Belagerung von Kaiserswerth (1702)
| Belagerung von Kaiserswerth | |||||||||||||||||
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| Teil von: Spanischer Erbfolgekrieg | |||||||||||||||||
Belagerung von Kaiserswerth (Plan nach Westen ausgerichtet) | |||||||||||||||||
| Datum | 18. April bis 15. Juni 1702 | ||||||||||||||||
| Ort | Kaiserswerth | ||||||||||||||||
| Ausgang | alliierter Sieg | ||||||||||||||||
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| Die Angaben über Truppenstärke und Verluste können in der Literatur deutlich auseinandergehen. | |||||||||||||||||
Carpi – Chiari – Cremona – Kaiserswerth – Lüttich – Landau (I) – Luzzara – Santa Marta – Cádiz – Venlo – Friedlingen – Vigo – Schmidmühlen – Bonn – Krottensee – Ekeren – Höchstädt – Landau (II) – Speyerbach – Schellenberg – Gibraltar – Höchstädt – Vélez-Málaga – Landau (III) – Marbella – Cassano – Barcelona – Sendlinger Mordweihnacht – Aidenbach – Calcinato – Ramillies – Turin – Castiglione – Santa Cruz de Tenerife – Almansa – Kap Béveziers – Toulon – Lizard Point – Lille – Oudenaarde – Gent – Malplaquet – Mons – Almenar – Saragossa – Syrakus – Villaviciosa – Rio de Janeiro – Denain – Landau (IV) – Barcelona – Freiburg
Die Belagerung von Kaiserswerth war Teil der Reichsexekution des Heiligen Römischen Reiches gegen den mit Frankreich verbündeten Kurfürsten Joseph Clemens von Kurköln zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges. Sie war die erste Kriegshandlung auf dem nördlichen Kriegsschauplatz am Rhein und in Flandern und dauerte vom 18. April bis zum 15. Juni 1702. Es standen sich die Alliierten aus republikanischen Niederländern und verschiedenen Reichsterritorien auf der einen Seite und die französischen Garnisonstruppen, von der anderen Rheinseite durch General Camille d’Hostun de la Baume, duc de Tallard unterstützt, gegenüber. Die Belagerung endete mit der völligen Zerstörung und Übergabe von Stadt und Festung.
Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der mit Frankreich verbündete Kurfürst Joseph Clemens von Bayern übergab neben den Festungen Bonn und Rheinberg auch Stadt und Festung Kaiserswerth den Franzosen, die ab Ende 1701 in der Stadt eine Garnison unter dem Marquis de Blainville stehen hatten.
Dagegen schritt das Heilige Römische Reich in Form einer Reichsexekution ein. Oberbefehlshaber war pro forma der kaiserliche Generalleutnant Walrad Fürst von Nassau. Diesem unterstand das niederländische Kontingent unter kommandierenden Generälen v. Dopf bzw. v. Salisch mit ca. 22.000 Mann sowie das preußische Kontingent unter General v. Heyden mit ca. 8.000 Landeskindern. Das niederländische Kontingent setzte sich aus geworbenen Reichtruppen (Hannoveraner, Holsteinern, Lüneburgern, Hessen, Ansbachern etc.), Niederländern, Schotten, Engländern und Schweizern zusammen.
Die Generalstaaten als Financier des Feldzugs hatten zwar dem Herzog von Marlborough den Oberbefehl zugestanden, doch traf der Herzog erst nach der Belagerung ein. Die politische, militärische und finanzielle Kontrolle übte der niederländische Feld-Deputierte Geldermalsen aus, ohne dessen Zustimmung keine wichtige Entscheidung getroffen werden konnte.
Verlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da der holländische Chefingenieur („Belagerungs“-Experte) Menno van Coehoorn mit einer eigenen Armee in Staatsflandern stand, war die Belagerung ohne seine Führung sehr zeitintensiv, von den drei niederländischen Ingenieuren schlecht geführt und es gab unter den Alliierten hohe Verluste. Anstelle der erwarteten zwei Wochen dauerte die eigentliche Belagerung acht Wochen. 1689 hatte die erste Belagerung unter seiner Leitung nur zwei Tage gedauert!
Die Belagerung kann in die folgenden Phasen gegliedert werden:
- Beobachtung vom Januar bis zum 15. April
- Einschließung 15. – 17. April
- Förmlicher Angriff auf die obere und untere Rheinfronte 18. April – 20. Mai und erstes Bombardement der Stadt
- Förmlicher Angriff auf die östliche Fronte 21. Mai – 15. Juni
- Anlegen der 2. Parallele
- Sappieren des Glacis
- Erstürmung des gedeckten Weges
- Breschierung des Walls, ausgehend von der Kontereskarpe
- Vorbereitung des Hauptsturms
- Kapitulation am 15. Juni
- Übergabe am 17. Juni
Die Laufgräben wurden in der Nacht vom 18. auf den 19. April eröffnet.[1] Die alliierten Truppen hatten Anfang Mai nicht mehr genug Pulver und Munition und besaßen anfangs noch nicht genügend Belagerungs-Artillerie.
