Benutzer:Voyager/Karl Ritter von Halt

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Karl Ferdinand Ritter von Halt (* 2. Juni 1891 in München als Karl Ferdinand Halt; † 5. August 1964 in München), war ein deutscher Leichtathlet, Sportfunktionär und Bankdirektor.

Der mehrfache deutsche Meister im Zehnkampf nahm an den Olympischen Sommerspielen 1912 teil. Er war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg und wurde 1919 mit dem Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet, dem höchsten Verdienstorden des Königreichs Bayern. Nach dem Krieg machte er Karriere, zunächst beim Bankhaus Aufhäuser, danach bei der Deutschen Bank, wo er ab 1938 dem Vorstand angehörte.

Bekannt wurde von Halt vor allem durch seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Funktionär zahlreicher Sportverbände und -organisationen. So war er beispielsweise ab 1929 Mitglied des IOC und war von 1937 bis 1945 in dessen Exekutivkomitee vertreten. Hauptsächlich um seinen sozialen Aufstieg zu sichern, trat er 1933 der NSDAP und der SA bei. 1936 war von Halt Präsident des Organisationskomitees für die IV. Olympischen Winterspiele in UntGarmisch-Partenkirchen, 1944 wurde er zum „Reichssportführer“ ernannt.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von Halt verhaftet und verbrachte von fünf Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft im ehemaligen KZ Buchenwald. Trotz seiner nationalsozialistischen Vergangenheit war er von 1951 bis 1960 Präsident des Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland und erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Karl Halt war das älteste Kind des Kunstschlossermeisters Karl Halt sr., der von Ludwigsburg her nach München gezogen war, und von Katharina Halt, geb. Gaab, die einer alten Münchener Handwerkerfamilie entstammte. 1892 kam Schwester Berta, 1893 Bruder Ferdinand zur Welt. Die fünfköpfige Familie gehörte zum unteren Bereich der damals neu entstehenden Mittelschicht, die im Großbürgertum nur geringe Anerkennung besaß und dies durch deutliche Abgrenzung zur Arbeiterschicht und Loyalität gegenüber der Monarchie zu kompensieren hoffte. Während eines Einsatzes der Freiwilligen Feuerwehr kamen im August 1894 bei einer Benzinexplosion neun Feuerwehrleute ums Leben, darunter Karl Halts Vater. Prinzregent Luitpold zeigte große Anteilnahme und dank verschiedener wohltätiger Aktionen blieb die Familie nicht völlig mittellos. Halts Mutter heiratete später ihren Schwager, den Bankkaufmann Julius Halt. 1897 brachte sie Tochter Olga zur Welt.

Schon früh erwies sich Karl Halt als äußerst ehrgeiziger Musterschüler und fiel durch Bestnoten auf. 1907 verließ Halt die Königliche Luitpold-Kreisrealschule mit dem besten Zeugnis von ganz Oberbayern. Die Kreisoberrealschule musste er 1909 kurz vor dem Abitur abbrechen, da sein Stiefvater verstorben war. Karl Halt musste für den Lebensunterhalt der Familie sorgen und begann eine Lehre bei der Filliale der Deutschen Bank in München. Daneben besuchte er Abendkurse der Münchener Handelshochschule, was es ihm ermöglichte, das Abitur nach zwei Jahren doch noch nachzuholen.

Im Herbst 1911 wurde Halt von der Deutschen Bank als Beamter übernommen. Er schrieb sich an der Technischen Hochschule München ein, wechselte aber nach einem Semester an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er Natinalökonomie und Staatswissenschaften studierte.

