Belohnungsaufschub

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Belohnungsaufschub (auch Gratifikationsaufschub) ist ein Begriff aus der Psychologie und bedeutet, dass die Belohnung nicht sofort, sondern verzögert erfolgt. Dabei wird auf eine sofortige und anstrengungslose, kleinere Belohnung zu Gunsten einer größeren Belohnung in der Zukunft verzichtet. Diese kann allerdings entweder erst durch Warten oder durch vorherige Anstrengung erlangt werden.

Marshmallow-Test[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bekanntes Experiment zu Impulskontrolle und Belohnungsaufschub wurde in den 1960er Jahren durch Walter Mischel durchgeführt. Es ist als Marshmallow-Test vor allem durch Daniel Golemans Buch EQ. Emotionale Intelligenz bekannt geworden. Dabei bekamen vierjährige Kinder ein Marshmallow (Süßigkeit) sofort und wurden vor die Wahl gestellt, es entweder gleich zu essen oder ein zweites zu bekommen, wenn sie einige Minuten warten konnten, ohne das erste Marshmallow zu essen.

In einer Längsschnittstudie fand Mischel heraus, dass die Fähigkeit zu Impulskontrolle und Belohnungsaufschub ein verlässlicher Prädiktor für späteren akademischen Erfolg und eine Reihe positiver Persönlichkeitseigenschaften ist.[1][2][3]

Neurobiologische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub wurde beim Menschen durch Vergleich von Ausfällen nach Gehirnverletzungen (z. B. Schlaganfall) und durch bildgebende Verfahren bei Gesunden untersucht. Beteiligt ist demnach ein Netzwerk verschiedener Gehirnregionen, bei dem jedoch der mediale orbitofrontale Cortex (mOFC) eine zentrale Rolle spielt. Schäden in diesem Bereich führen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass eine sofortige, kleine Belohnung gewählt wird. Es wird vermutet, dass dieser Gehirnbereich an der Folgenabschätzung oder zukunftsbezogenem Vorstellungsvermögen beteiligt ist.[4]

Verwandte Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belohnungsaufschub wird teilweise synonym mit den Begriffen Impulskontrolle, Selbstdisziplin und Selbstkontrolle verwendet. Alle diese Begriffe beschreiben dabei unter anderem die Fähigkeit, auf eine kleinere, unmittelbare Belohnung zu Gunsten einer größeren Belohnung in der Zukunft zu verzichten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Mischel: The Marshmallow Test: Mastering Self-Control, Little Brown, New York 2014, ISBN 0316230855.
    • Walter Mischel: Der Marshmallow-Test: Willensstärke, Belohnungsaufschub und die Entwicklung der Persönlichkeit, Siedler Verlag, München 2015, ISBN 9783641119270.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Mischel: The Marshmallow Test: Mastering Self-Control, Little Brown, New York 2014, ISBN 0316230855. Deutsch: Der Marshmallow-Test: Willensstärke, Belohnungsaufschub und die Entwicklung der Persönlichkeit, Siedler Verlag, München 2015, ISBN 9783641119270.
  2. Tomasz Kurianowicz: Marshmallow-Test: Nimm mich! Rezension in FAZ, 5. November 2014.
  3. Jonah Lehrer: DON’T! The secret of self-control. In: The New Yorker. 18. Mai 2009 (Online [abgerufen am 20. Dezember 2010]).
  4. Manuela Sellitto, Elisa Ciaramelli, Giuseppe di Pellegrino: The neurobiology of intertemporal choice: insight from imaging and lesion studies. In: Reviews in the Neurosciences. Band 22, Nr. 5, 2011, ISSN 0334-1763, S. 565–574, doi:10.1515/RNS.2011.046, PMID 21967518.