesellschaft hier umfangreiche Grundstücke und ließ eine große Wohnanlage mit Ladenpassage, Arztpraxen, Tiefgaragen etc. errichten. wobei der ehemalige markante Eckturm in stilisierter vereinfachter Form quassi als Zitat wieder errichtet wurde. Aktuell betreiben mehrere Gastronomiebetriebe als Mieter im Erdgeschoss auf dem historischen Grund ihr Gewerbe.

Auf dem historischen Foto sieht man einen Pferdebahnwagen mit Zugpferd als Teil der Frankfurter Trambahn-Gesellschaft. Die erste Pferdebahn-Linie wurde am 19. Mai 1872 für den Personenverkehr eröffnet und führte vom Schönhof über die Leipziger Straße, Bockenheimer Landstraße und Bockenheimer Thor (heutiger Opernplatz) zur Hauptwache.

Ehemalige Firma Friedrich Deubel Eisenwaren, Leipziger Straße 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich bebaut durch den Gründer der Bockenheimer Firma Friedrich Deubel, Spezial-Geschäft für Baubeschläge, Eisenwaren en gros und en detail, Maschinenlager, Werkzeuge, Oefen und Herdein der Frankfurter Straße 4, der späteren Leipziger Straße 4. Das ISG Frankfurt bewahrt Geschäftsbriefe und Rechnungen der Firma Deubel mit der Stadt Frankfurt von 1885 auf. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs war sie nicht nur im Stadtteil Bockenheim ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Vom Wohlstand der Familie Deubel zeugt auch heute noch die aufwendige und große Familiengrabstätte auf dem Neuen Friedhof Bockenheim.

Nach großen Kriegsschäden durch Fliegerbomben 1944, wurde die Immobilie der Firma Deubel verändert wiederaufgebaut. Ein mehrstöckiges Vorderhaus als Geschäfts- und Wohnhaus mit Durchgang zum Hinterhaus, in dessen Ladengeschäft Werkzeuge und Eisenwaren auch en detail, unverpackt und in Kleinstmengen verkauft wurden. Immer mehr wurden dann von Mitbewerbern Eisenwaren vorportioniert und verpackt angeboten. Auch begann der Siegeszug der Baumärkte. In den 1980er Jahren stellte sich für die Firma akut die Nachfolgefrage mit dem Ergebnis, den Geschäftsbetrieb, auch wegen fehlender Zukunftsaussichten, aufzugeben. Man fokussierte sich auf die Immobilienverwaltung. Neuer Mieter wurde ein Fahrradhandel und -werkstatt. Seit deren Auszug betreibt im Hinterhaus ein Gastronomiebetrieb seine Geschäfte.

Am Sonntag, den 5. Februar 2017, gab es in Bockenheim im und vor dem Lokal Lilium, ehemals Firma Deubel, eine Massenschlägerei zwischen gewaltbereiten Menschen. Die Ursache war ein Fußballspiel zwischen der Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt. Ein massiver Polizeieinsatz mit vorläufigen Festnahmen beendete den Gewaltausbruch.[186]

Ehemalige Filiale der Textilhandelsfirma Hermanns & Froitzheim, Leipziger Straße 13[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakatentwurf von Julius Klinger (1910). Ein großer Vogel, ein Tukan, hält mit seinem langen Schnabel vier Krawatten.

Die Firma Hermanns & Froitzheim, Herren- und Damenbekleidung, hatte neben dem Hauptstandort in Frankfurt/Main, Zeil 93 auch Filialen in der Leipziger Straße 13[187] sowie u. a. in Höchst am Main und Gießen.

Es gab auch zahlreiche Filialen im ganzen Deutschen Reich, wie z. B. in Bonn (Markt 27), Hamburg (Neuer Wall 52), Wuppertal, Berlin, Köln (Hohestraße 65), Aachen (Kapuzinergraben 5) und Magdeburg. Das notwendige Expansionskapital wurde aber nicht von einer Person und/oder einer Familie gestellt. Vielmehr hatten zahlreiche sogenannte Filialen oftmals eigene Eigentümer, die nach außen unter dem einheitlichen Firmennamen Hermanns & Froitzheim auftraten. Gerne beschäftigte das Unternehmen für ihre Werbemaßnahmen[188] anerkannte Künstler wie Julius Klinger (1876–1942), der mit Ehefrau Emilie 1942 nach Minsk verschleppt und dort ermordet wurde.

Im November 1938, sieben Jahre vor Kriegsende, wurden zahlreiche Geschäfte des Unternehmens flächendeckend im Deutschen Reich geplündert und teilzerstört. Nach den vom ISG Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main aufbewahrten Fotos, kam es am 9. November 1938 im Verlauf der Reichskristallnachtauch in Frankfurt am Main, Zeil 93 an den Schaufenstern des jüdischen Bekleidungsgeschäftes Hermanns & Froitzheim zu antisemitischen Schmierereien. Diese wurden mit Parolen und Davidsternen in weißer Farbe beschmiert, wie u. a. „Talmud-Gauner“, „Jud“; „Dreckjude“, „Sau“, „Talmud-Jude“. Wenig später wurde die Firma zwangsweise arisiert.

So verkaufte z. B. Rosa Lazarus geb. Cahn, der das Herrenkonfektionsgeschäft „Hermanns & Froitzheim“ in Essen gehörte, 1938 ihr Geschäft und emigrierte mit ihren beiden Töchtern und deren Familien über die Niederlande in die USA.[189] Eigentümer der Aachener Filiale Hermanns & Froitzheim wie die Katzensteins aus Aachen hatten andere Schicksale und wurden ermordet.[190][191]

Durch Kriegsschäden und Nachkriegsbebauung wurden alle Spuren des ehemaligen Bekleidungsgeschäftes Hermanns & Froitzheim in der Frankfurt, Zeil 93 und der Leipziger Straße 13 beseitigt. Heute befindet sich auf der Zeil 85-93 ein stylische urbaner Nachtclub. In der Leipziger Straße 13 betreibt in einer nach Bombentreffern neu erbauten Immobilie ein Sanitätshaus seine Geschäfte. Spuren der Bockenheimer Filiale der Firma Hermanns & Froitzheim sind in der Leipziger Straße 13 nicht mehr vorhanden.

Ehemalige Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik Gebrüder Seck, Frankfurter Str., nachmalig Leipziger Str.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

W.Seck & Co. Maschinenfabrik Oberursel
Vormals Gebrüder Seck Dresden

Nach Dokumentation des ISG Frankfurt beantragten 1866 der Ingenieur Friedrich Julius Henckel aus Kassel und der Kaufmann Wilhelm Seck aus Westerburg beim Magistrat der Stadt Frankfurt die Erlaubnis zum Betreiben eines Handelsgeschäfts für Getreideschälmaschinen namens „Henckel & Seck“ in Frankfurt. Laut Adressbuch der Stadt Frankfurt wohnte 1866 Wilhelm Seck damals in der Bockenheimer Landstraße 175.

Zwei Jahre nach der erfolgten preußischen Okkupation Kurhessens im Jahr 1866, betrieb ab 1868 der Fabrikant Wilhelm Seck (*N.N. +1896) mit seinem Bruder in der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim im ehemaligen Kurhessens die Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik Gebrüder Seck. Sie produzierten vor allem Walzenstühle, die damals die jahrhundertelang üblichen Mahlgänge in den Getreidemühlen ablösten. Wilhelm Seck war seit 1869 u. a. Patentinhaber einer Grießputzmaschine , dokumentiert u. a. vom Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg. In seiner Bockenheimer Chronik dokumentierte Hermann Ludwig zeitweise eine Mühlenbau-Produktionsstätte der Familie Seck in der Frankfurter Straße 3 und 5, der nachmaligen Leipziger Straße, nahe der damaligen Stadtgrenze zu Frankfurt am Main.

Ein SpecialBericht über die Maschinen und Geräthe der internationalen Industrie und landwirth-schaftlichen Ausstellungen zu Stettin und Cöln im Mai und Juni 1865 schrieb u. a.: Eine neue Erfindung von der höchsten Wichtigkeit ist die Getreideschälmaschine von Henckel & Seck in München. Diese Maschine befreit das Getreide vollkommen vom Kern umgebenden Holz-faserhülle, ohne die Körner zu zerbrechen oder zu beschädigen. Nicht nur, dass hierdurch der Mahl-process bedeutend vereinfacht wird, werden auch die Qualitäten der verschiedenen Mehlsorten um Vieles verbessert, weil die das Mehl dunkel färbenden Holzfasern früher ausgeschieden sind. Die Aus-beute an feinem Mehl wird viel grösser, namentlich werden, wie durch Versuche constatirt ist, fast doppelt so viel feinste Sorten erzielt. So liefert eine gewöhnliche Mühle aus geschältem Weizen ca. 43 Prozent Mehl Nr. 0 und 1, während ungeschälter Weizen ganz gleicher Qualität auf derselben Mühle nur 24 Prozent Nr. 0 und 1 ergab. Im Ganzen werden aus geschältem Weizen 7 Prozent Mehl mehr, als aus ungeschältem gewonnen[192].

Für ihre sich erweiternde Produktion errichteten die Firma Gebrüder Seck bald eine zweite Produktionsstätte im Urselbachtal in Oberursel /Taunus.

1892 gründete am gleichen Ort Wilhelm Seck noch eine weitere Produktionsstätte namens Motorenfabrik W. Seck & Co. u. a. für den von seinem Sohn Willy Seck (*1868 +1955)[193] konstruierten Petroleummotors namens GNOM, ein Einzylinder-Viertaktmotor ohne Nockenwelle[194]. Gebaut wurden hier fortan im weiteren Zeitablauf u. a. Gas-, Otto-, Glühkopf- und Dieselmotoren für Automobile, Lokomotiven und sogar Flugzeuge. Die Flugmotoren entstanden in Zusammenarbeit mit einem französischen Unternehmen und brachten es bereits auf eine Leistung von bis zu 100 PS. Später gehörten auch Lokomobile und Motorlokomotiven zur Produktpalette von Oberursel. Einen Bahnanschluss erhielt das Werk 1899. Nach Tod von Wilhelm Seck (*N.N, +1896) und dem 1898 vollständigem Ausstieg der Familie Seck aus der Firma, wurde das Unternehmen in die Motorenfabrik Oberursel AG umbenannt. Sohn Willy Seck blieb auch seinem Ausscheiden aus der Motorenfabrik Oberursel dem Motorenbau sein Leben lang verbunden. Er starb 1955 verarmt in Berlin.

Die Gründung der „W. Seck & Co.“ in Oberursel vom Bockenheimer Fabrikanten Wilhelm Seck[195][196] im Jahr 1892 bleibt aber der Anfang für das 125-jährige Bestehen der damit weltweit ältesten Produktionsstätte für Motoren und damit die Ursache für den High-Tech-Standort von Rolls-Royce Deutschland zur Produktion der modernsten Komponenten für die wirtschaftlichsten Triebwerke der Welt.

Kurz nach dem Sieg im deutsch-französischen Krieg und Bildung des deutschen Kaiserreichs, gründeten Heinrich Blumenthal (1824–1901), der umtriebige Wilhelms Seck und den Brüdern Christian und Emil Seck im Jahr 1873 in Darmstadt, Blumenthalstraße 24 im Großherzogtum Hessen-Darmstadt die eigenständige Maschinenfabrik und Eisengießerei Gebr. Seck. Sie wurde zur zweitältesten deutschen Mühlenbauanstalt Gründer Christian Seck (9. Dezember 1841 bis 31. August 1882) war seit 1873 Patentinhaber einer Getreidetrockenmaschine.[197] Diese sog. Gründerzeit kennzeichnete die damalige industrielle Revolution, in der im produzierenden Sektor ein enormer Rückgang der handwerklich produzierenden Manufakturen festzustellen war. Vieles wurde mechanisiert und automatisiert. 13 Jahre nach Darmstädter Gründung im Jahr 1873, verlegte Wilhelm Seck 1886 den größten Teil seiner Bockenheimer und Oberurseler Mühlenbau-Produktionen nach Darmstadt. Bis zur späteren Gründung der „W. Seck & Co.“ im Jahr 1892 in Oberursel stand das Oberurseler Werk des Wilhelm Seck fast leer. Nach 24 Jahren fortlaufender Betriebstätigkeit wurde im Jahre 1897, ein Jahr nach dem Tod von Wilhelm Seck 1896, die Maschinenfabrik und Eisengießerei Gebr. Seck von der Maschinenfabrik und Mühlenbau G. Luther in Braunschweig übernommen.[198] Der Darmstädter Produktionsort wurde geschlossen. Mühlenbau G. Luther führte unter dem Firmennamen „vormals Gebrüder Seck“ ihre Dresdener Niederlassung weiter[199]. Ausführliche Literatur hierzu siehe auch Helmut Hujer; 125 Jahre Motorenfabrik Oberursel – 1892 bis 2017; Eigenverlag Usingen

Ehemalige Basic Filiale Leipziger Straße 11–11c[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Str. 11–11c

Das ursprüngliche Vermietungskonzept der 1984 fertiggestellte Bockenheimer Ladengalerie mit kleinen aber hochpreisigen Mieteinheiten wurde so nicht angenommen. Deshalb erfolgte eine Neukonzeption einschließlich Umbauarbeiten mit Vermietungsangebot für großflächige Ankermieter. Um 2000 errichtete hier auf einer großen Teilfläche eine Filiale der 1997 in München gegründeten deutschen Handelskette Basic AG, deren Konzept der Verkauf biologischer Produkte auf großen Verkaufsflächen ist. Bald darauf erfolgte der Aufbau zweier weiteren Filialen der Basic AG im Stadtgebiet von Frankfurt am Main. Der Betrieb der Filiale Leipziger Straße 11–11c entsprach aber nicht den Erwartungen, zumal sich in mittelbarer Nähe die 1984 gegründeten Alnatura-Biosupermarkt-Kette einen ALNATURA Super Natur Markt mit 6000 Bioprodukten eröffnete.

2017 wurde der Mietvertrag beendet und die Basic AG gab ihre Filiale Leipziger Straße 11–11c auf.[200] Ende 2017 wurde die Vermietung von 1.160 qm Fläche an den Textildiscounter KiK veröffentlicht.[201]

Ehemalige Bockenheimer Stadtteilbibliothek, Leipziger Straße 13a[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aufwendige ehemalige Neubau der Stadtteilbibliothek im Innenbereich Adalbert-/Landgrafenstraße (Postanschrift: Leipziger Straße 13a) im Zuge des Baues der Bockenheimer Ladengalerie, ersetzte das vormaligen begrenzten Raumangebot der alten Bockenheimer Stadtteilbibliothek der Nachkriegszeit in der Großen Seestraße 25. 2003 musste nach einem Stadtverordnetenbeschluß aus Spargründen diese Stadtteilbücherei geschlossen werden. Nach starken Bürgerprotesten wurde sie mit reduziertem Angebot an anderer Stelle im Hinterhaus der Kurfürstenstraße 18 weiterbetrieben. Zwischen November 2004 und Dezember 2017 unterstützte Lese-Zeichen Bockenheim e. V. in einer Public Private Partnership mit der Stadt Frankfurt die Stadtteilbücherei BockenheimBibliothek materiell und personell. Beim laufenden Betrieb unterstützten in dieser Periode ehrenamtliche Mitglieder das städtische Personal bei der Ausleihe. Der Verein finanzierte und finanziert sich noch aus Mitgliedsbeiträgen und aus Spenden. Auch heute leisten einzelne Mitglieder des Vereins regelmäßig ehrenamtlich Arbeit mit Kindergruppen von Grundschulen und Vorschulkindern. Außerdem organisiert Lese-Zeichen Bockenheim e. V. eigene kulturelle Veranstaltungen in den Räumen der BockenheimBibliothek. Seit Anfang des Jahres 2019 bot sich die Chance, der Enge während der Öffnungszeiten durch ein etwas größeres Plartzangebot am selben Standort Abhilfe zu schaffen. Die Stadt Frankfurt nutzte diese Chance, so dass die BockenheimBibliothek im Laufe des Jahres 2020 in die neuen Räume an alter Stelle umgezogen ist[202].

Mit Unterstützung der Stadt Frankfurt und dem Verein für soziale Arbeit-Kinderwerkstatt Bockenheim e. V. wurde der aufwendige ehemalige Neubau der Stadtteilbibliothek im Innenbereich Adalbert-/Landgrafenstraße an den Verein „Spielraum im Stadtteil e. V. –Kinderladen“, Leipziger Straße 13a, vermietet. Dieser Verein betreibt für ca. 54 Kinder, aufgeteilt auf drei Gruppen, eine Kindertagesstätte mit Altersmischung für den Bereich Bockenheim.[203]

Ehemalige Gastwirtschaft Forell's Garten, Leipziger Straße 28–30[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Straße mit Eingang zu Forell’s Garten (1905)

An der vormaligen Frankfurter Straße, 1895 nach der Eingemeindung dann Leipziger Straße 28–30, heute Leipziger Straße - Ecke Wildunger Straße, eröffnete 1825 der zugezogene Peter Forell den Gasthof „Zum deutschen Hof“. Sein Sohn Christoph Forell heiratete 1851, übernahm den Gasthof und baute 1856 einen Fest- und Tanzsaal an sowie 1857 eine Kelter-Remise zur Herstellung eigenen Apfelweins. So entstand eine beliebte Gartenwirtschaft namens „Forell’s Garten“. Vor der Annexion Preußens 1866 fanden hier, in der selbständigen kurhessischen Stadt Bockenheim, Militärkonzerte der in der nahen freien Reichsstadt Frankfurt am Main stationierten Bundestruppen statt. Die Familie Forell hatte damals einen der schönsten Tanz- und Gesellschaftssäle im Großraum Frankfurt.[204] In der Zeit um 1896 übernahm, nach dem Tod des Vaters Christoph, dessen Sohn Hans Forell Gasthaus, Tanzsaal und Gartenwirtschaft.[205] Hier führten in den 1920er Jahren u. a. Professor Gottfried Salomon (1892–1964) mit seinen Frankfurter Studenten, u. a. mit Theodor W. Adorno und Walter Benjamin, in abendlichen Kolloquien lebhafte öffentliche Diskussionen.[206] Während der Wirtschaftskrise kaufte 1929 die damalige Bockenheim benachbarte Weltfirma die Liegenschaft zunächst als Grundstücksreserve. Der Zweite Weltkrieg zerstörte auch diese Liegenschaft. In den Aufbaujahren nach dem Krieg wurden die Wildunger Straße von der Hartmann & Braun AG geschlossen und Fabrikgebäude errichtet. Nach Aufgabe des Produktionsortes und völliger Produktionsverlagerung wurde auch auf diesem Grundstück ein mehrstöckiger Neubau errichtet. Er wurde nach Revitalisierung und Wiedereröffnung der Wildunger Straße als Eckbebauung errichtet. Das Erdgeschoss wurde als Ladengeschäft einer Reformhauskette vermietet. Der Bezug zu der vormals beliebten Gartenwirtschaft ist vollständig verschwunden. Nur auf dem Bockenheimer Friedhof zeugt eine aufwendige historische Familiengrabanlage der Familien Knodt und Forell, die unter Denkmalschutz steht, noch von dem Wirken dieser Familien in Bockenheim. Die Inhaber der ehemaligen Kunstgießerei und Metallwerke Knodt waren Nachbarn der Familie Forell. Beide Familien waren verwandtschaftlich verbunden.

Ehemalige Gebrüder Knoth Blech- und Metallwarenfabrik, Kunstgießerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgrafenstraße 8, ehemaliger Sitz der Gebrüder Knodt

Die Produktionsstätte dieser untergegangenen Firma befanden sich in der Landgrafenstraße 8. Vor seiner Eingemeindung 1895 gehörte Bockenheim den Grafen von Hanau, dann später den Landgrafen von Hessen-Kassel. Daher die Namensnennung. Vor 1895 nannte man sie Hasengasse, davor Erdmannsgasse. Sie verbindet die Leipziger Straße mit der Großen Seestraße. Früher hatten sich hier zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe angesiedelt. Seit 1847 ist hier Georg Knodt, Spengler aus Bönstadt, als Eigentümer des Hauses Landgrafenstraße 8 nachweisbar. Die Gebrüder Christian und Georg Knodt jun. betreiben hier dann die Blech- und Metallwarenfabrik Gebrüder Knoth. Erfolgreich war die Firma in diesen Jahren als vor allem als anerkannte Kunstgießerei. In Frankfurt hat sich das Uhrtürmchen am Standort Zeil/Sandweg als eine Arbeit des Unternehmens erhalten. Auch wurde die aufwendige gestaltete eigene Familiengrabstätte auf dem Bockenheimer Friedhof in die Denkmalsliste aufgenommen. Einige der zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges ausgegebenen Aktien der Metallwerke Knodt Aktiengesellschaft Frankfurt sind als Nonvaleur-Papiere auf dem Markt.[207] Diese Aktiengesellschaft wurde am 19. April 1920 gegründet. Zu den Gründern zählten unter anderem die Metallwerke G. Knodt GmbH, die Tellus AG für Bergbau- und Hüttenbetrieb sowie die Metallwalzwerke AG. Es wurde die Fabrik und das Handelsgeschäft der GmbH weitergeführt. Produkte: Eisenbahnlaternen,[208] Lokomotiv-Ausrüstungsgegenstände, Armaturen für Eisenbahn- und Waggonbau, Bade- und Heizapparate. Großaktionär war die Tellus AG für Bergbau- und Hüttenindustrie. Die Tellus AG[209] wurde 1906 als Holding gegründet mit zahlreichen Beteiligungen an: Metallwerke Unterweser AG, Friedrich-August-Hütte, Metallwerke Knodt AG, Emag Elektricitäts-AG, Norddeutsche Hütte AG in Bremen, Landwirtschaftliche Maschinenfabrik Eisenach, Hüttenwerk Niederschöneweide u. a. Am Ende der 1920er Jahre (Wirtschaftskrise) gingen fast alle o. g. in Konkurs, auch die Metallwerke Knodt AG. Nach 1945 war die Tellus AG nochmals als Kreditinstitut mit bankfremdem Geschäft tätig (Arbeiten auf dem Gebiet der chemischen Technologie). Die letzte Börsennotiz war im Jahr 1979, es folgte das Insolvenzverfahren und 1986 der Anschlusskonkurs. In unmittelbare Nachbarschaft der Landgrafenstraße 8 hat sich bis heute ein 1873 gegründeter metallverarbeitender Familienbetrieb erhalten. Eines der letzten erhaltenen Werke dieser Bockenheimer Metallwerke Knodt ist das sog. Uhrtürmchen an der Zeil, Standort Zeil / Sandweg. Es ist aktuell vom Untergang bedroht. Seit dem 21. November 2013 wird über eine überregionale Tageszeitung für Spenden zum Erhalt dieses Werkes geworben.[210]

Ehemalige Produktionsgebäude der Gebrüder Knoth Blech- und Metallwarenfabrik Kunstgießerei, Landgrafenstraße 8[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Produktionsgebäude (2015)

Die Gebrüder Christian und Georg Knodt jun. führten die seit 1840 bestehende Blech- und Metallwarenfabrik. Besonders erfolgreich war ihre Kunstgießerei. Der Erste Weltkrieg und seine wirtschaftlichen Folgen führten zum wirtschaftlichen Niedergang der bestehenden Firma. 1920 wurde die Metallwerke Knodt AG gegründet. Großaktionär war die Tellus AG für Bergbau- und Hüttenindustrie.[211] Die Produktion fokussierte man auf Produkte wie Eisenbahnlaternen, Lokomotiv-Ausrüstungsgegenstände, Armaturen für Eisenbahn- und Waggonbau sowie Bade- und Heizapparate, wie z. B. die KNODT-RAPID. Siehe hierzu eine historische Werbeanzeige, aufbewahrt vom ISG Frankfurt am Main; Bestandskürzel S7A1988/29.913. 1930 musste aber während der Weltwirtschaftskrise Konkurs angemeldet werden. Die ehemaligen Produktionsgebäude wurden von wechselnden Mietern unterschiedlich genutzt, meist als Lagerhaus, auch in der Nachkriegszeit. Durch die stark gestiegene Nachfrage nach bebaubaren Grundstücken um 2015, wurden ein Abriss und eine Neubebauung mit einer langgestreckten mehrstöckigen Wohnanlage für neun Wohnungen nebst Tiefgaragenplätzen mit 840 m² wirtschaftlich interessant und machbar. Der Zugang zur Wohnanlage erfolgt weiterhin durch den Eingang des Vorderhauses, Landgrafenstraße 8.