Sportkarriere[Bearbeiten]

Als Siebenjähriger war Halt in der Königlichen Turnschule auf dem Oberwiesenfeld erstmals mit dem Turnsport in Berührung gekommen. Die strenge militärische Disziplin zog den nach Autorität suchenden Halbwaisen in seinen Bann. Obwohl er nach wenigen Jahren bereits Vorturner war, wechselte er zur Leichtathletik, da er mit seiner kräftigen Statur und einer Körpergröße von 1,92 m in dieser Sportart viel eher zählbare Resultate erreichen konnte. Er blieb aber Mitglied der Deutschen Turnerschaft und verinnerlichte deren nationalkonservative Grundhaltung.

Seinen ersten Leichtathletik-Wettkampf bestritt er im Alter von 17 Jahren. Seine Vorgesetzten in der Bank missbilligten Halts sportliches Engagement, dem damaligen Zeitgeist entsprechend. Deshalb wurde er in Ranglisten oft unter seinem Pseudonym Achilles aufgeführt. Halts erster größerer Erfolg war 1910 der bayerische Meistertitel im Hochsprung, 1911 gewann er in Münster (Westfalen) die erstmals ausgetragene deutsche Meisterschaft im Zehnkampf; diesen Titel konnte er 1912 und 1913 verteidigen.

Seine hervorragenden Leistungen berechtigten Halt zur Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1912. Die Vorbereitungsphase verlief jedoch nicht optimal, denn Halt zog sich einen Muskelfaserriss zu, der bei seiner Abreise nach Stockholm noch nicht vollständig geheilt war. Die deutsche Mannschaftsführung bestimmte ihn zum Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier. Im Zehnkampf erreichte Halt den neunten Platz (bis zur Rehabilitierung des nachträglich disqualifizierten Olympiasiegers Jim Thorpe 1982 wurde er in den Statistiken auf Platz acht geführt). Beim Wettkampf begegnete er erstmals dem späteren IOC-Präsidenten Avery Brundage. Der US-amerikanische Zehnkampfmeister galt damals als Favorit für den Olympiasieg, musste den Wettkampf aber verletzt abbrechen.

Nach den Olympischen Spielen übernahm Halt zusätzlich die Leitung der Sportabteilung der Münchener Turnergemeinde und begann in der Funktion eines Übungsleiters in Vorträgen und Zeitungsartikeln für die Leichtathletik zu werben. Seinen größten internationalen Erfolg erzielte er im Juli 1914 bei den „Baltischen Spielen“ in Malmö, als er den Zehnkampf gegen starke Konkurrenz aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Russland und Schweden gewann und sich mit seiner Leistung an der Weltspitze etablierte.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Wenige Wochen nach dem Sieg bei den Baltischen Spielen in Malmö brach der Erste Weltkrieg aus. Am 3. August, zwei Tage nach der Kriegserklärung Deutschlands an Russland, meldete sich Halt freiwillig beim Königlich Bayrischen Infanterie-Leib-Regiment. Den Grundwehrdienst hatte der überzeugte Nationalist noch nicht absolviert. Mit ihm im Leibregiment, das als Elite-Einheit galt, waren unter anderem der Leichtathlet Hanns Braun und verschiedene Spieler des FC Bayern München. Da er das Abitur besaß, wurde er nach zweimonatiger Ausbildung zum Unteroffizier der Reserve. In seinen Kriegstagebüchern zeigte er sich schwärmerisch, vielfach sogar berauscht. Auch traten erstmals wesentliche Charakterzüge Halts offen zutage: Übersteigerter, romantisch verklärter Nationalismus, strikte Pflichterfüllung und bedingungslose Einordnung in ein streng hierarchisches System.

Das Regiment wurde in den ersten Monaten in Frankreich an der Westfront eingesetzt, die bald im Stellungskrieg erstarrte. Im Mai 1915 wurde das Regiment von der Westfront abgezogen. Kurzeinsätze an verschiedenen Fronten prägten Halts militärischen Alltag; znächst in Italien, danach in Serbien und in Mazedonien. Mitte August stieg Halt zum Zugführer auf. Als Mitglied einer unteren Gesellschaftsschicht wäre ihm dies normalerweise verwehrt geblieben, doch er hatte sich in den Augen seiner Vorgesetzten als besonders unerschrocken erwiesen und konnte ein Empfehlungsschreiben von Carl Diem vorweisen. Im Juni 1916 wurde Halt in der Schlacht um Verdun verwundet. Nach seiner Genesung wurde er nach Rumänien versetzt, wo er an der Eroberung von Bukarest beteiligt war.

