Benutzerin:Zartesbitter/Radikaler Feminismus

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Der radikale Feminismus ist eine Strömung der feministischen Theorie.

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der radikale Feminismus ist die einzige feministische Theorie, die von, für und durch Frauen zustande kam. Ihre Protagonisten propagieren ihre Theorie um die wirtschaftliche, politische und soziale Befreiung der Frau aus Herrschaft der Männer auf eine ständig leidenschaftliche, wütende und freudige Weise. Anhänger des radikalen Feminismus behaupten, dass die Unterdrückung von Frauen die erste und primäre Unterdrückung sei, sie machen ihre erlebte persönliche Erfahrung zur Politik. Radikale Feministen betonen, dass Emanzipation und Gleichberechtigung nach dem Verständnis der Männer, nicht genug sind. Eine totale Revolutionierung der sozialen, patriarchalen Strukturen wird angestrebt. [1]

Radikaler Feminismus als Form des Feminismus, hält die Geschlechtertrennung für die politisch bedeutsamste soziale Spaltung und sieht sie in der Rollenaufteilung des häuslichen Lebens verwurzelt. Er gehörte neben dem sozialen/Marxistischen und dem liberalen Feminismus zu den "Kerntraditionen", zu denen dann neue Formen hinzukamen.[2]

Radikalen Feministen zufolge seien alle Formen der Unterdrückung – rassistischer, klassistischer oder imperialistischer Art – durch das Patriarchat verursacht. Manche radikale Feministen wollen männliche Macht oder männliche Werte komplett abschaffen und sie durch weibliche Werte ersetzen.[3]

Simone de Beauvoir (1908–1986) bezeichnete den radikalen Feminismus, nach Juliet Mitchell, als feministische Theorie, welche den Standpunkt vertritt, dass nicht das System Frauen unterdrückt, sondern die Männer die Unterdrücker sind. In erster Linie handelt es sich, laut radikalem Feminismus, in unserer Gesellschaft um einen psychologischen Machtkampf, den die Männer gewinnen, weil ihnen alle Gesellschaften den Vorrang zugebilligt haben.[4]

Die radikale Feministin Ti-Grace Atkinson sieht Männer als „Sklavenhalter“ und von einer Krankheit befallen, von der sie geheilt werden müssten. Sie hält militärische Terminologie für angemessen und sprach davon, dass Frauen „zurückkämpfen“ müssten. Frauen seien bisher von der Gesellschaft „programmiert“ worden, keinen Widerstand zu leisten.[5]

Die Autorin und radikale Feministin Anne Koedt erweitert den Begriff, indem sie hinzufügt, dass der radikale Feminismus den Einsatz für die vollständige Abschaffung der von der Gesellschaft konstruierten Geschlechterrollen beinhalte. Der Position des radikalen Feminismus liegt zugrunde, dass beide Geschlechterrollen, sowohl die männliche als auch die weibliche, gesellschaftlich erlernt und nicht biologisch bedingt sind. Laut Koedt geht der radikale Feminismus davon aus, dass diese Geschlechterrollen männliche, politische Konstrukte sind, die zur Aufrechterhaltung der männlichen Vorherrschaft und ihres überlegenen Status dienen. Weiter sagt Koedt, dass eine radikale Feministin/ein radikaler Feminist eine Person ist, welche sich nicht nur darauf beschränkt, in ihrem Privatleben für Gleichberechtigung zu sorgen, sondern auch auf politischer Ebene das sexistische gesellschaftliche Konstrukt der Geschlechter abschaffen will.[6] „Man wird nicht als Frau geboren, man wird erst dazu …“[7]

Valerie Solanas, auf der anderen Seite, hielt Männer für biologisch unterlegen und lehnte Beziehungen zu Männern ab. Solanas und das von ihr verfasste SCUM Manifesto erlangten nach ihrem Mordversuch an Andy Warhol 1968 große Bekanntheit und ihr Manifest wurde von einigen als Pflichtlektüre für den radikalen Feminismus bezeichnet. Ihre Sichtweise stieß jedoch auch auf Widerspruch anderer radikalen Feministen.[8]

