Benutzer:LutzBruno/Projekt 9

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Geschichte des Elbe-Elster-Landes[Bearbeiten]

Hügelgräberfeld Schweinert
Das Frankenreich 768-811, Östlich von Saale und Elbe waren Slawische Gebiete.
ungefähre Grenzziehung der Grafschaft Brehna um 1480

Ur und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Für das Elbe-Elster-Land wird von einer nur mäßigen Besiedlungsdichte zur Steinzeit ausgegangen. Archäologische Funde gibt es für etwa die Gegend von Malitschkendorf, in der unter anderem Stielspitzen aus der Endaltsteinzeit (ca. 8000 v. Chr.) erhalten sind. Kleinere Fundorte aus der Mittelsteinzeit liegen nahe der Schwarzen Elster bei Herzberg, Zeischa und im Schraden.

Für die Bronzezeit lässt sich eine große Dichte an Siedlungen und Hügelgräberfeldern für die Region entlang der Flussläufe nachweisen. Nur wenige sind noch oberflächlich sichtbar, da die meisten durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zerstört wurden. Neben den Burgwällen bei Falkenberg, Gerbisbach und Kosilenzien ist das Hügelgräberfeld „Schweinert“ bei Uebigau noch erhalten. Der Burgwall bei Malitschkendorf ist vermutlich erst in der Frühen Eisenzeit errichtet worden, obwohl es neben dem Burgwall auch Spuren aus der Frühen Bronzezeit gibt.[1][2]

Besiedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Zur Zeit Karls des Großen reichte das Fränkische Reich bis an Saale und Elbe. Das Land östlich der Elbe und der Schwarzen Elster war damals vereinzelt von Slawen besiedelt. Mit den erfolgreichen Kriegszügen Geros gegen die Slawen entstand die Sächsische Ostmark.[3] Das Elbe-Elster-Land machte einen großen Teil des in der Ostmark liegenden Gau Nizizi aus. Bis dahin nannte man das Gebiet auch Mezumroka (altsorbisch: Zwischen den Sümpfen, Grenzland).[4][5][6]

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde das Elbe-Elster-Gebiet Teil der Ostmark und damit in das Deutsche Reich eingefügt. Zu dieser Zeit lebten nur kleinere slawische Stämme meist in den Randlagen des Gebietes. Das Kernland war kaum bewohnt. Mit der Schaffung von Burgwartmittelpunkten kamen deutsche Siedler in das Land. Dabei wurden die ersten Burgen oft auf altslawischen Burgen errichtet, wie zum Beispiel die in den Kaiserurkunden erwähnten Burgen Klöden (965), Prettin (981), Zwethau (1004) und auf dem archäologisch gesicherten Burgwall Mühlberg/Elbe. Mit dem späteren Landesausbau im 12. Jahrhundert verloren diese Burgwartmittelpunkte ihre Bedeutung und fungierten jetzt als dörfliche Ministerialiensitze. Die Burg Mühlberg hatte jedoch als ursprünglich markgräfliche Burg ihre Bedeutung behalten können.[7]

Nach dem Sturz Heinrich des Löwen im Jahr 1180 gelangte das Land um Wittenberg zum Herzogtum Sachsen, welches mit dem mit dem Reichsmarschallamt verbunden war. Über Bernhard III. gehörte es nun zum Herrschaftsgebiet der Askanier. Weiter nördlich hatten zuvor auch Albrecht der Bär als Markgraf von Brandenburg und Bischof Wichmann Bauern und Bürger im Rheinland, in Flandern, Sachsen und Franken für ostelbische Siedlungsgebiete werben lassen.

Der Handel über die Fernhandelswege von Magdeburg und Zerbst über Wittenberg führte in das Gebiet der Schwarzen Elster und weiter in die Niederlausitz oder nach Meißen. Schnell wuchsen jetzt Marktflecken und Ortschaften. Beleg dafür sind unter anderem die nach dem Schutzpatron der reisenden Händler benannten Nikolaikirchen, die häufig entlang der Straßen zu finden sind.

Im Süden begannen die Naumburger Bischöfe ihre Herrschaft im Elbe-Elster-Gebiet auszubauen. Grundlage dafür bildete eine Schenkung in den Jahren 1064 und 1065 durch König Heinrich IV., welche die Burgwarte in Strehla, Gröba und Boritz einschloss.[8] Nach Ottos Tod (1190) vereinnahmte der König die Mark Meißen als erledigtes Reichslehen (1195), womit das Gebiet südlich des Elbe-Elster-Landes nun von königlichen Beamten verwaltet wurde. Gleichzeitig wurde dieses Gebiet nun Teil des mitteldeutschen Reichsterritoriums, was vermutlich bis in die Niederlausitz reichte. Damit hatte die Zentralgewalt über die partikulären Kräfte gesiegt. Aber mit dem plötzlichen Tod des Königs 1197 gelang es den Wettinern nach kurzer Zeit erheblich an Macht zu gewinnen. So übernahm etwa der Wettiner Dietrich der Bedrängte 1210 die Mark Niederlausitz, nachdem eine andere Linie der Wettiner mit dem Tod Konrad II. ausstarb. Die dafür ursprünglich vereinbarte Zahlung von 15.000 Mark wurde um ein Drittel nachgelassen. Die Wettiner begannen nun eiligst das Gebiet auszubauen, wobei sie es in Vogteibezirke aufgliederten. Dabei entstand meist neben einer befestigten Stadt eine Burg, die den den Sitz des landesfürstlichen Vogts bildete. Handel, Verkehr und der Ausbau neuer Straßen und Wege wurden ebenso gefördert wie die Gründung neuer Städte.[9]

Auch die Regelungen in der Oberlausitzer Grenzurkunde reichen bis in das Elbe-Elster-Land. Zu dieser Zeit entstehen deutsche Siedlungen um Dobrilugk. So etwa 1228 Lugau und Lindenau, 1229 Frankena und Münchhausen, 1231 Gruhno und 1234 weitere. Schon unter Dietrich II., also in der Zeit zwischen 1165 und 1184, gründeten Mönche aus dem thüringischen Kloster Volkenroda das Kloster Dobrilugk.

