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Benzol

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Benzen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Benzen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Strukturformel
Strukturformel des Benzols
Allgemeines
Name Benzol
Andere Namen

Benzen (IUPAC)

Summenformel C6H6
CAS-Nummer 71-43-2
PubChem 241
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit charakteristischem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 78,11 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,88 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

5,5 °C[1]

Siedepunkt

80 °C[1]

Dampfdruck

100 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

schlecht in Wasser (1,8 g·l−1)[1]

Brechungsindex

1,5011[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[1]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225​‐​304​‐​315​‐​319​‐​340​‐​350​‐​372​‐​412
P: 201​‐​210​‐​280​‐​308+313​‐​370+378​‐​403+235 [1]
MAK
  • DFG: nicht festgelegt, da krebserregend[1]
  • Schweiz: 0,5 ml·m−3, 1,6 mg·m−3[4]
Toxikologische Daten

930 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Benzol (nach IUPAC Benzen) ist ein flüssiger organischer Kohlenwasserstoff mit der Summenformel C6H6. Es besitzt einen charakteristischen aromatischen Geruch, ist farblos, leicht entzündlich und brennt mit stark rußender Flamme. Es mischt sich mit fast allen organischen Lösungsmitteln, jedoch kaum mit Wasser. Benzol ist die Stammverbindung der aromatischen Kohlenwasserstoffe.

Ursprünglich wurde Benzol bei der Koksproduktion für die Stahlindustrie erhalten. Heutzutage wird es meist durch Raffinerie- und petrochemische Prozesse wie Steamcracken als Nebenprodukt bei der Benzin-, Ethylen- und p-Xylolherstellung gewonnen. Daneben gibt es gezielte industrielle Herstellungswege für Benzol wie die Dealkylierung von Toluol.

Benzol ist ein wichtiger Baustein für die petrochemische Industrie, der globale Bedarf lag 2013 bei über 40 Millionen Tonnen pro Jahr. Durch Additions-, Substitutions- und Oxidationsreaktionen wird es in zahlreiche Folgeprodukte umgesetzt. Seine Derivate und Folgeprodukte wie Ethylbenzol, Cumol, Cyclohexan, Alkylbenzole, Chlorbenzole, Nitrobenzol und Maleinsäureanhydrid werden zu vielfältigen Produkten wie Farben, Pharmazeutika, Insektiziden und Kunststoffen für verschiedene Industrien weiterverarbeitet. Weiterhin ist es in Motorenbenzin enthalten, wobei in den meisten Ländern der Gehalt begrenzt ist. Benzol ist krebserregend und giftig.

Nomenklatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Benzol wurde im Jahr 1834 erstmals von Justus von Liebig verwendet.[5] Liebig änderte Eilhard Mitscherlichs Namensgebung von 1833, der das Benzol als Benzin bezeichnet hatte.[6] Im angelsächsischen und französischen Sprachbereich wurde die adaptierte Bezeichnung (franz: benzène, engl: benzene) von Mitscherlich jedoch weiterhin benutzt.

Da in der systematischen chemischen Nomenklatur die Endung -ol für Alkohole verwendet wird, ist die im Deutschen meist verwendete, historisch bedingte Bezeichnung Benzol irreführend; der Name Benzen wurde von der IUPAC als offizielle Nomenklatur für diesen Kohlenwasserstoff bestimmt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckte Johann Rudolph Glauber, der auch das Glaubersalz entdeckte, das Benzol bei der Destillation von Steinkohlenteer.[7] Die Zusammensetzung war für ihn jedoch unbekannt, er nannte es ein „subtiles und liebliches Oleum“. Im Jahre 1825 entdeckte der englische Physiker Michael Faraday das Benzol im Leuchtgas, als er es aus flüssigen Rückständen isolierte, die sich beim Verbrennen von Walölen in den Londoner Straßenlaternen aus der Gasphase abschieden. Er schlug deshalb den Namen „Pheno“ (gr. phainein = leuchten) vor. Dieser Name ist Bestandteil des Begriffs der Phenylgruppe, der in der organischen Chemie die Atomgruppe –C6H5 bezeichnet.

Ein Jahr später wurde dieses Öl als Kohlenwasserstoff identifiziert. Im Jahre 1834 erhielt der deutsche Chemiker Eilhard Mitscherlich Benzol aus Benzoesäure und Calciumoxid, außerdem setzte er Benzol zu Nitrobenzol, Azobenzol und Benzolsulfonsäure um. Er benannte den Stoff wegen seiner Verwandtschaft zu Benzoesäure als „Benzin“. Außerdem erstellte er die richtige Summenformel C6H6. Im selben Jahr wurde „Benzin“ von Justus von Liebig in Benzol umbenannt. 1845 isolierte der englische Chemiker Charles Mansfield während seiner Arbeit unter Leitung von August Wilhelm von Hofmann Benzol aus Steinkohlenteer.[8]

Um die korrekte Strukturformel des Benzols schwelte ein langer Gelehrtenstreit. Erste Ideen wie die von Albert Ladenburg vorgeschlagene Prisman-Struktur, die des Benzvalens, des Dicyclopropenyls sowie das Dewar-Benzol von James Dewar stellten sich als falsch heraus.[9][10] Erst im Jahre 1861 formulierte der österreichische Chemiker Johann Josef Loschmidt, damals noch Schullehrer, einige mögliche Strukturformeln des Benzols, die der deutsche Chemiker und Professor für Chemie August Kekulé 1865 – möglicherweise als Anregung für seine Kekulé-Strukturformel – übernahm. Einer Legende nach kam Kekulé dieser Einfall im Traum. Er träumte von einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz biss. Kekulé beschreibt dies in seiner Rede zum 25-jährigen Jubiläum des Benzolrings 1890. Die sechs Affen, die sich abwechselnd entweder mit beiden oder mit einer Hand an den Füßen fassten und so die Ringstruktur bildeten, beruhen auf einem 1886 bei einem Bierabend der Deutschen Chemischen Gesellschaft gemachten Scherz.[11]

