Beleidigung (Psychologie)

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Eine Beleidigung ist eine Aussage oder Handlung eines Senders, die das Ego bzw. den Stolz eines Empfängers mit negativen Emotionen assoziiert – der Kränkung – und somit herabwürdigt. Wenn der Empfänger (d. h. die beleidigte Person) ein geringes Selbstwertgefühl hat und die Aussage als Angriff auffasst, entsteht eine Angstreaktion und der Empfänger ist „beleidigt“. Diese Angst kann zu einem Gegenangriff (Wut), Flucht oder ohnmächtiger Erstarrung führen und auf Dauer Depressionen verursachen, falls der Empfänger mit der Situation überfordert ist.

Unterscheidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beleidigungen sind aufgrund des Attributionsfehlers sehr häufig. Hierbei wird eine Aussage mit positivem Motiv vom Empfänger als negativ aufgefasst. Hierbei gilt es im Wesentlichen, zwischen zwei Motiven zu unterscheiden:

  1. Das Aufmerksammachen auf eine Problemstellung, damit der Empfänger über das Problem nachdenken und reflektieren kann.
  2. Das bewusste Induzieren einer Angstreaktion im Empfänger, um den eigenen Status innerhalb einer sozialen Gruppe relativ zum Empfänger zu erhöhen.

Umgang mit Beleidigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es sich bei einer Beleidigung nicht um einen physischen Angriff handelt, ist eine Angstreaktion das falsche Verhalten. In der Gestalttherapie wird die Ursache-Wirkung-Relation aufgelöst, indem ein „du machst mir Angst“ oder „du machst mich wütend“ zu einem „ich mache mir Angst“ oder „ich mache mich wütend“ umgedeutet wird. Zudem hilft es, den Sachverhalt anzusprechen: „Während ich höre, dass du das sagst, mache ich mich wütend“.[1]

„Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.“

Unbekannt: Nina Stephanie Linz: Quotes. Abgerufen am 23. Juli 2014.

Als Nächstes gilt es, das Motiv des Senders zu erkennen. Wenn die Aussage dazu dienen soll, den Status des Senders innerhalb der Gruppe zu erhöhen, so hilft es, nicht emotional auf die Aussage zu reagieren, wodurch das Ziel der Induktion einer Angstreaktion verfehlt wird. Zudem kann die Aussage mit Hilfe von Rhetorik abgewehrt und damit der soziale Status des Empfängers relativ zum Sender aufgewertet werden.[2]

Ist das Motiv des Senders darin begründet, die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt zu leiten, um diesen zu verbessern, so sollte die Aussage als wertvolles Feedback begrüßt werden. Zudem hilft es, sich für eine ehrliche Aussage zu bedanken, was ebenfalls eine effektive Methode darstellt, um der Aussage ihre beleidigende Wirkung zu nehmen und gleichzeitig ehrliches Verhalten fördert.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffen Herrmann: Beleidigung. In: Christian Gudehus, Michaela Christ (Hrsg.): Gewalt. Ein interdisziplinäres Handbuch. Metzler, Stuttgart 2013, S. 110–115.
  • Jens Jessen: Warnung! Dieser Artikel kann Gefühle der Kränkung auslösen. In: Die Zeit. 20. Oktober 2016 (Online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Beleidigung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Beleidigung – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susan Campbell, Brad Blanton: Getting Real: The Ten Truth Skills You Need to Live an Authentic Life. H J Kramer, 2001, ISBN 978-0-915811-92-2, S. 232.
  2. Marcus Knill: Reagieren auf Beleidigungen. Abgerufen am 4. Oktober 2012.
  3. A. J. Jacobs: I Think You’re Fat. Abgerufen am 4. Oktober 2012.