Benin-Bronzen

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Benin-Bronzen im British Museum

Die Benin-Bronzen sind eine Gruppe von mehreren tausend Metalltafeln und Skulpturen, die seit dem 16. Jahrhundert den Königspalast des Königreichs Benin schmückten. Sie wurden infolge der Kolonialisierung durch das Vereinigte Königreich 1897 als Beutekunst nach Europa und in die USA geschafft.[1] Alleine in Deutschland gibt es mehr als 1000 Objekte in Museen, die meisten davon in Berlin.[2] Es gibt von Seiten der nigerianischen Regierung Forderungen zur Rückgabe.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Tafeln und Skulpturen entstanden um das 16. Jahrhundert am Hof des Oba in der Stadt Benin. Zu ihnen gehören aufwändig verzierte Gusstafeln, Gedenkköpfe, Tier- und Menschenfiguren, Gegenstände der königlichen Regalien und persönliche Ornamente. Viele wurden im Afrikanischen Gelbgussverfahren hergestellt. Teils werden auch Objekte als Benin-Bronzen bezeichnet, die aus Leder oder Wolle am königlichen Hof entstanden sind. Sie stellen die Geschichte des Königreichs Benin auf sozialer, dynastischer und transnationaler Ebene dar.[4]

Beispielexemplare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte nach dem Königreich Benin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königspalast Benin

1897 begann die Invasion von Benin durch Großbritannien nach einem Zwischenfall, bei dem sieben von neun Briten, die den königlichen Hof besuchen wollten, und 200 beninische Bürger getötet wurden. Die Briten waren vorher mehrfach aufgefordert worden, ihre Absicht aufzugeben. Um die Macht der Monarchie zu brechen, wurde der Oba ins Exil gesendet und der Palast in Brand gesteckt. Die königlichen Schätze wurden konfisziert und größtenteils in London versteigert, um die Kosten der Invasion zu decken.[5] Es wird von 3000–5000 geraubten Objekten ausgegangen. Über Ankäufe gelangte die Beutekunst auch nach Deutschland. Felix von Luschan, Leiter der Abteilung Afrika und Ozeanien im Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin, baute in Berlin die größte deutsche Sammlung auf, in vollem Bewusstsein, dass es sich um geraubte Kunstschätze handelt. Deutscherseits waren 52 Söldner an der sogenannten „Strafexpedition“ unter dem Kommando Maschmann beteiligt. Die schweren Geschütze, mit denen die Häuser gezielt zerstört wurden, nachdem der militärische Sieg bereits errungen war, stammten zu einem Teil aus deutscher Produktion.[6]

In den 1930er Jahren forderte der Hof von Benin erstmals offiziell von der britischen Krone die Rückgabe der Kulturgüter. Dem wurde nur eingeschränkt nachgekommen, und nur wenige Stücke wurden zurückgegeben.

Der erste Versuch Nigerias, einige der Benin-Bronzen aus Berlin zurückzuerhalten, erfolgte im Jahr 1972. Über den Direktor der nigerianischen Antikenbehörde, Ekpo Eyo, wurde versucht, aus Berlin und weiteren Städten Europas einige Dauerleihgaben zu erhalten.[7]

2008 wurde in Deutschland die Benin Dialogue Group gegründet, um den Austausch zwischen deutschen Museen und dem Herkunftsort herzustellen. Dies geschah aus deutscher Sicht zunächst nicht aus Gründen der Restitution, sondern um Sammlungsinformationen auszutauschen und Ausnahmeregelungen für Bildrechte zu schaffen. 2017/2018 beschloss die Gruppe, einige Kunstgegenstände als Leihgabe für ein Museum an der Position des früheren Palastes zur Verfügung zu stellen, und es gibt vermehrt Überlegungen über eine dauerhafte Rückgabe.[8]

