Benedikt Stattler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Benedict Stattler (* 30. Januar 1728 in Kötzting; † 21. August 1797 in München) war ein deutscher katholischer Theologe, Pädagoge und Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Stattler, Sohn eines Bauern, besuchte im bayerischen Benediktinerkloster Oberalteich die Lateinschule und schloss 1744 das Jesuitengymnasium in München (heute Wilhelmsgymnasium München) ab[1]. 1745 trat er in Landsberg am Lech in den Jesuitenorden ein. An der Universität Ingolstadt studierte er drei Jahre lang Philosophie, ein Jahr Mathematik und ab 1754 vier Jahre Theologie.

Dazwischen war er als Gymnasiallehrer für die alten Sprachen in Straubing, Landshut und Neuburg an der Donau tätig. 1759 empfing er die Priesterweihe und legte 1763 die letzten Ordensgelübde ab. Sechs Jahre hindurch lehrte er teils Philosophie, teils Theologie zu Solothurn und Innsbruck. 1770 wurde er Doktor und Professor der Theologie an der Universität in Ingolstadt; hier gehörte Johann Michael Sailer zu seinen Schülern.

Dieses Lehramt übte er auch mit großem Anklang aus, nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war. 1773 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München zu ihrem Mitglied. Neben seiner Professur und dem Amt eines Prokanzlers der Universität in Ingolstadt übertrug man ihm 1776 die Stelle eines Stadtpfarrers an der St. Morizkirche. 1782 erhielt er ein gleiches kirchliches Amt in Kemnath in der Oberpfalz. Diese Pfarrstelle legte er nach einigen Jahren freiwillig nieder und ging nach München, wo er kurfürstlich Geistlicher Rat und Mitglied des Zensurkollegiums wurde. Von diesem Posten wurde er auf eigenen Wunsch 1794 entlassen. Er lebte seitdem zu München als Privatgelehrter. Ein Herzinfarkt setzte seinem Leben ein Ende.

Wirken[Bearbeiten]

Stattler war ein vielseitig gebildeter Mann, der jedoch in seinem philosophischen Denken oft intolerant gegen Andersdenkende war. Auch im bürgerlichen Leben neigte er zur Polemik, wie mehrfache Verwerfungen mit der Universität und mit seinen Kollegen zeigen, obwohl diese seinen Talenten, seinem Scharfsinn und seinem Forschungsgeist volle Anerkennung zollten. Auf einem gründlichen Studium der Leibnitz-Wolffischen Philosophie beruhte dieses Denken, welches er in einzelnen Punkten weiter ausgebildet hatte. Er wollte unter den Katholiken den Sinn für philosophische Studien beleben und dem Vorurteil entgegentreten, die Philosophie sei nur eine Vorläuferin der Theologie, doch keineswegs eine eigene selbstständige Wissenschaft.

So viel er zur Belebung des Studiums der Philosophie beitrug und besonders zur größeren Anerkennung der Ethik durch seine 1772 herausgegebene „Ethica christiana universalis“ beigetragen hatte, obwohl diesem Werke die eigentümliche Vermischung des Theoretischen mit dem Praktischen, des bloß Intellektuellen mit dem Moralischen zum Vorwurf gemacht werden kann, so trat er doch in späteren Jahren allen Neuerungen im Gebiet der Philosophie mit Leidenschaft entgegen, welche durch die Anmaßung einiger Anhänger des Kantschen Systems noch gesteigert wurde. Von einer solchen illiberalen Seite zeigte er sich besonders in den 1788 herausgegebenen zwei Bänden seines „Anti-Kant“, in welchem jedoch, ungeachtet des rauen und anmaßenden Tons, überall Konsequenz und Scharfsinn in den mitgeteilten Ansichten hervortritt. Stattlers Streben, die Philosophie mit der Theologie in Verbindung zu bringen, wirkte sich günstig bei der Verbreitung richtigerer Ansichten in der letztgenannten Wissenschaft aus. Seine zahlreichen theologischen Schriften enthalten hierzu mehrfache Belege.

