Benjamin Strasser (Politiker)

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Benjamin Strasser (2018)

Benjamin Strasser (* 9. Februar 1987 in Weingarten, Württemberg) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker (FDP). Er ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasser wuchs in Berg bei Ravensburg in Oberschwaben auf. Er besuchte die Realschule am Bildungszentrum St. Konrad und das Wirtschaftsgymnasium in Ravensburg. Nach dem Abitur studierte er Jura an der Universität Konstanz. Das juristische Studium beendete Strasser im Jahr 2012 mit dem ersten juristischen Staatsexamen.[1] Nach dem Referendariat am Landgericht Stuttgart, welches er mit dem zweiten juristischen Staatsexamen im Jahr 2014 abschloss, war er als parlamentarischer Berater für den FDP-Landtagsabgeordneten Ulrich Goll tätig. In dieser Funktion war er auch für den NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages zuständig. Seit 2016 ist er Rechtsanwalt in Ravensburg.

Strasser ist römisch-katholisch und ledig.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2006 gehört Strasser der FDP an.[3] Zwischen 2010 und 2013 war er Mitglied des Landesvorstands der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale in Baden-Württemberg und dort unter anderem stellvertretender Landesvorsitzender. Seit November 2013 ist er Mitglied im Landesvorstand der baden-württembergischen FDP. Im Dezember 2014 wurde er zum Vorsitzenden des FDP-Kreisverbands Ravensburg gewählt.[4]

Bei der Kommunalwahl in Baden-Württemberg 2014 wurde Strasser in den Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Berg gewählt, bei der Kommunalwahl in Baden-Württemberg 2019 wurde er wiedergewählt, außerdem wurde er erstmals in den Kreistag des Landkreises Ravensburg gewählt.[5][6] Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 war Strasser wie bereits zuvor bei der Landtagswahl 2011 der Kandidat der FDP im Wahlkreis Ravensburg und verfehlte den Einzug in den Landtag nur knapp. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er als Direktkandidat im Wahlkreis 294 Ravensburg und auf Platz 8 der baden-württembergischen Landesliste seiner Partei. Über die Landesliste wurde er in den 19. Deutschen Bundestag gewählt.

Für die Bundestagswahl 2021 wurde Strasser erneut als Direktkandidat der FDP im Wahlkreis 294 Ravensburg nominiert[7] und auf Platz 6 der baden-württembergischen Landesliste seiner Partei gewählt.[8] Das Direktmandat verfehlte er, zog aber über die Landesliste wieder in den Bundestag ein.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Wahlperiode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasser war in der 19. Wahlperiode ordentliches Mitglied des Innenausschusses des Bundestags und Mitglied im Gremium nach § 23c Absatz 8 Zollfahndungsdienstgesetz. Er war zudem Berichterstatter der FDP-Fraktion für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Darunter zählen unter anderem die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, die Nachrichtendienste, der Zoll sowie Behörden und Organisationen der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr (THW, Feuerwehren, Hilfs- und Rettungsdienste). Am 11. Februar 2020 wurde Strasser einstimmig zum Obmann der FDP-Fraktion im Innenausschusses des Deutschen Bundestags gewählt. Er trat die Nachfolge von Linda Teuteberg an.[9] Von 2020 bis 2021 war Strasser Sprecher für Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sowie Antisemitismusbeauftragter der FDP-Bundestagsfraktion.[10]

Darüber hinaus war Strasser ordentliches Mitglied und Obmann seiner Fraktion im 1. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des deutschen Bundestages der 19. Wahlperiode (Breitscheidplatz).[11]

Zudem war Strasser Obmann des Ausschusses für Inneres und Heimat.[12]

Strasser war stellvertretender Vorsitzender der deutsch-österreichischen Parlamentariergruppe sowie einfaches Mitglied der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Er vertrat die FDP-Bundestagsfraktion im Gremium nach § 23c Absatz 8 Zollfahndungsdienstgesetz. Strasser war zudem Schriftführer.[13]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasser setzt sich im Rahmen seiner Arbeit insbesondere für die Identifikation möglicher Strukturprobleme und Reformen in der deutschen Sicherheitsarchitektur ein.[1] Er plädiert unter anderem, das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum (GTAZ) auf eine rechtliche Grundlage zu stellen. Strasser spricht sich außerdem für die Einsetzung einer Föderalismuskommission III zur Neuordnung der Kompetenzverteilung zwischen dem Bund und den Ländern in Fragen der Inneren Sicherheit aus.[14]

Die Führung von V-Personen sieht er kritisch und hält sie nur in engen rechtsstaatlichen Grenzen für gerechtfertigt. Zur verbesserten Kontrolle von Nachrichtendiensten schlägt Strasser die Einführung eines Nachrichtendienstbeauftragten des Deutschen Bundestags vor – analog zum Wehrbeauftragten. Dieser soll mit einer angemessenen Personalausstattung die Arbeit der Nachrichtendienste permanent kontrollieren und im Gegensatz zum Ständigen Bevollmächtigten nicht ausschließlich dem Parlamentarischen Kontrollgremium, sondern dem ganzen Parlament berichten und so Reformbedarf aufzeigen.[15]

