Bayerische Armee

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Bayerisches Armeedenkmal in der Feldherrnhalle in München

Die Bayerische Armee war die Armee des Kurfürstentums Bayern und ab 1806 des Königreichs Bayern. Sie existierte als stehendes Heer von 1682 bis zum Übergang der Wehrhoheit von Bayern auf das Deutsche Reich im Jahre 1919.

Auch wenn die bayerischen Streitkräfte hinsichtlich ihrer Größe nie mit den Armeen der europäischen Großmächte konkurrieren konnten, verschafften sie den Wittelsbachern genügend Handlungsspielraum, um die Mittelmacht Bayern im Rahmen einer effektiven Bündnispolitik vom territorial zerrissenen Kleinstaat zum zweitgrößten Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs nach Preußen zu entwickeln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kaiserlich bayerische Fahne 1745: Der Kaiseradler auf goldenem Grund wurde auf die kurbayerische Fahne aufgenäht. Musée de l’Armée, Paris

Die kurfürstlichen Söldnerheere vor 1682[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1682 hatte Bayern bereits häufig Kriege geführt, unter Maximilian I. (1597–1651), dem Haupt der Katholischen Liga, war Bayern im Dreißigjährigen Krieg eine führende Militärmacht im Reich geworden, der Kurfürst verfügte aber wie auch anderswo nur über erst bei Bedarf aufgestellte Truppen. Als erster Vorläufer eines Kriegsministeriums wurde schon 1620 von Maximilian I. der sogenannte Hofkriegsrat gegründet. In bayerischen Diensten stehende Feldherren wie Tilly, Pappenheim und Mercy prägten den Krieg im Reich entscheidend mit und unter dem Heerführer Johann von Werth wurde Frankreich selbst angegriffen. Nach dem Krieg begann Maximilian mit dem Wiederaufbau seines Landes. Um die finanziellen Mittel dazu zu haben, wurde die Armee so bald wie möglich entlassen.

Unter Kurfürst Ferdinand Maria (1651–1679) wurden Soldaten dann bereits auf Rechnung des Kurfürsten angeworben, nicht mehr auf Rechnung der beauftragten Obersten. Von 1664 an wurde ein neu organisiertes Heer gebildet, dabei wurde beim Eintritt von Offizieren in die kurbayerische Armee die Zugehörigkeit zum katholischen Bekenntnis gefördert. Der Kurfürst selbst verfolgte eine strikte Neutralitätspolitik und hielt sich aus bewaffneten Konflikten heraus, nahm jedoch Subsidien aus Frankreich an, die er in den Ausbau der Armee steckte. Zwischen 1662 und 1664 beteiligte sich Bayern aber mit Hilfstruppen an den Türkenkriegen Österreichs.

Von der Gründung 1682 bis zum Beginn der Koalitionskriege 1790[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Reichskriegsverfassung von 1681 war auch Bayern zur Stellung von Truppen für die Reichsarmee verpflichtet. Die Errichtung eines stehenden Heeres wurde somit erforderlich, die Verstaatlichung des Kriegswesens war aber auch allgemein ein Element absolutistischer Machtpolitik. Am 12. Oktober 1682 wurden in einem Feldlager bei Schwabing die geworbenen Truppen in bayerischen Dienst genommen. Es wurden sieben Regimenter Infanterie, zwei Regimenter Dragoner und vier Regimenter Kürassiere sowie ein Artilleriekorps aufgestellt. Bereits damals war die mittelblaue Farbe charakteristisch für die Masse der bayerischen Infanterie (ab 1684 für die ganze), während die Kürassiere und Artillerie hellgraue Röcke trugen; Dragoner hatten rote oder blaue Röcke. Das Heer zeichnete sich unter dem Kurfürsten Maximilian II. Emanuel (1679–1726) während der Türkenkriege insbesondere bei der Eroberung Belgrads im Jahr 1688 aus. Der Kurfürst nahm als letzter in Bayern auch selbst als Befehlshaber an den Schlachten teil.

Im Spanischen Erbfolgekrieg focht Bayern auf der Seite Frankreichs. Die Zusammensetzung des Heeres war 1701 im Wesentlichen die gleiche wie in den Türkenkriegen, nur dass jetzt je drei Regimenter Kürassiere und Dragoner bestanden. Im Juli 1704 verloren dann Max Emanuels Generale Maffei und Arco die Schlacht am Schellenberg. Danach bot die Haager Große Allianz des Kaisers mit England und den Vereinigten Niederlanden mit Eugen von Savoyen und dem Herzog von Marlborough ihre besten Feldherren gegen Bayern und Frankreich auf. Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Höchstädt im Folgemonat war das bayerische Heer faktisch aufgelöst, geringe Reste kämpften jedoch bis Kriegsende, so in der Schlacht bei Ramillies. Bayern wurde von den Österreichern besetzt, eine Volkserhebung, geführt durch die Bayerische Landesdefension, wurde in der Sendlinger Mordweihnacht und der Schlacht von Aidenbach blutig niedergeschlagen. 1715 konnte der Kurfürst die Herrschaft in Bayern wieder übernehmen und baute die Armee sogleich wieder auf. Schon im Frühjahr 1716 bot Max Emanuel dem Kaiser Truppenhilfe für den neuen Krieg gegen die Türken an, worauf Wien im Folgejahr auch einging.

1738/39 sandte der bayerische Kurfürst dann zur Unterstützung des Kaisers wie bereits 1717 nochmals ein starkes bayerisches Hilfscorp für den Kaiser in den Türkenkrieg, das dann prompt hohe Verluste erlitt.

Der Versuch des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (1726–1745), im Österreichischen Erbfolgekrieg die Kaiserkrone zu erlangen, war zwar erfolgreich, endete jedoch abermals mit der Besetzung Bayerns durch Österreich. Nach Anfangserfolgen hatte Bayerns mit Frankreich, Sachsen und Preußen verbündete Armee unter dem Befehl von Ignaz von Törring unglücklich agiert, die Lage besserte sich zeitweise nachdem Friedrich Heinrich von Seckendorff in den Dienst des neuen Kaisers getreten war. 1742–45 wurden die kurbayerischen Truppen selbst zu Kaiserlichen, was auch durch neue Fahnen mit kaiserlichem Doppeladler und goldenen Abzeichen propagiert wurde.

Im Frühjahr 1745 schied Bayern aus dem Krieg aus und gab seine Großmachtpolitik endgültig auf. Das Heer wurde daher in der Folge vernachlässigt und rigide Sparmaßnahmen machten auch vor ihm nicht Halt. Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges, an dem sich Kurfürst Maximilian III. Joseph (1745–1777) nur widerwillig gegen Preußen beteiligte, bestand das Heer aus acht Infanterie-, zwei Dragoner- und drei Kürassierregimentern, sowie einer Brigade Artillerie. Noch 1757 wurde eines der Kürassierregimenter aufgelöst und auf andere Regimenter verteilt. Bei den Dragonern war nur eine Kompanie je Regiment beritten. Infanterie-Regimenter bestanden aus zwei Bataillonen mit vier Füsilierkompanien (je 130 Mann) und einer Grenadierkompanie (100 Mann) sowie zwei 4-Pfünder-Bataillonsgeschützen. Die nominelle Stärke von rund 1800 Mann je Regiment wurde im Feld nie erreicht. Das Leib-Regiment hatte drei Bataillone, von denen allerdings nur zwei im Feld standen. Für Aufgaben der Feldpolizei bestand ein winziges Husarenkorps. Zehn Bataillone Infanterie wurden Habsburg im Rahmen der Verpflichtungen für die Reichsarmee zur Verfügung gestellt. Sie kämpften glücklos 1757 bei Schweidnitz, Breslau und Leuthen, sowie 1758 bei Troppau, Olmütz und Neiße.

