Bayrischzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bayrischzell
Bayrischzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bayrischzell hervorgehoben

Koordinaten: 47° 40′ N, 12° 1′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Miesbach
Höhe: 800 m ü. NHN
Fläche: 79,45 km2
Einwohner: 1616 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 20 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 83735, 83727
Vorwahl: 08023
Kfz-Kennzeichen: MB
Gemeindeschlüssel: 09 1 82 112
Gemeindegliederung: 15 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 2
83735 Bayrischzell
Website: www.bayrischzell.de
Bürgermeister: Georg Kittenrainer (CSU)
Lage der Gemeinde Bayrischzell im Landkreis Miesbach
ÖsterreichLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis EbersbergLandkreis MünchenRosenheimLandkreis RosenheimBad WiesseeBayrischzellFischbachauGmund am TegernseeHaushamHolzkirchen (Oberbayern)IrschenbergKreuthMiesbachOtterfingRottach-EgernSchliersee (Gemeinde)Tegernsee (Stadt)ValleyWaakirchenWarngauWeyarnKarte
Über dieses Bild
Blick auf Bayrischzell (rechts) mit dem Hausberg Wendelstein, davor der Weiler Hochkreut, links der Gemeindeteil Osterhofen, ganz links das Dorf Geitau, ganz rechts das Sudelfeld, hinten rechts der Chiemsee und die Chiemgauer Alpen

Bayrischzell ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Miesbach und ein heilklimatischer Luftkurort in den oberbayerischen Alpen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Beginn des Leitzachtales auf einer Seehöhe zwischen 750 und 1884 Metern inmitten der bayerischen Voralpen. Das Talgebiet ist landwirtschaftlich geprägt, das übrige Gemeindegebiet gebirgig mit zahlreichen Almflächen und großen Waldgebieten. Markantester Berg und Hausberg von Bayrischzell ist der Wendelstein, höchster Berg ist die Rotwand. Neben der Leitzach gibt es zahlreiche weitere Bäche sowie den im Gebirge gelegenen Soinsee.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayrischzell liegt im Mangfallgebirge zwischen Schliersee im Westen und Oberaudorf im Osten. Der Ort befindet sich am Fuß des Wendelsteins, zu Füßen des Sudelfelds (gegenüber dem Arzmoos-Tal) und unterhalb des Sudelfeldpasses. Er liegt am Nordausgang des Ursprungtals. Im Süden grenzt die Gemeinde Bayrischzell an Tirol (Gemeinde Thiersee), der Grenzübergang befindet sich am Ursprungpass (Bäckeralm). Im Norden liegt Fischbachau. Der Ort befindet sich 23 km südöstlich von Miesbach, 25 km nordwestlich von Kufstein und 20 km westlich von Oberaudorf. Im westlichen Gemeindegebiet nahe der Grenze zur Gemeinde Schliersee liegen das Taubensteinhaus auf 1567 Meter Höhe sowie das Rotwandhaus (1737 m).

Gemeindeteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 500 und 700 nach Christus entstanden Rodungen im heutigen Gemeindegebiet. Im Jahr 1076 gründete an dieser Stelle die Gemahlin Haziga des Pfalzgrafen Otto II. von Scheyern-Wittelsbach eine Eremitenklause mit der Kapelle Margarethenzell. 1079 wurde diese in ein Kloster umgewandelt, das allerdings bereits 1085 nach Fischbachau verlegt wird. Durch seine Nähe zu Tirol war Bayrischzell (Die Zell) sowohl in den Spanischen und Österreichischen Erbfolgekriegen als auch in den Napoleonischen Kriegen Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen auch örtlicher Gebirgsschützen mit den Tirolern. 1811/12 wurde Die Zell (oder Margarethenzell) eine selbständige Pfarrkuratie. Seit 1832 wird der Ort offiziell Bayrischzell genannt. Am 5./6. Dezember 1846 fand dort ein Haberfeldtreiben mit über 100 Treibern statt. Um 1900 setzte allmählich der Fremdenverkehr ein. Das Wappen in seiner aktuellen Form wird seit 1959 geführt und soll mit den silbernen Rauten an die enge historische Beziehung zu den Wittelsbachern erinnern.

Nachdem um 1900 eine Leitzachtalbahn München–Westerham–Bayrischzell projektiert wurde, ist seit dem 1. Oktober 1911 in Bayrischzell der Endbahnhof der Bahnstrecke Schliersee–Bayrischzell in Betrieb,[3] seit 1970 auch die Talstation Bayrischzell-Osterhofen der Wendelstein-Seilbahn.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Einwohnerzahl von 1570 auf 1610 um 40 Einwohner bzw. um 2,6 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl 2014 stellten die CSU, die Freien Wähler, die Bürgervereinigung Gemeinsam für Bayrischzell und die Ständevereinigung eine Gemeinsame Liste auf. Alle zwölf Gemeinderäte kommen von dieser Liste. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,9 Prozent.[4]

Die Gemeinderatswahl 2020 hatte folgendes Ergebnis:[5]

