Beloi

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Beloi
Küste beim Ort Beloi.
Der Suco Beloi bildet das Zentrum der Insel Atauro. Der Ort Beloi liegt an der Ostküste des Sucos (Grenzen von vor 2015).
Daten
Fläche 54,60 km²[1]
Einwohnerzahl 1.678 (2015)[1]
Chefe de Suco Alberto Soares
(Wahl 2009)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Adara 452
Arlo
Maquer 545
Usubemaço 681
Beloi (Osttimor)
Beloi
Beloi
Koordinaten: 8° 13′ S, 125° 36′ O

Beloi ist ein osttimoresischer Ort und Suco im Verwaltungsamt Atauro (Gemeinde Dili).

Der Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beloi mit dem Mano Côco im Hintergrund (Ostküste).

Der Ort Beloi liegt an der Ostküste des Sucos. Der Ort liegt auf einer Meereshöhe von m. Hier befindet sich ein kleiner Hafen,[2] ein Hubschrauberlandeplatz für Notfälle und eine Grundschule,[3] die Escola Primaria Ossu Bemasu.[4] Sie liegt im gleichnamigen Ortsteil Usubemaço (Usubemasu, Ossu Bemasu), im Süden von Beloi.[5]

Von der Landeshauptstadt Dili aus erreicht einmal wöchentlich eine Fähre nach drei Stunden Fahrt Beloi. Bei Ankunft und Abfahrt der Fähre wird am Hafen ein kleiner Markt abgehalten.[6]

Der Suco[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beloi
Orte Position[7] Höhe
Adara 8° 12′ S, 125° 34′ O 236 m
Arlo 8° 11′ S, 125° 35′ O 268 m
Atecru 8° 13′ S, 125° 32′ O 35 m
Beloi 8° 13′ S, 125° 36′ O m
Maquer 8° 15′ S, 125° 31′ O ?
Eucalyptus alba-Bäume am Weg von Beloi nach Adara.
Ortsmitte in Beloi
Hauptstraße in Beloi
Markt am Fähranleger

In Beloi leben 1.678 Einwohner (2015), davon sind 829 Männer und 849 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 30,7 Einwohner/km². Im Suco gibt es 325 Haushalte.[1] Im Suco wird von über 50 % der Einwohner der Dialekt Rahesuk gesprochen, der zur Nationalsprache Wetar (auch Atauru oder Adabe) gehört. Über 37 % sprechen den Wetar-Dialekt Raklungu und über 4 % den Dialekt Resuk. Über 6 % sprechen als Muttersprache die Amtssprache Tetum Prasa und eine kleine Minderheit Tetum Terik.[8] Ungewöhnlich für das mehrheitlich katholische Osttimor sind die mehrheitlich protestantischen Bewohner, hier im nördlichen Atauro. Sie wurden von der Nachbarinsel Alor aus durch niederländische Calvinisten im 20. Jahrhundert missioniert.

Der Suco bildet das nördliche Zentrum der Insel. Nördlich liegt der Suco Biqueli, südlich die Sucos Macadade, Maquili und Vila Maumeta. Die Westküste liegt an der Straße von Ombai, die Ostküste an der Straße von Wetar. Westlichster Punkt des Sucos ist das Kap Ponta Tutolo.[5] Vor der Gebietsreform 2015 hatte Beloi eine Fläche von 62,49 km².[9] Nun sind es 54,60 km².[1] Im Norden wurden Gebiete an Biqueli abgegeben, unter anderem das Kap Ponta Mano Tala an der Westküste. Auch die Grenze zu den Nachbarsucos im Süden wurde neu gezogen.[10]

Eine asphaltierte Straße verbindet Beloi an der Ostküste mit Mau-Meta im Süden und Biqueli im Norden. Im Norden liegt der Ort Arlo und etwas weiter südlich an der Westküste das Dorf Adara. Nah dem Ponta Tutolo befindet sich der Ort Atecru (Atekru) und ebenfalls an der Westküste, an der Grenze zum Suco Macadade, das Dorf Maquer (Maker). In Adara befindet sich eine medizinische Station, Atecru und Maquer verfügen über Grundschulen.[3] Ein Landungssteg ermöglicht es der Fähre aus Dili hier anzulanden. Sie fährt diese Strecke jeden Samstag und benötigt für den einfachen Weg zweieinhalb Stunden. Das Beloi Beach Hotel bietet Touristen eine Übernachtungsmöglichkeit.

