Benutzer:Segelboot

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Als Produkte der Spaltung zwischen der Seele und dem Körper des Menschen gibt es zwei Arten von Lehrern der Moral des Todes: Die Mystiker des Geistes und die Mystiker des Muskels, die ihr Spiritualisten und Materialisten nennen könnt, diejenigen, die an ein Bewußtsein ohne Existenz glauben, und diejenigen, die an eine Existenz ohne ein Bewußtsein glauben. Beide verlangen die Unterwerfung eures Verstandes, die einen unter ihre Offenbarungen, die anderen unter ihre Reflexe. Unwichtig wie laut sie in den Rollen unversöhnlicher Gegenspieler posieren, ihre Moralkodizes sind gleich und so sind auch ihre Ziele: in der Sache - Versklavung des Körpers der Menschen, im Geist - die Zerstörung seines Verstandes.

Das Gute, sagen die Mystiker des Geistes, ist Gott, ein Wesen, das allein dadurch definiert ist, daß es außerhalb der menschlichen Macht liegt, es zu begreifen - eine Definition, die das Bewußtsein des Menschen disqualifiziert und seine Konzepte der Existenz für nichtig erklärt. Das Gute, sagen die Mystiker des Muskels, ist die Gesellschaft - ein Ding, das sie definieren als ein Organismus, der keine physikalische Form besitze, ein Überwesen verkörpert in niemandem im speziellen und in allen im allgemeinen, ausgenommen euch selbst. Der Verstand des Menschen, sagen die Mystiker des Geistes, muß dem Willen Gottes untergeordnet werden. Der Verstand des Menschen, sagen die Mystiker des Muskels, muß dem Willen der Gesellschaft unterworfen werden. Der Wertmaßstab des Menschen, sagen die Mystiker des Geistes, ist das Gefallen Gottes, dessen Standards außerhalb der menschlichen Verstandeskraft liegen und im Glauben akzeptiert werden müssen. Der Wertmaßstab des Menschen, sagen die Mystiker des Muskels, ist das Gefallen der Gesellschaft, deren Standards zu beurteilen der Mensch kein Recht habe, und ihnen als primärem Absolutum gehorchen müsse. Das Ziel des Lebens des Menschen, sagen beide, sei es, ein elender Zombie zu werden, der zu Zwecken dient, die er nicht kennt, aus Gründen, die er nicht in Frage stellen soll. Sein Lohn, sagen die Mystiker des Geistes, werde ihm nach dem Tod gegeben. Sein Lohn, sagen die Mystiker des Muskels, werde auf Erden seinen Ur-Großenkeln gegeben.

Egoismus, sagen beide, ist das Böse des Menschen. Das Gute für den Menschen ist, sagen beide, alles persönliche Begehren aufzugeben, sich selbst abzulehnen, sich zu verleugnen, sich zu unterwerfen; gut für den Menschen ist, das Leben, das er lebt zu verneinen. Opfer, schreien beide, ist das Wesen der Moral, die höchste Tugend in menschlicher Reichweite.

Wenn ihr in eurem Moralkodex eine Antwort sucht auf die Frage: "Was ist das Gute" werdet ihr als einzige Antwort finden: "Das Gute der Anderen". Das Gute ist, was auch immer andere wünschen, was auch immer ihr fühlt, was sie sich wünschen mögen, oder was auch immer ihr fühlt, was sie fühlen sollten. "Das Gute der Anderen" ist die magische Formel, die alles in Gold verwandelt, eine Formel, die aufgesagt werden soll als eine Garantie für moralische Glorie und als eine Vernebelung für jede Handlung, sogar das Niederschlachten eines ganzen Kontinentes. Eure Tugend ist kein Objekt, kein Akt, kein Prinzip, sondern eine Absicht. Ihr braucht keinen Beweis, keine Vernunft, keinen Erfolg, ihr braucht nicht das Gute der Anderen in der Tat zu erreichen - alles, was ihr zu wissen braucht ist, daß das Motiv das Gute der Anderen und nicht euer eigenes war.