Partei/Liste 2020
CSU 5
Freie Wähler Gemeinschaft Bayrischzell 4
Freie Wähler Freie Parteilose Wähler Bayrischzell 2
GRÜNE 1
Gesamt 12

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Bayrischzell
Blasonierung: „Über blauem Schildfuß, darin drei stehende silberne Rauten, in Blau ein silberner, aus der Teilungslinie emporsteigender Berg, belegt mit einem schwarzen Gemsenkopf.“[6]

Das Wappen wird seit 1959 geführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das angrenzende Sudelfeld mit 19 Liftanlagen und rund 31 km präparierten Abfahrten ist eines der bekanntesten Skigebiete im bayerischen Alpenraum und das größte zusammenhängende Skigebiet Deutschlands. Es ist vom Ort aus mit der Sesselbahn zu erreichen.[7] Der Wendelstein ist seit 1970 unter anderem durch die Seilbahn von Bayrischzell-Osterhofen aus zu erreichen. Das Wendelsteiner Skigebiet ist mit seinen etwa 10 km Pisten ein Geheimtipp für geübte Fahrer.

Im Winter stehen für Langlaufsportler 96 km gespurte Loipen zur Verfügung. Im Sommer sind auf einer Länge von 28 km mehrere Nordic-Walking-Touren abgesteckt.

Außerdem gibt es ein geheiztes Freischwimmbad, Tennisplätze und eine Minigolf-Anlage und im Winter einen Eisplatz und eine Eisstockbahn.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayrischzell liegt direkt an der Bundesstraße 307 (Miesbach – Tatzelwurm (Sudelfeld)) sowie an der Staatsstraße 2075 (Bayrischzell – Bäckeralm (Ursprungpass), weiter nach Thiersee (Tirol)).

Bahn und Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linie Streckenverlauf Verkehrsmittel Betreiber
9555 Landl (Tirol) – Bayrischzell – Schliersee – Hausham – Gmund – Tegernsee Bus DB Oberbayernbus, Abschnitt Bayrischzell – Landl wird seit Herbst 2019 nicht mehr bedient, Wiederinbetriebnahme ist geplant
WRL Wendelsteinringlinie Bayrischzell – Fischbachau – Bad Feilnbach – Oberaudorf – Bayrischzell Bus Omnibus Brandstätter, fährt nur in der Sommersaison (Mai – Oktober)
SB Skibus Geitau – Osterhofen – Bayrischzell – Sudelfeld bzw. Bäckeralm Bus Omnibus Brandstätter, fährt nur in der Wintersaison (Dezember bis März)
BOB Bayrischzell – Schliersee – Hausham – Miesbach – Holzkirchen – München Bahnstrecke Bayrischzell–Schliersee Bayerische Oberlandbahn (Fortführung nach Holzkirchen–München)
WSB Osterhofen – Wendelstein Wendelstein-Seilbahn Wendelsteinbahn GmbH

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband wurde als Arbeitsgemeinschaft deutscher Sportreferenten noch vor der Konstituierung der Bundesrepublik am 2. April 1948 in Bayrischzell gegründet.[8]

In der Nacht zum 26. Juni 2006 wurde der Braunbär JJ1, alias Bruno, der im Mai 2006 von Italien über Tirol nach Bayern einwanderte, auf der 1500 m hohen Kümpflalm in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet im Gemeindebereich Bayrischzell von zwei Jägern und einem Polizisten durch einen Lungenschuss auf 150 m Entfernung getötet. Der präparierte Braunbär wird seit April 2008 im Münchener Museum Mensch und Natur ausgestellt.

Im Herbst 2007 drehte Regisseur Rainer Kaufmann in der Umgebung von Bayrischzell den ZDF-Fernsehfilm Das Beste kommt erst. In den 1980er Jahren wurde in Bayrischzell auch Erben will gelernt sein gedreht. Derzeit ist Bayrischzell Drehort der Fernsehserie Frühling.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten mit Bezug zu Bayrischzell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Junkers (1859–1935), Ingenieur, lebte in den 1930er Jahren hier im Arrest
  • Friedrich Veit (1861–1948), evangelischer Theologe, hier gestorben
  • Philipp Harth (1885–1968), Bildhauer, hier gestorben
  • Ida zur Nieden (1886–1981), Altistin, hier gestorben
  • Hermann Göring (1893–1946), nationalsozialistischer Politiker, lebte in den 1920er Jahren in Bayrischzell

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bayrischzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Bayrischzell – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Bayrischzell in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 7. September 2019.
  3. http://gemeinde.bayrischzell.de/gemeinde/geschichte-chronik.html Gemeindegeschichte
  4. Das ist der neue Gemeinderat Bayrischzell. 28. April 2014, abgerufen am 2. Dezember 2019.
  5. Landtags- und Bezirkswahl 2018 - Gemeindeverwaltung Bayrischzell. Abgerufen am 23. März 2020.
  6. Eintrag zum Wappen von Bayrischzell in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 2. September 2020.
  7. sog. Schwebelift (einsitziger Sessellift, Baujahr 1967)
  8. Geschichte auf www.adh.de