Um 1200 entstanden innerhalb weniger Jahrzehnte Burgen in Mückenberg, Elsterwerda, Saathain, Liebenwerda, Würdenhain, Wahrenbrück und Uebigau am linken Ufer der Schwarzen Elster. Der einzig erhaltene Wartturm aus dieser Zeit ist der Lubwartturm in Bad Liebenwerda. Die Burgen dienten der Sicherung der Flussübergänge,aber auch dem Schutz und der Kontrolle der parallel zur Schwarzen Elster verlaufenden Heer- und Handelsstraßen.

Friedrich der Freidige
Waldemar von Brandenburg
Die kursächsischen Ämter Annaburg, Schweinitz, Schlieben, Liebenwerda, Sonnewalde.

Der Adel, welcher der wettinischen Landesherrschaft unterstand, versuchte sich als Städtegründer. So zum Beispiel die Herren Ileburg (später auch Eulenburg), die 1295 über Münze und Juden ihrer Städte Mühlberg und Liebenwerda verfügten. Dieses Adelsgeschlecht übernahm, von den Wettinern beauftragt, als Ministerialenfamilie die Verwaltung und Führung in zahlreichen Orten zwischen Eilenburg und der Niederlausitz. Den Ileburgern gelang es, die verwalteten Güter erblich in ihren Besitz zu bringen. Bedingt durch die strategische Lage des Elbe-Elster-Landes zwischen den Marken Brandenburg und Meißen gehörte ihre Loyalität mal dem einen, mal dem anderen Markgrafen. Eine wichtige Rolle für die Besiedlung des nördlichen Teils des Elbe-Elster-Landes spielten die Grafen zu Brehna. Um 1200 residierten die Brehnaer Grafen zunächst in Löben, später in Herzberg.

Im Jahre 1290 erhielt Rudolf I. die Grafschaft Brehna, womit nun auch das Elbe-Elster-Land in das Herzogtum Sachsen-Wittenberg überging, das zum Stammland des späteren Kurfürstentums Sachsen werden sollte.[10] Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Elbe-Elster-Land am 14. April 1312, als Friedrich der Freidige im Vertrag zu Tangermünde nach seiner Gefangennahme bei Hayn, dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg, 32.000 Mark in Silber zu zahlen binnen drei Tagen versprach. Weiter versprach er die Mark Lausitz, das Land zwischen Elbe und Elster (auch Osterland), und die Städte Hayn und Torgau an den Brandenburger abzutreten.[11][12][13][14] Unter Elbe-Elster-Land wurde zu der Zeit vor allem das Gebiet der späteren kursächsischen Ämter Mühlberg, Liebenwerda, Schweinitz, Lochau und Schlieben verstanden. Die Niederlausitz wurde nicht mit zum Elbe-Elster-Land gezählt.

Der letzte Askanier war Albrecht III. ( Albrecht der Arme), der 1422 nach einem Brand in seiner Unterkunft in der Lochauer Heide seinen Verletzungen erlag. Seine Witwe, Euphemia von Oels, bezog ihr Wittum im Schloss Liebenwerda und erweiterte dieses in den Folgejahren um das Vorschloss. Zu ihren Wittum gehörten auch Wahrenbrück und weitere Dörfer, wie Hohenleipisch, Lausitz und Berga bei Schlieben, aus denen sie Steuern und Naturallieferungen bezog.[15]

Die Leipziger Teilung 1485 teilte auch das Elbe-Elster-Land. Die Gebiete um Mühlberg und Elsterwerda wurden Teil der von den Albertinern beherrschten Gebiete, alles nördlich von Liebenwerda bis nach Wittenberg waren nun Teil der von den Ernestiner regierten Länder.

Reformation[Bearbeiten]

Philipp Melanchthon

Das Kurfürstentum Sachsen wurde darauf 1423 vom Kaiser Sigismund dem Wettiner Markgrafen Friedrich dem Streitbaren von Meißen und Thüringen für seinen Kampf gegen die Hussiten als Lehen übertragen. Nur wenige Jahre zuvor hatte der Schliebener Johannes von Drändorf, einer der rührigsten deutschen Anhänger des Hussitismus, seinen Kampf für den reformierten Glauben begonnen. Später erinnerten Martin Luther und Philipp Melanchthon an seinen Märtyrertod, und betrachteten ihn als Vorreiter der Reformation.[16]

Die Nähe zu Wittenberg brachte auch eine Nähe zur Reformation mit sich. Nachdem eine entflohene Nonne den Pfarrer Hartmann Ibach aus Sonnewalde geheiratet hatte, zeigten sich bald im Mühlberger Nonnenkloster Auflösungserscheinungen. Die beantragte Auslieferung der beiden wurde 1524 von den Gebrüdern von Minkwitz abgelehnt. Die Sonnewalder Herren von Minkwitz waren Anhänger der Neuern Lehre. 1525 richtete Luther an ihn einen Brief über die Neuordnung des Gottesdienstes ans sie. Auch der Mühlberger Probst Georg Koeler verließ das Kloster, um eine Pfarrstelle im ernestinischen Liebenwerda anzunehmen. 1526 bat Koeler um Beurlaubung, um in Wittenberg das Bibelstudium zu beginnen.[17] Luther selbst trieb die Neubesetzung der Pfarrstellen immer wieder voran. So empfahl er 1524 Johannes Buchner (Heller) als Diakon nach Jessen, 1544 führte er Martinus Gilbert de Spaignarts, ein französischer Lutheraner,[18] als Superintendent in Liebenwerda ein. Luther traf Karl von Miltitz zweimal im Elbe-Elster-Land, im Oktober 1519 in Liebenwerda und ein Jahr darauf im Antoniterkloster Lichtenberg bei Prettin. In Herzberg/Elster wurde schon 1522 der evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache durch Johannes Wagner eingeführt. Martin Luther nahm 1522 und 1533 an den Schul- und Kirchenvisitationen in Herzberg teil. Zwei ganzfigurige Bildnisse aus dem Ende des 16. Jahrhunderts von Martin Luther und Philipp Melanchthon sind bis heute im Besitz der Marienkirche. Melanchthon verfasste 1538 eine Schulordnung für das Herzberger Gymnasium, die im Laufe des 16. Jahrhunderts in ganz Deutschland übernommen wurde. Johannes Clajus verfasste dazu dann 1578 in Herzberg die „Grammatica Germanicae Linguae“, ein Wegbereiter der Deutschen Grammatik.