Kekulés Struktur trug als erste dem experimentellen Befund Rechnung, dass im Benzol alle Kohlenstoffatome gleichwertig sind. Sie erklärte aber nicht alle Besonderheiten des Benzols, wie beispielsweise seine ungewöhnlich niedrige Reaktivität im Vergleich zu Olefinen. Das Ausbleiben einer Additionsreaktion mit Bromwasser, wie sie nach der Kekulé-Strukturformel zu erwarten wäre, bleib rätselhaft. Der Beweis der Gleichwertigkeit der Wasserstoffe im Benzolmolekül konnte zwischen 1869 und 1874 erbracht werden. Im Jahre 1872 formulierte Kekulé seine „Oszillationshypothese“ eines dauernden Platzwechsels von Einfach- und Doppelbindungen.

Vorgeschlagene Strukturformeln
Historic Benzene Formulae Claus(1867) V.1.svg Historic Benzene Formulae Dewar(1867) V.1.svg Prismane V.2.svg Historic Benzene Formulae Kekulé (original).png Historic Benzene Formulae Armstrong-Baeyer V.1.svg Historic Benzene Formulae Thiele(1899) V.1.svg
Von Adolf Karl Ludwig Claus (1867) Von James Dewar (1867) Von Albert Ladenburg (1869) Von August Kekulé (1872) Von Henry Edward Armstrong (1887),
Adolf von Baeyer (1888)
Von Friedrich Karl Johannes Thiele (1899)

Erst im 20. Jahrhundert konnte das Phänomen der delokalisierten Elektronenwolken, die dem Benzolmolekül eine besondere Stabilität verleihen, über Röntgenstrukturanalyse nachgewiesen werden.[12] 1925 führten Armit und Robinson die vereinfachte Schreibweise mit dem konzentrischen Kreis in der Formel ein, welcher zum Ausdruck bringen soll, dass alle Bindungen absolut gleichwertig sind und keine lokalisierbaren Doppelbindungen existieren.[13] Eine rein hypothetische Form mit drei fixierten Doppelbindungen und drei Einfachbindungen würde als „1,3,5-Cyclohexatrien“ bezeichnet.

Im Jahr 1849 begann die industrielle Herstellung des Benzols auf der Basis von Steinkohle. Es wurde sorglos damit umgegangen, bis Kampagnen schließlich über 100 Jahre später über die Gefahren des Benzols aufklärten, als die Giftigkeit des Benzols bekannt wurde.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Rauchen von Zigaretten werden kleine Mengen Benzoldampf (10–100 µg pro Zigarette) freigesetzt, auch bei Vulkanausbrüchen und Waldbränden sowie bei unvollständiger Verbrennung von organischem Material, wie gehemmten Schwelbränden[14] in der Natur sowie beim willentlich unvollständigem Schwelabbrand von Räucherstäbchen[15] und Räucherwerk entstehen Spuren von Benzol. In der Atmosphäre wird nach zwei bis fünf Tagen die Hälfte des vorhandenen Benzols abgebaut, da dieses mit Hydroxyl-Radikalen reagiert.

Kleinere Mengen an Benzol kommen im Erdgas, Erdöl und Steinkohlenteer vor. Benzol löst sich zwar nur schlecht in Wasser, auf Grund des großen Wasserüberschusses bei einer lokalen Freisetzung von Erdöl löst es sich jedoch nahezu vollständig. Kommt es bei der Förderung oder dem Transport von Erdöl zu einer Freisetzung in mariner Umgebung, kann in Wasser gelöstes Benzol schon in Konzentrationen von wenigen parts per billion einen toxischen Effekt auf Fischlarven und andere marine Organismen haben.[16] In höheren Konzentration von über einen parts per million wirkt Benzol tödlich auf viele Wasserorganismen.[17] Die Benzolexposition nach einer Freisetzung oder im Umgang mit Rohöl stellt auch ein gesundheitliches Risiko für die beteiligten Mitarbeiter dar.[18] Die Analyse von gelöstem Benzol in Wasserproben von Explorationsbohrungen gilt als zuverlässige Methode zur Vorhersage von Erdölvorkommen.[19]

Benzolemissionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsächlich wird Benzol durch Abgase von Benzinmotoren freigesetzt. 75 Prozent der Emissionen gehen auf Kraftfahrzeuge zurück. Der Benzolanteil des Motorenbenzins ist ab dem Jahr 2000 europaweit nach DIN EN 228 auf maximal ein Volumenprozent begrenzt worden; der Durchschnitt im Jahre 2003 betrug ≈0,7 Volumenprozent. Der aktuelle Grenzwert lag 2010 in den USA bei fünf Volumenprozent.[20][21] Ab 2013 sollte der US-Durchschnitt des Benzolanteils im Benzin zwar auf 0,62 Prozent[22] reduziert werden, eine Begrenzung des Maximalanteils unter fünf Prozent war aber immer noch nicht vorgesehen.[23]