Er setzt sich außerdem dezidiert für das Existenzrecht des Staates Israel sowie den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland ein. So gilt Strasser als Mitinitiator verschiedener Beschlüsse des Deutschen Bundestages wie beispielsweise des Betätigungsverbots der Hisbollah in Deutschland oder der Verurteilung der BDS-Bewegung als antisemitisch.[16][17]

Strasser engagiert sich seit seiner Tätigkeit im 1. NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags Baden-Württemberg stark im Kampf gegen Rechtsextremismus. In Folge der Wahl von Thomas L. Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD am 5. Februar 2020 und der daraus resultierenden öffentlichen Debatte wurde Strasser auf Vorschlag des FDP-Fraktionsvorsitzenden Christian Lindner zum Vorsitzenden einer fraktionsinternen Arbeitsgruppe bestimmt.[18] Diese soll die Strategie der AfD sowie deren Narrative und Methoden analysieren und entsprechende parlamentarische Abwehrstrategien entwickeln.[19]

Bücher/Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sicherheitsrisiko Staat. Wir können uns besser gegen Terror schützen – tun es aber nicht! - Verlag Herder, Freiburg 2021, 144 Seiten, ISBN 978-3-451-07221-5.[20]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasser ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt. Seit Juni 2018 ist er Beirat des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit (ZÖS). Außerdem ist er Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), von amnesty international sowie der Blutreitergruppe Berg und des Kirchenchors St. Peter und Paul, Berg.[13]

Auf der Gründungsversammlung des Bundesmusikverbands Chor & Orchester am 29. März 2019 in Gotha wurde Strasser zum Präsidenten des neuen Dachverbands der Amateurmusik in Deutschland gewählt, der rund 3 Millionen Aktive in 100.000 Ensembles in Deutschland vertritt.[21]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasser wurde in den Jahren 2020 und 2021 von dem deutschen Wirtschaftsmagazin Capital in der Kategorie Politik zur "Jungen Elite - Top 40 unter 40" gewählt.[22][23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lebenslauf auf der Homepage von Benjamin Strasser. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 11. April 2018; abgerufen am 10. April 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.benjamin-strasser.de Lebenslauf auf der Homepage von Benjamin Strasser (Memento des Originals vom 11. April 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.benjamin-strasser.de
  2. Deutscher Bundestag - Benjamin Strasser. Abgerufen am 3. Mai 2020.
  3. www.benjamin-strasser.de
  4. Schwäbische Zeitung, 17. Dezember 2014
  5. Gemeinderatswahl 2019 Berg. Abgerufen am 17. Juni 2019.
  6. Öffentliche Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl der Kreisräte am 26. Mai 2019. Abgerufen am 17. Juni 2019.
  7. Strasser will wieder in den Bundestag: Das sind seine Themen-Schwerpunkte. Abgerufen am 25. Oktober 2020.
  8. Theurer führt Südwest-FDP in den Bundestagswahlkampf - Strasser auf Platz 6. Abgerufen am 25. Oktober 2020.
  9. FDP wählt Strasser zu ihrem Obmann im Innenausschuss. Abgerufen am 21. März 2020.
  10. Strasser neuer religionspolitischer Sprecher der FDP. Abgerufen am 6. Mai 2020.
  11. Deutscher Bundestag - 1. Untersuchungsausschuss. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  12. Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 17. Januar 2021.
  13. a b Deutscher Bundestag - Benjamin Strasser. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  14. WELT: Polizei: FDP-Innenexperte Strasser fordert Renovierung der deutschen Sicherheitsarchitektur. In: DIE WELT. 23. November 2018 (welt.de [abgerufen am 4. Dezember 2018]).
  15. Von Spitzeln geradezu umzingelt. Abgerufen am 20. Dezember 2018.
  16. Michael Thaidigsmann: "Wir müssen besser werden". 27. Mai 2020, abgerufen am 18. April 2021.
  17. Michael Thaidigsmann: "Ich finde das befremdlich". 16. Dezember 2020, abgerufen am 18. April 2021.
  18. FDP will parlamentarische Abwehrstrategien entwickeln. Abgerufen am 21. März 2020.
  19. Geli Tangermann: FDP: „Frage ist, wie wir die AfD klein machen können“. In: DIE WELT. 18. Februar 2020 (welt.de [abgerufen am 21. März 2020]).
  20. Sicherheitsrisiko Staat: Wir können uns besser gegen Terror schützen – tun es aber nicht! Abgerufen am 7. April 2021.
  21. Home. Abgerufen am 4. April 2019.
  22. Von
  23. Jenny von Zepelin
  24. : Junge Elite 2021: Sie sind bereit. 18. November 2021, abgerufen am 19. November 2021.
  25. Das sind die Top 40 unter 40 des Jahres 2020. 19. November 2020, abgerufen am 19. November 2021 (deutsch).