Belina (Sängerin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Belina (* 1925 bei Treblinka, Polen; † 12. Dezember 2006 in Hamburg; eigentlich Lea-Nina Rodzynek) war eine jüdische Folk-Sängerin. Sie beherrschte fließend sechs Sprachen und sang ihre Lieder, Chansons und internationale Folklore in Originaltexten in 20 verschiedenen Sprachen.

Leben und künstlerisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sängerin wurde als Lea-Nina Rodzynek in einem Dorf in der Nähe von Treblinka geboren. Früh zeigte sich ihr musikalisches Talent, das von den Eltern gefördert wurde. Die volkstümlichen und sakralen Gesänge in der Familie waren die ersten Impulse für ihre spätere künstlerische Tätigkeit. Als junge Frau floh Lea-Nina nach Deutschland, wo sie mit gefälschten Papieren und unter falschen Namen Arbeit in einer Fabrik fand. Als man den Schwindel entdeckte, wurde sie verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt, aus dem sie jedoch fliehen konnte. Es gelang ihr, sich bis zum Ende des Nationalsozialismus versteckt zu halten. Erste Station in der Freiheit war Paris. Dort tingelte sie als Sängerin durch die vielen Kellerlokale. Man nannte sie den Schwarzen Engel vom Montparnasse.

1954 ging die Künstlerin in die Schweiz. Dort arbeitete sie als Kosmetikerin und ließ ihre Stimme ausbilden. Sie hatte kleine Fernseh- und Hörfunkauftritte und unternahm eine Tournee durch die Provinz. 1954 erhielt sie ein Engagement am Jiddischen Theater in Paris, und es erschienen erste Schallplatten von ihr. Erfolgreich jedoch wurde sie erst in Deutschland. Der Regisseur Truck Branss widmete ihr 1962 seine erste Personality-Show Belina - Porträt einer Sängerin[1] (es folgten u.a. Hildegard Knef, Françoise Hardy, Alexandra). Der komplizierte Name wurde gekürzt in Belina.

Bei den Dreharbeiten zu der Fernsehsendung lernte sie den populären Konzertgitarristen Siegfried Behrend (1933–1990) kennen, der 1962 in Berlin mit ihr eine Folk-Session veranstaltete (davon zeugt die LP 24 SONGS AND ONE GUITAR). Die beiden waren Gast in mehreren Fernsehsendungen (z. B.: Lieder am Kamin). Auch der Film zeigte an der Künstlerin Interesse. Sie spielte die Rolle einer Sängerin in dem Krimi Das Geheimnis der schwarzen Witwe (1963), mit Karin Dor, O. W. Fischer, Klaus Kinski u.a.m. Mitte der 1960er Jahre erschien die unbekannt gebliebene LP Wenn die Jidden lachen mit jiddischen Liedern und Witzen (interpretiert von Jens Brenke).

1964/1965 unternahmen sie eine frenetisch umjubelte Konzerttournee durch 120 Länder. Diese wurde zu einem wahren Triumphzug und die Presse überschlug sich förmlich vor Begeisterung. Es waren vor allem die jiddischen Lieder, die durch den biografischen Hintergrund und durch die dunkle Stimme Belinas besonderen Eindruck hinterließen.

Nachdem sich Siegfried Behrend von Belina getrennt hatte, nahm die Künstlerin nur noch wenige Angebote als Solistin an. Sie hatte noch einige Auftritte zusammen mit dem Gitarristen Roberto Legnani, wandte sich aber verstärkt der Schauspielerei zu. Große Erfolge feierte sie als Polly in der Dreigroschenoper. 1981 spielte Belina mit dem Gitarristen Ladi Geisler - prägender Sound-Geber des Orchester Bert Kaempfert - die LP Meine Fantasie ein, die völlig der Vergessenheit anheimfiel. Ihr Abschiedskonzert gab sie 1993 in Hamburg.

Belina war Mutter eines Sohnes. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg beigesetzt.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die schönsten Lieder der Welt (Sonderfertigung der Electrola für HÖR ZU, HZE 130, ca.1964)
  • Jiddish Songs "Es brennt" (Columbia)
  • 24 SONGS AND ONE GUITAR (Columbia)
  • MUSIC AROUND THE WORLD (Columbia)
  • Jeder träumt seine eigenen Träume (Columbia)
  • Lieder der Welt (Columbia)
  • Meine Fantasie (RCA)
  • Wenn die Jidden lachen (Odeon)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heino Eggers: Belina - Siegfried Behrend. Mit der Gitarre um die Welt. Berlin 1965
  • Helmut Richter: Siegfried Behrend 1933-1990. Stationen. Oberhausen 2000

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.youtube.com/watch?v=Tb4QNCkjjLg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]