Beelitz-Heilstätten

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Beelitz-Heilstätten
Stadt Beelitz
Koordinaten: 52° 15′ 41″ N, 12° 55′ 30″ O
Höhe: 75 m ü. NN
Einwohner: 492 (6. Mrz. 2015)
Postleitzahl: 14547
Vorwahl: 033204
Beelitz-Heilstätten (Brandenburg)
Beelitz-Heilstätten

Lage von Beelitz-Heilstätten in Brandenburg

Beelitz-Heilstätten ist ein Gemeindeteil der Stadt Beelitz im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland) mit 492 Einwohnern (Stand 6. März 2015)[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postkarte aus der Zeit des Vereinslazaretts im Ersten Weltkrieg

Die zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt Berlin errichteten Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten bilden einen der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland. Es ist ein denkmalgeschütztes Ensemble von 60 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von ca. 200 ha.

In zwei Bereichen nördlich der Bahnlinie entstanden die Lungenheilstätten, in den beiden südlich gelegenen Bereichen die Sanatorien zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten. Die Bereiche waren jeweils nach Geschlechtern getrennt: westlich der Landstraße die Frauen-Heilstätten und -Sanatorien, östlich derselben die Männer-Heilstätten und -Sanatorien. Ebenso lagen Betriebsgebäude, in denen überwiegend Frauen beschäftigt waren, westlich und solche, in denen überwiegend Männer beschäftigt waren, östlich. Die erste Bauphase erfolgte 1898 bis 1902 unter den Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke (1864–1907). In der zweiten Bauphase 1908 bis 1910 wurde die Bettenzahl von 600 auf 1200 erhöht. Der Architekt war Fritz Schulz, der auch in der dritten Bauphase 1926–1930 verantwortlich war.

St.-Josef-Haus

Das zu den Heilstätten gehörende Heizkraftwerk (Architekt Paul Stanke) wurde schon 1903 mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben und ist heute ein technisches Denkmal. Die Gebäudehülle des sogenannten Heizhauses Süd mit dem erhaltenen Maschinensaal und dem Wasserturm wurde durch den Eigentümer, dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, mit EU-Fördermitteln umfassend saniert.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg dienten die Beelitz-Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für erkrankte und verwundete Soldaten. Unter den rund 17.500 Rekonvaleszenten, die zwischen 1914 und 1918 in Beelitz untergebracht wurden, befanden sich der Gefreite Adolf Hitler (9. Oktober - 4. Dezember 1916) und Karl Neufeld.

1942 wurde nach Plänen des Architekten Egon Eiermann südlich des Frauen-Sanatoriums ein Ausweichkrankenhaus für Potsdam errichtet. Dieses wurde 1945 bis 1998 als Fachklinik für Lungenkrankheiten und Tuberkulose zivil genutzt und wird jetzt überwiegend als Pflegeheim und von der Akademie für Pflegeberufe verwendet.

Während der Schlacht um Berlin 1945 wurden die etwa 3000 Verwundeten und das Personal der Beelitzer Heilstätten durch die Armee Wenck in weiter westlich liegende Regionen gebracht.

Zustand 2005 im Inneren des Sanatoriums
Zustand 2011 im Inneren der Chirurgie
Sowjetisches Denkmal

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Heilstätten teils schwer beschädigt wurden, wurde das Gelände 1945 von der Roten Armee übernommen. Die Heilstätten dienten bis 1994 als das größte Militärhospital der sowjetischen/russischen Armee im Ausland. Es war auch ab Dezember 1990 der Aufenthaltsort des an Leberkrebs erkrankten Erich Honecker, bevor er und seine Frau Margot am 13. März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden.

Einige Gebäude wurden inzwischen saniert und durch neue Gebäude ergänzt. Es wurden eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus sowie eine Rehabilitationsklinik für Kinder eingerichtet. Ein Teil in Bahnhofsnähe wurde mit Einfamilienhäusern bebaut.

Als Folge der Insolvenz der Eigentümergesellschaft im Jahr 2001 ist die weitere Neunutzung des übrigen Geländes inzwischen ins Stocken geraten. Auch die Sanierung der Denkmalsubstanz wurde weitgehend eingestellt. Ein großer Teil der sehenswerten Anlage verfällt inzwischen und ist vom Vandalismus stark beschädigt.

Nach jahrelangem Stillstand und weiterem Verfall ist es den Gläubigerbanken im März 2008 gelungen, einen Käufer für das Areal zu finden. Derzeit laufen die Planungen für eine erneute Nutzung im ursprünglichen Sinne von Gesundheit und Wohnen. Dazu wurden die Waldflächen und die Gebäudeflächen getrennt verkauft.[2]

1991 geschah 800 Meter von den Heilstätten entfernt ein Doppelmord. Die 34-jährige Ehefrau eines russischen Arztes der Klinik und deren drei Monate altes Baby wurden von dem als Rosa Riese bekannt gewordenen Serienmörder Wolfgang Schmidt ermordet. 2008 ermordete ein Fotograf, der die Heilstätten als Hintergrundkulisse nutzte, ein Fotomodell, das er im Internet kennengelernt hatte. 2011 erhängte sich ein Obdachloser, der zuvor mehrere Jahre auf dem Gelände der Beelitzer Heilstätten lebte, in einem der Gebäude.[3]

