Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 48° 23′ 46″ N, 11° 43′ 45″ O

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Rechtsform Landesbetrieb
Gründung um 1675
Sitz Freising, Bayern
Leitung Josef Schrädler
Mitarbeiterzahl 143 (2017)[1]
Umsatz 39,6 Mio. EUR (2017)[1]
Branche Bierbrauerei
Website www.brauerei-weihenstephan.de

Brauereigebäude der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan.
Bärenskulptur am Eingang zur Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan.

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan ist eine Brauerei im Besitz des Freistaates Bayern in den Gebäuden des ehemaligen Klosters Weihenstephan auf dem „Weihenstephaner Berg“ im Freisinger Stadtteil Weihenstephan. 2017 betrug der Jahresausstoß 443.772 Hektoliter.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsdatum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1950er Jahre wurde als Gründungsdatum das Jahr 1146 angegeben. Dann gab das Kloster Weihenstephan das gut 100 Jahre frühere Gründungsjahr 1040 an. Beide Jahreszahlen entstammen der gleichen Urkunde.[2] In der auf das Jahr 1146 datierten, 1767 in den Monumenta Boica[3] abgedruckten Urkunde wird der Freisinger Bischof Egilbert von Moosburg († 1039) als Urheber der Brauerei genannt. Der Einleitung der Urkunde zufolge, kommen als Urheber der Freiheit („libertatum“),[4] in der Stadt Freising einen Bierbrauer etc. zu halten, aber auch Egilberts verschiedentliche Nachfolger („successoribus“) und zusätzlich auch Kaiser und Fürsten („Imperatoribus Romanis & aliis principibus“) infrage.[5] Oft wird Abt Arnold als Geber oder Erwerber des Braurechts behauptet, wobei dies aber jeweils nicht durch eine primäre Quelle belegt wird, er aber von 1022 bis 1041[6] Abt des Klosters Weihenstephan war.[7][8][9] Gleichzeitig bezeugt die Urkunde, zur Beilegung eines Streits zwischen dem Kloster Weihenstephan und den Schenkwirten und Bierbrauern der Stadt, im Jahr 1146[7][3] auf Bemühung des Abtes Sigmar, die Verlegung des bisher in der Stadt Freising ausgeübten Schank- und Braurechts in das Kloster bzw. dessen Hofmark Vötting durch Bischof Otto I. von Freising.

Alle vier bekannten Überlieferungen der als Fälschung geltenden Urkunde geben sie als Abschrift des Notars Arsacius Prunner im Auftrag des Abtes Eberhard aus, der sie auch beglaubigt habe. Abt Eberhard regierte von 1416 bis 1448 – Arsacius Prunner ist als Notar nur 1525 und 1526 nachzuweisen.[10] In der Urkunde wird das achte Regierungsjahr Bischof Ottos 1146 als das sechste gezählt. In ihr heißt es „Datum anno ab incarnatione Dominica MCXLVI. anno Ottonis venerabilis Episcopi sexto“. Die Erwähnung "Hofmark Vötting" (Hofmarchiam Vetting) erscheint unglaubwürdig,[4] weil es Hofmarken im Sinne der Ottonischen Handfeste (1311) zu dieser Zeit noch nicht gab.[11]

Ähnlich verhält es sich bei „ius pincernandi et praxandi cerevisiam“ (Mundschenk- und Bierbraurecht) und „ius commune“ (gemeines Recht).[12] Zu einem verleihbarem Recht wird das Brauen erst im Verlauf des 17. Jahrhunderts (1640: Preuhäuser-Concessions-Matricul)[13] und der Begriff "Gemeines Recht" kommt erst im Verlauf der Hauptrezeption des römischen Rechts seit dem 14. Jahrhundert auf.[14]