Infolge der Vereinigung von Kurbayern mit der Kurpfalz und den niederrheinischen Herzogtümern Jülich und Berg unter der Pfälzer Linie der Wittelsbacher mit Kurfürst Karl Theodor (1777–1799) im Dezember 1777 wuchs die Infanterie um acht Regimenter und übernahm von den Pfälzern ein helleres Blau als Rockfarbe. Der aufgrund der Vereinigung ausgebrochene, hauptsächlich von Versorgungsproblemen geprägte und daher auch Kartoffelkrieg genannte Konflikt des Bayerischen Erbfolgekrieges verlief auch für das bayerische Heer weitgehend ereignislos. 1785 wechselte die Uniform der Infanterie zur Grundfarbe Weiß, die Kürassiere legten den Harnisch ab.

Zum Zeitpunkt der Vereinigung der Reichsteile 1788 hatte Gesamt-Bayern rund 2½ Millionen Einwohner. Das stehende Heer umfasste 5678 Mann Infanterie, 1220 Kavalleristen und 310 Artilleristen. Es gab 18 Regimenter, die eigene Namen trugen und, bis auf das gemischte Leibregiment, jeweils in einem der beiden Reichsteile rekrutierten. Ihre Sollstärke war jeweils um 1005–1013 Mann gegliedert in je 2 Bataillone mit zehn Kompanien.[1]

Reorganisationen ab 1789[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Szene aus dem Russlandfeldzug (Schlacht von Borodino).

Die dringend notwendig gewordenen Reformen fanden 1789–91 unter der Leitung Graf Rumfords statt. Das Jahr 1790 brachte eine grundlegende Reform des bayerischen Heeres: Alle Feldtruppen erhielten eine Uniform einheitlichen Schnittes und statt des Hutes einen Lederhelm mit Rosshaarschweif. Dieser wurde nach dem damaligen Kriegsminister und Urheber der Reform „Rumford-Kaskett“ genannt. Das reorganisierte Heer sollte eine Friedenspräsenzstärke von 35.000 (1.216 pro Regiment), im Kriege 37.000 Mann (1.456 pro Regiment) haben. Die entsprechende Verordnung wurde am 18. September 1789 erlassen. Die Gliederung bestand am 1. Januar 1790 aus

  • 2 Regimentern Jäger (je 2 Bataillone mit 8 Kompanien),
  • 4 Regimentern Grenadiere (je 2 Bataillone),
  • 14 Regimentern Füsiliere (je 2 Bataillone),
  • 1 Garnisons-Regiment (1 Bataillone),
  • 1 Artillerie-Regiment,
  • 2 Regimentern Kürassiere (je 4 Squadronen),
  • 2 Regimentern Chevauleger (je 4 Squadronen),
  • 2 Regimentern Dragoner (je 4 Squadronen),

Dazu richtete man eine Akademie ein. Die Dienstverpflichtung wurde von sechs auf acht Jahre verlängert, der Sold erhöht. Theoretisch war der Aufstieg von Mannschaften zum Offizier möglich. Der Stab eines Regiments bestand aus 16 Personen: dem Kommandeur (Oberst), einem Stellvertreter (Oberstleutnant), je 2 Majoren, Adjudanten und Junkern (Kadetten), dazu einem Regimentsquartiermeister, einem Auditor (Militärrichter), je einem Ober- und Unterwundarzt sowie Praktikanten, einem Regimentstambour (Musiker), einem Profoß (Militärpolizist) und einem Büchsenmacher. An Offizieren hatte jede Kompanie je einen Hauptmann, Ober- und Unterleutnant.

Der Ausbau erreichte bis 1791 ein Personal von 20.000 Mann und 800 Berittenen. In der Artillerie dienten 700.

Die massive Aufrüstung war getrieben von der Angst der europäischen Aristokratie vor der bourgeoisen Revolution in Frankreich 1789 und ihren Nachwirkungen. Ab 1793 wurden im Zuge des Ersten Koalitionskrieges, in dem Kurpfalzbayern unter Generalleutnant Ysenburg auf der Seite der Koalition kämpfte, die linksrheinischen Gebiete Kurpfalz-Bayerns besetzt. Das im Ersten Koalitionskrieg abzustellende Kontingent war anfangs 4 Bataillone, zusammen 2054 Mann stark. Der am 7. September 1796 geschlossene Vertrag von Pfaffenhofen sah das Ausscheiden der bayerischen Armee aus der Koalition vor. Tatsächlich wurden aber während des Zweiten Koalitionskrieges im November 1798 durch den Vertrag von München die bayerischen Truppen in die Armee des Kaisers eingegliedert.

Für die Infanterie kehrte man zur traditionellen hellblauen Uniformfarbe zurück und führte 1801 für alle Waffengattungen den für das bayerische Heer bald charakteristischen Raupenhelm ein.

Zum Jahresende 1798 standen offiziell 15679 Mann im Dienst, gegliedert in:

  • Bayerische Regimenter
    • 1. Grenadier-Leib-Regiment (1061 Mann)
    • 2. Grenadier-Regiment (850)
    • 2. Feldjäger-Regiment (899)
    • 1., 5., 6. 8., 9., 11. Füsilier-Regimenter (zusammen 4901)
    • Garnisons-Regiment (1 Bataillon)
    • Artillerie-Bataillon (587)
    • 1. Kürassier-Regiment (615)
    • 2. und 3. Chevauleger-Regiment (zusammen 1213)
    • 2. Dragoner-Regiment (523)
  • Rheinpfälzische Regimenter
    • 2. Füsilier-Regiment (633)
    • 9. Artillerie-Kompanie (103)
    • 1. Chevauleger-Regiment (408)
    • 1. Dragoner-Regiment (384)
  • Niederrheinische Regimenter
    • 3., 4. und 10. Füsilier-Regiment (zusammen 1667)
  • Unabhängige Einheiten
    • 2 Kompanien des 2. Feldjäger-Regiments
    • 1 Bataillon des 1. Feldjäger-Regiments
    • 1 Bataillon des 5. Füsilier-Regiments (551)
    • Artillerie-Kommando (28)

Tatsächlich waren beim Regierungsantritt Max IV. Josephs (1799–1825) nur etwa 8000 Infanteristen und 700 Mann Kavallerie hinreichend ausgerüstet. Der junge Kurfürst, der im Ancien Régime selbst Oberst des französischen Fremdenregiments Royal Deux-Ponts gewesen war, machte den Aufbau einer zeitgemäßen Streitmacht zu einer seiner Hauptaufgaben. Die Linieninfanterie wurde auf zunächst zehn Regimenter reduziert, die dafür wieder Sollstärke bekamen.

Um Sollstärken zur Erfüllungen der Koalitionsverpflichtungen zu erreichen, wurden zum 6. Juni bzw. 8. September 1799 die Füsilier-Regimenter 4, 7, 11, 13 und 14 aufgelöst. Aus den anderen Füsilier-Regimentern wurden Infanterie-Bataillone. In Regimentsstärke gab es noch ein Feldjäger-Regiment sowie das Grenadier-Leibregiment und das Grenadier-Regiment Kurprinz.

Diese Einteilung wurde bereits 1800 nach Erhalt englischer Subsidien wieder hinfällig. Die Aufrüstung erlaubte die Aufstellung einer Garde aus den beiden Grenadier-Regimentern sowie zweier Brigaden. Unter weiteren Umbenennungen wurde 1801 diese vorläufige Struktur formalisiert. Die Armee wurde von fähigen Generalen wie Deroy, Wrede und Triva nach französischem Vorbild reformiert und stellte bald die modernste Streitmacht Deutschlands dar. Als erstes Heer in Deutschland schaffte die bayerische Armee die Prügelstrafe ab. Neben dem weitgehend auf Wehrpflicht basierenden Feldheer wurde auch eine Nationalgarde mit drei Klassen aufgebaut (1. Klasse: Reservebataillone der Linienregimenter, 2. Klasse: Landwehr, 3. Klasse: Bürgermilitär).

