Beatrice Weder di Mauro

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Beatrice Weder di Mauro, 2012

Beatrice Weder di Mauro (* 3. August 1965 in Basel) ist eine schweizerisch-italienische Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie gehört dem Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS an und ist zugleich Mitglied des Risk- und des Audit Committee.[1][2]

Darüber hinaus ist sie seit 2014 Mitglied in der Bellagio-Gruppe.[3] Zwischen 2004 und Februar 2012 war sie Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Rat der Wirtschaftsweisen“) in Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weder di Mauro verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Guatemala, wo sie von 1971 bis 1980 die Deutsche Schule besuchte [4]. Ihr Vater, der als Pflanzenschutzexperte für das Basler Chemieunternehmen Ciba-Geigy arbeitete, zog mit der Familie zum zentralamerikanischen Hauptquartier des Unternehmens[5]. Als Weder di Mauro 16 Jahre alt war, kehrte die Familie in die Schweiz zurück.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Matura in Münchenstein im Jahr 1984[6] und einem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel, promovierte sie 1993[6] mit einer Arbeit zum Thema „Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat“[7] am Lehrstuhl des Basler Wirtschaftsprofessors Silvio Borner[5].

Sie belegte darin mit empirischen Daten aus Lateinamerika, dass Armut in allen Schichten auch eine Konsequenz von Rechtsunsicherheit ist[8] und umgekehrt eine Steigerung des Wohlstands in Entwicklungsländern möglich ist, wenn die „Grundbedingungen des Erfolgs der westlichen Länder“ – „Langfristigkeit, Gewaltenteilung und Supranationalität“ – auch in diesen Ländern entwickelt werden.[9]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökonomin und Wirtschaftsprofessorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum von 1994 bis 1996 war Weder di Mauro als Ökonomin beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und von 1996 bis 1997 bei der Weltbank tätig.[10] Zwei Jahre später, von 1998 bis 2001, war sie an der Universität Basel als Assistenzprofessorin beschäftigt, wo sie im Jahre 1999 auch habilitierte[11], und war anschließend in den Jahren 2000 und 2001 Titularprofessorin der Nationalökonomie. Ebenfalls ab 1999 folgten sporadische Gastaufenthalte beim IWF, an der Universität der Vereinten Nationen in Tokio (2000) und an der Harvard University, sowie ab 2003 bei der Federal Reserve Bank in New York.[11] Seit April 2001 hat Weder di Mauro eine Professur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne[12], wo sie sich schwerpunktmässig mit Fragen internationaler Wirtschaftsbeziehungen und der internationalen Finanzmärkte beschäftigt.[13]

Im Zeitraum von 2002 bis 2004 war sie Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Konjunkturfragen in Bern.[11] Im Jahre 2006 war sie bei National Bureau of Economic Research als Visiting Scholar tätig und im Jahre 2010 war sie als Wissenschaftlerin beim IWF angestellt.[11]

Weiterer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 ist sie Mitherausgeberin des „Applied Economics Quarterly“ und, ebenfalls seit 2003, „Research Affiliate“ des „Center for Economic Policy Research“ (CEPR) in London.[14]

Im Juni 2004 wurde Weder di Mauro als Nachfolgerin von Axel A. Weber in den deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („fünf Wirtschaftsweise“) berufen.[11] Damit war sie in dieser Position das jüngste jemals berufene Mitglied, die erste jemals berufene Frau und die erste jemals berufene Nichtdeutsche. Im Februar 2012 wurde bekannt, dass Weder di Mauro ihre Tätigkeit als Wirtschaftsweise zum turnusgemäßen Ende ihrer Amtszeit am 29. Februar 2012 aufgeben werde, da sie für den Verwaltungsrat der Schweizer Bank UBS nominiert wurde und einen Interessenkonflikt vermeiden wolle.[15][16][17][18]

Von 2005 bis 2010 war sie im Aufsichtsrat der Ergo Versicherungsgruppe[19], seit 2010 ist sie im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp und seit 2011 im Aufsichtsrat der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Von 2006 bis 2016 gehörte sie dem Verwaltungsrat von Hoffmann-La Roche an.[20] Ihr Mandat im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp, welches noch bis 2015 gelaufen wäre, endete Ende 2013, da EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso sie in eine Expertenkommission berufen hat.[21]

Neben Beiträgen in Fachzeitschriften verfasst sie auch populärwissenschaftliche Artikel.[14] Zudem schrieb sie Kolumnen für die Basler Zeitung (über Themen wie Konjunktur, Börse, internationale Finanzströme und Entwicklungshilfe).

