Benetton Group

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Benetton Group Srl
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Rechtsform Società a responsabilità limitata
ISIN IT0003106777
Gründung 1965
Sitz Ponzano Veneto, Italien

Leitung

  • Francesco Gori, Exekutiv-Präsident
  • Tommaso Brusò, Chief Operating Officer
Mitarbeiter 7.714 (2015)
Umsatz 1,52 Mrd. EUR (2015)
Branche Textilindustrie
Website www.benettongroup.com

Die Benetton Group (korrekte italienische Aussprache: [benetˈton] oft falsch [ˈbɛːnetton] oder [benetˈtɔn] ausgesprochen)[1] ist ein italienisches Textil- und Modeunternehmen mit Sitz in Ponzano Veneto. Das Unternehmen unterhält heute etwa 5000 Ladengeschäfte weltweit.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benetton-Filiale in Prag

Benetton wurde 1965 in Ponzano Veneto (Treviso) von Luciano, Gilberto, Giuliana und Carlo Benetton gegründet. 1966 eröffnete man das erste Geschäft in Belluno, 1969 die erste ausländische Filiale in Paris. 1972 entstand die Marke Jean’s West, zwei Jahre später wurde die ursprünglich französische Marke Sisley in das Portfolio der Marken von Benetton aufgenommen. Ende der 1970er Jahre gingen 60 Prozent der Produktion in den Export. Die erste Filiale in New York wurde 1980 in der Madison Avenue eröffnet, 1982 folgte die erste Filiale in Tokio.

1983 engagierte sich Benetton in der Formel 1 als Sponsor für das Team Tyrrell. Drei Jahre später wurde nach Übernahme von Toleman der eigene Rennstall Benetton Formula Limited gegründet. Das Benetton-Team gewann 1994 die Fahrerweltmeisterschaft und stellte im Jahr darauf den Sieger in der Fahrer- und in der Team-Wertung, wobei sich Michael Schumacher als absoluter Top-Fahrer bestätigt. Im Jahr 2000 wurde der Rennstall an Renault abgetreten.

In den 1980er Jahren leitete Benetton in Zusammenarbeit mit Oliviero Toscani eine umwälzende Erneuerung der werblichen Kommunikation ein. Sozialkritische Themen – Krieg, Krankheit, Diskriminierung, Rassismus – werden zum Hauptelement von Werbefeldzügen, die sich im Laufe der Jahre durch ihren kulturellen Wert Anerkennung verschaffen. 1985 wurde die Benetton-Werbung mit dem „Grand Prix de la Publicité Presse Magazine“ und dem „Grand Prix de la Communication Pubblicitaire“ ausgezeichnet.

In den Jahren 1986 bis 1989 ging die Benetton Group an die Börsen Mailand, Frankfurt und New York. 1987 wurde die Benetton-Stiftung für Studien und Forschung begründet und der Internationale Preis Carlo Scarpa eingerichtet. 1991 debütierte das von Luciano Benetton und Oliviero Toscani gegründete Magazin Colors. Es erscheint in vier Sprachen und ist in rund vierzig Ländern erhältlich. 1994 war das Gründungsjahr von Fabrica, dem Zentrum für Kommunikationsforschung von Benetton.

2003 zog sich die Familie Benetton aus der vordersten Linie der Unternehmensführung zurück und macht anderen Managern Platz. 2006 feierte der Konzern das 40-jährige Bestandsjubiläum mit seiner ersten Modenschau, die im Centre Pompidou in Paris stattfand. Das Unternehmen gehört zur Holding Edizione srl der Familie Benetton, die einen Anteil von 67 % an der Benetton-Gruppe hält.

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist Inhaber verschiedener Marken: United Colors of Benetton, kurz: Benetton, einer globalen Marke, die zu den weltweit bekanntesten gehört; die Marke Undercolors of Benetton vereinigt das Angebot von modischer Unterwäsche, Schlafbekleidung und Accessoires für Damen, Herren und Kinder. Sisley ist das Glamour-Label der Benetton Group für Damen und Herren sowie Kinder (Sisley Young) und besonders aufgeschlossen für die neuesten Fashion-Trends. Die Benetton Group betreibt weltweit – zum Teil als Franchise – Benetton- und Sisley-Ladengeschäfte.