Die „Ethica christiana communis“, in den Jahren 1782 bis 1789 in drei Teilen herausgegeben und 1791 bis 1802 neu aufgelegt, unterschied sich von den bisherigen katholischen Lehrbüchern der christlichen Moral wesentlich dadurch, dass sie in dem angewandten Teil auch auf das eigentliche Prinzip der Sittlichkeit hinwies und überall auf die christliche Offenbarungswahrheit einging. Völlig konsequent aus dem theoretisch-metaphysischen Gesichtspunkt führte ihn in jenem Werk die Idee von Christian Wolff dem Guten und von der Vollkommenheit, zu einer Güte der Handlungen aus praktischem Gehorsam gegen Gott, obwohl Stattler nicht einsah, woran es diesem Begriff fehlte und auf welche Abwege er führen konnte. Als ein freimütiger Forscher, den der Glauben nicht einengte, hatte er sich mehrere Jahre früher in einer lateinisch geschriebenen Verteidigung der christlichen Religion hervorgetan. Die beachtenswerteste unter seinen theologischen Schriften war seine 1775 herausgegebene Demonstratio catholica, in welcher er den allgemeinseligmachenden Glauben seiner Kirche bestritt, und allen guten Menschen, allen redlichen Protestanten, ohne Bedenken die Seligkeit zusprach. Wegen dieser Schrift wurde er von Vertretern der katholischen Kirche heftig angefeindet, besonders von dem Benediktiner Wolfgang Frölich im Kloster Sankt Emmeram in Regensburg, und vom Vatikan nach längerem Schriftverkehr indiziert.

Leicht verständlich aus seiner Denkweise wird sein Versuch zur Vereinigung der protestantischen und katholischen Glaubensparteien, zu welchem er 1791 einen schriftlich abgefassten Plan bekannt machte. Das Positive, Individuelle hatte sich in ihm mit dem Moralischen und Allgemeingültigen so innig verbunden und es war ihm mit dem Wohl seiner Mitmenschen, mit der Wahrheit selbst so sehr Ernst, dass er auch dem Positiven, wie es ihm erschien, allgemein Eingang zu verschaffen strebte.

Als ein eifriger Anhänger Wolffs war er dessen mathematischer Methode in seinen philosophischen und theologischen Schriften treu geblieben. Sein lateinischer Stil war korrekt, ohne gleichsam den Anforderungen des klassischen Geschmacks zu genügen. Ziemlich richtig, aber rau und hart, war seine deutsche Schreibart. Überhaupt waren seine meisten Schriften hinsichtlich der Darstellung schwerfällig und schwer durchschaubar. Die Fülle der Gedanken, das Streben nach Bestimmtheit, entfernte ihn immer wieder von der Deutlichkeit, die er sich zum Ziele setzte. Wer sich aber durch seine größtenteils langen Perioden durcharbeitete und nicht eher weiter las, als bis er das Vorhergehende richtig verstanden hatte, gelangte zu einer Klarheit der Begriffe, die ihm auf anderen Wege nicht erschließbar gewesen wäre.

Für den Jesuitenorden, dessen Mitglied er gewesen war, behielt Stattler auch nach der Aufhebung Sympathie. Von der Gesellschaft Jesu, wie sie sein und werden sollte, hatte er sich ein Ideal gebildet, über welches er sich in seiner 1791 herausgegebenen Schrift Wahre und allein hinreichende Reformationsart des katholischen Priesterstandes am deutlichsten aussprach. In diesem Buche erkennt man den gewandten Philosophen, den freimütigen Theologen, den scharfsinnigen Denker, aber zugleich auch den entschiedenen Anhänger und Verteidiger alles dessen, was zum Wesen der katholischen Kirche gehört. Wegen dieser Schrift musste Stattler manche harte und ungerechte Angriffe und besonders die Beschuldigung dulden, dass es sein Streben sei, in Verbindung mit den Augsburger Exjesuiten, etwa Leonhard Bayrer, den aufgehobenen Orden wiederherstellen zu wollen.

Werke[Bearbeiten]

