Beautiful Thing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
Deutscher TitelBeautiful Thing
OriginaltitelBeautiful Thing
ProduktionslandGroßbritannien
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1996
Länge90 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieHettie MacDonald
DrehbuchJonathan Harvey
ProduktionTony Garnett,
Bill Shapter
MusikJohn Altman
KameraChris Seager
SchnittDon Fairservice
Besetzung

Beautiful Thing (Alternativtitel: Die erste Liebe, Die erste Liebe – Beautiful Thing) ist ein englischer Spielfilm von Regisseurin Hettie MacDonald nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Jonathan Harvey.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thamesmead, eine Hochhaussiedlung im Südosten Londons, in den 1990ern. Über der Stadt liegt brütende Hitze. Jamie versucht zwar, seine Homosexualität zu verbergen, wird jedoch von seinen Mitschülern zu jeder sich bietenden Gelegenheit schikaniert und hat darüber hinaus ein Auge auf seinen Klassenkameraden Ste geworfen. Er wohnt zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter Sandra, die insgeheim an ihrem Plan arbeitet, ein eigenes Pub zu eröffnen und so dem harten Hochhausleben zu entkommen. Neben den beiden wohnt die verrückte Leah, die die Schule abgebrochen hat und nun ihre Zeit damit verbringt, Mama-Cass-Platten zu hören und gelegentlich Drogen zu konsumieren. Auf derselben Etage wohnt zudem Ste, der regelmäßig von seinem älteren Bruder und dem alkoholabhängigen Vater geschlagen wird.

Als Ste eines Abends von seinem Bruder brutal zusammengeschlagen wird, nimmt sich Sandra seiner an und gewährt ihm Unterschlupf. Da es kein weiteres Bett in Sandras Wohnung gibt, muss sich Ste mit Jamie das Bett teilen. In der zweiten Nacht, in der sie sich das Bett teilen, massiert Jamie die Verletzungen von Ste und macht Andeutungen seiner Zuneigung, die Ste allerdings zurückweist. Zunächst legt sich Ste noch an das Fußende, doch später gesellt er sich neben Jamie, und so verbringen die beiden ihre erste Nacht miteinander.

Am nächsten Morgen erwacht Ste als Erster und bekommt Panik wegen der vergangenen Nacht, in den nächsten Tagen weicht er Jamie aus. Jamie dagegen ist sich seiner Gefühle sicher und will sie Ste auf einer Party, die einige Zeit später stattfindet, mitteilen. Ste reagiert zuerst panisch und ablehnend, weil er Angst vor der Reaktion seiner Umgebung hat. Leah deutet an, dass sie von der Beziehung der beiden wisse, was Ste wütend macht. Doch schließlich wird ihm klar, dass er sich auf die Liebe einlassen kann, auch wenn andere dies missbilligen könnten. Schließlich besuchen er und Jamie eine Schwulenbar und küssen sich danach im Mondschein leidenschaftlich. Sandra kommt hinter das Geheimnis ihres Sohnes und konfrontiert diesen damit, zeigt sich aber akzeptierend.

Sandra erhält die Zusage, einen Pub eröffnen zu können, was ihren Auszug aus der Hochhaussiedlung bedeutet. Sie trennt sich auch von Tony, dem letzten ihrer vielen Lebensgefährten. Am Abend tanzen Jamie und Ste eng umschlungen auf dem Vorplatz des Wohnblocks zum Klassiker Dream a Little Dream of Me, was die freundliche wie ablehnende Aufmerksamkeit einiger Passanten auf sich zieht. Sandra und die Nachbarin Leah schließen sich dem Tanz der beiden Jungen an.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal aufgeführt wurde das Stück von Jonathan Harvey am 28. Juli 1993 im Londoner Bush Theatre unter der Regie von Hettie MacDonald. Harveys Werk spielt in der Londoner Gegend Thamesmead, in der viele Sozialwohnungen angesiedelt sind und die ab Mitte der 1980er-Jahre durch gewalttätige Auseinandersetzungen und hohe Arbeitslosigkeit in die Schlagzahlen geriet. Eine sozialpolitische Bedeutung erhielt der Film auch durch die Darstellung der Liebe zwischen zwei Minderjährigen, die sich unterhalb des damals bestehenden Schutzalters in Großbritannien befinden.[1] 1994 wurde das Schutzalter für männliche Homosexuelle zunächst von 21 auf 18 Jahre, schließlich im Jahr 2000 auf 16 Jahre heruntergesetzt und so dem heterosexuellen Schutzalter angeglichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken dieser Zeit, die Homosexuelle nur als Opfer oder Außenseiter zeigten sowie einen hoffnungslosen Blick auf die britische Unterschicht warfen, geht von dem Film allerdings trotz aller Schwierigkeiten eine optimistische Stimmung aus.[2][3]