Am 11. September 2015 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte der erste Baumkronenpfad in Brandenburg eröffnet. Er ist 320 Meter lang, bis zu 23 Meter hoch und überquert die mit Bäumen bewachsene Ruine des 1944 ausgebrannten Pavillons B IV - das Gebäude wurde auch "Das Alpenhaus" genannt. Der Zugang erfolgt von der dritten Plattform des 36 Meter hohen Aussichtsturms.[4]

Seit Mai 2016 laufen auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-Sanatoriums Umbauarbeiten. Im Pavillon sowie im alten Küchen- und Wäschereigebäude will ein Investor unter dem Namen Refugium Beelitz-Heilstätten in den denkmalgeschützten Gebäuden ein sogenanntes Creative Village installieren. Die Atelier- und Mietwohnungen sind ausschließlich für Kreativschaffende vorgesehen. Die ersten Wohnungen sollen 2017 bezugsfertig werden.[5][6]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mischung aus ungewöhnlicher Architektur und Verfall macht die Heilstätten zu einem beliebten Motiv für Filmproduktionen. Neben zahlreichen Fernseh- und Studentenfilmen wurden auch Teile von Polańskis Der Pianist, Wolfgang Beckers Krankes Haus, Operation Walküre mit Tom Cruise, Men & Chicken mit Mads Mikkelsen, Gore Verbinskis A Cure for Wellness und anderer Spielfilme in den Heilstätten gedreht.

Vom 17.-19. Dezember 2011 dienten die Ruinen der Heilstätten als Kulisse für einen Videodreh zum Lied Mein Herz brennt der Neue-Deutsche-Härte-Band Rammstein unter der Regie von Eugenio Recuenco. Ein Nachdreh, nun unter Regie von Zoran Bihać, fand am 12. Juni 2012 erneut in Beelitz statt.[7][8][9]

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva Röger, Lutz Rentner, Frank Otto Sperlich: Beelitz-Heilstätten. Dokumentation, D, 2010, 45 Min.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Claus-Ulrich Bielefeld: Der kurze Atem der Geschichte. Beelitz-Heilstätten, einst das größte Lungensanatorium der Welt, ist heute ein Denkmal der Medizingeschichte. In: Süddeutsche Zeitung vom 25. Januar 2007, S. 48.
  • Andreas Böttger, Andreas Jüttemann & Irene Krause: Beelitz-Heilstätten. Vom Sanatorium zum Ausflugsziel. Berlin 2016. ISBN 978-3-946438-00-7
  • Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Beelitzer Heilstätten. Potsdamer Verlags-Buchhandlung, Potsdam 1997. ISBN 3-910196-27-6
  • Martin Hellbach: Die Garten- und Parkanlagen der Beelitzer Heilstätten. Entstehung – Gestaltung – Perspektiven. In: Die Gartenkunst 23 (1/2011), S. 71–90.
  • Andreas Jüttemann: Die preußischen Lungenheilstätten. Pabst, Lengerich 2016, ISBN 3-958531-38-5.
  • Landesversicherungsanstalt Berlin (Hrsg.): Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. Berlin 1902.
  • Landesversicherungsanstalt Berlin (Hrsg.): Die Heilstätten der Landesversicherungsanstalt Berlin bei Beelitz i/Mark = Denkschrift herausgegeben von der Landesversicherungsanstalt Berlin anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Heilstätten. Wasmuth, Berlin 1927.
  • Marc Mielzarjewicz: Lost Places Beelitz-Heilstätten. Mitteldeutscher Verlag, Halle/S. 2010. ISBN 978-3-89812-652-6
  • Fritz Schulz: Die Heilstätten und das neue Tuberkulosekrankenhaus in Beelitz. in: Heinrich Weigand (Hrsg.) Von Deutschem Schaffen, Band 1, Köln 1931.
  • Siegfried Wollin: Die Beelitzer Heilstätten. In: Die Mark Brandenburg, Heft 89, Berlin 2013, S. 18–25 Baum & Zeit. In: Die Gartenkunst 1 (1/1989), S. 20–32.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beelitz-Heilstätten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beelitzer Nachrichten 26. Jahrgang Nr. 3, Seite 9 auf yumpu.com
  2. Beelitz-Heilstätten: Tradition trifft Zukunft auf beelitz.de
  3. pnn.de: Obdachloser erhängte sich in Heilstätten
  4. Baumkronen-Pfad in der Beelitz-Heilstätten eröffnet – Wandern über den Wipfeln. RBB, 11. September 2015, abgerufen am 27. September 2015.
  5. refugium-beelitz.de: Webseite des Investors, abgerufen am 13. November 2016
  6. Potsdamer Neueste Nachrichten: Baustart im Märchenland, 29. April 2016.
  7. universal-music.de:Videopremiere von Mein Herz brennt, 14. Dezember 2012
  8. Universal Music: DVD Rammstein Videos 1995 - 2012, 2012, DVD 3: Making-of Mein Herz brennt
  9. rammstein.de: History: Mein Herz brennt explicit version video, abgerufen am 5. August 2017