Beatrix Potter

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Beatrix Potter mit ihrem Lieblingshund Keb

Helen Beatrix Potter (* 28. Juli 1866 in London; † 22. Dezember 1943 in Sawrey) war eine englische Kinderbuchautorin und -illustratorin. Sie begann ab 1890 als Illustratorin zu arbeiten und ihre Kinderbücher waren für diese Zeit außergewöhnlich erfolgreich. Sie sah sich lange Zeit gezwungen, das konventionelle Leben einer Angehörigen der oberen englischen Mittelschicht zu führen. Erst in ihrer zweiten Lebenshälfte konnte sie ihren Wunsch umsetzen, im Lake District umfangreichen Landbesitz zu erwerben, wo sie sich dort als erfolgreiche Schafzüchterin etablierte. Sie legte dabei Wert darauf, die traditionelle Lebensweise der Menschen dieser Region zu erhalten. Ihren Landbesitz vererbte sie testamentarisch dem National Trust.

Leben[Bearbeiten]

Familienhintergrund[Bearbeiten]

Außenansicht des Crystal Palace, dem zentralen Ausstellungsgebäude während der Großen Londoner Industrieausstellung 1851

Beatrix Potter wurde zwar in London geboren, legte aber in der zweiten Hälfte des Lebens viel Wert darauf, dass ihre Wurzeln im ländlichen Norden Englands lägen. „Mein Bruder & Ich wurden nur in London geboren, weil mein Vater dort Anwalt war.“ schrieb sie später einmal.[1]Tatsächlich stammte sowohl ihre mütterliche wie ihre väterliche Familie ursprünglich in der Region von Manchester. Ihr Großvater väterlicherseits, Edmund Potter, hatte dort gemeinsam mit seinem Cousin Charles Potter erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut, das bedruckte Baumwollstoffe aufbaute. Die Firma ging Konkurs, als sich der Konsumentengeschmack änderte und eine Steuer bedruckte Baumwollstoffe verteuerte.[2] Edward Potter gelang es durch eine verbesserte Technologie ein zweites Unternehmen aufzubauen, das ebenfalls bedruckte Baumwollstoffe herstellte. Seine Innovationen galten als so bemerkenswert, dass sie während der Großen Londoner Industrieausstellung von 1851 gezeigt und Edmund Potter 1856 zum Mitglied der Royal Society gewählt wurde. 1862 war Edmund Potter & Company die weltweit größte Firma, die Baumwollstoffe bedruckte. Im selben Jahr wurde Edmund Potter als Liberaler in das britische Parlament gewählt, die Leitung der Firma wurde von seinem ältesten Sohn übernommen.[3]

Beatrix Potters Großvater auf mütterlicher Seite, John Leech, war ökonomisch nicht weniger erfolgreich und besaß im Umland von Manchester Tuchfabriken. Er starb bereits 1861 und vermachte jeder seiner Töchter die ungewöhnlich hohe Mitgift von 50.000 Britischen Pfund. Beide Familie einte, dass sie dem Unitarismus anhingen, einer Glaubensrichtung, die sich aus dem Antitrinitarismus der radikalen Reformation entwickelt hatte. Die Familien waren eng miteinander verflochten. Zwei Söhne von Edmund Potter heirateten Töchter von John Leech.

Der 1832 geborene Rupert Potter, Beatrix Potters Vater, war der zweitälteste überlebende Sohn von Edmund Potter. Wie zunehmend für wohlhabende Familien der englischen Oberschicht üblich, studierte er Rechtswissenschaften und wurde 1857 als Anwalt zugelassen.[4] Es gibt sehr wenige Dokumente, die seine Tätigkeit als Anwalt belegen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass er sich auf Eigentumsübertragungen spezialisierte. Die wenigen erhaltenen Belege für seine Anwaltstätigkeit werden gelegentlich so interpretiert, dass er als Anwalt wenig aktiv war. Beatrix Potters Biografin Linda Lear argumentiert dagegen, dass diese Form der Anwaltstätigkeit grundsätzlich wenig Belege hinterlässt und da Rupert Potter sein Erbe erst 1884 ausgezahlt bekam, kann man sicher davon ausgehen, dass er über längere Zeit in London als Anwalt aktiv war. Unstrittig ist jedoch, dass Rupert Potter ab Beginn der 1890-Jahre ein ausgesprochen wohlhabender Mann war, der den größten Teil seines Einkommens aus Kapitalanlagen bezog.[5]

