Belgern-Schildau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Belgern-Schildau
Belgern-Schildau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Belgern-Schildau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 29′ N, 13° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 158,99 km2
Einwohner: 7889 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 04874, 04889Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text Vorlage:Infobox Verwaltungseinheit in Deutschland/Wartung/PLZ falsch
Vorwahlen: 034221, 034224Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text Vorlage:Infobox Verwaltungseinheit in Deutschland/Wartung/Vorwahl falsch
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 045
Stadtgliederung: 22 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 3
04874 Belgern-Schildau
Webpräsenz: www.belgernschildau.de
Bürgermeisterin: Eike Petzold (parteilos)
Lage der Stadt Belgern-Schildau im Landkreis Nordsachsen
ArzbergBad DübenBeilrodeBelgern-SchildauCavertitzDahlenDelitzschDoberschützDommitzschDreiheideEilenburgElsnigGroßtreben-ZwethauJesewitzKrostitzLaußigLiebschützbergLöbnitzMockrehnaMockrehnaMügelnNaundorfWiedemarOschatzRackwitzBelgern-SchildauSchkeuditzSchönwölkauMügelnTauchaTorgauTrossinWermsdorfWiedemarTorgauZschepplinWiedemarKarte
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Belgern-Schildau ist eine sächsische Stadt im Landkreis Nordsachsen. Die Stadt hat 7889 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015) und besteht aus 22 Ortsteilen. Gebildet wurde sie am 1. Januar 2013 aus dem Zusammenschluss der Städte Belgern und Schildau. Der Verwaltungssitz befindet sich in Belgern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belgern-Schildau erstreckt sich über eine Fläche von 159 km² zwischen der Elbe im Osten und dem nordwestlichen Ende der Dahlener Heide. Die Heide, von der große Flächen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind, trennt die beiden Hauptorte voneinander. Belgern-Schildau liegt etwa neun Kilometer südlich der Großen Kreisstadt Torgau. Die Große Kreisstadt Wurzen liegt vom Zentrum des Gemeindegebietes etwa 25 Kilometer entfernt. Bis nach Leipzig sind es etwa 45 Kilometer. Belgern liegt auf 156 m ü. NN, Schildau auf 127 m ü. NN.

An das Stadtgebiet grenzt im Nordwesten die Gemeinde Mockrehna, im Norden ist Torgau benachbart. Nordöstlich der Stadt liegt Arzberg. Im Osten grenzt Belgern-Schildau an die Stadt Mühlberg/Elbe aus dem brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Die südliche Begrenzung des Stadtgebietes bilden Cavertitz und Dahlen. Westlich der Stadt liegt die Gemeinde Lossatal aus dem Landkreis Leipzig.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Belgerner Rathaus, Verwaltungssitz der Stadt
Das Rathaus in Schildau wird als Außenstelle weiterbetrieben.

Zu Belgern-Schildau gehören folgende Ortsteile:

Neben den amtlichen Ortsteilen existieren noch eine Reihe Wüstungen auf dem Stadtgebiet, dies sind Baurik, Dölbitz, Förstchen, Heide, Katschitz, Krausnitz, Treblitzsch und Wölknitz. Zudem liegen Teile der Wüstungen Spauditz, Leiploch und Naundorf in den Gemarkungen der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte von Schildau und Belgern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roland zu Belgern

Belgern wird erstmals am 5. Juni 973 als civitas Belgora erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Weißer Berg“, was sich auf die Lage der Stadt bezieht. Schildau taucht erst gut 200 Jahre später in einer Urkunde von 1184 als civitas Schildoe auf. Civitas war im Mittelalter die gängige Bezeichnung für eine größere Stadt. Als oppidum werden kleinere Städte bezeichnet.[2] Als solches wird Belgern am 6. Mai 1286 in einer Schlichtungsurkunde bezeichnet. Für Schildau weisen Funde aus der Steinzeit auf frühzeitliche Besiedlung der Region hin. Im Jahr 1551 gab es in Belgern 122 und in Schildau 82 Häuser. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte die gesamte Region um Belgern und Schildau zum Amt Torgau im Kurfürstentum Sachsen. Zuvor war Belgern Sitz des Amts Belgern, das 1581 mit dem Torgauer Amt zusammengelegt wurde.