Die durchschnittliche Belastung der Bevölkerung beträgt im Mittel circa 2 µg/m3 Luft, dieser Wert kann je nach Umgebung jedoch wesentlich höher sein (zum Beispiel an Tankstellen, in schlecht belüfteten Garagen etc.). Um 1980 gab es einen starken Rückgang der Benzolemissionen, der sich in den 1990er Jahren fortsetzte. So reduzierte sich die Benzolbelastung zwischen 1997 und 2005 sowohl an den städtischen, verkehrsnahen Messstationen als auch an den städtischen Hintergrundstationen so erheblich, dass schon im Jahr 2005 die erst seit dem Jahr 2010 geltenden Grenzwerte von 5 µg/m3 weitgehend unterschritten wurden.[24]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den 1950er Jahren gestiegenen Nachfrage nach Benzol, vor allem durch die wachsenden Polymerindustrie, erforderte die Herstellung von Benzol aus Erdöl. 2002 wurden global rund 94 Prozent des Benzols aus Erdöl gewonnen, davon 40 Prozent aus Pyrolysebenzin, 54 Prozent aus Reformatbenzin inklusive De- und Transalkylierung und fünf Prozent aus Kohle und Kohlenteer und etwa ein Prozent auf Basis von C3/C4-Schnitten. Jährlich werden weltweit etwa 40 Millionen Tonnen Benzol hergestellt.[25]

Kohleverkokung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den kommerziellen Einsatz bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das meiste Benzol als Nebenprodukt bei der Produktion von Koks für die Stahlindustrie erhalten, meist aus der Destillation von bei der Herstellung von Koks erzeugten leichten Ölen.[26] Für die Suche nach Verwertungsmöglichkeiten wurde schon 1918 der Benzol-Verband gegründet. Es erwies es sich als geeigneter Benzinzusatz, um dessen Klopffestigkeit zu erhöhen; so entstand das „Super“-Benzin aus aromatischen und aliphatischen Bestandteilen und führte zum Unternehmensnamen B. V. Aral.[27] Diese traditionelle Methode zur Herstellung von Benzol wurde durch eine Reihe von neueren Prozessen ergänzt.

Steamcracken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzol wird in Europa vorwiegend aus dem Pyrolysebenzin des Steamcracken gewonnen, einem Verfahren zur Herstellung von Ethylen und anderen Olefinen aus aliphatischen Kohlenwasserstoffen. Abhängig von dem Ausgangsmaterial, das zur Herstellung der Olefine verwendet wird, wird ein benzolreiches flüssiges Nebenprodukt, das Pyrolysebenzin genannt wird, erhalten. Beim Einsatz schwererer Rohstoffe erhöht sich die Menge der erzeugten Aromaten.[25] Pyrolysebenzin kann mit anderen Kohlenwasserstoffen als Benzinzusatz gemischt, durch ein Extraktionsverfahren oder durch Reaktivdestillation zur Gewinnung von Benzol und anderen Aromaten verwendet werden

Katalytisches Reforming[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzol wird durch das katalytisches Reforming von Naphtha gewonnen. Dabei wird n-Hexan zu Cyclohexan cyclisiert und dann zu Benzol dehydriert. Beim katalytischen Reformierung wird eine Mischung aus Kohlenwasserstoffen mit Siedepunkten zwischen 60 bis 200 °C in Gegenwart von Wasserstoff über einen bifunktionellen Platin/Rhenium- oder Platin/Zinnchloridkatalysator bei 500–525 °C und Drücken im Bereich von 8–50 bar geleitet. Zur Optimierung der Aromatenausbeute wird ein C6/C8-Schnitt als Rohstoff eingesetzt.[28] Die aromatischen Produkte der Reaktion können durch Extraktion mit einer Anzahl von Lösungsmitteln aus dem Reaktionsgemisch, auch Reformat genannt, abgetrennt werden. Benzol wird destillativ von den anderen Aromaten getrennt. In den Vereinigten Staaten ist die katalytische Reformierung eine Hauptquelle für Benzol.

Transalkylierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transalkylierung von Toluol zur Herstellung von Benzol und Xylolen

Bei der Transalkylierung werden zwei Toluolmoleküle zu einem Benzol- und einem Xylolmolekül transalkyliert. Als Katalysator dienen oft modifizierte Zeolithe.[29] Da die Nachfrage nach p-Xylol die Nachfrage nach anderen Xylol-Isomeren übersteigt, kann eine Variante des Toluene Disproportionation Process [TDP-Prozesses und Selective TDP (STDP)] verwendet werden. Bei diesem Verfahren beträgt der aus der TDP-Einheit austretende Xylolstrom etwa 90 % p-Xylol.

Thermische Dealkylierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Verfahren zur Benzolherstellung ist die thermische Entalkylierung von Toluol. Hierbei wird bei 780 °C und einem Druck von 40 bar die Methylgruppe des eingesetzten Toluols abgespalten.[30] Trägergas im Reaktor ist hierbei 90-prozentiger Wasserstoff. Nach Abkühlung und der Gas-Flüssigkeits-Trennung sowie Reinigung wird so Reinstbenzol gewonnen.

Weitere Prozesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Ethinmolekülen lässt sich in Anwesenheit eines Katalysators Benzol herstellen, was nach dem deutschen Chemiker Walter Reppe als Reppe-Chemie bezeichnet wird.[31]

Benzolherstellung aus Acetylen

Diese Herstellmethode hat keine technische Relevanz.