Am 8. August 1863 heiratete Rupert Potter Helen Leech. Über ihre Kindheit und ihre Erziehung ist sehr wenig bekannt.[6] Wenn auch nicht belegbar, ist es angesichts ihres sozialen Hintergrunds am wahrscheinlichsten, dass sie von Gouvernanten erzogen wurde und damit vermutlich nur eine sehr oberflächliche Erziehung genossen hat. Es gibt eine Reihe von Indizien, dass sowohl Rupert als auch Helen Potter an sozialer Akzeptanz lag. Rupert Potter wurde kurz nach seiner Anwaltszulassung Mitglied des angesehenen Reform Clubs, wobei er vermutlich davon profitierte, dass sein Vater ein bekannter liberaler Parlamentarier war. Bereits 1860 wurde er außerdem als Mitglied für den renommierten Athenaeum Clubs vorgeschlagen und 1874 letztlich auch aufgenommen.[7] Als Anhänger des Unitarismus und auf Grund ihres Dialektes unverkennbar Nordengländer war ihr Aufstieg in der Londoner Gesellschaft jedoch zwangsläufig begrenzt. Entsprechend den Gepflogenheiten ihrer Schicht gaben Rupert und Hellen Potter in ihrem Londoner Haus jedoch zahlreiche Empfänge und hielten sich außerhalb der Saison auf dem Lande auf.[8]

Kindheit[Bearbeiten]

Beatrix Potter und ihre Mutter Helen Leech, ca. 1876

Beatrix Potter wurde im Haus Nr. 2, Bolton Gardens in Kensington in London geboren. Ihre Eltern waren in diesen noch ländlich geprägten Stadtteil Londons gezogen als Helen Potter schwanger war. Bolton Gardens war eine relativ neue Siedlung, die Einwohnerschaft bestand ähnlich wie die Potters fast ausschließlich aus Familien der gehobenen Mittelschicht. Die vierstöckigen Häuser wiesen vorne eine kleinen und hinter dem Haus einen großen Garten aus. Zum Haus gehörten auch Stallungen für die Kutschpferde und Wohnraum für den Kutscher.[9] Zum Personal gehörte eine Köchin und eine Haushälterin, Butler, Kutscher und Stallbursche.[10] Als Kindermädchen für Beatrix Potter wurde die schottische Calvinistin Ann Mackenzie eingestellt.[11]

Linda Lear weist darauf hin, dass Beatrix Potters Kindheit häufig als beklemmend, isoliert und eintönig bezeichnet wird. Zutreffend ist, dass gemessen an der Zahl der Freundschaften, die Beatrix Potter während ihrer Kindheit schließen konnte oder auch nur den Möglichkeiten, gleichaltrige Kinder kennenzulernen, ihre Kindheit einsam und eingeschränkt war. Wie für Mädchen ihres Zeitalters und ihrer sozialen Schicht typisch, wurde Beatrix Potter ausschließlich zu Hause erzogen. Ihre enge Bindung an ihren Bruder Walter „Bertie“ Bertram, der im März 1872 zur Welt kam, ist sicherlich eine Reaktion auf ihre seltenen Begegnungen mit anderen Kindern.[12] Gleichzeitig war Beatrix Potters Kindheit eine sehr privilegierte. Auf Grund der Interessen ihrer Familie hatte sie in ungewöhnlichem hohem Maße Zugang zu Kunst und Literatur, Wissenschaft und war für ihre Zeit weit gereist.[13] Viel Zeit ihrer Kindheit verbrachte sie auf Camfield Place, dem großzügigen Landsitz ihrer väterlichen Großeltern. Die Potters verbrachten außerdem von 1871 bis 1881 lange Sommermonate im vom Vater angemieteten Dalguise House in Perthshire, Schottland, wo auch zahlreiche Freunde der Eltern zu Gast waren. Zu diesen zählte William Gaskell, der Vater der Schriftstellerin Elizabeth Gaskell und der bekannte Maler John Everett Millais und seine Frau Effie Gray.

