Beechcraft T-6

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Beechcraft T-6 Texan II
T-6A Texan II der US Air Force
Typ: Schulflugzeug
Entwurfsland:
Hersteller:
Produktionszeit:

seit 2003

Stückzahl: 900 (Stand: 7. August 2015)[1]

Die Beechcraft T-6 Texan II, ursprünglich Raytheon T-6, ist ein leichtes Turbopropflugzeug des amerikanischen Herstellers Textron Aviation. Es wird zur primären Schulung und Ausbildung von militärischen Luftfahrzeugbesatzungen verwendet, da es ein ähnliches Flugverhalten wie ein leichter Jet besitzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die T-6 ist eine Weiterentwicklung der aus der Schweiz stammenden Pilatus PC-9. Das von Beechcraft überarbeitete Flugzeug erhielt in Anlehnung an die T-6 Texan die Bezeichnung Texan II. Sie wurde von Hawker Beechcraft, der ehemaligen Raytheon Aircraft, in Wichita gebaut. Anschließend fungierte die Beechcraft Corporation als Hersteller. Seit der Übernahme durch Textron wird die T-6 von Textron Aviation unter der Submarke Beechcraft angeboten.[2]

Es wird von der US Air Force und der US Navy zur Grund- und Fortgeschrittenenausbildung im Joint Primary Aircraft Training System-Programm von Piloten, Navigatoren und Waffenoffizieren verwendet. Durch die gemeinsame Beschaffung nur eines Flugzeugtyps für die US-Luftwaffe und die US-Marine sollen Kosten eingespart werden. So löst es in den USA die veralteten T-37B Tweet und T-34C Turbo Mentor ab.

Die Pilotenausbildung ENJJPT einiger europäischer NATO-Staaten auf der US-Luftwaffenbasis Sheppard Air Force Base, findet seit Sommer 2008 auch mit diesem Trainingsflugzeug statt; so bildet auch die deutsche Luftwaffe ihre Flugschüler damit aus. Da der Hersteller die ENJJPT nicht als Kunde der T-6 aufführt, dürften diese der US Air Force zugehörig sein.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug ist ein einmotoriger Tiefdecker mit einem Pratt & Whitney Canada PT6-Turbopropmotor und einem Hartzell-Vierblattpropeller. Die Maschine verfügt über ein einziehbares Fahrgestell. Die Sitze für den Flugschüler und den Ausbilder sind hintereinander angeordnet.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

T-6A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griechische T-6 mit Zusatztanks

Im Dezember 2001 bestellte die US Air Force die erste Serie der Texan II. Die Auslieferung begann 2003. Bis zum 31. Juli 2009 hat sie die T-37 vollständig abgelöst. Parallel dazu ersetzt auch die Marine ihre T-34 durch das neue Modell.

Die Kosten für eine Texan II betragen ungefähr sechs Millionen US-Dollar. Ein Viertel der Kosten wird durch die von Martin-Baker entwickelten Schleudersitze verursacht. Da ab den 1990ern auch Frauen an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen, wurde es notwendig die Schleudersitze auf deren durchschnittlich geringeres Gewicht und Größe anzupassen.[3][4]

T-6B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die T-6B wird seit 2005 angeboten und verfügt über ein Glascockpit mit einem Head-Up-Display, sechs Multifunction-Displays und einer HOTAS-Steuerung.

Die griechischen Versionen der T-6A und der T-6B können Waffen mitführen, darunter Bomben, Raketen und an den Tragflächen befestigte Geschütze. Die T-6B verfügt über zusätzliche Bordsysteme für die Kampfausbildung und kann daher auch als leichtes Kampfflugzeug eingesetzt werden.

Die US-Marine erhielt ihre ersten beiden Maschinen dieses Typs am 3. September 2009. Sie wurden an die Naval Air Force Station Whiting Field in Florida ausgeliefert. Insgesamt will die US Navy 260 T-6B beschaffen.[5]

T-6C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie T-6B, aber mit Vorrichtungen unter dem Flügel für Zusatztanks.

CT-156 Harvard II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CT-156 Harvard II in CFB Moose Jaw, 2005

Vierundzwanzig CT-156 Harvard II wurden von Bombardier Aerospace für die NATO-Pilotenausbildung in Kanada gekauft und werden an die kanadischen Streitkräfte verleast. Das Cockpit und andere Einzelheiten entsprechen dem strahlgetriebenen Schulflugzeug CT-155 Hawk, das ebenfalls von der Kanadischen NATO Flugschule genutzt wird.

AT-6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AT-6 „Coyote“ ist eine Version für die amerikanische Ausschreibung vom November 2009 für den Wettbewerb um ein leichtes Kampf- und Aufklärungsflugzeug (LAAR – Light Attack Armed Reconnaissance Aircraft, auch LAS – Light Air Support) der US-Luftwaffe. Die Maschine sollte nach ihrem Erstflug bis Anfang 2010 die grundlegenden Flugtests abgeschlossen habe. Es handelt sich um eine strukturell verstärkte Variante, die mit einem stärkeren PT6A-68D Triebwerk (820 kW) ausgestattet ist. Sie verfügt über ein Cockpit mit EFIS-Bildschirmen, HUD und HOTAS-Steuerung.[6]

Ende November 2011 wurde die AT-6 jedoch von der USAF ohne Angabe von Gründen vom weiteren Wettbewerb ausgeschlossen. Hawker Beechcraft hat hiergegen beim US Government Accountability Office (GAO) Protest eingelegt.[7]