Im Jahr 1800 musste man noch widerwillig an Österreichs Seite gegen Frankreich kämpfen, doch als 1805 Österreich nach Ausbruch des Dritten Koalitionskrieges nach 1704, 1742 und 1778 zum vierten Mal innerhalb von 100 Jahren Bayern überfiel, stand ihm dort eine schlagkräftige Armee gegenüber. Sie wich nur zurück, um sich mit der heranrückenden Grande Armée Napoleons zu verbinden und sodann zum Gegenschlag auszuholen. Dieser erfolgte schnell, methodisch und gründlich. 30.000 Bayern nahmen an der erfolgreichen Belagerung Ulms und der anschließenden Befreiung Bayerns teil. In der Schlacht bei Austerlitz sicherten sie die Flanken und Nachschubwege Napoleons. In der Folge entstand das Königreich Bayern.

Der Reichsdeputationshauptschluss brachte der bayerischen Infanterie einen Zugewinn von drei Regimentern aus der Provinz Würzburg sowie eines Bataillons aus Bamberg. Dazu kam ein weiteres, gebildet aus den Reichskontingenten der kleineren schwäbischen Gebiete, die Bayern zugeschlagen wurden.

Die Kabinetts-Ordre vom 12. Mai 1803 gliederte das Heer wie folgt.

  • Fränkische Division, Standort Würzburg,
  • Oberbayerische Brigade, München,
  • Niederbayerische Brigade, Landshut,
  • Bayerische Kavallerie-Brigade, München,
  • Schwäbische Brigade, Ulm und
  • Bergische Brigade, Düsseldorf (1806 abgetreten)

Die Sollstärke eines Linien-Regiments war nun 2692 Mann (mit 9 Pferden) in 2 Bataillonen mit 10 Kompanien, von denen 2 für Grenadiere waren. Leichte Bataillone hatten die Hälfte dieser Stärke. Im Felde standen dann 2000 bzw. 1000 Mann, der Rest blieb in der Heimatkaserne. Zum Stichtag 27. März 1804 gab es 12 Linien-Regimenter und sechs Leichte Bataillone. Die Ist-Stärke in den wenigen folgenden Friedensjahren lag etwa bei zwei Dritteln des Soll-Standes. Durch das Kantonsreglement vom 7. Januar 1805 wurde die Wehrpflicht eingeführt. Wegen zahlreicher Ausnahmen trugen die Last vor allem die kleinen Leute, also Bauernburschen und Handwerker. Die Verfassung von 1808 sah ausdrücklich ein stehendes Wehrpflichtigenheer vor. Dienstpflichtig waren Männer zwischen 18 und 40 für acht Jahre. Ab 1805 gab es ein zentrales Reserve-Bataillon, aus dem der Bedarf anderer Einheiten aufgefüllt werden konnte. Im Jahr darauf wurde deshalb die Kompaniegröße auf 185 Musketen angehoben. Die Sollstärken der Regimenter wurden 1811 auf 2436 verringert, da das Konskriptionsgesetz jenen Jahres die Dienstpflicht auf sechs Jahre verringerte.

Königreich Bayern 1806 bis 1871[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1806/07 zwang die bayerische Armee im Vierten Koalitionskrieg mehrere preußische Festungen zur Kapitulation.

1808 entstand das Bayerische Kriegsministerium. Ein im Jahr 1806 bayerisch gewordenen Tirol 1807 aufgestelltes Jäger-Bataillon wurde durch zahlreiche Deserteure ab 1809 so geschwächt, dass man es 1811 wieder auflöste. Die Unruhen in der von Napoleon Bayern zur Belohnung zugeteilten vormals österreichischen Provinz Tirol entwickelten sich 1809 zu einem Volksaufstand, der nur mit französischer Hilfe niedergeworfen werden konnte. Als Österreich Bayern 1809 abermals überfiel, war Frankreichs Armee überwiegend in Spanien gebunden, sodass Napoleons erneuter Feldzug gegen die Habsburger anfangs nur mit Rheinbundtruppen, überwiegend Bayern, geführt wurde. In der Schlacht bei Wagram war der Einsatz der Bayern schlachtentscheidend.

Die Verordnung vom 8. Mai 1809 sah die Einrichtung von 6 Reserve-Bataillonen mit je 2 Kompanien, Sollstärke 135 Mann, vor. 1809 kamen vier weitere hinzu.

Obelisk am Karolinenplatz, Denkmal für die Gefallenen des Russland-Feldzugs 1812

Im Russlandfeldzug 1812 erlitt die bayerische Armee schreckliche Verluste. Die mit der Grande Armée nach Russland gesandten elf Regimenter hatten anfangs im Felde je 1615 Mann, die sechs leichten Bataillone je 808. Bereits die Schlacht bei Polozk Mitte August 1812 forderte einen hohen Blutzoll; in Richtung Moskau stieß im Wesentlichen nur noch bayerische Kavallerie vor. Von den rund 33.000 Mann, die (einschließlich nachgeschickter Verstärkungen) 1812 ausmarschiert waren, kehrten nur etwa 4000 zurück. Da vom Russlandfeldzug kaum Überlebende zurückkehrten, beteiligte sich Bayern nach seinem Seitenwechsel im März an der Völkerschlacht von Leipzig vor allem mit Reservisten, es gab so gut wie keinen bayerischen Offizier, der unter 50 Jahre alt war. Die Situation besserte sich kaum bis zur Schlacht bei Arcis-sur-Aube am 20./21. März 1814. Allerdings wurden verstärkt Wehrpflichtige ausgehoben. Bis 1815 stieg die Mannschaftsstärke auf 65.000, eine Zahl, die bis Ende der Herrschaft von Max Joseph beibehalten wurde.

1814 gab es ein Grenadier-Garderegiment, 16 Regimenter Linieninfanterie, zwei Bataillone Jäger, sieben Regimenter Chevaulegers (davon eines der Landwehr), ein Regiment Ulanen, zwei Husarenregimenter, ein Regiment Garde du Corps, zwei Regimenter Artillerie zu Fuß und eines zu Pferd. 1815 wurden aus dem 7. (National-)Chevaulegers-Regiment zwei Kürassierregimenter gebildet.[2]

Oberleutnant des Grenadier-Garde-Regiments um 1814.

Vom Kronprinzen und Wrede gedrängt, wandte sich König Max I. Joseph schweren Herzens von Frankreich ab und wechselte kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig ins Lager der Alliierten. Der Versuch Wredes, den Durchmarsch der Grande Armée 1813 in der Schlacht bei Hanau zu stoppen, endete für das von ihm kommandierte bayerisch-österreichische Korps mit einer glimpflichen Niederlage. Im für die Alliierten anfänglich glücklosen Frankreichfeldzug von 1814 machte er die Schlappe jedoch wieder wett und konnte in den Schlachten bei Arcis-sur-Aube und Bar-sur-Aube wertvolle Siege über den ehemaligen Verbündeten erringen.

Husaren und Ulanen wurden 1822 aufgelöst.

1826 wurden aufgrund von Vorschlägen der Militärersparungskommission ein Infanterieregiment in zwei Jägerbataillone umgewandelt und das Grenadier-Garderegiment zum Infanterie-Leib-Regiment. Das Garde du Corps wurde zum 1. Kürassier-Regiment, die Hälfte des bisherigen 1. Regiments wurde mit dem 2. Regiment verschmolzen. König Ludwig I. (1825–1848) musste anders als sein Vater keine Kriege führen und schreckte auch nicht davor zurück. mit „Defensionsgeldern“ (dem Verteidigungsetat) Bauwerke wie das Odeon zu finanzieren und rief dadurch Proteste hervor. Allerdings entstand unter seiner Regierung auch ein repräsentativer Bau für das Kriegsministerium in der Ludwigstraße. Das größte und teuerste Bauprojekt der Regierungszeit Ludwigs war der Neuaufbau der Landesfestung Ingolstadt.