  • Tractatio cosmologica de viribus et natura corporum. München 1763
  • Metallurgia et mineralogia. Innsbruck 1765
  • Mineralogia specialis, Pars I et II. Innsbruck 1766
  • Philosophia methodo scientiis propria explanata. Band 1 Logica. Augsburg 1769; Band 2 Ontologia Augsburg 1769; Band 3 Cosmologia. Augsburg 1769; Band 4 Psychologia Augsburg 1770; Band 5 Theologia naturalis. Augsburg 1771, (Online); Band 6 Physica generalis. Augsburg 1771; Band 7 Physica particularis. Augsburg 1771; Band 8 Physica paticularis. Augsburg 1772
  • Demonstratio evangelica, sive religionis a Jesu Christo revelatae certitudo, accurata methodo demonstrata, adversus Theistas et omnes antiqui et nostri aevi Philosophos antichristianos, quin et contra Judaeos et Mahumetanos etc. Ingolstadt 1772, (Online)
  • Ethica christiana universalis. Ingolstadt 1772, 2. Bd. Augsburg 1793
  • Compendium philosophiae P. Bened. Sattler. Vol. I complectens quinque partes primas. Ingolstadt, 1774, (Online)
  • Demonstratio catholica s. Religionis catholicae. Pappenheim 1775, (Online)
  • De locis theologicis. Weissenburg 1775
  • Theologiae christianae theoreticae Tractatus I-VI. München 1776-1779 Bd. 4, (Online), Bd. 6, (Online)
  • Diss. Logica de valore sensus communis naturae tanquam criterio veritatis. Eichstätt 1780, (Online)
  • Epistola paraenetica ad virum clariss. D. Car. Frid Bartdt, ex occasiona professionis fidei ab isto ad Caesarem missae. Eichstätt 1780
  • Responensa praecisiora autoris Demonstrantionis Benedictino- Bavaricae in sua Reflexione. Eichstätt 1780
  • Refutatio Amica Reflexionum In Litteras Retractatorias Justini Febronii. Frankfurt und Leipzig, 1780, (Online)
  • Responsio amica data Baccalaureo Moguntine, super solutione objectionis Lockianae et de subjecto activae infallibilitatis in Ecclesia Christi contra ipsum differenti. Eichstätt 1780
  • Diss. de bono conjugali et sanctitate coelibatus in Ecclesia. Eichstätt und Leipzig 1782
  • Diss. de duello. Eichstätt und Leipzig 1782
  • Ethica christiana communis Pars I-III. Augsburg und Eichstätt 1782-1789 Pars I (Online)
  • Wahres Jerusalem, oder über religiöse Macht und Toleranz in jedem und besonders im katholischen Christenthum, beim Anlaß des Mendelssohnschen Jerusalems und einiger Gegenschriften. Nebst einem Nachtrage an Herrn Nicolai in Berlin. Augsburg 1787, (Online)
  • Das Geheimnis der Bosheit des Stifters des Illuminatismus in Baiern, zur Warnung der Unvorsichtigen hell aufgedeckt, von seinem seiner alten Kenner und Freunde. München und Augsburg 1787 (Online)
  • Anti-Kant. München 1788 3. Bde. 1. Bd. (Online)
  • Anhang zum Anti-Kant: in einer Widerlegung der Kantischen Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. München 1788, (Online)
  • Liber Psalmorum christianus, seu Religio omnis Christiana Theoretica et Practica in Exercitium precum. Augsburg und München, 1789
  • Vollständige christliche Sittenlehre für den gesamten christlichen Haus- und Familienstand: das ist, für christliche Eheleute, Eltern, Kinder, Blutsfreunde, Anverwandte, Hausherren, Hausfrauen, Dienstleute und Dienstboten, so wie auch für alle derer zufällige Umstände. 1. Band, Augsburg und München, 1789; 2. Band, ebd. 1791
  • Liber Psalmorum Christianus, sive Religio omnis Christiana theoretica et practica, in exercitium precum sub forma Psalmorum redacta. Augsburg 1789
  • Schreiben des Anti - Kant's an den Freund der Wahrheit über drey allerliebste erschienene Recensionen. München 1789
  • Schreiben des Verfassers des Anti-Kant's an die Theilhaber der Allgem. Litteraturzeitung von Jena über eine in selber erschienene, äusserst seichte, aber eben darum viel bedeutende Recension seines Anti-Kant's. München 1789
  • Plan zu der allein möglichen Vereinigung im Glauben der Protestanten mit der katholischen Kirche, und den Grenzen dieser Möglichkeit; samt einem Anhange gegen einen neuen noch weiter fortschreitenden Febronius in Wien. München und Augsburg 1791
  • Wahre und allein hinreichende Reformationsart des katholischen Priesterstandes, nach der ursprünglichen Idee seines göttlichen Stifters; von einem thätigen Freunde der Wahrheit und des allgemeinen Besten. Ulm 1791
  • Neues christliches Psalmenbuch in welchem die ganze christliche Glaubens- und Sittenlehre in die Uebung eines stäten Gebethes in Gestalt der Psalmen verfasset ist. Augsburg 1791 (Online)
