Bayerisches Rotes Kreuz

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Bayerisches Rotes Kreuz
Kompaktlogo des Bayerischen Roten Kreuzes
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gründung 27. Juli 1945
Sitz München, Deutschland
Personen Theo Zellner, Präsident
Schwerpunkt Humanitäre Hilfe, Humanitäres Völkerrecht, Sozialarbeit
Freiwillige 130.000
Mitglieder 955.000
Website www.brk.de
Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, Präsidentin von 2003 bis 2013, am 17. Februar 2013, dem 150. Gründungstag des Deutschen Roten Kreuzes
Motorradstreife im Einsatz
Erstehilfestation des Bayerischen Roten Kreuzes beim Frühlingsfest in München

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist ein Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Er wurde am 27. Juli 1945 wiedergegründet. Im Gegensatz zu allen anderen Rotkreuzverbänden in Deutschland, die in der Rechtsform eingetragener Vereine organisiert sind, ist das BRK eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Staatsministerium des Innern. Der Sitz des BRK ist in der Garmischer Straße 19–21 in München. Präsident des BRK ist seit der 36. Landesversammlung am 7. Dezember 2013 der ehemalige Landrat des Landkreises Cham, sowie Präsident des Sparkassenverbandes Bayern und Vorsitzender des BRK KV Cham, Theo Zellner. Vizepräsidenten sind Brigitte Meyer und Paul Wengert. Geschäftsführer des BRK-Landesverbandes sind derzeit Leonhard Stärk und Wolfgang Obermair.[1] Ehrenpräsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes ist Christa Prinzessin von Thurn und Taxis.

Die Mitgliederzahl des Bayerischen Roten Kreuzes beträgt rund 955.000 Mitglieder (31. Dezember 2011).[2] Damit ist das BRK der größte Landesverband des DRK.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1864 im Jahr der ersten Genfer Konvention gab es in vielen anderen deutschen Einzelstaaten einen entsprechenden Verband. Bayern trat erst 1868 der Konvention bei. Die Königinmutter Marie und ihr Sohn Ludwig II. von Bayern gründeten im Dezember 1869 den Bayerischen Frauenverein, der später den Zusatz „vom Roten Kreuz“ annahm. Im gleichen Jahr wurde das „Centralkomité der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“ gegründet, das ab Dezember 1879 den Namen „Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz“ trug und seinen Sitz in Berlin hatte.[3] Erst als Folge des Ersten Weltkriegs wurde am 25. Januar 1921 das Deutsche Rote Kreuz gegründet. Dem Bayerischen Roten Kreuz als Landesverband wurde im Jahr 1921 und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. Juli 1945 die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Gründungspräsident nach dem Krieg war Adalbert Prinz von Bayern, der in Zusammenarbeit mit Karl Scharnagl, dem Münchner Oberbürgermeister, die Neugründung organisierte. Am 4. Februar 1950 wurde das Deutsche Rote Kreuz wiedergegründet. Otto Geßler, 1949 bis 1955 Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, war von 1950 bis 1952 auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, danach dessen Ehrenpräsident. 1999 trat der damalige Präsident des BRK, Albert Schmid, im Zuge eines Schmiergeldskandal beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes zurück. Zwei Ex-Manager des Bayerischen Roten Kreuzes mussten in Haft.[4] Der neue Präsident Heinz Köhler und seine Nachfolgerin Christa von Thurn und Taxis versuchten mit einem „Zukunftsprogramm“ eine bessere interne Kontrolle sicherstellen.

Gliederung des BRK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landesverband gliedert sich in

  • die Landesgeschäftsstelle
  • 5 Bezirksverbände (Oberbayern, Ober- und Mittelfranken, Niederbayern/Oberpfalz, Schwaben, Unterfranken) und
  • 73 Kreisverbände

Die BRK-Bezirksverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das BRK ist analog zur politischen Gebietseinteilung in Bayern strukturiert. Die sieben Regierungsbezirke bilden fünf BRK-Bezirksverbände: Oberbayern, Niederbayern/Oberpfalz, Ober- und Mittelfranken, Unterfranken sowie Schwaben.