Ehemalige RADA Werkzeugfabrik, Landgrafenstraße 33, vormals Hasengasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgrafenstraße 33

Die Hasengasse nannte man 1829 ursprünglich Erdmannsgasse, nach dem ansässigen Unternehmer Georg Erdmann, der 1825/27 hier ein Gebäude errichtete und Gold ver- und bearbeiteten ließ. Erst 1838 wurde daraus die Hasengasse. Der Name Hasengasse bot sich durch eine hier domizilierte Hasenhaar-Schneiderei an. Anfang des 19. Jahrhunderts steigerte sich sehr stark der Bedarf an Hasenfellen für die neumodischen Hüte. Die Hasenfelle wurden geschoren und gerupft, das so gewonnene Haar wurde zu Filz für die Hutproduktion verarbeitet, namentlich für den Filz bei der Zylinder-Herstellung. Bei dieser schlecht bezahlten und gesundheitsschädigenden Arbeit behandelten junge arme Frauen die Felle zur leichteren Verarbeitung mit Chemikalien, die zu Atemwegserkrankungen und auch psychischen Störungen führen konnten. Berühmtestes Beispiel hierfür sei eine literarische Figur, nämlich der Verrückte Hutmacher aus Lewis Carrolls Roman „Alice im Wunderland“.[212] Ein ruinöser Wettbewerb, Modeschwankungen und die starke Umweltbelastung durch Gestank und Bodenbelastung führten letztlich zur Standortverlagerung.

Nach der Eingliederung Bockenheims in die Stadt Frankfurt 1895 wurde die Hasengasse erneut umbenannt, da es in Frankfurt bereits eine Hasengasse gab. Da vor der Eingemeindung Bockenheim den Grafen von Hanau und später den Landgrafen von Hessen-Kassel gehört hatte, benannte man sie fortan Landgrafenstraße. Georg Erdmann erlebte diese Umbenennung nicht mehr. Bereits 1882 erbten die Liegenschaft seine Tochter W. L. Mlisse Lopotsch, geborene Erdmann, und deren Ehemann Postsekretär Karl Matthäus Lopotsch. Der große, schöne Garten Erdmanns bzw. später Lopotschs, wurde nach 1900 parzelliert und mit drei Häusern bebaut. Das Gebäude Landgrafenstraße 29 kaufte W. Weißenbach, der es 1935 an R. Neumann weiterverkaufte. Die Liegenschaft Landgrafenstraße 31 ging an den Maurermeister A. Schober, später an den Frankfurter Beamten-Wohnungs-Verein eG, der hier 1904 ein Fünf-Familienhaus erbaute und diese Liegenschaft noch heute besitzt.[213] Die Liegenschaft Landgrafenstraße 33 ging an den Mechaniker J. A. Rada. 1935 war dann die Werkzeugfabrik Hermann Rada Eigentümer.[214] Das Familienmitglied Peter Rada schuf bereits vor den Weltkriegen den Produktionsbetrieb in Frankfurt-Rödelheim.[215] Auf dem 1,6 ha = 16.000 m² großen Grundstück ließ er unterschiedliche Produkte herstellen, wie z. B. Metallspielwaren-Bausätze.[216] Später fokussierte sich RADA als Spezialfabrik für Platten-, Filmkassetten und Fotozebehör.[217] Am nachhaltigsten waren die Entwicklung und Produktion von Rollfilm-Einsätzen für unterschiedliche Kamarahersteller,[218] die heute noch vereinzelt antiquarisch angeboten werden. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit dem weltbekannten Rödelheimer Kamarahersteller Plaubel, der die Rada Metallwarenfabrik später aufkaufte. Die ehemalige Fabrikantenvilla des Peter Rada ist heute im Eigentum der Stadt Frankfurt. In mehr als 40 Jahren wurde sie zum deutschlandweit bekannten, oftmals belagerten und umkämpften, selbstverwaltenden Jugendzentrum der Punkerszene.[219] Heute gilt es als das älteste, ununterbrochen besetzte Projekt für alternativen Lebensstil in Deutschland, europaweit bekannt als DIE AU mit Bauwagen-Park auf dem Gelände.[220] Die dominante Immobilie in der Landgrafenstraße 33 wurde im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben teilweise zerstört. Die benachbarten Häuser 35 und 37 wurden nach zerstörerischen Bombentreffern nach Kriegsende mit einer kleinen Wohnanlage neu bebaut. Von der nur teilbeschädigten Liegenschaft Landgrafenstraße 33 haben sich die imposanten mehrstockigen Erker in der Mitte des Hauses im Stil des Historismus erhalten. Das Dachgeschoss wurde verändert wiederaufgebaut. Noch heute bleibt die beeindruckende Straßenfront des Hauses. Spolien der ehemalige Produktionsanlagen sind weder hier in der Landgrafenstraße 33 noch in Rödelheim, In der Au 14-16, mehr vorhanden.

Ehemalige Kleiderwerke C. F. Schwarz Söhne OHG, Große Seestraße 46, vormals Große Sandgasse (Westseite)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Unterlagen des Bockenheimer Ortschronisten Heinrich Ludwig gehörte die Parzelle 1862 Anton Dieckmann. Um 1899 wurde darauf von dem Buchdrucker Oskar Kümmell das Gebäude errichtet, dessen Pläne sich im Institut für Stadtgeschichte (Frankfurt am Main) befinden (Kartensammlung ISG S8-9 Signatur 296). Seine Witwe E. Kümmell verkaufte 1927 die Liegenschaft an T. Schairer, der hier ein Kleidergeschäft betrieb. Ehemals war hier dann der Sitz der Kleiderwerke C. F. Schwarz Söhne OHG, die am 25. Januar 1953 ihr 80-jähriges Geschäftsjubiläum feierten (1873–1953).[221][222][223] Die Firma verlegte später ihren Geschäftssitz nach Frankfurt-Praunheim, An der Praunheimer Mühle 13. Auch berichtete die FR am 13. April 1978, dass in dieser Liegenschaft am 1. Mai 1976, im Jahr der Gründung des alternativen Stadtmagazins Pflasterstrand, eine Groß-WG als sogenannter Ort der Revolte gegründet wurde. Heute wird im Erdgeschoss des Hauses einen SB-Waschsalon betrieben.

Ehemaliges Parkgelände der zweiten Villa Rohmer, Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Park und Villa Rohmer vor Parzellierung und Straßenbau 1873

Die zweite Villa der durch Textilimporte aus Manchester vermögend gewordenen Familie Rohmer wurde auf einem später von ihnen ummauerten Gelände 1835 errichtet. Das Gelände erstreckte sich zwischen Frankfurter, Mittel-, Große Sandstraße und Hasengasse. Diese Straßennamen mussten durch die Eingemeindung von 1895 in Leipziger-, Kurfürsten-, Große See- und Landgrafenstraße umbenannt werden. Zahlreiche Mauerteile wurden zunächst sukzessiv durch entsprechende Randbebauung von Mehrfamilienhäusern ersetzt und verschwanden nach Parzellierung und vollständiger Bebauung ganz. Historisch haben sich einige Fotos mit Teilausblicken auf die damalige Parkbegrenzung erhalten. Der letzte Grundstückseigentümer Wilhelm Rohmer (* 13. Februar 1859 in Frankfurt; † 28. Februar 1912 in Meran) heiratete am 23. Juli 1896 Frau Helena (* 5. Dezember 1877 in Mexico; † 3. Oktober 1960) geborene de Chapeaurouge. Sie wurde in Mexico geboren, ihre Familie stammte aus der Schweiz, Familienzweige zählten später zum vermögenden Bürgertum von Hamburg. (Quelle: Bockenheim zwischen gestern und morgen, VHS Ffm, 1979/80, und Grabplatten auf dem Frankfurter Hauptfriedhof bei Gruft 46). Wilhelm Rohmer ist Namenspatron der Rohmerstraße und des Rohmerplatzes. Sein Frankfurter Wohnsitz war eine heute noch existierende Villa in der Zeppelinallee 69. Heute ist die Villa Sitz eines Industrieverbandes.

Die Villa diente im Krieg 1870/71 als Militärlazarett. Nach dem plötzlichen Tod des Wilhelm Rohmer, am 28. Februar 1912 an seinem Ferienort Meran, erbte die Stadt Frankfurt gemäß seinem Testament die gesamte Liegenschaft. Die Villa wurde abgetragen, das große Grundstück parzelliert und bebaut. Straßen wie Rohmer- und Greifstraße sowie der Rohmerplatz angelegt. Der Großvater Wilhelm Rohmers fand seine Ruhestätte (keine Gruft) auf dem alten Bockenheimer Friedhof in der späteren Solmsstraße. Der Stammvater der Bockenheimer Stifterfamilie, Johann Conrad Rohmer (* 19. März 1769 in Eltersdorf bei Nürnberg; † 25. November 1825 in Bockenheim), Bürger, Kauf- und Handelsmann der freien Stadt Frankfurt am Main, und seine Ehefrau Johanna Dorothea Sophia Barbara geborene Peters (* 1. Juni 1787 in Wennebostel in Hannover; † 13. November 1858) sind auf dem „alten“ Friedhof in der Solmsstraße beigesetzt.

Ehemalige Metalltuchfabrik Ratazzi und May, Kurfürstenstraße 12–14[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der historischen Mittelgasse 14, der späteren Kurfürstenstraße 12–14, lagen um 1844 die Anfänge der Firma Drahtweberei Metalltuchfabrik von E Joh. Heinr. Ratazzi und Heinrich May, Nachfolger der Drahtweberei Alex Roswag.[224] 1778 durch Elsässer aus Schlettstadt, heute Sélestat, gegründeten Tochterunternehmen. 1823 betrieb ein Roswag aus Schlettstadt bereits in Straßburg eine Metalltuchfabrik, in der Metallfäden zu Matten verarbeitet wurde.[225] Noch heute gibt es eine Rue Roßwag in Sélestat (Schlettstadt).[226] Nach der Annexion 1871 übernahmen Heinrich Ratazzi und Heinrich May das Unternehmen. Unter dem Namen Roswag’s Nachfolger Ratazzi & May hatten sie bis zu 40 Arbeiter. Sie produzierten vorwiegend Drahtflechtmatten aus Messing- und Eisendraht, u. a. für die Papierindustrie. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktionsstätte nach Schlüchtern verlegt. Dort errichteten dann die ehemaligen Lehrlinge Paul und Ruppel das heute noch bestehende weltweite Unternehmen PACO Paul GmbH & Co. KG-Metallgewebe und Filterfabriken,[227] das immer noch erfolgreich Metallmatten und Filter herstellt. Die teilzerstörte Produktion in Bockenheim wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgenommen. Die Straßenfrontfläche wurde mit Mehrfamilienwohngebäuden bebaut. Das Verwaltungsgebäude verfiel, wurde dann aber nochmals saniert und kurzzeitig von einer Gemeinde des Freikirchlichen Evangelischen Gemeindewerks genutzt. In die historischen Fabrikationsräume mit ihrer typischen Oberlichtverglasung zog später ein Bürofachhandel mit seinem Lager ein. Der Grundstückseigentümer ließ 2012 alles abreißen und ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgaragen als Hinterhaus auf dem ehemaligen Produktionsgelände errichten.

Mitte der 1970er Jahre entwickelte sich hier im sanierungsbedürftigen Hinterhof der Kurfürstenstraße 14/16 für eine kurze Zeit ein politisch linksorientiertes Kulturzentrum, auch genannt „das Häuschen“. Es gründete sich hier der nunmehr älteste Bio-Laden Frankfurts Die DISTEL. Auch entstand hier 1976 die Null-Nummer der Stadtzeitung Pflasterstrand.[228]

Ehemalige Fourage-Handlung Albert Straus, Kurfürstenstraße 20[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatforscher vermerken als Bauherr der Liegenschaft Kurfürstenstraße 20 von 1904 den Fuhrwerkbesitzer und Photograph Albert Straus. Das Gebäude lag in der Nachbarschaft der Metalltuchfabrik Ratazzi und May. Straus selbst warb auf seiner Hauswand für sein Gewerbe, der Fouragehandlung.[229] Unter Fourage[230] (Verbform: fouragieren), auch Furage oder Fouragierung (frz. fourrage) wird nach Wikipedia die veraltete militärische Bezeichnung für Pferdefutter: Hafer, Heu und Stroh; daher furagieren, Pferdefutter herbeischaffen, verstanden. 40 Jahre nach dem Bau wurde der Dachstuhl dieses Gebäudes im Zweiten Weltkrieg teilzerstört und später in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Der Fassade sieht man ihr Alter von 110 Jahren nicht an. Ein Sandstein mit Jahreszahl weist heute noch auf das Baujahr 1904 hin. Das ISG Frankfurt bewahrt Dokumente von 1938 bis 1939, die den erzwungenen Verkauf der Grundstücke Kurfürstenstraße 20 und Ludendorffstraße 104 (vormals Hausener Landstraße) der jüdischen Eigentümer Albert Strauss und dessen Ehefrau Melina Strauss an Arno Funk und dessen Ehefrau Margarethe, geborene Heuser, bzw. an Wilhelm Hühn und dessen Ehefrau Katharina, geborene Heppding, sowie die Ausbürgerung und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft wegen ihres Judentums durch den Magistrat der Stadt Frankfurt dokumentieren (Ausbürgerungsliste 275-326).

Ehemalige Stern-Apotheke Kurfürstenstraße 10, Ecke Große Seestraße 31[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Seestraße 31 (1906)

Noch in Zeiten der selbständigen Stadt Bockenheim wurde hier in der damalig zentralen Lage in der Nähe des 1869 neu erbauten Rathauses Bockenheims am Marktplatz, dem späteren Kurfürstenplatz, von 1876 bis 2004 die Stern-Apotheke betrieben. Etwa 70 Jahre nach ihrer Errichtung wurde die historische Eckbebauung 1944 durch Fliegerbomben zerstört. Wiederaufgebaut wurde nicht eine Rekonstruktion, sondern eine größere Wohnanlage, in deren Eckbereich sich die Stern-Apotheke wieder etablierte. Durch den rasanten Anstieg der Geschäftsakitivät in der Leipziger Straße, verbunden mit zahlreichen neuen Apotheken, verlor der Standort der Stern-Apotheke stetig an Zuspruch und damit die Stern-Apotheke an Umsatz. 2004 wurde die Stern-Apotheke geschlossen. Seitdem bietet in deren ehemaligen Räumen der private Verein AIDS-Aufklärung e. V. Beratung und Hilfe an.

König Umberto I. von Italien vor der Stern-Apotheke, Kurfürstenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Umberto I. von Italien am 25. Juni 1892 vor der Stern-Apotheke

Der 48-jährige König Umberto I. von Italien am 25. Juni 1892 in Bockenheim vor der 1944 zerstörten Stern-Apotheke in der Kurfürstenstraße, die damals, vor der Eingemeindung, noch Mittelstraße genannt wurde. Seit dem Besuch mit Ehefrau Margarethe, der Namensgeberin der Pizza Margarita, am kaiserlichen Hof zu Berlin zur Taufe der jüngsten Tochter Margarethes von Preußen (1872–1954) und des deutschen Kronprinzen im Juni 1872 hatte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen der hohenzollerischen und der savoyischen Dynastie entwickelte. Fünf Jahre nach diesem Besuch wurde im Jahr 1897 dieser König Umberto I. von Italien von Kaiser Wilhelm II. als öffentlicher Akt der Courtoisie zum Ehrenoberst und Regimentschef (ehrenhalber) des 1. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 13 ernannt, das von da an den Namen Husaren-Regiment König Humbert von Italien (1. Hessische) Nr. 13 trug. Die Regimentskaserne lag in Bockenheim. Am 29. Juli 1900 wurde dieser König in Monza ermordet. 1914 waren Deutschland und Italien Kriegsgegner.

Ehemalige Villa Heinrich Rohmer, Eckbau Kurfürstenstraße Große Seestraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eckvilla des Heinrich Rohmer (um 1903)

1863 ließ Heinrich Rohmer (* 3. Mai 1815 in Hamburg; † 20. März 1867 in Bockenheim), ältester Sohn des Johann Conrad Rohmers, diese zweistöckige Eckvilla mit ausgebautem Dachgeschoss auf dem verbliebenen großen Restgelände der Familie Rohmer an der Westseite des Rohmerschen Parkgeländes in der Mittelstraße Ecke Große Sandstraße, die 1895 nach der Eingemeindung Bockenheims in Kurfürstenstraße bzw. Große Seestraße umbenannt wurden, für sich umbauen. Vor dem Umbau durch Heinrich Rohmer, betrieb hier von 1844 bis 1863 ein A. Alexander seine Strohhutfabrik. Direkt gegenüber in der Kurfürstenstraße befand sich ein größeres, ebenfalls mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit der Stern-Apotheke. Nach dem Tod des 52-jährigen Heinrich Rohmer wurde das Gebäude bis 1875 als Korsettfabrik benutzt. Auf dem Bockenheimer Friedhof in der Solmsstraße hat sich sein Grabmal in Form einer Stele, einem Obelisk auf Würfelsockel erhalten. Leider wird auch dieses Grabmal ständig mit Graffiti–Schmierereien entwürdigt. Die Witwe Heinrich Rohmers, Frederike Karoline Rohmer geborene d'Orville (* 18. März 1833; † 22. Juli 1909) wurde schon nicht mehr neben ihrem Ehemann auf dem Friedhof Solmsstraße, sondern nach der Eingemeindung auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, in der dortigen Gruftenhalle 46, bestattet. 2012 nahm das Gartenbauamt der Stadt Frankfurt hier umfangreiche Sanierungsarbeiten vor. Im Zuge der Parzellierung und teilweise Neubebauung des vormaligen Parkgrundstücks der Familie Rohmer, wurde diese Eck-Immobilie 1905 abgerissen und durch eine große, heute noch bestehende Wohnanlage des Beamten-Wohnungsbau-Vereins eG (BMV) ersetzt.

Ehemaliges Mehrfamilienhaus Große Seestraße 43 / Ecke Rohmerstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfamilienhaus 1914–1971, im Hintergrund links die alte Post (1926)

Das oben links abgebildete Mehrfamilienhaus mit seinem ausgebauten Dachgeschoss und seinem Ladengeschäft im Erdgeschoss (Bildmitte) wurde 1914 auf einem Teilgrundstück des Parks der vormaligen Villa der Familie Rohmer errichtet. Zeitgleich mit dem Bau der Greif- und der Rohmerstraße, sowie Anlage des nunmehr öffentlichen begrünten Rohmerplatzes, entstand das Gebäude der Kaiserlichen Post Frankfurt-Bockenheim sowie zahlreiche privaten Mehrfamilienhäuser und Wohnanlagen. In diesem Postamt arbeitete auch anfangs der berüchtigte spätere Gauleiter im Gau-Hessen-Nassau Jakob Sprenger (1884–1945).

In unmittelbarer Nachbarschaft erbaute 1913 eine Genossenschaft auf dem Grundstücksbereich Kurfürstenstraße 13–25, Große Seestraße 33–39 und Rohmerstraße 22–30 eine mehrgeschossige, im Weltkrieg unbeschädigt gebliebene Wohnanlage als Blockrandbebauung. Das benachbarte Postgebäude wurde durch einen zentralen Bombentreffer im Dachgestühl teilweise, sein markanter Dachreiter sogar vollständig zerstört. Ca. 70 Jahre nach Erbauung, wurde 1971 dieses Mehrfamilienhaus niedergelegt und durch ein modernes mehrstöckiges Bürogebäude ersetzt. Der Bauherr und Eigentümer dieses Neubaus von 1971 war damals die Deutsche Bundespost; sie brauchte mehr Platz für ihre Geschäftsfelder Post, Postbank und Fernmeldewesen. Im Neubau entstanden entlang der Rohmerstraße ein neuer Kundeneingang, eine neue Schalterhalle, eine neue Postfachanlage, sowie zahlreiche neue Funktionsbereiche für den Geschäftsbereich Fernmeldewesen. Nach Privatisierung, Auflösung, und Zerschlagung der Deutschen Bundespost in drei selbständige Teilbereiche, wurde 2000 die komplette Liegenschaft mitsamt dem alten Postgebäude am Rohmerplatz an einen Immobilienfonds der Commerzbank AG verkauft, der den Gebäudekomplex zunächst vollständig sanierte, samt komplettem Dachausbau und Fassadenrenovierung. Die Liegenschaft wurde zuvor verkauft. Die Postbank und die Deutsche Post blieben als Mieter im Erdgeschoss des „Altbaus“ am Rohmerplatz, wobei ein neuer Kundeneingang samt Kundenschalterhalle mit Eingang Rohmerplatz 33–37 entstand. Neuer Ankermieter dieser Immobilie wurde, nach Auszug des Erstmieters, einer Werbegesellschaft, die ProCredit Bank AG, an deren Muttergesellschaft u. a. die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die IFC (ein Unternehmen der Weltbankgruppe), die niederländische FMO, die belgische BIO und die französische Proparco beteiligt sind.[231] Die ProCreditBank AG nutzt auch den ehemaligen Eingang in der Rohmerstraße. Ein weiterer Mieter des sogenannten „Neubaus“ ist der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten e. V. der Stadt Frankfurt am Main mit Eingang Große Seestraße 43.[232] Der bisherige Eigentümer verkaufte diese Liegenschaft später an einen neuen privaten Kapitalinvestor.