Die Preußen nahmen bis Ende April die vorgeschobenen Werke, d. h. die Kalkumer-, Insel- und Flügel-Redoute, und waren dadurch in der Lage, die Annäherungsgräben bis zum Glacisfuß vorzutreiben. Die Niederländer griffen von Süden, d. h. oberen Rheinfront, an.
Die Franzosen verteidigten die Festung aber hartnäckig durch viele Ausfälle. Zu Beginn der Belagerung griffen 15.000 Alliierte die Stadt an. Die Angriffsgräben kamen nur langsam voran und wurden durch ein Hochwasser Ende April sowie durch Tallards Batterien auf dem linken Ufer behindert. Der erste Angriff auf die obere und untere Rheinfronten musste am 20. Mai abgebrochen werden.
Der auf der linken Rheinseite stehende französisch General Tallard führte der Garnison frische Truppen und Nahrungsmittel zu. Die fliegende Brücke über den Rhein wurde durch Sabotage versenkt, so dass die Festung nur noch nachts über Nachen versorgt werden konnte. Tallard ließ die Flanken der Belagerer vor der unteren und oberen Rheinfronte seit dem 9. Mai beschießen, musste aber am 9. Juni abziehen.
Die Belagerer verschossen 10.000 Bomben und 120.000 Kanonenkugeln und erwogen Anfang Mai aus Pulver- und Munitionsmangel, die Belagerung aufzuheben. Durch das persönliche Eingreifen des preußischen Königs Friedrich I., der sich gerade in Kleve aufhielt, konnten die Angriffe fortgesetzt werden. Aus der preußischen Festung Wesel wurden daraufhin Pulver und Geschütze herangeschafft, so dass die artilleristische Überlegenheit der Belagerer erdrückend war. Ab dem 21. Mai wurde der Angriff auf die starke Ostfront der Festung gerichtet, d. h. die Front zwischen Bastion Kaspar und Suitbert (heute Klemensplatz). Das Belagerungskorps wuchs durch Verstärkungen aus dem Reich auf ca. 30.000 Mann. Die Einschließlungslinie mit dem Zeltlager, die sich im weiten Halbkreis um die Festung schloss, betrug ca. 7-8 Kilometer.
Am 2. Juni besichtigte Marschall Vauban die Festung, doch auch er musste erkannt haben, dass der Fall der Festung nur noch eine Frage von wenigen Tagen war.
Am 9. Juni erstürmten die Alliierten die Kontereskarpe vor der Front der beiden Bastionen Kaspar und Suitbert mit außerordentlich hohen Verlusten (ca. 3.000 Tote oder Verwundete). Erst jetzt konnten die Breschbatterien mit den schweren Geschützen gegen den Mauerfuß der beiden Bastionen wirken. Bis zum 15. Juni waren gangbare Breschen gelegt, d. h. über die Schuttrampen konnte die Festung erstürmt werden. Zudem waren auch die zuvor nassen Gräben trockengefallen, so dass ein wesentliches Hinderniss vor den Breschen entfiel.
Angesichts der aussichtslosen Lage ließ der Gouverneur Blainville Chamade schlagen, um ein Blutbad zu vermeiden. Am 9. Juni war nämlich die Armee des Generals Tallard von der linken Rheinseite abgezogen, woraufhin die Alliierten das linke Ufer unverzüglich besetzten. Ein Entsatz und weitere Versorgung waren jetzt nicht mehr möglich. Von den ursprünglich 5.000 Mann der Garnison waren bestenfalls noch 2.500 Mann dienstfähig. Blainville hatte aber sein Ziel erreicht, eine große alliierte Armee zu binden, die angesichts der großen Verluste erst ergänzt werden musste, um wieder die Offensive zu ergreifen. Infolgedessen konnten die Festungen Bonn, Rheinberg und Geldern erst 1703 belagert und eingenommen werden.
Nur drei Häuser (romanisches Haus, Zollhaus, Haus von 1663) haben die Belagerung überstanden. Pfalz, Basilika und Kapuzinerkloster waren schwer beschädigt. Nur acht Bewohner, die sich in die Gewölbe der Pfalz gerettet hatten, hielten sich noch in der Stadt auf. Der Rest der ca. 1.000 Einwohner war wohl vor dem Bomben- und Kugelhagel aus der abgebrannten Stadt geflüchtet.