Im Alter von etwa sechs Jahren wurde die Erziehung von Beatrix Potter der Gouvernante Florrie Hammond anvertraut, zu der Potter eine enge Bindung entwickelte. Hammond blieb im Haushalt der Potters bis 1883, als Beatrix fast 17 Jahre alt war und Bertram auf ein Internat geschickt wurde. Neben Lesen, Schreiben, Rechnen erhielt Beatrix Potter auch Unterricht in Latein und wurde von zusätzlich engagierten Lehrern in Französisch unterrichtet. Beatrix Potters Begeisterung und ihre Begabung fürs Zeichnen war früh erkennbar und wurde von beiden Elternteilen ermutigt. Ihr frühestes Skizzenbuch, das Dalguise 1875 betitelt ist, zeigt sorgfältige Aquarellstudien von Schmetterlingsraupen. Jede Seite ist in zwei Spalten unterteilt. Die eine beschreibt das Erscheinungsbild, in der zweiten waren Beobachtungen ihrer Gewohnheiten aufgeschrieben.[14] Daneben wurde Beatrix Potter und ihrem Bruder erlaubt, eine ungewöhnlich große Menagerie an Haustieren zu halten. Sie hatten unter anderem Hunde, hielten Mäuse, Frösche, Eidechsen und Molche sowie Kaninchen. Bertram pflegte auch Fledermäuse, einen Turmfalken sowie einen Häher.[15] Die meisten dieser Tiere wurden von Beatrix Potter auch gezeichnet. Wegen ihres offensichtlichen Talentes empfahl ihre Gouvernante den Eltern 1878 einen zusätzlichen Zeichenlehrer zu engagieren und Beatrix erhielt über die nächsten fünf Jahre Zeichen- und Malunterricht bei einer Miss Cameron. Gelegentlich begleitete Beatrix ihren Vater auch bei den Besuchen im Studio seines Freundes Millais. Millais ermutigte sie in ihren Zeichenversuchen. Wie sie in ihrem Tagebuch 1884 festhielt, kommentierte er ihre Arbeiten mit den Worten „Viele Menschen können zeichnen, aber Du und mein Sohn John beobachtet.[16] Ihr Vater, der selber ein begeisterter Fotograf war, brachte ihr darüber hinaus das Fotografieren bei.

Gegen Ende ihrer Zeit mit ihrer Zeichenlehrerin Cameron suchte Rupert Potter Rat im Freundeskreis, wie er das Talent seiner begabten Tochter weiter fördern konnte. Rat gab unter anderem Lady Elizabeth Eastlake, eine bekannte Kunstkritikerin und Witwe des Direkters der National Gallery. Beatrix Potter erhielt darauf hin im Jahr 1883 Unterricht in Ölmalerei bei einer bislang nicht identifizierten Künstlerin. Der Unterricht war teuer und bereits nach ihrer dritten Unterrichtsstunde hielt sie in ihrem Tagebuch fest, dass sie den Unterricht nicht schätzte. Sie hatte vor allem die Sorge, dass die Arbeit mit Ölfarben ihre sehr weit entwickelte Aquarelltechnik schaden konnte.[17] Ihre Eltern nahmen sie zu Besuchen in Galerien und Kunstausstellungen mit. William Turner zählte zu den Malern, die sie nachhaltig beeindruckte. Auch eine Kunstausstellung mit alten Meistern, darunter Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough und Anthonis van Dyck beeindruckte sie nachhaltig.[18]

