Beraunit

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Beraunit
Beraunite-91804.jpg
Beraunit aus der Mark Mine, Essershausen, Weilburg, Kreis Wetzlar, Hessen
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Fe2+Fe3+5[(OH)5|(PO4)4]·6H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.DC.27 (8. Auflage: VII/D.11)
41.11.16.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem Monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15
Gitterparameter a = 20,95 Å; b = 5,17 Å; c = 19,27 Å
β = 93,3°°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung Durchdringungszwillinge nach {100}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,8 bis 3,08; berechnet: 2,894
Spaltbarkeit gut nach {100}
Bruch; Tenazität spröde
Farbe mattes Grün bis grünbraun, rotbraun, blutrot
Strichfarbe trübes Olivgrün wenn frisch, gelbbraun wenn oxidiert[2]
Transparenz Durchscheinend
Glanz Glasglanz, Harzglanz, Perlglanz an Spaltstellen[2]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,707 bis 1,775[2]
nβ = 1,735 bis 1,786[2]
nγ = 1,738 bis 1,820[2]
Doppelbrechung δ = 0,031 bis 0,045[3]
Optischer Charakter zweiachsig positiv[3]
Achsenwinkel 2V = gemessen: 30° bis 60°; berechnet: 66°[3]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in Säuren[4]

Beraunit ist ein eher seltenes Mineral der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate mit der chemischen Zusammensetzung Fe2+Fe3+5[(OH)5|(PO4)4]·6H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Beraunit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige Kristalle von bis zu einem Zentimeter Größe. Zudem kann er grobe Nadeln in Mineral-Aggregaten ausbilden.[2]

Mit einer Mohshärte von 3 bis 4 gehört der Beraunit zu den weichen bis mittelharten Mineralen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mineral wurde 1941 von August Breithaupt in seinem Vollständiges Handbuch der Mineralogie erstmals beschrieben. Er fand es im Kreis Beraun (heute Beroun) in Böhmen, heutiges Tschechien.[5] Später wurde das Mineral von Clifford Frondel genauer untersucht. Er untersuchte die chemische Zusammensetzung und kam auf eine Formel zwischen Fe3+5[(PO4)3|(OH)6]·21/4H2O und Fe2+Fe3+4[(PO4)3|(OH)5]·21/2H2O.[6] Heute gilt die Formel Fe2+Fe3+5[(OH)5|(PO4)4]·6H2O[1], also enthält Beraunit wesentlich mehr Kristallwasser, als von Frondel angenommen wurde.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Beraunit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Strunzit die „Strunzit-Beraunit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/D.11 und den weiteren Mitgliedern Bermanit, Burangait, Dufrénit, Ercitit, Ferristrunzit, Ferrostrunzit, Gormanit, Kakoxen, Kidwellit, Laubmannit, Matioliit, Meurigit-K, Meurigit-Na, Natrodufrénit, Oxiberaunit, Souzalith und Tinticit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Beraunit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1 und < 2 : 1“ zu finden ist, wo es als alleine die unbenannten Gruppe 8.DC.27 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Beraunit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er alleine in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 42.11.16 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)4(XO4)3Zq × x(H2O)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beraunit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 20,943 Å, b = 5,129 Å, c = 19,213 und Å, β = 93,67° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Die Eisenatome sind in der Gitterstruktur sechsfach koordiniert. Die Phosphatanionen ([PO4]3−) bilden Tetraeder.[4]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beraunit ist gut löslich in Säuren.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beraunit kommt in Spuren in Eisenerz vor, zudem in Lehm und Sand. Er ist ein Sekundärmineral zu Triphylin. Beraunit bildet Paragenesen mit Vivianit, Dufrénit, Rockbridgeit, Wavellit, Ferristrunzit, Frondelit, Hureaulith, Mitridatit, Stewartit, Laueit, Leukophosphit, Triphylin und Limonit.[2]

Beraunit kommt an etwa 150 Fundstellen vor.[7]

Die Typlokalität liegt Tschechien im Kreis Beroun und dort in St. Benigna (Svatá Dobrotivá) in der „Hrbek Mine“. Weitere Fundorte in Tschechien sind Kutterberg (Kutná Hora). In der Region Karlovy Vary gibt es in Krásno nad Teplou (Schönfeld) einen Fundort, sowie zwei Fundorte in der Region Pilsen. In der Region Vysočina gibt es ebenfalls einen Fundort.[7]

In Deutschland gibt es ungefähr 25 Fundorte. In Baden-Württemberg gibt es einen Fundort in Wolfach im Schwarzwald. In Bayern gibt es viele Fundorte, die meisten davon in der Oberpfalz (in den Gemeinden Auerbach, Pleystein, Plößberg und Waidhaus), einen gibt es in Bayern jedoch in der Region Niederbayern in Rabenstein. In Hessen gibt es im Kreis Wetzlar in Rodheim-Bieber, in Waldgirmes und in Weilburg Fundorte. In Nordrhein-Westfalen gibt es eine Fundstelle im Sauerland in Uentrop (Stadt Arnsberg), und im Wuppertal bei Schloss Aprath. In Sachsen gibt es einen Fundort im Erzgebirge in Bezirk Annaberg, sowie zwei Fundorte in Görlitz in der Oberlausitz und einen Fundort in Auerbach im Vogtland. In Schleswig-Holstein gibt es einen Fundort in Jodelund. In Thüringen gibt es einen Fundort im Harz und einen im Vogtland.[7]

In Österreich gibt es in der Steiermark drei Fundorte. Der Erste in Eisenerz, ein zweiter im Gebirgszug Koralpe in Modriach und ein dritter in Leoben.[7]

In der Schweiz gibt es einen Fundort in Brissago im Kanton Tessin.[7]

Weitere Fundorte gibt es in Australien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Kamerun, Mali, Marokko, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien, Schweden, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich in England und in den US-Bundesstaaten Alabama, Arizona, Arkansas, Connecticut, Florida, Georgia, Indiana, Maine, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, North Carolina, Pennsylvania, South Carolina, South Dakota und Tennessee.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Y. M. F. Cossato, P. Orlandi, M. Pasero: Manganese–bearing beraunite from Mangualde, Portugal: mineral data and structure refinement. In: The Canadian Mineralogist. Band 27, 1989, S. 441–446 (rruff.info [PDF; 683 kB; abgerufen am 23. April 2018]).
  • Paul B. Moore, A. R. Kampf: Beraunite: Refinement, comparative crystal chemistry, and selected bond valences. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 201, 1992, S. 263–263 (rruff.info [PDF; 417 kB; abgerufen am 23. April 2018]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beraunite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 499.
  2. a b c d e f g Beraunite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 66 kB; abgerufen am 23. April 2018]).
  3. a b c d Mindat – Beraunite (englisch)
  4. a b c Mineralienatlas: Beraunit
  5. August Breithaupt: Beraunit. In: Vollständiges Handbuch der Mineralogie. 1941 (rruff.info [PDF; 101 kB; abgerufen am 23. April 2018]).
  6. Clifford Frondel: The dufrenite problem. In: American Mineralogist. Band 34. Mineralogical Society of America, 1949, S. 537 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 23. April 2018]).
  7. a b c d e f Fundortliste für Beraunit beim Mineralienatlas und bei Mindat