Ehemalige Frankfurter Waggonfabrik Aktiengesellschaft, vormals Reifertsche Chaisenfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Konrad Reifert (1781–1856), Wagnermeister aus Niederseelbach, gründete um 1800 in Frankfurt am Main eine „Chaisenfabrik“. 1820, nach dem Sturz Napoleons, wurde der Betrieb in die junge Stadt Bockenheim vor den Toren der freien Reichsstadt Frankfurt am Main verlegt. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Johann Ernst Wagner aus Suhl/Thüringen war es deren Ziel, dort eine Fabrik für elegante Chaisen und Postkutschen zu betreiben. Deren Gründung stellte einen wesentlichen Schritt beim Ausbau der Industrialisierung von Bockenheim dar. Die Erhebung Bockenheims zur Stadt 1819 geschah in der bewussten Absicht Kurhessens, neben der damals noch industriefeindlich gesinnten freien Reichsstadt Frankfurt ein neues, der Industrie aufgeschlossenes Gemeinwesen zu schaffen, das aus der günstigen Nachbarschaft zu dem Mittelpunkt von Handel und Verkehr größten Nutzen ziehen könnte. Als nach zehn Jahren 1830 der Geschäftspartner Johann Ernst Wagner starb, trat mit Clemens Reifert (1807–1878) dessen Sohn in die Firma ein. Das Unternehmen hatte sich bereits zu einem der ersten Wagenbauanstalten[233] in Deutschland entwickelt. Er hatte sich darauf unter anderem durch den Besuch ähnlicher Betriebe, auch in Paris und London, auf seine Arbeit vorbereitet.[234]

Eisenbahnwaggon aus der Produktion der Reifertschen Waggonfabrik (1872)

Clemens Reifert[235] forschte, erweiterte die Fabrik und führte Dampfmaschinen ein. Die Firma baute bald auch Eisenbahnwagen und hatte Anfang 1870 300 Mitarbeiter. Dies bedeutete erhöhten Kapitalbedarf. Folglich wurde umgegründet und umfirmiert. Es entstand die „Frankfurter Waggonfabrik Aktiengesellschaft“, vormals J.C. Reifert & Co, in Bockenheim. Über die Österreichisch-Deutsche Bank in Frankfurt am Main wurden für 650.000 Taler Aktien ausgegeben. Gründersohn Clemens Reifert wurde „Generaldirector“. Verwaltungsräte wurden J. B. Pfaff, J. Koch, Friedrich Mumm, Franz Brentano und Christian Grote aus Frankfurt am Main. Notar wurde ein Dr. Becker aus Bockenheim. Das erste Geschäftsjahr 1872 schloss mit einem Reingewinn ab. Für 1874 gab es keine Dividende mehr und 1875 wurde die Liquidation beantragt.[236]

Der sog. Gründerkrach und Gründerkrise von 1873[237] war nicht auf die Frankfurter Waggonfabrik Aktiengesellschaft beschränkt, sondern ein allgemeiner zeitlicher Trend in den 1870er Jahren. Gemäß dem Schumpeterschen Gesetz der schöpferischen Zerstörung entstand dann auch fast lehrbuchhaft auf dem ehemaligen Firmengelände wenig später die Weltfirma Hartmann & Braun AG. Auf einem anderen Teil des ehemaligen Firmengeländes entstanden das Bockenheimer Straßenbahndepot und die Verlängerung der Königstraße, der heutigen Gräfstraße.

Der Vater und Wagnermeister Johann Konrad Reifert (1781–1856) war befreundet mit Clemens Heerdt (1778–1828). Daher auch die Wahl des Vornamen für Sohn Clemens Reifert (1807–1878). Clemens heiratete mit Ehefrau Sybilla Susanne Reifert, geb. Heerdt in die Familie Heerdt ein, in die ebenfalls Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794–1872), der deutsche Maler und Kupferstecher einheiratete. Somit entstand der Bockenheimer Familienverband Delkeskamp/Heerdt/Reifert.[238] Zu Ehren einer der ersten Bockenheimer Industriellen Clemens Reifert wurde er Namenspatron der Clemensstraße in Frankfurt-Bockenheim, die von der Leipziger Straße auf das ehemalige Firmengelände des Reifertschen Chaisenfabrik führt. Bauliche Spuren sind durch die Weltkriege und die Schließung und Verlagerung des nachfolgenden Unternehmens Hartmann & Braun AG, bzw. durch die dann erfolgte Neubebauung nicht mehr vorhanden. Auch das Stichgleis vom Westbahnhof bis zum ehemaligen Firmengelände verschwand. Nur in Archiven, wie dem ISG Institut für Stadtgeschichte der Stadt Frankfurt am Main oder Museen, wie beispielsweise im Museum Achse, Rad und Wagen in Wiehl gibt es mit einer Zeichnung von Clemens Reifert von 4 Calechen (auch Kaleschen) noch historische aufzeigbare Spuren. Einzig ein Modellbauer[239] hat in einer Einzelfertigung einen Eisenbahnwaggon der Reihe Litera A124 der ehemaligen Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen wieder erstehen lassen.

Ehemalige Huss'sche Universitäts-Buchhandlung, Kiesstraße 41[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurt-Bockenheim, Kiesstraße 41, Huss'sche Universitäts-Buchhandlung.jpg

Hertha Hussendörfer (27. Oktober 1920 bis 25. Mai 1989), geboren im fränkischen Hagenbüchach, begraben auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, nannte sich selbst „Melusine Huss“ und war einst eine legendäre Frankfurter Buchhändlerin, eine Kulturinstitution in Frankfurt, insbesondere in der Naacherschen Buchhandlung. Die 1909 von Peter Naacher in Frankfurt gründete Buchhandlung in der Schweizer Straße 57, nach Umzug in die Gartenstraße 6 war deren Keimzelle. Nach dem Krieg eröffnete die Naacherschen Buchhandlung in einem Behelfslokal nähe der Universitätsbibliothek Bockenheimer Landstraße, bevor Frau Huss dann gegenüber in einem Betonbau auf dem Campus Bockenheim in der „Bockenheimer Bücherwarte“ arbeitete. Nach Streit und Kündigung eröffnete sie mit Hilfe zahlreicher Freunde 1983 die eigenen „Huss'sche Universitäts-Buchhandlung“ in der Kiesstraße 41, teilweise mit nächtlichem Kulturprogramm. Siehe hierzu z. B. Peter Bichsel, Das süße Gift der Buchstaben. Reden zur Literatur. Das Buch der Melusine Huss. Rede zur Eröffnung der Huss’schen Universitätsbuchhandlung in Frankfurt am Main (1983) oder auch Kiesstrasse Zwanzig Uhr. Huss'sche Universitätsbuchhandlung 1983–1993. Eine Anthologie. Lentes, Jürgen (Hg.), Verlag: Frankfurt/Main, (1993), ISBN 3-929782-00-6, ISBN 978-3-929782-00-4. Bald traf sich hier die neue Generation der Professoren und Literaten. Es entwickelte sich hier eine Frankfurter Intellektuellenszene.[240][241] Nach ihrem Tod endete 1998 auch die Episode der Huss'sche Universitäts-Buchhandlung, Kiesstraße 41. In deren ehemaligen Räumen wurden und werden jetzt Cafés betrieben.

Ehemalige Maschinenfabrik Gebrüder Weismüller, Königstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurt-Bockenheim, Maschinenfabrik Gwbrüder Weismüller 2.JPG

Die ehemalige Maschinenfabrik Gebrüder Weismüller bestand seit 1866 vor den Toren der Stadt Frankfurt, nach der preußischen Annexion Kurhessens, auf den Grundstücken in der Jordanstraße 4–6 und in der Kiesstraße in der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim als metallverarbeitendes Industrieunternehmen. Die Firma erzeugte maschinelle Fördertechnik wie Kräne und Aufzüge u. a. für Brauereien, Mühlen und Getreidebetriebe und wurde zu einem bedeutsamen Arbeitgeber Bockenheims. Schwerpunkt des Einsatzes ihrer Technik waren die Wasserstraßen und der Transport von Schüttgut. 1930 wurde die Maschinenfabrik Gebr. Weismüller im Verlauf der Weltwirtschaftskrise insolvent und liquidiert. Nach dem Krieg wurde das Firmengrundstück u. a. von der Firma Hartmann & Braun AG genutzt. 1987 baute die städtische ABG Frankfurt Holding Aktienbau- gesellschaft für kleine Wohnungen auf dem ehemaligen Firmengelände Kiesstraße/Jordanstraße 82 Wohnungen nach den Bestimmungen des sozialen Wohnungsbaus, darunter fünf Wohnungen für Rollstuhlfahrer. Im Innern des Blocks wurde eine Grünanlage angelegt. Emmerich Weismüller (* 1837 † 8. September 1909) war ein Frankfurter Industrieller und Miteigentümer, der um 1930 untergegangenen Maschinenfabrik Gebr. Weismüller in Frankfurt-Bockenheim. Die Stadt Frankfurt benannte zu seinen Ehren nahe dem Osthafen im Frankfurter Stadtteil Ostend die Weismüllerstraße nach ihm. Photos und Unterlagen der Firma Gebr. Weismüller liegen im ISG Frankfurt.

Ehemaliges „Hartmann & Braun“-Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmann & Braun AG (1907)

Dieses Gelände gehörte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg dem größten Arbeitgeber Bockenheims. Es wurde mehrfach vergrößert und erstreckte sich von der Falkstraße über die damals geschlossene, heutigen Wildunger- und Clemensstraße bis zur Leipziger- und Gräfstraße. Der Verwaltungsbau wurde 1954 neu errichtet. Noch bis Anfang der 1970er Jahre konnten von Hartmann & Braun ausgewählte, finanzschwache Studenten in der Betriebskantine kostenlos zu Mittag essen.

Nach dem Auszug der Hartmann & Braun AG 1997 wurde das ehemalige Betriebsgelände von einem der größten Bauentwickler, der DIBAG Industriebau AG München, revitalisiert. Produktionsstätten wurden entkernt. Wohn- und vor allem Geschäftsräume unter dem Namen „Alvearium“ (lat. Bienenkorb) geschaffen. Auch der ehemalige Verwaltungsbau an der Gräfstraße wurde saniert; er wurde zunächst von der Banco Santander genutzt, die aber zum großen Teil schon weiter in die Solmsstraße gezogen ist.

Ehemaliges Betriebsgelände der VDO, Gräfstraße 103[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Verwaltungs- und Produktionsgebäude der VDO (2015)
Frankfurt-Bockenheim, VDO TACHOMETER WERKE, Gräfstraße 103.jpg

Adolf Schindling (1887–1967) gründete 1921 die „OSA Apparate GmbH“ in Frankfurt, der Keimzelle der VDO. 1929 kaufte er das ehemalige „Voigt & Haeffner“-Gelände in der Gräfstraße 103 in Bockenheim, wo er den Stammsitz der inzwischen 300 Mitarbeiter zählenden Firma errichtete. Anfang 1994 kaufte die Mainzer ABG-Gruppe (Allgemeine Beteiligungsgesellschaft für Gewerbeimmobilien) das ehemalige Stamm-Betriebsgelände der VDO-Werke, die zuvor ihr Stammwerk nach Karben verlegt hatten. Im Jahr 1993 waren noch insgesamt 7700 Mitarbeiter bei der VDO beschäftigt. Zuvor wurde 1991 die VDO von der damaligen Eigentümerin, der bekannten Dressurreiterin Liselott Linsenhoff, an den Mannesmann-Konzern verkauft. Durch Umbau von Mannesmann zur Arcor/Vodafone-Gruppe landete die VDO zunächst bei Siemens-Bosch, dann alleine bei Siemens, die dann 2007 die VDO an die Continental Gruppe verkauften. Die ABG-Gruppe entkernte die früheren Produktions- und Verwaltungsgebäude und baute sie modern aus. Die Entwürfe lieferte das Frankfurter Architektenbüro Nägele, Hofmann und Tiedemann. So entstanden etwa 29.000 Quadratmeter Bürofläche, etwa 660 Quadratmeter Ladenfläche und 44 Mietwohnungen des gehobenen Ausstattungsstandards nebst 347 Kfz-Stellplätzen in einer Tiefgarage. Das Objekt zwischen Gräfstraße/Falkstraße/Wildunger Straße wurde 1998 fertiggestellt. Einer der Hauptmieter ist seitdem die Deutsche WertpapierService Bank in der Wildunger Straße 14. Weitere Mieter sind Nomura und seit Juni 2011 als zweitgrößter Mieter die KfW.

Ehemalige Voigt & Haeffner AG, bzw. Prometheus GmbH, Falkstraße 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prometheus GmbH Frankfurt-Bockenheim, Falkstraße 2
Ausschnitt Stadtplan

Heinrich Voigt (1857–1937) gründete 1896 eine Firma für Installationsmaterial jeder Art, Hoch- und Niederspannungs-Schaltgeräte und komplette Schaltwarten. 1889 wurde das Werk von der Frankfurter Innenstadt nach Bockenheim verlegt.[242] Ab 1900 entsteht hieraus die Firma Voigt & Haeffner,[243] die bald viele Mitarbeiter beschäftigt. Daher wird das Werk an den neuen Osthafen verlegen.[244] Fast zeitgleich gründet Heinrich Voigt auch eine „Chemisch-elektrische Fabrik“, die in Frankfurt-Bockenheim, Falkstraße 2, die Kleingeräte für Endverbraucher herstellte. Das Unternehmen wurde rasch von Voigt & Haeffner übernommen, in das Unternehmen in eine GmbH und dann zeitweise in die Prometheus, Aktiengesellschaft für Elektrische Heizeinrichtungen (früher: Fabrik elektrischer Koch- und Heizapparate) umwandelten. Die Marke „Prometheus“ wurde zum Firmennamen.[245][246][247] Weit vor den Bomben des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil der Produktion´nach Bad Soden-Salmünster ausgelagert. 1955 wurde für das Unternehmen Prometheus der Produktionsstandort Eschwege erbaut, der im nordhessischen Zonengrenzgebiet lag. 1964 wurde die Mehrheitsbeteiligung der Prometheus Elektrische Geräte und Heizeinrichtungen GmbH (Eschwege), elektrische Haushaltgerätehersteller von Heizgeräten, Bügeleisen und Expresskocher sowie hermetisch gekapselte Kältemaschinen an General Electric (GE) verkauft.[248] In Eschwege waren damals rund 600 Personen beschäftigt. Verkäufer war die Continental Elektroindustrie AG (Düsseldorf), eine Tochter der Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft (Düsseldorf). Sie hielt auch die Mehrheit von Voigt & Haeffner.[249][250] Bereits acht Jahre später zieht sich 1972 General Electric wieder zurück und verkauft an Stiebel-Eltron.[251] Die in Bockenheim geschaffene Marke „Prometheus“ verschwindet vom Markt.

Ehemaliges Vereins- und Gemeindehaus Falkenhof, Falkstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Erstbebauung erfolgte mit dem Vereins- und Gemeindehaus des Evangelisch Kirchlichen Hilfsvereins Frankfurt-Bockenheim, genannt Falkenhof, in der Falkstraße mit seinem zeitgemäßen Dachreiter durch den Stifter Emil Moritz von Bernus (1843–1913) nebst seiner Ehefrau Helen Trench, aus dem Hause Ashtown (* 1853 in Carlow, Irland; † 1934).[252][253] Emil Moritz von Bernus war einer der Söhne des Jakob Emil von Bernus (1805–1851) und der Susanne Berta Grunelius (1808–1877). Beide Elternteile stammten aus wohlhabenden Frankfurter Kaufmanns- und Bankierfamilien mit Migrationshintergrund.

Emil Moritz’ elf Jahre älterer Bruder, Bankier Andreas Ludwig (Louis) von Bernus (1832–1913), war mit Bettina von Guaita verheiratet, die ebenfalls zum maßgeblichen oberen Bürgertum Frankfurts gehörte. Am 27. Januar 1912 wurde sein Bruder Andreas Ludwig vom deutschen Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben und somit zum Gründer der preußischen Linie derer von Bernus, die bereits 1863 vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. nobilitiert worden waren. Andreas Ludwig (Louis) erbte von seiner Mutter Susanne Berta das Bockenheimer Schloss, später Bernus-Schlösschen genannt, und verfestigte damit die spätere örtliche Verbundenheit Emil Moritz zu Bockenheim. Bruder Andreas Ludwig starb am 5. Oktober 1913 mit 81 Jahren, fünf Monate nach dem Tod seines Bruders Emil Moritz. Das Bockenheimer Schlösschen erbte sein Sohn Dr. jur. Alexander von Bernus, einst Landrat des Kreises Ruppin der preußischen Provinz Brandenburg.

Emil Moritz, der spätere Bauherr des Vereinshauses Falkenhof, war sehr vermögend und theologisch gebildet, sowie ein Anhänger des Schweizers Evangelisten Elias Schrenk (1831–1913). Er wurde maßgeblich geprägt von einem langjährigen Aufenthalt im Königreich England zwecks theologischer Studien. Er lebte in einer europäischen Epoche des Antikatholizismus, dessen Auswirkungen z. B. in England und Irland bestehende katholische Bindungen aufheben wollte, oder auch im säkularen Frankreich, welches damals zur Verfolgung und Deportation französische katholischer Priester aufrief und im neuen Deutschen Kaiser Bismarckscher Prägung mit seinem Kulturkampf und Katholikengesetzen. Intensiv wurde sein Kontakt zu Reverend Frederic FitzJohn Trench (1808–1859) und seiner Familie, Mitglied der protestantischen Brüderbewegung im überwiegend katholischen Irland.

Nach seiner Hochzeit kehrte 1874 Emil Moritz mit seiner Ehefrau in das 1871 neu gegründete Deutsche Kaiserreich mit seinem dominant protestantisch geprägten Königreich Preußen in seine Geburtsstadt, der lutherisch geprägten ehemaligen Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, zurück. Hier war er über die kirchlichen Verhältnisse in Frankfurt anno 1874 so bestürzt, dass er einen Verein gründete, dessen Ziel die Predigt des Evangeliums ohne die konfessionelle Bindung an lutherische oder reformierte Glaubenssätze war. Der wohlhabende Emil Moritz wurde mit anderen vermögenden Gleichgesinnten zum Initiator und Mitgründer des Evangelisch Kirchlichen Hilfsvereins Frankfurt am Main[254] als Teil der vielerorts gegründeten kaisernahen privaten Unterstützungsvereine der evangelischen Kirche. Diese sogenannten Hilfsvereine wollten sich aber nicht der Evangelischen Kirchenorganisation unterordnen. Durch das starke Bevölkerungswachstum der teilweise katholischen Arbeiterschaft aus dem Umland nach Bockenheim, sollte der Evangelisch Kirchliche Hilfsverein Frankfurt am Main einer „seelischen Verwahrlosung“ und wohl auch politischen Radikalisierung durch die Begleitumstände der Industrialisierung entgegenwirken. Hier wirkten seine Ansicht und Erfahrung aus dem katholischen Irland nach.

Emil Moritz Bernus ließ 1883 die Christuskirche im Frankfurter Westend vor den Toren der noch selbständigen Stadt Bockenheim aus seinem Vermögen errichten. Wenig später wurde das Vereins- und Gemeindehaus Falkenhof in der Bockenheimer Falkstraße errichtet. Er betrachtete sie quasi als Eigenkirche und behielt sich auch das alleinige Recht der Berufung des Predigers vor.[255][256][257] Auch hatte die Christuskirche als Freikirche keinen Kirchenbezirk, da sie sich nicht in die vorhandene protestantischen Kirchenorganisation einfügen wollte.

Seine für ihn sehr erfolgreiche Arbeit im Westend und in Bockenheim, veranlasste Emil Moritz Bernus, 1902 auch im Nordend eine Kirche zu bauen, die Immanuelskirche (heutige Epiphaniaskirche) und ein dazu gehörendes Vereinshaus, den Eschenhof in der Nibelungenallee analog dem Falkenhof in Bockenheim.

Daneben war Emil Moritz Bernus auch 1885 Mitstifter und Mitgründer des Vereins Frankfurter Buerger 'Verein für die Einrichtung deutsch-evangelischer Gottesdienste in Kurorten (in Italien)’, damit dort vermögenden deutsche protestantischen Wintertouristen im katholischen Italien mittels möglichen Kirchbesuch seelisch versorgt werden konnten, analog den vermögenden englischen nicht katholischen Reisenden. Bernus ließ am 24. Dezember 1899 die heute noch existierende Deutsche Evangelische Kirche auf Capri einweihen.[258] Schließlich war ihr Einfluss und Vermögen göttlicher protestantischer Wille.

Nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Stifters Emil Moritz von Bernus 1913 im Alter von 70 Jahren und nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wurde der Falkenhof nach nur 30-jährigem Bestand verkauft, umgebaut und später als Betriebsgebäude der expandierenden Firma Hartmann & Braun AG benutzt. Nach Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg wurde die Ruine verändert wieder aufgebaut. Nach vollständiger Räumung des Betriebsgeländes der Hartmann & Braun AG wurde auch diese Bebauung gänzlich niedergelegt. Ende des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Wohnblockbebauung einschließlich einer Mehrfamilienhaus-Bebauung des dortigen Hinterhofes.

