Benny Gantz

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Benny Gantz (2017)
Benny Gantz (2011)

Benjamin „Benny“ Gantz (hebräisch בני גנץ; * 9. Juni 1959 in Kfar Chaim, Emek Chefer, Israel) ist ein israelischer Generalleutnant (Raw-Aluf) und Politiker (Chosen LeJisra’el). Er war von 2011 bis 2015 der 20. Generalstabschef der israelischen Verteidigungsstreitkräfte und zuvor von 2005 bis 2007 Oberbefehlshaber des Israelischen Heeres.

Mit der von ihm neu gegründeten Partei Chosen LeJisra’el und nach Zusammenschluss mit Yair Lapid's Partei Yesh Atid zur Mitte-Links Blockpartei Kachol-Lawan (Weiss-Blau), trat Gantz bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Israel April 2019 an,[1] unterlag aber dem Likud von Ministerpräsident Netanjahu. Bei den ebenfalls vorgezogenen Neuwahlen im September des Jahres wurde seine Partei trotz minimaler Verluste stärkste Kraft in der Knesset.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gantz als Generalstabschef bei einer Übung im Mai 2011
Gantz besucht das Südkommando, August 2011
Gantz empfängt Gilad Schalit nach dessen Freilassung (mit Benjamin Netanjahu, vorne rechts), 18. Oktober 2011

Gantz trat 1977 in die israelischen Verteidigungsstreitkräfte ein. Als Freiwilliger kam er zunächst zu den Fallschirmjägern und bekam 1979 das Offizierspatent. Während seiner militärischen Laufbahn diente er in verschiedenen Verwendungen und Teilstreitkräften. 1987 wurde er Kommandeur der Viper-Brigade der Fallschirmtruppen. 1989 wechselte er zu den Luftstreitkräften und übernahm die Shaldag, bis er 1992 Befehlshaber der Fallschirmjägerreserve wurde. 1994 übernahm er erst eine Brigade der Judäa-Division, und kurze Zeit darauf wechselte er, bereits zum Tat-Aluf (deutsch etwa Brigadegeneral) befördert, zur Samaria-Division.

Nach dieser Verwendung kehrte er 1995 wieder zu den Fallschirmjägern zurück und wurde Kommandeur dieser Waffengattung. 1999 wechselte er als Chef zur Lebanon Liaison Unit (deutsch: Libanonverbindungstruppe). 2000 zum Aluf befördert, übernahm er zunächst den Befehl über die Judäa-Division und kurze Zeit danach das Kommando über die Samaria-Division. Schließlich übernahm er 2002 den Befehl über das Nordkommando und wurde 2005 Kommandeur des 1998 geschaffenen Hauptquartiers des Heeres (Mazi). Dieses Kommando gab er Ende 2007 an Avi Mizrachi ab. Ab Januar 2008 war Gantz Militärattaché der israelischen Botschaft in den Vereinigten Staaten.

Gantz erwarb während seiner militärischen Weiterbildung bzw. während seiner Ausbildung verschiedene akademische Abschlüsse; so graduierte er sowohl am Inter-Arm Command and Staff College als auch am National Defense College der israelischen Streitkräfte. Darüber hinaus erwarb er den Master of Arts der US-amerikanischen National Defense University in National Resource Management. Danach schloss er ein Studium an der Universität von Tel Aviv und Haifa an und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Geschichte sowie einen weiteren Master of Arts in Politikwissenschaft.