Andere Prozesse zur Herstellung von Benzol beruhen auf Erdgas als Rohstoff über die Zwischenstufe Methanol, etwa Prozesse wie Methanol-to-Aromatics mit modifizierten Zeoliten des ZSM-5-Typs.[32] Durch die Dehydrocyclodimerisierung von Erdgaskomponenten wie Propan und n-Butan lässt sich im Cyclar-Prozess ebenfalls Benzol gewinnen.[33]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kristallstruktur von Benzol

Benzol kristallisiert in einer orthorhombischen Kristallstruktur mit der Raumgruppe Pbca (Raumgruppen-Nr. 61)Vorlage:Raumgruppe/61 und den Gitterparametern a = 746, b = 967 und c = 703 pm.[34] Benzol ist eine farblose, klare, mit einem Brechungsindex von 1,5011 stark lichtbrechende[1], leicht flüchtige und leicht brennbare Flüssigkeit und brennt mit leuchtender, stark rußender Flamme. Benzoldämpfe sind sehr giftig und krebserregend. Der Brechungsindex von Benzol stimmt recht gut mit dem von Fensterglas überein. Ein Glasstab, der in Benzol eingetaucht ist, ist daher nahezu unsichtbar. Die Viskosität des Benzols ist geringer als die des Wassers, es ist dünnflüssiger. Es erstarrt bei 5,5 °C und siedet bei 80,1 °C.[1] Bei Zimmertemperatur (20 °C) hat es eine Dichte von 0,88 Kilogramm pro Liter und einen Dampfdruck von 100 hPa.[1]

Der thermische Ausdehnungskoeffizient γ des flüssigen Benzols beträgt bei 25 °C; 0,00114 K−1, die relative Dielektrizitätskonstante beträgt 2,28. Die spezifische Wärmekapazität (flüssig) beträgt bei 20 °C; 1,738 kJ/kg·K, die Wärmeleitfähigkeit bei 20 °C ist 0,144 W/(m·K), die Dynamische Viskosität bei 20 °C; 0,648 mPa·s[35], dies ergibt die Prandtl-Zahl bei 20 °C von 7,8. Die Verdampfungsenthalpie beträgt am Verdampfungspunkt (80 °C); 30,75 kJ/mol, dies entspricht einer Verdampfungsentropie von 87 J/(K·mol).[36] Der Heizwert des Benzols beträgt 40.580 kJ/kg, die Verbrennungsenthalpie −3257,6 kJ/mol bei flüssigem Benzol und −3301 kJ/mol bei gasförmigem.

Molekulare Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bindungswinkel- und Längen im Benzolmolekül
Hauptartikel: Aromatizität

Eine Besonderheit ist, dass Benzol sechs gleich lange Bindungen von 139 pm besitzt.[34] Dieser Wert liegt zwischen dem für eine Einfachbindung von etwa 147 pm und eine Doppelbindung von etwa 135 pm und ist ein Kennzeichen für den aromatischen Charakter von Benzol. Benzol ist der einfachste der benzoiden aromatischen Kohlenwasserstoffe, die auch Arene genannt werden. Die besonderen Bindungsverhältnisse dieser Stoffgruppe werden Aromatizität genannt. Die Länge aller Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen beträgt 109 pm.

Jedes Kohlenstoffatom hat vier Valenzelektronen, von denen zwei das Atom mit den benachbarten C-Atomen verbinden. Ein Elektron bindet das zugehörige Wasserstoffatom. Die verbleibenden sechs π-Elektronen ergeben formal drei π-Bindungen, wie sie in der Strukturformel mit drei Doppelbindungen ausgedrückt wurden. In dem heute gültigen Orbitalmodell bilden die sechs π-Elektronen eine delokalisierte Ladungswolke (delokalisiertes 6-π-Elektronensystem) über und unter der Ebene des Kohlenstoffrings.

Molekülorbitale des Benzols
Molekülgeometrie und Aromatizität des Benzols
Mesomerie des Benzols
Mesomerie des Benzols. Die delokalisierten π-Elektronen sind energetisch günstiger als die Grenzstrukturen mit lokalisierten Doppelbindungen. Mesomerieenergie EM (Resonanzenergie)

Kekulé drückte diesen Umstand der Mesomerie durch zwei Strukturformeln aus, die nur die beiden Extrempunkte der Ladungswolke symbolisieren. Aufgrund der Mesomerie ist der Kohlenstoffring stabiler als das hypothetische Cyclohexa-1,3,5-trien mit lokalisierten Doppelbindungen an festgelegten Positionen. In der vereinfachten Schreibweise wird der Kohlenstoffring heute als Sechseck und die Elektronenwolke als einbeschriebener Kreis dargestellt. Den Effekt der Mesomerie oder der Resonanz im Benzolmolekül erkannte aber erst Linus Pauling in den 1930er Jahren.[37]

Benzol ist ein planares Molekül, bei dem die Kohlenstoffatome alle sp2-hybridisiert sind. Dies wurde von der britischen Kristallographin Kathleen Lonsdale durch Röntgenbeugung im Jahr 1929 bewiesen.[12] Die Delokalisierung der Elektronen begründet die Äquivalenz aller CH-Gruppierungen im Molekül und damit die hohe Symmetrie,[38] weswegen Benzol der Punktgruppe D6h angehört, also mit einer sechszähligen Achse versehen ist.[39] Der Einfluss des π-Elektronensystems auf die Struktur ist jedoch nicht unumstritten.[40] Im Sommer 2013 gelang es Forschern des Lawrence Berkeley National Laboratory, mit einem Rasterkraftmikroskop die hexagone Molekülgeometrie des Benzols nachzuweisen und fotografisch darzustellen.[41][42]

