Benedikt Taschen

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Benedikt Taschen (* 10. Februar 1961 in Köln) ist ein deutscher Verleger und Sammler zeitgenössischer Kunst. Er ist Gründer und geschäftsführender Inhaber des Taschen Verlags.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taschen ist das jüngste von fünf Kindern.[1] Seine beiden Eltern waren Ärzte.[2] Bereits im Alter von zwölf Jahren betrieb er einen florierenden Mail-Order-Handel mit gebrauchten Comics aus den USA.[3] Er eröffnete 1980, einen Tag vor seinem 19. Geburtstag, einen Comic-Laden in seiner Heimatstadt Köln, in dem er auch seine umfangreiche Comic-Sammlung zum Verkauf anbot.[4][5] Bald wurden erste Comics selbst verlegt. Ab 1984 wagte er den Einstieg in das Kunstbuchgeschäft. Mit Geld, das er sich von seiner Tante lieh, erwarb er auf einer Restposten-Messe in den USA zum Stückpreis von je einem Dollar eine 40.000 Exemplare umfassende englische Restauflage eines Magritte-Bildbandes, die er in Deutschland für 9,95 DM gut verkaufen konnte.[6]

Taschen entdeckte, dass der bisher von teuren Kunstbüchern dominierte Kunstbuchmarkt eine Lücke lässt: Offenbar gab es einen Markt für gut gestaltete, mehrsprachige, preiswerte und in recht hoher Auflage gedruckte Kunst-Bildbände. Beginnend mit einer Monographie über Annie Leibovitz, veröffentlichte Taschen bald darauf in seinem bisherigen Comic-Verlag erste eigene Kunstbücher.[7] Dabei ging er bewusst Risiken ein, indem er Neues ausprobierte und Älteres, außer Mode geratenes, neu herausgab. Der Kauf von Rechten des niederländischen Künstlers M. C. Escher erwies sich als großer Erfolg, der Verkauf mancher Artikel außerhalb der Druckerzeugnisse weniger. Erfolgreiche Linien wurden ausgebaut, erfolglose Versuche eingestellt. Leitbild für das Hauptgeschäft blieb es, mit geringen Verwaltungskosten für das breite Publikum erschwingliche Bücher, Kalender etc. herauszugeben, wobei zunehmend alle Bereiche der Kunst einbezogen wurden, so auch Architektur, Design und Film. Der Vertrieb erfolgte vorwiegend über Massen- und Fachbuchhandlungen. Es gibt jedoch an wichtigen Standorten auch eigene, meist repräsentativ gestaltete Verlagsbuchhandlungen sowie eine verlagseigene Galerie in Los Angeles.

Um die Jahrtausendwende öffnete sich der Verlag auch dem Hochpreis-Segment, etwa durch limitierte Sammlerausgaben und einzelne, monumentale Bildbände, so zum Beispiel Helmut Newton’s SUMO und eine Hommage an Muhammad Ali, GOAT. Beide Folianten wiegen rund 30 kg und kosten mehrere tausend Euro. Später folgten im selben Format Publikationen zu David LaChapelle, Nobuyoshi Araki, Sebastião Salgado, Annie Leibovitz, den Rolling Stones und zuletzt David Hockney. Diese Sammlerausgaben werden von Taschen selbst editiert und erzielen meist innerhalb weniger Jahre ein Vielfaches ihres ursprünglichen Verkaufspreises.[8]

Von 1996 bis 2004 war Taschen mit seiner damaligen Cheflektorin, Angelika Muthesius, verheiratet.[9][10] 1998 erwarb er das Chemosphere House des Avantgarde-Architekten John Lautner in Los Angeles.[11][12][13] Taschen ist seit Juni 2005 in dritter Ehe mit Lauren Taschen verheiratet[14][15][16]. Taschen lebt in Berlin und in Los Angeles.[1]