Die Landschaft um den Ort Beloi ist geprägt von Eukalyptusbäumen (Eucalyptus alba), im Flachland finden sich aber immer mehr Palmen. Bei Adara ist der Strand durch ein Riff eingefasst. Nach einer schmalen Küstenebene steigt das Land in Stufen an. Das Land ist hier von tropischem Trockenwald bedeckt. Ähnlich sieht es um Atecru aus. Auch hier liegt vor der Küste ein Riff, nach der schmalen Küstensavanne folgt der Trockenwald auf den höheren Lagen.[2]

Im Suco befinden sich die vier Aldeias Adara, Arlo, Maquer und Usubemaço.[11]

In Adara leben die Wawata Topu (deutsch Taucherinnen), Frauen, die mit Harpunen und Schwimmbrillen unter Wasser auf Fischjagd gehen.[12]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felszeichnungen in einer Höhle bei Atecru wurden auf ein Alter von etwa 8.000 Jahre datiert, die dortigen Besiedlungsspuren schätzten Archäologen unter Leitung des Franzosen Jean-Christophe Galipaud sogar auf ein Alter von 18.000 Jahre. In Arlo fanden die Forscher die Spuren von Dörfern, die vor 2.500 bis 3.000 Jahren bewohnt wurden. Die Felsmalereien zeigen unter anderem Krokodile und Meeressäuger zeigen. Ein Bild zeigt die Jagd auf einen Wal. Aus Osttimor sind sonst keine solche Darstellungen auf Felsmalereien bekannt.[13]

1999 schützte auch die abgelegene Lage Atauros die Bewohner vor den pro-indonesischen Milizen, die den Rest Osttimors während der indonesischen Operation Donner verwüsteten. Der lokale indonesische Armeekommandant drohte zwar mit der Ermordung von fünf Unabhängigkeitsbefürworter und dem Niederbrennen von Häusern, doch Victor Manuel Alves, ein ehemaliger Angehöriger der portugiesischen Armee und Unabhängigkeitsaktivist zahlte ein Bestechungsgeld von 90 Millionen Rupien, um das zu verhindern. Alves erhielt dafür auch drei Gewehre vom Typ G3. Am 20. September zogen die letzten indonesischen Soldaten von Atauro ab, ohne Gewalt anzuwenden. Bis zum Eintreffen der INTERFET-Truppen entstand aber ein Machtvakuum, in dem sich pro-indonesische Gruppen und Unabhängigkeitsbefürworter gegenüber standen. Am 23. September wurde eine Zusammenkunft am Strand von Beloi durchgeführt, an dem Vertreter der Kirchen, des osttimoresischen Widerstands, der Jugendorganisation, der Ältestenrat und der neue Chef von Beloi teilnahmen. Auch Alves nahm teil und rief zur Versöhnung zwischen den Gruppen auf. Auf das Gerücht, dass einige Leute das Haus des ehemaligen Chefs von Beloi und indonesischen Kollaborateurs Antonio Miguel Pacheco niederbrennen wollten, drohte Alves jeden zu erschießen, der Gewalt planen würde. Ansonsten sprach er in versöhnlicher Weise, und seine Rede wurde gut aufgenommen und überzeugte anscheinend die meisten Zuhörer. Das Treffen war fast vorbei, als Pacheco eintraf. Pachero beschuldigte Alves nun, dass er hinter den Plänen stecke, sein Haus niederzubrennen. Alves griff nun zu einem der Gewehre, dass er zur Versammlung mitgebracht hatte. Pacheco schrie, wenn Alves ein Mann sei, solle er ihn erschießen. Alves geriet in Wut und schoß zweimal in die Luft. Pacheco schrie weiter und drehte sich um, als ob er weggehen wollte. Da traf ihn ein dritter Schuß in den Kopf und tötete ihn. Über die Umstände gibt es unterschiedliche Angaben. Sagten Zeugen zunächst aus, Alves hätte Pachero erschossen, erklärten sie in der Verhandlung 2004, sie hätten den Schuß entweder nicht selbst gesehen oder Alves habe sich im Umdrehen das Gewehr auf dieSchulter gelegt und ein Schuß habe sich dann gelöst, der versehentlich Pachero traf.[14][15]