An den ehemaligen Falkenhof in Bockenheim erinnern heute nur noch ein antiquarisch gehandeltes Foto, sowie der von ihm gegründete Evangelisch Kirchlichen Hilfsvereins Frankfurt am Main nebst dem Stiftungsvermögen, die im Zweiten Weltkrieg zerbombte und verändert wiederaufgebaute Christus-Immanuiel-Kirche nebst lebendiger Kirchengemeinde sowie u. a. Literaturvermerke in Büchern, wie

  • An den Rändern: theologische Lernprozesse mit Yorick Spiegel; Festschrift zum 70. Geburtstag, Ilona Nord; LIT Verlag Münster, 2005, Seite 35 ff;
  • Das Reich Gottes in Deutschland bauen von Jörg Ohlemacher, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

Seine in Irland geborene Ehefrau Helen (1853–1934), nannte sich nach dessen Tod zeitgemäß wie die Kaiserwitwe Friedrich Frau Moritz Bernus und zählte zu den Gründerinnen des Vorläufervereins für internationale Jugendarbeit. Sie finanzierte mit anderen wohlhabenden Frauen in Frankfurt ein erstes Wohnheim „Heimat für Mädchen“ in der Taunusstraße 9 und wird heute noch ehrend erwähnt.[259]

Neben seinem repräsentativen Stadtwohnsitz in der Taunusanlage 4, heute Sitz der Bundesbank-Zweigstelle Hessen, ließ sich Stifter Emil Moritz Bernus 1892 in Falkenstein bei Königstein, Reichenbachweg 24a, das große Landhaus Schardau im damals modischen englischen Landhausstil von dem bekannten dänischen Schwiegersohn Aage von Kauffmann seines Bruders Andreas Ludwig (Louis) von Bernus (1832–1913) erbauen, dessen denkmalgeschütztes Pförtnerhaus sich bis heute erhalten hat.

Emil Moritz von Bernus und seine Ehefrau Helen wurden auf dem Hauptfriedhof der Stadt Frankfurt beigesetzt. Es wurde zum Ehrengrab der Stadt erklärt. Seine von ihm gestifteten Vereins- und Gemeindehäuser des Evangelisch Kirchlichen Hilfsvereins, der Falkenhof in Bockenheim und der Eschenhof im Nordend, sind vollständig verschwunden. Einzig die nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise wiederaufgebaute Christuskirche und seine Stiftung zeugen heute noch vom Bauherr und Stifter des untergegangenen Vereins- und Gemeindehaus „Falkenhof“ in der Falkstraße.

Ehemalige Rademanns Nährmittelfabrik GmbH, Falkstraße 27[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rademanns Nährmittelfabrik GmbH
Bockenheim, Rademanns Nährmittelfabrik 02.jpg

Die Rademanns Nährmittelfabrik GmbH war spezialisiert auf die Herstellung spezieller Diabetikernahrung, wie Nähr-Biscuits, Kindermehl etc. Das ISG Frankfurt verwahrt den Schriftverkehr der Firma Rademann von 1895 mit der Baupolizei bezüglich der Genehmigung von Bauanträgen mit Briefkopf der Firma Rademann´s Nährmittelfabrik mbH (Bl. 142). Der Geschäftssitz war zeitweise auch in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 35, später verzogen sie nach Bad Homburg vor der Höhe/Taunus. Der Unternehmer und Apotheker Otto Rademann war auch Autor des Buches „Wie nährt sich der Arbeiter?“.[260] Auf Veranlassung des Internisten und Diabetologen Carl von Noorden (1858–1944) stellte die Nährmittelfabrik des Otto Rademann in Bockenheim bei Frankfurt am Main ein derbes Roggenbrod her, in welchem der Kalk eingebacken ist. Das Brod enthält genau 5 pCt. Calcaria carbonica und verbindet einen sehr angenehmen Geschmack mit großer Haltbarkeit. Grundsätzlich empfahl Professor Dr. Carl von Noorden u. a. in seinem 1907 in Berlin veröffentlichten Buch „Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung“ ohne Einschränkung die Produkte der O. Rademanns Nährmittelfabrik für Zuckerkranke, die nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise in die Hanauer Landstraße 175, Frankfurt, umzog. Ebenfalls erfolgreich war seine Methode, Früchte ohne jeden Zucker so einzumachen, dass sie nicht verderben. Derart konservierte Früchte ohne jeden Zuckerzusatz, sogenannte „Früchte im eigenen Safte“ brachte die Firma erfolgreich in den Handel. Im privaten Diabetes-Museum in 81241 München-Pasing, Veldenerstr.136 wird eine farbige Schmuck-Blechschachtel mit Firmenbedruckung für ihr Erzeugnis Diabetiker-Zwieback aufbewahrt. Die Firmenrechte gingen dann an die Rademann Diätprodukte in Bad Homburg vor der Höhe über. Langezeit führte eine Reformhauskette noch die diätischen Rademann Fruchtbonbons im Verkaufsprogramm.

Ehemalige Autohobby-Mietwerkstatt, Juliusstraße 17[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Bombardierung Bockenheims 1944 war auch diese Parzelle mit einem Vorderhaus zur Straßenseite bebaut. In der Nachkriegszeit betrieb ein Im- und Export-Händler für gebrauchte Kfz-Teile auf diesem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Grundstück in der Juliusstraße 17 sein Unternehmen zum Teil in Holzbaracken. Nach Ende des Pachtvertrages entstand, nach dessen Räumung, hier nach Plänen zweier junger Kaufleute die erste Werkstatt Deutschlands für Autobastler, genannt „Autohobby-Mietwerkstatt“. Die Geschäftsidee hatte Bestand und breitete sich nicht nur in ganz Deutschland aus. Erste Umweltauflagen der Stadt zwangen zur Verlagerung des Betriebs in den Frankfurter Stadtteil Nied. Hier wurde das 50-jährige Geschäftsjubiläum gefeiert, nunmehr unter dem Firmennamen „Mach es selbst“.

1968 erbaute die Hertie GmbH auf dem vorgelagerten Grundstück an der Leipziger Straße 88–90 eine Filiale für ihren Vollsortimenter im Niedrigpreisbereich unter dem Namen Bilka mit neuzeitiger Hausfassade und richtete die unbebauten Fläche als Parkfläche her. Die Hertie GmbH, 1994 selbst von Karstadt übernommen, verkaufte nach zwanzigjährigem Geschäftsbetrieb wegen Umsatzeinbrüchen 1989 die Tochtergesellschaft Bilka einschließlich der Filiale Bockenheim an Woolworth. Nur wenige Jahre später wurden die deutschen Geschäfte von Woolworth 1998 im Rahmen eines Management-Buy-out in die DWW Deutsche Woolworth GmbH + Co. OHG mit Sitz in Frankfurt eingebracht. Das Kapital stellte die englische Electra Private Equity bereit. Der ursprüngliche amerikanische Woolworth-Konzern war zwischenzeitlich liquidiert worden.

Die Parkraumfläche mit Einfahrt Juliusstraße 17 mit ihren 103 Parkplätzen wurde gesondert verwertet. Der Parkplatz „Juliusstraße Woolworth (Frankfurt)“,[261] wird zurzeit durch die Contipark Unternehmensgruppe Berlin bewirtschaftet, einem der Branchenführer in Deutschland mit fast 500 Parkeinrichtungen in mehr als 180 Städten. Die Contipark Unternehmensgruppe selbst ist Teil der Interparking Group mit Hauptsitz in Brüssel (Belgien)[262] die ihrerseits dem größten Immobilienunternehmen Belgiens der AG Real Estate[263] gehört. Sie ist eine Tochter der AG Insurance (Hauptsitz in Brüssel/Belgien), der führenden Versicherungsgesellschaft Belgiens. Diese gehört derzeit zu 75 Prozent zur Ageas Holding (ehemals Fortis Holding) und zu 25 Prozent zur BNP Paribas Fortis (ehemals Fortis Bank Belgium).

Die Firma Contipark ist aber nicht der größte Anbieter von Parkraumflächen in Deutschland. Marktführer in dieser Sparte ist mit ca. 200.000 Stellplätzen die Firma APCOA, Europas größter Parkraumbewirtschafter. APCOA ist zu 100 Prozent im Besitz des Private-Equity-Unternehmens Eurazeo (Paris).

Die Parkplatzimmobilie „Juliusstraße 17“ ist weiterhin Teil globalisierter Kapitalentscheidungen. 2007 übernahm die britische Investment- und Beratungsgesellschaft Argyll Partners.[264] Der Immobilienbesitz wurde an den US-amerikanischen Finanzinvestor Cerberus Capital Management weiterverkauft. Argyll Partners übernahm das operative Geschäft und mietete die Gebäude der Woolworth Deutschland von Cerberus zurück. Nach drastischen Mieterhöhungen und Konjunktureinbrüchen musste im April 2009 das Unternehmen für den Woolworth-Deutschland-Nachfolger[265] einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Frankfurt am Main[266] einreichen. Es gelang jedoch, eine Schließung zu verhindern und neue Käufer für das Unternehmen zu finden. Gemeinsam entwickelten diese ein neues Konzept für das Kaufhausunternehmen Woolworth GmbH. Der Immobilieneigentümer und auch der Grundstückseigentümer der Parkstellfläche blieb seit 2007 der US-amerikanische Finanzinvestor Cerberus Capital Management. In Deutschland wird der Immobilienbesitz von der Promontoria verwaltet. Die Gesellschaft Promontoria gehört zum Finanzinvestor Cerberus und hat z. B. 2011 700 Millionen Euro für ein Portfolio aus mehr als 60 Metro- und Real-Lebensmittelmärkten gezahlt.[267] Promontoria beauftragt jetzt die Berliner Immobiliengesellschaft Acrest Property Group mit der Neuausrichtung des Immobilienbesitzes, auch die des „Warenhaus Woolworth“ in Frankfurt-Bockenheim einschließlich der Parkfläche. So ist, laut Informationen des Ortsbeirates 2 vom Herbst 2013, eine komplette Kernsanierung der Liegenschaft Leipziger Straße 88 einschließlich der Parkplatzfläche beschlossen.[268][269] Vergleichbare Frankfurter Filialen in der Berger- bzw. Schweizer Straße wurden bereits geschlossen, die angekündigte Schließung der Woolworth Frankfurt-Bockenheim, Leipziger Straße 88, Anfang 2015 wurde noch nicht vollzogen. Für das Grundstück Berger Straße 36 wurde eine Baugenehmigung der Stadt Frankfurt erteilt.[270] Weitere konkrete Bauanträge wurden noch nicht gestellt, zumal sich nicht nur die vorhandene Parkplatzfläche nach der von der Bauplanung der Stadt Frankfurt plakatierten „Wohnraumverdichtung“ anbietet.

Laut Auskunft des Frankfurter Magistrats vom 10. November 2017 will ein potentieller Bauherr in die Juliusstraße 17 und das sog. Woolworthgebäude in der Leipziger Straße 88 neu investieren. Im Erdgeschoss soll eine Fläche für einen Lebensmittel-Vollsortimenter geschaffen werden. Die Firma Woolworth sollte dagegen seine Verkaufsflächen im Erdgeschoss verkleinern und seine Hauptflächen dafür im ersten Obergeschoss erhalten. Im straßenseitigen Gebäudeflügel sollen im zweiten und dritten Obergeschoss Wohnungen entstehen. Die Anlieferung soll über die vorhandene Parkplatz-Zufahrt von der Juliusstraße 17 aus erfolgen. Dabei soll die Lieferrampe in das Gebäudeinnere verlegt werden, um eine lärmarme Anlieferung zu gewährleisten. Allerdings wurde bislang noch kein Bauantrag eingereicht. Die Firma Contipark listet die Parkplatzfläche Juliusstraße 17 nicht mehr als eine von ihr verwaltete Fläche auf. Die Zufuhr Juliusstraße 17 wurde bereits gesperrt, sowie das Kassenhäuschen samt Schranke entfernt.

Ehemalige F. & C. Achenbach, Erste Frankfurter Verbandstoff-Fabrik, gegründet 1882, Juliusstr.12[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firma F. & C. Achenbach
Firma F. & C. Achenbach

Die Ahnen der Familie Achenbach waren nachweislich seit dem Dreißigjährigen Krieg fortlaufend Eigentümer der Niederlaaspher Mühle, heute im Stadtteil von Bad Laasphe im westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein. Heinrich Achenbach (1820–1888) und Auguste Sinner hatten u. a. fünf Kinder. Deren ältester Sohn, August Christian Ludwig (August) Achenbach (* 1845 Niederlaasphe Mühle; † 1922 ebenda), wurde als Erbe der nächste Besitzer der Niederlaaspherer Mühle in Niederlaasphe. Ihr jüngster Sohn, Friedrich (Fritz) Achenbach (* 1849 Niederlaaspher Mühle; † 1911 Frankfurt-Bockenheim), wurde Apotheker und Fabrikant in Bockenheim. Die Brüder gründeten 1882 die F. u. C. Achenbach Erste Frankfurter Verbandstoff-Fabrik. Die Söhne Dr. Fritz Heinrich August Achenbach (* 1882 Frankfurt/Main; † 1941 ebenda), Chemiker und Kaufmann, und besonders Alfred Achenbach (* 1887 Frankfurt/Main; † 1964 ebenda) führten die Geschäfte der familieneigenen Verbandstoff-Fabrik fort. Der Unternehmensstandort wurde geschickt gewählt, lag er doch in der Nachbarschaft des neuerbauten kaiserlichen Garnison-Lazaretts Bockenheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 24. Februar 1950 die Vereinigung der Deutschen Verbandstoff-Industrie der Bundesrepublik Deutschland mit vorläufigem Sitz in Frankfurt am Main gegründet. Den Vorstand stellten die damals maßgeblichen Firmenvertreter der Verbandstoffhersteller von Verbandwatte, Webkant- und Idealbinden. So wurde Günther Klüsmann (1903–1992) von der Firma Paul Hartmann AG Heidenheim zum Vorstand, sowie Alfred Achenbach (1887–1964) von der Firma F. & C. Achenbach Frankfurt am Main und Kurt Lohmann von der Firma Verbandstoff- und Pflasterfabrik Lohmann KG Fahr am Rhein im heutigen Neuwied zu dessen Stellvertretern gewählt (Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 86. Jahrgang, Nr. 12, S. 166). Einen vergleichbaren wirtschaftlichen Erfolg, wie die Paul Hartmann AG Heidenheim und die Verbandstoff- und Pflasterfabrik Lohmann KG Fahr am Rhein im heutigen Neuwied konnte die F. u. C. Achenbach Erste Frankfurter Verbandstoff-Fabrik in der Nachkriegszeit nicht erzielen. Der historische Firmensitz in Bockenheim, Juliusstraße 12, und die Produktion wurden aufgegeben. Gleichwohl bestand der Firmenname am geänderten Geschäftssitz in der Voltastraße zunächst noch weiter. Die unternehmerischen Gene setzten sich bei Rudolf Achenbach (1928–2015) fort. Er baute ab 1954 in Frankfurt-Unterliederbach mit seiner Ehefrau Ingrid die heute noch bestehende Achenbach Delikatessen Manufaktur in Sulzbach auf, deren Geschäfte jetzt Tochter Petra und Schwiegersohn und gelernter Koch Bernd Moos-Achenbach (* 18. September 1952) führen. Bernd Moos-Achenbach ist vielen auch als der maßgebliche Veranstalter des bekannten Radrennen-Klassikers Rund um den Finanzplatz Eschborn Frankfurt am Main (früher Rund um den Henniger-Turm) bekannt.

Auf dem Friedhof Bockenheim besteht eine Grabstätte der Familie Achenbach.

Ehemaliges Lichtspielhaus „Alhambra“, Juliusstraße 5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Oktober 1956 wurde auf diesem Grundstück in der Juliusstraße 5 das Lichtspielhaus „Alhambra“ der Geschwister Wink eröffnet, die bereits in Frankfurt das „Astoria“, das „Arion“ sowie die „Schwanen-Lichtspiele“ betrieben. Der Architekt Ferdinand Wagner baute für die Betreiber dieses Kino mit 651 Sitzplätzen und der damals größten Bildwand Frankfurts. (Quelle: www.allekinos.com)

Nach Schließung des Kinobetriebs wurde das Gebäude zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut und 1972 das Erdgeschoss komplett mit seinen 500 m² Fläche an einen Lebensmittel-Discounter vermietet. Die aktuelle Nutzung als Filiale eines Lebensmittel-Discounters dauert fort.[271][272]

Ehemaliges besetztes Mehrfamilienhaus Fritzlarer Straße 18[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf der Suche nach und des Kampfes um bezahlbaren Wohnraum, entdeckte eine Gruppe von Erwachsenen in der Fritzlarer Straße 18 ein um 1900 erbautes, vierstöckiges, sanierungsbedürftiges Mehrfamilienwohnhaus, in dem die ältere Hauseigentümerin drei Wohnungen bereits längere Zeit nicht vermietete und verrotten ließ.[273] 1991 begann die Gruppe mit einer von der Presse begleiteten Hausbesetzung, und das Gebäude wurde zu einem der ersten selbstverwalteten Wohnhäuser Frankfurts. Mit der Hausbesetzung starteten natürlich auch vielfältige gruppendynamische Prozesse, verbunden mit Austausch bzw. Wechsel der Gruppenmitglieder. Zwingend notwendige Arbeiten an der insgesamt 630 m² großen Wohnfläche des Wohnhauses auf dem 252 m² großen Grundstück stellten nicht nur kommunikative und handwerkliche, sondern auch laufende finanzielle Ansprüche. Das Wohnprojekt bekam als „die Fritze“ in Frankfurt einen einflusshaften politischen Ruf in der Bundesrepublik mit entsprechenden Verdachtsmerkmalen im staatlichen Ordnungs- und Sicherheitsapparat. 2002 hatte sich die Gruppe teilweise konsolidiert und gründete als rechtlichen Rahmen die „Hausprojekt Fritze GmbH“[274] zur sozialgebundenen Vermietung und Verwaltung in Selbstorganisation, die das Haus kaufte.[275]

Ehemalige Mercedes-Benz Vertragswerkstatt Autohaus Gebr. Rychetsky, Fritzlarer Straße 28[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritzlarer Str. 28

Der Straßenname Fritzlarer Straße in Bockenheim erinnert an die 1803 erfolgte Eingliederung der Stadt Fritzlar in das Kurfürstentum Hessen-Kassel nach jahrhundertelanger politischer Zugehörigkeit der Stadt Fritzlar zum Erzbistum Mainz. In der Fritzlarer Straße 28 betrieb hier von 1927 bis 2003 das Autohaus Gebr. Rychetsky eine Mercedes-Vertragswerkstatt inklusiv Hebebühnen, Gruben und Waschanlage. Laut ISG Frankfurt feierte das Unternehmen 1967 ihr 40-jähriges, bzw. 1977 ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum. Die Änderung der Mercedes-Benz Vertriebspolitik mit Kündigung des Vertragswerkstattstatusses führte letztlich zur Geschäftsaufgabe. Seit 2004 arbeitet hier das Designbüro Heine/Lenz/Zizka, später als HLZ Communication GmbH als Agentur für visuelle Kommunikation, Pressearbeit und Public Relations.

Ehemaliges Gasthaus Zum Schwan, auch Storchennest genannt, Kirchplatz 5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasthaus Zum Schwan, auch genannt Storchennest oder Mühl'sches Haus, Kirchplatz 5

Das Grundstück Kirchplatz 5 liegt am historischen Mittelpunkt Bockenheims und wurde vielfach verändert bebaut. Vom ausgehenden 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier die Gastwirtschaft „Zum Schwan“ betrieben. Der Name kam nicht von ungefähr, war doch der Schwan das Wappentier der Hanauer Grafen seit deren Heirat der Münzenberger. Im Neubau von 1740 mit angeschlossener Gartenwirtschaft entwickelte sich das Gasthaus Zum Schwan unter wechselnden Eigentümern zu einer der bekanntesten Wirtschaften Bockenheims, die auch Gäste aus dem nahen Frankfurt, wie Mitglieder der Familie Goethe, aufsuchten. Charlotta von Kahlden, Witwe des in russischen Diensten gestandenen Majors von Kahlden erbte das Anwesen. Sie war am 26. November 1822 Patin bei der Taufe der Charlotta Friederika, Tochter des Nachbarn Freiherrn Karl Ludwig Gremp von Freudenstein aus Bockenheim. Charlotta von Kahlden verkaufte am 9. Juni 1828 die ganze Liegenschaft an Senator Johann Christian Mühl, Patrizier und Kaufmann in Frankfurt. Ihm gehörte u. a. auch der Messe-Hof „Goldenes Lämmchen“ in der Frankfurter Altstadt. Sein Vater war dort 1790 und 1792 sog. jüngerer Bürgermeister. Daher wurde das Haus dann auch Mühl'sches Haus genannt. Johann Christian Mühl starb 1838. Seine Witwe wohnte nach seinem Tod noch 24 Jahre bis 1862 in Bockenheim. Sohn Gustav Reiner Mühl verkaufte am 5. Juni 1872 das Haus an J. Adolf Karl Wilhelm Roth, Gerber von Hausen. Die Wirtschaft Zum Schwan führte bis 1830 Daniel Ludwig, der sich dann in der Häusergasse die Wirtschaft Hanauer Hof erbaute. Bockenheimer Bürgern war das Gebäude auch als Storchennesthaus bekannt, wählten doch lange Zeit Storchenpaare den Schornstein des Gebäudes als Nistplatz, wohl auch wegen der nahen feuchten Nidda-Wiesen. Laut Institut für Stadtgeschichte war es das letzte Storchennest in Frankfurt am Main. Durch Bombentreffer wurde das Haus 1944 zerstört. Der Wiederaufbau änderte nochmals die Bebauung des Kirchplatzes. Die ehemals historische Häuserreihe Kirchplatz mit ungeraden Hausnummern wurden nicht wieder errichtet; der Kirchplatz erweiterte sich zur heutigen Größe. Später wurden die auf den Fotos noch abgebildeten Straßenbahngleise entfernt, da sie durch den U-Bahnbau überflüssig wurden.

Der Gasthausname Zum Schwan lebte dann nochmals auf für ein Gasthaus auf der Frankfurter Straße. Nach der Eingemeindung Bockenheims wurden Wirtshaus- und Straßennamen geändert, aus Zum Schwan in der Frankfurter Straße wurde Frankfurter Hof in der Leipziger Straße, das spätere Schwanenkino, die heutige Veranstaltungshalle des unabhängigen Jugendzentrums Excess.

Grempsches Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grempsche Haus in der Grempstraße

Aus den Jahren 1582 bis 1593 stammt das Grempsche Haus; es steht am Kirchplatz – am Ende der Ginnheimer Straße. Es ist das bedeutendste säkulare Bauwerk, das in Bockenheim aus der frühen Neuzeit erhalten ist. Es gehörte zum Adelshof der Familie Gremp von Freudenstein. Das steinerne Gebäude hat zwei Stockwerke und einen achteckigen Treppenturm. Über dem Eingang dieses Treppenturms befindet sich heute noch das Wappen der Familie Gremp von Freudenstein: ein Schwan, der auf drei kleinen Hügeln ruht und in seinem Schnabel einen Ring hält. Das gleiche Wappen ziert heute noch das Maison Gremp in Buchsweiler (Bouxwiller, Bas-Rhin, Alsace). Ein Familienmitglied, Wilhelm Gremp von Freudenstein, erwarb um 1820 im nahen Bad Homburg das Haus Dorotheenstraße 1 und betrieb dort als erster Homburger Postmeister die Poststation der Thurn-und-Taxis-Post.