Bezüglich weiterer zum Konzern gehörender Marken entschied das Unternehmen Ende 2013, sich auf die Hauptmarken Benetton und Sisley konzentrieren zu wollen und die übrigen Marken entweder einzustellen oder zu veräußern.[3]

Die Marke Playlife, mit eigenen Geschäften vorwiegend im südeuropäischen Raum, setzt auf Damen- und Herren-Mode im Freizeitstil. Mit Jean’s West wird das denimbasierte Freizeitmoden-Segment für Damen und Herren bedient. Das Label Anthology of Cotton konzentriert sich auf funktionale Damen-Sportswear. Das Streetwear-Label Killer Loop gehört ebenso zu Benetton.

1989 erwarb die Benetton Group den italienischen Skistiefel-Hersteller Nordica. 1991 kaufte der Konzern über Nordica einen 50-prozentigen Anteil am amerikanischen Inlineskates-Hersteller Rollerblade.[4] Nordica und Rollerblade wurden 2004 wieder verkauft. Die amerikanische Tennis-Marke Prince Sports, Inc., zu welcher auch die Badminton-Marke Ektelon gehörte, wurde 1990 von der Benetton Group erworben und 2003 wieder abgestoßen.[5]

Werbekampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahre hinweg warb Benetton mit schockierenden und ungewöhnlichen Bildern, die auf den ersten Blick nur wenig mit Mode zu tun haben.[6]

In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Oliviero Toscani entstanden zahlreiche Werbeplakate, die Benetton in aller Munde brachten. Bekannte Beispiele waren folgende Plakate mit folgenden Sujets: der an AIDS sterbende David Kirby; das blutige Hemd mit dem Einschussloch eines im Bosnienkrieg gefallenen Soldaten; eine ein weißes Baby stillende schwarze Mutter; ein schwarzer Mann mit abgehackter Hand und einer notdürftigen, in einem Löffel endenden Prothese; eine einen Priester küssende Nonne; Gesichter von zum Tode Verurteilten sowie ein Gesäß mit der TätowierungHIV-positiv“.[7]

Zahlreiche Kampagnen sorgten für Empörung. Magazine lehnten ab, Anzeigen zu drucken, Ladenbesitzer nahmen Benetton aus dem Sortiment. Doch die gezielt eingesetzte Schockwerbung regte zu Diskussionen an und erhöhte den Bekanntheitsgrad Benettons. Pressesprecher sagten dazu: „Benettons Kampagnen haben es geschafft, die Mauer der Gleichgültigkeit einzureißen und dazu beigetragen, die Wahrnehmung universeller Probleme unter den Bürgern der Welt zu erhöhen.“[8] Die juristische Auseinandersetzung um manche der Werbemotive führte zu den Benetton-Entscheidungen.

2011 zog die Bennetton Group nach Protesten des Vatikans eine Fotomontage zurück, in denen eine Kussszene zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Imam Ahmed al-Tajjeb zu sehen war. In der Reihe werden ebenso Küsse von Barack Obama mit seinem damaligen chinesischen Kollegen Hu Jintao sowie zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas abgebildet.[9]

Firmensitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptquartier der Benetton Group ist Villa Minelli in Ponzano Veneto bei Treviso, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Venedig. Villa Minelli ist ein Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert. Es wurde 1969 von der Benetton Group erworben und unter der Leitung der Architekten Afra und Tobia Scarpa restauriert. Insgesamt dauerten die Arbeiten der Adaptierung und Renovierung mehr als fünfzehn Jahre. Mitte der 1980er Jahre wurde Villa Minelli zum Hauptquartier und Zentrum für alle strategischen Funktionen des Unternehmens.

Fabrica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fabrica ist das Zentrum für Kommunikationsforschung von Benetton, das 1994 aus dem kulturellen Reichtum des Unternehmens entstanden ist. Es liegt in einem historischen Gebäudekomplex in Treviso, der von Tadao Ando restauriert wurde.

Zu den Aktivitäten von Fabrica gehört auch die Herausgabe von Colors, dem von der Benetton Group finanzierten Magazin. Es erscheint in über 15 Sprachen;[10] jedes Heft ist zweisprachig verfasst.

Sportliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benetton B192 von 1992

Seit 1979 kaufte Benetton den 1932 gegründeten und mittlerweile nach dem Unternehmen umbenannten Rugby-Verein Benetton Rugby Treviso. Bis 2010 spielte dieser in der italienischen Profiliga Super 10, wechselte danach jedoch in die höhere und international ausgetragene Meisterschaft Pro 12. Als Benetton Formula trat die Gruppe 15 Jahre lang in der Formel 1 an.

