Bellersdorf

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Bellersdorf
Gemeinde Mittenaar
Koordinaten: 50° 40′ 9″ N, 8° 25′ 32″ O
Höhe: 342 (332–354) m
Fläche: 1,19 km²[1]
Einwohner: 360 (30. Jun. 2012)[2]
Bevölkerungsdichte: 303 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 35756
Vorwahl: 06444
Karte
Lage von Bellersdorf in Mittenaar

Bellersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Mittenaar im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt südlich des Hauptortes Bicken in der Nähe von Altenkirchen und Bermoll. Bellersdorf ist der einzige Ort, der nicht am Rand, sondern mitten in der Hörre liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellersdorf wurde erstmals im Jahre 1294 urkundlich erwähnt. Doch das Dorf blieb aus unbekannten Gründen für mehrere Jahrhunderte (ca. 1520–1699) unbewohnt. Man vermutet, dass auch hier die Pest gewütet oder der Krieg die Einwohner zum Wegzug gezwungen hat.

Erst im Jahre 1699 siedelten sich vereinzelte Familien mit Erlaubnis des Grafen Ludwig von Hohensolms wieder in Bellersdorf an. Die Einwohner lebten bis in die jüngere Vergangenheit von Landwirtschaft und Handwerk.

Erst nach dem letzten Krieg, als die einsame Lage durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse kein Hindernis mehr darstellte, setzte ein großer Aufschwung ein. Durch bedeutende Erfolge im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden wurde Bellersdorf überregional bekannt. Die günstige Lage, die Ruhe und das Fehlen des Durchgangsverkehrs haben Bellersdorf zum Ortsteil mit der höchsten Wohnqualität gemacht. Man kann dort sehr gut wandern, da es zu dem an ein Naturschutzgebiet grenzt.

Im Jahr 1965 wurde etwa 1,5 km nördlich des Ortes im Wald ein Atomwaffenlager errichtet, das bis 1992/93 bestand und gemeinsam von deutschen und amerikanischen Soldaten aus der Aartalkaserne bewacht wurde.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bellersdorf wurde am 1. April 1972 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Mittenaar eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Bellersdorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

  • vor 1351: Heiliges Römisches Reich, Haus Solms (Gemeinsamer Besitz der Linien Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Solms-Königsberg)
  • ab 1351: Heiliges Römisches Reich, Grafschaften Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Landgrafschaft Hessen
  • ab 1415: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg
  • ab 1432: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg
  • ab 1622: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen(-Darmstadt) (4/8), Grafschaften Solms-Hohensolms (3/8) und Solms-Lich (1/8), Gemeinschaftsamt Hohensolms und Königsberg
  • ab 1629: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms (3/4) und Grafschaft Solms-Lich (1/4), Amt Hohensolms
  • ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms
  • ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms
  • ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Hohensolms
  • ab 1816: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels, Amtsbürgermeisterei Hohensolms
  • ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms
  • ab 1866: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms
  • ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms
  • ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms
  • ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
  • ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar
  • ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
  • ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
  • ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar.
  • am 1. April 1972 wurden beide Orte in der neu gegründeten Gemeinde Mittenaar eingegliertet.
  • ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis
  • ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellersdorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
136
1840
  
149
1846
  
134
1852
  
141
1858
  
131
1864
  
132
1871
  
93
1875
  
99
1885
  
117
1895
  
134
1905
  
111
1910
  
148
1925
  
165
1939
  
188
1946
  
266
1950
  
271
1956
  
264
1961
  
277
1967
  
292
1970
  
302
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1834: 136 evangelische Einwohner
• 1961: 250 evangelische (= 90,25 %), 27 katholische (= 9,75 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnenlinde

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Bellersdorf, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Daten und Fakten“. Gemeinde Mittenaar, archiviert vom Original am 6. Oktober 2015; abgerufen am 21. September 2015.
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 306
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).