Im 16. Jahrhundert gewann das Elbe-Elster-Land als kurfürstliches Jagdgebiet an Bedeutung. Zeichen dafür sind der Bau des Jagdschlosses Annaburg und der Umbau des Schlosses in Liebenwerda. Weitere Schlösser folgten.

Schmalkaldischer Krieg[Bearbeiten]

Schlacht bei Mühlberg, Holzstich von 1550

Mit dem Ausgang der Schlacht bei Mühlberg, bei der am 24. April 1547 der Führer der Protestanten, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, im Elbe-Elster-Land bei Falkenberg in Gefangenschaft geriet, fand der Schmalkaldische Krieg ein Ende. Nach der Wittenberger Kapitulation fiel der ernestinsche Teil des Elbe-Elster-Landes an Moritz von Sachsen, dem schon die Gebiete zwischen Mühlberg und Elsterwerda gehörten. Auch die Kurwürde ging auf Moritz über, da mit der Übernahme des Stammgebietes des Herzogs von Sachsen auch das Amt des Erzmarschall verbunden war.

Moritz begann nun mit der Neuaufteilung seines Reiches, und so entstand unter anderem der Kurkreis mit seiner Hauptstadt Wittenberg. Zum Kurkreis gehörten auch die Ämter Liebenwerda, Pretzsch, Seyda, Schlieben, Schweinitz und die Herrschaften Sonnewalde und Baruth. Hingegen fand sich nun der südliche, und östliche Teil des Elbe-Elster-Landes im Meißnischem Kreis wieder, und zwar in den Ämtern Hayn, Mühlberg, Senftenberg und Finsterwalde.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Herzberg auf einer Karte von Isaak Jacob von Petri um 1762

Bis zum Schwedischem Krieg blieb das Elbe-Elster-Land von direkten Kriegseinwirkungen verschont. Die Heeressteuern, Ausrüstungen und Waffenlieferungen, die von den Städten und Dörfern gefordert wurden, waren jedoch eine große Last, auch mussten die durchziehenden Truppen versorgt werden. Liebenwerda hatte schon 1614 eine Mannschaft aufzustellen, deren Ausrüstung 750 Gulden kostete. Als die Stadt 1623 die Mannschaft nach Bautzen und Sonnewalde zu entsenden hatte, zahlte der Rat weitere 1132 Gulden Löhnung. So hatten nun viele Städte für die Aufstellung und Ausrüstung von Mannschaften zu zahlen, in Torgau beispielsweise 1235 Gulden für den Sold. Dazu kamen neben den normalen Landessteuern ständig neue Lieferungsbefehle für Brot, Korn und Hafer. So hatte zum Beispiel die Stadt Liebenwerda einmal innerhalb von drei Tagen über einhundert Zentner Brot zu liefern. Zusätzlich wurde der Rat angewiesen, das Brot den Bürgern wegzunehmen, um die geforderte Menge überhaupt beibringen zu können. Zunehmend mussten die Städte sich Geld leihen, etwa von den Kirchen, um die Forderungen zu erfüllen. Dennoch hatten sie Steuerschulden bei ihren Landesherren.

Mit dem Schwedischem Krieg drang im Sommer 1631 erstmals eine kroatische Streifschar aus der Lausitz kommend in das Elbe-Elster-Land ein, plünderte Dörfer und brannte das Dorf Wiederau und die Stadt Uebigau nieder. Auch Wahrenbrück wurde ausgeraubt und weitgehend eingeäschert. Der Heerführer der Katholischen Liga Johann t’Serclaes von Tilly zog im selben Jahr von Ortrand nach Finsterwalde und hinterließ ein ausgeraubtes Land.[19] Ebenfalls im Jahr 1631 wurde Schlieben durch Truppen des Kaisers Ferdinand II zerstört.

Das zu jener Zeit durch ein umfangreiches Fluss- und Grabensystem geschützte Herzberg gilt als eine der wenigen deutschen Städte, die während des Dreißigjährigen Krieges nicht erobert werden konnten. Jedoch erlitt die Region schwere Verwüstungen durch umherziehendes Kriegsvolk. Besonders hart traf es das Elbe-Elster-Gebiet 1637, als schwedische Truppen des Generals Johan Banér im Januar Torgau einnahmen und dort bis in den Frühsommer lagerten.[20] Sie durchstreiften das angrenzende Elbe-Elster-Land, plünderten die Orte und setzten sie in Brand. Die Spuren des Dreißigjährigen Krieges waren noch lange Zeit in den Städten und Dörfern sichtbar.[21][22]

Neben Herzberg hielt auch die Stadt Sonnewalde lange den Belagerungen verschiedener Truppen stand, etwa 1635 der Belagerung von General Baner. Menschen flohen mit ihrem Hab und Gut, besonders mit ihrem Vieh aus den Gebieten um Finsterwalde, Dobrilugk und Liebenwerda nach Sonnewalde. Erst im April 1642 mussten die Verteidiger unter Kottwitz wegen eines Verrats die Stadt aufgeben.[23] Das Schloss Sallgast wurde auch von schwedischen Truppen belagert, wurde aber nicht eingenommen.

Neben den Kriegsfolgen litten die Bewohner des Gebietes auch unter der Pest, die in mehreren großen Epidemien über die Region hereinbrach. Am Ende des Krieges fielen einige Dörfer wüst, in allen anderen Orten lagen viele Hufen noch für Jahrzehnte wüst und wurden erst nach und nach von einheimischen und neu eingewanderten Siedlern übernommen.

Siebenjähriger Krieg[Bearbeiten]

Am 20. Februar 1760 traf sich das preußische 4. Kürassier-Regiment und österreichische Truppen zum Gefecht bei Koßdorf

Die jahrelangen Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Plünderungen großer Teile des Elbe-Elster-Landes, vor allem durch preußische Truppen, führte zu großen Spannungen. Seit 1758 waren es Truppen des Friedrich August von Finck, die in den Dörfern um Mühlberg den Bewohnern oft nur die Kleidung, die sie am Leibe trugen, beließen. Auch die Kirchenkassen wurden geraubt.