Unter seinem Nachfolger Max II. Joseph (1848–1864) bestand um das Jahr 1854 das bayerische Heer aus 77.200 Mann in zwei Armeekorps, jedes aus zwei Divisionen Infanterie und einer Division Kavallerie; dazu die Artillerie mit 192 Geschützen und das Geniekorps. Zum deutschen Bundesheer stellte Bayern 35.600 Mann mit 72 Geschützen. Festungen waren Ingolstadt, Würzburg, Germersheim und Passau, dazu die Bundesfestung Landau mit ausschließlich bayerischer Besatzung.[3] Allerdings waren von der nominellen Personalstärke von rund 70.000 Mann allenfalls 70 % präsent und der Rest „assentiert-unmontiert“ gestellt.[4] Der König finanzierte große Kasernenbauten wie die Maximilian-II-Kaserne.

Die im Rahmen des Deutschen Krieges am 10. Mai 1866 angeordnete Mobilmachung wurde erst am 22. Juni abgeschlossen, zu diesem Zeitpunkt befand sich die preußische Armee bereits fast in Böhmen. Dieser Krieg verlief für die Armee sehr unglücklich. Der bayerische Oberbefehlshaber Prinz Karl, dem auch die süddeutschen Bundestruppen unterstanden, erfuhr, als er dem Königreich Hannover zur Hilfe eilte, in Meiningen von der Kapitulation der Hannoveraner nach der Schlacht bei Langensalza. Da die Preußen rasch vordrangen, war eine Vereinigung mit einem weiter westlich liegenden Bundeskorps unter Prinz Alexander von Hessen nicht möglich, worauf sich die bayerischen Truppen nach Kissingen zurückzogen. Nach heftigen Kämpfen wich die bayerische Armee nach Schweinfurt und Würzburg (hier konnten lediglich die Festung Marienberg und ein Stadtviertel gehalten werden) zurück. Am 1. August besetzte ein preußisches Reservekorps Nürnberg.

Bayerische Soldaten im Kampf um Bazeilles am 2. September 1870, Zeichnung von Richard Knötel

Die Schwierigkeiten der bayerischen Armee wurden wesentlich dem bayerischen Landtag und der militärischen Führung angelastet. Durch die stets vom Parlament verabschiedeten Haushaltskürzungen sah sich das Bayerische Kriegsministerium nicht in der Lage, Manöver oberhalb der Brigadeebene durchzuführen. Außer Prinz Karl und dem Fürsten von Thurn und Taxis hatte kein bayerischer General jemals eine Division kommandiert. In den Zeitungen wurde auch die Rolle des Generalstabschefs von der Tann kritisiert.

Aufgrund dieser Kritik ernannte König Ludwig II. (1864–1886) den kampferfahrenen Obristen und späteren General von Pranckh am 1. August zum neuen Kriegsminister. Von Pranckh hatte bereits als Adjutant des Kriegsministers von Lüder politische Erfahrungen gemacht und trug mit seiner bayerischen Heeresreform entscheidend zur Modernisierung der Armee bei. Dazu zählte neben organisatorischen Reformen des Militärs auch die Einführung neuer Gewehre und Maschinenwaffen, die zunächst aus dem Ausland, insbesondere Amerika, bezogen wurden, ehe auch bayerische Hersteller wie Cramer-Klett in Nürnberg oder die Maschinenfabrik Augsburg Rüstungsaufträge erhielten. 1868 wurde auch das Konskriptionssystem abgeschafft und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, organisiert nach preußischem Vorbild.[5] Die Landwehr-Ordnung von 1826 sah erstmals einen wirklichen Kriegseinsatz der Landwehr vor, der dann 1866 auch stattfand. Das Bürgermilitär wurde jedoch 1869 aufgelöst.

Als es im Rahmen der spanischen Thronkandidatur von Leopold von Hohenzollern zur Zuspitzung des Verhältnisses zwischen Frankreich und Preußen kam, ließ der bayerische Kriegsminister von Pranckh am 14. Juli 1870 die beiden bayerischen Armeekorps mobilisieren. Sie zogen im Rahmen der III. Armee unter Friedrich Wilhelm von Preußen (1. Armeekorps unter von der Tann, 2. Armeekorps unter von Hartmann) in den Deutsch-Französischen Krieg. Die bayerischen Truppen erstürmten unter von Hartmann Weißenburg, nahmen an den Schlachten bei Wörth, bei Beaumont, bei Sedan und der Belagerung von Paris erfolgreich teil. Fast 6000 bayerische Soldaten starben während des Krieges, davon über die Hälfte an Krankheiten.[6]

Siegestor in München

Die bayerische Armee im deutschen Kaiserreich 1871–1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmschmuck mit Motto „In Treue fest
Prüfungsschießen des 5. Infanterie-Regiments im Gelände bei Bamberg mit der 1886 eingeführten Pickelhaube (Lithografie von Anton Hoffmann)
Königlich Bayerisches Infanterieregiment Nr. 10 "König" Ingolstadt. Unteroffizier im Paradeanzug um 1910

Bayern konnte sich in der Reichsverfassung von 1871 weitestgehende Reservatrechte insbesondere hinsichtlich der Wehrhoheit sichern. Die Armee hatte ähnlich dem Königreich Sachsen oder Württemberg eigenständige Truppen, ein eigenes Kriegsministerium und eine eigene Militärjustiz. Zudem waren ihre Truppenteile von der durchlaufenden Nummerierung des Reichsheeres ausgenommen. Die Armee wurde erst im Kriegsfall auf den Kaiser als Bundesfeldherrn vereidigt. Bayern behielt auch die hellblaue Farbe für die Infanterieuniformen, den Raupenhelm der bis 1886 verwendet wurde, die Chevaulegers und einige andere Eigentümlichkeiten. Dennoch wurden Uniformschnitt, Ausrüstung und Ausbildung dem preußischen Vorbild angeglichen. Mit Einführung der feldgrauen Uniformen wiesen nur mehr die Kokarde und eine weiß-blaue Rautenborte am Kragen auf die bayerische Herkunft hin. Prinzregent Luitpold (1886–1912) akzeptierte die zunehmende Integration Bayerns in das Reich durchaus, widersetzte sich aber mehrmals bei Fragen der Zentralisierung im militärischen Bereich – wenn auch meist erfolglos.[7] Dafür entstand am Hofgarten in München ein prächtiger Bau für das schon 1879 gegründete Bayerische Armeemuseum, das heute im Neuen Schloss der ehemaligen Landesfestung Ingolstadt beheimatet ist.

