Bellinghoven

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Dieser Artikel behandelt den Stadtteil von Erkelenz. Zur deutschen Fußballspielerin siehe Christina Bellinghoven.

Koordinaten: 51° 3′ 53″ N, 6° 19′ 39″ O

Bellinghoven
Stadt Erkelenz
Höhe: 93 m
Einwohner: 370 (31. Mrz. 2015)
Postleitzahl: 41812
Vorwahl: 02431
Bellinghoven (Nordrhein-Westfalen)
Bellinghoven

Lage von Bellinghoven in Nordrhein-Westfalen

Bellinghoven ist ein Dorf im Stadtgebiet von Erkelenz, Kreis Heinsberg, in Nordrhein-Westfalen und liegt in der Erkelenzer Börde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden grenzt Bellinghoven an die Kernstadt Erkelenz, im Nordosten an Wockerath, im Osten an Kückhoven, im Südosten an Neu-Immerath, im Südwesten an Tenholt und im Westen an den Industrie- und Gewerbepark Commerden. Der Wahnenbusch, ein Waldgebiet, liegt im Süden von Bellinghoven.

Zwischen Bellinghoven und Kückhoven entsteht seit 2006 der neue Stadtteil Neu-Immerath, dieses Dorf wird durch den Braunkohletagebau Garzweiler von seinem alten Standort verdrängt.

Siedlungsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellinghoven ist ein Platzdorf. Bei dieser Dorfform sind die Häuser und Bauernhöfe um einen zentral gelegenen Platz angelegt. Hierdurch wird der Grundriss des Dorfes bestimmt. In Bellinghoven befindet sich auf dieser Freifläche der im Panoramafoto erkennbare Weiher.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1801 1822 1861 1905 1925 1935 1950 1967 1986 1990 2005 2007 2008 2009 2010
Ew 162 187 195 260 313 290 304 391 366 430 359 385 381 384 374

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Bellinghoven liegen in der Feldflur drei Fundplätze römischer Ziegel und Keramik, die Überbleibsel römischer Bauernhöfe, den villae rusticae.

Bellinghoven wurde zur Zeit der Spätmerowinger oder Frühkarolinger gegründet, wie das Suffix -ing im Ortsnamen anzeigt.

Erstmals schriftlich wird der Ort am 18. März 1309 in einer Urkunde erwähnt. Das Dorf gehört seit dem Mittelalter zur nahen Stadt Erkelenz, das zum Herzogtum Geldern gehörte. Die Bauernhöfe waren ursprünglich im Eigentum des Aachener Marienstiftes. Erkelenzer Schöffen aus den Familien Middelman, Udmann und Haen waren mit eingen dieser Höfe belehnt. 1537 wurde laut Lehnsregister Mathias Baux Secretaris to Erkelentz mit einem Hof belehnt. [1]

1566 wurde Frens van Bellinghoven von Nachbarn beim Vogt von Erkelenz als Hexe denunziert. Ihre Unschuld galt als erwiesen, nachdem sie zweimal der Folter, dem peinlichen Verhör, widerstand. Das Erkelenzer Schöffengericht und das nächst höhere Gericht in Roermond erkannten ihre Forderung auf Schadensersatz, die ihre Nachbarn zu zahlen hatten, an. [2]

1655 brennen während des Französisch-Spanischen Kriegs französische Soldaten ein Haus nieder.[3]

1907 wird das Dorf an das Wasserwerk angeschlossen und 1911 an das Stromnetz.

Im Ersten Weltkrieg „fallen“ fünf Soldaten aus dem Dorf.

1931 wird eine Poststelle mit einer öffentlichen Fernsprechstelle eingerichtet, 1970 wird sie geschlossen.

Am 26. Februar 1945 wurde Bellinghoven um 15.00 Uhr von amerikanischen Soldaten des 1. Bataillons des 407. Regiments der 102. Infanteriedivision der 9. US-Armee im Zuge der Operation Grenade eingenommen.[4] [5] Im Zweiten Weltkrieg beläuft sich die Zahl der Kriegstoten aus Bellinghoven auf 18 Personen, Soldaten und Zivilisten, darunter eine Frau.

2009 wurde im Dorf die Ausstellung 700 Jahre Bellinghoven präsentiert.[6]

2015 erhält Bellinghoven den Anschluß an Glasfaser.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1828, nach Einführung der Schulpflicht in Preußen, besuchten die Kinder aus Bellinghoven die Schule in Tenholt. Erst 1865 erhielt das Dorf eine eigene Schule, hierzu wurde zunächst ein Wohnhaus angemietet. 1869 wurden am Ortsrand ein Schulgebäude und ein Wohnhaus für den Lehrer errichtet. 1870 wurde die Schule eingeweiht. Für alle Klassen fand der Unterricht in einem Raum statt und wurde von nur einem Lehrer geleitet. Diese Volksschule existierte bis 1968. Das Dorf gehörte nun zum Grundschulbezirk von Kückhoven. Die älteren Jahrgänge der Bellinghovener Schule wechselten zur Hauptschule nach Erkelenz.

Im Schulgebäude befindet sich heute eine Ausbildungsstätte der Kreishandwerkerschaft. Bei Wahlen dient es der Bevölkerung als Wahllokal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Maar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der fast kreisrunde Weiher, die Maar genannt, prägt mit seiner Insel das Ortsbild. Die früheste schriftliche Erwähnung der Mair stammt aus dem Jahr 1494.