Die ehrenamtlichen Gemeinschaften des BRK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesen Gemeinschaften kann man sich ehrenamtlich in den vielfältigsten Aufgabenbereichen engagieren.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesgeschäftsführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 2007 Leonhard Stärk
  • seit 2014 stellv. Landesgeschäftsführer: Wolfgang Obermair [7]
  • 2009–2014 Dieter Deinert [8]

Marienvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienvereine sind seit 2005 offizielle Gemeinschaften innerhalb der Rotkreuzgemeinschaften, Mitglied des Bayerischen Roten Kreuzes. Entstanden sind sie um die Jahrhundertwende auf Betreiben der Herzogin Maria von Sachsen-Coburg und Gotha, als Rot-Kreuz Hilfs- und Betreuungsvereine. Sie bilden ein Kuriosum innerhalb der Strukturen des Bayerischen und des Deutschen Roten Kreuzes, da es die heute dreißig Marienvereine nur im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha gibt. Von diesem gehören heute die Gegenden um Königsberg in Unterfranken und um Coburg in Oberfranken zu Bayern.

Soziale Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den ehrenamtlichen Bereichen bietet das Bayerische Rote Kreuz eine Vielzahl von sozialen Dienstleistungen an. Z.B.

Kritik, Skandale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schmiergeldskandal beim Blutspendedienst des BRK führte nach 1999 zu einer Neuorganisation.

Im Rahmen seiner Prüfungen hat der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) Ende 2010 diverse Fehlentwicklungen beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) aufgezeigt: Hauptverursacher von Verlusten war nach seinem Bericht die Landesgeschäftsstelle (in den Jahren 2000 bis 2007 ca. 98 Millionen Euro Minus). Die Parkplatzbewirtschaftung beim Zentralen Omnibusbahnhof München wurde als besonders riskant bewertet, da der Pachtvertrag über 25 Jahre abgeschlossen worden sei. Bei möglichen Verlusten dienten mittelbar auch Einnahmen aus Spenden und Mitgliedsbeiträge zur Deckung. Diese Bewertung wies der Münchner Kreisverband zurück.[9]

Nach einer Reportage von „Report Mainz“ gab das Bayerische Rote Kreuz Anfang 2014 zu, in den 1980er-Jahren über einen Schweizer Zwischenhändler Erythrozytenkonzentrate („Blutkonserven“) aus der ehemaligen DDR gekauft zu haben, welche aus von Häftlingen erzwungenen Blutspenden gewonnen worden waren.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bayerisches Rotes Kreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BRK beruft neuen stv. Landesgeschäftsführer: Wolfgang Obermair leitet ab 2015 Wohlfahrtsbereich auf: brk.de, 18. November 2014, abgerufen 25. Februar 2015.
  2. Wer wir sind. In: brk.de. Abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. Ludwig Kimmle: Das Deutsche Rote Kreuz, 1910, Seite 75 ff, 258 ff.
  4. Manager des Bayerischen Roten Kreuzes müssen in Haft, Der Spiegel, 19. April 2000.
  5. Wir über uns. In: Bayerisches Jugendrotkreuz. 13. Oktober 2015 (jrk-bayern.de [abgerufen am 22. Dezember 2016]).
  6. BRK: BRK WuS. Bayerisches Rotes Kreuz Körperschaft des öffentlichen Rechts, abgerufen am 31. August 2017 (deutsch).
  7. Caritas-Vorstand Obermair geht zum Roten Kreuz auf: merkur-online.de, 15. November 2014, abgerufen 21. November 2014.
  8. BRK-Landesgeschäftsführer Deinert kündigt überraschend auf: merkur-online.de, 28. März 2014, abgerufen 21. November 2014.
  9. merkur-online.de, 7. Dezember 2010: Rechnungshof: Schlechtes Zeugnis für das BRK (9. März 2012).
  10. focus.de, 14. 1. 2014: Blutkapitalismus im Sozialismus: DDR-Häftlinge: Schuften für Aldi, bluten für die Stasi;
    Millionen Devisen für DDR-Zwangsarbeit und Blut von Häftlingen (11. Oktober 2016).