Bedaquilin

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Strukturformel
Strukturformel von Bedaquilin
Allgemeines
Name Bedaquilin
Andere Namen

(1R,2S)-1-(6-Brom-2-methoxychinolin-3-yl)-4-dimethylamino-2-(naphthalin-1-yl)-1-phenylbutan-2-ol

Summenformel C32H31BrN2O2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 843663-66-1
PubChem 5388906
DrugBank DB08903
Wikidata Q1257318
Arzneistoffangaben
ATC-Code

J04AK05

Wirkstoffklasse

Tuberkulostatika

Eigenschaften
Molare Masse 555,51 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Bedaquilin ist ein Arzneistoff zur Behandlung der Tuberkulose (Tuberkulostatikum). Er wird insbesondere in Kombinationstherapien gegen multiresistente Tuberkulosebakterien eingesetzt.[2]

Chemisch handelt es sich um eine Verbindung aus der Gruppe der Diarylchinoline.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedaquilin wurde Ende 2012 in den USA und 2014 in der EU zugelassen und war damit das erste neue Tuberkulostatikum seit Jahrzehnten.[2][3] In Deutschland war zuletzt Rifabutin im Jahr 1994 dazugekommen.[4]

Bedaquilin ist aus einem Screening-Programm mit mehr als 70.000 Verbindungen hervorgegangen. 2015 erhielten die Forscher Koen Andries und Jérôme Guillemont dafür den Europäischen Erfinderpreis.[5]

Stereochemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedaquilin besitzt zwei stereogene Zentren. Als Arzneimittel zugelassen ist nur der wirksamste (1R,2S)-Stereoisomer.[6]

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedaquilin hemmt die ATP-Synthase von Mykobakterien durch Bindung an den c-Ring. Es ist das einzige Antibiotikum mit diesem Wirkmechanismus.[2][3] Die minimalen Hemm-Konzentration betragen MIC50 = 0,03 μg/mL und MIC90 = 0,06 μg/mL.[5]

Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptabbauweg ist die N-Demethylierung durch CYP3A4. Bedaquilin wird über die Faeces ausgeschieden.[7]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedaquilin ist sowohl hepato- als auch kardiotoxisch. Häufigste beobachtete Nebenwirkungen in den Studien waren Übelkeit, Arthralgien, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel.

Fertigarzneimittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sirturo (Hersteller: Janssen Pharmaceutica)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. a b c Ashish Kumar Kakkar, Neha Dahiya: Bedaquiline for the treatment of resistant tuberculosis: Promises and pitfalls. In: Tuberculosis. Band 94, Nr. 4, 2014, S. 357–362, doi:10.1016/j.tube.2014.04.001.
  3. a b Mageshwaran Lakshmanan, Alphienes Stanley Xavier: Bedaquiline – The first ATP synthase inhibitor against multi drug resistant tuberculosis. In: Journal of Young Pharmacists. Band 5, Nr. 4, 2013, S. 112–115, doi:10.1016/j.jyp.2013.12.002.
  4. Neue Medikamente gegen Tuberkulose, 20. November 2016.
  5. a b Eintrag zu Bedaquilin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. November 2016.
  6. Zhiqiang Wang, Lixia Zhao, Yu Chen, Wei Xu, Tiemin Sun: Determination of Absolute Configurations of Bedaquiline Analogs by Quantum Chemical Electronic Circular Dichroism Calculations and an X-ray Diffraction Study. In: European Journal of Organic Chemistry. Band 2014, Nr. 18, Juni 2014, S. 3814–3821, doi:10.1002/ejoc.201400135.
  7. Ke Liu, Feng Li, Jie Lu, Shinlan Liu, Kenneth Dorko, Wen Xie, Xiaochao Ma: Bedaquiline Metabolism: Enzymes and Novel Metabolites. In: Drug Metabolism and Disposition. Band 42, Nr. 5, 1. Mai 2014, S. 863–866, doi:10.1124/dmd.113.056119.