Dramatisch verliefen oft die Zwangsrekrutierungen der Preußen. Konnten etwa um 1753 in Hohenleipisch noch 30 Bauernsöhne zwangsrekrutiert werden, hatte man bei der Rekrutierung 1763 weniger Erfolg, da alle wehrfähigen Söhne in die Heide flohen. Die Preußen nahmen dafür die Väter und Mütter als Geiseln, und folterten diese. Oft flohen dann die Leute, sobald die preußischen Truppen kamen, was vom Militär mit Brandschatzung beantwortet wurde. In der Stadt Uebigau lagerten im Oktober 1760 Teile des österreichischen Regiments Stampa und Kroaten aus dem Korps des Generals Ried. Die Ackerbürger und Bauern verloren alles Heu und Korn an die Besatzer. Ein Offizier ließ den Bürgermeister und angesehene Bürger öffentlich misshandeln. Am 20. Februar 1760 traf das preußische 4. Kürassier-Regiment bei Koßdorf auf österreichische Truppen. Im selben Jahr fand die Schlacht bei Torgau statt, in der die Preußen nach hohen Verlusten siegten. Danach wurden bis zum Frieden im Jahr 1763 die besetzten Gebiete weiter von preußischen Truppen mit hohen Kontributionsforderungen geplagt.

Befreiungskriege[Bearbeiten]

Erstürmung Wittenbergs durch die alliierten Truppen am 13. Januar 1814

Während der Befreiungskriege lagerten hier immer wieder große Truppenverbände oder zogen hindurch. Schon nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1812 kamen Napoleons Soldaten auf dem Rückzug durch das Land. In Liebenwerda erinnert das Franzosengrab, ein Grabhügel am Rande der damaligen Stadt, an diese Zeit. Kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig nahmen Ende September die Korps der Generäle Dobschütz und Tauentzien mit 30.000 Mann in der Stadt Liebenwerda für zehn Tage Quartier. Etwa zur gleichen Zeit lagerte vom 28. bis 30. September 1813 das Korps von Gebhard Leberecht von Blücher mit 30.000 Mann im nahe gelegenen Elsterwerda und Kotschka.[24] Im Oktober 1813 befand sich das Hauptquartier von Blücher, Yorck und Tauentzien im Jessener Schloss. Am 13. Januar 1814 begann die Erstürmung Wittenbergs durch alliierten Truppen.

Preußische Zeit[Bearbeiten]

Lauf der Schwarzen Elster zwischen Haida, Würdenhain und Prieschka um 1850
Eisenbahnknotenpunkt Falkenberg/Elster
Altes Eisenmoorbad in Bad Liebenwerda.

Im Frühjahr 1815 wurde aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Regelungen das Elbe-Elster-Land der Preußischen Landesherrschaft unterstellt. 1816 wurden aus den Ämtern Liebenwerda, Mühlberg und Teilen des Amtes Hayn der preußische Landkreis Liebenwerda, aus den Ämtern Schlieben, Seyda, Schweinitz, Annaburg und Pretzsch entstand der Landkreis Schweinitz. Beide Kreise wurden dem Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen unterstellt. Die Niederlausitzer Ämter Dobrilug, Finsterwalde und Sonnewalde wurden dem Landkreis Luckau zugeordnet, der zum Regierungsbezirk Frankfurt in der Provinz Brandenburg gehörte.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch im Elbe-Elster-Land die Industrialisierung ein. Vor allem die in der Region entdeckten Braunkohlevorkommen um Plessa/ Lauchhammer und Tröbitz gewannen rasch an Bedeutung, was mit einer stärkeren Anbindung zum Umland und an Industriezentren wie Berlin, Dresden, Leipzig und Wittenberg in Form des Ausbaus der Landstraßen, der Errichtung der Eisenbahnstrecken und weiteren Verbesserungen der Infrastruktur einherging.

Ein die ganze Region betreffendes Projekt war zunächst die 1852 bei Zeischa beginnende Begradigung der Schwarzen Elster. Innerhalb von elf Jahren wurde der Fluss, der bis dahin aus zahlreichen Fließen bestand, auf einer Länge von neunzig Kilometern komplett neu eingedeicht. Durch diese Maßnahme, bei welcher zeitweise bis zu 1.200 Arbeitern zum Einsatz kamen, gehört die Schwarze Elster noch heute zu einem der am meisten eingeengten Flüsse Mitteleuropas.[25][26][27][28][29]

Kurz darauf prägte der Eisenbahnbau die Region. Bereits 1848 war durch die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnstrecke von Riesa nach Jüterbog errichtet worden, wodurch die Anbindung an die Bahnstrecke Leipzig–Dresden gelang, die als die erste deutsche Ferneisenbahn gilt. Ab 1871 folgten innerhalb kürzester Zeit die Strecken Falkenberg/Elster–Cottbus (1871), Halle–Eilenburg–Falkenberg/Elster (1872), Falkenberg/Elster-Kohlfurt (1874), Falkenberg/Elster-Wittenberg (1875), Berlin–Dresden und Elsterwerda-Riesa (1875). In Falkenberg/Elster, Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda/ Biehla entstanden Eisenbahnknotenpunkte, wobei Falkenberg/Elster zu einem der bedeutendsten Eisenbahnkreuze Deutschlands werden sollte. Gleich fünf, mit der 1898 eröffneten Bahnstrecke nach Uckro sogar sechs, Eisenbahnstrecken wurden hier miteinander verbunden. Es brachte dem einstigen Dorf schließlich das Stadtrecht,[30] da der Ort durch die Eisenbahn ein stetiges Wachstum durch den Zuzug von Einwohnern und der Ansiedlung von Industrie-Betrieben erfuhr. Die historische Verbindung von der Schwarzen Elster zur Elbe, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Elsterwerda-Grödel-Floßkanal, verlor durch den Eisenbahnbau an Bedeutung. Mehrmals verfolgte Pläne einen Großschifffahrts-Kanals von der Elbe über die Schwarze Elster und Spree zur Oder unter Einbezug des Floßkanals zu bauen, wurden nie realisiert.[31]