2017 verkündete der französische Präsident Emmanuel Macron die Rückgabe der Objekte in französischen Museen.[9] Im April 2021 zog Deutschland nach[10], ohne dass aber das genaue Procedere geklärt oder damit generell eine Lösung des Problem der kolonialen Raubkunst verbunden wäre.[11]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humboldt Forum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 verkündete eine Sprecherin, dass mehr als 200 Objekte im neu eröffnenden Humboldt Forum ausgestellt werden sollen. Dies stieß auf Protest aufgrund ihrer durch Raub geprägten Vergangenheit. Außerdem wurde die schlecht ausgeprägte Provenienzforschung angemerkt.[12]

Restitutionsforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2019 forderte der Botschafter von Nigeria Yusuf Tuggar im Namen der Regierung explizit die Rückgabe der Benin-Bronzen.[13][14] Zusätzlich Bewegung in die Debatte kam, als die Kulturstaatsministerin Monika Grütters im März 2021 in einem Interview ankündigte, dass es Restitutionen geben werde. „Leerstellen“ in den Sälen seien vielleicht sogar zu begrüßen, da sie den „Besuchern diesen bisher vernachlässigten Teil unserer Geschichte vor Augen führen“ würden.[15] Kurz darauf berichtete die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, eine prominente Kritikerin des Humboldt-Forums, in ihrem Buch Afrikas Kampf um seine Kunst, dass viele afrikanische Länder schon in den 1960er- und 1970er-Jahren die Rückgabe ihres gestohlenen Kulturguts verlangt hätten. Am 22. März 2021 sagte der Generalintendant des Humboldt-Forums, Hartmut Dorgerloh, er „erwarte“ noch für 2021 die Rückgabe der Benin-Bronzen. Allerdings ist vor der Rückgabe das Einverständnis mehrerer Bundesministerien und des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nötig.[16] Im April 2021 beschlossen deutsche Museumsexperten eine Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria[17]. Kritisiert wird, dass es nicht zu einer wegweisenden Geste käme und keine vorbehaltslose Rückgabe kolonialer Raubkunst damit verbunden wäre.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Benin-Bronzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Koloniale Raubkunst: Müssen die berühmten Benin-Bronzen zurückgegeben werden? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  2. Benin-Bronzen in Deutschland. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  3. Raubkunst-Streit überschattet Eröffnung des Humboldt-Forums. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  4. Benin Bronzes. Abgerufen am 28. Dezember 2020 (englisch).
  5. Museum Insights / The Raid on Benin, 1897. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  6. Barbara Plankensteiner (2016): The Benin Treasures. Difficult Legacy and Contested Heritage. In: Hauser-Schäublin, Brigitta; Prott, Lyndel V. (Hrsg.): Cultural Property and Contested Ownership. The Trafficking of Artefacts and the Quest for Restitution. London, 133–155.
  7. Bénédicte Savoy: Rückgabe der Benin-Bronzen: Ein Fall von Verschleppung. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  8. Süddeutsche Zeitung: "Alles von Wert in Besitz genommen". Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  9. Rückgabe von Raubkunst - "Entscheidung von großer Bedeutung". Abgerufen am 28. Dezember 2020 (deutsch).
  10. https://www.deutschlandfunkkultur.de/raubkunst-aus-nigeria-die-rueckgabe-der-benin-bronzen-ist.1013.de.html?dram:article_id=496506
  11. https://www.deutschlandfunkkultur.de/juergen-zimmerer-ueber-die-benin-bronzen-zeigen-dass.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=496562
  12. Susanne Memarnia: Raubkunst im Humboldt Forum: Blamage mit Ansage. In: Die Tageszeitung: taz. 13. Dezember 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 28. Dezember 2020]).
  13. Raubkunst-Streit überschattet Eröffnung des Humboldt-Forums. Abgerufen am 28. Dezember 2020.
  14. Yusuf Tuggar: Tweet des Botschafters zur Ausstehenden Antwort. 6. Dezember 2020, abgerufen am 28. Dezember 2020 (englisch).
  15. Endlich ein eigenes Haus. Abgerufen am 7. März 2021.
  16. Versprechen oder Versprecher? Abgerufen am 22. März 2021.
  17. [1]
  18. https://www.deutschlandfunkkultur.de/juergen-zimmerer-ueber-die-benin-bronzen-zeigen-dass.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=496562