Geschichte und Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der radikale Feminismus entstammte aus den neuen linken Bewegungen und Friedensbewegungen der 1960er, bei denen sich Frauen ausgeschlossen sahen und daher feministische Gruppen gründeten. Radikale Feministen brachten die Consciousness Raising-Gruppen hervor.[9] Insbesondere ab den 1980er Jahren spalteten sich die feministischen Bewegungen weiter auf und es entstanden Mischformen (z. B. aus radikalem und marxistischem Feminismus).[2]

Die radikale Feministin Ellen Willis hielt später fest, dass der radikale Feminismus das Vokabular der zweiten Frauenbewegung („consciousness-raising“, „Das Persönliche ist politisch“, „sisterhood is powerful“) geprägt habe und eine „Atmosphäre der Dringlichkeit“ geschaffen habe, die zu gesetzlichen Änderungen wie die Verabschiedung des Equal Rights Amendment führte.[10]

Radikalfeminismus in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist ein Teil der zweiten Frauenbewegung während der 1980er- Jahre von radikalfeministischen Strömungen geprägt. Es entstehen Werke von Feministinnen, die das Patriarchat als Feind analysieren und aus anderen Sprachen übersetzt werden.[11] Einige dieser Autorinnen sind Françoise d'Eaubonne mit Feminismus oder Tod erschienen 1975 im Verlag Frauenoffensive; Übersetzungen von Mary Dalys Werken wie Gyn/Ökologie: Die Metaethik des radikalen Feminismus durch Erika Wisselinck 1980 im Verlag Frauenoffensive; Adrienne Rich, Robin Morgan, Kate Millett, Janice Raymond, Marilyn French und viele weitere. Verschiedene Zeitschriften wie die beiträge greifen radikalfeministische Themen auf.[12] Die sich als radikal-feministisch verstehenden Zeitschrift Ihrsinn gründete sich mit Beginn der 90er-Jahre[13] und Auseinandersetzungen zu radikalfeministischen Themen fanden in der BRD auf Frauenwochen, den Berliner Lesbenwochen, auf den Lesbenpfingsttreffen (heute Lesbenfrühlingstreffen) und in autonomen Frauenprojekten statt.[14]

Kontroversen und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenneth Lasson von der University of Baltimore kritisierte 1992, der radikale Feminismus, der die Kontrolle über den akademischen Elfenbeinturm und die Welt dahinter für sich beanspruche, habe sich auf die falsche Seite geschlagen. Unter anderem kritisierte er, radikale Feministen würden die Menschen tyrannisieren und im Speziellen Männer hassen. Infolgedessen sei die Frauenbewegung von vielen als männerfeindlich wahrgenommen worden. Die radikalen feministischen Gelehrten würden es zudem versäumen, Männer für ihre Ideen zu gewinnen. Lasson schreib, er habe durchaus Sympathien für eine liberale Form des Feminismus. Er lehnte jedoch die Interpretation des radikalen Feminismus ab, Männer als Klasse würden Frauen unterdrücken. Aus der feministischen Perspektive kritisierten Susan Williams und David Williams 1996 die Publikation Lassons als „wütende Tirade“. Er würde Strohmann-Argumente verwenden und vernachlässigen, dass radikale Feministen männliches Verhalten für sozial konstruiert hielten, das geändert werden könne.[15]