Spektroskopische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 1H-NMR-Spektrum zeigen die Wasserstoffatome eine ungewöhnlich starke Entschirmung (Singulett bei 7,28 ppm in CDCl3 für alle sechs Wasserstoffatome), die durch den vom Magnetfeld des Spektrometers induzierten Ringstrom verursacht wird.[43]

Im 13C-NMR-Spektrum zeigt Benzol in CDCl3 ein Signal bei 128,5 ppm für alle sechs Kohlenstoffatome.[43]

Im IR-Spektrum erscheint die Phenyl-Wasserstoffschwingung bei etwa 3.035 cm−1. Die C–C-Valenzschwingung erscheint bei 1.500 bis 2.000 cm−1. Bei 650 bis 1.000 cm−1 befinden sich die C–H-Deformationsschwingungen.[43]

UV-spektroskopisch lässt sich Benzol noch in hoher Verdünnung an zwei typischen Absorptionen (π-π* Übergänge) im Bereich von 200 bis etwa 250 nm nachweisen.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit unpolaren, organischen Lösungsmitteln wie Ether, sowie mit Methanol, Ethanol, Essigsäureethylester, Aceton ist Benzol in jedem Verhältnis unbegrenzt mischbar, mit Wasser jedoch nur schlecht (maximal 1,8 Gramm Benzol pro Liter). Benzol bildet mit 8,83 % Wasser ein Azeotrop, das bei 69,25 °C siedet.

Oxidation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzol verbrennt mit gelber Flamme zu Wasser und Kohlendioxid, wobei die starke Rußentwicklung auf den hohen Kohlenstoffanteil der Verbindung hinweist. Benzol hat einen charakteristischen Geruch. Die Geruchsschwelle ist sehr niedrig und liegt bei 1,5 bis 900 Milligramm pro Kubikmeter Luft. Die Verbrennung im Motor als Ottokraftstoff ist einer der mengenmäßig größten Reaktionen von Benzol.

Vollständige Oxidation (Verbrennung) des Benzols:

Mit Sauerstoff reagiert Benzol zu Kohlenstoffdioxid und Wasser.

Durch katalytische Oxidation von Benzol mit Luftsauerstoff mittels eines Vanadiumpentoxid-Katalysators bei etwa 450 °C entsteht Maleinsäureanhydrid. Aufgrund des Verlustes der geringen Atomökonomie werden jedoch Verfahren mit einem C4-Rohmaterial bevorzugt.

Radikalische Substitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterscheidung von Benzol und Alkenen. links:Benzol reagiert nicht mit Bromwasser rechts: Cyclohexen reagiert mit Bromwasser

Radikalische Substitutionen am Benzol finden im Vergleich zu Alkenen aufgrund der Stabilisierung durch die Aromatizität nicht statt. Ausnahme bildet hierbei die sogenannte Sandmeyer-Reaktion, bei der aus Diazoniumsalzen in einer durch Kupfer katalysierten homolytischen Abspaltung von molekularem Stickstoff ein Phenyl-Radikal entsteht. Dieses ist aber hochreaktiv und reagiert sofort weiter. Ein wichtiges Merkmal der Aromatizität von Benzol ist das Ausbleiben einer Additionsreaktion mit Bromwasserstoffsäure oder Bromwasser.

Radikalische Addition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für eine Radikalische Additionsreaktion (Chlorierung):

Mit Chlor reagiert Benzol zu Lindan.

Die Addition von Chlor an Benzol verläuft als Radikalkettenreaktion:[44]

[…]

Die Reaktion wird bei einer Temperatur von 15 bis 20 °C durchgeführt. Bei einem Umsatz von 12 bis 15 % wird die Reaktion abgebrochen und das Reaktionsgemisch aufgearbeitet.[44]

Elektrophile aromatische Substitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel für eine Elektrophile aromatische Substitution ist die Nitrierung von Benzol. Dabei bildet sich durch Protonierung von Salpetersäure mit konzentrierter Schwefelsäure ein reaktives Nitroniumion:

Dieses reagiert als Elektrophil mit dem Benzol:

Mit Salpetersäure reagiert Benzol in Gegenwart von Schwefelsäure zu Wasser und Nitrobenzol.

Die Umsetzung von Benzol zu Nitrobenzol beschrieb Eilhard Mitscherlich im Jahr 1834, die industrielle Produktion von Nitrobenzol, einem wichtigen Grundstoff für die Farbenindustrie, wurde schon 1847 aufgenommen.

Auch bei der Friedel-Crafts-Alkylierung handelt es sich um eine elektrophile aromatische Substitution. Unter der katalytischen Wirkung einer Lewissäure wie Eisen(III)-chlorid (FeCl3) oder Aluminiumchlorid (AlCl3) oder einer starken Brønsted-Säure wie Schwefelsäure (H2SO4), Phosphorsäure (H3PO4) oder Fluorwasserstoff (HF) wird Benzol mit einem Alkylhalogenid, einem Alkohol, einem Alken oder einem Alkin zu einem Alkylaromaten umgesetzt.

Übersicht 1 der Friedel-Crafts-Alkylierung

Die entstehenden Alkylaromaten finden Verwendung als Rohstoffe für Waschmittel.

Durch eine Friedel-Crafts-Acylierung wird Benzol ebenfalls unter Lewissäure-Katalyse mit Carbonsäurehalogeniden umgesetzt. Dadurch wird eine Acylgruppe eingeführt.