Sozialverantwortung und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Benetton wurde dabei in die zweitschlechteste Kategorie „Nachlässige“ von fünf Kategorien eingestuft.[11]

Das Unternehmen Benetton besitzt seit 1991 über 900.000 Hektar Land im südlichen Argentinien, Patagonien.[12] Das Land, das sich nun im Besitz des Konzerns befindet, war Eigentum der Mapuche, die von diesem Land gewaltsam vertrieben wurden. Die Ländereien waren 1896 durch den damaligen Präsidenten José Evaristo Uriburu an Privatleute verschenkt worden, ohne dass die Rechte der Mapuche berücksichtigt worden waren. Nach diversen Besitzerwechseln erstand ein zur Benetton-Group gehörendes Unternehmen die Ländereien im Jahre 1991.[13] Die Mapuche-Indianer sehen sich als rechtmäßige Besitzer dieses Landes und liegen mit Benetton im Streit, der seit Jahren ergebnislos vor Gerichten liegt. Benetton zäunt das Land ein und versperrt den Mapuche damit den Zugang zu ihren angestammten Feldern, Weideflächen und teils auch Wohnplätzen.[14]

Im September 2012 startete das Unternehmen die Sozialkampagne Unemployee of the Year, mit dem man junge Leute ohne Beruf unterstützen möchte. Mit der Kampagne, auf dessen Plakaten junge Leute in Anzug zu sehen sind, möchte das Unternehmen auf ein großes Problem der jungen Generationen aufmerksam machen. Weltweit sind mehr als 100 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 29 Jahren nicht in einem festen Beruf tätig. Mit dieser Kampagne ruft das Unternehmen zusammen mit der Unhate-Stiftung zu einem Wettbewerb auf. Es werden junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren gesucht, die mit kreativen Projekten überzeugen. 100 Ideen der weltweit eingesendeten Vorschläge werden mit je 5.000 Euro unterstützt.[15]

Laut dem Schwarzbuch Markenfirmen lässt Benetton Group, wie praktisch alle multinationalen Textilmarken, seine Kleidungsstücke zu niedrigsten Löhnen und unter miserablen Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern herstellen.[16] Im April 2013 kam es in Bangladesch zum Einsturz einer Textilfabrik in Sabhar mit 1127 Toten und 2438 Verletzten.[17] Gesetzliche Regelungen waren in der Fabrik nicht eingehalten worden. Auch Benetton hatte dort produzieren lassen.[18] Laut Angaben der Clean Clothes Campaign weigerte sich Benetton auch ein Jahr nach dem Unglück den Überlebenden und Hinterbliebenen des Einsturzes eine angemessene Entschädigung zu bezahlen.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Benetton Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DOP. Dizionario.rai.it, abgerufen am 28. Juni 2012.
  2. Benetton Group – At a glance
  3. Benetton stoppt Playlife, Killer Loop und Jean’s West, textilwirtschaft.de, 27. Dezember 2013.
  4. Rollerblade – About us, rollerblade.com, abgerufen: 22. März 2011.
  5. Benetton agrees to sell Prince to Lincolnshire Equity Fund, benettongroup.com, 28. März 2003.
  6. http://www.360-grad-blog.de/2008/04/08/werbung-radikal-im-nrw-forum/
  7. Welt Online: Oliviero Toscanis Geschmacklosigkeiten
  8. https://www.welt.de/print-wams/article131042/Heul-mal-wieder.html
  9. Benetton zieht Papst-Kussbild zurück, Spiegel Online vom 16. November 2011.
  10. A Magazine About the Rest of the World. Abgerufen am 13. September 2016 (englisch).
  11. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Hippe-Label--unfaire-Produktion/story/23511741
  12. corpwatch.org: Mapuche Lands in Patagonia Taken Over by Benetton Wool Farms
  13. http://www.santarosarecuperada.com.ar/deutsch/vorgeschichte.html
  14. http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/139982/index.html Bericht bei 3Sat
  15. http://artivitaet.wordpress.com/2012/09/19/unemployee-of-the-year/ Bericht bei Artivität
  16. a b Klaus Werner-Lobo, Hans Weiss: Schwarzbuch Markenfirmen. Die Welt im Griff der Konzerne. Deuticke Verlag, 2014, ISBN 978-3-552-06259-7. S. 216.
  17. tagesschau.de: Bergungsarbeiten in Bangladesch eingestellt 1127 Tote, 2438 Verletzte (Memento vom 7. Juni 2013 im Internet Archive)
  18. huffingtonpost.com: In First Interview Since Bangladesh Factory Collapse, Benetton CEO Confirms Company’s Tie To Tragedy