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Bei Kerzenlicht

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Film
Titel Bei Kerzenlicht
Originaltitel By Candlelight
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1933
Länge 70 Minuten
Stab
Regie James Whale
Drehbuch
Produktion Carl Laemmle jr.
Musik W. Franke Harling
Kamera John J. Mescall
Schnitt
Besetzung

In Vor- und Abspann nicht genannt:

Bei Kerzenlicht ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1933 von James Whale mit Elissa Landi und Paul Lukas in den Hauptrollen. Der Pre-Code-Film wurde von Universal Pictures produziert.

Prinz Alfred von Rommer ist ein Frauenheld, der bei seinen Eroberungen ein festes Ritual entwickelt hat. Er verschenkt ein Zigarettenetui, das niemals angenommen wird. Danach beginnt er, Klavier zu spielen, ein Signal an seinen Butler Josef, die Sicherung herauszudrehen und Kerzenständer zu bringen, um für eine romantischere Stimmung zu sorgen. Josef, der den Prinzen als Vorbild sieht und eine Biografie über Giacomo Casanova liest, bereitet das Haus für ein weiteres Mal vor. Dieses Mal ist es die Baronin von Ballin, eine berühmte Sängerin. Das Ritual wird durchlaufen, allerdings schlägt die Baronin vor, zum Klavierspiel zu singen. Kurz darauf trifft ihr wütender Gatte ein. Josef versucht, ihn abzuwimmeln, hat aber keine Chance mehr, als der Baron seine Frau singen hört. Da der Gesang von einer Schallplatte kommt, kann sich der Prinz herausreden. Er habe die Baronin nach Hause gebracht, wo sie jetzt auf ihren Mann warte. Als der Baron sie anrufen will, leitet Josef den Anruf auf das Zimmer um, in dem sich die Baronin versteckt. Danach eilt sie sofort nach Hause, während der Prinz hält den Baron noch etwas hinhält. Als der Baron fort ist, beschließen der Prinz und Josef in ein anderes Haus des Prinzen in Monte-Carlo zu gehen. Josef soll das Haus vorbereiten, der Prinz wird später nachkommen.

Im Zug nach Monte-Carlo kommt Josef beim Abendessen mit Marie ins Gespräch. Bald stellt sich heraus, dass die beiden für dasselbe Abteil im Schlafwagen gebucht wurden. Josef muss in einem Abteil mit dem Schaffner übernachten. Am nächsten Morgen bemerkt Marie das Wappen des Prinzen auf Josef Gepäck, das immer noch in ihrem Abteil steht, und bemüht sich um ein gemeinsames Frühstück. Bei einem etwas längeren Halt besuchen sie ein Volksfest direkt am Bahnhof. Dadurch verpassen sie die Weiterfahrt, haben danach aber einen schönen Tag auf dem Fest. Josef organisiert ein Auto mit Chauffeur für die Weiterfahrt, aber Marie läuft vor dem Einsteigen fort.

In der nächsten Zeit ist Josef sehr unkonzentriert. Kaum hat der Prinz das Haus verlassen, versucht Josef, Marie anzurufen. Obwohl er lediglich ihren Vornamen kennt und eine Ahnung hat, wo sie wohnt, erreicht er sie, und er kann sie sogar überreden, zu ihm zu kommen. Sie bleibt deutlich länger, als sie eigentlich wollte, und so beginnt Josef mit dem Ritual des Prinzen. Marie nimmt das Zigarettenetui ohne zu zögern an. Als Josef mit dem Klavierspielen beginnt, kommt der Prinz, der bereits bemerkt hatte, dass Josef sich verliebt hat, zufällig nach Hause und übernimmt sofort die Rolle des Butlers. Marie wird dabei allerdings sofort nervös, sie meint sie hasse Butler, weil diese zu neugierig seien und alles sofort weitererzählen würden. Tatsächlich bemerkt der Prinz sofort, dass Marie nicht die Edeldame ist, die sie zu sein vorgibt. Er sagt ihr das auch, weiterhin in der Rolle des Butlers und in Josefs Abwesenheit, und verspricht, das für sich zu behalten. Kaum ist Marie allein im Zimmer, flieht sie, verliert dabei aber einen Schuh. Als Josef ihr hinterher eilt, findet er den Schuh, sie ist aber weg. Der Prinz tröstet ihn, fragt aber auch nach dem Zigarettenetui. Er ist ebenfalls überrascht, dass sie es angenommen habe, fordert Josef aber auf, es zurückzuholen, es sei zu wertvoll. Marie, die ein Dienstmädchen der Gräfin von Rischenheim ist und Josef in der Kleidung und mit den Accessoires der Gräfin besucht hatte, kommt nur sehr kurz vor der Gräfin und dem Graf nach Hause. Der Graf vermutet, dass seine Frau fremdgehe, weshalb die beiden streiten. Dabei findet er auch das Zigarettenetui in ihrer Handtasche und nimmt es an sich, sagt aber erstmal nichts.

