Benzoylchlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Strukturformel des Benzoylchlorids
Allgemeines
Name Benzoylchlorid
Andere Namen
  • Benzoesäurechlorid
  • Benzocarbonylchlorid
  • BzCl
Summenformel C7H5ClO
CAS-Nummer 98-88-4
Kurzbeschreibung

farblose, an feuchter Luft rauchende, tränenreizende Flüssigkeit mit stechendem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 140,57 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,22 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

−1 °C[1]

Siedepunkt

197 °C[1]

Dampfdruck

50 Pa (20 °C)[1]

Löslichkeit

Zersetzung in Wasser[1]

Brechungsindex

1,5537 (20 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
05 – Ätzend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 332​‐​312​‐​302​‐​314​‐​317
P: 280​‐​305+351+338​‐​310 [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
Ätzend
Ätzend
(C)
R- und S-Sätze R: 20/21/22​‐​34​‐​43
S: (1/2)​‐​26​‐​36/37/39​‐​45
MAK

nicht festgelegt, da Verdacht auf krebserzeugende Wirkung[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Benzoylchlorid ist eine farblose, an feuchter Luft infolge der Zersetzung zu Chlorwasserstoff und Benzoesäure, leicht rauchende flüssige Chemikalie. Formal ist es das Chlorid der Benzoesäure. Die unangenehm und stechend riechenden Dämpfe reizen Atemwege und Augen.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Benzoylchlorid lässt sich durch die Umsetzung von Benzoesäure mit Thionylchlorid (oder auch mit Phosphor(III)-chlorid und Phosphor(V)-chlorid, oder Phosgen) herstellen.

\mathrm{Ph{-}COOH + SOCl_2 \longrightarrow} \mathrm{Ph{-}COCl + SO_2 + HCl \ }
\mathrm{2 \ Ph{-}COOH + PCl_3 \longrightarrow} \mathrm{2 \ Ph{-}COCl + HPO_2 + HCl \ }
\mathrm{4 \ Ph{-}COOH + PCl_5 \longrightarrow} \mathrm{4 \ Ph{-}COCl + H_3PO_4 + HCl \ }
\mathrm{Ph{-}COOH + COCl_2 \longrightarrow} \mathrm{Ph{-}COCl + CO_2 + HCl \ }

Wichtigste Methoden der industriellen Herstellung des Benzoylchlorids sind jedoch die Chlorierung von Benzaldehyd:

\mathrm{Ph{-}CHO + Cl_2 \longrightarrow} \mathrm{Ph{-}COCl + HCl \ }

sowie die kontrollierte Hydrolyse von Benzotrichlorid:

\mathrm{Ph{-}CCl_3 + H_2O \longrightarrow} \mathrm{Ph-COCl + 2 \ HCl \ }

oder dessen Reaktion mit Benzoesäure:

\mathrm{Ph{-}CCl_3 + Ph{-}COOH \longrightarrow} \mathrm{2 \ Ph{-}COCl + HCl \ }

Eigenschaften[Bearbeiten]

Benzoylchlorid ist eine schwer entzündliche Flüssigkeit (Flammpunkt zwischen 55 und 100 °C), deren Dämpfe mit Luft beim Erhitzen des Stoffes über seinen Flammpunkt ein explosionsfähiges Gemisch bilden können. Benzoylchlorid reagiert mit Wasser in einer Hydrolysereaktion zu Benzoesäure und Salzsäure.

\mathrm{C_6H_5COCl + H_2O \longrightarrow } \mathrm{C_6H_5COOH + HCl \ }

Durch Reaktion mit Ammoniak lässt sich Benzamid herstellen.

\mathrm{C_6H_5COCl + 2 \ NH_3 \longrightarrow } \mathrm{C_6H_5CONH_2 + NH_4Cl \ }

Verwendung[Bearbeiten]

Benzoylchlorid wird u. a. zur Herstellung von Benzoesäureestern verwendet. Wegen seiner Schwerlöslichkeit in Wasser kann die Veresterung gut nach der Schotten-Baumann-Methode durchgeführt werden. Die Verwendung von Carbonsäurechloriden anstelle der Carbonsäuren liefert deutlich höhere Ausbeuten.

In der Nucleinsäurenchemie dient Benzoylchlorid in Pyridin als Lösungsmittel als beliebtes Reagens zur Einführung der Benzoyl-Schutzgruppe, um sekundäre Alkohole zu schützen. Die Schutzgruppe kann durch alkalische Hydrolyse des Benzoesäureesters leicht wieder entfernt werden.[6]

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Beim Kontakt mit Wasser (z. B. aus der Luft) entstehen gefährliche Chlorwasserstoff-Dämpfe. Jeglicher Hautkontakt ist zu vermeiden, Benzoylchlorid verursacht schmerzhafte Verätzungen. Unbedingt vermieden werden sollte das Einatmen der Dämpfe. Im Tierversuch erwies sich Benzoylchlorid (wahrscheinlich wegen der extrem schnellen Metabolisierung zu Benzoesäure, Hippursäure und Chlorwasserstoff) nicht als genotoxisch. Aussagen zur Kanzerogenität können zur Zeit nicht getroffen werden.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Eintrag zu CAS-Nr. 98-88-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 07.01.2008 (JavaScript erforderlich).
  2. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-40.
  3. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 98-88-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  4. Datenblatt Benzoylchlorid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 11. März 2011 (PDF).
  5. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. Nukleoside, Nukleotide, Nukleinsäuren, genetischer Code, Genexpression, Gentechnik. (PDF)
  7. BAUA

Weblinks[Bearbeiten]