Ehemaliges Landhaus Passavant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landhaus Passavant von 1829

Im Park hinter dem Grempschen Haus steht das klassizistische Landhaus Passavant von 1829. Die erhaltene repräsentative Gartenvilla im Stil der italienischen Renaissance wurde 1829 nach dem Entwurf von Johann Friedrich Christian Hess (1785–1845) für Samuel Passavant (1787–1855) errichtet.[276] Der Bauherr, selbst Architekt, kaufte bald darauf die Michelbacher Hütte in Michelbach (Aarbergen), daher sieht man heute noch den Namen Passavant auf vielen Kanaldeckeln. Die eigentliche bedeutendste Liegenschaft, die sogenannte Villa Passavant Andreae, wurde abgerissen und der Standort zum Schulbau genutzt. Auf einer Karte von etwa 1900 wird das Gebäude als Diesterweg-Schule bezeichnet. Heute sind von der großen Liegenschaft nur noch dies Landhaus und Reste der Begrenzungsmauern an der Ginnheimer Straße übrig. Das Landhaus wird derzeit vom Kindergarten des St. Elisabethen-Krankenhauses Die Arche benutzt. Auf dem großen Gelände selbst, früher ein Hofgut mit Wirtschaftsgebäuden, dann Schulbau, steht heute das katholische St. Elisabethen-Krankenhaus, deren Mittelbau immer noch an die ehemalige Schule erinnert. Auf dem Gelände entstand mit dem St. Josefhaus ein neu errichtetes Altersheim. Ein Restpark mit Blick auf die Nidda und den Taunus blieb von der großen Liegenschaft übrig.

Ehemalige französisch-reformierte Kirche von Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaubensflüchtlinge aus Flandern, den spanischen Niederlanden,[277] erwarben 1638 eine Scheune der damaligen Wirtschaft ZUR KRONE und hielten hier ihren französisch-reformierten Gottesdienst ab, da sie in der freien lutherischen Reichsstadt Frankfurt am Main keinen Gottesdienst nach ihrer Glaubensrichtung abhalten durften. Der damalige Landesherr von Bockenheim gehörte selbst dem reformatorischen Glauben an. Nach 129 Jahren war dieses Gebäude baufällig und wurde 1767 abgebrochen. Schon ein Jahr später stand am alten Standort zwischen der Rödelheimer- und Fritzlarer Straße 1768 ein französisch-reformiertes Kirchengebäude in typischer schlichter, ovaler Form.[278] Nach weiteren ca. 20 Jahren gestattete der Magistrat der Stadt Frankfurt 1787 widerstrebend auch wieder Gottesdienste im evangelisch-reformatorischen Ritus in seinen Mauern. 1789 bis 1792 dauerte es dann bis zur Einweihung der französisch-reformierten Kirche am Goetheplatz in Frankfurt, die nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1944 nicht wieder aufgebaut wurde. Durch den Einfluss der französischen Revolution und Napoleon verlor 1806 die Stadt Frankfurt ihren Status als freie Reichsstadt. Dies bedeutete auch das Ende der lutherischen Staatskirche in Frankfurt. Die französisch-reformierte Kirche im damals selbständigen Bockenheim erlitt einen Bedeutungsverlust. Es folgten zahlreiche Besitzer- und Funktionswechsel des Gebäudes. U.a. wurde das Gebäude der lutherischen Gemeinde von Bockenheim verkauft, später erwarb es die Stadt Frankfurt. Sie baute es zum Schulgebäude der Bonifatius-Volksschule um, später ab 1906 zum Volkshaus, bzw. zur Volkslesehalle.[279] Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Aktuell steht hier ein ebenerdiges barackenähnliches Versammlungshaus auf einem Hinterhofsgelände.

Ehemalige Baldur Klavier- und Flügelmanufaktur, Leipziger Straße 59[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammhaus der Baldur Pianofortefabrik AG

Frankfurt war im 18. und 19. Jahrhundert ein bedeutender Ort für die Herstellung von Tasteninstrumenten. Fast 30 bislang kaum bekannte oder vollkommen unbekannte Firmen wurden in dem Buch „Besaitete Tasteninstrumente in Frankfurt am Main und ihre Erbauer im 18. und frühen 19. Jahrhundert“ des Verlags Edition Bolongaro, 2012, ISBN 978-3-00-037327-5 nachgewiesen und veröffentlicht.

Eines davon gründete Ferdinand Schaaf im Jahre 1866 in Wetzlar als Firma Ferd. Schaaf; er baute dort Tafelklaviere. 1872 siedelte Schaaf nach Frankfurt am Main über und arbeitete dort als Klavierstimmer. 1875 eröffnete er seine Klavierfabrik in Frankfurt-Bockenheim, Leipziger Straße 59,[280] nannte sie ab 1876 Ferd. Schaaf & Co und teilte sich den Firmenbesitz ab 1897 mit Eduard Schaaf. 1906 wurde der Markenname Baldur eingeführt, die Firma nannte sich Baldur Pianoforte-Fabrik von Ferdinand Schaaf & Co., ab 1921 Baldur Pianofortefabrik AG. Direktor war W. Scharing.[281]

In den 20er Jahren lautete die Adresse Leipziger Straße 59-61 + 65. In der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs durchlief die Firma eine Reihe von Umwälzungen mit Gründung und Schließung von Zweiggeschäften und zeitweiliger Verlegung des Hauptsitzes nach Deggendorf (Bayern), wo sie zu dieser Zeit ein Sägewerk besaß. Am 1. September 1925 beantragte die Firma Geschäftsaufsicht zur Abwendung des Konkurses, die am 10. Februar 1926 wieder aufgehoben wurde. Im Januar 1929 brach die Firma in der Weltwirtschaftskrise zusammen und stellte die Zahlungen ein. Im folgenden Konkursverfahren wurde das gesamte Firmenvermögen an die Konkurrenzfirma J. D. Philipps & Söhne, Frankfurt am Main, übernommen, die weiter auch unter dem Markennamen Baldur noch bis zu deren Konkurs 1950 Klaviere und Flügel produzierten. Unter weiteren Markennamen wie Balfa, Balding, Balden, E.M. Berdux und Deggendorf wurden Musikgeräte produziert.

Geschickt wurde 1935[282] der Grund und Boden der Baldur Pianofortefabrik AG an die bezeichnenderweise erst 1933 gegründete Deutsch-Schweizerische Verwaltungsbank AG[283] verkauft, um möglich Beschlagnahmung von Vermögens­werten durch das Deutsche Reich wegen ihrer jüdischen Vorfahren vorzubeugen. Diese Bank befasste sich besonders mit der Vermögens­verwaltung und Anlageberatung, sowie mit der Pflege und Wahrnehmung schweizerischer Interessen in Deutschland und mit der Ausführung von Transaktionen in Devisen, fremden Noten und Edelmetallen. 1947 erfolgte eine Sitzverlegung der Bank nach Frankfurt am Main.

Der Frankfurter Architekt Ferdinand Kramer (1898–1985) entwarf 1927 für die Frankfurter International Ausstellung MUSIK IM LEBEN DER VÖLKER[284] für die Klaviermanufaktur Baldur einen Flügel im Bauhaus-Stil.[285] Durch Zufall konnte das Historische Museum der Stadt Frankfurt am Main jüngst einen solchen seltenen Flügel kaufen.[286]

1944, nach erheblicher Zerstörung durch Bombentreffer während des Zweiten Weltkriegs, erfolgte nach Kriegsende ein Wiederaufbau als Wohn- und Geschäftshaus-Ensemble in Frankfurt am Main. Sichtbare Bezüge zur vormaligen Nutzung als Produktionsstätte ehemals bekannter Musikinstrumente sind nicht vorhanden. Quellen:

Ehemaliger Sitz des ersten Bockenheimer Lichtspieltheaters,Leipziger Str.62A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Mehrfamilien-Mietshaus von 1905 im Stil der Neorenaissance mit Balkons auf profilierten Konsolen wurde ab 1909 im Erdgeschoss das erste Bockenheimer Lichtspieltheater betrieben. Der Kinosaal hatte 150 Plätze und wurde bei täglicher Spielzeit bis 1920 betrieben (Quelle: Kino Wiki).

Der erste Betreiber war Eduard Reichel, Elbestraße 31. Unter seiner Adresse wurde auch lange, bis vor dem Umbau ab Mai 2020, der älteste Nightclub Frankfurts das Pik Dame, betrieben.[287]

In der Nachkriegszeit bis in die 1970 Jahre, bot in der Leipziger Straße 62A das Weinhaus Borrmann Inh. Joachim Dahinden in einem Teilbereich der Ladenfläche seine Dienste im Bereich Weinhandel an. Im anderen Teilbereich wurde das Lebensmittelfachgeschäft „Schwarzwald Stube“ betrieben,[288] deren Spezialität der Verkauf von Original Schwarzwälder Schinken, Bauernbrot, hausgemachte Suppen und Bauernwurst war.

Auch heute sind die zwei Ladengeschäfte vermietet. Spuren des ersten Bockenheimer Lichtspieltheaters von 1909 sind nicht mehr vorhanden.

Ehemaliges Warenhaus Carl Nawratzki & Co. Leipziger Straße 53 Ecke Kurfürstenstraße 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Straße 53 Ecke Kurfürstenstraße 2

Denkmalgeschütztes Mietshaus um 1895 mit Eckbebauung. Putzfassade mit Neurenaissancedetails und turmartiger Eckbetonung mit markanter Dachgaube. Bauherr Kaufmann Carl Nawratzki, Eckladenmieter 1902 Warenhaus Nawratzki & Co. Bürsten-Manufaktur. Der Eigentümer Dr. jur. Arthur Nawratzki verlor mit der 5. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 30. November 1939, wie alle noch tätigen jüdischen Anwälte, seine Zulassung. Er verkaufte 1939 diese Immobilie an Emil Schwab. Die Unterlagen liegen im ISG Frankfurt am Main, das auch ein Photo des Hauses vom 11. Oktober 1910 anlässlich des Margeritentages aufbewahrt (Reproabzug einer Zeitungsillustration ISG Bestandskürzel S7Z1910). Später wurde im Erdgeschoss eine Filiale der Stadtsparkasse Frankfurt am Main eingerichtet, wobei trotz Denkmalschutzes das Erdgeschoss einschließlich des Eingangsportals modernisiert wurde. Diese Zweigstelle wurde mit der Fusion der Frankfurter Sparkassen später geschlossen. Laut Notiz des ISG wurde am 13. November 1984 ein 44-jähriger Geophysiker in einer Wohnung dieses Hauses erdrosselt aufgefunden. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Nach erneuter aufwendiger Sanierung des Hauses befindet sich dort im Erdgeschoss derzeit eine Filiale der Targobank. Bereits seit 1902 besteht die Gebäudenachbarschaft mit dem bis heute dort ansässigem Lebensmitteleinzelhandel Fischhaus Bader.

Ehemalige Gaststätte ZUM WALFISCH, Leipziger Straße 60 / Ecke Markgrafenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Str. 60

Mietshaus von 1900 im Stil der Neorenaissance mit Putzfassade und archivoltierenden Fenstern, teilweise durch Vorhangbogen ergänzt. Muscheldekor im Bogenfeld. Ein Erkertürmchen betont die Ecklage. Im Erdgeschoss ehemaliger Sitz der legendären Gaststätte ZUM WALFISCH, damaliger Treffpunkt der Aeppelwein- und Bierfreunde Bockenheims[289]. Seit 1985 ist hier der Geschäftssitz eines 1925 in Bockenheim gegründeten Optikerfachgeschäftes.

Ehemaliges Kaufhaus Wronker, nachmaliges Kaufhaus West, Ecke Leipziger Straße 47–51/Kurfürstenstraße 1–3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kaufhaus Wronker, später Kaufhaus West

Dieses denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus wurde 1913 nach dem Entwurf von Jean Eichberger (1883–1918) mit neuklassizistischer Fassadengliederung und Ornamentik des Jugendstils an der Ecke Leipziger Straße 47–51/Kurfürstenstraße 1–3 für den legendären Hermann Wronker[290] (1867–1942, KZ Auschwitz) als sein zweites Frankfurter Kaufhaus Wronker erbaut.[291] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es unter dem Namen Kaufhaus West betrieben. In den 1970er Jahren musste das Kaufhaus West durch die Konkurrenz der inzwischen wieder verschwundenen Kaufhäuser Bilka (jetzt Woolworth Deutschland) und Kaufhof schließen. Danach betrieb die ehemalige, später liquidierte Firma Schade im Erdgeschoss eine Filiale ihres Lebensmitteleinzelhandels, dem die Filiale einer, später ebenfalls liquidierten Drogeriekette folgte. Ein Investor sanierte das Gebäude, restaurierte die Fassade und baute das Dachgeschoss um. Die Geschäftsräume sind gegenwärtig an ein privates Sprach- und Übersetzungsinstitut verpachtet. Bezüge auf Wirken und Leben des Bauherrn sind vor Ort nicht vorhanden.

Ehemalige ZET-Kaffee-Rösterei, Leipziger Straße 95[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Str. 95

In der Leipziger Straße 95 wurde in der Nachkriegszeit seit 1952 unter der Leitung von Otto Zereske eine familiengeführte Traditions-Kaffeerösterei mit Ausschank unter dem Namen ZET-KAFFEE betrieben. Als deren Logo wurde bereits damals ein kleiner „Kaffeemohr“ verwendet. Sein Sohn Jürgen O. Zereske integrierte die Frankfurter ZET-Rösterei mit der übernommenden Firma Linnenkohl – Wiesbaden, die sich als eine der ersten und ältesten Wiesbadener Kaffee-Brennerei seit 1852 mit eigenem Kaffee- und Teelager bezeichnete. Danach wurde der Firmenname in ZET-KAFFEE-RÖSTEREI geändert. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde der Tee- und Kaffeeladen in der Leipziger Straße 95 aufgegeben und sich auf die Wiesbadener Verkaufsstelle konzentriert.[292]

Ehemalige Bäckerei und Konditorei K. & W. Link, Leipziger Straße 106[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Liederheft für die Karneval-Saison 1956 der Bockenheimer Turngemeinde (1860–1960) Marburger Straße 28 schaltete die Bäckerei und Konditorei K. & W. Link, Leipziger Straße 106 eine Werbeanzeige für ihre guten Kreppel mit delikater Füllung. Auch im Liederheft für die Karneval-Saison 1960 der 100 Jahre alten Bockenheimer Turngemeinde (1860–1960) Marburger Straße 28 schaltete diese Bäckerei eine Werbeanzeige gleichen Inhalts.

Ehemalige Villa des Johann Conrad Rohmer, Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan von 1873 der Liegenschaften der Familie Rohmer, Villa des Johann Conrad Rohmer oben rechts

Der Stammvater der Bockenheimer Stifterfamilie Johann Conrad Rohmer (* 19. März 1769 in Eltersdorf bei Nürnberg; † 25. November 1825 in Bockenheim) war Bürger, Kauf- und Handelsmann der Stadt Frankfurt am Main. Er stammte aus einer der verbreitetsten Familien Eltersdorfs. Er heiratete am 10. August 1814 in Celle seine 18 Jahre jüngere Ehefrau Johanna Dorothea Sophia Barbara geborene Peters (* 1. Juni 1787 in Wennebostel bei Hannover; † 13. November 1858 in Bockenheim), die 71 Jahre alt wurde und ihn um 33 Jahre überlebte. Das Ehepaar hatte acht Kinder, ihr ältester Sohn Heinrich wurde 1815 in Hamburg geboren und drei folgende Kinder 1816, 1817 und 1819 in Manchester. Die nächsten vier Kinder wurden dann schon in Bockenheim geboren. Die Zwillinge Juli und Anna wurden am 5. Juli 1825 in Bockenheim geboren, etwa vier Monate vor dem Tod des Vaters Johann Conrad Rohmer am 25. November 1825.[293]

Johann Conrad Rohmer hatte mehrere Geschwister, u. a. einen 15-Jahre jüngeren Bruder Johann Heinrich Rohmer (* 27. August 1784 in Eltersdorf bei Nürnberg; † 24. Oktober 1854 in Bockenheim). Dieser hielt sich länger in Liverpool auf und heiratete dort die 19-jährige Franziska (Fanny) Diggles (* 11. Februar 1805 in Liverpool; † 17. März 1870 in Bockenheim). Johann Conrad Rohmer betrieb für ihn die Anerkennung nebst Abgabe des Frankfurter Bürgereids am 16. Mai 1823, damit Johann Conrad seinen Bruder Johann Heinrich in seine neu gegründete Firma „Gebrüder Rohmer Englische Manufakturen“ aufnehmen durfte. Johann Conrad Rohmer selbst hatte bereits am 27. November 1820 seinen Frankfurter Bürgereid abgelegt, den er auch nach Umzug in die selbständige Stadt Bockenheim behielt.

Exkurs: Zwei Jahre nach der Niederlage Napoleons bei der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 erhielt am 9. Juli 1815 die Stadt Frankfurt am Main ihre Souveränitätsrechte zurück und wurde nicht Teil des Königreichs Bayern. Endlich konnte wieder umfangreicher Handel betrieben werden. Vorbei waren die Zeiten von 1810, wo wegen der Kontinentalsperre auf der Pfingstweide vor den Toren der Stadt am heutigen Frankfurter Zoo[294] ein großes Lager mit englischen Waren öffentlich verbrannt wurde.[295]

1814 entstand auf dem Wiener Kongress das Königreich Hannover als Nachfolgestaat des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg und wurde zunächst in Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover geführt. Der König von Hannover war gleichzeitig Herrscher des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland. Johnn Conrad Rohmer konnte so 1816 ohne größere Schwierigkeiten nach Manchester umsiedeln und dort seine Geschäfte aufnehmen. Bereits im Jahre 1824, nur vier Jahre nach Rückkehr aus Manchester, konnte er diese Liegenschaft über Ludwig Plaßmann von dem Gastwirt und Hotelier Friedrich Lippert erwerben. Lippert war ein Investor und Hoteleigentümer des damals sehr berühmten Hotels Englischer Hof (Hotel d'Angleterre) am Roßmarkt 13 und 15. Dieses Hotel wurde 1797 von dem französischen Architekten Nicolas Salins de Montfort im Auftrag von Friedrich Lippert errichtet. Zu seinen berühmten Gästen zählten u. a. Arthur Schopenhauer und Otto von Bismarck. Von 1808 bis 1829 war dieses Hotel über zwanzig Jahre lang das Veranstaltungslokal für die Konzerte der Frankfurter Museumsgesellschaft, des damals bedeutendsten Frankfurter Kulturvereins nach den Napoleonischen Kriegen.

Nach 107 Jahren wurde dieses Hotel 1904 vom neuen Eigentümer abgerissen, um es gegenüber dem 1888 neu erbauten Frankfurter Hauptbahnhof unter demselben Namen Englischer Hof wieder zu errichten. Durch dessen optimale Lage, verbunden mit seiner neusten Haustechnik versprach er sich spürbare Standortvorteile für seinen Hotelbetrieb.

Die von Johann Conrad Rohmer erworbene Liegenschaft bestand aus einem umfangreichen Parkgelände und einer 1811 errichteten zweistöckigen Villa. Auch befand sich auf dem Gelände ein großer Weiher, der durch eine unterirdische Quelle, bedingt durch den relativ hohen Grundwasserpegel Bockenheims, gespeist wurde. Das Flurstück lag an der damaligen Bebauungsgrenze des noch selbständigen Bockenheims und grenzte im Nordwesten an noch unbebaute, landwirtschaftliche Flächen nahe der wieder reichsfrei gewordenen, prosperierenden Stadt Frankfurt am Main, und versprach schon damals hohen Wertzuwachs. Die Frankfurter Straße, später in Leipziger Straße umbenannt, führte durch das Parkgelände, das auf der rechten Seite durch die heutige Juliusstraße, der heutigen Falkstraße und der heutigen Straße „Am Weingarten“ begrenzt wurde. Allein die Grundstückslage strotzte vor Entwicklungspotential. Trotz des frühen Todes von Johann Conrad Rohmer im Jahr 1825, blieb das große Landhaus noch bis 1905 im Familienbesitz. Abriss und Parzellierung erfolgten erst 1905. In Erinnerung an diesen Park besitzt die Markgrafen-Straße quasi als Bebauungsvorgabe beiderseits Vorgärten. Spuren dieser von Johann Conrad Rohmer 1824 gekauften Liegenschaft sind heute real nicht mehr vorhanden. Alle Teilflächen wurden vollständig bebaut.

Das links der ehemaligen Frankfurter Straße gelegene, fast doppelt so große Parkgelände wurde nach dem Tod Johann Conrad Rohmers 1825 von Sohn Heinrich Rohmer erworben. 1835 erbaute sich Heinrich Rohmer dort eine weitere Villa, von der es noch Photos gibt. Diese lag südlich der heutigen Leipziger Straße und wurde von Kurfürstenstraße und „Großer Seestraße“ begrenzt. Auch diese Liegenschaft hatte einen ansehlichen Teich bedingt durch das hohe Grundwasser.

Das Ehepaar Johann Conrad Rohmer und Johanna Dorothea Sophia Barbara geborene Peters wurde auf dem „alten“ Friedhof Frankfurt-Bockenheim in der Solmsstraße beigesetzt. Ihre Grabmale haben sich erhalten, werden aber ständig mit Graffiti geschändet.

Mit dem bekannten französischen Film- und Theaterregisseur Éric Rohmer (1920–2010) hat diese Familie nichts zu tun. Dieser hieß ursprünglich Jean-Marie Maurice Schérer. Den Namen Éric Rohmer wählt er sich als Pseudonym. Zur Wahl seines Pseudonyms erklärte Rohmer: „Es war ein Name, den ich einfach so gewählt habe, aus keinem bestimmten Grund, einfach weil er mir gefiel“.

