Benjamin Wegner

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Benjamin Wegner

Jacob Benjamin Wegner (* 21. Februar 1795 in Königsberg, Ostpreußen; † 22. Mai 1864 in Christiania, Norwegen) war ein norwegischer Industrieller, Gutsbesitzer und Holzhändler deutscher Herkunft. Er war auch hanseatischer und portugiesischer Generalkonsul in Norwegen.

Er war Schwiegersohn des Hamburger Bankiers L.E. Seyler.

Leben[Bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten]

Er wuchs in Königsberg auf. Über seine Familie ist nur wenig bekannt. Seine Mutter war in zweiter Ehe mit dem Kaufmann Benjamin Gutzeit verheiratet.

Nach eine kaufmännische Lehre in Königsberg siedelte er um 1820 nach Berlin über und war als selbständiger Makler in der baltisch-britischen Holz- und Getreidegroßhandel tätig, mit häufigen Aufenthalten in London. Er entwickelte eine enge Zusammenarbeit mit dem englischen Handelshaus Isaac Solly and Sons. Er war außerdem Freund und Agent des englischen Kunstsammlers Edward Solly; durch seine Vermittlung wurde die Gemäldesammlung Sollys von über 3.000 Bilder 1821 an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (der sie als Grundstock der Berliner Königlichen Museen stiftete) für eine Summe von 500.000 Reichstalern verkauft.

Industrieller in Norwegen[Bearbeiten]

Glashütte des Modum Blaufarbenwerks

1822 kaufte er das Modum Blaufarbenwerk in Norwegen im Namen der Bankier Wilhelm Christian Benecke und sich selbst. Er siedelte im selben Jahr nach Norwegen über und leitete das Blaufarbenwerk bis 1849 als Generaldirektor und einer der zwei Besitzer. Das Werk war das größte Industrieunternehmen Norwegens und deckte etwa vier Fünftel des weltweiten Bedarfs an Blaufarbe. Wegner steigerte jedoch nicht nur den Absatz, sondern führte auch umfassende sozialpolitische Reformen zum Vorteil der Arbeiter ein, sodass er als Ahnherr des norwegischen Wohlfahrtsstaates gilt.

1836 kaufte er das Gut Frogner (mit Frognerseteren und dem heutigen Frognerpark) in Aker bei Christiania, wo er bis 1849 wohnte. Außerdem war er einer der zwei Besitzer der Hassel Eisenhütte (50 %) und wurde schließlich der größte Miteigentümer des Hafslund Guts, mit großen Waldbesitzungen und Sägewerken in Norwegen. Im Jahr 1856 gründete er mit Iver Albert Juel die Holzfirma Juel, Wegner & Co. auf der Grundlage ihrer Anteile an Sarpsfossen.

Er war Generalkonsul der Hansestädte Hamburg (wo seine Schwiegerfamilie im Senat saßen), Lübeck und Bremen sowie des Königreiches Portugal in Norwegen.

Er hatte gute Sprachkenntnisse und sprach zumindest deutsch, englisch, französisch und norwegisch.

Familie[Bearbeiten]

Henriette Seyler (1822), Mitglied der hanseatischen Bankiersfamilie Berenberg/Goßler/Seyler

Er wurde am 15. Mai 1824 in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai mit Henriette Seyler (1805–1875) verheiratet. Sie war Tochter des Hamburger Bankiers L.E. Seyler (Chef und Mitinhaber der Berenberg Bank) und der Anna Henriette Goßler, und Enkeltochter des Bankiers Johann Hinrich Gossler und der Elisabeth Berenberg, sowie des Theaterdirektors Abel Seyler. Henriette Seyler war u.a. eine Cousine des Hamburger Ersten Bürgermeisters Hermann Goßler.

Gut Frogner, 1842 für Benjamin Wegner von Johan Christian Clausen Dahl gemalt
Sein Enkel Harald Nørregaard, von Edvard Munch gemalt (1899)

Seine Kinder, die alle in Norwegen geboren wurden, waren mit Mitglieder von verschiedenen prominenten Familien in Norwegen verheiratet (le Normand de Bretteville, Vibe, Paus und Nørregaard). Sein Sohn Johann Ludwig Wegner (* 1830) war Richter in Norwegen und mit Blanca Bretteville, Tochter des norwegischen Premierministers Christian Zetlitz Bretteville, verheiratet, und war Schwiegervater des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Karenus Kristofer Thinn. Sein zweiter Sohn Heinrich Benjamin Wegner (* 1833) war Holzhändler und der jüngste Sohn George Wegner (* 1847) war Rechtsanwalt am Obersten Gerichtshof. Benjamin Wegner war Großvater des international bekannten Kriegsberichterstatters und Arbeitsministers in der Provisorischen Regierung in China Benjamin Wegner Nørregaard, des Präsidenten des Norwegischen Roten Kreuzes Nikolai Nissen Paus, des Direktors des Norwegischen Arbeitsgeberverbandes George Wegner Paus, des Präsidenten der norwegischen Anwaltskammer Harald Nørregaard und des Weinhändlers und Konsuls in Tarragona Ludvig Paul Rudolf Nørregaard. Seine Nachkommen leben u.a. in Norwegen und Spanien. Er gilt als Stammvater der norwegischen Familie Wegner, der mehrere prominente Mitglieder zählt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf B. Wegner: Familien Wegner. Oslo 1967.
  • Tone Sinding Steinsvik: Die Kobaltgruben und das Königsblau aus Norwegen – ein Teil der großen Welt. Modum/Norwegen 2000. ISBN 82-90734-23-9.
  • Lars Roede: Industriherren Benjamin Wegner på Frogner, in Lars Roede. Frogner hovedgård: Bondegård, herskapsgård, byens gård (S. 148–161), Pax forlag 2012, ISBN 9788253034966
  • "Benjamin Wegner." In: Store norske leksikon.