Übersicht der Friedel-Crafts-Acylierung

Metallorganische Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strukturformel von Bis(benzol)chrom

Bis heute wurden in der metallorganischen Chemie viele Komplexe synthetisiert, die Benzol als Ligand enthalten. Eine bekannte Verbindung ist das erstmals 1955 von Ernst Otto Fischer und Walter Hafner dargestellte Bis(benzol)chrom, ein sogenannter Sandwichkomplex.[45] Für die Synthese und die Untersuchung der Chemie des Bis(benzol)chroms und der Chemie der metallorganischen Sandwich-Verbindungen erhielt Ernst Otto Fischer 1973 den Nobelpreis für Chemie.[46]

Die Haptizität von Benzol als Ligand kann bei Redox-Reaktionen wechseln, etwa bei der Reduktion des Bis(benzol)ruthenium-Kations.[47]

EofRu(bz)2.png

Benzolderivate und Substitutionsmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Substitutions-
muster am Aromaten

Bei der Monoderivatisierung des Benzols, bei denen ein Wasserstoffatom durch eine andere Gruppe ersetzt wurde, entsteht auf Grund der Äquivalenz der aller Wasserstoffatome nur ein mögliches Derivat. Bei der Einführung von zwei gleicher Substituenten treten drei verschiedene Derivate auf. Die relative Stellung der Substituenten wird mit ortho-, meta- und para- gekennzeichnet. Bei der Einführung von drei gleichen Substituenten treten wiederum drei Isomere auf, die vicinal, symmetrisch und asymmetrisch genannt werden.

Pyrogallol2.svg Hydroxyhydrochinon.svg Phloroglucin.svg
Pyrogallol,
1,2,3-Trihydroxybenzol,
vicinal-Trihydroxybenzol
Hydroxyhydrochinon,
1,2,4-Trihydroxybenzol,
asymmetrisch-Trihydroxybenzol
Phloroglucin,
1,3,5-Trihydroxybenzol,
symmetrisch-Trihydroxybenzol

Viele wichtige Chemikalien sind Derivate des Benzols, haben also einen Benzolring als Grundgerüst. Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten und einfachsten Derivate des Benzols, welche selbst Grundstoffe für weitere Chemikalien darstellen:

Toluol Ethylbenzol ''n''-Propylbenzol Isopropylbenzol Styrol Benzaldehyd Xylol Nitrobenzol Anilin Benzonitril Chlorbenzol Iodbenzol Fluorbenzol Brombenzol Phenol Thiophenol Benzoesäure Acetophenon Anisol Methylbenzoat Ethoxybenzol BenzolsulfonsäureBenzolderivate.svg
Über dieses Bild

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethylbenzol Styrol Polystyrol Phenoplast Phenol Caprolactam Polyamide Cumol Bisphenol A Epoxidharz Aceton Lösungsmittel Acetoncyanhydrin Plexiglas Cyclohexan Cyclohexanon Caprolactam Cyclohexanol Adipinsäure Nitrobenzol Anilin Isocyanate Polyurethane Weichmacher Farbstoff Arzneimittel Stabilisator SynthesekautschukBenzol als Edukt.svg
Über dieses Bild

In der Vergangenheit fand Benzol als gutes Lösungs- und Reinigungsmittel in vielen Bereichen Verwendung. Als Lösungsmittel für Wachse, Harze und Öle wird Benzol zunehmend durch weniger giftige Stoffe verdrängt. Auch wurde es zur Entkoffeinierung von Kaffee im sogenannten Roselius-Prozess eingesetzt.[48] Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Benzol wegen seines angenehmen Geruchs als ein After-Shave benutzt.[49]

Wegen der damit verbundenen Gefahren dürfen in Deutschland Benzol und benzolhaltige Zubereitungen mit über 0,1 Prozent nicht in Verkehr gebracht werden.[50] In größeren Mengen darf Benzol nur in geschlossenen Systemen und zu industriellen oder Forschungszwecken verwendet werden. Eine Ausnahme bilden hier Treibstoffe; Benzol erhöht die Klopffestigkeit von Benzin, weshalb es in der Entwicklung der Ottokraftstoffe eine wichtige Rolle einnahm. Einige frühere Lokomotiven mit Verbrennungsmotor benutzten einen Treibstoff, der hauptsächlich aus Benzol bestand. Heute ist es nur noch als Kraftstoffzusatz in einer Konzentration bis zu einem Prozent zulässig.

Benzol wird in der Petrochemie für die Synthese vieler Verbindungen gebraucht, vorwiegend Ethylbenzol (52 %), Cumol (20 %), Cyclohexan (13 %) und Nitrobenzol (neun %).[51] Diese Verbindungen sind, wie die Abbildung rechts zeigt, wiederum Ausgangsstoffe zur Synthese von Verbindungen, wie Styrol, Phenol, Aceton, Cyclohexanol, Cyclohexanon und Anilin. Auf ihnen basieren Kunststoffe, wie Polystyrol, Styrol-Butadien-Kautschuk, Polyamide (Nylon) und Epoxidharze. Viele weitere Produkte, wie waschaktive Salze der Alkylbenzolsulfonsäuren, technische Lösemittel, bestimmte Pestizide wie Lindan und Farbstoffe basieren auf Benzol oder seinen Folgeprodukten.