Tätigkeit als Sammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einhergehend mit seiner verlegerischen Tätigkeit hat sich Taschen seit 1985 auch einen Namen als Sammler zeitgenössischer Kunst gemacht. Zunächst konzentrierte er sich auf Künstler wie Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Günther Förg, aber seit Ende der 80er Jahre erwarb er zahlreiche Werke amerikanischer Künstler wie Jeff Koons, Mike Kelley und Christopher Wool.[17][18][19] Im Jahre 2004 widmete das Museum Reina Sofía in Madrid seiner Sammlung eine umfassende Ausstellung.[20][21][22] ARTnews zählt ihn regelmäßig zu den 200 Top-Sammlern weltweit.[23][24] 2013 erhielt das Städel Museum eine Schenkung über fünfzehn Werke aus seiner Privatsammlung zur Stärkung des Sammlungsschwerpunktes der Deutschen Malerei der 1980er-Jahre im Städel.[25] Dem Wende Museum in Culver City (Kalifornien) spendete Taschen 2014 eine halbe Million Dollar, um dort die Gründung eines internationalen Zentrums zur Erkundung und Erhaltung der Kultur, der Kunst, des Designs und der Geschichte des Kalten Krieges zu ermöglichen.[26] Dem MOCA in Los Angeles stiftete das Ehepaar Lauren und Benedikt Taschen eine umfangreiche Sammlung junger amerikanischer und europäischer Künstler.[27]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benedikt Taschen – Mein Leben – Ma vie. Dokumentarfilm, Deutschland, 2004, 43 Minuten, Buch und Regie: Frank Eggers, Produktion: Arte, Erstausstrahlung: 19. Juni 2004, Inhaltsangabe.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 35 Jahre TASCHEN in Grund Genug vom 1. Juni 2015.
  2. John Heilpern: Out to lunch – Taschen, Rhymes With Passion in Vanity Fair, Oktober 2011.
  3. Simone Philippi: Internationalisierungskonzepte deutscher Kunstbuchverlage seit 1990., Dissertation, Universität zu Köln, Kunsthistorisches Institut, Prof. Dr. Antje von Graevenitz, 2005, abgerufen am 10. Oktober 2016.
  4. Willy Theobald: „Benedikt Taschen - Bilderbuchkarriere“ (Memento vom 5. März 2013 im Internet Archive), FTD, 11. Dezember 2008
  5. TASCHEN History: Mit Comics fängt alles an ….
  6. Willy Theobald: „Benedikt Taschen - Bilderbuchkarriere“ (Memento vom 5. März 2013 im Internet Archive), FTD, 11. Dezember 2008
  7. Munzinger-Archiv GmbH, Ravensburg: Benedikt Taschen - Munzinger Biographie. In: www.munzinger.de. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  8. ISSUU: TASCHEN Collector's Editions Catalogue 2013.
  9. Die Welt: Ein Bunker viele Bücher.
  10. spiegel.de: Wo es nur geht, stehlen wir- Der Spiegel 48/2001. Zugriff am 23. Januar 2011.
  11. egarch.net: Chemosphere : EscherGuneWardena. Zugriff am 24. Januar 2011.
  12. latimes.com: Eight sides to this story. latimes.com. Zugriff am 23. Januar 2011.
  13. Die Welt: Ein Haus, das glücklich macht - Nachrichten. wams_print - WELT ONLINE. Zugriff am 24. Januar 2011.
  14. Taschen’s Wedding Gift in The Art Newspaper vom 14. Juni 2005.
  15. Michaela Cordes: 35 Jahre Taschen. GG Magazine, März 2015, abgerufen am 31. Mai 2016.
  16. Welcome to new Temple members … Wilshire Boulevard Temple Bulletin in Ausgabe 98, Nummer 9 vom 1. September 2011.
  17. Face Off: Koons / Kippenberger auf Christies.com vom 24. April 2015.
  18. Susan Freudenheim: Singular Commitment in der Los Angeles Times, 27. Januar 2002, Zugriff am 29. Juni 2015.
  19. Lothar Schmidt: Verlegen ist schön. Sammeln ist schöner in der WELT, 6. Dezember 2004, Zugriff am 29. Juni 2015.
  20. Marga Paz: Taschen Collection Catalogue. TASCHEN, Köln 2004, ISBN 978-3822840115.
  21. New York Times: Inspired, and made rich, by art.
  22. Impressions of the TASCHEN Collection and Martin Kippenberger show as seen by Eric Kroll:[1].
  23. The Editors of ARTnews: The 2012 ARTnews 200 Top Collectors.
  24. The Editors of ARTnews: The 2014 ARTnews 200 Top Collectors.
  25. Städel Blog: Back to the 80s – das Städel Museum erhält Schenkung von Verleger Benedikt Taschen.
  26. focus.de: Verlagshaus Benedikt Taschen nimmt führende Rolle bei der Sanierung des Zeughaus des Wende Museums in Culver City (Kalifornien) ein, 15. Mai 2014. Zugriff am 28. August 2014.
  27. Pressemitteilung, MOCA: THE MUSEUM OF CONTEMPORARY ART, LOS ANGELES (MOCA), ANNOUNCES 2012 ACQUISITIONS, 18. Januar 2013. Zugriff am 7. Mai 2015.
  28. 2013 Lucie Awards Gala, Zankel Hall at Carnegie Hall, New York City. und 2013 Lucie Awards Honoree, Benedikt Taschen.
  29. Amateur Photographer: Inventor of Oculus Rift VR device among RPS award winners.