Die Gerechtigkeitsfeministin Cathy Young kritisierte 2018 den radikalen Feminismus, der seit den 1970ern auf dem Vormarsch sei, für eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Männern. Young verweist auf Betty Friedan, die in den 1960er Jahren Männer noch als Mitbetroffene von gesellschaftlichem Druck gesehen hatte, während später Andrea Dworkin und Marilyn French Männer als „brutale Fußsoldaten des Patriarchat“ darstellten. Diese Tendenz habe einen neuen Höhepunkt erreicht, nachdem radikale feministische Ideen vom akademischen und aktivistischen Randbereich in Mainstream-Konversationen gewandert sei und dort ein „Zyklus der Misandrie“ entstanden sei, der letztlich auch dem Feminismus schade. Zur Verwirklichung der noch bestehenden feministischen Ziele äußerte Young, dass Männer dafür gleichberechtigt eine Stimme erhalten und mit der gleichen Menschlichkeit behandelt werden sollten.[16][17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sneja Gunew: Feminist Knowledge (RLE Feminist Theory): Critique and Construct. Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-20442-5, S. 8,9,274.
  2. a b Andrew Heywood: Political Ideologies: An Introduction. Macmillan International Higher Education, 2012, ISBN 978-0-230-36994-8, S. 229 (google.de [abgerufen am 30. Januar 2021]).
  3. Penny Welch: Feminist Theory and the Contemporary Women’s Movement: Strands of Feminist Theory. In: University of Wolverhampton. Februar 2001, abgerufen am 30. Januar 2021.
  4. Simone de Beauvoir: Ich bezeichne mich selbst als Feministin. 1974.
  5. Barbara A. Crow: Radical Feminism: A Documentary Reader. NYU Press, 2000, ISBN 978-0-8147-1555-0, S. 84 ff. (google.de [abgerufen am 31. Januar 2021]).
  6. Anne Koedt: Lesbianism and Feminism. In: Radical Feminism. 1971.
  7. Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. 1968.
  8. Alice Echols: “Daring to be bad” : radical feminism in America, 1967–1975. University of Minnesota Press, Minneapolis 1989, ISBN 978-0-8166-1787-6, S. 104–105 (archive.org [abgerufen am 2. Februar 2021]).
  9. Jone Johnson Lewis: What Is Radical Feminism? In: ThoughtCo. Abgerufen am 30. Januar 2021 (englisch).
  10. Ellen Willis: Radical Feminism and Feminist Radicalism. In: Social Text. Nr. 9/10, 1984, ISSN 0164-2472, S. 91–118, hier: S. 92, doi:10.2307/466537.
  11. Eveline Ratzel: The BiG SiN – Die Lust zum Sündigen Mary Daly und ihr Werk. In: The BiG SiN – Die Lust zum Sündigen Mary Daly und ihr Werk. Christel Göttert Verlag, 2011, ISBN 978-3-939623-32-8.
  12. Politik : Zeit zum Streit. In: Verein Beitr. zur Feministischen Theorie und Praxis e.V. (Hrsg.): Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis. Nr. 19, 1987.
  13. Gitta Büchner: Der radikale IHRSINN. In: www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de. Digitales Deutsches Frauenarchiv, 13. September 2018, abgerufen am 17. Dezember 2021.
  14. Eveline Ratzel: Reine Lust – Elemental-feministische Philosophie. Eine Auseinandersetzung mit Mary Daly. In: Eveline Ratzel (Hrsg.): The BiG SiN – Die Lust zum Sündigen Mary Daly und ihr Werk. Christel Göttert Verlag, 2011, ISBN 978-3-939623-32-8, S. 152.
  15. Susan Williams, David Williams: A Feminist Theory of Malebashing. In: Michigan Journal of Gender & Law. Band 4, Nr. 1, 1. Januar 1996, ISSN 1095-8835, S. 35–127, hier: S. 44 ff. (umich.edu [abgerufen am 30. Januar 2021]).
  16. Cathy Young: When radical feminists treat men badly, it's bad for feminism. Abgerufen am 30. Januar 2021 (kanadisches Englisch).
  17. Cathy Young: Feminists treat men badly. It’s bad for feminism. In: Washington Post. ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 31. Januar 2021]).

Kategorie:Feminismus