Bayerische Truppen verlassen „unter nicht enden wollenden Hurra- und Abschiedsgrüßen“[8] den Bahnhof von Fürth, August 1914 (Deutsche Postkarte)

Die bayerische Armee hatte zu Beginn des Ersten Weltkrieges eine Präsenzstärke von 4.089 Offizieren, Ärzten, Veterinären und Beamten, 83.125 Unteroffizieren und Mannschaften sowie 16.918 Pferden. Mit dem Beginn der Mobilmachung am 1. August 1914 ging der Oberbefehl über die mobile Armee, die bis zu diesem Zeitpunkt der IV. Armee-Inspektion unterstellt gewesen war, auf den Deutschen Kaiser über. Die in Bayern verbliebenen Truppenteile standen weiterhin unter dem Befehl des Bayerischen Kriegsministeriums. Die bayerische Armee wurde als 6. Armee mit den drei bayerischen Armeekorps, verstärkt durch das I. Bayerische Reserve-Korps, die Bayerische Kavallerie-Division und weitere Verbände unter dem Oberbefehl von Kronprinz Rupprecht an die Westfront transportiert. So kämpfte die bayerische Armee bei der Schlacht in Lothringen und in den Vogesen (bis Anfang September 1914) zum letzten Mal in ihrer Geschichte als einheitlicher Truppenverband; die anfangs ausschließliche Unterstellung der bayerischen Truppen unter bayerisches Kommando begann sich infolge Um- und Neuorganisationsmaßnahmen des deutschen Heeres bereits seit dem Herbst 1914 aufzulösen. Prinz Leopold von Bayern fungierte seit 1916 siegreich als Oberbefehlshaber im Osten während die Südarmee Felix von Bothmer unterstand.

Im Ersten Weltkrieg kamen etwa 200.000 Angehörige der Bayerischen Armee ums Leben.[9] Die Bayerische Armee hatte nicht nur an der Westfront gekämpft, ihre Einheiten waren auch in Ungarn, Russland, Syrien, Palästina und der Ukraine eingesetzt worden.[10]

Obwohl das Kaiserreich 1918 im Zuge der Novemberrevolution unterging und auch König Ludwig III. (1912–1918) durch die Anifer Erklärung vom Eid auf seine Person entband, war damit Bayerns Wehrhoheit noch nicht aufgehoben. Die Wirren um die Niederschlagung der Münchner Räterepublik und ihrer unter Rudolf Egelhofer aufgebauten „Roten Armee“ bewogen jedoch die neue Regierung Bayerns dazu, in der Bamberger Verfassung vom 14. August 1919 auf die Wehrhoheit zu verzichten. Die regulären bayerischen Truppen waren nach Kriegsende bereits soweit demobilisiert worden, dass der Kampf gegen die Räterepublik durch nichtbayerische Reichswehrtruppen und Freikorps erfolgte.

Tradition nach 1919[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel 160 des Versailler Vertrages begrenzte die Größe des (nicht nur bayerischen) Landheeres im gesamten Deutschen Reich auf 100.000 und die der Marine auf 15.000 Berufssoldaten. Der Unterhalt von Luftstreitkräften, Panzern, schwerer Artillerie, U-Booten und Großkampfschiffen war dem Reich untersagt. Zugleich wurde die Auflösung von Generalstab, Kriegsakademien und Militärschulen verfügt.

Die meisten Soldaten wurden entlassen; viele hatten Schwierigkeiten, sich nach dem Krieg im Zivilleben zurechtzufinden.

Das Wehrgesetz vom 23. März 1921 beendete endgültig die Militärhoheit der Länder, beließ aber Sachsen, Württemberg, Baden und Bayern eine beschränkte Selbstständigkeit. Der Freistaat Bayern stellte insoweit eine Besonderheit dar, dass der Wehrkreis VII das gesamte Landesgebiet umfasste, mit Ausnahme der Pfalz. In der hier stationierten Bayerischen Reichswehr und dem 17. (Bayerischen) Reiter-Regiment dienten nur bayerische Staatsbürger. Das Reichswehr-Gruppenkommando 4 wurde zeitgleich in Wehrkreiskommando VII umbenannt. Es blieb weiterhin dem Reichswehrministerium unmittelbar unterstellt und genoss als „Bayerische Reichswehr“ bis 1924 gewisse Autonomierechte gegenüber der Reichsregierung. So wurde ein Landeskommandant in Bayern von der Bayerischen Staatsregierung ernannt. Die besondere Rolle zeigte sich neben der landsmannschaftlichen Zusatzbezeichnung „Bayerisch“ und der Rekrutierung auch äußerlich durch Kokarden und Wappenschilde in den Landesfarben an Mütze und Stahlhelm sowie in ebensolchen Wimpeln an den Lanzen des 17. (Bayerisches) Reiter-Regiments. In der Regel hatte jede Kompanie die Tradition eines Regiments der alten Armee, und für den Fall der Überwindung der Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages war deren Wiederaufstellung vorgesehen.

Plastik des toten bayerischen Soldaten, im Hofgarten-Ehrenmal, München

Den Münchner Gefallenen des Weltkrieges und allen Kriegstoten der gesamten Bayerischen Armee wurde das 1924 eingeweihte Kriegerdenkmal im Münchner Hofgarten als Hauptehrenmal gewidmet. Den Kern der Anlage bildet die liegende Figur eines toten bayerischen Soldaten mit der Sockelinschrift: „Bayerns Heer / seinen Toten“. Diese Darstellung ziert auch die Titelseite des vom Bayerischen Kriegsarchiv 1928 verausgabten Gedenkwerkes Bayerns Goldenes Ehrenbuch, in dem die Träger bzw. die Verleihungssachverhalte der höchsten bayerischen Kriegsauszeichnungen des Ersten Weltkriegs verzeichnet sind.[11]

Beim Aufbau der Wehrmacht passte das Heer als Spiegelbild föderalistischer Vielfalt oder als Träger konkreter Traditionen nicht in die nur diffus historisierende NS-Ideologie vom Aufgehen aller in einer amorphen Volksgemeinschaft: Die letzten landsmannschaftlichen Truppenbezeichnungen wurden daher abgeschafft. Bei der massiven Aufstellung neuer Truppenteile verzichtete man auf die Zuweisung von Traditionen der alten Armee. Zahlreiche hochrangige Generäle des Zweiten Weltkrieges entstammen jedoch der bayerischen Armee, darunter Franz Halder, Albert Kesselring, Maximilian von Weichs, Robert von Greim, Ferdinand Schörner, Wilhelm Ritter von Leeb, Wilhelm List und Alfred Jodl.

Aufgrund der Brüche in der deutschen Militärgeschichte wurde durch den Traditionserlass der Bundeswehr die Zuweisung konkreter Verbandstraditionen untersagt.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau und Struktur der Königlich Bayerischen Armee 1914

Bayern stellte in der Armee des deutschen Kaiserreiches zunächst zwei, später drei Armeekorps.

Offizierskorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabmal eines 1915 bei St. Eloi gefallenen jüdischen Reserve-Offiziers vom 23. Infanterie-Regiment; Jüdischer Friedhof (Kaiserslautern)

Das Offizierskorps der Armee hatte einen weit geringeren Adelsanteil als das der preußischen. 1832 entfielen auf einen adeligen Offizier 1,86 bürgerliche Offiziere, 1862 2,34 und 1914 5,66. Eine ausgesprochene Garde war seit Auflösung der Gardeeinheit 1826 nicht mehr vorhanden. In folgenden Regimentern war der Adelsanteil deutlich über dem Durchschnitt:

Etwa 75 Prozent der bayerischen Generäle zwischen 1806 und 1918 gehörten dem Adel an.

Im bayerischen Offizierskorps war das Duell zur Wahrung der Standesehre in Ehrenfällen vorgeschrieben, obwohl es die im Land dominierende katholische Kirche verbot. Duelle wurden vom Staat relativ milde mit Festungshaft geahndet.

Als Besonderheit gab es der bayerischen Armee mehr jüdische Reserveoffiziere als in den anderen deutschen Streitkräften, wenn auch in Bayern der Anteil jüdischer Reserveoffiziere unter dem jüdischen Anteil an der Gesamtbevölkerung lag.

Die Dienstgradbezeichnungen entsprachen weitestgehend jenen in den Streitkräften der übrigen deutschen Staaten. Eine Besonderheit war der Feldzeugmeister, der einem General der Infanterie bzw. Kavallerie gleichstand. Die Rangruppe der Leutnante gliederte sich in Ober- und Unterlieutenants (später: Leutnant).