Auch in vielen anderen Orten der Region, vor allem aber den Städten, stiegen nun die Einwohnerzahlen. In der Tuchmacherstadt Finsterwalde erhöhte sich die Bevölkerung beispielsweise im Zeitraum 1879 bis 1933 von 7.690 auf 16.456, in Elsterwerda von 3.193 auf 8.738, in Bad Liebenwerda von 3.025 auf 3.571 und in Herzberg von 4.009 auf 4263. Am stärksten betraf diese Entwicklung die im äußersten Osten des Elbe-Elster-Landes gelegene, vom Braunkohlebergbau geprägte Stadt Mückenberg, dem heutigen Lauchhammer. Hier wuchs die Bevölkerung von 4.627 Einwohnern bis zum Beginn des Nationalsozialismus im Jahre 1933 auf 19.734. Auch die beiden Städte Doberlug und Kirchhain, wo sich die Weißgerberindustrie etablierte, hatten ein starkes Wachstum der Einwohnerzahlen zu verzeichnen (Doberlug wuchs von 1.696 auf 2.149 Einwohner und Kirchhain von 3.264 auf 5.627), was später zur Zusammenlegung der beiden Städte zum heutigen Doberlug-Kirchhain führte.[32]

Während sich in der weitgehend landwirtschaftlich geprägten Region Orte, wie Mückenberg, Finsterwalde, Falkenberg/Elster und Elsterwerda zu Industrie-Zentren entwickelten, begann sich in Liebenwerda und Herzberg das Kurwesen heraus zu bilden. In beiden Städten entstanden Kurhäuser in denen Moor-, Dampf-, Wasser- und Brausebäder verabreicht wurden. Das dafür benötigte Moor schaffte man mittels Pferdegespannen aus nahe gelegenen Lagerstätten im „Loben“ bei Hohenleipisch beziehungsweise Kolochau und Polzen heran. Liebenwerda darf sich seit 1925 „Bad“ nennen.[33][34]

Der aufstrebenden regionalen Wirtschaft gelangen Pionierleistungen, wie im Jahre 1912 die Erstellung der ersten Hochspannungsleitung mit einer Betriebsspannung von über 100 kV in Europa, der 110-kV-Leitung von Lauchhammer nach Riesa. Die 1924 erfolgte Realisierung der ersten Abraumförderbrücke der Welt in der Braunkohlengrube „Agnes“ in Plessa nach Plänen des Bergwerksdirektors Friedrich von Delius revolutionierte den Bergbau. Drei Jahre darauf wurde in unmittelbarer Nachbarschaft eines der modernsten Spitzenlastkraftwerke jener Zeit in Betrieb genommen.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Deutschlandsender III
Kriegsgefangenenlager Stalag IV-B

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 ging zunächst mit dem Einsetzen regimetreuer Personen und Funktionären in den Schlüsselpositionen von Politik, Verwaltung, Industrie und des öffentlichen Lebens einher. Rigoros ging man gegen die jüdische Bevölkerung, wie zum Beispiel der Finsterwalder Kaufmannsfamilie Galliner, die ihr Kaufhaus nach Drangsalierungen und Verleumdungen verkaufen musste[35], Kommunisten sowie andere Regimegegner und Kritiker vor. So fiel der Saathainer Pfarrer Wolfgang Bastian einer Denunzierung zum Opfer und der Domsdorfer Sozialist Max Borrack wurde im Gefängnis Brandenburg-Görden wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet. Andere wurden in Zuchthäuser und Konzentrationslager verschleppt, wo sie lange Haftstrafen absitzen mussten oder ums Leben kamen.

Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges erfolgte der Bau und Ausbau regionaler Militäranlagen. In Hohenleipisch wurde zum Beispiel im Schutz der weiten Wälder der Liebenwerdaer Heide ab dem Jahr 1936 eine Luftmunitionsanstalt errichtet, um die militärischen Flugplätze der Umgebung in Finsterwalde, Großenhain und Lönnewitz mit Munition und Bombennachschub zu versorgen.

1939 wurde in Herzberg der Deutschlandsender III in Betrieb genommen. Der dazu gehörige Antennenmast war zu diesem Zeitpunkt mit einer Gesamthöhe von 337 Metern nach dem Empire State Building das zweithöchste Bauwerk der Erde. Es entstanden Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager, wie in Schlieben, wo ab 1938 im Ortsteil Berga ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald bestand, das dem Rüstungsunternehmen „Hasag Hugo Schneider AG“ als Lieferant von Häftlingen zur Zwangsarbeit diente. 217 Häftlinge verloren bis zur Schließung des Lagers im April 1945 ihr Leben. Die Wehrmacht errichtete 1939 bei Neuburxdorf das Kriegsgefangenenlager Stammlager IV B, das bis zu bis zu 16.000 Mann gleichzeitig Platz bot und in dem bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 3000 Menschen den Tod fanden. Auch in den Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben wurden bald Zwangsarbeiter eingesetzt, die zum Teil die in den Kriegsdienst eingezogenen Arbeiter ersetzen mussten. In Annaburg begann man ab 1941 indische Kriegsgefangene für die der Wehrmacht unterstellte Legion Freies Indien zu rekrutieren.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges ging mit alliierten Bombenangriffen auf Industriebetriebe und Infrastruktur einher. Dabei traf es vor allem die Städte und Eisenbahnanlagen. Die Region wurde in den letzten Kriegstagen zum Zwischenland der aus Richtung Westen und Osten aufeinander zu rollenden Fronten. Schlimm traf es in diesen Tagen die Bergarbeitergemeinde Plessa im Schraden, in welcher nach heftigem Widerstand der durch den Ort ziehenden Kräfte der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ die vorrückende Rote Armee 724 Gebäude nieder brannte. Zwischen dem 22. und 25. April 1945 starben 155 Einwohner des Dorfes.[36][37]

In dieser Zeit strandete in der Gemeinde Tröbitz nach einer Irrfahrt durch noch unbesetzte Teile Deutschlands auch ein mit über zweitausend sogenannten „Austauschjuden“ besetzter Zug aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Am 23. April 1945 fanden vorrückende Truppen der Roten Armee den Zug, der später als Verlorener Zug bekannt wurde und befreiten die Häftlinge, von denen über 200 die Fahrt nicht überlebt hatten. In den nachfolgenden Wochen starben weitere 320 Menschen an den Nachwirkungen des Todestransports durch eine Epidemie.

