Benediktinerkloster

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Der St. Galler Klosterplan – das idealisierte Benediktinerkloster

Als Benediktinerkloster wird eine ortsfeste, klösterliche Gemeinschaft von Mönchen (Priestern und Laien) oder Nonnen des Benediktinerordens bezeichnet.

Kloster, Abtei und Stift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Benediktinerkloster ist in der Regel eine Benediktinerabtei, eine Klostergemeinschaft, deren Vorsteher ein Abt ist, dem ein Prior zur Seite steht.

Kleinere Benediktinerklöster nennt man Priorat. Es finden sich auch die lateinischen Bezeichnungen abbatiola, cella, monasteriolum und praepositura. Priorate können vollständig von einer Mutterabtei abhängig sein, aber auch rechtlich autonom und finanziell eigenständig, ohne zur Abtei erhoben worden zu sein.[1]

Beim Terminus Benediktinerstift steht meist der Gebäudekomplex und die Kirche im Vordergrund, der allerdings (außer bei früheren, zerstörten oder aufgelassenen Niederlassungen) die Existenz einer Klostergemeinschaft (Konvent) einschließt.

Zentrale Aufgabe eines Benediktinerklosters ist der Vollzug des liturgischen „Offiziums“, das in Gemeinschaft vollzogene Stundengebet und die tägliche Feier der heiligen Messe. Eine Abtei oder ein Stift kann auch seelsorgliche Tätigkeiten in der Umgebung ausüben (Betreuung von Pfarreien und Gemeinden, Beichtseelsorge usw.)

Eine Benediktinerabtei untersteht nicht dem Bischof, in dessen Diözese sie gelegen ist, sondern ist exemt. Der Abt steht im Bischofsrang und ist der Seelsorger der Klosterangehörigen.

Gebäudekomplex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Örtlichkeit eines Stiftes – und meist auch von Klöstern und Abteien – beinhaltet

Kultur und Bildungswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebets- und Kultur-Tradition hängt mit den spezifischen Ordensregeln und der Geschichte der Benediktiner zusammen:

Der Orden des heiligen Benedikt (Ordo Sancti Benedicti, Abkürzung OSB) war der erste, der in Europa in größerem Ausmaß tätig wurde, und ist daher geschichtlich mit der Besiedelung (auch nach der Völkerwanderung, als bei Klöstern häufig auch Zivilsiedlungen entstanden), mit der Mission, oft mit Urbarmachung (Rodungen etc.) und fast immer mit Aufgaben der Bildung und des Bildungsauftrags eng verknüpft. In der Hochblüte, im Mittelalter, gab es bis zu 37.000 Klöster, die als Bildungs- und Gasthäuser dienten.[2]

Da im Mittelalter oft die Priester die einzigen waren, die lesen und schreiben konnten, ergab sich das Schulwesen des Ordens fast von selbst. Mehrere Benediktinerabteien führen heute noch eine Schule oder machen Angebote der Erwachsenenbildung und Rekreation; im Kloster auf Zeit in einigen Abteien kann man im Kloster oder Gästehaus wohnen und am Leben der Mönche teilhaben.

Manche Abteien pflegen auch besondere Formen des Buchdrucks und der literarisch-kulturhistorischen Wissenschaften, wie z. B. die Abtei Ettal (Bayern), theologische und liturgische Forschungen und Editionen sowie weitere Aufgaben der Geistes- und Naturwissenschaft. Abteien können Buch- und Kunstverlage, Buchhandlungen, Handwerksbetriebe oder eine Landwirtschaft betreiben, wie etwa die Abtei Maria Laach. Benediktinerabteien mit ihren Kirchen sind Orte, an denen Gregorianischer Gesang und andere Formen der Kirchenmusik gepflegt werden.

Die Kunst- und Musiktradition wird auch an manchen aufgelassenen Klöstern fortgeführt, teilweise in Form von Festivals oder Musikwettbewerben. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Kirche von Stift Ossiach (Kärnten) und ihre Sommerkonzerte (Orgel).

Seit ihrer Gründung waren Benediktinerklöster mit einem Klostergarten ausgestattet, der die wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern soll. Durch ihre Kultivierung von Nutz- und Zierpflanzen innerhalb der Klostermauern gelten die Benediktiner als Begründer des Gartenbaus im Mittelalter.[3][4]

Ähnliches wie für Benediktinerklöster gilt auch für die Klöster der Benediktinerinnen sowie der Zisterzienser, deren Orden aus dem der Benediktiner hervorgegangen ist.

Benediktinerklöster im deutschen Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es 30 Niederlassungen der Benediktiner, 16 in Österreich, sieben in der Schweiz sowie zwei in Südtirol. Dazu kommen jene der Benediktinerinnen und der Zisterzienser/innen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dominicus M. Meyer: Priorat. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, Sp. 598.
  2. Hansjürg Stückelberger: Europas Aufstieg und Verrat – Wie Gott Geschichte macht. 2. Auflage. Edition PJI, Adelberg 2015, ISBN 978-3-944764-05-4, S. 158 (Leseprobe).
  3. Irmgard Müller: Heilpflanzen aus Klostergärten. In: Das Erbe der Klostermedizin: Symposion im Kloster Eberbach, Eltville/Rh. am 10.9.1977, Wortlaut der Vorträge. Ingelheim a. Rh. 1978, S. 9–14, hier: S. 11.
  4. Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Würzburg 1994) Königshausen & Neumann, Würzburg 1998 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 65). ISBN 3-8260-1667-X, S. 104–110 (Klostergarten).