Offiziersanwärter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Offiziersausbildung wurde 1805, anstelle der Militärakademie, das Kadettenkorps geschaffen, welches 1920 aufgelöst wurde. Die Offiziersanwärter zählten während ihrer Ausbildung zu den Unteroffizieren, lebten aber in von den Mannschaften und Unteroffizieren getrennten Kasernenquartieren. Der Junker bzw. „Offiziers-Adspirant erster Klasse“ (sic) rangierte zwischen Unterleutnant und Feldwebel, der Kadet bzw. „Offiziers-Adspirant zweiter Klasse“ (eingeführt 1868) stand zwischen Feldwebel und Sergent. Neben den Bezügen eines Feldwebels bzw. Sergeanten erhielten sie ein monatliche Zulage von 15 Gulden.

Unteroffizierskorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bayerische Unteroffizierskorps bestand aus Zeit- und Berufssoldaten. Diese wurden in der Regel aus militärdienstleistenden Mannschaften rekrutiert. Zwischen Offiziers- und Unteroffizierskorps gab es eine strenge Laufbahntrennung, was in der Zeit des Ersten Weltkrieges wegen der weitgehenden Abschottung der Offizierslaufbahn gegen den Aufstieg befähigter Unteroffiziere zu erheblichen Sozialproblemen führte.

Dienstgrade der Unteroffiziere und Mannschaften, um 1870[12]
Infanterie Jäger Kavallerie Artillerie
Feldwebel, Musikmeister Oberjäger, Stabshornist Erster Wachtmeister, Stabstrompeter Oberfeuerwerker
Sergent, Hautboist 1. Klasse Secondjäger Zweiter Wachtmeister, Trompeter 1. Klasse Feuerwerker
Corporal, Bataillonstambour, Hautboist 2. Klasse Korporal, Hornist 1. Klasse, Hornist 2. Klasse Korporal, Trompeter 2. Klasse Korporal
Vicecorporal Vicecorporal Oberkanonier
Gefreiter, Tambour 1. Klasse Gefreiter Gefreiter Unterkanonier
Gemeiner, Tambour 2. Klasse Gemeiner Gemeiner Fahrkanonier

Die Dienstgrade blieben zwischen 1802 und 1872 nahezu unverändert.

Rekrutierungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rekrutierung der Armee erfolgte seit der Konstitution von 1808 bis 1868 im Rahmen eines Konskriptionssystems, das die Möglichkeit des Loskaufs durch Bezahlung eines längerdienenden Stellvertreters bot. Im Rahmen der Heeresreform von 1868 wurde nach preußischem Vorbild die allgemeine Wehrpflicht mit der Sonderform des „einjährig-freiwilligen Militärdienstes“ eingeführt.

Bildungswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bildungseinrichtungen der Armee unterstanden der 1866 errichteten Inspektion der Militär-Bildungs-Anstalten. Ihr untergeordnet waren die Kriegsakademie, die Artillerie- und Ingenieur-Schule, die Kriegsschule und das Kadettenkorps. Eine Unteroffiziersschule gab es in der Zeit von 1894 bis 1919 in Fürstenfeldbruck.[13] Ferner existierte noch die Equitations-Anstalt zur Ausbildung im Reiten und im gleichmäßigen Umgang mit Pferden sowie ein dauerhafter Operations-Kurs für Militärärzte.

Landwehr und Landsturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würzburgisches Bataillon der Landwehr um 1840
Soldaten eines Landsturm-Infanterie-Bataillons in Nürnberg (1915)

1807 wurden die alten Bürgerwehren in das Bürgermilitär umgewandelt, das nun in allen Städten und Marktgemeinden in ganz Bayern eingeführt wurde. Weitere Umorganisationen und schließlich die Ausdehnung auch auf das "platte Lande" erfolgten 1809 und 1813. 1809 wurde nach französischem Vorbild die Bürgerwehr in eine Nationalgarde umgewandelt. Diese wurde dann von 1814 bis 1816 in die Landwehr des Königreich Bayerns umgewandelt. Das Bürgermilitär ist von seiner Funktion bis 1826 eher der Polizei als der Bayerischen Armee zuzuordnen. Es durfte bis zu diesem Jahr nur in der Stadt oder im Bezirk seines Landgerichts eingesetzt werden. Die Landwehr-Ordnung von 1826 sah einen wirklichen Kriegseinsatz der Landwehr erstmals vor, der dann 1866 auch stattgefunden hatte. Das Bürgermilitär wurde jedoch dann 1869 aufgelöst.

Im Rahmen der Heeresreform von 1868 wurde der Name „Landwehr“ für ältere Jahrgänge der Reserve verwendet, für die ältesten wehrpflichtigen Jahrgänge wurde der Begriff „Landsturm“ verwendet. Im Rahmen der Landwehr sind auch die Krieger- und Veteranenvereine zu betrachten. Diese wurden bis 1918 von den bayerischen Militärbehörden überwacht.

Garnisonswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Teil der bayerischen Armee wurde in Festungen, säkularisierten Klöstern und ehemaligen Schlössern untergebracht. 1806 erfolgte erstmals der massive Neubau von Kasernenanlagen (Neue Isarkaserne). Nach einer Typhusepidemie 1881 wurden moderne Kasernenneubauten (mit Verheiratetengebäuden) errichtet, z. B. die Prinz-Leopold-Kaserne.

Bayern unterhielt 1838 sieben Festungen:

Die Festung Germersheim befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Bau.

Ferner unterhielt Bayern in folgenden Bundesfestungen Truppen:

Die Festung Germersheim wurde 1919 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages entfestigt.

Gendarmeriekorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teil der Armee war auch das Gendarmeriekorps als Staatspolizei. Allerdings unterstanden die Gendarmen etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts den unteren Zivilbehörden, wovon jedoch der militärische Charakter des Korps nicht beeinträchtigt wurde. Nach der Novemberrevolution wurde die Gendarmerie dem Innenministerium unterstellt.

Militärmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 1. Januar 1790 an führte jedes der 18 Infanterieregimenter beim Stab eine „Musikbande von 10 Hautboisten“, die dem Regimentstambour musikalische unterstellt war. Als „Signalisten“ hatte jede Kompanie drei Tambours, die Pfeifer wurden abgeschafft. Im Mai 1791 ließ der Kurfürst Carl Theodor Noten für die „Churbayerische Militair-Musique nebst Waldhorn-Signalen“ für die beiden Feldjäger-Regimenter herausgeben. Die Kavallerieregimenter hatten beim Stab einen Stabstrompeter und bei jeder Schwadron einen Trompeter zu führen. Die Regimentsspauker schaffte er ab.

Mit der Wiedereinführung der hellblauen Uniformen bei der Linien-Infanterie erhielten Musiker mit Tresse in Farbe der Knöpfe eingefasste Schwalbennester in Abzeichenfarbe. Ihr Feld war nicht von Tressen durchzogen, sondern zeigten bis 1804 das Monogramm des Regimentsinhabers in Knopffarbe, bis 1806 das des Kurfürsten unter dem Kurhut und dann des Königs unter einer Krone. Die Kragen- und Rabattenränder sowie Ärmelnähte waren gleichfalls mit Tresse besetzt, die Oberseite der Ärmel zierten zudem fünf von Naht zu Naht gehende, nach oben zeigende Tressenwinkel oder auch nur schräge Tressen, die zwischen Ärmelaufschlag und Schulter in gleichmäßigem Abstand verteilt waren. Jede Kompanie erhielt wieder einen Pfeiffer, der jedoch 1802 (bei den Grenadierkompanien erst 1811) wieder abgeschafft wurde. Regimentstamboure trugen an Kragen- und Rabattenrand doppelten Tressenbesatz, statt Helm den Hut mit knopffarbenem Tressenbesatz, weißer Plumage und weißem Federstutz mit hellblauer Wurzel. Auf den Oberschenkeln ihrer Hosen waren in Knopffarbe ungarische Stickereien angebracht. Da für die Schützen mit ihrer aufgelockerten Gefechtsart anders als für Soldaten der Grenadier- und Füsilierkompanien die Trommelschläge als Signal nicht mehr ausreichten, erhielten sie zudem Hornisten. Diese trugen jedoch nicht die vorgenannten Uniformmerkmale. Auch bei Kavallerie und Artillerie wurden die Musikeruniformen entsprechend gestaltet.