Was ist die Natur dieser höheren Welt, der sie die existierende Welt opfern? Die Mystiker des Geistes verfluchen die Materie, die Mystiker des Muskels verfluchen den Gewinn. Die Ersteren wünschen, daß der Mensch dadurch gewinne, daß er die Welt verleugne, die Letzteren wünschen, daß der Mensch die Erde erbe, indem er auf allen Gewinn verzichte.

Das Problem der Produktion, sagen sie euch, sei gelöst und verdiene kein Studium oder Bedenken; das einzige Problem, das für eure "Reflexe" zu lösen übrig geblieben sei, sei das Problem der Verteilung. Wer löste das Problem der Produktion? Die Menschheit, sagen sie. Was war die Lösung? Die Güter seien da, antworten sie. Wie kamen sie dahin? Irgendwie. Was hat es verursacht? Nichts habe Ursachen. Sie behaupten, daß jeder Mensch, der geboren werde, berechtigt sei, ohne Arbeit zu existieren und, den Gesetzen der Realität zum Trotz, berechtigt sei, seinen Minimum-Unterhalt zu bekommen - seine Nahrung, seine Kleidung, sein Obdach - ohne Anstrengung von seiner Seite, als das ihm zustehende und sein Geburtsrecht. Zu bekommen - von wem? Ausgeblendet. Jeder Mensch, erklären sie, besitze einen gleichen Anteil an den in der Welt geschaffenen Wohltaten. Geschaffen - von wem? Ausgeblendet. Außer sich geratene Feiglinge, die sich die Pose als Verteidiger der Industriellen geben, definieren jetzt das Vorhaben der Ökonomie als "Anpassung zwischen den unbegrenzten Wünschen der Menschen und den Gütern, die in begrenzter Menge angeboten werden" Angeboten - von wem? Ausgeblendet. Intellektuelle Gangster, die als Professoren posieren, schütteln die Denker der Vergangenheit ab, indem sie erklären, daß ihre Sozialtheorien auf der unpraktischen Annahme beruhten, daß der Mensch ein rationales Wesen sei - aber da die Menschen nicht rational seien, erklären sie, solle ein System für sie etabliert werden, das es ihnen möglich mache zu existieren, während sie zugleich irrational seien, d.h. während sie die Realität leugneten. Wer will es möglich machen? - Ausgeblendet. Jede umherstreunende Mittelmäßigkeit beeilt sich Pläne zur Kontrolle der Produktion der Menschheit drucken zu lassen - und wer auch immer ihren Statistiken zustimmt oder nicht, niemand stellt ihr Recht, ihre Pläne mittels eines Revolvers aufzuzwingen, in Frage. Wem aufzuzwingen? Ausgeblendet. Beliebige Frauen mit einem unverursachten Einkommen flattern auf Trips um den Globus und kehren zurück, um uns die Botschaft mitzuteilen, daß die zurückgebliebenen Völker einen höheren Lebensstandard forderten. Fordern - von wem? Ausgeblendet.

Ihr schlagt vor, eine auf den folgenden Glaubenssätzen basierende Sozialordnung zu etablieren: daß ihr inkompetent seid, euer eigenes Leben zu führen, aber kompetent, die Leben der anderen zu führen - daß es für euch unpassend sei, in Freiheit zu leben, aber passend, ein omnipotenter Herrscher zu werden - daß ihr unfähig seid, euren Lebensunterhalt durch den Gebrauch eurer eigenen Intelligenz zu verdienen, aber fähig, Politiker zu beurteilen und Menschen in die Position der totalen Kontrolle zu wählen, Kontrolle über Künste, die ihr nie gesehen habt, über Wissenschaften, die ihr nie studiert habt, über Errungenschaften, die ihr nicht kennt, über gigantische Industrien, wo ihr, nach eurer eigenen Definition von Fähigkeit, unfähig wäret, den Job eines Hilfsschmierers auszufüllen.