Im November 2021 wurde als erster Exportvertrag überhaupt ein Vertrag mit der Königlich Thailändischen Luftwaffe im Wert von 143 Millionen US-Dollar geschlossen, der acht Flugzeuge, Bodenausrüstung, Ersatzteile, Schulungen und andere Ausrüstungen umfasst. Die Ausbildung von Wartungsfachleuten durch Textron Aviation Defense soll 2023 in Thailand beginnen, während die Pilotenausbildung 2024 in Wichita starten soll. Die Flugzeuge sollen 2024 geliefert werden.[8]

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argentinien Argentinien
Fuerza Aérea Argentina: 12 T-6C+ (Zulauf seit September 2017[9])
Griechenland Griechenland
Griechische Luftstreitkräfte: 45, 25 T-6A, 20 T-6A NTA
Irak Irak
Irakische Luftwaffe: 39, 15 T-6A, 24 T-6C[10]
Israel Israel
Israelische Luftstreitkräfte: 20 T-6A
Kanada Kanada
Royal Canadian Air Force: 25 CT-156
Kolumbien Kolumbien
Kolumbianische Luftwaffe: 24 T-6C (Zulauf seit Mai 2021) (2)
Marokko Marokko
Königlich Marokkanische Luftwaffe: 24 T-6C
Mexiko Mexiko
Fuerza Aérea Mexicana: 48 T-6C+ (Auslieferung 2012 bis 2017)[11]
Armada de México (Fuerza AeroNaval): 2 T-6C+
NATO NATO
ENJJPT (u. a. Deutschland Deutschland[12]): T-6A (Luftfahrzeuge führen US-amerikanische Hoheitszeichen, Stückzahl bei US Air Force enthalten)
Neuseeland Neuseeland
Royal New Zealand Air Force: 11 T-6C+ (Auslieferung 2014/2015)
Thailand Thailand
Royal Thai Air Force: 20, 12 T-6TH (T-6C), 8 AT-6TH (Bestellungen 2020[13] und 2021[14])
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Royal Air Force: 14 T-6C (seit 2018)[15]
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
US Air Force: 451, 449 T-6A (Bestand Ende 2015), 2 AT-6 Wolverine (zur Evaluierung eines Einsatzes als leichtes Erdkampfflugzeug)[16]
US Army: 4 T-6D
US Navy: 295, 43 T-6A, 252 T-6B (im Zulauf)

Technische Daten (T-6A)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

T-6A der VT-10 auf der Naval Air Station Pensacola
Kenngröße Daten
Besatzung 1 + 1
Länge 10,20 m
Spannweite 10,19 m
Höhe 3,30 m
Leermasse 2.087 kg
max. Startmasse 2.958 kg
Höchstgeschwindigkeit 586 km/h (316 KIAS)
Reisegeschwindigkeit 426 km/h
Dienstgipfelhöhe 10.670 m
Reichweite 1.700 km
Triebwerke ein Pratt & Whitney Canada PT6A-68 Turboprop mit 820 kW (1.115 PS)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Beechcraft T-6 Texan II – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • T-6A auf der Website von Beechcraft (englisch)
  • Die T-6 Texan II auf der Webseite der deutschen Luftwaffe.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beechcraft celebrates 900th delivery in T-6 military training program. TxtAv.com, 7. August 2015, abgerufen am 3. April 2021 (englisch).
  2. Textron completes acquisition of Beechcraft. Textron.com, 14. März 2014, abgerufen am 3. April 2021 (englisch).
  3. The History and Developments of Martin Baker America. (PDF; 54 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Martin-Baker Aircraft Company, 4. Juli 2012, S. 8 f, archiviert vom Original am 27. März 2014; abgerufen am 27. März 2014 (englisch).
  4. Stefan Schmitt: Dem Himmel so nah. Wie moderne Schleudersitze technische Meisterleistungen vollbringen. In: Zeit Wissen. Nr. 1, 10. Dezember 2008, S. 68–71: „Text=In dem Moment, in dem das Rohr in der Rückenlehne und das am Cockpitboden getrennt sind, lässt der Schub schlagartig nach. Für die Ingenieure war dies lange ein Problem: Verwendeten sie eine zu schwache Treibladung, kam der Pilot nicht sicher aus dem Flugzeug. War sie zu stark, riskierten sie Verletzungen am Rückgrat. Das Problem verschärfte sich zusätzlich, als die ersten Frauen Kampfjets bestiegen. Schließlich muss ein Schleudersitz seitdem ihre im Durchschnitt zarteren Körper ebenso unbeschadet in Sicherheit bringen können wie den eines viel schwereren und deutlich größeren Mannes.“
  5. FliegerRevue Oktober 2009, S. 8, US Navy erhält erste T-6B
  6. FliegerRevue April 2010, S. 24–27, Die Rückkehr der COIN-Flugzeuge
  7. Combat Aircraft Monthly, Februar 2012, S. 21.
  8. Wolverine für Thailand - Internationaler Erstkunde für AT-6Flugrevue 15. November 2021
  9. Argentina receives first Texan II trainers, Janes, 29. September 2017
  10. Hawker Beechcraft T-6A Providing Primary Jet Training to Iraqi Air Force. (Nicht mehr online verfügbar.) 20. Juli 2010, archiviert vom Original am 26. August 2010; abgerufen am 22. Juli 2010.
  11. Mexican Air Force’s Beechcraft T-6C+ fleet expands, Janes, 5. Februar 2016 (Memento vom 13. März 2016 im Internet Archive)
  12. www.luftwaffe.de: Schulflugzeuge der Luftwaffe
  13. Royal Thai Air Force orders 12 Beechcraft T-6C Texan II aircraft for USD162 million, Janes, 28. September 2020
  14. Wolverine für Thailand, FlugRevue, 14. November 2021
  15. UK receives additional Texan II trainer aircraft, Janes, 4. November 2020
  16. USAF contracts light-strike aircraft to further LAE experiment, Janes, 18. März 2020