Als Florrie Hammond im Frühjahr 1883 ihre Stelle als Gouvernante aufgab, wäre es nach den Konventionen jener Zeit akzeptabel gewesen, keine weitere Gouvernante für Potter einzustellen. Es war sicherlich die Hoffnung von Potter gewesen, die in ihrem Tagebuch festhielt, dass sie sich längst nichts anderes wünschte, als sich ausschließlich auf ihre Malerei zu konzentrieren.[19] Ohne Rücksprache mit ihrer Tochter hatte Hellen Leech jedoch entschieden, Annie Carter als Gouvernante und Begleitperson für Potter zu engagieren. Die Entscheidung führte zu erheblichen Spannungen mit ihrer Tochter. Tatsächlich entwickelte sich zwischen Potter und Annie Carter jedoch bald ein gutes Verhältnis. Carter war lediglich drei Jahre älter als Potter, hatte aber ein deutlich weniger behütetes Leben als diese geführt und unter anderem in Deutschland gelebt. Sie unterrichtete Potter in Deutsch und Latein, wobei Potter vor allem für letztere Sprache eine Vorliebe entwickelte.[20]

Sommeraufenthalte im Lake Distrikt[Bearbeiten]

Beatrix Potter im Alter von ca. 15 Jahren

Rupert Potter entschied im Frühjahr 1882 die Sommeraufenthalte in Dalguise nicht länger fortzusetzen. Er mietete statt dessen für die Sommermonate Wray Castle an der nördlichsten Spitze von Lancashire. Dort lernte die Potters den zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alten örtlichen Pfarrvikar Hardwicke Drummond Rawnsley kennen. Rawnsley, der zunächst als Armenpriester in Bristol gearbeitet hatte, war hierher versetzt worden nachdem die Pfarrstelle vakant geworden war und war von der Landschaft des Lake Distrikts tief beeindruckt. Rawnsley war sehr belesen und am Balliol College Student des einflussreichen Kunstkritikers John Ruskin gewesen.[21]

Rupert Potter zeigte sich von dem jungen Pfarrer angetan, der wie er leidenschaftlich fotografierte. Rawnley, der gerade erst von einem Sabbatical in Ägypten, dem Sinai und Palästina zurückgekehrt war, hatte bereits zwei Bücher veröffentlicht, arbeitete gerade an einem Inventar der Ausgrabungen einer römischen Villa und hatte die erste seiner Schriften über die Kultur des Lake Distrikts geschrieben.[22] 1895 sollte er den National Trust mitgründen, um so mitzuhelfen, diese Landschaft zu schützen. Beatrix Potter hatte ihr Leben lang ein besonderes Verhältnis zu dieser Landschaft mit ihren schroffen Bergen und dunklen Seen und war von Rawnsleys Anliegen immer überzeugt, diese einzigartige Umgebung für die Nachwelt zu erhalten.

Wissenschaftliche Arbeiten[Bearbeiten]

Im Viktorianischen Zeitalter galt die Ausbildung von jungen Frauen als abgeschlossen, wenn sie ein Alter von 17 oder 18 Jahren erreichten. Angehörige der wohlhabenderen Bevölkerungsschichten wurden dann entweder am Hofe vorgestellt oder in anderer Form in die Gesellschaft eingeführt. Dem folgte ein Lebensphase, die in vermögenden Familie von viel Müßiggang, der Wahrnehmung repräsentiver Pflichten und ausgedehnten Verwandtenbesuchen gekennzeichnet war, bis sie selbst heiratete.[23] Beatrix Potters Leben als junge Frau weist alle diese Merkmale auf. Ihr Eintritt in das erwachsene Leben markierte eine große Feier anlässlich ihres 19. Geburtstags. Es war die erste Geburtstagsfeier seit zehn Jahren und Potter hielt in ihrem Tagebuch fest, dass sie hoffe, dass diese für die nächsten zehn Jahre reiche. Es waren mehr als 100 Gäste eingeladen gewesen und selbst nach Potters Einschätzung war die Feier ein Erfolg: „Ich hatte Spaß und anders als ich und meine Eltern es erwartet haben, habe ich mich auch noch gut benommen.[24] Wenig später beendete Annie Carter ihre Aufgabe als Gouvernante von Beatrix Potter. Sie verließ das Haus der Potters, um wenig später einen Ingenieur zu heiraten. Beatrix blieb mit ihr in Kontakt auch als diese ihre ersten Kinder zur Welt brachte. Anlässlich der Beendigung ihrer Aufgabe notierte Potter in ihr Tagebuch:

„Ich habe meine letzte Gouvernante im Großen und Ganzen von allen am meisten gemocht - Miss Carter hatte ihre Fehler und war eine der jüngsten Personen, die ich je gesehen habe, aber sie war gutmütig und intelligent…. Die Regeln der Geographie und der Grammatik sind lästig, aber es gibt kein Wort, mit dem ich die Gefühle ausdrücken könnte, die ich immer für Arithmetik gehegt habe.[25]

Beatrix Potter mit ihrem Vater Rupert und ihrem Bruder Bertie

Ein Onkel versuchte, sie als Studentin in den Royal Botanic Gardens in Kew anzumelden, aber Beatrix wurde zurückgewiesen, weil sie eine Frau war. Später erkannte sie als eine der Ersten, dass Flechten ein symbiotisches System zwischen Algen und Pilzen sind. Da Zeichnungen damals die einzige Möglichkeit waren, mikroskopische Beobachtungen festzuhalten, fertigte sie zahlreiche Zeichnungen von Algen und Pilzen an und war weit herum als Pilzexpertin anerkannt. Potters ca. 270 detailgetreue Abbildungen in Wasserfarbe wurden 1901 fertiggestellt und befinden sich in der Armitt Library in Ambleside.

Ihre Arbeit über Keimung von Sporen wurde 1897 von ihrem Onkel Sir Henry Enfield Roscoe der Linnean Society of London präsentiert, da Frauen zu den Versammlungen nicht zugelassen waren. 1997 veröffentlichte die Gesellschaft diesbezüglich eine Entschuldigung.

Literarische Karriere[Bearbeiten]

Auf Anraten ihres Bruders schickte Beatrix 1890 mehrere Karten mit Zeichnungen an den Kartenverlag Hildesheimer and Faulkner. Zu ihrer Überraschung erhielt sie kurz darauf einen Scheck über sechs Pfund mit der Bitte, weitere Karten zu senden. Die Zeichnungen erschienen als Grußkarten und als Illustrationen eines Gedichtbandes A Happy Pair von Frederic E. Weatherly.

Die Basis für viele ihrer Geschichten waren die kleinen Tiere, die Beatrix Potter während der langen Sommerferien in Schottland und im Lake District auf ihren Streifzügen durch die Natur fand, ins Haus brachte und zu zähmen versuchte. Am 4. September 1893 schrieb die 27-jährige Beatrix Potter einen Brief an den fünfjährigen Noel Moors, Sohn einer ehemaligen Gouvernante. Der Junge lag krank im Bett, und der Brief sollte ihn etwas aufheitern. „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, und so werde ich dir die Geschichte von vier kleinen Kaninchen erzählen.“ Mit diesen Worten setzte Potter eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die sie zu einer der großen Kinderbuchautorinnen ihrer Zeit machen sollten.

Da Potters Geschichten bei Noel und anderen Kindern gut ankamen, entschloss sie sich, die einzelnen Geschichten zu einem Buch zusammenzufassen. Da sie keinen Verleger finden konnte, entschloss sie sich, Peter Rabbit auf eigene Rechnung drucken zu lassen. Am 16. Dezember 1901 erschien das Buch erstmals in einer Auflage von 250 Exemplaren, von denen die Autorin die meisten verschenkte.

Erst 1902 wurde das Buch dann von Frederick Warne & Company herausgegeben. The Tale of Peter Rabbit erschien am 2. Oktober 1902. Alle 8000 Exemplare waren verkauft, noch bevor das Buch im Handel erhältlich war. 1903 folgte die Veröffentlichung von The Tale of Squirrel Nutkin (Die Geschichte von Eichhörnchen Nusper). Bei den Besprechungen ihrer Bücher arbeitete sie oft mit Norman Warne zusammen, dem jüngsten Sohn des verstorbenen Verlegers Frederick Warne. Sie verlobten sich heimlich. Da ihre Eltern die Verbindung mit einem Kaufmann nicht billigten, kam es zum Bruch zwischen ihr und den Eltern. Norman starb jedoch bald nach der Verlobung an perniziöser Anämie.