Nach dem Wiener Kongress musste Sachsen einen Großteil des Amtsgebietes an Preußen abtreten, das auf dem Gebiet den Kreis Torgau errichtete. Dieser hatte bis zur Auflösung der Länder in der DDR Bestand. Beide Städte waren durch die Unierten evangelischen Kirchen geprägt. In die Schildauer Kirche waren Schilderhain und Blankenau gepfarrt, zur Kirchgemeinde Belgern gehörten Korgitzsch, Ammelgoßwitz, Döbeltitz, Köllitsch, Mahitzschen, Ottersitz und Tauschwitz sowie Treblitzsch. Die Gemarkung Belgern hatte 1895 eine Fläche 1560 Hektar, auf der 2864 Menschen lebten. In Schildau waren 1361 Personen auf 1057 Hektar.[3][4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Gebiet unter sowjetische Besatzung und wurde wenige Jahre später Teil der DDR. In der Kreisreform 1952 wurde ein neuer Kreis Torgau eingerichtet, der dem Bezirk Leipzig angehörte. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde 1990 eine Volksabstimmung in Gang gesetzt, um die Zugehörigkeit des Kreises Torgau und seiner Gemeinden zu den neuen Bundesländern zu klären. Im Kreis Torgau entschied man sich für den Freistaat Sachsen. Wenig später folgten weitere verwaltungstechnische Änderungen, so wurde der Landkreis Torgau mit dem angrenzenden Landkreis Oschatz im Jahr 1994 zum Landkreis Torgau-Oschatz zusammengelegt. Er gehörte dem Regierungsbezirk Leipzig an, der in etwa mit dem DDR-Bezirk vergleichbar ist. Der Landkreis Torgau-Oschatz wiederum hatte nur 14 Jahre Bestand, er ging zum 1. August 2008 im Landkreis Nordsachsen auf, der aus der Fusion mit dem Landkreis Delitzsch gebildet wurde.

Die stark verschuldete Stadt Schildau wollte ursprünglich mit Torgau fusionieren[5], da zuvor gehandelte Vereinigungen mit Belgern, Mockrehna oder Dahlen im Stadtrat keine Mehrheit fanden.[6] Schließlich stimmte der Stadtrat doch der Fusion mit Belgern zu.[7] Damit konnte die Vereinigung zu Belgern-Schildau zum 1. Januar 2013 durchgeführt werden.

Die historisch gewachsenen Titel „Gneisenaustadt“ für Schildau und „Rolandstadt“ für Belgern fielen bei der Fusion vorerst weg. Den amtlichen Titel Gneisenaustadt trug Schildau seit 1952. Er leitet sich von dem Feldmarschall August Neidhardt von Gneisenau ab, der in Schildau geboren wurde. Belgern bekam den Beinamen wegen der zuerst hölzern und später steinern ausgeführten Rolandstatue. Der Roland befindet sich vor dem Belgerner Rathaus.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Eingemeindungen fanden 1950 statt, noch vor der großen Gebietsreform 1952. So wurden die Gemeinden Liebersee, Mahitzschen, Lausa und Wohlau durch Eingliederungen vergrößert. Die Gemeindestruktur blieb anschließend während der übrigen DDR-Zeit unverändert. Erst nach dem Beitritt zum Land Sachsen kam es wieder zu Gebietsänderungen in der Region. Die großen Eingemeindungswellen erlebten Belgern und Schildau in der Mitte der 1990er Jahre.

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Ammelgoßwitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Liebersee
Belgern 1. Januar 2013 Zusammenschluss zu Belgern-Schildau
Bockwitz 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern
Döbeltitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Mahitzschen
Kaisa 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Lausa
Kobershain 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Schildau
Lausa 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Belgern
Liebersee 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern
Mahitzschen 1. April 1993 Eingemeindung nach Belgern
Neußen 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Belgern
Oelzschau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau
Probsthain 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Schildau
Schildau 1. Januar 2013 Zusammenschluss zu Belgern-Schildau
Seydewitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau
Sitzenroda 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Schildau
Taura 1. Januar 1999 Eingemeindung nach Schildau
Wohlau 1. März 1994 Eingemeindung nach Belgern

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 41,8 %
 %
40
30
20
10
0
34,3 %
9,6 %
7,2 %
4,6 %
12,4 %
22,9 %
8,9 %

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 8 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft Torgau-Oschatz (FWG): 5 Sitze
  • GRÜNE: 3 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze
  • Freunde der Feuerwehr (FdF): 2 Sitze
  • SPD: 1 Sitz
  • FDP: 1 Sitz

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Belgern-Schildau

Das Wappen wurde am 25. April 2014 durch den Landrat des Landkreises Nordsachsen genehmigt.

