Befeuerung (Seefahrt)

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Leuchtfeuer ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Leuchtfeuer (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Befeuerung in der Seefahrt werden weitgehend ortsfeste Licht- oder Funksignale zur Navigation in der Seefahrt bezeichnet. Häufig wird für die Befeuerung in der Seefahrt der Begriff Leuchtfeuer gebraucht.

Ursprünglich verwendeten die Leuchtfeuer der Seefahrt Holz, Reisig, Teer oder Kohle als Brennmaterialien, später nutzte man Öl, Gas und Elektrizität zur Erzeugung des Lichtes. Funkfeuer werden wegen mangelnder Genauigkeit heute in der Seefahrt kaum noch verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktionsskizze (2006) des Leuchtturms von Alexandria
Gas(not)licht des Leuchtturms Dicke Berta
Leuchtfeuer auf der Westmole in Warnemünde

Die Wurzeln finden sich in den Leuchtfeuern der Schifffahrt zur Markierung von Hafeneinfahrten, die der Orientierung dienten. Angefangen hat man mit Lichtsignalen auf Land (Landfeuer), später auch auf Feuerschiffen, die mit offenem Feuer (Teer) oder Fackeln bestückt wurden. Noch heute finden sich entlang der Küste Leuchttürme, die zu diesem Zweck errichtet wurden.

Aischylos (525–456 v. Chr.) beschreibt in der Orestie, Agamemnon, Verse 280–311, die Benachrichtigung vom Sieg im Trojanischen Krieg und von der Einnahme Trojas per Feuerpost über eine Staffel von Leuchtfeuern über Hunderte Kilometer hinweg nach Argos.

Der antike Leuchtturm von Alexandria galt als eines der Sieben Weltwunder. Im Mittelalter wurde öfter der höchste Wachtturm von Hafenstätten auch zur Unterhaltung eines Leuchtfeuers genutzt, so z. B. der Belfried von Dünkirchen. Bis in das 17. Jahrhundert hinein wurden auch Feuerblüsen und Verdunkelungsbaken zur Peilung eingesetzt. Die Carta Marina verzeichnet 1539 neben der sehr prominenten Neuwerker Blüse in der Elbmündung noch eine Reihe weiterer Blüsen entlang der südlichen Ostseeküste.

Feuerblüsen Neuwerk („Nuge uirk“), Lübeck, Wismar, Rostock, Cammin, Danzig und Riga in der Carta Marina (1539)


Die Feuersicht, d. h. die Sichtweite leuchtender Objekte, ist am Tage etwa doppelt so weit wie die unbeleuchteter Objekte. Insbesondere bei trübem Wetter kann die Befeuerung die Sichtweite verbessern. Die Entwicklung der Fresnellinse brachte den entscheidenden Durchbruch in der Effizienz der Lichtausbeute und verbesserte die Wirkung der Leuchtfeuer. Was sich in der Schifffahrt bewährte, wurde in ähnlicher Form auch in der Luftfahrt übernommen.

Befeuerung in der Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher Leuchtfeuer, heute Landmarke: Roter Sand (1885)

In der Seefahrt sind als Feuerträger unter anderem Leuchttürme, Feuerschiffe und Leuchttonnen in Verwendung, von denen es jeweils unterschiedliche Arten gibt.

Leuchtfeuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele bei Tag sichtbare Seezeichen strahlen bei Dunkelheit oder schlechter Sicht Licht aus.

Nach ihrer navigatorischen Funktion werden unterschieden:

Die Leuchtfeuer sind so gestaltet, dass sie leicht voneinander unterschieden werden können. Dazu werden als Kennung die Blinkfolge (Taktung) und -geschwindigkeit (Wiederkehr) sowie die Farbe des Feuers variiert.

Weitere kennzeichnende Größen sind die Tragweite und die Höhe des Leuchtfeuers über mittlerem Hochwasser oder mittlerem Wasserstand. Die verschiedenen Bauweisen und Anstriche helfen dem Navigierenden, die Leuchtfeuer am Tag zu unterscheiden.

Die Kennzeichen jedes einzelnen Leuchtfeuers finden sich in den Seekarten und Leuchtfeuerverzeichnissen.

Tragweite und Sichtigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tragweite ist der Abstand, in dem ein Leuchtfeuer bei guter Sichtigkeit noch wahrnehmbar ist. Sie hängt von der Lichtstärke des Leuchtfeuers ab und wird für einen bestimmten Sichtigkeitsgrad der Luft in Seemeilen angegeben.

Sichtweite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sichtweite ist der Abstand, in dem ein Leuchtfeuer aus einer bestimmten Augenhöhe eben noch am Horizont (Kimm) sichtbar ist, d. h. sobald es bei Annäherung erstmals über den Horizont erscheint. Sie hängt also von der Höhe des Leuchtfeuers und des Beobachters über dem Meeresspiegel ab und ist durch die Erdkrümmung bedingt. Die Tragweite eines Leuchtfeuers ist meist größer als seine Sichtweite. Deshalb kann man bei klarer Sicht den Widerschein des Leuchtfeuers am dunklen Himmel oder den Wolken oft schon außerhalb des Sichtweitenbereiches wahrnehmen, also bevor es in der Kimm auftaucht.

Abkürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Seekarten wird die Kennung eines Leuchtfeuers durch einheitliche Abkürzungen beschrieben:

International Deutschland Erklärung
Abkürzung Bedeutung Abkürzung Bedeutung
Art
des
Feuers
F fixed F. Festfeuer Dauerlicht
Oc occulting Ubr. Unterbrochenes Feuer Die Phasen des Lichts sind länger als die der Verdunklungen
Iso isophase Glt. Gleichtaktfeuer Die Phasen von Licht und Dunkel sind gleich lang
LFl long flash Blk. Blink Die Phasen des Lichts sind kürzer als die der Verdunklungen. Ein Blink ist mindestens zwei Sekunden lang
Fl flash Blz. Blitz Die Phasen des Lichts sind kürzer als die der Verdunklungen. Ein Blitz ist weniger als zwei Sekunden lang.
Q quick Fkl. Funkellicht Schnelles nacheinander erscheinendes Licht (50−60 mal pro Minute)
VQ very quick SFkl. Schnelles Funkellicht Schnelles nacheinander erscheinendes Licht (100−120 mal pro Minute)
UQ Ultra Quick UFkl. Ultraschnelles Funkellicht Sehr schnelles nacheinander erscheinendes Licht (200−240 mal pro Minute)
Mo Morse code Mo Morsebuchstabe Lichtphasen entsprechen einem Buchstaben des Morsealphabets
IQ Interrupted Quick Fkl.unt. Unterbrochenes Funkelfeuer Blitze des Funkelfeuers durch Verdunklung unterbrochen
Farbe
des
Feuers
G green gn. Grün Grünes Licht
R red r. Rot Rotes Licht
Y yellow g., or. Gelb, Orange Gelbes oder oranges Licht
W white w. Weiß Weißes Licht
M miles sm Seemeilen Angabe der Reichweite des Feuers
Fl(3) 12s Blz.(3) 12s Die Gruppe besteht aus 3 Blitzen. Die Wiederkehr beträgt 12 Sekunden
Fl(3) 12s 18M Blz.(3) 12s 18sm Wie zuvor, jedoch mit Tragweite des Feuers von 18 Seemeilen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Miethe: Bauingenieurwesen, Küstenbefeuerung, Luftbilderkundung (= Die Technik im zwanzigsten Jahrhundert; Band 5). Westermann, Braunschweig 1920, pwr.wroc.pl

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]