Am nächsten Tag versucht Josef erneut, Marie zu erreichen, dieses Mal aber vergeblich. Stattdessen sucht sie ihn auf, um den Schuh zu holen. Dabei schimpft sie so über Butler, dass Josef abwiegelt. Er meint, nicht alle Butler seien so. Als Josef das Zigarettenetui anspricht, findet sie es nicht und meint, sie habe es bei der Flucht zurückgelassen. Bald werden sie vom Graf überrascht, der gehört hat, dass seine Frau den Prinzen in einem Casino getroffen und es mit ihm verlassen habe. Marie konnte sich gerade noch verstecken, aber der Graf findet den Schuh seiner Frau. Als er erkennt, dass Marie dort ist, verlässt er lachend das Haus. Marie ist entsetzt. Das wird noch schlimmer, als kurz darauf der Prinz zusammen mit der Gräfin nach Hause kommt. Dabei wird sowohl Marie als auch Josef klar, dass sie sich gegenseitig belogen haben, um mehr zu scheinen als sie eigentlich sind. Marie flüchtet erneut, und der Prinz schickt den perplexen Josef hinterher. Der Prinz macht es sich mit der Gräfin gemütlich und beginnt gleich mit seinem Ritual. Josef kommt nach der erneut erfolglosen Suche gerade rechtzeitig zurück, um auf das Klavier reagieren zu können. Er tut das aber sichtbar enttäuscht. Auf dem Rückweg trifft er auf die zurückgekehrte Marie. Beide entschuldigen sich für ihre Lügen. Josef fragt sie, ob sie ihn heiraten wolle, obwohl er ein Butler ist. Die antwortet, es seien nicht alle Butler so, und sagt ja.

Gedreht wurde der Film ab dem 21. Oktober 1933[1] in den Universal-Studios in Universal City.

Der Film basiert auf einer von P. G. Wodehouse adaptierten Version des Bühnenstücks Kleine Komödie von Siegfried Geyer.[1]

Die Presse berichtete, dass Adolphe Menjou sich bereit erklärt hatte, eine Rolle in dem Film zu spielen. Universal wollte, dass Joan Bennett an seiner Seite spielt. Sowohl Laurence Olivier als auch John Boles wurden für die Hauptrolle in Betracht gezogen. James Whale ersetzte Robert Wyler, der aus gesundheitlichen Gründen einen kurzen Urlaub nahm, nachdem der Film etwa zehn Tage lang in Produktion war.[1]

Charles D. Hall oblag die künstlerische Leitung. Verantwortlicher Toningenieur war Gilbert Kurland.[1] William J. Reiter arbeitete als Regieassistent.

Veröffentlichung

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Die Premiere des Films fand am 18. Dezember 1933 statt.[1] In Österreich kam er am 25. März 1934 in die Kinos.

Die zeitgenössische Kritik sah den Film positiv. Mordaunt Hall von der The New York Times befand, der Film biete eine angenehm amüsante Abwechslung. Er sei oberflächlich und stellenweise etwas offensichtlich, aber seine kleine Intrige werde von James Whale und anderen mit bewundernswerter Schlauheit dargelegt.[2] Die Variety beschrieb den Film als netten kleinen Klassiker. Whales Regie sei geschickt und zuverlässig, er mache seine Punkte intelligent, jedoch nicht zu kräftig, gerade so, wie es sich für die delikate Natur der gesamten Struktur gezieme. Hinzu komme die sehr effektive Musik von W. Franke Harling.[3]

Auch in der modernen Kritik wird der Film positiv aufgenommen. Dave Kehr schrieb im Stadtmagazin Chicago Reader, anspruchsvolle Komödien, nicht Horror, waren wahrscheinlich Whales wahre Stärke, aber seine Arbeit im leichteren Genre werde selten wiederbelebt, was diese Rarität von 1934 eine nähere Betrachtung wert mache.[4] Ähnlich sah es Bruce Eder in seiner Kritik für AllMovie. Er lobt darüber hinaus die Darsteller und fügte hinzu, dass Whale offensichtlich genauso viel Spaß beim Erzählen dieser Geschichte gehabt habe wie das Publikum. Neben der Musik hob er die gewagten Dialoge hervor.[5] Für Jim Hoberman vom Wochenmagazin The Village Voice ist der Film eine unbeschwerte Farce aus der Zeit vor dem Hays Code, die auf Klassenprivilegien und Identitätsverwechslungen basiere. Wo ein Ernst Lubitsch lässig sein würde, verzerre Whale die Handlung in Richtung Hysterie.[6]

Einzelnachweise

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  1. a b c d e By Candlelight (1933). In: American Film Institute. Abgerufen am 26. Juni 2024 (englisch).
  2. The Screen. In: New York Times. 6. Januar 1934, abgerufen am 26. Juni 2024 (englisch).
  3. Film Reviews. In: Variety. 9. Januar 1934, abgerufen am 26. Juni 2024 (englisch).
  4. Kritik von Dave Kehr. In: Chicago Reader. 24. April 2008, abgerufen am 26. Juni 2024 (englisch).
  5. Bruce Eder: By Candlelight (1934) (Memento vom 31. Mai 2013 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
  6. Kritik von Jim Hoberman. In: The Village Voice. 1. Dezember 2009, abgerufen am 26. Juni 2024 (englisch).