Der französischen Garnison wurde freier Abzug gewährt. Die Gefangenen wurden ausgetauscht, Geiseln gestellt, die Befestigungen geschleift und der Turm der Kaiserpfalz gesprengt und fast vollständig zerstört. Die bei der Kapitulation übergebenen 20 Tonnen Pulver wurden verwendet, um die Pfalz, Futtermauern und Stauwehre zu sprengen.
Folgen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem alliierten Sieg und dem klaren Bekenntnis zu seinem französischen Bündnispartner musste der Kölner Kurfürst nach weiteren Niederlagen (Kapitulation von Bonn 1703) ins Exil nach Frankreich flüchten. Die Stadt Kaiserswerth wurde dem Kurfürsten von der Pfalz Johann Wilhelm übergeben. Dieser gewährte den Bürgern ihre bisherigen Rechte und die freie Ausübung der katholischen Religion. Im Jahre 1714 fiel Kaiserswerth durch den Frieden von Rastatt an Kurköln zurück.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gaston Bodart: Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). Wien 1908, S. 125.
- L. Ennen: Frankreich und der Niederrhein oder Geschichte von Stadt und Kurstaat Köln seit dem 30jährigen Kriege bis zur französischen Okkupation. Köln 1856, S. 62 ff.
- J. Ostwald: Vauban Under Siege: Engineering Efficiency and Martial Vigor in the War of the Spanish Succession. Brill 2006. ISBN 978-90-04-15489-6. S. 141, 187, 243
- Bone: Belagerung von Kaiserswerth 1702; in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins 5 (1890) S. 161
- Michael Buhlmann, Kaiserswerth im spanischen Erbfolgekrieg (1701, 1713/14), Beiträge zur Geschichte Kaiserswerth – Reihe Neuzeit, Heft 2, 2017
- Max Braubach: Kriegerische Auseinandersetzungen um Kaiserswerth – 1. Von der Belagerung 1215 bis zum Bombardement 1689.; in: Heimat-Jahrbuch Wittlaer 36 (2015) S. 134-141, zuerst erschienen in: Düsseldorfer Jahrbuch 34 (1928) S. 137-154
- Max Braubach: Kriegerische Auseinandersetzungen um Kaiserswerth – 2. Die völlige Zerstörung Kaiserswerths im Jahre 1702; in: Heimat-Jahrbuch Wittlaer 37 (2016) S. 107-115
- B. A. Sören Lindner: Die Belagerung von Kaiserswerth im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714); Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, München 2011
- Edmund Spohr: Wichtigste kurkölnische Festung; in: Zimmermann, Christa-Maria; Stöcker, Hans (Hrsg.): Kayserswerth: 1300 Jahre Heilige, Kaiser, Reformer; Triltsch-Verlag 1981, S. 145–157
- Franz-Josef:Vogel: Die Belagerungen Kaiserswerths von 1689 und 1702 im Spiegel der zeitgenössischen Presse; Beiträge zur Geschichte Kaiserswerth, Heft 1, Museum Kaiserswerth (2011)
- Martin Klöffler, Totaliter ruinieret – Die Belagerung von Kaiserswerth 1702, Materialien zur Festungsforschung, 1. Auflage Hamburg 2025
- François Eugène de Vault; Jean Jacques Germain Pelet (Hrsg.): Mémoires militaires relatifs à la succession d'Espagne sous Louis XIV: 1702; tome II: Campagnes de Flandre, d’Italie et d’Allemagne en 1702, Paris 1836
- Samuel F. Seydel, Nachrichten über vaterländischen Festungen und Festungskriege von der Eroberung und Behauptung der Stadt Brandenburg bis auf gegenwärtige Zeiten – aufgesetzt für jüngere Krieger, Vierte Periode. Vom Bombardement Stralsunds, bis zur Belagerung von Kaiserwwerth im spanischen Erbfolgekriege, Leipzig 1824
- Jan Willem Wijn: Het tijdperk van de Spaanse Successieoorlog, 1702-1715; Het Staatse leger, 1568-1795, Deel VIII, Band 1: Inleiding en veldtochten van 1702-1705, 's-Gravenhage 1956
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Belagerung von Kaiserswerth 1702 (englisch)
- Historische Karte von 1702: Keiserswaart, aan den Rhijn, tusschen Duisburg en Dusseldorp: de Franschen ontweldigd, den 16 Jun. 1702. Amsterdam 1712 (Digitalisat)
- Augenzeugenbericht: Kein Stein war auf dem anderen geblieben – Die Zerstörung Kaiserswerths im Jahre 1702 ( vom 31. Mai 2002 im Internet Archive)