Weitere Tätigkeiten und Interessenbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beatrice Weder di Mauro ist zudem Mitglied des Verwaltungsrates der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. [22] Des Weiteren ist sie Mitglied des Beraterkreises der Fraport AG[23], sowie des Beirats von Deloitte Deutschland.[24]

Außerdem bekleidet Weder di Mauro die Position der stellvertretenden Vorsitzenden des Hochschulrats der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.[25]

Beatrice Weder di Mauro ist Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex,[26] des Senats der Max-Planck-Gesellschaft[27] und des Global Agenda Council on Sovereign Debt des WEF.[12]

Familie und Sprachkenntnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beatrice Weder di Mauro ist verheiratet mit Filippo di Mauro[5], der in Rom, Chicago und Boston Ökonomie studierte und lehrte[5]. Danach arbeitete er für die Italienische Nationalbank in Rom und Tokio, sowie für den IWF[5]. Später arbeitete er als Abteilungsleiter bei der Europäischen Zentralbank unter Leitung von Jean-Claude Trichet[5]. Die Familie hat einen Sohn.[5]

Weder di Mauro spricht Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch und kann sich des Weiteren auch auf Französisch und mit Einschränkungen auf Japanisch und Russisch verständigen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Five essays on economic causes of corruption. WWZ-Forum, Basel 2002.
  • Institutional reform in transition economics. International Monetary Fund, Washington, DC, 2001.
  • Model, myth or miracle. United Nations University Press, Tokio 1999, ISBN 92-808-1030-8.
  • Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat. Rüegger, Chur 1993, ISBN 3-7253-0469-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben auf der Seite der Bank, abgerufen am 8. Januar 2016.
  2. Rheinische Post 4. Februar 2012
  3. Speaker profile CARF Seminar. carf.e.u-tokyo-ac.jp, abgerufen am 2. Februar 2016.
  4. Beatrice Weder di Mauro. Die Sachverständige , FAZ. Abgerufen am 20.Dezember 2014.
  5. a b c d e f g Machtnetz von Beatrice Weder di Mauro: Auf dem Olymp. bilanz.ch. Abgerufen am 15. Februar 2015.
  6. a b Beatrice Weder di Mauro, Munziger. Wissen, das zählt. Abgerufen am 20.Dezember 2014.
  7. Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat.Beatrice Weder.
  8. Die Schweiz sieht immer besser aus. weltwoche.ch. Abgerufen am 18. April 2016.
  9. Wirtschaft zwischen Anarchie und Rechtsstaat. S. 195
  10. Prof. Dr Beatrice Weder di Mauro, Roche. Abgerufen am 20.Dezember 2014.
  11. a b c d e Beatrice Weder di Mauro, UBS. Abgerufen am 20.Dezember 2014.
  12. a b Beatrice Weder di Mauro, Website der UBS. Abgerufen am 17. März 2015.
  13. Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro, Wirtschaftsweise (2004−2012), Abgerufen am 20. Dezember 2014.
  14. a b Beatrice Weder di Mauro. CV & Publications, Redner-Profil bei Celebrity Speakers. Abgerufen am 2. Februar 2016.
  15. Meldung in ZDF.heute am 3. Februar 2012.
  16. Weder di Mauro beendet ihre Arbeit als «Wirtschaftsweise», Tagesanzeiger, abgerufen am 13. März 2015.
  17. Beatrice Weder di Mauro: Wirtschaftsweise wechselt zu Schweizer Großbank, Spiegel Online, abgerufen am 13. März 2015.
  18. Weder di Mauro – Eine Ausnahmeerscheinung geht, Die Welt, abgerufen 13. März 2015
  19. Hauptversammlung der ERGO Versicherungsgruppe wählt neuen Aufsichtsrat, Presseinformation 12. Mai 2010, abgerufen am 13. März 2015
  20. Medienmitteilung. In: www.roche.com. Abgerufen am 17. März 2016.
  21. Meldung in der Wirtschaftswoche, Heft 42, abgerufen am 16. Oktober 2013.
  22. Aufsichtsrat, Bosch-Gruppe, abgerufen am 30. August 2015.
  23. Zusammensetzung des Beraterkreises der Fraport AG, Fraport AG, abgerufen am 30. August 2015.
  24. Beirat von Deloitte. Vordenker und Wirtschaftsexperten beraten Deloitte auf dem Weg in die Zukunft., Deloitte, abgerufen am 30. August 2015.
  25. Hochschulrat. Mitglieder (Amtszeit 01.01.2014 - 31.12.2018), JGU Mainz Organisation, abgerufen am 30. August 2015.
  26. Mitglieder der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex,Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, abgerufen am 30.August 2015.
  27. Übersicht über die Zusammensetzung des Senats der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., MPG, abgerufen am 30. August 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]