Berbersdorf (Striegistal)

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Berbersdorf
Gemeinde Striegistal
Koordinaten: 51° 0′ 38″ N, 13° 10′ 50″ O
Höhe: 290 m ü. NN
Fläche: 8,1 km²
Einwohner: 475 (1. Jan. 2014)
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Eingemeindet nach: Striegistal
Postleitzahl: 09661
Vorwahl: 037207
Berbersdorf (Sachsen)
Berbersdorf
Berbersdorf

Berbersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Striegistal im Landkreis Mittelsachsen, Freistaat Sachsen. In unmittelbarer Ortsnähe befindet sich die Anschlussstelle 74 der Autobahn A 4. Die Entfernung zur Landeshauptstadt Dresden beträgt etwa 40 km, nach Chemnitz sind es rund 30 km. Leipzig ist über die A 14 ungefähr 100 km entfernt.

Am Berbersdorfer Bach

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis zur Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berbersdorf wurde kurze Zeit vor dem Jahr 1162 als zweiseitiges Reihendorf mit Waldhufenflur im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung auf Veranlassung von Markgraf Otto von Wettin gegründet. Es gehört zu den Dörfern die dem Kloster Altzella im Jahr 1162 gestiftet wurden. Berbersdorf ist nach Pappendorf gepfarrt. Berbersdorf wurde im Jahr 1428 (siehe unten) erstmals als Berbirsdorff urkundlich erwähnt. 1510 wird die Mühle genannt.

Ortsnamenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schreibweise des Ortsnamens Berbersdorf hat im Laufe der Geschichte variiert. Folgende Formen sind aus historischen Quellen überliefert. [1]

  • 1428 Berbirsdorff
  • 1449 Berwerstorff
  • 1510 Berbistorff
  • 1814 Berbersdorf, Berbsdorf

Der Ortsname geht auf einen Personennamen zurück, dessen zweiter Teil sich heute nicht mehr mit Sicherheit angeben lässt. Berbersdorf war das Dorf eines Ber(n)ward, Berwig oder ähnlich[2]. Dabei könnte es sich um den Vertreter der Siedlergemeinde, den ersten Ortsrichter gehandelt haben.

Von der Reformation bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Säkularisation des Klosters Altzella wurde nach kurzer Übergangszeit Ulrich von Mordeisen Grundherr des Dorfes. Nach seinem Ableben verkaufte sein Sohn Rudolf Mordeisen das Dorf an den Kurfürsten Christian I. von Sachsen. Der Kaufvertrag vom 5. Juli 1587 ist erhalten. Das Dorf wurde Amtsdorf im Amt Nossen.

Am 1. Juli 1950 wurde das nach Marbach gepfarrte Dorf Schmalbach in die Gemeinde Berbersdorf eingemeindet. Am 1. Januar 1994 schlossen sich die Dörfer Berbersdorf (mit Schmalbach), Goßberg, Mobendorf und Pappendorf (mit Kaltofen) zur Gemeinde Striegistal zusammen. Im Am 1. Juli 2008 fusionierten die Gemeinden Tiefenbach und Striegistal und führen seitdem den Namen Striegistal.

Notwendige Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Tradition folgend, wird in Berbersdorf in regelmäßigen Abständen ein Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes im Jahr 1168 gefeiert. Eigenartig ist, dass sich in der Vergangenheit niemand für den Inhalt dieser Urkunde interessierte. Man hätte schnell bemerkt: es gibt keine diesbezügliche Urkunde aus dem Jahr 1168.

Beim Abriss einer Kirchenwand im Amt Meißen wurde im Jahr 1769 ein Holzkästchen gefunden, darinnen eine Urkunde mit dem Siegel von Markgraf Otto aus dem Jahr 1186. In dieser Urkunde wird ein Everberrindorf genannt. Die 1889 geäußerte Annahme der Historiker, es handle sich um Berbersdorf, erwies sich als falsch. So schrieb beispielsweise Richard Witzsch 1929 in seinem in der Region allgemein bekannten Büchlein „Die Dörfer an der Striegis“: „Die Deutung des Namens Everberrindorf = Berbersdorf ist ein Irrtum“[3]

Vertauscht man die letzten beiden Ziffern von 1186 erhält man 1168! So kam es, dass man die Feiern auf zweifachem Irrtum gründete: Falsche Urkunde und Zahlendreher.

Die erste urkundliche Erwähnung von Berbersdorf erfolgte im Jahr 1428, 260 Jahre nach 1168.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenfluss von Großer und Kleiner Striegis
  • Landschaftsschutzgebiet Striegistäler
  • Landschaftsschutzgebiet Tiefenbach
  • Flächennaturdenkmal Kalkbrüche Berbersdorf mit Bergbaurelikten, ehemaliges Kalkbrennerhaus (heute Gaststätte)
  • Zusammenfluss von Großer Striegis und Kleiner Striegis mit Hochwasser-Gedenksäule
  • Postmeilensäule, Viertelmeilenstein (Nachbildung) an der Auffahrt zur A4
  • mehrere Rundwanderwege, ausgeschilderte Parkplätze

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Franz Gerhard Starke (* 16. August 1916 in Berbersdorf (Striegistal); † 24. Mai 1996 in Berlin) war ein deutscher Journalist.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Berbersdorf liegt an der ehemaligen Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa. Der Personenverkehr endete zum 24. Mai 1998; der Güterverkehr zum 1. Januar 2000. Inzwischen ist der Abschnitt zwischen Roßwein und Hainichen stillgelegt und demontiert. Als Ersatzverkehr für die Bahn verkehrt am Wochenende die Buslinie 616, welche gleichzeitig eine touristische Linie darstellt. Weitere Buslinien die Berbersdorf bedienen sind die Linie 690 und 695. Auf der Bahntrasse soll seit vielen Jahren ein Radwanderweg von Hainichen nach Roßwein errichtet werden. Das scheiterte bisher am Einspruch von Naturschützern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Witzsch: Zwischen Chemnitz und Freiberg, Ein Heimatbuch für Schule und Haus, II. Die Dörfer an der Striegis, Frankenberg 1929, Striegistal 2012 (Reprint)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berbersdorf (Striegistal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berbersdorf. Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, abgerufen am 3. Januar 2014.
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, Seite 56
  3. Richard Witzsch: Zwischen Chemnitz und Freiberg, ein Heimatbuch für Schule und Haus, II. Die Dörfer an der Striegis Frankenberg 1929, Reprint Striegistal 2012, Seite 69.