Benny Gantz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Benny Gantz (2011)

Benny Gantz (hebräisch בני גנץ; * 9. Juni 1959 in Kfar Ahim (Israel)) ist ein israelischer Generalleutnant (Raw-Aluf) und war von 2011 bis 2015 der 20. Generalstabschef (Ramatkal) der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Tzahal). Davor war er von 2005 bis 2007 Oberbefehlshaber des Israelischen Heeres. Seine Mutter ist eine Holocaustüberlebende.[1][2]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gantz besucht das Südkommando, August 2011
Gantz empfängt Gilad Schalit nach dessen Freilassung (mit Benjamin Netanjahu, vorne rechts), 18. Oktober 2011

Gantz trat 1977 in die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte ein. Als Freiwilliger kam er zunächst zu den Fallschirmjägern und bekam 1979 das Offizierspatent. Während seiner militärischen Laufbahn diente er in verschiedenen Verwendungen und Teilstreitkräften. 1987 wurde er Kommandeur der Viper-Brigade der Fallschirmtruppen. 1989 wechselte er zu den Luftstreitkräften und übernahm die Shaldag bis er 1992 Befehlshaber der Fallschirmjägerreserve wurde. 1994 übernahm er erst eine Brigade der Judäa-Division und kurze Zeit darauf wechselte er, bereits zum Tat-Aluf (dt. etwa Brigadegeneral) befördert, zur Samaria-Division.

Nach dieser Verwendung kehrte er 1995 wieder zu den Fallschirmjägern zurück und wurde Kommandeur dieser Waffengattung. 1999 wechselte er als Chef zur Lebanon Liaison Unit (dt.: Libanonverbindungstruppe). 2000 zum Aluf befördert, übernahm er zunächst den Befehl über die Judäa-Division und kurze Zeit danach das Kommando über die Samaria-Division. Schließlich übernahm er 2002 den Befehl über das Nordkommando und wurde 2005 Kommandeur des 1998 geschaffenen Hauptquartiers des Heeres (Mazi). Dieses Kommando gab er Ende 2007 an Avi Mizrachi ab. Seit Januar 2008 war Gantz Militärattaché der israelischen Botschaft in den Vereinigten Staaten.

Gantz erwarb während seiner militärischen Weiterbildung bzw. während seiner Ausbildung verschiedene akademische Abschlüsse, so graduierte er sowohl am Inter-Arm Command and Staff College, als auch am National Defense College der israelischen Streitkräfte. Darüber hinaus erwarb er den Master of Arts der US-amerikanischen National Defense University in National Resource Management. Danach schloss er ein Studium an der Universität von Tel Aviv und Haifa an und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Geschichte und einen weiteren Master of Arts in Politikwissenschaft.

Der Fall Madhat Yusuf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Beginn der Zweiten Intifada kam es am Nachmittag des 1. Oktober 2000 zu einem bewaffneten Überfall auf das Josefs Grab in der Stadt Nablus, das seit Anfang 1999 vom israelischen Militär kontrolliert wurde, was zu heftigen Protesten unter den Palästinensern führte. Der 19-jährige drusische Grenzsoldat Madhat Yusuf wurde dabei von einem Scharfschützen an der Schlagader getroffen und verblutete nach 4–5 Stunden vor Ort ohne Hilfe.

Die Hinterbliebenen Yusufs werfen Gantz, der Kommandant der israelischen Einheiten im Westjordanland war, unterlassene Hilfeleistung vor und versuchten seine Benennung zum Oberbefehlshaber im Jahre 2005 vor Gericht zu verhindern. Das Gericht folgte jedoch der Argumentation des Militärs, wonach Gantz nicht der ranghöchste Offizier vor Ort war und die militärischen als auch politischen Erwägungen überwogen: Israel solle keine eigenen Truppen entsenden, sondern die palästinensische Autonomiebehörde unter Jassir Arafat einschalten, Yusuf retten und für Ruhe sorgen. Die genauen Umstände, wieso es nicht zur Rettung kam, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Der Fall Madhat Yusuf wurde zum Symbol gescheiterter Operationen der israelischen Armee.[3][4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gantz ist verheiratet und hat drei Kinder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Benny Gantz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Israel commemorates Holocaust Remembrance Day. Haaretz, ; abgerufen am 18. April 2017.
  2. In Auschwitz, Israeli army chief vows to prevent a ‘second Holocaust’. Times of Israel, ; abgerufen am 18. April 2017.
  3. Police Cpl. – Madhat Yusuf. Israel Ministry of Foreign Affairs, 1. Oktober 2000; abgerufen am 18. April 2017.
  4. Im Portrait: Israels neuer Oberbefehlshaber. haGalil.com - jüdisches Leben online, 14. Februar 2011; abgerufen am 18. April 2017.
VorgängerAmtNachfolger
Gabi AschkenasiGeneralstabschef der israelischen Streitkräfte
2011–2015
Gadi Eizenkot
Jiftach Ron-TalStabschef des Heeres
2005–2007
Avi Mizrachi