Der Fall Madhat Yusuf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1999 übernahm das israelische Militär die Kontrolle des Zugangs zu Josefs Grab in der Stadt Nablus. Dieser Schritt führte zu heftigen Protesten unter den Palästinensern. Im Zuge der Zweiten Intifada kam es am Nachmittag des 1. Oktober 2000 zu einem bewaffneten Überfall auf das Josefsgrab. Madhat Yusuf, ein 19-jähriger drusischer Unteroffizier der Grenzpolizeitruppen der israelischen Armee, wurde dabei von einem palästinensischen Scharfschützen getroffen und erlitt eine Verletzung an einer Schlagader.[2] Der örtliche israelische Kommandant, Generalmajor Yitzhak Eitan, bat die Palästinensische Autonomiebehörde um eine Feuerpause, um den schwerverletzten Madhat Yusuf bergen zu können.[3] Die Autonomiebehörde sagte zu, konnte (oder wollte) sich jedoch offenbar gegen die eigenen Kämpfer in Nablus nicht durchsetzen. Jedenfalls trafen die Sicherheitskräfte, die Yusuf hätten evakuieren sollen, nicht ein. Madhat Yusuf verblutete nach 4 Stunden ohne Hilfe. Die genauen Umstände, wieso es nicht zur Rettung kam, sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Die Hinterbliebenen Yusufs werfen Gantz, der Befehlshaber der israelischen Einheiten im Westjordanland war, unterlassene Hilfeleistung vor. Er habe versäumt, Verstärkung zu schicken, um Yusuf zu retten, und sich stattdessen auf Verhandlungen mit den Palästinensern eingelassen. Sie versuchten, seine Benennung zum Oberbefehlshaber im Jahre 2005 vor Gericht zu verhindern. Das Gericht folgte jedoch der Argumentation des Militärs, wonach Gantz nicht der ranghöchste Offizier vor Ort war. Die Entscheidung, aus militärischen und politischen Erwägungen auf einen massiven Armeeeinsatz am Josefsgrab zu verzichten, sei höheren Orts getroffen worden. Der Fall Madhat Yusuf wurde zum Symbol gescheiterter Operationen der israelischen Armee.[2]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Dezember 2018 gründete Gantz eine politische Partei namens Chosen LeJisra’el (übersetzt: Widerstandskraft für Israel) und trat bei der Parlamentswahl am 9. April 2019 mit dem Ziel, Benjamin Netanjahu als Ministerpräsident abzulösen, an. Gantz’ Partei schloss sich mit der von Mosche Ja’alon gegründeten Telem-Partei und der liberalen Jesch Atid von Jair Lapid zum Wahlbündnis Kachol Lavan („Blauweiß“) zusammen.[4] Das Bündnis belegte in Umfragen zwischenzeitlich den ersten Platz, unterlag letztendlich aber gegen den nationalkonservativen Likud von Premier Netanjahu.

Seit dem 30. April 2019 ist Gantz Mitglied der (21.) Knesset und auch Oppositionsführer.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gantz ist verheiratet und hat vier Kinder.[5] Seine Mutter Malka Gantz, geborene Weiss, war eine Holocaust-Überlebende. Sie stammte ursprünglich aus Mezőkovácsháza, einer ungarischen Kleinstadt. Von den Nazis wurde sie nach Bergen-Belsen deportiert. Nach dem 2. Weltkrieg ging sie 1947 an Bord der Haim Arlosoroff nach Israel.[6][7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Benny Gantz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benny Gantz und Jair Lapid: Wahlallianz gegen Netanjahu. Abgerufen am 8. April 2019.
  2. a b Ulrich W. Sahm: Im Portrait: Israels neuer Oberbefehlshaber. haGalil.com - jüdisches Leben online, 14. Februar 2011, abgerufen am 2. März 2019.
  3. Police Cpl. – Madhat Yusuf. Israel Ministry of Foreign Affairs, 1. Oktober 2000, abgerufen am 2. März 2019.
  4. Herausforderer Benny Gantz in der Defensive. Abgerufen am 8. April 2019.
  5. Haaretz: Benny Gantz, Netanyahu Rival, Gives Campaign Launch Speech - Full English Transcript. In: Haaretz. (haaretz.com [abgerufen am 17. Februar 2019]).
  6. https://www.watson.de/international/best%20of%20watson/997339828-netanjahu-herausforderer-benny-gantz-wer-ist-der-favorit-in-der-israel-wahl%7Ctitel= Er will Netanjahu in Israel schlagen: Wer ist Benny Gantz?
  7. Israel commemorates Holocaust Remembrance Day. Haaretz, 8. April 2013, abgerufen am 18. April 2017.
  8. In Auschwitz, Israeli army chief vows to prevent a ‘second Holocaust’. Times of Israel, 8. April 2013, abgerufen am 18. April 2017.
VorgängerAmtNachfolger
Jiftach Ron-TalStabschef des Heeres
2005–2007
Avi Mizrachi
Gabi AschkenasiGeneralstabschef der israelischen Streitkräfte
2011–2015
Gadi Eizenkot