Sicherheitstechnische Kenngrößen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei −11 °C.[52] Benzol bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Der Explosionsbereich liegt zwischen 1,2 Volumenprozent (39 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 8,6 Volumenprozent (280 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).[52] Die Grenzspaltweite wurde mit 0,99 mm bestimmt.[52] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsklasse IIA.[1] Die Mindestzündenergie liegt bei 0,2 mJ.[52] Damit können energetisch schwächere Zündquellen wie Büschelentladungen und Schleif- beziehungsweise Schlagfunken eine Entzündung von Dampf-Luft-Gemischen innerhalb der Explosionsgrenzen bewirken. Die Zündtemperatur beträgt 555 °C.[52] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T1.

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzolflasche

Benzoldämpfe sind beim Einatmen giftig; die Symptome akuter Vergiftungen treten erst bei relativ hohen Konzentrationen ein. Leichte Vergiftungen äußern sich in Schwindelgefühl, Brechreiz, Benommenheit und Apathie. Bei einer schweren Vergiftung kommt es zu Fieber und Sehstörungen bis hin zu vorübergehender Erblindung und Bewusstlosigkeit. Bei der sogenannten Benzolsucht, die beim Einatmen von Benzol eintreten kann, kommt es zu Trunkenheits- und Euphoriegefühlen. Benzol kann bei längerer Einwirkung auf den Organismus zum Tod führen.

Die Giftwirkung ebenso wie die karzinogene Wirkung als Klastogen ist auf die Bildung eines karzinogenen Metaboliten zurückzuführen. Im Körper wird Benzol enzymatisch am Ring oxidiert. Das entstehende hochreaktive Epoxid (Arenoxid) reagiert mit zahlreichen biologischen Verbindungen und kann das Erbgut schädigen beziehungsweise Protein-Addukte bilden. Das Arenoxid wird weiter zu Phenol metabolisiert. Durch Hydrolasen kann das hochreaktive Arenoxid zum trans-1,2-Dihydrobenzol-1,2-diol weiter reagieren. Außerdem kann das Arenoxid reversibel zum Oxepin umlagern. Diese Weiterreaktionen verlaufen nicht-enzymatisch.[53] Eine langzeitige Aufnahme kleinerer Benzolmengen führt vor allem zu Schädigungen der inneren Organe und des Knochenmarks. Letzteres resultiert in einer Abnahme der Zahl der roten Blutkörperchen (Anämie), was sich in Herzklopfen, Augenflimmern, Müdigkeit, Schwindel, Blässe und Kopfschmerzen äußert. Benzol wird im Gehirn, Knochenmark und Fettgewebe gespeichert. Es wird nur langsam über die Niere ausgeschieden. Der Abbau erfolgt über verschiedene Umbauprodukte wie das Brenzcatechin, Phenol, Hydrochinon und Benzochinon. Das Hauptausscheidungsprodukt ist schließlich die Phenylmercaptursäure (N-Acetyl-S-phenyl-cystein).

Bei zwei Prozent Luftvolumenanteil Benzol in der Atemluft kommt es nach fünf bis zehn Minuten zum Tod. Die akute letale Dosis (oral) beträgt beim Menschen 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 1,4 bis 8 Prozent bildet Benzol explosive Gemische.