Ihr preist jede Unternehmung, die sich als nichtprofitabel gibt, und verdammt die Menschen, die die Profite machen, die diese Unternehmungen möglich machen. Als "im öffentlichen Interesse" betrachtet ihr jedes Projekt, das denjenigen dient, die nicht zahlen; es ist nicht im öffentlichen Interesse für diejenigen irgendeinen Dienst zu leisten, die zahlen; "Gemeinnutz" ist alles, was als Almosen gegeben wird; sich in Handel einzulassen, heißt das Gemeinwesen zu verletzen. "Gemeinwohl" ist das Wohl derer, die es nicht verdienen; diejenigen, die es verdienen, sind zu keiner Wohlfahrt berechtigt. "Das Gemeinwesen" ist für euch jeder, der scheiterte, irgend eine Tugend oder einen Wert zu erreichen; wer auch immer es erreicht, wer auch immer die Güter liefert, die ihr braucht zum Überleben, hört auf als Teil des Gemeinwesens betrachtet zu werden oder als Teil der menschlichen Rasse.

Wie ihr euch den Mystikern des Muskels unterwarft, als sie euch sagten, daß Ignoranz in der Behauptung von Wissen bestehe, so unterwerft ihr euch ihnen jetzt, wenn sie kreischen, daß Unmoral aus dem Erklären eines moralischen Urteils bestehe. Wenn sie schreien, daß es egoistisch sei sicher zu sein, daß man im Recht ist, beeilt ihr euch, ihnen zu versichern, daß ihr euch über nichts sicher seid. Wenn sie rufen, daß es unmoralisch ist, auf seinen Überzeugungen zu beharren, versichert ihr ihnen, daß ihr überhaupt keine Überzeugungen habt. Wenn die Schläger der europäischen Volksstaaten knurren, daß ihr euch der Intoleranz schuldig gemacht habt, weil ihr euer Verlangen zu leben und ihr Verlangen zu töten nicht als Meinungsverschiedenheit behandelt - macht ihr euch klein und beeilt euch ihnen zu versichern, daß ihr gegenüber keinem Horror intolerant seid. Wenn irgendein barfüßiger Penner in irgendeinem Pestloch Asiens euch anschreit: Wie wagt ihr es reich zu sein - entschuldigt ihr euch und bittet ihn geduldig zu sein und versprecht, daß ihr alles weggeben werdet.

Ihr habt die Sackgasse des Verrates erreicht, den ihr begingt, als ihr zustimmtet, daß ihr kein Recht zu existieren hättet. Einst glaubtet ihr, es wäre "nur ein Kompromiss": Ihr räumtet ein, es sei böse nur für sich selbst zu leben, aber moralisch um eurer Kinder willen zu leben. Dann räumtet ihr ein, daß egoistisch sei um eurer Kinder willen zu leben, aber moralisch für die Gemeinschaft zu leben. Dann räumtet ihr ein, daß es egoistisch wäre, für eure Gemeinschaft zu leben, aber moralisch für das Land. Jetzt laßt ihr es zu, daß dieses großartigste Land verschlungen wird von irgendeinem Abschaum aus irgendwelchen Ecken der Erde, während ihr einräumt, daß es egoistisch sei, für euer Land zu leben, und daß es eure moralische Pflicht sei, für den ganzen Globus zu leben.

Wir - nach denen ihr jetzt ruft, die aber nicht mehr antworten werden - wir hatten unter euch gelebt, aber ihr habt es versäumt uns kennen zu lernen, ihr habt es abgelehnt, zu denken und zu sehen, was wir waren. Ihr habt es versäumt, den Helden in eurer Seele zu erkennen - und ihr habt es versäumt, mich kennen zu lernen, als ich in den Straßen an euch vorbei gegangen bin. Als ihr in Verzweiflung schriet nach dem unerreichbaren Geist, von dem ihr fühltet, daß er die Welt verlassen hatte, gabt ihr ihm meinen Namen, aber wonach ihr rieft, war eure eigene betrogene Selbstwertschätzung. Ihr werdet das eine nicht wiederherstellen ohne das andere.

Ayn Rand, Hier spricht John Galt, 1957

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