Während M. Schlamp von einer „für die Zeit Ottos I. ungewöhnlichen Siegelankündigung“ spricht, fehlt nach Bodo Uhl ein Siegel in der Erwähnung eines Prozesses gegen Otto I. Die Länge der Einleitung vor dem Prozess ist nach Bodo Uhl für die Urkunden Otto I. einzigartig. Dieser Prozess vor dem Salzburger Metropolitangericht gegen die Stadt Freising ist heute noch in einer 116-seitigen Papierlibell erhalten und hat in Wirklichkeit am 2. November 1429 auf Empfehlung Herzog Heinrichs gegen Bischof Nikodemus stattgefunden. Zuvor waren 1421 der Bürgermeister und einige Stadträte in die Weinschenke des Klosters eingedrungen und hatten dort gegen das gemeine Recht und die Freiheiten des Klosters den Zapfen des Weinfasses abgeschlagen, das Kloster beraubt und seitdem den Weinverkauf des Klosters verhindert.[15]

Wohl durch einen Lesefehler wird in der Aufzählung von Handwerkern im Prozess in der Urkunde aus einem Bäcker (pistor) ein Maler (pictor).[16] Wenn man Bischof Egilbert als Urheber der Brauerei betrachten will, erscheint als Gründungszeitpunkt der Brauerei eher ein Zeitraum zwischen 1021 und 1039 realistisch, da 1040 in Freising bereits Bischof Nitker regierte.[5]

Nach Bodo Uhl beläuft sich die einzige, in den Jahren 1616–1640 von Abt Tanner vorgenommene Veränderung des aus dem 15. Jahrhunderts stammenden Klagetextes auf das Vorziehen eines Bierbrauers (praxator cerevisiae) an die erste Stelle in einer Liste von Handwerkern, um ihn besser hervorzuheben und daran die Verlegung des Braurechts in das Kloster im 12. Jahrhundert besser anknüpfen zu können.[15][16] Das Ziel der Fälschung war eher ein Nachweis für das uneingeschränkte Braurecht des Klosters, wahrscheinlich zur Vorlage beim Kurfürsten, was dann aber dennoch unterblieb, als ein möglichst hohes Alter der Brauerei. Erstmals nutzte die Brauerei diese Urkunde im Jahr 1723 bei einer Prüfung geistlicher und adliger Brauhäuser durch eine kurbayrische Untersuchungskommission, wo die Urkunde durch Oberkellerer Pater Rupert vorgelegt wurde.[17] Wahrscheinlich glaubte das Kloster schon selbst an die Echtheit der Urkunde. Die früheste eindeutig datierbare Abschrift findet sich in der Chronik des Fälschers Abt Tanners selbst.[10]

Zahlreiche Hopfenabgaben der Hallertauer Besitzungen des Klosters, festgehalten in einer Urkunde aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, deuten auf eine frühere Brauerei in Weihenstephan hin. Freisinger Hopfengärten werden seit dem 9. Jahrhundert erwähnt und 1160 ist in Freising ein Brauhaus urkundlich nachzuweisen.[18] Nach M. Schlamp (1937) „hat aber die Klosterbrauerei […] Weihenstephan ein Alter von mehr als 900 Jahren und die ehemalige fürstbischöfliche Brauerei [...] in Freising ein solches von nicht weniger als 1100 Jahren hinter sich“.[19] Hinweise auf Klosterbrauereien aus vergleichbarer Zeit gibt es im Kloster St. Columban am Bodensee (7. Jahrhundert), St. Gallen (10./11. Jahrhundert) und Tegernsee (9. Jahrhundert oder früher).[7] Der erste urkundlich geltende Beleg für eine Brauerei in Weihenstephan stammt aus dem Jahr 1675 in Form einer kurfürstlichen Konfirmationsurkunde, die bei der Untersuchungskommission von 1723 ebenfalls vorgelegt wurde.[17][19]

Staatsbrauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster Weihenstephan wurde im Zuge der Säkularisation in Bayern 1803 aufgelöst. Die zu diesem Zeitpunkt bestehende Brauerei kam in den Besitz des Bayerischen Staates und firmierte als Königlich Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan.[1] Seit 1921 trägt die Brauerei den Namen Bayerische Staatsbrauerei. In allen größeren Städten Deutschlands etablierten sich Biergärten und Gaststätten, die sich Zum Weihenstephan nannten. So gab es in Berlin ein solch gut besuchtes Wirtshaus nahe an der Potsdamer Brücke, das im Jahr 1921 geschlossen werden musste. Es galt lange Zeit als Treff von Literaten, Künstlern, Offizieren und Beamten, die hier den geistigen Austausch gepflegt hatten.[20]

Im 21. Jahrhundert ist sie als Regiebetrieb des Freistaates Bayern ein modernes, nach privatwirtschaftlichen Maßstäben geführtes Unternehmen mit Absatzgebieten in aller Welt. Rund um die Brauerei entstand aus dem Kloster der heutige Campus Freising-Weihenstephan.