Leutnant Kotzebue und drei weitere Mitglieder der US-amerikanischen Patrouille

Zwei Tage darauf kam es wenige Kilometer südlich zur ersten Begegnung US-amerikanischer und sowjetischer Truppen auf deutschem Boden. Am Morgen des 25. April 1945 überquerte eine amerikanische Patrouille unter Leitung von Oberleutnant Albert Kotzebue die Elbe bei Lorenzkirch, wo sie auf die sowjetischen Truppen traf. Inmitten von etwa zwei- bis dreihundert Leichen deutscher Zivilisten, die durch streuendes Artilleriefeuer ums Leben gekommen waren, begegneten sie auf den Elbwiesen dem russischen Oberstleutnant Alexander Gordejew, Kommandeur des 175. Schützen-Regiments der 58. Gardeinfanterie-Divison sowie auf weitere Angehörige der Roten Armee. Da man den Ort dieser Begegnung für heroische Fotoaufnahmen auf Grund des Leichenfeldes als nicht geeignet hielt, brach man das Treffen ab und verabredete sich für den gleichen Tag zu weiteren Treffen in den bei Mühlberg gelegenen Orten Kreinitz und Burxdorf, die auf russischer Seite offiziell als erste Begegnung protokolliert wurde. Hier entstanden später Fotoaufnahmen, die durch die Weltpresse Beachtung fanden. Zwei Tage später wurde eine Szene, die sich am selben Tag etwas später in Torgau abspielte, mit dem symbolischen Handschlag des amerikanischen Leutnants Robertson und dem sowjetischen Leutnant Silwaschko nachgestellt.[38][39]

Nachkriegszeit und DDR[Bearbeiten]

Tagebaurestloch 124 bei Domsdorf
Roggenernte einer LPG bei Schönewalde

Die Nachkriegszeit war unter anderem geprägt von Reformen, Wiederaufbau und dem Durch- und Zuzug von Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, wodurch es erneut zu einem Bevölkerungswachstum kam. Es kam, wie zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft, auch diesmal zu politischen Säuberungen, wobei durch die Gerichte zum Teil drakonische Strafen verhängten. So wurde aus dem Kriegsgefangenenlager bei Mühlberg das Speziallager Nr. 1 des NKWD/MWD in der Sowjetischen Besatzungszone, wo unter anderem vermeintliche Kriegsverbrecher, ehemalige Angehörige der NSDAP, der Hitlerjugend, des BDM, des Militärs sowie Fabrikanten, Großgrundbesitzer und auch willkürlich denunzierte Personen inhaftiert wurden.

Im Februar 1947 verfügte der Alliierte Kontrollrat die formelle Auflösung Preußens. Die Landkreise Liebenwerda und Schweinitz gehörten nun zum neu gegründeten Land Sachsen-Anhalt, der Landkreis Luckau zum Land Brandenburg. Im Jahr 1952 wurden beide Länder allerdings im Rahmen der Verwaltungsreform in der 1949 entstandenen DDR wieder aufgelöst und jetzt Bezirke gebildet. Die in der Verwaltungsebene untergeordneten Kreise wurden dabei ebenfalls neu strukturiert, so dass in der Region die zum Bezirk Cottbus gehörenden Kreise Liebenwerda, Finsterwalde, Herzberg und Jessen entstanden. Die Städte Lauchhammer und Ortrand gehörten fortan zum Kreis Senftenberg. Der Bezirk Cottbus wurde wegen der hier reichlich vorkommenden Braunkohle zum sogenannten Energie-Bezirk der DDR. Im Elbe-Elster-Land betraf diese Entwicklung vor allem den östlichen Teil der Region Lauchhammer und Plessa, sowie den Bereich um Tröbitz und Domsdorf, wo der Bodenschatz im Tagebau gewonnen wurde, was die hiesige Landschaft unverkennbar veränderte und auch viele Arbeitskräfte band.

Anfang der 1950er Jahre wurden die ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der Region gegründet. Viele der durch die ab 1945 erfolgende Bodenreform hervorgegangenen landwirtschaftlichen Kleinstbetriebe wurden nun, teils unter erheblichen Druck, zu Großbetrieben zusammengefasst, um die Landwirtschaft leistungsfähiger zu machen. Unter anderem auf Grund der sich stetig verschlechternden Lebensumstände der Bevölkerung kam es am 17. Juni 1953 zu einem Volksaufstand, der die ganze DDR betraf, und mit Ausgangssperren und ein Versammlungsverboten einher ging. Die Unruhen endeten mit der gewaltsamen Niederschlagung durch die Sowjetarmee und die Kasernierte Volkspolizei. In der Region blieb es relativ ruhig, doch auch in Städten wie Herzberg und Finsterwalde legten Arbeiter die Arbeit nieder. Sozialpolitische Projekte, wie das „Nationale Aufbauwerk“, das vor allem auf freiwillige, gemeinnützige und unentgeltliche Arbeit setzte oder diverse Wohnungsbau-Programme, welche zum Teil zu großen in Einheitsbauweise errichteten Wohnungskomplexen in den Städten und Gemeinden führte, sollten in der Folgezeit die Situation verbessern helfen.

Während der DDR-Zeit gab es eine hohe Dichte von militärischen Objekten im Elbe-Elster-Land. So betrieb die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) die Flugplätze in Falkenberg/Elster und Finsterwalde sowie das Munitionslager in Hohenleipisch. Neben den zwei ständigen Sonderwaffenlagern Finsterwalde und Stolzenhain wurden auch zeitweise Atomwaffen auf dem Falkenberger Flugplatz gelagert. Die NVA baute Anfang der 1970ger Jahre einen der modernsten und größten Militärflugplätze der DDR in Holzdorf/Schönewalde, der nach dem Zusammenschluss mit der Bundesrepublik weiter genutzt wird. In Doberlug-Kirchhain befand sich zunächst ein Panzerbataillon und bis 2007 das Fallschirmjägerbataillon 373. Große Truppenübungsplätze der NVA waren in der Annaburger- und Liebenwerdaer Heide, ein wichtiges Lager für Treib- und Schmierstoffe gab es in Schlieben-Berga, für Panzer-Ersatzteile in Doberlug-Kirchhain. Weitere Sperrgebiete bestanden für die Staatsjagd und für kleinere Manöver der GSSD.