Am 16. April 1803 ließ Kurfürst Maximilian die Anzahl der Trompeter bei der Kavallerie verdoppeln. Die Artillerie führte Tambours als „Signalisten“.

Mit seinem Armeebefehl vom 29. April 1811 setzte König Maximilian I. „Musikbanden“ von je zwölf „Hautboisten“, geführt von einem „Musikmeister“ samt „türkischer Musik“ (Schlagzeug) für die nunmehr zwölf Linien-Infanterie-Regimenter fest. Jedes hatte als „Signalisten“ vier Hornisten und 28 „Tambours“, die vom Regimentstambour ausgebildet und geführt wurden. Die vier 1801 aus den Feldjäger-Regimentern aufgestellten Leichten Infanterie-Bataillone (bis 1804 kamen zwei weitere hinzu) erhielten je eine „Harmoniemusik“ (ohne Schlagzeug) von zehn „Hautboisten“ unter der Führung eines Musikmeisters, die Zahl der „Signalisten“ ist im Etat mit zwei Hornisten und 14 Tambours je Bataillon angegeben. Bei den Artillerie-Regimentern wurden die Tambours durch Trompeter ersetzt.

Das am 16. Juli 1814 aufgestellte Regiment Garde du Corps führte neben einem Stabstrompeter auch einen Stabspauker und bei seinen sechs Schwadronen je drei Trompeter. Sie trugen keine Kürasse wie der Rest des Regiments, sondern einen einreihigen Rock mit „gewechselten Farben“, das heißt Kragen und Aufschläge waren in der eigentlich beim Regiment üblichen hellblauen Grundfarbe des Rockes, während der Rock selbst in der hier roten Abzeichenfarbe gehalten war. Durch königliches Reskript vom 10. August 1815 wurden aus den Leichten Infanterie-Bataillone das 12., 15. und 16. Linien-Infanterie-Regiments gebildet, die ebenfalls „Musikbanden mit türkischer Musik“ erhielten.

Am 10. Januar 1818 ordnete Armee-Musikdirektor Wilhelm Legrand folgende Besetzung für die „Musikbanden“ an: „4 Klarinetten in Es, 4 Klarinetten in B, eine Flöte in Es, 2 Fagotte, eine Posaune, ein Serpent, 2 Inventionshörner, 2 Hörner in Es, 2 Trompeten in Es“, dazu je eine kleine und große Trommel, ein Paar Becken und ein „Halbmond“. Mit seinem Reskript vom 1. Juli 1822 befahl König Maximilian I. die „Einführung der Waffenübungen für die königlich bayerische Infanterie“, in dessen Anhang sich zwölf Standard-Märsche, komponiert von Armee-Musikdirektor Wilhelm Legrand befanden, die von den Musikkorps auswendig zu spielen waren. Daneben hatte jeder Verband seinen Bataillons- bzw. Regimentsmarsch, den der jeweilige Kommandeur befahl.

König Ludwig I. setzte am 30. Januar 1826 bei der Neuuniformierung des gesamten Heeres auch für die Musiker eine einfache Uniform unter Wegfall von Schwalbennester, Ärmeltressen usw. fest, verbot die Neuanschaffung der dahin üblichen, zusätzlichen Gala-Uniformen und legte die Anzahl des Musikkorps-Personals auf „einen Musikmeister, 18 Hautboisten, 2 Zugeteilte und einen Musiktambour“ fest. Den „Halbmond“ schaffte er ab. Das Grenadier-Garde-Regiment wurde als Leibregiment in die Linieninfanterie eingereiht, deren 16. Regiment dafür in zwei Jäger-Bataillone umgewandelt wurde. Diese hatten als Signalisten nur mehr Hornisten und keine Trommler.

König Maximilian II. ließ auf Vorschlag des Münchener Obermusikmeisters Peter Streck 1857 des Register der Blechblasinstrumente in den Musikkorps verstärken. Auch verbot er bei Paraden Märsche nach Motiven aus italienischen Opern, bayerische Volkslieder sollten das Trio der Militärmärsche bilden.

König Ludwig II. vermehrte die bayerische Infanterie auf 18 Regimenter und löste dafür acht der inzwischen zehn Jäger-Bataillone auf. Die den Jägern eigentümlichen „Horn-Musiken“ blieben bestehen, wenn die Bataillone an verschiedenen Standorten lagen. Nach der Reichsgründung von 1871 wurde das bayerische Heer zwar anders als die übrigen nichtpreußischen Truppenteile nicht in die preußische Armee integriert, jedoch auch im Bereich der Militärmusik den preußischen Standards weitgehend angeglichen. So setzte Ludwig II. die Anzahl der Hautboisten-Stellen je Regiment auf neun fest. Die 1873 neu aufgestellten Fußartillerie-Regimenter erhielten Musikkorps mit Infanterie-Besetzung.

Im Zuge der Heeresvergrößerung unter Prinzregent Luitpold wuchs 1900 auch die Anzahl der Musikkorps: im Jahre 1914 bestanden 28 Musikkorps mit Infanterie-Besetzung, 24 Trompeterkorps der Kavallerie und fünf Horn-Musiken. Die Trainbataillone und die Luftschiffer-Verbände hatten Musikkorps ohne Musikmeister.[14][15]

Uniformen und Rangabzeichen bis 1872[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dienstgradabzeichen blieben zwischen 1802 und 1872 nahezu unverändert. Der charakteristische Raupenhelm wurde 1886 durch die preußische Pickelhaube ersetzt. Es blieb jedoch die typische hellblaue Grundfarbe der Infanterie- und Generalsuniformen. Die aufgezählten Uniformmerkmale entsprechen dem Stand um 1867/68, der bis zur Übernahme der Dienstgradabzeichen nach preußischem Vorbild 1872 gültig blieb. Sie beinhalten die wichtigsten Eigentümlichkeiten der bayerischen Armee in jener Zeit.

Feldmarschälle und alle Generalsränge trugen eine hellblaue Uniform mit scharlachroten Vorstößen, Krägen und Aufschlägen. Im Sommer waren weiße Hosen erlaubt (jedoch nicht zu Pferde). Die Knöpfe bei Feldmarschällen mit zwei erhaben geprägten, gekreuzten Marschallstäben. Die übrigen Generale Knöpfe ohne Prägung. Als Kopfbedeckung Dreieckshut (eigtl. Zweispitz) mit weiß-blauen Busch aus Hahnenfeder, dazu silberne Sternschleifen und Quasten aus silberner Bouillon und blauer Seide. Alternativ Schirmmütze mit scharlachroten Vorstößen und Silberstickerei. Der Dienstgrad war anhand der Silberstickerei auf Kragen und Aufschlägen zu erkennen: Für den Feldmarschall ein Gewinde von Eichen- und Lorbeerblättern, für den General der Infanterie bzw. Kavallerie und den Feldzeugmeister der Artillerie eine doppelte Reihe aus Laub- und Bandstreifen, der Generallieutenant eine ebensolche einfache Reihe, der Generalmajor nur einfache Zackenstickerei. Als Dienstabzeichen blau-silberne Schärpe aus einem Silberfäden-Seide-Gemisch. Das Säbel-Portepee mit einer Quaste aus silbernern Bouillonfäden und hellblauen Silberfäden, das Band aus Silbergewirk, durchzogen von hellblauen Seidenfäden.