Hill Top Farm
Tarn Hows

Ihre kleinformatigen Bücher (ca. 10 auf 14 cm) verkauften sich gut. 23 Bücher wurden veröffentlicht, alle im gleichen kleinen Format, damit auch Kinderhände sie halten konnten. Beatrix Potter schrieb bis ca. 1920, als ihre Augen schwächer wurden. Potters letztes Buch, The Tale of Little Pig Robinson, erschien 1930. Nach dem Tod von Warne war Potter dank ihres Einkommens in der Lage, im Lake District die Hill Top Farm im Dorf Sawrey zu kaufen.

Lake District[Bearbeiten]

Da sie in London noch ihre Eltern betreuen musste, konnte sie ihren Wohnsitz nicht nach Sawrey verlegen. Sie besuchte die Farm jedoch so oft sie konnte und diskutierte gerne mit dem Farmverwalter John Cannon. Sie kaufte eine Herde Herdwick-Schafe und züchtete die seltene und bedrohte Rasse aus dem Lake District. Sie regte die Wiedereinführung der Schafe auf ihren Farmen an und gewann mit ihren Tieren wichtige Preise auf örtlichen Ausstellungen. 1930 wurde Beatrix als erste Frau zur Präsidentin der Herdwick Sheepbreeders’ Association gewählt, ein Zeichen für das hohe Ansehen, das sie bei den ansässigen Bauern genoss.

Viele von Beatrix’ späteren Büchern spielen in Hill Top, und einige Tiere fanden Eingang in ihre Bücher. Die zahlreichen Ratten waren die Vorlage für The Tale Of Samuel Whiskers (Die Geschichte von Bernhard Schnauzbart).

Mit dem Geld, das sie mit ihren Büchern verdiente, konnte sie weitere Grundstücke im Lake District erwerben. Ihre Geschäfte tätigte sie über den Anwalt William Heelis, der sie bei Grundstückskäufen beriet. 1912 bat William Heelis Beatrix, ihn zu heiraten, und sie willigte ein. Auch diesmal missfiel Beatrix’ Eltern die Verbindung, sie gaben aber schließlich nach. William und Beatrix heirateten am 14. Oktober 1913 in der Abtei von St. Mary in Kensington; Beatrix war 47. Sie lebten fortan in Castle Cottage in Sawrey und beschäftigten sich fast ausschließlich mit Landwirtschaft.

Nach ihrer Heirat schrieb Beatrix Potter kaum noch, sie brauchte ihre ganze Energie für den landwirtschaftlichen Betrieb. Die Bücher jener Zeit basierten auf Fragmenten von früheren Werken. Beatrix Potter gab an, am glücklichsten zu sein, wenn sie bei den Tieren auf der Farm war, und arbeitete aktiv in der Landwirtschaft mit.

Als Beatrix Potter an den Folgen einer Bronchitis 1943 starb, hinterließ sie dem National Trust mehr als 16 km² Land, fünfzehn Farmen und mehrere Cottages wie das mittlerweile bekannte Tarn Hows. Die Rechte ihrer Bücher erhielt der Neffe ihres einstigen Verlobten, Frederick Warne Stephens. Die Hilltop Farm ist restauriert worden und für das Publikum geöffnet.