Direktor der Brauerei ist Josef Schrädler (Stand per 2007).[21]

Gebraute Biersorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weihenstephaner Helles
  • Hefeweißbier
  • Hefeweißbier Dunkel
  • Hefeweißbier Leicht
  • Hefeweißbier Alkoholfrei
  • Kristallweißbier
  • Vitus (Weizenbock)
  • Original Helles
  • Original Helles Alkoholfrei
  • Pils
  • Tradition Bayrisch Dunkel
  • Korbinian (Doppelbock)
  • Kellerbier 1516
  • Festbier
  • Winterfestbier
  • Naturradler

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Goldpreis beim World Beer Cup, in der Kategorie South German-Style Hefeweizen, für Weihenstephaner Hefeweißbier.[22]
  • 2016: Silberpreis beim World Beer Cup, in der Kategorie German-Style Wheat Ale, für Weihenstephaner Kristallweißbier.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bodo Uhl, Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 29 (1979) S. 9–48.
  • Gunter Stresow in: Von Klostern, Kirchen und Geistlichen im Jahrbuch 2004, Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e.V. (GGB), Berlin 2004
  • Michael Schlamp: Aus dem Gewerbeleben des frühen Mittelalters. Zur Geschichte der Freisinger Brauereien. In: 19. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 19, 1935, S. 53–91.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Beteiligungsbericht des Freistaates Bayern 2018. Abgerufen am 21. Februar 2019.
  2. Wilhelm Kaltenstadler: Die jüdisch-christlich-islamische Kultur Europas: Wurzeln – Strukturen – Entwicklungen. 3. März 2014, abgerufen am 28. Juli 2020.
  3. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 28.
  4. a b Michael Schlamp: Aus dem Gewerbeleben des frühen Mittelalters. Zur Geschichte der Freisinger Brauereien. In: 19. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 19, 1935, S. 53.
  5. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 36.
  6. Rudolf George: Amperland – Die Wallfahrt zum heiligen Kreuz in Wippenhausen. Abgerufen am 5. August 2020.
  7. a b c Die Geschichte vom Bier - Das Geheimnis der Würze kannte nur der Abt - III - Bier-Lexikon. In: bier-lexikon.lauftext.de. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  8. Weihenstephan – In einem Kloster fing alles an. Abgerufen am 5. August 2020.
  9. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan – Älteste Brauerei der Welt. Abgerufen am 5. August 2020.
  10. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 32.
  11. Michael Schlamp: Aus dem Gewerbeleben des frühen Mittelalters. Zur Geschichte der Freisinger Brauereien. In: 19. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 19, 1935, S. 85.
  12. Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 29 f.
  13. Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 30, 33.
  14. Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 29.
  15. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 30 f.
  16. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 31.
  17. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 35.
  18. Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 37 f.
  19. a b Bodo Uhl: Die Hofmarks- und Braurechte des Klosters Weihenstephan. Einige Anmerkungen zur Überlieferung und Fälschung von Urkunden Bischof Ottos I. von Freising. In: 29. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. In: Historischer Verein Freising (Hrsg.): Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Band 29, 1979, S. 38.
  20. Weihenstephan – Potsdamer Brücke. In: staatsbibliothek-berlin.de. Vossische Zeitung, 5. Januar 1921, abgerufen am 24. November 2017.
  21. Dr. Josef Schrädler zum Honorarprofessor ernannt. TU München, 7. Dezember 2007, abgerufen am 21. November 2017.
  22. a b Gewinnerliste 2016. (PDF) In: worldbeercup.org. Abgerufen am 11. Mai 2016.