Beerbach (Dietersheim)

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Beerbach
Gemeinde Dietersheim
Koordinaten: 49° 32′ 27″ N, 10° 33′ 50″ O
Höhe: 350 m ü. NHN
Fläche: 5,69 km²
Einwohner: 220 (2013)
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91463
Vorwahl: 09161
Ortsansicht Beerbach
Ortsansicht Beerbach
Wappen der Familie de Tubeuf

Beerbach (fränkisch Baabach) ist ein Ortsteil der Gemeinde Dietersheim im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt am Brünnleinsbach und am Buchengraben, die 0,25 km nördlich des Ortes zum Beerbach zusammenfließen, einem rechten Zufluss des Schweinebachgrabens. Der Ortsname „Beerbach“ wurde von mittelhochdeutsch ber, ‚Eber‘, ‚Schwein‘, „Saubär“ als ‚männliches Schwein‘, abgeleitet, woraus auch mundartlich Beier, Beir für das Geschlecht von Beirbach erklärt werden kann.[1][2] Etwa 0,5 km südwestlich erhebt sich der Salzleckenkopf (384 m ü. NHN), circa 0,75 km der Rothenberg (384 m ü. NHN), rund 0,5 km nordwestlich der Kirschenbuckel. Circa 0,25 km südlich liegt der Klosterwald, etwa 0,25 km östlich das Waldgebiet Hochstraße, rund 1 km nordwestlich das Flurgebiet Reutenfeld.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gründungsurkunde des Klosters Heilsbronn von 1132 wurde ein „Wignand von Beirbac“h erwähnt, womit erstmals auch der Ort urkundlich bezeugt ist. Das Heilsbronner Kloster war jedoch im Ort nicht begütert. Das ortsansässige Geschlecht wurde 1168 mit „Henricus de Beirbach“, 1235 mit „Heinricus de Beigerbach“ und 1253 mit „Fridericus de Beigerbach“ bezeugt. 1517 wurde der Ort in einer Urkunde des Zisterzienserklosters Birkenfeld erwähnt. 1699 kaufte Wilhelm von Witzleben Beerbach als freies, adeliges Rittergut, aber bereits 1703 kam es zum Haus Brandenburg zurück. 1724 wurde es Johann Heinrich von Stürzel überlassen, der es 1735 seiner Tochter Charlotte bei ihrer Heirat mit Ernst Ludwig von Holleben vermachte.[4]

Das von 1700 bis 1706 durch Wilhelm von Witzleben erbaute Schloss mit 26 m Länge und 17 m Breite im Ortskern wurde 1802–1805 abgebrochen und nur einige Kellergewölbe und das Wappen derer von Tubeuf am Haus Herrnbergstraße 2 erinnern an die Feudalzeit.[5]

1769 erwarb Hofrat Charles Baron de Tubeuf das Rittergut Beerbach. Wenige Jahre nach dem Tode seiner Frau verkaufte er es für 60.000 Gulden an das Fürstentum Ansbach und zog nach Erlangen in das Palais in der Friedrichstraße.[6] 1786 wurde das Rittergut vom Neustädter Kastenamtmann im Auftrag des Markgrafen unter öffentlicher Aufsicht einzeln und stückweise an die Untertanen verkauft.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Beerbach 49 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Neustadt an der Aisch aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte die brandenburg-bayreuthische Administration Beerbach inne. Alle Anwesen hatten das Fürstentum Bayreuth als Grundherrn (Administration Beerbach: 48, Klosteramt Birkenfeld: 1).[7]

1810 kam Beerbach zum neuen Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde es dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Oberroßbach zugeordnet, 1813 der Ruralgemeinde Oberroßbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Beerbach gebildet, zu der die Pechhütte gehörte.[8] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt).[9] Ab 1862 wurde Beerbach vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch und war ab 1880 beim Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 5,687 km².[10]

Von etwa 1837 bis 1967 gab es in Beerbach eine Einklassenschule, in der bis über 100 Schüler unterrichtet wurden.