Wende und deutsche Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Bürgerbefragung über die zukünftige Landeszugehörigkeit des Kreises Bad Liebenwerda im Juni 1990
Schreiben des Landrates Andreas Buschbacher
Stimmzettel vom 11. Juni 1990

In den 1980er Jahren verschärfte sich die wirtschaftliche Lage der DDR gravierend und es ergaben sich auch Probleme im Elbe-Elster-Land. So hatten die ansässigen Betriebe unter anderem mit Arbeitskräftemangel und wegen fehlender Devisen mit ausbleibenden Modernisierungen zu kämpfen. Die Bevölkerung litt unter einer Stagnation der Entwicklung des Lebensstandards der schlechten Versorgung mit Konsumgütern und Lebensmitteln. In der Wendezeit fuhren nun auch viele Einwohner aus dem Elbe-Elster-Gebiet zu den Montagsdemonstrationen in Leipzig. Aber auch in den heimatlichen Städten kam es schließlich zu Protesten. So fanden unter anderem in der Herzberger St. Marien-Kirche und in der Bad Liebenwerdaer Nikolaikirche wöchentlich Friedensgebete statt. In Elsterwerda zogen Bürger mit der Losung „Wir sind das Volk“ durch die Straßen und es bildeten sich sogenannte Runde Tische, bei denen die verschiedenen Gruppierungen der Protestbewegung zusammen kamen.[40][41]

Infolge des in der DDR am 17. Mai 1990 in Kraft getretenen „Gesetzes über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung)“ wurden die Kreise wieder zu Landkreisen.[42] Die Nachwendezeit brachte zahlreiche Umstrukturierungen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung mit sich. Diese, das öffentliche Leben und auch die Bevölkerung mustten sich neu ausrichten.

Das im Juli 1990 durch die Volkskammer verabschiedete Ländereinführungsgesetz stellte die 1952 abgeschafften Länder in der DDR wieder her. Da die Kreise Jessen, Herzberg und Bad Liebenwerda bis 1952 zu Sachsen-Anhalt gehörten, gab es für diese nun die Möglichkeit dorthin zurück zu kehren. Dies musste durch die jeweiligen Kreistage beschlossen werden, zu deren Entscheidungsfindung fanden im Vorfeld Bürgerbefragungen statt. Der Ministerratsbeschluß vom 6. Juni sah hier Brandenburg und Sachsen-Anhalt als Wahlmöglichkeit vor. Während sich der Kreis Jessen für Sachsen-Anhalt entschied, votierten die Herzberger für Brandenburg. Bei der Bürgerbefragung im Kreis Bad Liebenwerda nahm man auf Grund des öffentlichen Drucks und trotz relativ geringen Chancen der Realisierbarkeit, auf den Stimmzetteln auch Sachsen mit auf. Letztlich entschied der Kreistag am 21. Juli 1990 entgegen dem Willen der Bevölkerung (etwa 53,1 Prozent der Einwohner hatten für Sachsen oder Sachsen-Anhalt gestimmt) für eine Zugehörigkeit zum Land Brandenburg.[43][44]

Jüngere Vergangenheit[Bearbeiten]

Auswirkungen des Elbehochwassers 2002 in der Elbe-Elster-Niederung
14. August 2002
20. August 2002

Der nun sachsen-anhaltinische Landkreis Jessen ging im Juli 1994 im Zuge der ersten Kreisreform in Sachsen-Anhalt im Landkreis Wittenberg auf. Bereits ein reichliches halbes Jahr zuvor hatten sich bei der Kreisreform in Brandenburg im Dezember 1993 die Landkreise Bad Liebenwerda, Herzberg und Finsterwalde zum Landkreis Elbe-Elster zusammengeschlossen, dessen Kreisstadt nun Herzberg wurde.[44] Dieser begann sich unter dem historischen Begriff Elbe-Elster-Land touristisch zu vermarkten, was auch die 1993 hinzugekommene Gebiete der Niederlausitz um Finsterwalde und im äußersten Norden gelegene Teile des Flämings mit einbezieht.[45]

Kurz nach der letzten Jahrtausendwende rückten Naturkatastrophen im Elbe-Elster-Land in den Mittelpunkt. Im Sommer 2002 setzte das als Jahrhunderthochwasser in die Geschichte eingegangene Elbehochwasser weite Teile der Elbe-Elster-Niederung unter Wasser. Vor allem die Ereignisse um die von einer drohenden Überflutung durch die Elbe betroffene Stadt Mühlberg sorgten für Schlagzeilen in den Medien. Der Orkan Kyrill hinterließ 2007 große Schäden. Neben Windbruch erlitten zahlreiche Dächer große Schäden und wichtige Freileitungsmasten wurden zerstört.