Ehemalige Eduscho Filiale Kaffeegeschäft, Leipziger Straße 35[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eduscho Logo.jpg

Seit den 1970er Jahren existierte hier eine Filiale der Firma Eduscho mit integriertem Kaffee- und Kakaoausschank an Stehtischen. Dort wurden durch eigenes Personal ausschließlich Eduscho-Produkte (neben Kaffee und Non-Food-Ware auch Schokolade, Pralinen und Tee) verkauft. Diese Filiale entwickelt sich rasch zu einem besonders bei der Studentenschaft angesagtem Stadtteil-Treffpunkt. 1997 verkaufte die Firma Eduscho, bedingt durch geänderte Marktsituation, ihr Kaffeegeschäft an den Hamburger Hauptwettbewerber Tchibo, der Eduscho als eigenständige Marke aufgab. Auch diese Filiale wurde auf das Tchibo-Design umgestellt. Die formals eigene Tchibo-Filiale in der Leipziger Straße wurde geschlossen. Auch der integrierte Kaffeeausschank an Stehtischen wurde zugunsten Aktionsware sog. Non-Food Artikel aufgegeben.

Ehemalige Filiale der EWK Eisenwerke Kaiserslautern, Rückgebäude Leipzigerstrasse 35[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung 1911

Eine Filiale der Eisenwerke Kaiserslautern (EWK) AG mit Büro- und Lagerräumen befand sich Frankfurt-Bockenheim, Rückgebäude der Leipzigerstrasse 35[296] des heute in dieser Form nicht mehr bestehenden Industrieunternehmens in Kaiserslautern. welches vor allem im Eisen- und Stahlbau als auch im Radiatorenbau aktiv war.

Unterlagen von 1929 zu diesem Filialbüro Frankfurt–Bockenheim, Leipzigerstrasse 35, finden sich im ISG Frankfurt. Heute wird dort eine Galerie mit Restaurant betrieben.

Ehemaliges Photographisches Institut R. Schwab, Leipziger Str. 33, vormals Frankfurter Str. 33[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liegenschaft in der Leipziger Straße 33 mit historischen Fassadenankern. Eine erste Bebauung erfolgte durch den Bockenheimer Bauunternehmer und späteren Bürgermeister Peter Rein und seinen Geschäftspartner David Bender, die auch die jeweiligen Nachbarhäuser erbauten. 1824 wurde der Spenglermeister Christian Schwenk Eigentümer. 1882 erwarb Julius Müller, dann 1885 der Landesproduktenhändler Jakob Berlyn die Liegenschaft. Von 1904 bis 1935 arbeitete hier der Photograph R. Schwab. In seiner Bockenheimer Häuserchronik berichtete Heinrich Ludwig über die wechselnden Eigentümer.[297] Nach Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Mehrfamilienhaus mit vereinfachter Fassade wieder aufgebaut. Danach war es lange legendäres Geschäftslokal des Einzelhändlers Haushaltswaren Peikert mit Spielwarenabteilung in räumlich tiefen Geschäftsräumen. Heutiger Mieter ist der Sonderpostenmarkt Bin Cheng MIXX in baulich veränderten Geschäftsräumen, besonders die ehemals außenliegende umgehbare Verkaufsvitrine vor dem eigentlichen Ladeneingang wurde vorher zurückgebaut. Auch wurde Raum für ein zusätzliches Ladenlokal geschaffen.

Ehemalige Filiale Radio Diehl, Leipziger Straße 29[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio Diehl, Leipziger Straße 29

Laut dem Bockenheimer Häuserchronisten Heinrich Ludwig bebauten 1826, unter der Herrschaft des Kurfürsten von Hessen-Kassel Wilhelm II. die Bockenheimer Bauunternehmer Peter Rein und David Bender fast zeitgleich die Parzellen Leipziger Straße 29, 31 33 und 35. Von 1828 bis zu seinem Tod am 24. September 1848 betrieb H. Leining fast zwanzig Jahre hier seine Wirtschaft Zum Weinberg, die dann seine Witwe weiterführte. Ab 1864 wurde Johann Ludwig Eigentümer, der hier 1865 zusätzlich eine Tanz- und Trinkhalle errichtete. Ihm folgten im jungen Kaiserreich 1872 erst Georg Prächter, dann ab 1885 seine Witwe Margarete Prächter geborene Madern. Es folgte als neuer Eigentümer der Gießener Kaufmann J. Pfeffer. Nach starken Kriegsschäden durch Fliegerbomben wurde das Gebäude mit vereinfachter Fassade und erweiterten Stockwerken wiederaufgebaut. Einzig ein Fenster mit auch nur teilweise rekonstruiertem Dreiecksgiebel als Fensterverdachung im Stil der Spätgründerzeit (1890–1918) erinnert an die ursprünglich opulente komplette Fassadengestaltung.

Mieter des Ladengeschäftes zwischen ca. 1960 bis 1990 war eine Filiale der Firma Radio-Diehl. Gründer Gottfried Diehl (1905–1981) übergab sein Radio-Einzelhandelsfachgeschäft an seine Söhne Alexander und Götz Diehl, die das Unternehmen zum führenden Unterhaltungs-Einzelhändler mit 20 Filialen im Rhein-Main-Gebiet ausbauten. Eine erfolgreiche Marketingsmaßnahme war eine jährlich veranstaltete internationale HiFi-Stereo-Ausstellung im Volksbildungsheim am Eschenheimer Turm. Auch mittels ihrer Filiale Leipziger Straße 29 erwirtschaftet Radio-Diehl 1988, nebst seinem ProMarkt auf der grünen Wiese in Eschborn, mit insgesamt 500 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von circa 200 Millionen DM. Dies erweckte natürlich Begehrlichkeiten. So forciert REWE-Chef Hans Reischl 1988 (laut Der Spiegel 32/1988)[298] u. a. den Kauf von Radio-Diehl für ca. 40 Millionen, so wie er 1989 auch die komplette Leibbrand Gruppe mit Hilfe von Leibrand Chef Klaus Wiegandt eingliederte. Heute sind die Brüder Alexander und Götz im Immobilienbereich als Verwalter und Investoren tätig.[299] Der technische Fortschritt, aggressive Mitbewerber, eine geänderte Konzernstrategie und ein verändertes Konsumverhalten führten beim Radio-Diehl zunächst zur Räumung dieser Filiale Leipziger 29 und endete letztlich mit dem kompletten anrüchigem Verkauf von Radio-Diehl an die Firma Radio-Ostheimer in Schöllkrippen/Mainaschaff samt rechtlicher Aufspaltung und arbeitsrechtlicher Prozesse. Diese verkauften an die Versandhandels-Domain electronica24, domiziliert in der Ostheimer-Zentrale in Aschaffenburg-Nilkheim. Begleitet von mehrfachen Strafanzeigen wurden dann Insolvenz angemeldet.[300] Danach herrschte lange Zeit ein Miet-Leerstand der Erdgeschossfläche.

Seit 2008 ist hier die Frankfurter Groß-Bäckerei Eifler Mieter, die seitdem hier, auf einer in die Tiefe gehenden Fläche, ihr erstes sogenanntes Grande Café nebst einer ihrer zahlreichen Verkaufsfilialen betreibt.

Ehemalige Filiale Tengelmann´s Kaffee-Geschäft, bzw. Montanus aktuell, Leipziger Straße 25, Ecke Landgrafenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Straße 25 (1905)

In diesem Eckgebäude befand sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine Filiale von Tengelmann´s Kaffee-Geschäft. Nachdem die Bombenschäden aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt worden waren, wurde die Immobilie, speziell der Eckladen, mehrfach umgebaut. Ab Anfang der 1970er Jahre betrieb hier der Frankfurter Bahnhofsbuchhändler Hermann Montanus (1915–1990) eine Filiale seiner stark expandierenden linksorientierten Ladenkette „Montanus aktuell“ unter seiner Frankfurter Hauptverwaltung. Er verzichtete, analog dem Erfolgskonzept seiner Bahnhofsbuchhandlungen, auf ein gleichartiges Stammsortiment seines Buchangebots, sowie auf eine traditionelle Buchberatung im Verkauf. Auch bot er ein Überangebot von Zeitungen und Zeitschriften an, die die Verlage ihm direkt anliefern mussten. Er übersprang den Großhandel und erhielt damit größere Rabatte. Die gleiche Strategie wandte er auch bei Schallplatten der Musikbranche an. Verkaufsfördernd war auch das beständige Abspielen neuster Musik in seinen Filialen. So entwickelte sich auch die Filiale Montanus aktuell, Leipziger Straße 25, schnell zum Kultort nicht nur Bockenheimer Studenten. Die explosionsartige Vergrößerung auf 45 Filialen, besonders in der Nähe von Universitäten, war ohne zusätzliches Kapital nicht möglich. Der Verleger John Jahr (1900–1991) wurde mit einer großen Kapitalbeteiligung zum bedeutenden Mitgesellschafter, hatte sich doch Montanus zu einem seiner Großkunden entwickelt. Aber auch das Humankapital musste mitwachsen. So begann u. a. der spätere Musikmanager Thomas M. Stein (* 1949)[301] bei Montanus seine berufliche Karriere. In einer oberen Etage dieser Montanus-aktuell-Filiale in der Leipziger Straße mietete sich dann zeitweise auch Hellmuth Karasek (1934–2015) ein. Der wirtschaftliche Renditendruck, steigende Kosten, sinkende Verkaufszahlen bedeuteten das Ende der selbständigen Montanus-aktuell-Gruppe. Hermann Montanus musste 1973 aus der Firma aussteigen und 1982 selbst für seine Bahnhofsbuchhandlungen Konkurs anmelden. Er verlor dadurch sein gesamtes Restvermögen. Montanus aktuell ging in großen Teilen an die Hussel-Gruppe (jetzt Douglas Holding AG)und wurde fusioniert mit dier Buchhandelsgruppe Thalia Bücher. Diese verlagerte den Filiastandort zunächst in die Leipziger Straße 47 als Phoenix Montanus, um sich später ganz aus Bockenheim zurückzuziehen.

Das Ladenlokal Leipziger 25 mietete dann der Kaffeeröster Tchibo, der später aber in die Räume Leipziger Straße 35 seines von ihm aufgekauften Mitbewerbers Eduscho zog. Der Immobilienbesitzer ließ die Nachkriegsbebauung niederlegen und an gleicher Stelle ein fünfstöckiges Wohn- und Geschäftshaus errichten, einschließlich zweier Ladengeschäfte. In den neuen Eckladen zog eine von 1.082 Filialen des Bijou-Brigitte-Konzerns, Hamburg, der aber schnell wieder aus dem Mietvertrag ausstieg. Der nächste Mieter war und ist ein Telekom Shop.

Ehemaliges Café Dülk, Leipziger Str. 26[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Str. 26

Nach dem kurhessischen Hof- und Staatshandbuch für 1838 betrug die Einwohnerzahl der damals noch selbständigen kurhessischen Stadt Bockenheim 2.755 Personen, im Vergleich zu 54.822 Einwohnern der nahen Stadt Frankfurt.[302] Gemäß Aufzeichnung erfolgte in diesem Jahr eine dokumentierte Bebauung der Frankfurter Straße 20, die nach der 1895 erfolgten Eingemeindung in Leipziger Straße 26 umbenannt wurde.[303] In der Zeit vor und nach der Septemberrevolution 1848 hatte hier J. P. L. See seinen Verlag Bürgerblatt für Bockenheim. Spätestens seit 1862 betrieben hier Konditoren und Bäcker ihr Gewerbe. So z. B. ab 1882 der Konditor Karl Ludwig Paulizky, ab 1904 Philipp Bender, für den ab 1927 ein A. Goldberg ein Kaffeehaus betrieb, der aber bereits 1935 wegen der Arisierung das Geschäft, namens Café des Westens, an den Bäckermeister C. Bender, Sohn des Philipp Bender, übergeben musste. Aus der Zeit vor der Bombardierung Bockenheims 1944 hat sich eine Foto-Postkarte des Café Dülk mit eigener Konditorei im Haus Leipziger Straße 26 erhalten.[304] Noch 1963 meldet der Hotel- und Gaststättenverband Frankfurt am Main eine Lucie Dülk als Mitglied an. Ebenfalls liegt im ISG Frankfurt ein Vertrag zwischen dem Stadtbahnbauamt und dem Grundstückseigentümer Rudolf Dülk zum Bau einer Tunnelanlage in den Grundstücken Gemarkung Bockenheim, Flur 11, Nr. 540/19 und 524/17 (= Leipziger Straße 26) im Zuge des U-Bahnbaus in Bockenheim vom 2. Oktober 1979. Seit ca. 1985 betreiben ein Thai-Restaurant und ein chinesisches Bistro in dieser Immobilie ihre Geschäfte.

Ehemaliges Photographisches Institut Carl Abel Leipziger St.22, einst Frankfurter Str.16[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Bockenheimer Häuserchronik berichtete Heinrich Ludwig[305] von einer Bebauung des Grundstücks des vormaligen Frankfurter Grundstückseigentümers mit Migrationshintergrund Philipp Jacob Passavant (1782–1856)[306] im Jahre 1825/26 durch den Uhrmachermeister Bingenheimer und des Chirurgen Gottfried Bender, sowie von einem Hauseigentümer Eduard Engelhard im Jahre 1862. Vor und nach der Okkupation Kurhessens und damit der Stadt Bockenheim, sowie auch der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main durch das Königreich Preußen gehörte 1862 bis 1871 diese Liegenschaft dem Uhrmachermeister und Bockenheimer Stadtrat Christian Friedrich Heinrich Mäcker. Das ISG Frankfurt bewahrt das Gesuch des Carl Abel, Fotograf aus Bockenheim, von 1865 um Erteilung der Gewerbeerlaubnis als Fotograf in Frankfurt zwecks Übernahme des fotografischen Geschäfts des J. W. Einbigler.[307] Bereits seit 1875 betrieb Carl Abel in der noch selbständigen Stadt Bockenheim in der damaligen Frankfurter Straße 16 ein Photographisches Institut. 1895, nach der Eingemeindung in die Stadt Frankfurt, erhielt die Liegenschaft durch verändere Parzellierung der Nachbargrundstücke die Adresse Leipziger Straße 22. Noch nach 1904 arbeitete hier Carl Abel als Photograph. Auch sein Sohn arbeitete später hier. Der Erste Weltkrieg und der nachwirkende wirtschaftliche Niedergang führten zum Ende des Photographischen Institutes. Einige seiner Photos werden heute noch antiquarisach angeboten.

1927 und auch 1935 betrieb hier und in dem Nachbarhaus Leipziger Straße 24 Bäckermeister C. Bender sein Handwerksbetrieb. Ihn löste ab 1940 der Bäckermeister Joseph Geishecker ab, der nach dem Zweiten Weltkrieg vom gegenüber liegenden Standort Leipziger Str. 19 einen großen, Bockenheim dominierenden Bäckerei-Filialbetrieb mit zuletzt 24 Zweigstellen im gesamten Frankfurter Stadtgebiet entwickelte. An seine markanten blau-weißen Firmenfarben und dem Geisbock als Firmenenblem[308] erinnern sich heute noch zahlreiche ältere Bockenheimer. Seine starke Expansion führte zur Aufgabe seines hier domizilierten Produktionsbetriebes. Er ließ im benachbarten Frankfurt-Rödelheim, Eschborner Straße 135, eine neue Zentralbäckerei, errichten. Der Tod von Joseph Geishecker, die aufkommende Wirtschaftskrise, das geänderte Konsumverhalten und die veränderte Mitbewerbersituation durch Großdiscounter veränderten wiederum auch hier den Markt.[309] Oliver Mayer, Bäcker in dritter Generation der damalig 76 Jahre alten Frankfurter Bäckerei Mayer mit vormalig über 30 eigenen Zweigstellen übernimmt, nach eigener Insolvenz, 2014 die 24 Filialen der Bäckerei Joseph Geishecker, Wenig später verschwand er vollständig vom Markt.[310] Der Name Geishecker ging unter. Die Geishecker-Keimzelle am Standort Leipziger Str. 19 samt leerstehenden Produktionshallen wurde verkauft und vom Lebensmittelhändler Alnatura zu einem seiner Ladengeschäfte aus- bzw. umgebaut. In der Liegenschaft Leipziger Straße 22 bietet heute ein Elektrofachgeschäft seine Waren an.

Vom mehrfach umgestalteten Gebäude der Leipziger Straße 22 fällt besonders der markante Dachsims zwischen dem senkrechten Mauerwerk der Außenseite und dem schräg aufgelegten Dach auf. Diese Anschlusszone schließt die Fassade nach oben hin ab. Die historischen eisernen Zuganker auf der Fassade sorgen mit ihrer optischen Spannwirkung für eine horizontale Stabilität dieses Gebäudes. Sie haben aber hier nur noch dekorative Bedeutung. Die ehemaligen Sprossenfenster wurden durch sprossenlose Ausführungen ausgetauscht, dafür haben sich die konturgebenden Holzfensterläden erhalten. Auch der Ladenbau im Erdgeschoss wurde modernisiert.

Ehemalige Weingroßhandlung Menzer, dann Autohaus Fritz Opel & Co., Leipziger Straße 32[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leipziger Straße 32, ehemaliges Autohaus Fritz Opel & Co. (1938)

In der noch selbständigen Stadt Bockenheim, Frankfurter Straße 32, der späteren Leipziger Straße 32, in Nachbarschaft zum Gasthaus Deutscher Hof bzw. zu Forell's Garten, eröffnete am 1. Mai 1877 hier der badische Weingroßhändler und Politiker Julius Menzer (1845–1917) eine weitere Weinstube analog einer 1840 vom Vater gegründeten berühmten griechischen Weinstube Zur Stadt Athen in Neckargemünd. Mit deren Ausmalung beauftragte er hier vor Ort ebenfalls den Frankfurter Künstler Karl Julius Grätz (1843–1912). Melzer eröffnete später weitere Niederlassungen im Kaiserreich, so zum Beispiel am 1. Mai 1883 in der Reichshauptstadt Berlin. Sein Tod und die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs führten zur Aufgabe seines Weinhandels auch hier in Frankfurt-Bockenheim.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann in der Leipziger Straße 32 eine Filiale des Autohauses Fritz Opel & Co. nebst Werkstatt betrieben, zumal diese Frankfurter Immobilie den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt überstanden hatte. Neben dem später weiß gekachelten Ausstellungsraum im Vorderhaus, führte hier durch die Einfahrt eine Fahrspur zur im Hinterhaus angebauten Kfz-Werkstatt, die mittels Rampe mit Pkws bis in den ersten Stock befahrbar war. In den 1970er Jahren schloss die nunmehr in Autohaus Georg von Opel umbenannte Unternehmensgruppe all ihre Stadtfilialen, so auch diese in Bockenheim.[311] An der Hauswand der Liegenschaft Leipziger Straße 32 zeugte noch lange ein verblichenes Werbeschild mit den historischen Opel-Farben der vergangenen Geschäftstätigkeit. Ein stadtbekannter Investor kaufte die Immobilie und beabsichtigte u. a., Teile der ehemaligen Opel-Werkstatt zu einem Stadtteil-Parkhaus umzubauen. Er konnte das Vorhaben aber aufgrund fehlender Baugenehmigungen letztlich nicht fertigstellen. Das mehrstöckige Vorderhaus an der Straßenfront der Leipziger Straße 32 im Stil des wilhelminischen Historismus hat seither wechselnde Mieter, zunächst einen Textileinzelhandel und ein Steuerberatungsbüro, jetzt einen Imbiss und eine Praxis für Fußpflege.

Ehemalige Veifa-Werke, Leipziger Straße 36, Wildungerstraße 11-15[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilbebauung der Veifa-Werke (Röntgentechnik). Gründer Friedrich Dessauer.

1907 wurde in Frankfurt am Main die VEIFA – Vereinigte Elektrotechnische Institute Frankfurt-Aschaffenburg, gegründet. Sie war ursprünglich ein Zweigwerk der ELA – Elektrotechnische Werke Aschaffenburg, die der junge Aschaffenburger Friedrich Dessauer begründete. Er wurde als zehntes Kind einer Industriellenfamilie geboren. Sein Vater Philipp Dessauer (1837–1900) war der Gründer der Weißpapier- und Cellulosefabrik Aschaffenburg. Seine Mutter war Elisabeth Maria Karoline Vossen (1843–1920), die Tochter des Farbenfabrikanten Franz Daniel Vossen aus Lüttich. Schon in seiner Jugendzeit faszinierte ihn die naturwissenschaftliche und medizinische Forschung, besonders die von Conrad Röntgen entdeckten X-Strahlen und deren medizinische Einsatzmöglichkeiten. Dessauer studierte ab 1899 Elektrotechnik und Physik an der Universität München und an der TH Darmstadt, musste aber das Studium schon nach zwei Jahren abbrechen, da sein Vater plötzlich starb. Friedrich kehrte als 20-Jähriger wieder nach Aschaffenburg zurück und gründete hier mit dem Aschaffenburger Arzt Dr. Bernhard Wiesner, dem Hausarzt der Familie Dessauer, der bald auch sein Schwager wurde, die ELS Elektrotechnischen Werke Aschaffenburg. Schon kurz nach der Jahrhundertwende begannen Dessauer und Wiesner vorab mit den „Aschaffenburger Röntgenkursen“, die sie regelmäßig bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs veranstalteten. Aschaffenburg wurde damit zu einem der ersten Zentren der Strahlenheilkunde weltweit.

Die VEIFA in Frankfurt-Bockenheim stellte dann mit bis zu 500 Angestellten mit großem Erfolg Röntgenapparate und elektromedizinische Geräte her, die auch international Absatz fanden.[312][313][314][315] 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, trennten sich die beiden Gründer von ihren Unternehmen. Mit der Firma Reiniger, Gebbert & Schall übernahm ein Mitbewerber die Veifa. Wenig später wurde sie Teil des Vertriebsunternehmens Siemens-Reiniger-Veifa Gesellschaft für medizinische Technik m.b.H. in Berlin. 1932 entstand durch Fusion der Reiniger, Gebbert & Schall AG in Erlangen mit der Phönix Röntgenröhren-Fabriken AG mit Sitz Rudolstadt (Thüringen) und dem Vertriebsunternehmen Siemens-Reiniger-Veifa Gesellschaft für medizinische Technik m.b.H. in Berlin die Siemens-Reiniger-Werke AG (SRW) mit Sitz in Berlin. Im Zuge dieser Neuorganisation wurde nahezu die gesamte Fabrikation elektromedizinischer Erzeugnisse der Siemens & Halske AG von Berlin und auch der Veifa in Frankfurt-Bockenheim nach Erlangen verlegt. 1966 wurden die drei Aktiengesellschaften Siemens & Halske, Siemens-Schuckertwerke und Siemens-Reiniger-Werke in der Siemens AG vereinigt. Der medizintechnische Bereich firmierte nun unter dem Namen „Siemens AG, Wernerwerk für medizinische Technik“. Im Zuge einer allgemeinen Umstrukturierung wurde das Wernerwerk 1969 in „Siemens Unternehmensbereich Medizintechnik“ (Unternehmensbereich UB Med) umbenannt, 2001 zu „Siemens Medical Solutions“ und schließlich 2008 zur heutigen „Siemens Sector Healthcare“.