Waren früher solche Maare in den Ortschaften des Erkelenzer Landes häufig anzutreffen - selbst die Stadt Erkelenz hatte eine solche, dort, wo sich heute der Franziskanerplatz befindet - so existiert heute nur noch in Bellinghoven ein solches Gewässer. Im benachbarten Jülicher Land weist Hottorf gleichfalls noch eine Maar auf. Sie sind nicht wie die Eifeler Maare vulkanischen Ursprungs.

Diese Wasserflächen hatten unterschiedliche Funktionen, sie waren Löschwasserteich, Viehtränke und Pferdeschwemme, Fischteich und dienten zur Haltung von Hausenten und -gänse. Wenn sie im Winter zugefroren waren, sägten Eisschneider das Eis in Blöcke und verwendeten es in Eiskellern zur Kühlung. Eine Nutzung als Flachsröste kann wegen der dort auftretenden Fäulnisgase ausgeschlossen werden.

Schon immer wurde in Bellinghoven die Maar auch für Freizeitaktivitäten genutzt, im Winter zum Schlittschuhlaufen und im Sommer zum Kahnfahren. Der Rasen an der Maar wird von den Vereinen als Festplatz genutzt. Auch der Maibaum der Dorfjugend wird hier alljährlich aufgestellt. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Eine historische Wasserpumpe erinnert an die Zeit vor Einführung der Wasserleitung und eine Mispel, die Geldernsche Rose, an das 700-Jahr-Jubiläum des Dorfes.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karnevalssitzung (BKG)
  • Maibaumsetzen (Böllerclub)
  • Sommerfest (Vereinsgemeinschaft)
    • Die Veranstalter haben die traditionellen sommerlichen Freizeitmöglichkeiten, die die Maar bietet, aufgenommen und zu zwei Varianten ausgebaut. Es sind die Hauptattraktionen des Sommerfestes.
      • Beim Wasservehikelrennen, erstmals 1984 veranstaltet, müssen die Teilnehmer selbstgebaute Muskelkraftbetriebene Fahrzeuge benutzen, die möglichst bootsunähnlich sind. Gebaut werden diese Vehikel teilweise im Stil von Tretbooten oder Amphibienfahrrädern. Manche werden geschmückt und mit einem Motiv gestaltet wie die Umzugswagen beim Karneval oder Blumenkorso, manche bestehen auch nur aus einer Badewanne oder sind ein Floß. Das Wasservehikelrennen ist eine Weiterentwicklung der Badewannenrennen. Die Prämierung erfolgt nach Schönheit und Schnelligkeit.
      • Die Wasserspiele, erstmals 1988 veranstaltet, werden im Stil der Spiel ohne Grenzen oder Takeshi’s Castle durchgeführt. Bei dem Wettbewerb auf der Maar sollen so wenige Teilnehmer wie möglich trocken bleiben.
  • Sankt Martin (Komitee)
  • Seniorennachmittag (Kapellenverein)

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand 2015) Direkt am Weiher befindet sich das Hotel und Restaurant Schwanenhof. Im Dorf bestehen drei Reiterhöfe. Ein Hofladen bietet regionale Produkte an. Das Dorf weist nur noch zwei Bauernhöfe im Vollerwerb auf, 1963 gab es hingegen elf Höfe. [7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrrad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Radweg führt von Lövenich über Bellinghoven, endet aber kurz vor Erkelenz. Die Mispelbaumtour verläuft durch das Dorf, sie verbindet alle Erkelenzer Ortschaften, die zum Herzogtum Geldern gehörten.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Erkelenz der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach ist innerhalb von 20 Minuten zu Fuß zu erreichen.

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird von der AVV-Linie EK 3 Keyenberg–Erkelenz angefahren.

Autobahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesautobahn 46 ist über die zwei Anschlussstellen Erkelenz Ost und Erkelenz Süd zu erreichen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das südliche Stadttor der Stadt Erkelenz wurde Kölner Tor und auch Bellinghover Tor genannt.

Jenseits der Stadtmauern Richtung Wockerath befand sich ehemals die Bellinghover Mühle, eine Windmühle, die um 1910 abgebrochen worden ist.

Beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden gewann Bellinghoven bisher viermal den Titel auf der Kreisebene und 1967 einen Sonderpreis auf der Landesebene.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bellinghovener Kapellengemeinde, in Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Band 23, Erkelenz 2009, S. 338 - 342

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duisburg, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland, Aachen, St. Marien, Akten Nr. 17, fol. 35v.
  2. Gerard Venner: Die Roermonder Haupturteile für das Erkelenzer Stadtgericht, (=Studien zur Geschichte der Stadt Erkelenz vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit, hg. von der Stadtverwaltung anläßlich der 650-Jahr-Feier der Stadt Erkelenz (Schriftenreihe der Stadt Erkelenz 1), Köln 1976)
  3. Jakob Werth, Der Krieg zwischen Linnich und Erkelenz – 1655 am 14. und 15. Oktober, in: Rur-Blumen, Jg. 1924, Nr. 27
  4. Allan H. Mick: With the 102nd Infantry Division Through Germany. Infantry Journal Press, Washington April 1947, ISBN 978-0898390452, Czechoslovakia 1945.
  5. Hubert Rütten: Das Kriegsende im Erkelenzer Land aus amerikanischer Sicht. In: Aus der Geschichte des Erkelenzer Landes. Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Nr. 24, Erkelenz 2010
  6. http://www.aachener-zeitung.de/lokales/kreis-heinsberg/seit-700-jahren-belceckhoven-1.325478
  7. Bellinghovener Schulchronik 1948-1968, niedergeschrieben von Lehrer Johannes Maßen