Am Pfingstmontag 2010 kam es in und um Mühlberg erneut zu einer Naturkatastrophe. Ein Tornado, der auf seinem weiteren Weg gewaltige Schäden verursachend in Richtung Großenhain abzog, verwüstete allein in der Stadt über 300 Gebäude. Im selben Jahr sorgte nach andauernden Regenfällen die über die Ufer tretende Schwarze Elster und ihre Nebenflüsse dafür, dass in den anliegenden Gemeinden der gesamten Region die Alarmstufe 4 herrschte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markus Aghte:Totenstadt neu aufgemessen in Archäologie in Deutschland 1/2001, S. 66ff.
  2. Günter Wenzel:Archäologische FundeBezirk Cottbus, Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 1974
  3. Walter Schlesinger:Kirchengeschichte Sachsens im MittelalterBand II
  4. Ortsnamenbuch des Mittelelbegebietes
  5. Heinrich Kunstmann: " Beiträge zur Geschichte der Besiedlung Nord- und Mitteldeutschlands mit Balkanslaven"
  6. Leopold Karl Wilhelm August Ledebur (Freiherr von):"Das Königliche Museum vaterländischer Alterthümer im Schlosse Monbijou zu ...",1838, S. 146ff.
  7. Ines Spazier:Mittelalterliche Burgen und Herrensitze im Elbe-Elster-Gebiet und der nördlichen Oberlausitz in Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. 1/95, S. 26–30.
  8. „Aribo: Ritter der Harigfeste“
  9. Walter Schlesinger:Kirchengeschichte Sachsens im MittelalterBand II S. 7ff.
  10. Walter Schlesinger:Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter Band II S. 27.
  11. K.F. Klöden:Diplomatische Geschichte des Markgrafen Waldemar von Brandenburg vom Jahre1295 bis 1323, M. Simion Berlin 1844, Teil II, S. 109.
  12. Adolph Friedrich Johann Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Berlin 1838–1869, Zweiter Haupttheil oder Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten S. 319.
  13. Antje Posern: Mit Geschichte Identität stiften - Kreismuseum Bad Liebenwerda bereitet Ausstellung für 700 Jahre Elbe-Elster-Land vor. In: Lausitzer Rundschau vom 5. Januar 2011, S. 14.
  14. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen RU_HK_2012. MediaWiki:Cite error references no text/Benutzerseiten
  15. Die Geschichte des Dorfes Berga auf einer privaten Gemeinde-Homepage
  16. Drändorf, Sächsische Biografie
  17. Günter Wartenberg: Landesherrschaft und Reformation, Moritz von Sachsen und die albertinische Kirchenpolitik bis 1546. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1988
  18. Britta-Juliane Kruse: Witwen, Kulturgeschichte eines Standes im Spähtmittelalter und Früher Neuzeit. Walter de Gruyter Verlag, Berlin, New York, 2007, ISBN 978-3-11-018926-1, S. 576ff.
  19.  Karl Fitzkow: Zur älteren Geschichte der Stadt Liebenwerda und ihres Kreisgebietes. Kreismuseum Bad Liebenwerda, Bad Liebenwerda 1961.
  20.  Johann Gottfried Gruber, Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Leipzig 1818 bis 1889. Digitalisat
  21.  Rudolf Matthies, Arbeitsgemeinschaften der Natur- und Heimatfreunde des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Verwüstete Heimat.“ In: Heimatkalender für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1960, S. 142 bis 148.
  22.  M. Karl Fitzkow, Fritz Stoy, Kreismuseum Bad Liebenwerda, Arbeitskreis für Heimatliteratur des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Tod und Brand des Dreißigjährigen Krieges.“ In: Jahrbuch für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1969/70, S. 61 bis 64.
  23. http://www.webisphere.de/geschichte/Sonnewalde/sonnewalde.html Aus Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg Band V Teil I, Die Stadt Sonnewalde (online auf privater Internetseite)
  24. Wolfgang Eckelmann, Michael Ziehlke: Chronik der Stadt Bad Liebenwerda, 2006.
  25. Frank Claus: Elster-Schadstellen sollen schnell repariert werden. In: Lausitzer Rundschau, 5. Oktober 2010
  26.  Rudolf Matthies, Arbeitsgemeinschaften der Natur- und Heimatfreunde des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Die Elsterbrücke zwischen Haida und Würdenhain.“ In: Heimatkalender für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1964, S. 108 bis 110.
  27.  Luise Grundmann, Dietrich Hanspach (Verf.), Institut für Länderkunde Leipzig und der Sächsischen Akad. der Wissenschaften zu Leipzig (Hrsg.): Der Schraden. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda, Lauchhammer, Hirschfeld und Ortrand. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2005, ISBN 3-412-10900-2.
  28.  Rudolf Matthies, Arbeitsgemeinschaften der Natur- und Heimatfreunde des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Wo die Röder mündet.“ In: Heimatkalender für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1965/66, S. 223 bis 225.
  29.  Alfons Sonntag, Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde e. V. Bad Liebenwerda (Hrsg.): Renaturierungsmöglichkeit der Schwarzen Elster. In: Heimatkalender für den Altkreis Bad Liebenwerda, das Mückenberger Ländchen, Ortrand am Schraden und Uebigau-Falkenberg. Bad Liebenwerda 2002, S. 215-230.
  30. Falkenberg/Elster erhielt 1962 das Stadtrecht.
  31. Heimatverein Elsterwerda und Umgebung (Hrsg.): 250 Jahre Floßkanal Grödel-Elsterwerda 1748–1998. Lampertswalde 1997
  32. Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg Online als PDF-Datei
  33. Internetauftritt der Stadt Herzberg (Elster) abgerufen am 5. April 2012
  34.  Wolfgang Eckelmann, Michael Ziehlke, Verein für Stadtmarketing und Wirtschaft Bad Liebenwerda e. V. (Hrsg.): Chronik der Stadt Liebenwerda. Winklerdruck Gräfenhainichen, Bad Liebenwerda 2007.
  35.  Der Speicher. 9, Gunter Oettel-Verlag, Finsterwalde 2005, S. 243 bis 244.
  36. M. Herrmann: Doch bald verdunkelte sich der Himmel in Heimatkalender für den Kreis Bad Liebenwerda und das Mückenberger Ländchen, 1995, S. 75–84.
  37. „Plessa-Partisanendorf“, 3sat Dokumentation
  38. Die Geschichte des Zusammentreffens auf einer privaten Homepage zum Elbe Day.
  39.  Autorenkollektiv des MUG Brandenburg e.V.: Heimatbuch Landkreis Elbe-Elster. Herzberg 1996, S. 21 bis 23.
  40.  Autorenkollektiv des MUG Brandenburg e.V.: Heimatbuch Landkreis Elbe-Elster. Herzberg 1996, S. 23 bis 26.
  41.  Margarete Noack: Elsterwerda – Als die Schornsteine noch rauchten: Fotodokumente aus den Jahren 1949–1989. Leipziger Verlagsgesellschaft, Leipzig 2004, ISBN 3-910143-14-8.
  42. Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990
  43.  Michael Richte: Die Bildung des Freistaates Sachsen. 1, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-36900-X, S. 421 ff..
  44. a b  Juliane Stückrad: Ich schimpfe nicht, ich sage nur die Wahrheit. - Eine Ethnographie des Unmuts am Beispiel der Bewohner des Elbe-Elster-Kreises (Brandenburg). Ludwig, 2011, ISBN 978-3-86935-046-2, S. 137.
  45. Internetauftritt des Landkreises Elbe-Elster, abgerufen am 13. April 2012


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