Die Kompanie-Offiziere (Hauptmann bzw. Rittmeister, Oberlieutenant, Unterlieutenant) trugen auf den vorderen Kragenenden 1-3 horizontale Metalltressen (Gold oder Silber, nach der Knopffarbe), die Stabsoffiere (Oberst, Oberlieutenant, Major) zusätzlich am äußeren Kragenrand eine Metallborte. Dazu lederner Raupenhelm mit Beschlägen wie die Mannschaften, aber vergoldet; der Helmkamm aus schwarzem Bärenfell. Alternativ Schirmmütze mit Gold- oder Silberstickerei (nach Knopffarbe). Am Säbel das Portepee der Generale.

Der Junker bzw. „Offiziers-Adspirant erster Klasse“ (sic) Uniform wie Unterleutnant, jedoch ohne Kragentressen oder Dienstabzeichen der Offiziere (Ringkragen), am Degen oder Säbel das Junkersportepee (Quaste aus Silberfäden, das Band aus weißer Seide mit zwei blauen Streifen), die Schirmmütze mit Vorstößen aus Seide (nach Knopffarbe). Der Kadet bzw. „Offiziers-Adspirant zweiter Klasse“ (eingeführt 1868) wie Sergent (sic), jedoch Junkersportepee.

Die Unteroffiziere (Feldwebel bzw. 1. Wachtmeister/Oberjäger/Oberfeuerwerker/Obermeister, Sergent bzw. 2. Wachtmeister/Secondjäger/Feuerwerker/Untermeister, Corporal) 1-3 weiße Wollborten, den äußeren Kragenrand weiß bordiert. Die Mannschaftsdienstgrade Vice-Korporal und Gefreiter trugen 1 Borte, Kragen ohne Einfassung, Vice-Korporal zusätzlich die weiß-blaue Wollquaste der Unteroffiziere am Seitengewehr. Die Unteroffiziere weißlederne Handschuhe, das Säbelgehänge mit einer weiß-blauen Wollquaste, bei dem Feldwebel, Regimensttambour und Stabsprofos aber aus blauem Kamelgarn und Silberfäden. Der Helm beim Feldwebel mit Raupe aus schwarzem Bärenfell (ebenso Musikmeister, Regiments- und Bataillonstamboure, Profosse und Hautboisten), alle anderen die Raupe aus schwarzer Wolle. Ab 1886 alle Dienstgrade Pickelhaube nach preußischem Vorbild. Alternativ, für alle Dienstgrade ab Feldwebel abwärts, hellblaue Schirmmütze mit roten Vorstößen und Stoffkrone in Metallfarbe (der Knopffarbe folgend).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bayerisches Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege 1914–1918. München 1923.
  • Rainer Braun: Bayern und seine Armee, Ausstellungskatalog des Hauptstaatsarchivs, München 1987, ISBN 3-921635-10-1.
  • Konrad Krafft von Dellmensingen, Friedrichfranz Feeser: Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914–1918. 2 Bände. Stuttgart 1930.
  • Carl Friedrich von Dollmann (Hrsg.): Die Gesetzgebung des Königreichs Bayern seit Maximilian II.: mit Erläuterungen, Zweiter Theil (Staats- und Verwaltungsrecht), Fünfter Band, Erlangen 1869
  • Achim Fuchs: Einführung in die Geschichte der Bayerischen Armee. München 2014. (Sonderveröffentlichung der Staatlichen Archive Bayerns, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Nr. 9). ISBN 978-3-938831-49-6.
  • Wolf D. Gruner: Das Bayerische Heer 1825 bis 1864. Eine kritische Analyse der bewaffneten Macht Bayerns vom Regierungsantritt Ludwigs I. bis zum Vorabend des deutschen Krieges (= Wehrwissenschaftliche Forschungen. Abteilung Militärgeschichtliche Studien. Bd. 14). Boldt, Boppard 1972, ISBN 3-7646-1562-1 (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1971).
  • Militär-Handbuch des Königreiches Bayern, Verlag des Haupt-Conservatoriums der Armee, München 1867
  • Eike Mohr: Bibliographie zur Heeres- und Truppengeschichte des Deutschen Reiches und seiner Länder 1806 bis 1933. Biblio Verlag, Bissendorf 2004.
  • Karl Müller, Louis Braun: Die Organisation, Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung der Königlich Bayerischen Armee von 1806 bis 1906. München 1906.
  • Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7.
  • Hermann Rumschöttel: Das bayerische Offizierkorps 1866–1914. Berlin 1973.
  • Walter Seibold, Gerd M. Schulz: Die Helme der Königlich Bayerischen Armee 1806–1918. Bayerischer Militärverlag Gerd M. Schulz, Gröbenzell 1999.
  • Walter Seibold, Gerd M. Schulz: Dienst- und Rangabzeichen der Offiziere und Beamten der Königlich Bayerischen Armee 1806 bis 1918. Bayerischer Militärverlag Gerd M. Schulz, Gröbenzell 2005, ISBN 3-00-017435-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bayerisches Militär – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G.F. Nafziger: Armies of the Kingdom of Bavaria and the Grand Duchy of Würzburg. 3. Auflage. Selbstverlag 1993, S. 1–3.
  2. Gesamter Abschnitt nach: G.F. Nafziger: Armies of the Kingdom of Bavaria and the Grand Duchy of Würzburg. 3. Auflage. Selbstverlag, 1993, S. 1–7.
  3. Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 441–444. (Volltext)
  4. Dieter Storz: Die Bayerische Armee 1866, in: Nord gegen Süd. Der Deutsche Krieg 1866, Bayerisches Armeemuseum Ingolstadt, 2016, ISBN 978-3-00-053589-5, S. 33
  5. Gesetz, die Wehrverfassung betreffend (Gesetzblatt für das Königreich Bayern, No. 20 vom 31. Januar 1868, S. 261–308), Digitalisat
  6. Sanitätsbericht über die deutschen Heere im Kriege gegen Frankreich 1870/71, Zweiter Band, Mittler, Berlin 1886, S. 66–69, 428–429.
  7. Haus der Bayerischen Geschichte: Die Innenpolitik unter Prinzregent Luitpold
  8. Georg Paul Rieß: Aus Fürth’s Geschichte – von Georg Paul Rieß. Chronikschreiber. 1914. Viertes Jahr. Fürth 1914 (offizielle Stadtchronik, Einzelexemplar im Stadtarchiv Fürth). S. 81.
  9. Friedrichfranz Feeser: Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914–1918. Stuttgart 1930. S. 183. / Bayer. Kriegsarchiv: Die Bayern im Großen Kriege 1914–1918. München 1923. S. 595. ging noch von 188.000 Toten aus, nachdem von ca. 20.000 vermisst Gebliebenen zu diesem Zeitpunkt nur die Hälfte als tot vermutet wurde.
  10. Kai Uwe Tapken: Demobilmachung, 1918/1919 (militärisch). In: Historisches Lexikon Bayerns. 1. März 2011, abgerufen am 25. Oktober 2011.
  11. Abbildung aus „Bayerns Goldenem Ehrenbuch“ in GenWiki Commons.
  12. Militärhandbuch des Königreichs Bayern, 1867
  13. Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H. Beck, München 1983, S. 363 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche; abgerufen am 9. Juli 2017).
  14. Bayer. Hauptstaatsarchiv, Abteilung IV, München, Akt A VIII
  15. Andreas Masel: Das Ober- und Nieder-Bayerische Blasmusikbuch. Hrsg.: Musikbund von Ober- und Niederbayern. Wien/München 1989.