Das Stück gastierte in weiteren Theatern der Stadt und wegen des Erfolges wurde eine Verfilmung durch Channel Four Films beschlossen, ebenfalls unter Regie von MacDonald. Zunächst sollte Beautiful Thing nur als Fernsehfilm bei Channel 4 laufen, später entschied man sich allerdings dafür, ihn zu einem Kinofilm zu machen.[4] Die jugendlichen Hauptdarsteller Berry, Neal und Empson kamen alle von derselben Theaterschule in London, sodass sie bereits Erfahrungen miteinander besaßen.[5]

Der Soundtrack des Filmes besteht fast ausschließlich aus der Musik der Gruppe The Mamas and the Papas und insbesondere den anschließenden Solowerken ihrer Sängerin Cass Elliot. Im Film erzählt Sandra die Urban Legend, dass Cass Elliot an einem Sandwich gestorben sei, während sie in Wirklichkeit einem Herzinfarkt erlag. Außerdem ist das Lied Sixteen Going on Seventeen aus dem Musical The Sound of Music zu hören, als die beiden Jungen gemeinsam im Bett liegen.

Der von Sony Pictures Classics Film feierte am 21. Juli 1996 in England seine Premiere, im Januar 1997 erschien er in den deutschen Kinos. Beautiful Thing spielte über drei Millionen US-Dollar an den Kinokassen ein.[6] Im Januar 2008 fand die deutschsprachige Erstaufführung des Stückes am Jungen Theater Bonn statt.[7] Die deutsche Aufführung war zugleich die erste, in welcher das Alter der Hauptpersonen im Stück mit dem der Schauspieler übereinstimmte.

Synchronisation und Hörfilmfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation entstand 1996 bei LogoSynchron GmbH in Köln unter Leitung von Cay-Michael Wolf.[8] Die deutschsprachige Audiodeskription des Films entstand im Jahr 2001. Hans Mittermüller sprach die Bildbeschreibungen, die Produktion übernahm Arte.[9]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beautiful Thing erhielt überwiegend positive Kritiken.[10] Roger Ebert schrieb in seiner Kritik in der Chicago Sun-Times vom 15. November 1995, dass die Nebenfiguren wie Jamies Mutter oder die Nachbarin Leah so interessant seien, dass sie den schwulen Hauptfiguren die Schau stehlen würden.[11]

Im deutschsprachigen Raum urteilte Cinema: „Theaterfrau Hettie MacDonald (…) erzählt die schwule Liebesgeschichte humorvoll, einfühlsam und fern von allen Tunten-Klischees. Bemerkenswert ist auch das intensive Spiel der jugendlichen Hauptdarsteller, die zur Zeit der Dreharbeiten noch Theaterschüler waren.“ Der Filmdienst war ebenfalls wohlwollend gestimmt: „Ein konventionell, aber lebendig inszenierter und souverän gespielter Erstlingsfilm mit stimmiger Milieuzeichnung. Angesiedelt zwischen anrührender Romanze und beschwingter Komödie, verzichtet der Film wohltuenderweise auf alle "schrillen" Stereotypen in der filmischen Darstellung von Homosexualität.“[12] Die Fernsehzeitschrift Prisma schreibt: „Hettie McDonald inszenierte mit realistischem Background und einer Menge Dialog-Witz eine optimistische Komödie, die gleichzeitig eine amüsante Milieu-Studie über das Coming Out eines Jugendlichen ist.“[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonathan Harvey: Beautiful Thing (Originaltitel: Beautiful Thing). Deutsch von Peter Torberg. Felix Bloch Erben, Berlin o. J. [Bühnenmanuskript]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFI Screenonline: Beautiful Thing (1996). Abgerufen am 15. August 2018 (englisch).
  2. Queer & Now & Then: 1996 | Beautiful Thing. In: Film Comment. 25. April 2018 (filmcomment.com [abgerufen am 15. August 2018]).
  3. Brandon Tensley: 'Beautiful Thing' Is a Bittersweet Masterpiece of Gay Storytelling. In: The Atlantic. 22. Juni 2016 (theatlantic.com [abgerufen am 15. August 2018]).
  4. Macdonald on the gay love story, Beautiful Thing - The Tech. Abgerufen am 15. August 2018.
  5. Macdonald on the gay love story, Beautiful Thing - The Tech. Abgerufen am 15. August 2018.
  6. JP: Beautiful Thing (1996)- JPBox-Office. Abgerufen am 15. August 2018.
  7. - Die erste große Liebe. In: General-Anzeiger Bonn. 14. Januar 2008 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 15. August 2018]).
  8. Deutsche Synchronkartei: Deutsche Synchronkartei | Filme | Die erste Liebe. Abgerufen am 15. August 2018.
  9. Beautiful Thing in der Hörfilm-Datenbank des Hörfilm e. V.
  10. Beautiful Thing. Abgerufen am 15. August 2018 (englisch).
  11. Roger Ebert: Beautiful Thing Movie Review & Film Summary (1996) | Roger Ebert. Abgerufen am 15. August 2018 (englisch).
  12. Beautiful Thing. (filmdienst.de [abgerufen am 15. August 2018]).
  13. Die erste Liebe - Beautiful Thing - Trailer, Kritik, Bilder und Infos zum Film. Abgerufen am 17. August 2018 (deutsch).