Bellnhausen (Fronhausen)

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Bellnhausen
Gemeinde Fronhausen
Koordinaten: 50° 42′ 18″ N, 8° 43′ 14″ O
Höhe: 176 m ü. NHN
Fläche: 3,27 km²[1]
Einwohner: 425 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35112
Vorwahl: 06426
Der unmittelbar an der Lahn liegende alte Ortskern, von der Bogenbrücke aus gesehen.

Bellnhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Fronhausen im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Ein gleichnamiger Stadtteil von Gladenbach liegt nicht weit entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bellnhausen erfolgte unter dem Namen Bedelnhusen im Jahr 1254 in einer Urkunde des Klosters Haina.[1] im Jahr 1467 zählte der Ort 14 Hausgesesse (männliche Haushaltsvorstände).

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1634 und 1636 durch kaiserliche Truppen geplündert. 1681 wurden 28 Hausgesessene gezählt. 1686 gehörte Bellnhausen zu den Orten des Amtes Fronhausen.

1750 erfolgte der Bau eines Steges über die Lahn, 1759 Errichtung einer Zollstelle.

1842 wurde der Lahn–Steg wird durch eine breitere Holzbrücke ersetzt, 1877 eine neue Steinbrücke über die Lahn gebaut.

Die Einwohnerzahl im Jahr 1939 betrug 340. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg sie durch Zuzug Heimatvertriebener auf 450.

Seit der Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolge am 1. Juli 1974 durch Landesgesetz der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Bellnhausen, Erbenhausen, Fronhausen mit Sichertshausen, Hassenhausen, Holzhausen und Oberwalgern zur neuen Großgemeinde Fronhausen.[3] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Fronhausen wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[4]

Im Jahr 2004 feierte Bellnhausen sein 750-jähriges Bestehen mit einer Fotoausstellung, einem Osterfeuer, Grenzgängen und einer Festwoche.

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Bellnhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Bellnhausen zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Fronhausen 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bellnhausen 425 Einwohner. Darunter waren 15 (3,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 60 Einwohner unter 18 Jahren, 165 zwischen 18 und 49, 126 zwischen 50 und 64 und 87 Einwohner waren älter.[13] Die Einwohner lebten in 189 Haushalten. Davon waren 54 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 63 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 129 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[13]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1467: 14 Hausgesesse
• 1577: 31 Hausgesessene
• 1630: 28 Hausgesessene (6 zweispännige, 10  einspännige Ackerleute, 12  Einläuftige).
• 1681: 28 hausgesessene Mannschaften
• 1744: 250 Einwohner
• 1838: 278 Einwohner (Familien: 44 nutzungsberechtigte, 6 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 6 Beisassen)
• 1886: 300 Einwohner
• 1925: 341 Einwohner
• 1939: 340 Einwohner
• 1950: 480 Einwohner
• 1961: 368 Einwohner
• 2011: 435 Einwohner

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch
• 1885: 300 Einwohner, davon 283 evangelische (= 94,33 %), kein katholischer, 17 andere Christen (= 5,67 %)
• 1961: 321 evangelische (= 60,34 %), 40 römisch-katholische (= 7,52 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1744: Erwerbspersonen: 4 Strumpfweber, 1 Bäcker, 1 Schneider, 1 Drechsler, 2 Zimmermeister, 12 Leineweber, 1 Maurer, 2 Schmiede, 2 Schäfer, 1 Wirt, 38 Korbmacher, 10 Tagelöhner.
• 1838: Familien: 40 Ackerbau, 3 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 88 Land- und Forstwirtschaft, 56 Produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert in Bellnhausen sind die alte Steinbrücke und das Bürgerhaus, sowie der 1853 vom Bergmann Gustav Lentz in den Fels gehauene Felsenkeller.

Die Bellnhäuser Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellnhausen wurde neben der Landwirtschaft über Jahrhunderte durch die Lage am Frankfurter Weg[14][15], einer wichtigen Fernhandelsstraße von Frankfurt am Main nach Bremen über Kassel geprägt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. verlor diese für den Ort an Bedeutung, da der Fernverkehr durch die Main-Weser-Bahn jetzt durchs benachbarte Fronhausen (Lahn) geprägt wurde. Heute liegt der Ort an der Bundesstraße 3, die bis 1994 noch mitten durch den Ort verlief.[16] Durch den Rückbau der alten B 3 hat der Ort seinen Charakter als Fachwerkdorf mit idyllischen Ecken wieder zurückerhalten,[17] auch der Lahntalradweg führt über die alte Lahnbrücke und weiter auf der alten B 3 zum Nachbarortsteil Sichertshausen in Richtung Gießen.

Im Hauptort Fronhausen an der Lahn hält die Main-Weser-Bahn, mit teilweise umsteigefreier Verbindung bis Frankfurt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bellnhausen (Fronhausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Bellnhausen (Lahn), Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 19. Mai 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Daten und Fakten im Internetauftritt der Gemeinde Fronhausen (Memento vom 21. August 2015 im Webarchiv archive.today), abgerufen im August 2015
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Hauptsatzung. (PDF; 122 kB) § 4. In: Webauftritt. Gemeinde Fronhausen, abgerufen im September 2021.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 385 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Die Zugehörigkeit des Amtes Fronhausen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  8. {{Literatur |Titel=Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818 |Verlag=Verlag d. Waisenhauses |Ort=Kassel |Datum=1818 |Seiten=112 |Online={{Google Buch |BuchID=eYQAAAAAcAAJ |SeitenID=RA3<ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 28 und 66;.
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 223-224
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D237~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20221%E2%80%93224~PUR%3D)
  13. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 28 und 66;.
  14. Frankfurter Weg auf www.kreuzstein.eu
  15. Frankfurter Weg im geschichtlichen Atlas Hessen (Landstraßen 16.–18. Jahrhundert). Geschichtlicher Atlas von Hessen. (Stand: 1994). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  16. Geschichtlicher Überblick im Internetauftritt der Gemeinde Fronhausen (Memento vom 30. Juni 2013 im Webarchiv archive.today)
  17. Regionalentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ 2008 (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive), Landkreis Marburg-Biedenkopf, abgerufen am 5. Februar 2014.