  • Allgemeine katholisch-christliche Sittenlehre, oder wahre Glückseligkeitslehre aus hinreichenden Gründen der göttlichen Offenbarung und der Philosophie für die obersten Schulen der Pfalzbayerischen Lycäen, auf höchsten kurfürstl. Befehl verfasst. 1. und 2. Band, München, 1791; (ist eine Übersetzung seiner Lateinischen Sittenlehre in 7 Bänden, von ihm selbst). - Erster Auszug - für die obern drey Schulen der Pfalzbayerischen Gynmnasien. München 1791, Zweiter Auszug - für die untern Schulen u. s. w. München 1791 (sind Auszüge aus vorstehender Übersetzung).
  • Kurzer Entwurf der unausstehlichen Ungereimtheiten der Kantischcn Philosophie, samt dem Seichtdenken so mancher gutmüthigen Hochschätzer derselben. Hell aufgedeckt für jeden gefunden Menschenverstand, und noch mehr für jede auch nur Anfänger im ordentlichen Selbstdenken. München 1791 (Online)
  • Abgedrungene Nothwehre für meine Lehre von der Nothwehre in der auf höchsten Befehl für die obersten Schulen verfassten allgemeinen katholisch - christlichen Sittenlehre gegen den Angriff des hinter der Wand verborgenen Recensenten der Salzburger Litteraturzeitung. München 1791
  • Unsinn der Französischen Freyheitsphilosophie, im Entwürfe ihrer neuen Kostitutionen, zur Warnung und Belehrung Teutscher französelnder Philosophen ins helle Licht gestellt. Augsburg 1791 (Online)
  • Ueber die Gefahr, die den Thronen, den Staaten und dem Christenthume den gänzlichen Verfall droht, durch das falsche System der heutigen Aufklärung und die kecken Anmaassungen Sogenannter Philosophen, geheimer Gesellschaften und Sekten. An die Grossen der Welt, von einem Freunde der Fürsten und der wahren Aufklärung. Mit Datis und Urkunden belegt aus dem Archiv unsers Jahrhunderts. München 1791,
  • Harmonie der wahren Grundsätze der Kirche, der Moral und der Vernunft mit der bürgerlichen Verfassung des Klerus von Frankreich. Von den Bischöffen der Departemente, als Mitgliedern der konstituirenden Nationalversammlung, verfasst, und aus dem Französischen überfetzt von B. S. Salzburg 1792
  • Unverschämte Heucheley der Revolutionsbischöffe in Frankreich in der von ihnen verfassten, von einem Teutschen Uebersetzer B. S. hoch empfohlnen und zu Salzburg 1792 verlegten Harmonie der wahren Grundsätze der Kirche, der Moral und der Vernunft mit der bürgerl. Verfassung des Klerus von Frankreich, enthüllt von einem redlichen Verehrer der Kirche u. des Staats. Straßburg und Basel (München) 1792
  • Anhang zu der wahren und allein hinreichenden Reformationsart des Katholischen gesammten Priesterstandes nach der ursprünglichen Idee seines göttlichen Stifters. Von einem erwiesenen Liebhaber der gründlichen Kritik. Ulm 1792
  • Neues Christliches Psalmenbuch. Augsburg 1792
  • Allgemeine katholisch - christliche theoretische Religionslehre, aus hinreichenden Gründen der göttlichen Offenbarung und der Philosophie, hauptfachlich für die Nichttheologen unter den Studirenden in den Pfalzbayrischen obersten Schulen und für alle, eine tiefere Religionskenntniss affektirende Layen, auf höchsten kurfürstlichen Befehl verfasset. 2 Bde. München 1793
  • Wahres Verhältniss der Kantischen Philosophie zur christlichen Religion und Moral, nach dem nunmehr redlich gethanen Geständnisse des Hrn. Kant's und seiner eifrigsten Anhänger; allen redlichen Christen zum reifen Bedacht vorgestellt vom Verfasser des Anti-Kant. München 1794
  • Meine noch immer feste Überzeugung von dem vollen Ungrunde der Kantischen Philosophie, ,und von dem aus ihrer Aufnahme in christl. Schulen unfehlbar entgehenden äussersten Schaden für Moral und Religion, gegen zween neue Vertheidiger ihrer Gründlichkeit und Unschuld. Landshut 1794
  • Katechismus der katholisch-christl. Glaubens- und Sittenlehre für Kinder der ersten zwo Klassen Teutscher Schulen. München 1794, (Online)
  • Kleiner Katechismus für Kinder von den ersten Vernunftjahren. München 1794. 8 (ist ein Auszug aus dem vorigen).
  • Drei Fragen: Wie entstand die heutige Freydenkery, Maurerei etc? Wie verbreitete sie sich so sehr? Wie kann sie unterdrücket werden? 1795, (Online)
  • Kritik der kritischen Beyträge zur Metaphysik in einer Prüfung der Stattlerischen Anti - Kantischen. (Frankfurt 1795 (Online)); vom Anti-Kant. München 1795
  • Fernere Behauptung der Kritik über die kritischen Beyträge zur Metaphysik etc., gegen den gegenseitigen Recensenten in der oberdeutschen allgemeinen Litteraturzeitung. München 1796, (Online)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leitschuh, Max: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, 4 Bde., München 1970-1976; Bd. 3, S. 17