Behrungen

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Behrungen
Gemeinde Grabfeld
Wappen von Behrungen
Koordinaten: 50° 24′ 36″ N, 10° 24′ 52″ O
Höhe: 334 m
Fläche: 13,82 km²
Einwohner: 555 (30. Jun. 2015)
Bevölkerungsdichte: 40 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 2007
Postleitzahl: 98631
Vorwahl: 036944
Karte
Lage von Behrungen in Grabfeld

Behrungen ist ein Dorf im südlichen Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Seit dem 1. Dezember 2007 ist die ehemals politisch selbständige Gemeinde ein Ortsteil der Gemeinde Grabfeld.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behrungen liegt im Tal des Baches Bahra am Rande des Thüringer Waldes im Grabfeld.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

8.-16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde die Gemeinde unter dem Namen Villa Pahringe im Jahr 795 erwähnt. Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort zur Grafschaft Henneberg. Bei der Hennebergischen Hauptteilung kam er 1274 wie das benachbarte Hendungen an die Linie Henneberg-Aschach, welche sich nach der Verlegung des Stammsitzes in das benachbarte Römhild später als „Henneberg-Römhild“ bezeichnete.

Durch zwei Erbteilungen der Grafschaft Henneberg-Aschach(-Römhild) in den Jahren 1468 und 1532 gelangte Behrungen an die Linie Henneberg-Schwarza. Nach deren Aussterben gehörte Behrungen seit 1549 den Grafen von Henneberg-Schleusingen. Als diese im Jahr 1583 ebenfalls ausstarben, kam die „Kellerei Behrungen“, wie der Verwaltungsbezirk um den Ort genannt wurde, als Teil der Grafschaft Henneberg-Schleusingen gemäß dem Kahlaer Vertrag von 1554 unter gemeinschaftliche Verwaltung der ernestinischen und albertinischen Wettiner.

16.-19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Realteilung der Grafschaft Henneberg im Jahr 1660 kam die Kellerei Behrungen an das Herzogtum Sachsen-Altenburg. Mit dem Aussterben der Linie Sachsen-Altenburg im Jahr 1672 fiel die Kellerei an das Herzogtum Sachsen-Gotha, welches sich seitdem Sachsen-Gotha-Altenburg nannte. Dieses wurde 1680 geteilt, wodurch Behrungen zum Herzogtum Sachsen-Römhild kam. Nachdem die Linie Sachsen-Römhild bereits 1710 wieder ausgestorben war, teilte man die Kellerei Behrungen nach Beendigung der Erbschaftsstreitigkeiten dem Herzogtum Sachsen-Hildburghausen zu.

In Folge des "Schalkauer Tauschvertrages" wurde die Kellerei Behrungen im Jahre 1723 um vier Orte des Meininger Unterlands erweitert und seitdem als „Amt Behrungen“ bezeichnet.[2] Durch die Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer fiel Behrungen im Jahr 1826 an das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Seit 1868 gehörte Behrungen zum Landkreis Hildburghausen.

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 kam Behrungen zum Freistaat Thüringen. Von 1945 bis 1990 lag es direkt an der innerdeutschen Grenze.

Die Pfarrei Behrungen war lange Zeit ein selbständiges Pfarramt, zeitweise mit der Tochtergemeinde Mendhausen. 1974 wurde die Gemeinde unter die Vakanzverwaltung von Berkach und Bibra gestellt. Im Pfarrhaus der Kirchgemeinde Behrungen wohnt jetzt die Katechetin.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Behrungen setzt sich aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • CDU 3 Sitze
  • ThBV BUND 3 Sitze
  • DC-FW 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister vor der Eingemeindung war Karl Neubert (CDU). Er wurde am 3. Juni 2007 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert in Rot und Gold; im Feld 1 und 4 je eine silberne Säule mit goldener Krone, im Feld 2 zwei schwarze, aufeinanderstehende Halbkreise, im Volksmund Feuerblöcke genannt, mit Öffnungen nach oben und unten, deren Berührungspunkte mit vier silbernen, schwarz bordierten Herzen im Vierpaß belegt sind, im Feld 3 eine schwarze rotbewehrte Henne mit rotem Kamm und roten Lappen.“

Europäischer Dorferneuerungspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behrungen nahm 2016 als Vertreter des Bundeslandes Thüringen am Europäischen Dorferneuerungspreis teil. Dem Ort wurde am 9. September 2016 in Tihany (Ungarn) ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ verliehen.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der nahen ehemaligen innerdeutschen Grenze befindet sich das deutsch-deutsche Freilandmuseum, das sich über die ausgewiesenen Denkmalorte des Freilandmuseums Behrungen und Berkach in Thüringen sowie Rappershausen in Bayern erstreckt. Noch 2001 wurde hier vom 10-jährigen Manuel Erhard im ehemaligen Grenzstreifen eine intakte Tretmine gefunden. Die Komplettanlage ist heute Kulturdenkmal des Freistaates Thüringen, teilweise archäologisches Bodendenkmal, länderübergreifendes Kulturdenkmalensemble und als Natur- und Umwelterbe anerkannt. Das Engagement der Initiatoren wurde mehrfach ausgezeichnet, z. B. 2004 mit dem Bürgerpreis der deutschen Einheit (Einheitspreis), dem Natur- und Umwelterbe Kulturaward (2006) und letztlich mit dem Denkmalpreis des Landkreises Schmalkalden-Meiningen (2008).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herta Amm (1924–1950); Todesopfer der Diktatur in der DDR

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Behrungen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  2. Beschreibung des hennebergischen Amts Behrungen
  3. Textmaterial des Pfarramtes Queienfeld für das Kirchenkreis-Buch Meiningen
  4. Europäischer Dorferneuerungspreis 2016 – Beurteilungen  » ARGE Landentwicklung. In: www.landentwicklung.org. Abgerufen am 18. Oktober 2016.