Benzol ist wegen dieser Gefahren mit besonderer Vorsicht zu handhaben. Benzol muss bei 15 °C bis 25 °C gelagert werden. Der TRK-Wert lag bei 1 Milliliter pro Kubikmeter Luft (beziehungsweise 3,25 mg/m3 Luft). Jede Exposition gegenüber Benzol sollte möglichst vermieden oder verringert werden; vor dem Gebrauch von Benzol sind besondere Anweisungen einzuholen. Bei Unfall oder Unwohlsein sollte sofort ein Arzt hinzugezogen werden. Orte, an denen Benzol austritt oder austreten könnte, sollten sofort verlassen und nur in Vollschutzanzügen wieder betreten werden. Benzol ist stark wassergefährdend.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Benzol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Benzol – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n Eintrag zu Benzol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2017 (JavaScript erforderlich).
  2. Heinz G. O. Becker, Werner Berger und Günter Domschke: Organikum. 22. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2004, ISBN 978-3-527-31148-4, S. 732.
  3. Eintrag zu Benzene im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 9. November 2015.
  5. Otto-Albrecht Neumüller (Herausgeber): Römpps Chemie Lexikon, Frank’sche Verlagshandlung, 8. Auflage, Stuttgart 1983, ISBN 3-440-04513-7, S. 402−403.
  6. E. Mitscherlich: Ueber das Benzol und die Säuren der Oel- und Talgarten, in: Annalen der Pharmacie, 1834, 9 (1), S. 39–48, doi:10.1002/jlac.18340090103.
  7. Karsten Strey: Die Welt der Gifte, Verlag Lehmanns, 2015, ISBN 978-3865417282, S. 202.
  8. Charles Blachford Mansfield: Untersuchung des Steinkohlentheers. In: Annalen der Chemie und Pharmacie, 1849, 69, S. 162–180, doi:10.1002/jlac.18490690203.
  9. Lexikon der Chemie: Prisman.
  10. Lexikon der Chemie: Dewar-Benzol.
  11. Stephan Kekule von Stradonitz: Zwei chemische Visionen. In: Zeitschrift für angewandte Chemie, 1927, 40 (25), S. 736–737, doi:10.1002/ange.19270402505.
  12. a b K. Lonsdale: The Structure of the Benzene Ring. In: Nature, 1928, 122, S. 810, doi:10.1038/122810c0.
  13. Alan R. Katritzky: Advances in heterocyclic chemistry. Band 17, Academic Press, 1974, ISBN 0-12-020617-X, S. 7.
  14. Kriminalistik-Lexikon. C.F. Müller, 2013, ISBN 978-3-7832-0024-9, S. 599 (books.google.de).
  15. ARD Buffet Haushalts 1x1 noch mehr Expertenwissen. TOPP, 2014, ISBN 978-3-7358-0012-1 (books.google.de).
  16. Ronald L. Smith, Jane Anne Cameron: Effect of Water Soluble Fraction of Prudhoe Bay Crude Oil on Embryonic Development of Pacific Herring. In: Transactions of the American Fisheries Society. 108, 1979, S. 70–75, doi:10.1577/1548-8659(1979)108<70:EOWSFO>2.0.CO;2.
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  18. B. E. Gjesteland, J. Hollund, J. Kirkeleit, P. Daling, M. Bråtveit: Oil Spill Field Trial at Sea: Measurements of Benzene Exposure. In: Annals of Work Exposures and Health. Band 61, Nummer 6, Juli 2017, S. 692–699, doi:10.1093/annweh/wxx036, PMID 28595265.
  19. Stephen G. Burtell, Victor T. Jones III: EXPLORATION: Benzene content of subsurface brines can indicate proximity of oil, gas. In: Oil and Gas Journal, 1996, 94, 23 (Volltext).
  20. James W. Weaver, Linda R. Exum, Lourdes M. Prieto: Gasoline Composition Regulations Affecting LUST Sites. (PDF; 1,1 MB) Veröffentlichung der EPA, Januar 2010, S. 18.
  21. Sicherheitsdatenblatt firstfuelbank (PDF; 36 kB) Stand: Februar 2003
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  23. Felicity Barringer: E.P.A. Limits the Benzene in Gasoline by 2011. Artikel in der New York Times vom 10. Februar 2007.
  24. Umweltbundesamt: DATEN ZUR UMWELT: Der Zustand der Umwelt in Deutschland Ausgabe 2005, abgerufen am 27. Dezember 2015 (pdf).
  25. a b D. Netzer, O. J. Ghalayini: Improve benzene production from refinery sources. In: Hydrocarbon Processing, 2002, S. 71–78.
  26. Marcos Granda, Clara Blanco, Patricia Alvarez, John W. Patrick, Rosa Menéndez: Chemicals from Coal Coking. In: Chemical Reviews, 2014, 114, S. 1608–1636, doi:10.1021/cr400256y.
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  33. CYCLAR™ Process Produces High-Quality Aromatic Products.
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  36. Walter J. Moore, Dieter O. Hummel: Physikalische Chemie. 4. Auflage, De Gruyter, 1986, ISBN 3-11-010979-4, S. 253.
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  38. Eric D. Glendening, Rudiger Faust, Andrew Streitwieser, K. Peter C. Vollhardt, Frank Weinhold: The role of delocalization in benzene. In: Journal of the American Chemical Society, 1993, 115 (23), S. 10952–10957, doi:10.1021/ja00076a061.
  39. E. Cox: Crystal Structure of Benzene. In: Reviews of Modern Physics, 1958, 30 (1), S. 159–162, doi:10.1103/RevModPhys.30.159.
  40. Philippe C. Hiberty, David Danovich, Avital Shurki, Sason Shaik: Why Does Benzene Possess a D6h Symmetry? A Quasiclassical State Approach for Probing π-Bonding and Delocalization Energies. In: Journal of the American Chemical Society, 1995, 117 (29), S. 7760–7768, doi:10.1021/ja00134a022.
  41. Artikel Fotografische Bestätigung der Benzol-Strukturformel auf elektronik.net, abgerufen am 13. Juni 2013.
  42. Artikel Atom by Atom, Bond by Bond, a Chemical Reaction Caught in the Act, Pressemitteilung des Lawrence Berkeley National Laboratory, abgerufen am 13. Juni 2013.
  43. a b c Eintrag zu Benzene in der Spectral Database for Organic Compounds (SDBS) des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST)
  44. a b Richard Wegler (Hrsg.): Chemie der Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfungsmittel. Band 1, Springer-Verlag, 1970, ISBN 978-3-642-46212-2, S. 129–132.
  45. E. O. Fischer, W. Hafner: Di-benzol-chrom. In: Zeitschrift für Naturforschung B, 1955, 10, S. 665–668, doi:10.1515/znb-1955-1201.
  46. The Nobel Prize in Chemistry 1973
  47. Gottfried Huttner, Siegfried Lange, Ernst O. Fischer: Molecular Structure of Bis(hexamethylbenzene)-ruthenium(0). In: Angewandte Chemie International Edition in English. 10, 1971, S. 556-, doi:10.1002/anie.197105561.
  48. Decaffeination 101: Four Ways to Decaffeinate Coffee.
  49. John McMurry: Organic Chemistry, Cengage Learning Services, 2003, ISBN 978-0534389994, S. 478.
  50. Anhang XVII Nr. 5 REACH-Verordnung
  51. Thomas Hillenbrand, Frank Marscheider-Weidemann, Manuel Strauch, Kerstin Heitmann, Dora Schaffrin: Emissionsminderung für prioritäre und prioritäre gefährliche Stoffe der Wasserrahmenrichtlinie. (PDF; 3,7 MB) Stoffdatenblätter 29-07 des Umweltbundesamts, Abschnitt 18.2.
  52. a b c d e E. Brandes, W. Möller: Sicherheitstechnische Kenngrößen – Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase. Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 2003.
  53. G. Eisenbrand, M. Metzler: Toxikologie für Chemiker. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-13-127001-2, S. 20.
Dieser Artikel wurde am 30. Oktober 2010 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.