Die Veifa-Immobilie in Frankfurt-Bockenheim ging vollständig an das stark expandierenden Bockenheimer Industrieunternehmen Hartmann & Braun AG, die nicht nur dieses Gebäude, sondern u. a. auch die Wildunger Straße mittels Mauer vollständig vom Stadtgebiet Frankfurt-Bockenheim isolierte. 1997, nach der Aufgabe des Standorts der Hartmann & Braun AG in Frankfurt-Bockenheim und Verlagerung nach Eschborn, übernahm einen Teil der ehemaligen Veifa-Immobilie die GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen und errichtete dort Mietwohnungen. Einen anderen Teil übernahm ein Privatinvestor, der seither hier Büroräume anbietet, dessen mehrfach saniertes Gebäude heute nur noch kundigen Bockenheimer an die VEIFA erinnert. Deren Gründer Friedrich Dessauer erwählte der Bauverein Katholische Studentenheime e. V. zum Namenspatron für ihr Studentenwohnheim Friedrich-Dessauer-Haus (FDH) vor den Toren Bockenheims im benachbarten Stadtteil Frankfurt-Hausen.

Ehemalige Gaststätte ZUM KURFÜRST , Kurfürstenplatz 29[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfamilienhaus mit Gasthaus ZUM KURFÜRST im Erdgeschoss

Das Ecklokal, Restauration ZUM KURFÜRST Inhaber um 1903 Karl Ernst, in einem 1944 durch Fliegerbomben zerstörten Mehrfamilienhaus, erbaut um die Jahrhundertwende mit markanten ausgebauten Dachgauben. In der Nachkriegszeit wurde auf dieser Parzelle das Pfarrhaus der römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth, ein Teil des Bistums Limburg, errichtet. Rückläufige Anzahl der Gemeindemitglieder und dadurch wirtschaftliche Zwänge machten auch hier eine Neuordnung der katholischen ortlichen Kirchenorganisation notwendig. Seit dem 1. Januar 2017 entstand so die Pfarrei Sankt Marien.

Ehemalige Bockenheimer Volksbank eGmbH, Elisabethstraße 18[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Logo der Bockenheimer Volksbank

Die damals noch selbständige Stadt Bockenheim im Kurfürstentum Hessen-Kassel gründete drei Jahre vor Okkupation durch das Königreich Preußen 1863.[316] eine eigenständige Volksbank. 30 Jahre später wurde 1893 ein eigenes Bankgebäude gegenüber der St. Elisabethkirche am Kurfürstenplatz bezogen. Die sogenannte Gründerkrise hatte man erfolgreich überlebt. Auch dank des neuen preußischen Genossenschaftsgesetzes von 1868, nachdem alle Mitglieder einer Volksbank nunmehr nur noch mit der sog. Solidarhaft und nicht mehr mit ihrem gesamten Vermögen hafteten. Auch die Wirren der Weltwirtschaftskrise, Inflation, Kriegszeit und Währungsreform wurden gemeistert. 1955 fusionierte man zunächst mit der Volksbank Eschborn und Niederrad und 1970 mit der Frankfurter Volksbank. Seit der Nachkriegszeit betreibt man die Bankgeschäfte im Eckgebäude an der Leipziger Straße / Ecke Weingarten, jetzt als Filiale der Frankfurter Volksbank.[317] Auch dem Grundstück des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bankgebäudes der Bockenheimer Volksbank wurde in der Nachkriegszeit eine große Wohnsiedlung errichtet, die sich vom Elisabethplatz und Kurfürstenplatz bis zur Schloßstraße erstreckt.

Ehemaliges Restaurant Gargantua, Friesengasse 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Restaurant Gargantua

Von 1984 bis 1993 betrieb hier Klaus Trebes (1947–2011), der 68er Frankfurter Philosophie- und Jurastudent mit Erstem Staatsexamen, Kabarettist, erfolgreicher Kochbuchautor und begnadeter Koch, im kleinen Erdgeschoss in der Friesengasse 3 sein Restaurant, benannt nach dem Riesen Gargantua des französischen Schriftstellers François Rabelais, dem er einen übermäßigen Hunger und einen ungeheuren Durst zugeschrieben hatte. Rasch verbreitete sich der exzellente Ruf seiner Kochkunst über den Alt-68-Freundeskreis und über den Stadtteil hinaus.

1993 zog er mit Ehefrau in das größere Erdgeschoss eines 1902 gebauten vornehmen Mietshauses Liebigstraße 47/Ecke Feldbergstraße um. Ein Jahr vor seinem plötzlichen Tod[318] übersiedelte das Gargantua 2010 letztmals in die Liegenschaft Frankfurter Welle, unweit der Frankfurter Alten Oper. 2013 wurde das Gargantua geschlossen.

Am ursprünglichen Gründungsort in der Friesengasse 3 wird erfolgreich im Erdgeschoss ein spanisch-galicisches Tapas-Restaurant namens Galicia betrieben.[319]

Ehemaliger Zweirad Sondergeld, Rödelheimer Straße 32[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Sondergeld war, wie schon sein Vater Theodor, der Wirt der Gaststätte Zum Tannenbaum in Frankfurt-Bockenheim, Rödelheimer Straße Ecke Schloßstraße. Er verkaufte Lager- und Flaschenbiere der Frankfurter J. J. Jung Brauerei (Johann Jakob Jung), Darmstädter Landstraße 132, die 1921 mit der Binding-Brauerei zur „Schöfferhof-Binding-Bürgerbräu Aktiengesellschaft“ zusammengelegt wurde. Fotos dieser Gaststätte von 1905 und 1906 im ISG Stadtarchiv Frankfurt. Die beiden Söhne Willi und Alfons des Julius Sondergeld eröffneten 1925 das Einzelhandelsgeschäft Zweirad Sondergeld am gleichen Ort. Diese Liegenschaft wurde 1944, wie die gesamte Nachbarschaft, durch Fliegerbomben zerstört. Das Fahrradgeschäft wurde dann in die gegenüberliegende Liegenschaft Rödelheimer Straße 32, dem sogenannten Schönhofeck, verlagert. Diese musste 1960 dem Bau der Breitenbachbrücke weichen. 1989 erfolgte in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Schönhof der Neubau des Geschäftes Zweirad Sondergeld, das von Dieter Reiter fortgeführt wurde, einem ehemaligen Lehrling des kinderlos verstorbenen Alfons Sondergeld. 2017 wurde das Unternehmen Zweirad Sondergeld, mangels Nachfolger, geschlossen.[320] 2018 wurde die Immobilie komplett abgerissen, das Grundstück neu bebaut.

Ehemaliges Autohaus Am Kurfürstenplatz Herweg & Co., Schloßstraße 41-49[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Betriebsgelände des VW-Autohauses Am Kurfürstenplatz Herweg & Co.

Laut Unterlagen des ISG Frankfurt plante 1952 der Architekt Müller für den Bauherrn Hans Nolda die dreistöckige Bebauung der Grundstücke Schloßstraße 45, 47 und 47a mit einer Tankstelle, einem Autodienst und Garagen. Der Dipl. Ing. Alexander Herweg gründete 1955 zunächst in der benachbarten Schwälmer Str. 14, eine konzessionierte VW Verkaufsniederlassung nebst Vertragswerkstatt. Er übernahm die Liegenschaft Nolda und ließ später auf Drängen des VW-Konzerns moderne verglaste Präsentationsräume längs der Schloßstraße 41-49 errichten. Zeitgleich engagierte er sich in der Kfz-Innung Frankfurt und Main-Taunus-Kreis. Zuletzt wurde er dort zum stellvertretenden Obermeister gewählt. Die aufkommende Wirtschaftskrise der Bundesrepublik und damit nachlassende VW—Verkaufszahlen, führten zur Änderung des VW-Audi-Verkaufskonzeptes und zur Kündigung des VW-Audi-Händlervertrags. Alexander Herweg versuchte vergeblich als nunmehr freie Kfz-Werkstatt den Bestand des Unternehmens zu retten. Er entschloss sich jedoch bald zur Liquidation und aufwendiger kompletten Räumung des Betriebsgeländes. Wie vorausschauend dieser Entschluss war, zeigt sich auch in der, laut Handelsblatt vom 10. Oktober 2017, für das Frühjahr 2018 geplante Kündigung der laufenden 3.100 europäischen VW-Händler-Verträgen nunmehr unter dem Kennwort „Notwendige Digitalisierung“. Nach Verkauf der kompletten Liegenschaft Schloßstraße, eröffnete Im Oktober 2009 auf dem Grundstück Schloßstraße 41-49 der Lebensmittel-Discounter Lidl hier eine neuerrichtete Filiale nebst großem Kunden-Pkw-Parkplatz.

Ehemalige Ferdinand Bendix Söhne AG für Holzbearbeitung, NL Ffm-Bockenheim, Clemensstr.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmenstempel

Die Ferdinand Bendix Söhne Aktiengesellschaft für Holzbearbeitung wurde 1892 von den Brüdern Georg und Carl Bendix in Landsberg an der Warthe, heute Stadt Gorzów Wielkopolski, Westpolen, gegründet mit Zweigniederlassungen in Berlin O-27 (Friedrichshain-Kreuzberg) und Frankfurt am Main-Bockenheim.

Die Frankfurter Niederlassung wurde während des Ersten Weltkriegs geschlossen, bzw. aufgelöst. Ein Briefumschlag von 1901 mit der Ferdinand Bendix Söhne Aktiengesellschaft für Holzbearbeitung, Niederlassung Frankfurt am Main-Bockenheim hat sich erhalten, ebenso ein Nonvaleur-Aktienmantel der AG, sowie ein Firmenprospekt. Ein Erzeugnis der Firma, ein Schulpavillon von 1912 in Berlin, Pankow-Weißensee, Parkstraße 15E, hat sich bis heute erhalten und wurde vom Land Berlin unter Denkmalschutz gestellt. Am 18. Juli 1932 wurde die AG aufgelöst.

Ehemalige Vorkriegsbebauung Kreuzung Große Seestraße und Mühlgasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme Juli 1945, u. a. Große Seestraße und Mühlgasse

Die abgebildete Vorkriegsbebauung der Kreuzung Frankfurt-Bockenheim, Große Seestraße und Mühlgasse (vormals Sterngasse) mit Blick in die Kleine Seestraße (vormals Kleine Sandstraße) wurde 1944 durch Fliegerbomben zerstört. Rechts Teilansicht auf Lebensmittelfiliale der Firma Latscha. Frontalsicht auf Haus Kleine Seestraße 2 des Philipp Eberhardt, der hier seit 1904 seine Spezereihandlung betrieb, das von 1927 bis 1935 noch seine Erben fortführten. Vorgänger seit 1882 war Valentin Sperzel. Info laut dem Stadtchronisten Heinrich Ludwig, der selbst in der Kleinen Seestraße aufwuchs. Besonderheit der Kleinen und Großen Seestraße ist die aufsteigende Hausnummerierung vom Kirchplatz aus, dem historischen Mittelpunkt Bockenheim. Im Gegensatz zur Nummerierung der parallel verlaufenden Leipziger Straße, deren Hausnummern seit der Bockenheimer Eingemeindung von 1895 von der Bockenheimer Warte bis zur Basaltstraße aufsteigen.

Nachkriegsbebauung: Rechts Teilansicht auf das 1991 nach knapp drei Jahren Bauzeit offiziell eröffnete Altenpflegeheim Bockenheim Friesengasse des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe Ecke Friesengasse und Kleine Seestraße. Das Haus hat 120 Betten, fünf altenfreundliche und vier behindertengerechte Wohnungen sowie ein Therapiezentrum.

Ehemalige Filiale des Frankfurter Lebensmittelhändlers Latscha, Große Seestraße 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restauriertes Mehrfamilienhaus am Anfang der östlichen Großen Seestraße. Der Straßenname vor 1897 war noch Große Sandstraße. Historisch wurde das Grundstück mehrmals neu bebaut. Dieser Bau wurde ca. 1900 errichtet. Im Erdgeschoss bestand vormals zeitweise u. a. eine der vielen Filialen des Frankfurter Lebensmittelfilialisten Jakob Latscha. Laut Unterlagen des Instituts für Stadtgeschichte betrieb um 1955 hier der Tapeziermeister Heinrich Ackermann sein selbständiges Gewerbe. Markantes Fassadenteil bei diesem Bau ist der Erker, der als Schmuck- und Gliederungselement eingesetzt wurde. Er basiert auf einem ausgearbeiteten Sturzbogen, bzw. Bogensturz (engl. lintel) aus Naturstein und setzt sich bis zum Sims des Hauses fort. Dieser Erker beginnt nicht am Boden, sondern im ersten Stock und wird von einer Konsole getragen. Die Kriegsschäden führten zu einem veränderten Wiederaufbau, auch der Hausfassade. Der Erker ist weiterhin ein ästhetisches Highlight dieser Bebauungszeile.

Ehemalige Gemüsehandlung Familie Weil, Große Seestraße 14[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf diesem Grundstück befand sich, laut dem vielfach zitierten Bockenheimer Dorfchronisten Heinrich Ludwig, um 1825 der Vorgängerbau des Kutschers Johann Gümpel. Ihm folgte u. a. 1882/85 der Kutscher Jakob Dopper. 1904 betrieb in einem neuerbauten Mehrfamilienhaus Philipp Held eine Kohlehandlung. Ihm folgte 1927 Friedrich Weil mit einer Gemüsehandlung. 1935 betrieb diese Geschäfte seine Witwe M.Weil weiter.

Nach Kriegsende hat sich dieses Haus als Solitär der westlichen Vorkriegsbebauung an dieser Stelle der Großen Seestraße erhalten. Das zerstörte Dachgeschoss wurde rekonstruiert, bzw. ausgebaut. Auch die markante Toreinfahrt und die Hinterhofbebauung wurden beibehalten. Das Ladengeschäft im Erdgeschoss fand mangels Lauflage und der gestiegenen Anziehungskraft der Leipziger Straße fortan keinen Mieter im Einzelhandel sbereich mehr.

Ehemalige Metzgerei Gebrüder Borzner, Kurfürstenplatz 26 / Große Seestraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metzgerei Gebrüder. Borzner, 1905

Die Ecke Kurfürstenplatz 26/Große Seestraße wurde 1840 mit einem zwei bzw. dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshaus bebaut. Es hatte ein Kreuzdach zwecks ausgebautem Dachgeschoss mit Dreiecksgiebel und Giebelgesims; je zwei Fenster des ersten Stockes hatten zwecks optischer Streckung als Fassadenschmuck sogenannte Blindbögen, die mit gleichartigen Ornamenten gefüllt waren; daneben befand sich zeitentsprechend noch jeweils ein einzelnes Ornament als Fassadendekor. Eigentümer war seit 1904 die Familie Borzner. Hier war auch der Geschäftssitz der Metzgerei Gebrüder Borzner.

In der Mitte des rechten Randes des Fotos kann man in der Blickachse der Großen Seestraße den am 12. Oktober 1902 eröffneten, ca. 40 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Großen Feldberg im Taunus sehen. Bei der Bombardierung Bockenheims 1944, wurde auch dieses ca. 100-jährige Gebäude samt Metzgerei stark beschädigt. Nach dem Krieg wurde diese Liegenschaft so nicht mehr aufgebaut. Dafür wurden rechts und links zwei große Mehrfamilienwohnhäuser errichtet. Der markante Eckplatz blieb unbebaut. Eine Grabstätte der Familie Borzner für Jean Borzner (1872–1954) und seine Ehefrau Marie († 1957) haben sich bis dato auf dem Friedhof Frankfurt-Bockenheim erhalten.

Ehemalige Zweigstelle der Deutschen Effekten- und Wechselbank in einem Geschäftshaus, Kurfürstenplatz 30[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurfürstenplatz 30

Nach Zerstörung und Krieg wurde das Grundstück Kurfürstenstraße 30 neu bebaut und darauf eine Zweigstelle der Deutschen Effekten- und Wechselbank eingerichtet. Am 16. August 1952 überfielen drei bewaffnete junge Bockenheimer Männer diese Zweigstelle. Sie erschossen zwei Bankangestellte, flüchteten aber ohne Beute. Wenig später wurden sie gefasst und nach einem Prozess verurteilt. Es war der erste bewaffnete Banküberfall der jungen Bundesrepublik Deutschland. Die Lokalredaktionen der Frankfurter Zeitungen erinnern in unregelmäßigen Abständen an dieses tödlich verlaufenen Bankraub.[321][322]

Die Filiale wurde wie die Bank selbst längst geschlossen. Die Liegenschaft wird anders genutzt.

Ehemaliges Grundstück der Etui- und Brieftaschenfabrik des Georg Andreas Nispel, Kurfürstenplatz 32[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurfürstenplatz 32

Auf dieser Parzelle betrieb, laut Heinrich Ludwig, dem Chronisten von Bockenheim, der Etui- und Brieftaschenfabrikant (Portefeuillemacher) Georg Andreas Nispel (* 1811 Lich; † 1854 Selbstmord im Gefängnis) sein Unternehmen mit zuletzt ca. 30 Arbeitern. 1844 kaufte Nispel diese Parzelle als Bauplatz. Während der sogenannten 1848er Septemberunruhen in Frankfurt, floh er am 19. September 1848 über Biebrich, Köln, Aachen, Brüssel nach Paris, wo er von seiner steckbrieflichen Suche wegen seiner angeblichen Verwicklungen an den Morden vom 18. September 1948 an General Hans von Auerswald und Felix Fürst von Lichnowsky erfuhr. Es folgte ein langwieriges, letztlich erfolgreiches Auslieferungsersuchen, sowie ein heute noch dokumentierter Prozess, und er wurde im Januar 1853 wegen Teilnahme an einem Komplott zur Tötung des Generals von Auerwald sowie wegen Anstiftung und Rädelsführung vom Appellationsgericht Frankfurt mit weiteren Angeklagten zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Eine Neubebauung erfolgte hier 1882/85. Ein Abraham Löwental handelte dann hier mit Kleiderstoffen. Ab 1927 betrieb dann Peter Sesterhem hier einen Schuhwarenhandel. Nach umfangreicher Zerstörung durch Fliegerbomben 1944, wurde diese Liegenschaft in der Nachkriegszeit verändert wiederaufgebaut. Spuren des Georg Andreas Nispel finden sich heute nur noch in der Literatur.

Ehemalige Schankwirtschaft „Zum Lindenfels“, Schwälmer Straße 23-25[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schankwirtschaft „Zum Lindenfels“ entstand in Bockenheim in der Schwälmer Straße 23-25. Die Standortwahl war klug gewählt, lag sie doch gegenüber dem neuerrichteten Rathaus der Stadt Bockenheim sowie mit einer Gebäudeseite an der damaligen Marktstraße, dem heutigen Kurfürstenplatz. Die Namensnennung der Wirtschaft erfolgte in Anlehnung an den heilklimatische Kurort Lindenfels im Süden Hessens im Vorderen Odenwald, das sich damals mit dem Bau der neuen Nibelungenstraße auch für Frankfurter Bürgen zu einem beliebten Fremdenverkehrsziel entwickelte. Dokumente beim ISG Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Signatur:2.526, Wirtschaftserlaubnis für Schankwirtschaft „Zum Lindenfels“ mit Ausschank von Branntwein: Kleiner Saal, Tanzsaal, Gartenbetrieb, Betreiber: Oktober 1900 bis Januar 1935 „Georg Arnold“, danach Sohn „Rudolf Arnold“, Schwälmer Straße 23 – 25. Bis zur Eingemeindung der Stadt Bockenheims durch die Stadt Frankfurt am Main im Jahre 1895 nannte man diese Marktstraße, dann Kurfürstenplatz. Die Schankwirtschaft bestand seit 1869, drei Jahre nach der Besetzung des Kurfürstentums Kurhessen durch das Königreich Preußen 1866. Gemäß ISG-Unterlagen fanden hier im Januar 1919 im „Lindenfels“ mehrere Versammlungen der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) des Gustav Stresemann (1878–1929) zur bevorstehenden Wahl der Deutschen Nationalversammlung statt. Die Liegenschaft wurde 1944 durch Fliegerbomben zerstört. In der Nachkriegszeit erfolgt eine Neubebauung mit Mehrfamilienhäusern. Spuren der ehemaligen Schankwirtschaft „Zum Lindenfels“ sind nicht mehr vorhanden.[323]

Ehemalige Feuerwache 4, spätere Bereichswache 20 der Frankfurter Feuerwehr, Schwälmer Straße 29[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgegebene, ehemalige Bereichswache 2A der Frankfurter Feuerwehr

Am Kurfürstenplatz bzw. in der Schwälmer Straße 20 befand sich die Wache 4 der Frankfurter Feuerwehr. Sie wurde als Bockenheimer Pflichtfeuerwehr gegründet und dann nach der Eingemeindung durch die Frankfurter Feuerwehr übernommen, die 1914 ein neues Wachgebäude errichtete. Der heutige angeschlossene Neubau stammt aus den 1980er Jahren; die erste Wache war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Fünf Räume auf drei Etagen wurden an die städtische Saalbau-Gesellschaft vermietet, die dann hier das Bürgerhaus Bockenheim etablierte. Es bietet Platz für kleine und mittelgroße Veranstaltungen mit insgesamt ca. 300 Personen. Eine Beendigung dieses Mietverhältnisses ist wegen der Kosten eine häufig aufkommende politische Forderung. Durch die Umstrukturierung wurde aus der Bereichswache 20 die Außenstelle der Bereichsleitungswache 2 (BLW2), genannt „BW2a“. Aktuell (März 2021) sind hier 3 Rettungswagen sowie ein Notfall-Krankenwagen der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. stationiert.

Der Einsatzbereich der Feuerwehr Frankfurt am Main für Bockenheim wurde dem Standort der Feuerwache 2 im Gallusviertel, Heinrichstraße 2, zugeordnet. Die Schwälmer Straße 20 wurde von der Berufsfeuerwehr Frankfurt geräumt. Einige Politiker fordern, diesen Leerstand durch die Einrichtung eines Jugendhauses zu beheben.