Einflüsse[Bearbeiten]

Randolph Caldecott, Blatt aus The Three Jovial Huntsmen. Rupert Potter erwarb während der Kindheit von Beatrix Potter drei Aquarelle aus diesem Zyklus

Beatrix Potter wuchs nach heutigen Maßstäben sehr isoliert von anderen Kindern auf. Auf Grund des Wohlstands der Familie war ihre Kindheit jedoch auch eine sehr privilegierte, die ihr literarisch und künstlerisch die Möglichkeit gab, sich zu entwickeln. Ihr calvinistisches Kindermädchen Ann Mackenzie machte Beatrix Potter von Beginn an mit schottischen Märchen und Fabeln vertraut. Wie Potter selber später zugab, habe ihr Kindermädchen ihr „einen festen Glauben an Hexen, Feen und das Credo des furchtbaren Johannes Calvin vermacht (sein Credo hat sich abgenutzt, aber die Feen sind geblieben)“.[26] Mackenzie las Potter neben Geschichten aus dem Alten Testament auch John Bunyans Pilgerreise zur seligen Ewigkeit, Harriet Beecher Stowes Onkel Toms Hütte, die Fabeln des Äsop, die Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen sowie Walter Scotts Waverley vor. Zu ihren Kinderbüchern zählte aber auch Charles Kingsleys fantastische Geschichte von den Wasserkindern.[27]

Die Potters erwarben auch die Kinderbücher, die zu dieser Zeit modern wurden. Beatrix Potter war von klein auf mit den Arbeiten von Walter Crane, Kate Greenaway und Randolph Caldecott vertraut. Alle drei Illustratoren zogen es vor, ihre Figuren in Kleidung des frühen 19. Jahrhunderts zu zeichnen. Diese Konvention hat Beatrix Potter in ihren späteren Arbeiten ebenfalls aufgegriffen.[28] Ihr Vater schätzte Caldecott in besonderem Maße und erwarb drei Zeichnungen aus dem Zyklus The Three Jovial Huntsmen (Die drei drolligen Jäger) aus dem Jahre 1880 von ihm. Das Erwerbsdatum ist nicht bekannt, aber Beatrix zeichnete wiederholt Kopien dieser Arbeiten und übernahm dabei unbewusst auch Teile seiner Arbeitsweise: Die helle Farbpalette, die sparsam eingesetzten Linien und die Nutzung weiß bleibenden Papiers.[29]

Film[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 verfilmte der australische Regisseur Chris Noonan das Leben der Schriftstellerin unter dem Titel Miss Potter. Beatrix Potter wird gespielt von Renée Zellweger, die für ihre Rolle für den Golden Globe Award nominiert wurde. Ihren Verlobten Norman Warne spielt Ewan McGregor.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Werke (deutsche Titel)[Bearbeiten]

  • Die Geschichte von Peter Hase
  • Die Geschichte von Herrn Schnappeschlau
  • Die Geschichte von Ribby und Herzogine
  • Die Geschichte von den beiden frechen Mäusen
  • Die Geschichte von Frau Tiggy-Wiggel
  • Die Geschichte vom armen Schneider
  • Die Geschichte von Schweinchen Softie
  • Die Geschichte von Mieze Mozzi
  • Die Geschichte von Jeremias Quaddel
  • Die Geschichte von Timmy Triptrap
  • Die Geschichte von den Flopsi-Häschen
  • Die Geschichte vom bösen, wilden Hasen
  • Die Geschichte von Jemima Pratschel-Watschel
  • Die Geschichte von Curry und Kappes
  • Die Geschichte vom kleinen Schweinchen Robinson
  • Die Geschichte von Thomasina Tittelmaus
  • Die Geschichte von Schweinchen Schwapp
  • Die Geschichte von Stoffel Kätzchen
  • Die Geschichte von Eichhörnchen Nusper
  • Die Geschichte von Feuchtel Fischer
  • Die Geschichte von Bernhard Schnauzbart
  • Die Geschichte von Benjamin Kaninchen
  • Die Geschichte von Hans Hausmaus
  • Die Geschichte von Fritz Zehenspitz
  • Die Geschichte von Frau Tupfelmaus
  • Die Geschichte von Hasenfamilie Plumps
  • Die Geschichte von Frau Igelischen
  • Die Geschichte von Emma Ententropf

Werke (englische Titel)[Bearbeiten]

