Bayerisches Staatsballett

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Das Prinzregententheater in München-Bogenhausen ist eine der Spielstätten des Bayerischen Staatsballetts
Der Innenraum des Prinzregententheaters zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Das Nationaltheater – eine der Spielstätten des Bayerischen Staatsballetts
Der Zuschauerraum des Nationaltheaters

Das Bayerische Staatsballett in München entstand 1988 als eigenständige Ballettkompanie aus dem Ensemble des ehemaligen Balletts der Bayerischen Staatsoper. Die Gründerin Konstanze Vernon leitete die Kompanie bis 1997. Die Nachfolge hatte bis Juli 2016 der deutsch-tschechische Tänzer Ivan Liška übernommen. Seit August 2016 ist Igor Zelensky Leiter des Balletts.[1]

Das Bayerische Staatsballett besteht aus einem internationalen Ensemble und verfügt über ein vielfältiges Repertoire, das über 80 Werke von der Romantik über die Klassik und Neo-Klassik bis zum 21. Jahrhundert umfasst.

Geschichte des Balletts an der Münchner Staatsoper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge des Balletts in München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ballettgeschichte begann in München mit dem Aufkommen einer höfischen Festkultur, in deren Rahmen auch das Ballett als Kunstform entwickelt wurde. Die höfischen Feste in München orientierten sich an den vorherrschenden französischen und italienischen Vorbildern des 16. und 17. Jahrhunderts.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des 19. Jahrhunderts traten berühmte Tänzer wie Paul und Marie Taglioni 1825 im Nationaltheater auf. Auf Anforderung der Tänzerin Lola Montez wurde das zwei Jahre zuvor einstudierte Ballett Giselle erneut aufgeführt. Die Giselle-Produktion war über Jahrzehnte erfolgreich und wurde aus Anlass eines Gastspiels der Ballerina Lucile Grahn neu inszeniert. 1869 ließ sich Lucile Grahn in München nieder und war bis 1875 am Nationaltheater als Ballettmeisterin tätig. Dabei studierte sie u. a. die Ballette Coppélia und Sylvia ein und war an der tänzerischen Gestaltung der Uraufführung von Richard Wagners Opern Rheingold, Tannhäuser und Meistersinger beteiligt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg belebte Marcel Luipart das Ballett in München neu. Er traf sich mit den Mitgliedern des Ensembles in einem Saal des zerbombten Nationaltheaters. Unter Luipart entstanden eine Reihe erfolgreicher Ballett-Produktionen, meist aus dem Repertoire von Diaghilevs Ballets Russes. Er adaptierte die Vorlage und verursachte einen Theaterskandal, als er 1948 Werner Egks Abraxas uraufführte. Nach nur fünf Vorstellungen verfügte der Kultusminister, dass das Werk „wegen allzu großer Freizügigkeiten“ abgesetzt wurde.[2]

Victor Gsovsky trat die Nachfolge Luitparts als Ballettdirektor an. Er verknüpfte innovative choreographische Tendenzen mit russischer Tanztradition. Mit ihm kam aus Paris die Ballerina Irene Skorik. Anschließend leiteten zwischen 1952 und 1954 Pia und Pino Mlakar das Tanzensemble, wobei sie auch einige Arbeiten von Gsovsky wieder auf die Bühne brachten.

Alan Carter und dessen Frau Joan Harris brachten die „Englische Schule“ nach München. Mit den durch Carter ausgebildeten Tänzern arbeitete der folgende Ballettdirektor Heinz Rosen ab 1959 fast zehn Jahre lang. Er setzte auf die dramatische Wirkung von Körperlinien im Raum, brachte jedoch ein eher variationsarmes Tanzvokabular zum Einsatz.

Durch die Einführung der Ballettfestwoche im Jahr 1960 brachte Heinz Rosen die internationale Ballettwelt nach München. Bei Gala-Abenden traten Solisten der westlichen Tanzmetropolen New York, London oder Kopenhagen sowie des Bolschoi-Balletts auf. Erste Auslandsgastspiele in Europa folgten.

Bis das Nationaltheater 1963 wiedereröffnet wurde, diente das Prinzregententheater als Spielstätte, das nach dessen Wiedereröffnung im Jahre 1996 heute als zweite Spielstätte des Bayerischen Staatsballetts dient.

Von Ende der 1960er bis Ende der 1980er Jahre wechselten sich verschiedene Ballettdirektoren ab. Entscheidend waren hier die Jahre 1968 bis 1970, als John Cranko parallel zu seiner Arbeit in Stuttgart das Ballett in München leitete. In dieser Zeit inszenierte er drei Handlungsballette: Onegin, Romeo und Julia sowie Der Widerspenstigen Zähmung, die bis heute ein wichtiger Teil des Repertoires des Bayerischen Staatsballetts sind. Crankos künstlerischer Einfluss dauerte auch während der Zeit seines Nachfolgers Roland Hynd an.