Ehemalige Bockenheimer Miederfabrik, seit 1951 Teehaus Ronnefeldt, Kurfürstenplatz 38[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1923 wurde das Teehaus Ronnefeldt gegründet, dass seit 1951 hier in der Kurfürstenstraße 38 seinen Hauptsitz in einem kriegszerstörten Gebäude einer Bockenheimer Miederwarenfabrik hat

Ehemalige Bockenheimer Bürgerschule Mühlgasse 31, Ecke Schloßstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Eckgrundstück Mühlgasse 31, Ecke Schloßstraße errichtete 1855 die Stadt Bockenheim eine Höhere Bürgerschule,[324] die dann nach Umzug in den Schulneubau in der Falkstraße von 1877 bis 1889 als Höhere Töchterschule fortgeführt wurde. Nach der Eingemeindung von Bockenheim 1895 wurde die Schule dann in den Neubau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Viktoria-Schule,[325] der Städtischen höheren Mädchenschule zu Frankfurt am Main in der heutigen Senckenberg-Anlage verlegt. Ab 1904 befand sich hier dann eine Filiale der AOK Allgemeinen Ortskrankenkasse und eine Rettungswache des Frankfurter Samariter-Vereins. Ab 1927 noch eine Zahlstelle der AOK für die damals üblichen Barein- und Auszahlungen. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, dient das sanierte Gebäude heute Wohnzwecken. Wegen des hohen Bevölkerungswachstums wurden 1906 gegenüber diesem Grundstück zwei benachbarte Schulen erbaut, die Kaufungerschule als Knabenschule und die Kurfürstenschule als Mädchenschule. Auf deren Grundstück befand sich bis 1890 die bekannte Gärtnerei Siesmayer. Zeitgleich entstand parallel zur Mühlgasse liegend die Kaufunger Straße.[326]

Ehemaliges Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Schloßstr.29[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges DIPF Gebäude in der Schloßstraße 29-31

Auf dem Grundstück der Garten- und Landschaftsbaubetrieb von Heinrich Siesmayer und Philipp Siesmayer, die seinerzeit als erfolgreichste Gartenarchitekten Deutschlands galten und unter anderem den Frankfurter Palmengarten gestalteten, wurde 1906 ein Doppel-Schulbau für die Knabenmittelschule der Kaufungerschule sowie der Kurfürstenschule als Mädchenschule von Bockenheim errichtet. Der Reformpädagoge und ehemalige Rektor der Kaufunger Schule August Jaspert war 1920 Gründer der Schullandheim Wegscheide bei Bad Orb für Frankfurter Schüler.

1951 wurde das DIPF vom Land Hessen unter der Bezeichnung „Hochschule für Internationale Pädagogische Forschung“ in Frankfurt am Main gegründet. Diese Hochschule stand in der Tradition der US-amerikanischen Reeducation-Politik. Seit 1952 residierte das Institut im Gebäude der ehemaligen Kaufunger-Schule in Frankfurt-Bockenheim, Schloßstraße 29. 1964 wurde es in „Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)“ umbenannt. 2018 übersiedelte das DIPF in ein neues Institutsgebäude auf dem Campus Westend der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main gezogen. Zugleich wurde es erneut umbenannt: in „DIPF|Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation“.

2019 hat die Stadt Frankfurt am Main das Grundstück nebst Gebäude in der Schloßstraße 29 vom Land Hessen zurückbekommen. Laut Beschluss des Magistrats soll das Gebäude ab 2021 zu einer 4-zügigen Grundschule umgebaut werden. 2022 soll sie als neue Kaufunger Grundschule eröffnet werden.

Ehemalige Gartenbauunternehmung Gebrüder Siesmayer Schlossstraße 23[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1842 erfolgte in der Schlossstraße 23 in Bockenheim bei Frankfurt am Main die Gründung einer Gärtnerei durch Heinrich Siesmayer (1817–1900) mit Bruder Nicolaus Siesmayer (1815–1898) und seinem Vater, dem Kunstgärtner Jacob Philipp Siesmayer (1781–1866). Der Vater pachtet bereits 1837 das fünf Jahre später gekaufte Firmengrundstück in Bockenheim, Schlossstraße 23. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg, wurde das Betriebsgelände auch entsprechend mit Pflanz- und Gewächshäusern bebaut.[327][328]

Nach Firmenumzug wurde um 1900 dies ehemalige Betriebsgelände parzelliert und bebaut. Das Unternehmen Siesmayer wurde während der Weltwirtschaftskrise um 1930 insolvent und aufgelöst. Spuren der Firma Gebrüder Siesmayer Schlossstraße 23 sind in Bockenheim nicht mehr vorhanden, wohl aber hat sich die Grabstätte von Heinrich Siesmayer auf dem Bockenheimer Friedhof erhalten.

Ehemalige Gaststätte „Zur Stadt Cassel“, Schloßstrasse 11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Restauration „Zur Stadt Cassel“, Schloßstrasse 11, Ecke Friesengasse, wurde, laut antiquarisch angebotener Postkarte, Ende 1930 in Bockenheim von Julius Peschler betrieben. Die Namensnennung erinnerte an die ehemalige Residenzstadt Kassel, die seit 1277 Hauptstadt der Landgrafschaft Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Kassel (von 1567 bis 1803) und des Kurfürstentums Hessen (bis 1866) war. Das fünfstöckige Mehrfamilienhaus wurde 1944 durch Fliegerbomben beschädigt und in der Nachkriegszeit mit veränderter Fassade wiederaufgebaut. Die Gewerbefläche der Gaststätte „Zur Stadt Cassel“ der Vorkriegszeit im Erdgeschoss wurde neu parzelliert und wird aktuell von drei Gewerbetreibenden genutzt.

Ehemaliger Sitz des Verlags Vittorio Klostermann GmbH, Frauenlobstraße 22[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vittorio Julius Klostermann (1901–1977) war ein deutscher Verleger und Gründer eines kleinen aber anerkannten Wissenschaftsverlages mit Schwerpunkt Geisteswissenschaften, insbesondere Philosophie.

Er war in der Nachkriegszeit der Mitgründer der Deutschen Bibliothek Frankfurt, der Frankfurter Buchmesse und zeitweise Vorsitzender des Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Zum bekanntesten Verlagsprojekt wurde die 1975 begonnene Martin Heidegger Gesamtausgabe, von der 95 der auf 102 Bände veranschlagten Ausgabe sind bis zum Jahr 2019 erschienen sind[329].

Der Sitz des Unternehmens wurde von der Frauenlobstraße 22 (Frankfurt-Bockenheim) in die Westerbachstraße 47 (Frankfurt-Rödelheim) verlegt.

Ehemaliger Bockenheimer Wasserturm, Ginnheimer Höhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bockenheim Wasserturm, Ginnheimer Höhe, 1891

Ursprünglich war der Bockenheimer Wasserturm als Überlaufbehälter des Pumpwerkes Praunheim angelegt, von dem eine 3,8 km lange Röhre führte, um so den Wasserdruck für die Stadt Bockenheim zu gewährleisten. Er war somit kein Trinkwasserspeicher. Der Wasserturm wurde nach dem damals üblichen System des Aacheners Professor Otto Intze konstruiert, hatte einen eisernen Behälter mit einem Durchmesser von 11,20 m bei 8,40 m, besaß einen Fassungsraum von 700 m³ und wurde auf der Ginnheimer Höhe 141,92 m NN errichtet.[330] Der den Behälter tragende Unterbau bestand aus Backsteinmauerwerk.[331] Der noch von der selbstständigen Stadt Bockenheim als Teil Kurhessens auf der Ginnheimer Höhe errichtete Wasserturm kam 1866 durch Annektierung unter die Verwaltung des Königreichs Preußen. Nach erfolgter Eingemeindung Bockenheims am 1. April 1895 wurde er zu einem der zahlreichen Wassertürme der Stadt Frankfurt am Main, wie z. B. auch der heute noch erhaltene Wasserturm Rödelheims. Da das Pumpwerk Hausen samt Wasserversorgung der Stadt Bockenheim nach Eingemeindung an das Wassernetz der Stadt Frankfurt angeschlossen wurde, war der Bockenheimer Wasserturm danach funktionslos. Das Bauwerk wurde später niedergelegt und verschwand samt seinem Fundament vollständig. Historische Abbildungen werden vom ISG Frankfurt am Main aufbewahrt, insbesondere ein Photo des Bockenheimer Wasserturms von 1891 des Frankfurter Fotografen Carl Friedrich Mylius (1827–1916).

Ehemalige Kurmilchanstalt Friedrich Gottschalk, Ginnheimer Landstraße 74[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reklame der Kurmilch anstalt F. Gottschalk

Vor hundert Jahren gab es wenig Veredelung von Milch, nur Rahm und Butter als Erzeugnisse. Mit der damaligen Landflucht und der Verdichtung in Städten, erwachte auch der Wunsch nach Verfügbarkeit von Milch. In zahlreichen Städten entstanden sogenannte Milchkuranstalten, verkaufsfördernd auch Schweizer Milchanstalten genannt. Allein In Frankfurt entstanden mehrere private Milchkuranstalten. Hier wurden mehrere Kühe in Ställen gehalten, mit der Hand gemolken und in Milchkannen gefiltert. Die Kannen wurden per Handkarren in die Milchannahmestelle gefahren oder direkt in Milchkuranstalten verkauft. Diese wurde später auch behördlich überwacht. Das Produkt war teuer und immer noch voller Gefahren. Zusätzlich verknappte die englische Wirtschaftsblockade während des Ersten Weltkriegs das heimische Angebot. Der Hungerwinter 1917 und 1918, auch in Frankfurt, gefährdete die Existenzen der Milchkuranstalten, die dann ab 1930 vom Markt verschwanden.

Info zur Reklamemarke für Homogena Rahm. Gesetzlich darf nach BGBL Nr. 90 vom 25. März 1931 Kinder- und Kurrahm. Kindermilch, so auch Vorzugs-, Säuglings- und Kurmilch usw., nur von Betrieben stammen, deren Personal, deren Tiere und deren Einrichtungen unter amtlich ärztlicher und tierärztlicher Aufsicht stehen. Zu beachten ist besonders die Art der Milch, die Beschaffenheit der Milchtiere und die Stallungen. Eine der überwachten Frankfurter Abgabestelle für Kuh- und Ziegenmilch war die Kurmilchanstalt Friedrich Gottschalk, Frankfurt-Bockenheim, Ginnheimer Landstraße 74. Hier wurde die ungesäuerte Rohmilch dann abzentrifugigiert, so entstand Rahm mit entsprechend unterschiedlichen Fettstufen.

Laut dem Bockenheimer Chronisten Hermann Ludwig[332] lag die Kurmilchanstalt Friedrich Gottschalk bis etwa 1930 in der Ginnheimer Landstraße 74 auf dem Gelände der ehemaligen Verblendziegel der Dampf- und Handziegelei C.G.Hänsel. Die Backsteinfabrik mit Wohnhaus wurde 1856 durch Georg Schuld (1807-N.N.) angelegt. Der musste sie aber bereits nach sechs Jahren 1862 an Maurermeister Georg Derlam (1819–1869) verkaufen, der aus der alteingesessenen Bockenheimer Unternehmerfamilie Derlam stammte.

Laut Aussagen des Kleingartenvereins Bockenheim anlässlich seines 100-jähriges Bestehen, dessen Uranlage zwischen Markuskrankenhaus und Ginnheimer Spargel liegt, verpachtete Friedrich Gottschalk bereits 1908 einen Teil seiner Liegenschaft als Armengärten. In der am 17. November 1908 unterzeichneten Vereinbarung heißt es: „Der Gutspächter Herr Fr. Gottschalk verpachtete dem Bockenheimer Kleingartenbau Verein e. V. ein an der Ginnheimer Landstraße neben der Milchkuranstalt gelegenes Gelände von 14.875 Quadratmeter zum Preise von 4,50 Mark pro Ar zu landwirtschaftlichen Zwecken“.[333]

Nach mehreren Infrastrukturmaßnahmen und vielfacher Klinikerweiterung sind Spuren der vormaligen Kurmilchanstalt Friedrich Gottschalk nur noch im ISG Frankfurt am Main vorhanden.

Ehemalige Metallkapselfabrik Bruch & Co., Ginnheimer Landstraße 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1886 wurde die Metallkapselfabrik Bruch & Co. in der Ginnheimer Landstraße 1 der Unternehmer Wilhelm Bruch, Carl Bruch und Josef Braun, laut Buch des Architekten- und Ingenieursvereins Frankfurt am Main und seine Bauten ISBN 978-3-95564-819-0, die sich ab 1892 zu einer Fabrik für Zinnfolien mit damals 30 Arbeitern entwickelte. Laut Wikipedia ist Zinnfolie eine dünn ausgewalzte oder gehämmerte Folie aus Zinn. ursprünglich eine Bleisilberlegierung, auch Stanniol genannt. Heute wird die Bezeichnung umgangssprachlich auch für Folien aus Aluminium (Alufolie) verwendet, da Produkte aus dem wesentlich kostengünstigeren Aluminium das Stanniol aus seinen Anwendungsgebieten verdrängt haben. In Metallfolienkondensatoren und als Dekoration und Christbaumschmuck (Lametta) ist der Werkstoff auch noch zu finden.

Metallkapseln finden heute als Kaffeekapseln Anwendung. Spuren der Metallkapselfabrik Bruch & Co., Ginnheimer Landstraße 1 sind vor Ort nicht mehr vorhanden. 2007 wurde das Grundstück mit einer Wohnanlage für 30 Wohnungen überbaut.

Fabrikant Wilhelm Bruch und Ehefrau Auguste Mohr hatten u. a. eine Tochter Else Bruch (*1881 Wiesbaden; † 1915 Frankfurt am Main), die nur 34 Jahre alt wurde. Tochter Else heiratete als 24-jährige 1905 in Frankfurt am Main den 36-jährigen Unternehmer Alfred Teves (*1869 † 1953), der 1911 die Alfred Teves Maschinen- und Armaturenfabrik KG, später ATE, gründete. Sie war seine erste Ehefrau.[334]

Ehemalige Werkstätten für Innenausbau Gerhardt & Dielmann, Ginnheimer Landstraße 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzeige 1940

Aus der Tischler- und Schreinerei entwickelte sich die Werkstätten für Innenausbau Gerhardt & Dielmann in der Ginnheimer Landstraße 1. Als Spezialfirma schufen sie u. a. eine DRGM geschützte Großschiebetüre.

Dieses Gebrauchsmuster (DRGM) wird auch als der „kleine Bruder“ des Patents bezeichnet und ein Schutzrecht des gewerblichen Rechtsschutzes. Diese sogenannten Harmonika-Schiebetüren bestehen aus beidseitigen untereinander verbundenen Sperrplattenteilen, die sich harmonikaartig zusammenschieben lassen. U.a. wurde im Bauwelt-Katalog von 1940 des Bauwelt-Verlags Berlin S. 156 über diese besondere Schiebetürkonstruktion dieser Firma geworben.

Aktuelle Spuren dieser Firma sind in Bockenheim nicht mehr vorhanden.

Ehemaliges R & L Center – Pelz- und Modezentrum, Ludwig-Landmann-Straße 349[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1988 ließen Harry Rosenberg (* 1904 † N.N.) und Arthur Lenhart, die bereits seit Ende der 1920 Jahre zusammen in der „Weltstraße der Pelze“ in Brühl (Leipzig) im Rauchwarengewerbe tätig waren, das „R & L Center“ als ihr neues Pelz- und Modezentrum in der Ludwig-Landmann-Straße 349 auf dem Gelände des Nachkriegsbau eines ehemaligen Herrenausstatters, der stillgelegten Deutschen Kleiderwerke, errichten.[335] Die untergegangenen Deutschen Kleiderwerke wurden bereits 1873 als Bender & Gattmann gegründet und 1933 zur Aktiengesellschaft umgegründet und umbenannt.

Mit der Investitionsentscheidung für ihr R & L Center wollten sie auch heraus aus der räumlichen Enge des Pelzhandelszentrum Niddastraße. Auch hofften sie auf Nachzug von Mitbewerbern und auf Akzeptanz dieses neuen Standorts für die Frankfurter Pelzbranche.[336] Da sich ihre Hoffnungen auf Zentralisation vor Ort nicht erfüllten und sich die Pelzbranche immer internationaler ausrichtete, entschlossen sie sich 2016 das Gebäude aufzugeben und das rund 8000 Quadratmeter große Grundstück an der Ludwig-Landmann-Straße 349-351 an einen Bauinvestor zu verkaufen. Angelockt von der wachsenden Wohnungsnachfrage ließ dieser hier 194 Eigentumswohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 12.300 Quadratmetern unter dem Namen „The Chameleon Bockenheim“ entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft des Studierendenwohnheims, mit 4 Häusern und 295 Wohnheimplätzen in der Ludwig-Landmann-Straße 343.[337]

Im Wohnkonzept „The Chameleon“ (deutsch=Das Chamäleon) wandte der Investor den in der Psychologie bekannten Chamäleon-Effekt in der Architektur an, um auf dem Gelände an der Ludwig-Landmann-Straße einen gewerblich geprägten Standort in eine attraktive Wohnumgebung umzuwandeln. Dieser sagt, dass wir von Geburt an darauf programmiert sind, uns anzupassen und Emotionen wahrzunehmen oder auch frei nach John Lennon „Ich bin wie ein Chamäleon, beeinflusst von allem, was vor sich geht. Wenn Elvis es kann, kann ich es tun. Wenn die Everly Brothers es können, können ich und Paul es. Gleiches gilt für Dylan.“

Ehemalige katholische St. Raphael Kirche (Frankfurt am Main), Ludwig-Landmann-Straße 365[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die an der Ludwig-Landmann-Straße (Industriehof) gelegene katholische St. Raphael Kirche wurde 1959 nach dem Entwurf des Architekten Hans Busch fertiggestellt. 1979 erfolgte eine weitreichende liturgische Neuordnung und bauliche Erweiterung der Kirche. Am 5. Juli 2020 wurde die Kirche durch den Limburger Bischof für profan erklärt. Dadurch wird der Weg frei für den Abriss der St. Raphael Kirche sowie der Nachbargebäude des in der Großpfarrei St. Marien aufgegangenen Gemeindezentrums St. Raphael.

Die frühere Gemeinde St. Raphael wird aber in der Schulgemeinde St. Raphael weiterleben. Als Eigentümerin wird St. Marien das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück in Frankfurt durch Erbbaurecht vergeben. Eine St. Raphael Stiftung als Bauherr und die Malteser Werke gGmbH als Träger werden die neue katholische Schule, die auch Kindern anderer Glaubensrichtungen offenstehen wird, als dreizügiges G9-Gymnasium für 800 Frankfurter Schüler aufbauen. Die Schuleröffnung mit der Jahrgangsstufe 5 ist für den 4. September 2023 vorgesehen, der Vollbetrieb soll aufwachsend bis zum Schuljahr 2031/32 aufgenommen werden. Vorgesehen sind auch eine unterirdische Dreifeld-Sporthalle und eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Rossittener Straße. Auch soll eine Kapelle mit ausgebauten Fenstern und Altar aus der St. Raphael Kirche in diesen Gebäudekomplex integriert werden.

Die planmäßigen Gesamtkosten für die neue Schule als dreizügiges G9-Gymnasium für 800 Schüler liegen bei 45 Millionen Euro. Zur Schließung der Lücke zwischen der Hessischen Ersatzschulfinanzierung und den tatsächlichen Kosten des Schulbetriebs des neuen katholischen Frankfurter Gymnasiums ist ein monatliches Schulgeld von 150 Euro vorgesehen.

Vorab muss der schadstoffbelastete Boden bis zu einer Höhe von drei Metern abgetragen und die mit Öl und Teer belasteten Rückstände im Boden an vielen Stellen des Industriehofgeländes fachgerecht entsorgt werden, ebenso wie das nicht sanierungsfähige Gemeindezentrum.[338][339]

Nachdem die als Träger vorgesehenen Malteser Werke im Sommer 2022 absprangen, ist die Realisierung dieses Projekts unsicher, wird aber noch nicht aufgegeben.[340]

Ehemaliges Polizeigebäude, Rossittener Straße 21-23 (Industriehof)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Grundstück errichtete 1973 das Land Hessen ein sechsgeschossiges Bürogebäude mit Tiefgarage und 1989 ein viergeschossiges Parkhaus in Stahlbetonskelettbauweise für Teile der hessischen Bereitschaftspolizei. Seit 2003/4 stand die Immobilie leer und das Land Hessen betrieb die Versteigerung. 2007 erwarb der 1999 in Österreich gegründete MyPlace-SelfStorage das Gelände und errichtete hier in neuen Gebäuden ihren Frankfurter Standort. Er ist der bundesweit größter Anbieter von privatem Lagerraum mit 51 Standorte, davon in Deutschland (35), Österreich (13) und der Schweiz (3) mit insgesamt 400.000 m². Der Geschäftssitz lautet jetzt in Ludwig-Landmann-Straße 371 / Rossittener Straße 21-23.

Ehemalige Heinrich Baumann Grafisches Zentrum GmbH, Ludwig-Landmann-Straße 389[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1930 gegründet und ist Zulieferer für die Druckindustrie, mit einem Portfolio aus Verbrauchsmaterialien, Geräten und Maschinen, von der Vorstufe über den Druck und Weiterverarbeitung bis hin zur Werbetechnik.[341] Zusätzlich zum Handel hat sich die Produktion von Maschinen für die grafische Industrie zu einem zweiten Standbein für die Unternehmensgruppe Baumann entwickelt. Die Heinrich Baumann Grafisches Centrum GmbH & Co. KG verlegt 2018 ihren Standort von Frankfurt am Main in das ca. 60 km nördlich liegende Solms. Der neue Sitz des Fachhandelshauses ist damit der Standort der Baumann Maschinenbau GmbH & Co. KG, die seit ca. 40 Jahren dort Schüttelmaschinen, Stapelwender und Logistiksysteme entwickelt und baut.

Nach der Betriebsverlegung nach Solms verkaufte die Baumann-Gruppe ihr ehemaliges Firmengelände nebst Gebäude entlang der Ludwig-Landmann-Straße Ecke Rödelheimer Landstraße an einen bundesweit tätige Projektentwickler, der hier ca. 200 neue Eigentumswohnungen in Form von mehreren Stadtvillen und Mehrfamilienhäuser als Geschosswohnungsbau mit einer gesamten Wohnfläche von 14.000 Quadratmeter unter dem Namen „VIDO“ (lateinisch = grünes Zuhause) errichtet. Auch einen autofreien Quartiersplatz wird bis 2021 geben[342]

Ehemalige Schleifmittelfabrik Burka Kosmos GmbH, Rödelheimer Landstraße 31[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]