Im Oktober 1917 erfolgte die erneute Verlegung des Regiments nach Italien. Halts Zug konnte in der zwölften Isonzoschlacht eine strategisch wichtige Stellung einnehmen und trug dadurch zum entscheidenden Durchbruch in Richtung Cividale bei. Halt wurde mit dem Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet, dem höchsten Verdienstorden des Königreichs Bayern, was ihm zur Führung des Adelsprädikats „Ritter von“ berechtigte. Von Halts nächster Kriegseinsatz war während der Frühjahrsoffensive 1918. Ende April wurde er bei Ypern erneut schwer verwundet. Drei Monate später kehrte er auf eigenen Wunsch an die Westfront zurück, da er noch immer an einen deutschen Sieg glaubte.

Am 18. September 1918 geriet von Halt bei der Verteidigung der Siegfriedstellung in englische Kriegsgefangenschaft, ein Oberschenkeldurchschuss beendete seinen letzten Fluchtversuch. Im Oktober wurde er in ein Kriegsgefangenenlager bei Oswestry in der Grafschaft Shropshire verlegt. Die Ereignisse der Novemberrevolution und das Bekanntwerden der Bedingungen des Versailler Vertrags führten zu Verbitterung. Den deutschen Gefangenen wurde es erlaubt, Sport zu treiben: Von Halt gestaltete auf einem Appellplatz eine provisorische Sportanlage, leitete einen den Regeln des Deutschen Sportabzeichens entsprechenden Leistungskurs und organisierte Wettkämpfe. Am 10. November 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen; für die neue demokratische Staatsordnung hatte er wenig Sympathie.

Berufliche Karriere und Tätigkeit als Sportfunktionär[Bearbeiten]

Vor seiner Freisetzung vom Militär wurde von Halt nachträglich zum Oberleutnant befördert. Das weiterhin bestehende Arbeitsverhältnis mit der Deutschen Bank löste er im Frühjahr 1920 auf, um sich auf sein unterbrochenes Studium zu konzentrieren. Daneben war er als ziviler Militärsportlehrer sowie als Übungsleiter tätig (zunächst beim MTV 1879 München, ab 1924 beim Deutschen Sportverein München). Im selben Jahr wurde er deutscher Zehnkampfmeister. Nach dem Gewinn des Meistertitels 1921 trat er vom Spitzensport zurück. Insgesamt war er fünf Mal deutscher Zehnkampfmeister und drei Mal deutscher Meister im Kugelstoßen gewesen.

1922 schloss er seine von Professor Adolf Weber betreute Dissertation mit der Note „cum laude“ ab; sie trug den Titel „Die Pflege der Leistungsübungen an Hochschulen - ein Beitrag zur regenerativen Bevölkerungspolitik“. Von Halt kam dabei zum Schluss, dass der Staat sich im Bereich des Sports särker engagieren müsse, damit ein Ausgleich zur abgeschafften Wehrpflicht vorhanden sei. Seine allgemeinpolitischen Aussagen zeigten eindeutig revisionistische Tendenzen. Wenige Monate nach der Promotion erschein sein Lehrbuch „Die Leichtathletik“, das von militaristischem Gedankengut geprägt war.

