Bazar de la Charité

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Der Brand in einer zeitgenössischen Zeitschrift dargestellt

Der Bazar de la Charité wurde 1885 als Wohltätigkeitsveranstaltung in Paris eröffnet und einige Jahre später in der Nummer 17 der Rue Jean-Goujon (8. Arrondissement) aufgebaut. Er bestand bis zum 4. Mai 1897, als er durch eine Brandkatastrophe vernichtet wurde, bei der 129 Menschen den Tod fanden.

Auf diesem Wohltätigkeits-Basar verkauften Damen der High Society Kunstgegenstände, die wegen der prominenten Verkäuferinnen gute Einnahmen erlösten.

Die Verkaufshalle war eine Holzbaracke, mit viel Aufwand schön dekoriert. So wurde mit einer Theaterdekoration eine Straße des mittelalterlichen Paris gezeigt.

Gedenkkapelle am ehemaligen Ort des Basars

An die Rückwand des Basars war ein kleiner Filmvorführungsraum angebaut, in dem mittels eines Kinematographenapparates kurze Filmprogramme dargeboten wurden.

Diese Apparatur war der Ausgangspunkt der Brandkatastrophe: Die Beleuchtung des Filmprojektors brauchte als Lichtquelle ein Kalklicht, das mit einer Etherflamme arbeitete. Die leicht verdunstende, brennbare Flüssigkeit, dazu der Nitrozellulose-Film in einem Korb unter dem Filmapparat und weiterhin die leicht brennbaren Theaterdekorationen aus Baumwolle, trockenem Holz, Papier und Firnis boten den Flammen ideale Nahrung.

In wenigen Minuten brannte die ganze Baracke, und die Brandhitze war so hoch, dass von außen kein Näherkommen möglich war. Erst als der Brand erloschen war, konnten die Leichen geborgen werden, die zum Teil so entstellt waren, dass ihre Identifizierung fast unmöglich schien.

Der mit der Katastrophe verbundene Schrecken sowie der Verlust vieler hoher Persönlichkeiten (unter anderen Sophie in Bayern, die jüngere Schwester von Elisabeth von Österreich-Ungarn) zogen Beileidsbekundungen und Spenden aus aller Welt nach sich. Eine kleine Gedenkkapelle wurde am Ort des Geschehens errichtet. Oscar Amoëdo aus Kuba, der als Vater der forensischen Zahnmedizin bezeichnet wird, befragte die an der Identifizierung der Brandopfer anhand ihrer Gebisse beteiligten Ärzte und veröffentlichte die Ergebnisse im ersten Buch zur forensischen Zahnheilkunde L'Art Dentaire de Medicine Legale.[1][2]

Der amerikanische Choreograf Clint Lutes hat der Brandkatastrophe des Bazars de la Charité seine Produktion "Get a Leg Up" gewidmet - ein zeitgenössisches Tanzstück für 9 Tänzer (Uraufführung: 7. Januar 2010, Berlin)[3].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. O. Amoedo: The role of the dentists in the identification of the victims of the catastrophe of the “Bazar de la Charite,” Paris, 4. Mai 1897. Dental Cosmos 39, S. 905–912.
  2. David R. Senn, Paul G. Stimson: Forensic Dentistry, Second Edition. CRC Press, 2010, ISBN 978-1-4200-7837-4, S. 17 (google.com).
  3. Pressemitteilung zur Uraufführung von "Get a Leg Up"