Bergfest

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Bergfest ist eine jeweils im lokalen bis regionalen Maßstab gebräuchliche Kurzbezeichnung für zahlreiche Volks-, Heimat- oder Kirchenfeste, bei denen ein Berg als Veranstaltungsort oder als identitätsstiftender Namensgeber fungiert. In Bergbaugegenden war das Bergfest für die Bergleute der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres. Zum Programm gehörten der Berggottesdienst, eine Bergparade und selbstverständlich die Bergmusik[1]. Eines der größten Bergfeste mit bergbaulicher Tradition mit über 400 Paradeteilnehmern und mehreren tausend Besuchern fand am 9. September 2018 in Oelsnitz im Erzgebirge in Anlehnung an die Traditionen im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier statt. [2] Zur überregionalen Unterscheidung wird meist der Name der Ortschaft oder des Berges als Attribut hinzugefügt. Bekannte Bergfeste sind die Bergkirchweih Erlangen und die Bergfestwoche der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Amberg. Einige Veranstaltungen, die heute nur noch einfach „Bergfest“ genannt werden, sind aus ehemaligen Bergturnfesten hervorgegangen oder stehen bis heute in dieser Tradition, wie z. B. das Feldbergfest.

Metapher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutlich verschieden von dieser Bedeutung des Wortes „Bergfest“ ist seine Verwendung als Metapher. Man bezeichnet damit den zwar nicht unbedingt als feierlich, aber wenigstens als markant wahrgenommenen Zeitpunkt der Mitte eines bestimmten Zeitabschnitts.[3] Im Unterschied zu dem identisch anwendbaren, aber eher sachlich-neutralen Wort „Halbzeit“, ist „Bergfest“ vielschichtiger und besitzt eine wertende Komponente. Der betrachtete Zeitraum wird mit einer Bergbesteigung verglichen. Das Symbol Berg deutet an, dass der bereits absolvierte Abschnitt anstrengend oder anderweitig anspruchsvoll gewesen ist, und dass man eventuell den verbleibenden Abschnitt trotz gleicher Länge mit weniger Anstrengung zu bewältigen hofft. So wird beispielsweise Mittwochs die Hälfte der Woche gefeiert („Mittwoch ist Bergfest“)

Studentenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dementsprechend sind Bergfeste besonders in nur temporär bestehenden Gemeinschaften beliebt, z. B. während der Studienzeit, und in diesem Umfeld teilweise auch traditionell verankert. Das Bergfest an der Technischen Universität Ilmenau beispielsweise besteht aus mehreren Veranstaltungen, die in dieser Form zum Teil schon seit über 30 Jahren stattfinden, wie die Bergfestvorlesung, Bierathlon und der Bergfestball. Noch nicht ganz so lange gibt es den Bergfestfilm, das Bergfesttheater oder das Seifenkistenrennen. Insgesamt erstreckt sich dieses Bergfest über fünf Tage mit zahlreichen Veranstaltungen. Seine ersten Erwähnungen gehen über 50 Jahre zurück, wobei das Bergfest damals aus einem großen Umzug durch die Stadt und einem großen Fest im Anschluss bestand. Damit stellt es einen der Höhepunkte des Studienjahres dar. Seit dem Jahr 2005 kümmert sich ein eingetragener und von Studenten organisierter Verein um das Fortbestehen dieser Tradition.[4]

Ein ähnlich langes und traditionsreiches Bergfest feiert die Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Der Anfang ist nicht genau bekannt, aber seit 1989 gibt es für jedes Bergfestmatrikel ein Tier als Maskottchen, eine Farbe und ein Logo. Start ist Dienstag Mitternacht und es endet am Samstag mit dem Sommerfest. Es werden Lieder umgedichtet, es gibt mehrere Bergfestvorlesungen, Spiele mit den Kliniken und Instituten, einen Bergfestfilm, einen Bergfestball und seit 2010 auch einen Bergfesttanz.

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine andere Tradition ist das Begehen des Bergfestes bei der Bundeswehr, wenn die Hälfte der Dienstzeit erreicht ist.[5]

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Gegenden Deutschlands handelt es sich bei dem Bergfest auch um eine vom 12. Jahrgang des Gymnasiums veranstaltete Feier, deren Erlös zur Finanzierung der Abitur-Feier im darauffolgenden Jahr dient.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch beim Film gibt es das Bergfest. Es findet zur Mitte der projizierten Dreharbeiten statt, um die Stimmung des zu diesem Zeitpunkt meist schon etwas desillusionierten Teams zu heben. Da es bei größeren Produktionen nicht selten zu Nachdrehs kommt, ist das Bergfest zu dieser Zeit jedoch meist schon graue Vergangenheit. Üblicherweise beginnen Dreharbeiten mit einem kleinen Warm-Up-Fest, dessen Zweck es ist, dass die Mitglieder dieses Drehteams sich kennenlernen und auch Berührungsängste zu evtl. anwesenden Berühmtheiten abbauen können. Zum Ende der Dreharbeiten (principal photography, also die Haupt-Dreharbeiten ohne Nachdrehs) gibt es dann die Abschlussfeier, auch Wrap Party genannt. Sie wird deshalb vor den Nachdrehs angesetzt, da die zusätzlichen Dreharbeiten meist nur von einem Bruchteil des ursprünglichen Teams bewerkstelligt werden, die übrigen Teammitglieder sind zu diesem Zeitpunkt wieder in alle Winde verstreut. Dies gilt natürlich nur für mehrwöchige Dreharbeiten und nicht für kleine Drehs wie Werbespots oder Musikvideos. Für diese gibt es meist nur eine Wrap Party.

Analogien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analogien zum Bergfest finden sich bei größeren Kunstausstellungen in Form der Midissage sowie beim Theater oder Film, wenn die Hälfte einer geplanten Vorstellungsserie bzw. Drehzeit erreicht ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Hagen: Armee in der Demokratie: Zum Verhältnis von zivilen und militärischen Prinzipien. Schriftenreihe des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr Springer-Verlag, 2007, ISBN 978-3-531-90167-1, S. 113, 4.4. (Auszug bei Google Books)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bergfest! Ein bergmännischer Brauch von Alters her. In: Die Turmstütze. 2/2017, Zeitschrift des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge und der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V., Oelsnitz/Erzgeb. 2017, ISSN 2193-2719
  2. Und immer wieder heißt es "Glück Auf", in: Freie Presse, 10. September 2018.
  3. Bergfest – Rechtschreibung, Bedeutung, Definition – duden.de
  4. Bergfest e.V. der TU Ilmenau
  5. Clemens Range: Die geduldete Armee: 50 Jahre Bundeswehr. Translimes Media, 2005, ISBN 3-00-015382-9, S. 107.