Von Halt wurde im März 1922 vom angesehenen jüdischen Bankhaus Aufhäuser in München als Personalchef angestellt. Im April 1923 heiratete er Margarethe von Achenbach, die einer verarmten Industriellenfamilie aus dem Siegerland entstammte; 1925 kam Sohn Rüdiger zur Welt, das einzige Kind des Ehepaares. Im November 1925 wurde von Halt in den Vorstand der Deutsche Sportbehörde für Athletik (DSbfA) berufen und vollzog damit endgültig den Wandel zum teilzeitlichen Sportfunktionär. 1926 nahm er in der Regel- und Rekordkommission des internationalen Leichtathletikverbandes IAAF Einsitz. Als Sportwart der DSbfA war er zuständig für die organisatorischen Maßnahmen im Hinblick auf die [[Olympische Sommerspiele 1928|Olympischen Sommerspiele 1928 zuständig.

Sigfrid Edström berief von Halt 1928 in den Vorstand der IAAF. Im April 1929 wurde er in das Internationale Olympische Komitee aufgenommen. Von Halts Arbeitgeber Martin Aufhäuser unterstützte ausdrücklich die ehrenamtlichen Tätigkeiten seines Prokuristen. Im August 1931 übernahm von Halt das Amt des ersten Vorsitzenden der DSbfA.

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Textablage[Bearbeiten]

Karl Ferdinand Ritter von Halt (* 2. Juni 1891 in München; † 5. August 1964 in München), Dr. rer. pol. (oec. publ. nach Bibl. Lexikon), war NSDAP-Mitglied Nr. 3204950 seit 1. Mai 1933 und SA-Mitglied seit 1. Mai 1933 sowie Oberführer.

Er war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg und wurde 1917 mit dem Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. 1923 ging Ritter von Halt zum Bankhaus Aufhäuser in München und wurde im selben Jahr Generalbevollmächtigter. 1935 wurde er Direktor bei der Deutschen Bank und schaffte es 1938 in den Vorstand, wo er für den Personalbereich verantwortlich war.

Ritter von Halt gehörte zum Freundeskreis Reichsführer-SS. Als leitender Angestellter der DB leistete er wiederholt erhebliche Spendenzahlungen an die Nazis. Einem KZ-Häftling zufolge soll er mit Himmler ein KZ besichtigt haben.

Mehrfach deutscher Zehnkampfmeister, 1931 Vorsitzender des Sportbundes für Leichtathletik, Präsident des Internationalen Handballverbandes, Leiter des Fachamtes für Leichtathletik im NS-Reichsbund für Leibesübung, 1929 in das Internationale Olympische Komitee gewählt, 1937-1945 in dessen Exekutivkomitee. 1936 Präsident des Organisationskomitees für die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch, ab 1944 Geschäftsführung des Reichssportführers.

In den letzten Kriegstagen war Ritter von Halt am Kampf um Berlin beteiligt, weswegen er nach seiner Verhaftung 1945 von den Westalliierten an die Sowjetunion ausgeliefert wurde, und bis Anfang 1950 Lagerhaft in sowjetischer Kriegsgefangenschaft im ehemaligen KZ Buchenwald verbüßte.

Ab 1950 bei der Bayerischen Creditbank, dann Direktor der Deutsche Bank-Nachfolgerin Süddeutsche Bank in München. Trotz publizistischer Angriffe aufgrund seiner Stellung im Nationalsozialismus von 1951 bis 1960 wurde er Präsident des westdeutschen Olympischen Komitees, 1961 - 1964 Ehrenpräsident desselben. Ferner war er Ehrenpräsident des Internationalen Handballverbandes und des deutschen Leichtathletik-Verbandes. Verleihung des Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Anlässlich der Bundesjugendspiele wurde am 18. Juli 1958 ein Sportplatz in Garmisch-Partenkirchen "Ritter-von-Halt-Stadion" getauft. Seit 18. Juli 2006 führt das Sportstadion im Ortsteil Garmisch offiziell wieder den Namen "Stadion am Gröben".

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Heimerzheim: Karl Ritter von Halt - Leben zwischen Sport und Politik. Academia Verlag, Sankt Augustin 1999. ISBN 3-89665-124-2

Weblinks[Bearbeiten]