Direktor Dieter Gackstetter holte Jerome Robbins zu seiner ersten Arbeit mit einer deutschen Ballettkompanie. Die dramatische Ballerina Lynn Seymour konnte William Forsythe für eine Uraufführung in München gewinnen und sorgte für die Akquisition von La Sylphide, einer Arbeit von August Bournonville, die bis heute ein zentrales Element des Repertoires ist. Der Direktor Edmund Gleede holte Youri Vámos nach München, der inzwischen einer der bedeutendsten Choreographen Europas war. David Bintley wurde für seine erste Arbeit in Deutschland von Stefan Erler nach München geholt. Das Tänzerehepaar Ivan Liska und Colleen Scott waren Mitte der 1970er Jahre in München aktiv und kamen über 20 Jahre später als Ballettmeister und Direktor zur Kompanie zurück.

Die Zeit von Ende der 1960er Jahre bis Ende der 1980er Jahre waren insbesondere durch wachsende Spannungen zwischen den Ballettdirektoren und den Opernintendanten geprägt. Diese Spannungen waren schließlich so stark, dass es kaum noch möglich erschien, einen geeigneten Ballettdirektor zu gewinnen.

Der entscheidende Anstoß für eine grundlegende Veränderung dieser Situation kam von Konstanze Vernon, eine in den 1960er und 1970er Jahren führende Ballerina in München. Sie hatte die Opernballettschule in eine staatliche Ballettakademie im Zusammenhang mit der Gründung der Heinz-Bosl-Stiftung umgewandelt. Die Ballettakademie wurde zu einer Münchner Institution mit weltweiter Ausstrahlung, die als erste Akademie Deutschlands auf das russische Waganowa-System in der Ausbildung umstellte, so dass in München schon lange vor dem Fall der Mauer russische Tanzpädagogen tätig waren. Es folgten internationale Wettbewerbserfolge, so dass München bald als eine der besten Adressen für Tänzerausbildungen gehandelt wurde.

20./21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 entschied die Bayerische Staatsregierung, das Ballett den Sparten Schauspiel und Oper gleichzustellen, so dass das Bayerische Staatsballett gegründet werden konnte. Es startete zur Spielzeit 1989/1990 als eigenständige Sparte unter der Leitung von Vernon, die wie der Staatsintendant einen Vertrag mit dem zuständigen Staatsminister hatte, und teilte sich fortan mit der Oper das Nationaltheater und die Produktionsstätten Cuvilliéstheater und Prinzregententheater, das 1996 auf Betreiben August Everdings eigens als 2. Spielstätte für das Bayerische Staatsballett ausgebaut und mit einer zeitgemäßen Bühnenmaschinerie ausgestattet wurde.

Unter Konstanze Vernons Leitung verfolgte das Staatsballett eine konsequente, langfristig angelegte Repertoirepolitik und nutzte die neuen Möglichkeiten als eigenständige Sparte. Durch ihre Kontakte und die Kenntnisse ihrer beiden künstlerischen Mitarbeiter Bettina Wagner-Bergelt (Moderne) und Wolfgang Oberender (Klassik) gelang es, Choreographen wie Lucinda Childs, Hans van Manen, Jiří Kylián, John Neumeier, Angelin Preljocaj oder Mats Ek zu gewinnen.

Die Nachfolge von Vernon trat im September 1998 Ivan Liška an, nachdem er unter John Neumeier über mehr als zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Solisten des Hamburger Balletts gewesen war.

Im August 2016 übernahm Igor Zelensky die Leitung des Bayerischen Staatsballetts.

Heute umfasst das Repertoire des Bayerischen Staatsballetts mehr als 80 Werke von der Romantik bis hin zu Klassikern des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen herausragende Werke von Kylian, Balanchine, Jerome Robbins und Hans van Manen, Stücke wichtiger Modern-Dance-Vertreter, wie Lucinda Childs, Twyla Tharp, Angelin Prejocaj, William Forsythe bis zur Avantgarde; Saburo Teshigawara, Richard Siegal, Simone Sandroni u. v. a.

Das Ensemble geht regelmäßig auf Auslandstourneen und hat in den vergangenen 20 Jahren Länder Europas (Italien, Spanien, Schweiz, Österreich, Polen, GUS/Russland, Tschechien, Slowakei u. a.) Asiens (Südkorea, Indien, China, Taiwan) und Nordamerikas (USA, Kanada) besucht.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerische Staatsoper: Zelensky Igor. Abgerufen am 8. Mai 2018.
  2. Geschichte des Bayerischen Staatsballetts

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]