Beat Richner

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Beat Richner (2007)

Beat Richner (* 13. März 1947 in Zürich; † 9. September 2018 bei Zürich[1]; heimatberechtigt in Rohr (Aarau) und Zürich) war ein Schweizer Kinderarzt und Musiker, der vor allem durch den Aufbau von Kinderspitälern in Kambodscha bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beat Richner war schon während seines Medizinstudiums auch als Strassenmusiker unterwegs. Nach Abschluss des Medizinstudiums im Jahre 1973 spezialisierte er sich auf Pädiatrie am Kinderspital Zürich. 1974/1975 schickte ihn das Schweizerische Rote Kreuz an das Kantha-Bopha-Kinderspital nach Kambodscha. Als die Roten Khmer die Macht übernahmen, brach Richner seinen Aufenthalt ab und nahm seine frühere Arbeit am Kinderspital Zürich wieder auf. 1980 eröffnete er seine eigene Praxis in Zürich. Daneben entwickelte er die Rolle des Musikclowns Beatocello und trat damit in der Deutschschweiz und im Ausland auf. Zur Illustration seines Programms und seiner musikalisch-poetischen Geschichten publizierte er vor allem Kinderbücher mit einfachen Strichmännchen.

Richner begab sich Ende Februar 2017 für Abklärungen in die Schweiz, da er an einer unbekannten Krankheit litt. Im März 2017 wurde bekannt, dass Richner die Leitung der Spitäler aus Gesundheitsgründen abgeben wird. Richner litt an einer seltenen und unheilbaren Hirnerkrankung mit zunehmendem Funktions- und Gedächtnisverlust.[2] Die Leitung der Spitäler übernahm sein langjähriger Freund und Mitarbeiter Peter Studer.[3] Am 9. September 2018 starb Richner im Alter von 71 Jahren in einem Pflegeheim bei Zürich.[1][4] Die Gedenkfeier fand am 24. Oktober im Grossmünster statt. Am 5. Dezember wurde die Urne nach Kambodscha zurück gebracht. Die Trauerperiode wurde auf Geheiss des Gesundheitsministers von sieben auf hundert Tage verlängert.[5] Kambodscha ehrt und verehrt Dr. Beat Richner in BaZ 11. Januar 2019.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kambodscha

Im Dezember 1991 bat ihn die kambodschanische Regierung, das Kinderspital Kantha Bopha in Phnom Penh, das während der Herrschaft der Roten Khmer zerstört worden war, wieder aufzubauen und zu leiten. Im März 1992 gründete er in Zürich die Stiftung für kambodschanisch-schweizerische Partnerschaft in Pädiatrie, heutiger Name: Stiftung Kinderspital Kantha Bopha, Dr. med. Beat Richner. Anschliessend reiste er nach Phnom Penh, um mit den Wiederaufbauarbeiten zu beginnen. Im November 1992 konnte das Spital (heute als Kantha Bopha I bekannt) seinen Betrieb unter Richners Leitung wiederaufnehmen. In den folgenden Jahren wurde es ständig ausgebaut und an die dringendsten Bedürfnisse angepasst; ausserdem wurden noch vier weitere Spitäler errichtet: drei in Phnom Penh, eines in Siem Reap.

Das erfolgreiche Werk Richners orientiert sich an einer Reihe von Prinzipien: Richner betrachtete seine Arbeit nicht als Wohltätigkeit, sondern er fühlte sich verpflichtet, die Kriegszerstörungen zu reparieren und Gerechtigkeit wiederherzustellen. Kindern als empfindlichste Opfer von Kriegen das Überleben zu sichern, war für ihn Friedenswerk, weil sie dem Land zukünftig Frieden bringen und erhalten können. Seiner Meinung nach, hat jedes Kind dieser Welt Anspruch auf korrekte, moderne Medizin (Tuberkulosebekämpfung, Verhinderung von Mutter-Kind-Übertragung von HIV mit antiretroviralen Medikamenten usw.). Barfussmedizin für arme Länder hielt er für unmenschlich, weshalb alle Kinder in Richners Spitäler kostenlos versorgt werden. Nur die Ärzte entscheiden, wer dringlich behandelt wird.

Spendengelder werden von der Stiftung allein verwaltet und gehen nicht an die Regierung. Das Personal erhält von der Spitaldirektion einen korrekten und anständigen Lohn. Die Kantha Bopha Spitäler sind Universitätskliniken und deshalb muss die hohe Qualität der Medizin in Zusammenarbeit mit internationalen Spezialisten gesichert werden. Richner achtete auf das Kosten/Nutzen-Verhältnis, das als eines der weltbesten gilt, mit einer schlanken Administration einhergeht und von einem Schweizer Treuhandbüro geprüft wird. Schon vor Jahren hatte sich Richner um seine Stellvertretung und Nachfolge gekümmert, um die Nachhaltigkeit seines Werkes auch im Sinne der Regierung von Kambodscha zu sichern.[6]

Binnen 20 Jahren (von 1992 bis 2012) wurden rund 12 Millionen Kinder behandelt; bis 2017 waren es insgesamt 18 Millionen Kinder. Bis 2012 wurde eine Million Kinder hospitalisiert. In den fünf Spitälern werden rund 85–90 % der kranken Kinder des ganzen Landes behandelt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beatocello in e-moll mit Pascale Berthelot (Klavier), 2006 (in Kambodscha aufgenommen)[7]

Filme über Richner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bach at the Pagoda (1997, Regie: Georges Gachot)
  • And the Beat goes on (1999, Georges Gachot)
  • Depardieu goes for Beatocello (2002, Georges Gachot)
  • Money or Blood (2004, Georges Gachot)
  • Kantha Bopha, 15 ans déjà (TV 2007, Georges Gachot)
  • L’ombrello di Beatocello (2012, Georges Gachot)[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beat Richner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Manfred Rist: Zum Tod von Beat Richner: Der Kinderarzt und sein Denkmal für Kambodscha. In: Neue Zürcher Zeitung vom 9. September 2018.
  2. Sacha Ercolani: Trauriger Abschied: Kinderarzt Beat Richner schwerer erkrankt als bisher angenommen. In: Aargauer Zeitung. 4. November 2017, abgerufen am 9. September 2018.
  3. Thomas Hasler: Sein Lebenswerk ist «too big to fail». In: Tages Anzeiger. 27. November 2017, archiviert vom Original am 27. November 2017; abgerufen am 9. September 2018.
  4. René Schwarzenbach, Peter Studer: Dr. med. Beat Richner „Beatocello“ verstorben. Stiftung Kinderspital Kantha Bopha, Dr. med. Beat Richner, 9. September 2018, abgerufen am 9. September 2018 (pdf, 42 kB).
  5. Nicola Brusa: Zürich trauert um Beat Richner. In: Tages-Anzeiger vom 24. Oktober 2018.
  6. Beat Richners Prinzipien
  7. CD – Beatocello in e moll. In: gachot.ch. 7. Januar 2013, abgerufen am 9. September 2018.
  8. «Bund»-Filmmatinee Nr. 285 […] «L’ombrello di Beatocello» von Georges Gachot 2012 […]. In: gachot.ch. 3. April 2012, abgerufen am 9. September 2018 (pdf, 163 kB, Filmplakat).
    Beatocellos Schirm. In: SRF-Sendung DOK. 9. September 2018, abgerufen am 9. September 2018 (Video, 49 Minuten).