Blasonierung: „In Grün auf goldenem Schildfuß eine silberne Kirche mit schwarzem Portal und Fenstern, vorn aus dem roten Dach wachsend ein silberner Rundturm mit zwei schwarzen Fensteröffnungen; hinten ein eckiges silbernes Türmchen, beide Türme mit rotem Dach und goldenem Knauf, dazwischen auf dem Dachfirst ein goldenes Kreuz; darüber schwebend an goldenem Band mit Quasten ein goldenes Hifthorn.“

Das Wappen, das vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet wurde, verbindet im Sinne von pars pro toto Elemente der Wappen der beiden namensgebenden Orte. Von Belgern kam das Hifthorn (frühe Form des Posthorns) in das Stadtwappen; von Schildau stammt die Kirche, die jetzt eine schwarze Pforte und schwarze Fenster hat und zudem auf goldenem Schildfuß steht (Anmerkung: Sowohl das Wappen von Belgern wie das von Schildau hatten geringfügige heraldische Abweichungen). Diese genannten Symbole stellen sich in einem grünen Schild dar, der sich an die Schildfarbe beider ehemaliger Stadtwappen anlehnt.[9]

Die Farben der Stadt sind: Rot-Weiß-Grün

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wird wie folgt beschrieben: Drei Streifen in den Farben Rot-Weiß-Grün (1:1:1) mit dem weiß konturierten Stadtwappen in der Mitte.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Schildau ist als wahrscheinlicher Herkunftsort der Schildbürger bekannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Belgerner Fähre

Durch Belgern verläuft die Bundesstraße 182, die die Stadt mit Torgau und Riesa verbindet. Mit einer Gierseilfähre wird Belgern zudem mit dem anderen Elbufer verbunden. Der Anschluss nach Brandenburg ist auch über eine Brücke zwischen den Ortsteilen Staritz und Seydewitz möglich. Die Bundesstraße 87 verläuft nördlich des Stadtgebietes und stellt die Verbindung zur Bundesautobahn 14 bei Taucha/Leipzig her. Von 1915 bis 1995 führte eine Bahnstrecke von Torgau nach Belgern. Auf dem Gemeindegebiet gab es zwei Bahnhöfe, einen in Mahitzschen und einen weiteren in Belgern, der zugleich Endstation war. Bis 1962 wurden sie regelmäßig von Personenzügen bedient. Auch Schildau hatte einen Bahnanschluss an die Hauptstrecke Leipzig–Cottbus, diese Stichbahn wurde bis 1971 im Personen- und Güterverkehr betrieben. Es gab zwei Bahnhöfe auf Gemeindegebiet – Probsthain und Schildau. Unmittelbar nach der Einstellung des Betriebs wurde die Strecke abgebaut.

Für den Radverkehr bedeutend ist der Elberadweg Prag–Hamburg, der an Belgern vorbeiführt. Schildau liegt an einer der Verbindungsspangen zwischen Elberadweg bei Belgern und Mulderadweg bei Wurzen. Außerdem ist Schildau Etappenort des Sächsischen Luther-Weges.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Belgern-Schildau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Hinweise zur Benutzung des Historischen Ortsverzeichnisses von Sachsen
  3. Belgern im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Schildau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Eileen Jack: Bringt eine Eingemeindung Schildaus nur Nachteile? In: Torgauer Zeitung, 6. Januar 2012
  6. Denise Kraut: Vier Optionen für die Schildauer. In: Torgauer Zeitung, 11. Juni 2010
  7. Eileen Jack: Historische Entscheidung im Schildauer Stadtrat. In: Torgauer Zeitung, 20. Oktober 2012
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  9. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Stadt Belgern-Schildau, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren. Hinterlegt bei der Stadtverwaltung Belgern-Schildau (Gutachten: Sächsisches Hauptstaatsarchiv).
  10. Jörg Mantzsch: Die Flagge der Stadt Belgern-Schildau, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt bei der Stadtverwaltung Belgern-Schildau (Gutachten: Sächsisches Hauptstaatsarchiv)