Mit der Gebietsreform in Bayern verlor Beerbach seinen Status als politisch eigenständige Gemeinde. Die Eingemeindung nach Dietersheim erfolgte am 1. Januar 1972.[11]

Bis Anfang der 1980er Jahre war Beerbach bis in den Großraum Nürnberg als „Kirschenmetropole“ bekannt.[12]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietersheimer Str. 2 (Haus Nr. 6): Gasthaus
  • Haus Nr. 14: Ehemalige Schäferei, 1727 als Kellergebäude errichtet, 1885 neu gebaut. Eingeschossiges Satteldachhaus auf Quadersockel. Zwei Dachgeschosse, Glockentürmchen. Rundbogige Kellertür war bezeichnet „J. H. v. St(ürzel) 1727“, modern verändert. Im Keller großes Tonnengewölbe.[5]
  • Haus Nr. 15: Ursprünglich Brauerei. An Neubau des 19. Jahrhunderts Bogenstein in Wiederverwendung: „L I E v“(on) „H“(olleben) / „1753“. In der Scheuer an der Nordseite im Putz „Erbaut von Johann Friedrich Hülf 1854“.[5]
  • Haus Nr. 50: Erstes Viertel 19. Jahrhundert. Zweigeschossiges Walmdachhaus, im Erdgeschoss teilweise verändert. Quadersockel, Ecklisenen, verkröpftes Gurtband. Obergeschoss verputztes Fachwerk. An der Westseite des Erdgeschosses Wappenstein der Tubeuf, zwei Löwen halten glattes Wappen, mit Devise „Deo et virtuti“.[5]
  • Das nach dem Ersten Weltkrieg am Ortsausgang Richtung Dietersheim errichtete Gefallenendenkmal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit zwei Steinplatten ergänzt.[13]

Baubeschreibungen: Liste der Baudenkmäler in Dietersheim#Beerbach

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Beerbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 293 423 402 384 409 426 440 451 443 450 401 393 355 354 351 326 307 309 277 368 370 324 317 276
Häuser[14] 52 61 71 72 69 66 62 65
Quelle [15] [16] [17] [17] [18] [17] [19] [17] [17] [20] [17] [17] [21] [17] [17] [17] [22] [17] [17] [17] [23] [17] [10] [24]

Ort Beerbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 001987
Einwohner 293* 350 337 374 365 292 258 317 267 233 226* 220*
Häuser[14] 52* 73 58 56 55 51 55 62*
Quelle [15] [16] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [10] [24] [25]
* inklusive Pechhütte

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beerbach gehört zum evangelisch-lutherischen Pfarramt Dottenheim. In der Dottenheimer St.-Markus-Kirche befinden sich die Grabstätten der früheren Rittergutsbesitzer von Tubeuf. Der Friedhof wurde 1934 angelegt. Bis dahin wurden die Verstorbenen auf dem Friedhof Dottenheim beigesetzt. Die neu errichtete Kapelle am Friedhof wurde 1974 geweiht.

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Beerbach gibt es ein vielfältiges und lebendiges Vereinsleben.

Verein Gründungsjahr Zahl der Mitglieder 2013
Freiwillige Feuerwehr Beerbach e. V.
1888
45
Obst- und Gartenbauverein
1902
33
Männergesangverein Beerbach 1905 e. V.
1905
53
Dorfverein Beerbach e. V.
1999
54

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirchweih im Zelt Anfang Oktober
  • Straßenfest der Dorfjugend im August

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Dietersheim, an der Pechhütte vorbei nach Rimbach zur Kreisstraße NEA 24 und zur Kreisstraße NEA 6.

Söhne und Töchter (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beerbach (Dietersheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Beck: Die Ortsnamen des Aischtales und der Nachbartäler. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1926, S. 5.
  2. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage, Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 447.
  3. Beerbach im BayernAtlas
  4. H. Sponholz (Hrsg.), S. 75. Informationen teilweise von Karl Friedrich Hohn: Geographisch-statistisches Handbuch von Bayern, 2. Auflage, Nürnberg 1840, Sp. 130f. übernommen.
  5. a b c d R. Strobel, S. 27. Denkmalschutz mittlerweile aufgehoben, Objekt ggf. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung
  6. Palais in der Friedrichstraße auf erlangen-virtuell.myfen.de
  7. H. H. Hofmann, S. 81.
  8. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 58 (Digitalisat). H. H. Hofmann S. 222.
  9. H. H. Hofmann, S. 183.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 803 (Digitalisat).
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  12. Geschichtliches aus Beerbach und Pechhütte (Memento vom 16. März 2014 im Internet Archive), Gemeinde Dietersheim
  13. Gefallenendenkmal Beerbach in Denkmalprojekt.org
  14. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  15. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 8 (Digitalisat).
  16. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 196 (Digitalisat).
  17. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 179, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  18. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1055, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  19. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1219, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  20. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1154 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1227 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1264 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1094 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 175 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 339 (Digitalisat).