  • The Tale of Peter Rabbit (1900, Frederick Warne & Co.)
  • The Tale of Squirrel Nutkin (1903, Frederick Warne & Co.)
  • The Tailor of Gloucester (1903, Frederick Warne & Co.)
  • The Tale of Benjamin Bunny (1904, Frederick Warne & Co.)
  • The Tale of Two Bad Mice (1904, Frederick Warne & Co.)
  • The Tale of Mrs. Tiggy-Winkle (1905)
  • The Pie and The Patty-Pan (1905)
  • The Tale of Mr. Jeremy Fisher (1906)
  • The Story of a Fierce Bad Rabbit (1906)
  • The Story of Miss Moppet (1906)
  • The Tale of Tom Kitten (1907)
  • The Tale of Jemima Puddle-Duck (1908)
  • The Tale of Samuel Whiskers or, The Roly-Poly Pudding (1908)
  • The Tale of The Flopsy Bunnies (1909)
  • The Tale of Ginger and Pickles (1909)
  • The Tale of Mrs. Tittlemouse (1910)
  • Peter Rabbit’s Painting Book (1911)
  • The Tale of Tommy Tiptoes (1911)
  • The Tale of Mr. Tod (1912)
  • The Tale of Pigling Bland (1913)
  • Tom Kitten’s Painting Book (1917)
  • Appley Dapply’s Nursery Rhymes (1917)
  • The Tale of Johnny Town-Mouse (1918)
  • Cecily Parsley’s Nursery Rhymes (1922)
  • Jemima Puddle-Duck’s Painting Book (1925)
  • Peter Rabbit’s Almanac for 1929 (1928)
  • The Fairy Caravan (1929)
  • The Tale of Little Pig Robinson (1930)
  • Sister Anne (1932)
  • Wag-by-Wall (1944)
  • The Tale of The Faithful Dove (1955)
  • The Sly Old Cat (1971)
  • The Tale of Tuppenny (1973)

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Grenstein: The remarkable Beatrix Potter. International Universities Press, Madison CT 1995, ISBN 0-8236-5789-2.
  • Anne Stevenson Hobbs: Beatrix Potter’s art. Paintings and drawings. Frederick Warne, London 1989, ISBN 0-7232-3598-8.
  • Judy Taylor u. a.: Beatrix Potter. 1866–1943. The artist and her world. Frederick Warne u. a., London u. a. 1987, ISBN 0-7232-3521-X.
  • Margaret Lane: The magic years of Beatrix Potter. Frederick Warne, London u. a. 1978, ISBN 0-7232-2108-1.
  • Linda Lear: Beatrix Potter - The extraordinary life of a Victorian genius. Penguin Books, London 2007, ISBN 978-0-141-00310-8.
  • Leslie Linder: A history of the writings of Beatrix Potter. Including unpublished work. Frederick Warne, London 1971.
  • Margaret Lane: The tale of Beatrix Potter. Frederick Warne, London 1946.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beatrix Potter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 9
  2. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 12
  3. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 13
  4. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 18
  5. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 19
  6. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 20
  7. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 19 und S. 20
  8. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 22
  9. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 23
  10. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 24
  11. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 24
  12. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 37
  13. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 24
  14. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 31
  15. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 38
  16. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 45. Im Original lautet das Zitat: Plenty of people can draw, but you and my son John have observeration.
  17. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 33
  18. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 47
  19. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 55. Im Original lautet das Zitat: I can't zettle to any thing but my painting, I lost my Patience over everything else.
  20. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 47
  21. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 52
  22. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 53
  23. Kathryn Hughes: The Victorian Governess. The Hambledon Press, London 1993, ISBN 1-85285-002-7, S. 62.
  24. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 67
  25. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 67. Im Original lautet das Zitat: I have liked my last governess best on the whole - Miss Carter had her faults, and was one of the youngest people I have ever seen, but she was very good-tempered and intelligent…. The rules of Geograph and grammar are tiresome, there is no general word to express the feelings I have always Entertainer towards arithmetic.
  26. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 30. Im Original lautet das Zitat …a firm belief in witches, faires and the creed of the terrible John Calvin (the creed rubbed off, but the fairies remained).
  27. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 30
  28. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 33
  29. Lear: Beatrix Potter. 2007, S. 47