Alves blieb von Dezember 2000 bis Mai 2001 in Untersuchungshaft. Die Gerichtsverhandlung vor den Special Panels for Serious Crimes SPSC des Distriktsgerichts von Dili begann im Mai 2004. Die Anklage lautete auf Mord. Das Urteil lautet schließlich Totschlag. Aufgrund der Umstände wurde Alves nur zu einer Kompensationszahlung an die Familie des Opfers verpflichtet und zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die auf zwei Jahre Bewährung ausgesetzt wurde. Das Berufungsgericht erhöhte die Strafe 2005 auf zwei Jahre Gefängnis. Alves wurde in Gewahrsam genommen, doch Staatspräsident Xanana Gusmão begnadete Alves nach einem Monat mit dem Präsidentenerlass 16/2005.[16][17] Das Gerichtsverfahren steht beispielhaft in der Kritik. Die Zeugen wurden nicht vor Bedrohungen geschützt und die Gerichtsverhandlung wurde nicht in Besonderem gesichert. Alves gilt als einflussreicher Mann,[15][18] der 2012 in den Staatsrat berufen wurde.[19][20]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Alberto Soares zum Chefe de Suco gewählt[21] und 2009 in seinem Amt bestätigt.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beloi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. a b Oriental Bird Club: Colin R.Trainor und Thomas Soares: Birds of Atauro Island, Timor-Leste (East Timor)
  3. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (Memento vom 3. Dezember 2011 im Internet Archive) (PDF; 448 kB)
  4. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  5. a b Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  6. Trekking East Timor: Atauro Island
  7. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  8. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Beloi (Tetum; PDF; 8,1 MB)
  9. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Memento vom 5. Januar 2017 im Internet Archive) (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  10. Ministerium für Staatsverwaltung und Territorialmanagement: Karte des Verwaltungsamts Atauro (Memento vom 6. Juli 2017 im Internet Archive), abgerufen am 1. März 2017.
  11. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  12. Homepage zum Dokumentarfilm „Wawata Topu – Mermaids of Timor-Leste“ (mit Filmtrailer)
  13. Sapo Notícias: Ocupação humana em Ataúro data de há pelo menos 18 mil anos - arqueólogo, 24. April 2017, abgerufen am 3. Mai 2017.
  14. District Court of Dili: The Deputy General Prosecutor for Serious Crimes v. Victor Manuel Alves, abgerufen am 30. Juli 2019.
  15. a b David Cohen: Indifference and Accountablitiy – The United Nations and the Politics of International Justive in East Timor, East West Center Special Reports Number 9, June 2006.
  16. International Crimes Data Base: The Deputy General Prosecutor for Serious Crimes v. Victor Manuel Alves, abgerufen am 30. Juli 2019.
  17. Jornal da República: DECRETO PRESIDENTE 16/2005, abgerufen am 30. Juli 2019.
  18. The Cambodia daily: Media-Shy Judge Assumes Mantle of Independence, 3. März 2011, abgerufen am 30. Juli 2019.
  19. Jornal da República: RESOLUÇÃO DO PARLAMENTO 15/2007 27. August 2007, abgerufen am 26. Juli 2019.
  20. RTP: Parlamento de Timor-Leste elege novos elementos para órgãos consultivos do PR, 28. August 2007, abgerufen am 26. Juli 2019.
  21. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  22. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)

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